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Hohe Krankenkassenbeiträge und sinkende Staatsrenten: Wer zu viel in die Metallrente einzahlt, zahlt im Alter oft drauf. Warum sich Nachrechnen jetzt lohnt.
Wer fleißig für das Alter spart, erwartet eine Belohnung – keine Bestrafung. Doch für viele Metaller kommt das böse Erwachen zum Rentenbeginn. Der Grund: Die volle Beitragspflicht zur Kranken- und Pflegeversicherung (GKV/PV) macht die betriebliche Altersvorsorge (bAV) oft unrentabel.
Die Metallrente-Falle
Die Rechnung ist simpel, aber schmerzhaft. Dank des GKV-Freibetrags bleiben 2025 zwar 187,25 Euro (2026: 197,75 Euro) der monatlichen Betriebsrente beitragsfrei, doch alles darüber hinaus wird mit dem vollen Beitragssatz belastet – also Arbeitnehmer- und Arbeitgeberanteil.
Die 55-Euro-Regel: Warum „mehr“ oft „weniger“ ist
In der Pflegeversicherung gibt es gar keinen Freibetrag: Wer die Geringfügigkeitsgrenze überschreitet, zahlt ab dem ersten Euro den vollen Satz (bis zu 4,2 % für Kinderlose). Wer über 35 Jahre mehr als rund 55 Euro monatlich einzahlt, läuft Gefahr, im Alter genau in diese Beitragsfalle zu tappen.
Die versteckten Kosten der Entgeltumwandlung
Was die Werbung der Metallrente oft verschweigt:
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Weniger gesetzliche Rente: Da das Bruttogehalt durch die Umwandlung sinkt, schrumpft auch der spätere Anspruch aus der Rentenkasse.
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Kapitalauszahlung als Falle: Wer sich die Summe auf einmal auszahlen lässt, wird fiktiv auf 120 Monate verbeitragt. Bei 100.000 Euro Kapitalstock fließen so schnell über 16.000 Euro direkt an die Krankenkasse.
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Steuerpflicht: Die Auszahlungen unterliegen der nachgelagerten Besteuerung.
Enttäuschung über das BRSG II
Die Hoffnung auf eine Entlastung durch die Politik wurde enttäuscht. Der aktuelle Gesetzentwurf zum Zweiten Betriebsrentenstärkungsgesetz (BRSG II) unter Ex-Arbeitsminister Hubertus Heil sieht keine Korrektur der GKV-Beitragslast vor. Die Chance, die bAV durch eine echte Beitragsentlastung attraktiver zu machen, wurde erneut vertan.
Nur mit hohem AG-Zuschuss sinnvoll
Eine Metallrente rechnet sich heute meist nur noch, wenn der Arbeitgeber deutlich mehr als die gesetzlich vorgeschriebenen 15 Prozent zuschießt. Experten raten: Erst ab einem Arbeitgeberanteil von 50 Prozent wird das Modell wirklich attraktiv.
Die weiteren Haken:
- Leider steigen auch noch Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge kontinuierlich: Ab 1. Januar 2025 zahlen Kinderlose 4,2 Prozent und Versicherte mit Kindern 3,6 Prozent Pflegeversicherungsbeitrag.
- Die Krankenkassen verlangen auch immer mehr: Der durchschnittliche Zusatzbeitrag ist schon von 1,3 Prozent (2022) auf 2,9 Prozent im Jahr 2025 gestiegen. Und alles deutet darauf hin, dass Betriebsrentner in Zukunft noch stärker geschröpft werden.
- Parallel dazu steigt die 📈Inflation und frisst die Betriebsrente langsam auf.
- Ganz abgesehen davon, dass es renditeträchtigere Fonds als den Metallfonds gibt.
55 Euro monatlich in die Metallrente
Schön blöd also, wer mehr in die Metallrente einzahlt, weil er dann im Alter volle Beiträge (den Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil) für die Kranken- und Pflegeversicherung zahlt. Aber offensichtlich gibt es immer noch Hunderttausende, die das nicht glauben wollen, wie anders lässt sich der Boom bei der Metallrente erklären. Es lohnt sich also 👎 nicht, mehr als 55 Euro in die Metallrente einzuzahlen, außer der Arbeitgeber zahlt mindestens die Hälfte zur Metallrente dazu. Wieso 50 Euro?
Minderung der gesetzlichen Rente
Damit nicht genug, die Metallrente mindert natürlich auch die gesetzliche Rente, weil ja „Teile des Gehalts für den Aufbau einer Betriebsrente verwendet werden, ohne dass dafür Sozialabgaben gezahlt werden“, so steht’s in den FAQs (frequently asked questions) drin. Das gilt natürlich auch für Arbeitslosen- oder Kurzarbeitergeld sowie den Anspruch auf Krankengeld. Sprich, wer in die Metallrente investiert, bekommt am Ende weniger gesetzliche Rente. Wie viel das ausmacht, kann sich jeder mit Hilfe des Rentenverlustrechners von Rentenberater Martin Ziemann selbst ausrechnen. Wer beispielsweise 30 Jahre jeden Monat 100 Euro in die Metallrente investiert, hat am Ende 38,27 Euro weniger gesetzliche Rente pro Monat, wenn man davon ausgeht, dass die gesetzliche Rente im Schnitt jährlich um 1,5 Prozent steigt. Das heißt, die Rechnung der IG Metall muss natürlich noch um diese Rentenminderung korrigiert werden. 38,27 Euro weniger gesetzliche Rente bedeutet, bezogen auf die 120 Monate, sprich zehn Jahre, sind 4.592,40 Euro weniger im Alter. Steuern
Freibetrag für Betriebsrenten steigt
Wer eine Direktversicherung hat, von seinem Ex-Arbeitgeber eine Betriebsrente oder Geld von einer Pensionskasse bekommt, muss dafür die vollen Krankenkassen- und Pflegebeiträge zahlen, sprich den Arbeitgeber- und den Arbeitnehmeranteil, insgesamt annähernd 20 Prozent. Dank einer Gesetzesänderung zum 1. Januar 2020 gibt es einen Freibetrag, den sogenannten GKV-Betriebsrentenfreibetrag (GKV steht für gesetzliche Krankenversicherung) von zurzeit 197,75 Euro (2022: 164,50 Euro). Das heißt, diese 197,75 Euro blieben versicherungsfrei – für alles darüber hinaus zahlen Betriebsrentner den vollen Beitrag.
Falls ich total danebenliege mit meiner Rechnung, lasse ich mich gern berichtigen.
(Da sich bislang niemand gemeldet hat, dürfte meine Rechnung leider richtig sein.)
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