Renten-Wahlkampf: Viel Versprechen, wenig Plan

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Die Rente wird in Berlin gemacht, doch die Alterspolitik entscheidet sich vor Ort. Was versprechen die Parteien in Sachsen-Anhalt den angehenden Ruheständlern?

Die Rente ist eigentlich Bundespolitik. Trotzdem entdecken Parteien vor jeder Wahl plötzlich ihr Herz für Rentner. Auch bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt 2026 überbieten sich CDU, AfD, SPD, BSW, Linke und Grüne mit Versprechen zu Rentenniveau, Altersarmut, Betriebsrente oder privater Vorsorge. Dabei werden weder die Rentenformel noch das Eintrittsalter im Magdeburger Landtag beschlossen. Und doch entscheidet die Landtagswahl mit darüber, wie bezahlbar, mobil und gut versorgt wir im Alter leben.

Wie viel haben Landesregierungen zu sagen?

Während die Bundespolitik den rechtlichen Rahmen vorgibt, steuert die Landespolitik entscheidende Stellschrauben: von den explodierenden Eigenanteilen im Pflegeheim über die medizinische Versorgung auf dem Land bis hin zu Anreizen, im Ruhestand freiwillig weiterzuarbeiten. Zudem bestimmt die künftige Landesregierung über den Bundesrat mit, welche Weichen in Berlin gestellt werden.

Partei-Positionen im direkten Vergleich

Partei Schwerpunkte auf Landesebene Bundespolitische Stoßrichtung / Rente
CDU Erfahrungswissen sichern, Bürokratieabbau beim Weiterarbeiten, Hausärzte auf dem Land stärken. Leistungsgerechte Rente, „Aktivrente“ (steuerfreies Weiterarbeiten im Ruhestand).
AfD Regionale Seniorenförderung, lokale Pflegeinfrastruktur, Dämpfung von Pflegekosten. Abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren, höhere Erziehungszeitenanrechnung.
Die Linke Bekämpfung von Ost-Altersarmut, Stärkung von Seniorenvertretungen, Deckelung der Pflege-Eigenanteile. Rentenniveau auf 53 % anheben, solidarische Mindestrente, Erwerbstätigenversicherung.
SPD Schutz vor Armut im Alter, Ausbau von Pflegestützpunkten, quartiernahe Wohnkonzepte. Rentenniveau stabil bei mindestens 48 % halten, Rente nach 45 Jahren sichern.
Grüne Barrierefreie Mobilität auf dem Land, nachbarschaftliche Pflege- und Wohnprojekte. Erwerbstätigenversicherung für alle, Einführung einer Garantierente gegen Armut.
FDP Abbau von Hürden für Senioren-Gründungen und Hinzuverdienst im Ruhestand. Flexible Rente nach schwedischem Modell, Ausbau der Aktienrente/Generationenkapital.
BSW Stopp des Kliniksterbens auf dem Land, Entlastung bei Zuzahlungen im Pflegeheim. Grundlegende Reform nach österreichischem Vorbild (Einzahlungspflicht für alle).

Was bedeutet die Wahl für Ruheständler?

Wer in Sachsen-Anhalt kurz vor dem Ruhestand steht oder bereits Rente bezieht, sollte bei der Wahlentscheidung an zwei Stellen hinschauen:

  1. Der direkte Alltag vor Ort: Wie steht es um Busverbindungen, Ärztedichte, Pflegeplätze und barrierefreies Wohnen in Ihrer Region? Hier hat das Land konkreten Gestaltungsspielraum.
  1. Die Signalwirkung nach Berlin: Welche Rentenreformen wird das Land über seine Stimme im Bundesrat unterstützen oder blockieren?

Ein genauer Blick in die Programme zeigt: Die Versprechen reichen von Markt-Flexibilität bis hin zum kompletten Systemumbau. Die Praxis entscheidet sich am Ende daran, wie viel Geld das Land für Pflege, Medizin und Daseinsvorsorge tatsächlich in die Hand nimmt.

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Helmut Achatz

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