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Kanzler Merz rät: 50 Euro im Monat sparen reicht für eine üppige Rente. Warum diese Rechnung völlig an der Lebensrealität von Millionen Menschen vorbeigeht.
Bundeskanzler und CDU-Chef Friedrich Merz hat beim Wahlkampfabschluss der baden-württembergischen CDU in Ravensburg jungen Menschen einen vermeintlich einfachen Weg in eine sorgenfreie Zukunft gewiesen. Die Botschaft: Wer früh anfängt und monatlich 50 Euro spart, brauche sich um das Alter keine Sorgen mehr zu machen.
„Und dann sag bitte niemand: Das könnten wir ja nicht“, fügte der Kanzler fast nonchalant hinzu. „Natürlich können wir das.“ Wenn man mit 50 Euro im Monat anfängt und das nie unterbricht, hat man mit Renteneintritt eine sechsstellige Altersversorgung. Das klingt bestechend einfach. Wenn’s denn so einfach wäre!
Der Mathe-Check: Gerade mal soeben sechsstellig
Da braucht es einen Realitätscheck: 50 Euro monatlich, 40 Jahre lang, ohne Unterbrechung – das ergibt an reinen Einzahlungen 24.000 Euro. Gehen wir mal optimistisch von sieben Prozent Rendite pro Jahr aus, was durchaus machbar ist. Das ergibt laut Fondsparrechner 108.185 Euro. Immerhin sechsstellig, ja.
Was bedeutet das für den Ruhestand?
- Verteilt man dieses Kapital auf 20 Jahre Rente, sind das rund 450 Euro im Monat – vor Steuern und Inflation wohlgemerkt.
- Nehmen wir mal an, dass der Sparerpauschbetrag von heute 1000 Euro bis dahin auf 2000 Euro erhöht wurde. So ergibt sich folgende Rechnung: 84.185,46 – 2000 = 82.185,46 Euro.
- Davon wird die Kapitalertragsteuer von 26,375 Prozent abgezogen. Das sind 21.676,42 Euro.
- Dem Altersvorsorger bleiben somit netto 60.509,04 Euro, sprich, er kann sich davon eine private Rente von 252,12 Euro monatlich über 20 Jahre lang auszahlen.
- Aber was sind 252,12 Euro in 40 oder gar 60 Jahren noch wert? Damit kommt niemand sonderlich weit.
Lebensrealität der Generation komplett ignoriert
Diese Rechnung setzt voraus, wie Merz mahnt, dass der Sparplan „nie unterbrochen wird!“. Leider ist das Leben nicht geradlinig, sondern hält Brüche parat. Dann geht die Rechnung leider nicht auf.
Staat darf private Altersvorsorge nicht torpedieren
Natürlich ist private Altersvorsorge sinnvoll. Wer früh anspart, handelt klug – das ist keine neue Erkenntnis. Dass die Koalition im Koalitionsvertrag neben der gesetzlichen Rentenversicherung auch auf kapitalgedeckte Vorsorge setzt, ist grundsätzlich richtig. Viele Nachbarländer machen uns das längst erfolgreich vor.
Dann wäre es aber wünschenswert, wenn der Staat den Altersvorsorgern nicht ständig Prügel zwischen die Füße wirft.
Fazit
Die gesetzliche Rente ist und bleibt für Millionen Menschen die einzige ernsthafte Absicherung im Alter. Sie zu stärken, ist kein sentimentaler Akt, sondern harte Realität und die ureigenste Pflicht eines funktionierenden Sozialstaats. Wer einer Generation, die mit drastischen Mietsteigerungen, den Nachwehen von Pandemien, hoher Inflation und unsicheren Arbeitsmärkten aufwächst, lapidar erklärt, sie müsse eben einfach ein bisschen was zur Seite legen, der hat die Lebensrealität dieser Generation schlichtweg nicht verstanden – oder er blendet sie bewusst aus.
Bild: picture alliance / dts-Agentur
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