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Die Lebenserwartung stagniert, das Rentenalter steigt. Wer länger arbeiten soll, lebt nicht länger – höchste Zeit, den Schwindel aufzudecken.
Jahrgang 1960 kann 2026 erst mit 66 Jahren und 6 Monaten in Rente gehen – und das Renteneintrittsalter steigt jedes Jahr um zwei Monate, so dass der Jahrgang 1964 erst mit 67 Jahren in Rente gehen kann. Dummerweise steigt aber die Lebenserwartung nicht in gleichen Schritten – im Gegenteil. Die Lebenserwartung stagniert.
Lebenserwartung stagniert
Entwicklung Renteneintrittsalter
Regelaltersgrenze
| Geburtsjahr | Renteneintrittsalter | Renteneintritt ab |
|---|---|---|
| 1957 | 65 Jahre und 11 Monate | 2023 |
| 1958 | 66 Jahre | 2024 |
| 1959 | 66 Jahre und 2 Monate | 2025 |
| 1960 | 66 Jahre und 4 Monate | 2026 |
| 1961 | 66 Jahre und 6 Monate | 2027 |
| 1962 | 66 Jahre und 8 Monate | 2028 |
| 1963 | 66 Jahre und 10 Monate | 2029 |
| ab 1964 | 67 Jahre | 2031 |
Wie passt dann die Aussage einiger Politikerinnen und Politiker, dass wir alle länger arbeiten müssen, weil wir ja angeblich länger leben? Das heißt nichts anderes, als dass uns in der Rente immer weniger Lebenszeit bleibt. Ihre Erzählung klingt so schön einfach: Wir werden immer älter – also müssen wir länger arbeiten. Doch die offizielle Statistik des Statistischen Bundesamts besagt etwas anderes: Während das Rentenalter seit 2011 um ein Jahr und vier Monate gestiegen ist, tritt die Lebenserwartung auf der Stelle. 65-Jährige haben heute im Schnitt genauso viele Jahre vor sich wie vor zehn Jahren. Ein Fortschritt, der keiner ist.
Lebenserwartung bei Geburt seit 1991 Quelle: Destatis
Rentenalter steigt auf 67 Jahre
Trotzdem wird weiter am Rentenalter gedreht – bis 2030 auf 67 Jahre. Und die Rede ist mittlerweile von 70 Jahren. Das Problem: Die Lebenserwartung wächst laut Regierungsdaten bis dahin gerade einmal um ein Jahr bei Männern und acht Monate bei Frauen. Die Regelaltersgrenze steigt also doppelt so schnell wie die Lebenszeit. Wer das für sozial ausgewogen hält, sollte dringend die Realität prüfen.
Renteneintrittsalter und Lebenserwartung Quelle: Demografie Portal
Große regionale Unterschiede
Denn die Unterschiede sind enorm: Baden-Württembergische Frauen leben nach 65 im Schnitt 21,5 Jahre weiter, Frauen im Saarland nur 20,2. Männer in Sachsen-Anhalt verlieren gegenüber Baden-Württemberg gleich zwei Jahre. Und das ist nur die regionale Schieflage. Sozial kommt es noch dicker: Wer hart arbeitet, wenig verdient und schlecht wohnt, stirbt früher. Punkt.
Neuere internationale Studien bestätigen das Bild:
- Die Lebenserwartung in vielen Industrieländern stagniert seit Jahren.
- In einigen Ländern – etwa den USA – sinkt sie sogar leicht, vor allem wegen chronischer Krankheiten, Stress und sozialer Ungleichheit.
- Auch in Europa flacht der Anstieg ab: Die großen Sprünge der 1990er sind vorbei.
- Die WHO warnt, dass gesundheitliche Ungleichheit inzwischen stärker über Lebenszeit entscheidet als medizinischer Fortschritt.
Kurz gesagt: Wir leben nicht automatisch länger, nur weil die Politik es behauptet.
Debatte um höheres Rentenalter
Trotzdem wird die Debatte um ein höheres Rentenalter weiter befeuert – mit dem Argument einer angeblich „immer höheren Lebenserwartung“. Doch diese Behauptung hält den eigenen Regierungszahlen nicht stand. Die Linken-Abgeordnete Sarah Vollath bringt es auf den Punkt: „Das stimmt einfach nicht.“
Die Frage ist also nicht, ob wir länger arbeiten können, sondern ob wir länger leben werden. Und die Antwort lautet: nicht im bisherigen Tempo, nicht für alle und für viele gar nicht.
Wer jetzt weiter am Renteneintrittsalter schrauben will, verschärft die soziale Spaltung – und ignoriert die Realität der Menschen, die dieses Land tragen.
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