Alt genug für die beste Zeit?

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Zwischen Wechseljahren und Neuanfang: Ildikó von Kürthy schreibt über das Älterwerden. Doch ihr Roman „Alt genug“ spaltet nicht nur die Leser, sondern auch die Kritik.

Über das Ankommen in der zweiten Lebenshälfte

Ildikó von Kürthy, die Meisterin des humorvollen Frauenromans, widmet sich in ihrem aktuellen Werk „Alt genug“ einem Thema, das viele von uns umtreibt: die Transformation in der Mitte des Lebens. Es geht um Aufbruch, das Loslassen von Perfektionsansprüchen und die Frage, was nach der Familienphase und dem Jugendwahn eigentlich kommt.

Worum geht es?

Die Protagonistin Ruth ist – wie so viele Leserinnen von Kürthys Büchern – mit der Autorin mitgewachsen. Sie stellt sich den Herausforderungen des Älterwerdens: körperliche Veränderungen, die „Leere im Nest“, wenn die Kinder gehen, und die Suche nach einer neuen Bestimmung. Kürthy schreibt gewohnt warmherzig, selbstironisch und mit viel Lebensklugheit über die Erkenntnis, dass „alt genug“ eigentlich bedeutet, endlich frei genug zu sein, frau selbst zu sein.

Die Kontroverse: Scheck vs. Kürthy

Interessant ist die aktuelle mediale Debatte, die das Buch begleitet. Deutschlands bekanntester Literaturkritiker Denis Scheck sorgte für Schlagzeilen, als er Kürthys Werk (und ihren Schreibstil generell) im Rahmen einer Lesung oder Sendung sehr scharf kritisierte. Die NZZ und die Süddeutsche Zeitung berichteten über diesen fast schon kuriosen Schlagabtausch. Während Scheck das Buch als triviale Unterhaltung abtut, verteidigt die Fangemeinde – und auch die Autorin selbst – das Recht auf Literatur, die sich nahbar und ohne intellektuelle Überheblichkeit mit den realen Sorgen von Frauen beschäftigt.

Hoher Identifikationswert

Gerade für ältere Leserinnen dürfte der Roman „Alt genug“ von Ildikó von Kürthy einen hohen Identifikationswert haben. Es ist kein philosophisches Standardwerk, aber es ist ein Spiegel.

  • Identifikation: Kürthy trifft den Ton derer, die merken, dass das Leben endlich ist, aber noch lange nicht vorbei.
  • Humor als Medizin: Sie macht Mut, die Falten und die kleinen Vergesslichkeiten mit Humor zu tragen.
  • Neuanfang: Das Buch plädiert dafür, den „Herbst des Lebens“ nicht als Abstieg, sondern als eine Zeit der Befreiung zu sehen.

Tröstliches für die Phase zwischen 50 und 70

Wer tiefschürfende Weltliteratur sucht, wird Denis Scheck zustimmen. Wer aber ein ehrliches, amüsantes und tröstliches Buch über die Phase zwischen 50 und 70 sucht, wird bei Ildikó von Kürthy fündig. „Alt genug“ ist ein Plädoyer für mehr Selbstliebe im Alter – trotz oder gerade wegen der kleinen Macken, die das Leben hinterlassen hat.

Ein Buch wie ein Gespräch mit der besten Freundin: Frau lacht, frau nickt wissend und fühlt sich am Ende ein bisschen weniger allein mit dem Älterwerden.

ildikó von Kürthy "Alte genug"

„Alt Genug“

Ildikó von Kürthy
272 Seiten
22,99 Euro
ISBN-9783550204128
Ullstein Buchverlag

Bild von Francesco Nigro auf Pixabay

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Helmut Achatz

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