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Der demografische Wandel vertieft die Kluft zwischen jungen und überalternden Regionen. Besonders im Osten ist dieser Trend unübersehbar. Aktuelle Daten und Prognosen.
Deutschlands Bevölkerung wird älter – doch nicht überall im gleichen Tempo. Während Universitätsstädte wie Heidelberg und Metropolen wie München und Frankfurt mit einem Durchschnittsalter um die 40 Jahre boomen, kämpfen vor allem Landkreise in Thüringen und Sachsen-Anhalt mit einer zunehmenden Überalterung und dem Wegzug der jungen Generation.
Wo Junge fehlen und Alten die Mehrheit bilden
Eine Analyse der Bevölkerungsdaten zeigt: Die demografisch ältesten Regionen Deutschlands liegen konzentriert in den neuen Bundesländern. An der Spitze dieser Entwicklung stehen Landkreise wie Greiz in Thüringen, das Altenburger Land, Mansfeld-Südharz und die kreisfreie Stadt Suhl, die ein Durchschnittsalter von über 50 Jahren aufweisen.
Höchste Durchschnittsalter
Die älteste Region Deutschlands sind die Landkreise Mansfeld-Südharz und Altenburger Land. Quelle: Statista
Hohes Durchschnittsalter in den Bundesländern: Sachsen-Anhalt hat mit 47,9 Jahren weiterhin den höchsten Altersdurchschnitt aller Bundesländer, gefolgt von Thüringen mit 47,6 Jahren. Im Gegensatz dazu sind Hamburg (42,0 Jahre) und Berlin die jüngsten Bundesländer.
Aktualisierte Prognosen: Die Bertelsmann Stiftung hat ihre Prognosen für das Jahr 2040 aktualisiert und geht davon aus, dass Sachsen-Anhalt voraussichtlich um 12,3 Prozent und Thüringen um 11 Prozent schrumpfen werden.
Regionale Unterschiede verstärken sich: Der Trend der demografischen Spaltung, bei dem sich die Bevölkerung in den westdeutschen Bundesländern wie Baden-Württemberg und Bayern sowie den Stadtstaaten Berlin und Hamburg erhöht, während der Osten schrumpft, hat sich weiter verstärkt.
Hotspots der Überalterung im Osten
Diese Entwicklung ist kein Zufall. Seit der Wiedervereinigung zogen viele junge Menschen auf der Suche nach Ausbildung und Arbeit in die westlichen Bundesländer. Die Folge: Im Osten blieben vor allem die Älteren zurück, und es wurden weniger Kinder geboren. Dieser doppelte Effekt hat die Altersstruktur nachhaltig verändert.
Die „ältesten“ Regionen im Überblick
Das Durchschnittsalter in Deutschland liegt aktuell bei etwa 44,9 Jahren. Die regionalen Unterschiede sind jedoch eklatant:
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Spitzenreiter Sachsen-Anhalt: Mit einem Durchschnittsalter von 48,3 Jahren ist es das älteste Bundesland, dicht gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern (48,1 Jahre) und Thüringen (47,9 Jahre).
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Rekord-Landkreise: Mehrere Kreise haben die „Schallmauer“ von 50 Jahren bereits durchbrochen. Zu den ältesten zählen:
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Extrembeispiel Gemeinde: Die absolut älteste Gemeinde Deutschlands ist oft Welschenbach (Rheinland-Pfalz) mit einem Altersschnitt von rund 63 Jahren – was allerdings an der sehr geringen Einwohnerzahl (unter 50 Personen) liegt, die den Schnitt extrem sensibel für einzelne Personen macht.
Aktuelle demografische Trends
| Bereich | Entwicklung / Status |
| Geburtenrate | Diese sank 2024 auf etwa 1,35 Kinder pro Frau – den niedrigsten Stand seit 2012. |
| Stadt-Land-Gefälle | Junge Erwachsene (18–30 Jahre) ziehen verstärkt in Großstädte. Das „jüngste“ Bundesland ist Hamburg (Schnitt ca. 42 Jahre). |
| Erwerbsbevölkerung | Die Zahl der Menschen im Alter zwischen 20 und 66 Jahren wird bis 2035 voraussichtlich um bis zu 4,9 Millionen sinken. |
| Zuwanderung | Ohne Zuzug aus dem Ausland würden fast alle deutschen Regionen bereits schrumpfen. Aktuell federt die Migration den Rückgang in den Zentren ab, erreicht die ländlichen Räume im Osten aber seltener. |
Warum altern diese Regionen so stark?
Es ist ein Zusammenspiel aus drei Faktoren:
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Fortzug der Jungen: Vor allem in den 1990er und 2000er Jahren verließen viele junge Menschen den Osten für Jobs im Westen oder in Großstädten. Diese fehlen heute als Eltern.
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Geringe Geburtenzahlen: Das daraus resultierende „Geburtendefizit“ (mehr Sterbefälle als Geburten) ist in Regionen wie dem Harz oder dem Erzgebirge besonders hoch.
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Lebenserwartung: Interessanterweise ist die Lebenserwartung in den ältesten Regionen (z. B. Sachsen-Anhalt) oft etwas niedriger als im Süden (z. B. Landkreis Starnberg), was die Überalterung paradoxerweise „bremst“, aber die demografische Krise durch den Mangel an jungen Nachkommen nicht löst.
Hintergrund: In Regionen wie Mansfeld-Südharz kommen rechnerisch bereits über 50 Rentner auf 100 Menschen im erwerbsfähigen Alter. Zum Vergleich: In Hamburg sind es weniger als 30.
Interaktive Karte: Durchschnittsalter im Vergleich
Wie alt ist die Bevölkerung in Ihrem Landkreis? Und wie wird sie sich in Zukunft entwickeln? Verschiedene statistische Ämter und Stiftungen bieten interaktive Karten, die einen detaillierten Einblick in die demografische Lage in ganz Deutschland ermöglichen. Erkunden Sie die Daten und sehen Sie selbst, wie sich Alter, Bevölkerungszahl und Zuzug in Ihrer Heimatregion verteilen.
Deutschlands jüngste Städte
Das andere Ende des demografischen Spektrums bilden die Universitätsstädte und wirtschaftsstarken Metropolen. An der Spitze steht Heidelberg mit einem prognostizierten Medianalter von nur 38,8 Jahren bis 2040. Auch Städte wie Freiburg, Münster oder Leipzig ziehen konstant junge Menschen an und profitieren von einer dynamischen Altersstruktur.
Herausforderungen und Chancen
Die demografische Spaltung stellt Deutschland vor erhebliche Herausforderungen. In den überalternden Regionen müssen die soziale und medizinische Infrastruktur an die Bedürfnisse einer älteren Bevölkerung angepasst werden, während gleichzeitig der Fachkräftemangel wächst. In den Wachstumsregionen hingegen stehen die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum und der Ausbau von Kitas und Schulen im Vordergrund.
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Der Wandel bietet jedoch auch Chancen. Der Zuzug von Fachkräften aus dem Ausland kann dem Bevölkerungsschwund in einigen Regionen entgegenwirken. Zudem entstehen neue Berufsfelder in der Pflege und Gerontotechnologie. Eine aktive und vorausschauende Politik auf Bundes-, Landes- und Kommunalebene ist gefordert, um die Lebensqualität in allen Regionen Deutschlands zu sichern und die demografische Kluft nicht weiter zu vertiefen.
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