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Das neue Altersvorsorgegesetz ist da – und die Versicherungsmakler toben. Warum das Gejammer über den Kostendeckel das Beste ist, was Sparern passieren konnte.
„Ein Schlag ins Gesicht“, „Verhöhnung“, „Verfassungsklage“ – wer die aktuellen Pressemeldungen des Bundesverbands Deutscher Versicherungskaufleute (BVK) liest, könnte meinen, das Abendland ginge unter. Doch keine Sorge, es ist nur das Geschäftsmodell der Provisionsritter, das gerade ordentlich wackelt.
Der Staat macht Ernst: Rendite statt Provision
Am 27. März 2026 hat der Bundestag die Reform der privaten Altersvorsorge verabschiedet. Der Kern der Aufregung? Ein staatlich verwalteter Fonds und ein Kostendeckel von einem Prozent. Glücklicherweise hatten sich die Verbraucherschützer durchgesetzt, denn ursprünglich sah der Gesetzesentwurf sogar 1,5 Prozent Kosten vor. Dabei gibt es börsengehandelte Indexfonds (ETF exchange traded funds) längst für weniger als 0,5 Prozent, so auch die Forderung der Verbraucherschützer.
Makler schreien „Provokation“
Für den BVK ist aber selbst das noch eine „Provokation“. Für uns Sparer ist es hingegen ein Befreiungsschlag. Jahrelang wurde uns erzählt, Altersvorsorge sei so „hochkomplex“, dass sie nur in Verbindung mit saftigen Abschlussgebühren funktioniere. Dass selbst Walter Riester vor niedrigen Kosten warnt, setzt dem Ganzen die Krone auf. Wenn die Branche jammert, dass sich Beratung bei einem Prozent Kosten nicht mehr „lohnt“, gibt sie unumwunden zu: Bisher floss einfach zu viel von unserem Geld in deren Taschen statt in unser Depot. Dass ausgerechnet die Branche, die jahrzehntelang Kosten versteckt, verschleiert oder schöngerechnet hat, jetzt Fairness einfordert, ist bemerkenswert.
Schweden macht’s uns vor
Das Beispiel Schweden mit seinem AP7 zeigt, dass Altersvorsorge auch anders geht, sprich, deutlich günstiger. Hierzulande haben an der Altersvorsorge aber bislang vor allem die Versicherer und die ihnen angeschlossenen Versicherungsmakler verdient, so dass für den Sparer zu wenig übrigbleibt.
Warum wir jetzt gewinnen:
- Schluss mit der „Garantie“-Falle: Der Wegfall starrer Beitragsgarantien macht den Weg frei für echte Renditechancen am Kapitalmarkt.
- Satte Förderung: Bis zu 540 Euro Zulage vom Staat und 300 Euro pro Kind – diesmal landet das Geld bei Ihnen, nicht in der Verwaltung der Versicherer.
- Wettbewerb belebt das Depot: Dass der Staat als Konkurrent auftritt, zwingt die privaten Anbieter endlich zu fairen Konditionen.
Die Angst vor dem „Standardprodukt“
Die Vermittler warnen vor „undifferenzierten Ergebnissen“. Klar, ein simpler, kostengünstiger ETF-Sparplan lässt sich halt schlechter verkaufen als eine verschachtelte Rentenpolice mit 50 Seiten Kleingedrucktem.
Die Drohung mit der Verfassungsklage – ja, der BVK erwägt so etwas – wirkt da fast schon verzweifelt. Wenn ein Berufsstand nur existieren kann, indem er Produkte künstlich teuer hält, dann ist sein Ende keine Tragödie, sondern Marktlogik. Wenn ein Geschäftsmodell wackelt, wird eben mit allen Mitteln gekämpft.
Fazit:
Lassen Sie die Lobbyisten ruhig klagen. Während die einen um ihre Provisionen weinen, freuen wir uns über mehr Netto im Alter. Die Reform ist kein „Schlag ins Gesicht“ der Berater – sie ist ein Handschlag für alle, die für ihr Geld hart arbeiten müssen. Die Reform ist nicht perfekt. Aber sie setzt endlich dort an, wo es jahrzehntelang hakte: bei den Kosten, der Transparenz und der Ausrichtung am Interesse der Sparer.
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