Finger weg von deutschen Aktien

Finanzen

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Wirecard, Varta, Baywa – es ist erschreckend, wie viele deutsche Aktien den Bach hinunterschwimmen. Deutschland ist zum Hochrisikoland für Aktionäre geworden – schlecht für die Altersvorsorge. Deutsche Aktien sind dafür ungeeignet.
Wirecard, Varta, Baywa – die Liste spektakulärer Pleiten, Skandale und dramatischer Kursstürze an deutschen Börsen hat in den vergangenen Jahren tiefe Spuren hinterlassen. Gerresheimer gesellte sich ebenfalls zu dieser Negativgruppe. Der traditionsreiche Pharma- und Medizintechnikverpackungspezialist geriet massiv in die Schlagzeilen. Nachdem die BaFin eine Prüfung des Konzernabschlusses eingeleitet hatte und gravierende Bilanzierungs- und Kontrollprobleme bekannt wurden, verschob das Unternehmen wiederholt die Veröffentlichung seiner Bilanzen. In der Spitze stürzte der Aktienkurs um rund 80 Prozent ab. Deutschland hat sich für viele Kleinanleger zu einem schwierigen Pflaster und Hochrisikoland entwickelt. Wer hierzulande auf Einzelaktien setzt, riskiert oft sein Erspartes – mit verheerenden Folgen für die private Altersvorsorge. Deutsche Einzeltitel sind für den langfristigen Vermögensaufbau daher oft ungeeignet

Kapitalvernichter auf dem deutschen Parkett

Wie schnell sich das Schicksal von Traditions- und Hype-Unternehmen wenden kann, mussten in den letzten Jahren vor allem die Aktionäre von Varta erleben. Nach massiven Fehlentwicklungen, drastischen Kursverlusten von über 90 Prozent und einer monatelangen Hängepartie folgte der schmerzhafte Schritt: Im Zuge von Restrukturierungen wurden Kleinaktionäre häufig komplett aus den Unternehmen gedrängt, während Gläubiger auf einen Großteil ihrer Forderungen verzichten mussten.
Dass Varta kein Einzelfall ist, zeigen die historischen und jüngeren Beispiele Wirecard und Baywa. Während Wirecard nach dem Bilanzskandal komplett von der Bildfläche verschwand, kämpften andere deutsche Unternehmen mit drastischen Krisen. Solche Fälle sind nicht nur individuelle Tragödien für die Betroffenen, sondern offenbaren auch strukturelle Schwächen bei der Kontrolle und dem Schutz von Kleinanlegern hierzulande. Die von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) geführten Watchlists und Statistiken belegen immer wieder, wie riskant das Segment der Einzelaktien sein kann.

Grauzonen und Enteignungsängste

Besonders der Fall Varta rückte ein Sanierungsinstrument in den Fokus der Kritik, das unter der Großen Koalition unter Finanzminister Olaf Scholz geschaffen wurde: das Unternehmensstabilisierungs- und -restrukturierungsgesetz (StaRUG).
Das Gesetz ermöglicht es, in schweren Krisen Restrukturierungen durchzuführen, bei denen das Grundkapital auf null gesetzt und Kleinaktionäre faktisch enteignet werden können – oft ohne dass es einer Zustimmung der Hauptversammlung bedarf. Für Kritiker und Beobachter war dies eine verheerende Lektion für den Börsenstandort Deutschland, die das ohnehin schwache Vertrauen in die deutsche Aktienkultur nachhaltig beschädigt hat.

Die Lehre für Anleger: Besser breit gestreut

Wer aus den Pleiten der Vergangenheit lernt, zieht einen klaren Schluss: Finger weg von spekulativen deutschen Einzelaktien – vor allem, wenn sie als Fundament für die Altersvorsorge dienen sollen.
Ein Blick auf die Performance verdeutlicht den Unterschied: Während deutsche Sorgenkinder oder kriselnde Standardwerte massive Verluste einfuhren, fuhren Anleger mit global diversifizierten Strategien deutlich besser. Ein ETF auf einen weltweiten, marktbreiten Index wie den MSCI World bietet über die Jahre hinweg eine stabile Entwicklung, die von den Gewinnen Tausender Unternehmen weltweit profitiert.

ETF-Sparpläne als verlässliche Alternative

Für Kleinanleger und insbesondere für junge Menschen, die langfristig fürs Alter vorsorgen möchten, sind börsennotierte Indexfonds (ETFs) nach wie vor die bessere Wahl. Bereits mit kleinen monatlichen Beträgen lässt sich über einen ETF-Sparplan ein beachtliches Vermögen aufbauen.
  • Historische Renditen: Das Deutsche Aktieninstitut (DAI) hat in seinen Rendite-Dreiecken wiederholt aufgezeigt, dass breit gestreute Aktieninvestments (wie auf den MSCI World) über Anlagezeiträume von 15 bis 20 Jahren historische Durchschnittsrenditen von rund 6 bis 9 Prozent pro Jahr erzielen konnten.
  • Der Zinseszinseffekt: Erträge und Dividenden, die automatisch reinvestiert werden (thesaurierende ETFs), beschleunigen den Vermögensaufbau massiv.
  • Der Cost-Average-Effekt (Durchschnittskosteneffekt): Durch regelmäßige, gleichbleibende Sparraten kaufen Anleger bei niedrigen Kursen automatisch mehr Anteile und bei hohen Kursen weniger, was Marktschwankungen optimal ausgleicht.

Fazit

Deutschland tut sich schwer damit, eine gesunde und breite Aktienkultur zu etablieren. Zu oft verbrennen Kleinanleger Geld in riskanten Einzelwerten oder geraten durch Spezialgesetze ins Hintertreffen. Wer sein Geld sicher und rentabel für den Vorruhestand oder die Rente anlegen will, sollte deshalb auf globale Diversifikation setzen: Breit gestreute ETFs schlagen deutsche Einzelaktien fast immer.

 

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Helmut Achatz

Macher von vorunruhestand.de

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