Zahnärzte-Renten futsch? Das Versagen der Gier-Verwalter

Finanzen

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Milliardengrab statt Altersvorsorge: Während Kontrolleure schliefen, verzockten Berliner Funktionäre die Renten der Zahnärzte in dubiosen Start-ups.

Stellen wir uns vor, wir zahlen jahrzehntelang in ein Versorgungswerk ein, im festen Glauben, dass der Lebensabend bei den eigenen Standeskollegen in den sichersten Händen ist. Und dann das: Das Versorgungswerk der Zahnärztekammer Berlin (VZB) meldet eine finanzielle Schieflage, die einen fassungslos macht.

Über eine Milliarde verzockt

Und dabei geht es nicht um Peanuts – auch nicht um kleine Rechenfehler. Es geht um „hochriskante und überproportionale Investments“ in Hotels und Start-ups, die eher an ein Spielcasino als an ein seriöses Versorgungswerk erinnern. Während die staatliche Aufsicht offenbar beide Augen zudrückte, wurde das Geld der Beitragszahler in unbesicherte Darlehen und spekulative Immobilienprojekte gepumpt.

Weniger Rente für Zahnärzte

Die Quittung? Die 10 000 betroffenen Mitglieder in Berlin, Brandenburg und Bremen müssen nun mit „spürbaren Einschnitten“ rechnen. Rentenanwartschaftsmitteilungen wurden bereits ausgesetzt – ein digitales Schweigegelübde, während das Schiff sinkt. Tausende Zahnärzte bangen dort um ihre Altersvorsorge.

Eine Kieferorthopädin verrät der „B.Z.“, was das für sie bedeutet:

Wir wurden gezwungen, ins Versorgungswerk einzuzahlen; nach 32 Jahren stehen mir gerade einmal 820 Euro Rente zu.

Besonders bitter: Es ist nicht das erste Mal. Bereits 2003 mussten die Renten gekürzt werden. Haben die Verantwortlichen nichts gelernt? Oder war die Verlockung der schnellen Rendite in der Niedrigzinsphase einfach zu groß für das eigene Urteilsvermögen?

Waren Berlins Zahnärzte zu sorglos?

Jetzt rollen Köpfe, der Verwaltungsausschuss wurde abberufen, und Schadensersatzforderungen stehen im Raum. Doch für die angehenden Ruheständler bleibt ein schaler Beigeschmack. Wenn selbst die „Elite“ der Selbstständigen ihre eigene Altersvorsorge gegen die Wand fährt, stellt sich die existenzielle Frage: Wem können wir eigentlich noch trauen, wenn es ums eigene Geld im Alter geht, um die eigene Altersvorsorge? Sind wir alle zu sorglos?

Staatliche Aufsicht versagt

Die staatliche Aufsicht hat ihren Zweck verfehlt, die Selbstverwaltung hat versagt. Was bleibt, ist die Erkenntnis: Ein weißer Kittel schützt nicht vor Größenwahn – und leider auch nicht vor der Altersarmut durch fremdes Verschulden.

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Die Fakten

1. Milliardenverluste

Das VZB hat durch riskante Investments in Unternehmensbeteiligungen, Start-ups (z. B. Element Insurance, Rplanet Earth) und Immobilienfonds erhebliche Verluste erlitten.

  • Schadenshöhe: Aktuellen Berichten zufolge belaufen sich die Verluste auf rund 1,1 Milliarden Euro (Hälfte des gesamten verwalteten Vermögens).

  • Folgen: Es drohen drastische Kürzungen der Rentenanwartschaften von bis zu 50 % sowie mögliche Beitragserhöhungen, um die finanzielle Stabilität wiederherzustellen.

2. Juristische Aufarbeitung und Klagen

Das Versorgungswerk ist Anfang Januar 2026 in die juristische Offensive gegangen:

  • Klage gegen Berater & Prüfer: Das VZB verklagt unter anderem die Apobank (wegen mangelhafter Beratung zu Anlagerisiken) sowie die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Forvis Mazars (wegen angeblicher „Gefälligkeitsgutachten“).

  • Vorgehen gegen ehemalige Führungskräfte: Es wurden Klagen gegen neun ehemalige Verantwortliche eingereicht.

  • Staatshaftung: Auch das Land Berlin (Senatsverwaltung) wird in die Pflicht genommen, da die staatliche Aufsicht laut VZB-Anwälten versagt habe.

3. Transparenz und Verwaltung

  • Mitgliederportal: Das neue Online-Portal ist aktiv. Anträge auf Befreiung von der gesetzlichen Rentenversicherungspflicht müssen seit 2023 zwingend elektronisch gestellt werden.

  • Jahresabschluss 2024: Die Veröffentlichung des detaillierten Berichts für 2024 wird im ersten Quartal 2026 erwartet.

  • Delegiertenversammlung: Am 22. Januar 2026 findet eine konstituierende Sitzung statt, bei der die personelle Neuaufstellung und Krisenbewältigung im Fokus stehen.

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Helmut Achatz

Macher von vorunruhestand.de

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