Müssen wir wegen ARD-Rentnern höhere Gebühren zahlen?

Weil die ARD überdurchschnittliche Betriebsrenten zahlt und die Pensionskasse wegen der Nullzinspolitik der Notenbank immer weniger erwirtschaftet, wollen die Öffentlich-Rechtlichen alle Bürger über höhere Rundfunkbeiträge zur Kasse bitten. ARD-Rentnern geht’s gut.

Bislang zahlen alle 17,50 Euro Monatsgebühr für Radio und Fernsehen. Dieser Beitrag soll um 85 Cent auf 18,35 Euro steigen, wenn es nach den Intendanten der Öffentlich-Rechtlichen geht. Die ARD-Pensionskasse, sprich die Baden-Badener Pensionskasse, ist wegen der Nullzinspolitik des EZB-Chefs (Europäische Zentralbank) Mario Draghi in Schieflage geraten. Ihr fehlen mittelfristig zwei Milliarden Euro. Das sollen die Beitragszahler ausgleichen. Jetzt ist die Draghis Saat aufgegangen.

ARD und ZDF als Raupe Nimmersatt

Die „Thüringer Allgemeine“ spricht von der „Nimmersatten Gebührenraupe“. Tatsächlich geht es um gewaltige Beträge, denn 85 Cent pro Haushalt summieren sich laut Statista bei 45 Millionen Haushalten, die Rundfunkgebühren zahlen auf 38 Millionen Euro mehr. Insgesamt kämen nach der Erhöhung Gebühreneinnahmen von 8,25 Milliarden Euro pro Jahr zusammen. Das Geld reicht den Anstalten dennoch nicht, dass sie ihren Beschäftigten in der Vergangenheit großzügige Renten versprochen haben, die sie jetzt wegen der Nullzinspolitik nicht mehr bedienen können. Der Pensionskasse fehlen der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) zufolge insgesamt mehr als zwei Milliarden für die betriebliche Altersvorsorge.  „Die Kommission erkennt für die betriebliche Altersversorgung 2017 bis 2020 insgesamt einen Nettoaufwand von 2.070,0 Millionen Euro an“, schreibt die KEF in ihrem Bericht vom Februar 2018. 2019 die Lücke sicher noch größer sein und dann lässt die KEF die Katze aus dem Sack, denn sie muss sich zur Beitragshöhe äußern.

ARD will mehr Geld von uns

Während andere Pensionskassen die Betriebsrenten schon eingedampft haben, will die Pensionskasse der ARD mehr Geld von ihrem Träger, sprich den Rundfunkanstalten – und damit von allen Gebührenzahlern, denn woher sonst soll das Geld kommen.

Wie gut die Beschäftigten der Öffentlich-Rechtlichen versorgt sind, belegt das Beispiel der MDR-Intendantin Karola Wille, die in einem Interview mit der Bild am Sonntag ihre Pensionsansprüchen bezifferte. Da kommt so einiges zusammen, denn sie bekommt maximal 75 Prozent ihres letzten Grundgehalts – und das sind 275 000 Euro im Jahr, was einem Anspruch von 206 250 Euro jährlich und 17187 Euro monatlich entspricht. Einem internen Bericht der ARD-Anstalten zufolge liegt sie damit der Lausitzer Allgemeinen Zeitung zufolge deutlich hinter ihren Kollegen  Tom Buhrow (399 000 Euro)vom WDR, Ulrich Wilhelm (367 000 Euro) vom BR und Lutz Marmor (348 000 Euro) vom NDR und Peter Boudgoust (338 000 Euro) vom SWR.

Höher Beiträge wegen ARD-Rentnern

Doch es seien nicht diese Spitzenverdienste, die am meisten Geld kosten, es sei die breite Masse, schreibt der „Versicherungsbote“ im September 2016.  Speziell in der Zeit vor 1993 seien den Journalisten und Angestellten teils hohe Renten versprochen worden. „So fließen große Summen des Rundfunkbeitrags nicht etwa in die Programmgestaltung, sondern in die Pensionen der früheren Mitarbeiter“, resümiert der „Versicherungsbote“, der schätzt, dass allein die ARD-Anstalten in den kommenden vier Jahren laut ihrer Finanzplanung knapp 1,4 Milliarden Euro an Pensionen auszahlen müssen und beruft sich dabei auf die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ). Die notwendigen Rückstellungen für künftige Rentner beziffere sich im selben Zeitraum auf weitere drei Milliarden Euro. Die FAZ hat es einmal hochgerechnet und kommt pro Bürger auf 13,50 Euro, die er allein für die Altersvorsorge der öffentlich-rechtlichen Beschäftigten zahlen muss.

Wie schlimm es um die betriebliche Altersvorsorge bei den Öffentlich-Rechtlichen steht, schildert „Tichys Einblick“: „Der Hessische Rundfunk etwa gibt jetzt schon mehr als halb so viel für die Altersversorgung seiner Mitarbeiter aus wie für Löhne und Gehälter.“ ARD und ZDF seien längst durch die Lasten der Vergangenheit blockiert, auch wenn sie vorsichtig Gewerkschaftlern und Pensionären Zusagen abrängen und, wie praktisch, aus der Rundfunkgebühr nicht mehr Programm, sondern Alterslasten finanziert würden.




Was wir von den Schweden lernen können

zAnders als die Deutschen setzen auch die Schweden (neben den Norwegern) auf den Kapitalmarkt für die Altersvorsorge – und fahren deutlich besser als wir Deutsche. Niedrige Kosten und attraktive Rendite zeichnen den Siebten Allgemeinen Pensionsfonds AP7 aus. Da könnten wir doch was lernen?

Offensichtlich sind die Skandinavier weit pragmatischer als wir Deutsche. Norwegen und Schweden setzen auf den Kapitalmarkt, um die Demographie bedingte Lücke bei der gesetzlichen Renten zu füllen. Der schwedische Staat hat bereits 2000 ein Premium-Pensionsystem eingeführt, das die staatliche Rente ergänzt.

Die Schweden zahlen 16 Prozent des Bruttogehalts in das umlagefinanzierte Rente ein und 2,5 Prozent investieren sie in die kapitalgedeckte Altersvorsorge. Sie können sich selbst aussuchen, in welchen von rund 800 Fonds sie einzahlen wollen. Wem das zu kompliziert ist, kann und muss per staatlich verwaltetem Fonds AP7 fürs Alter vorsorgen – also fast so etwas wie Zwangs-Riester.

Schweden zahlen weniger Gebühren

Der Unterschied zu Riester sind allerdings Kosten und Wertentwicklung der schwedischen Premium-Rente. Die Verwaltungskosten liegen bei 0,1 Prozent und die jährliche Rendite seitdem er aufgelegt wurde bei mehr als sechs Prozent – ja, richtig gehört, bei durchschnittlich sechs Prozent pro Jahr. Premium-Rentner zahlen sonst  keine zusätzlichen Depotgebühren. Seit 2010 sind aus 100 schwedischen Kronen so 280 Kronen geworden. Mit dem Aktienrechner lässt sich die Durchschnittsrendite ganz leicht ausrechnen.

Dank effizientem Fondsmanagement bleibt nahezu alles von der Rendite übrig und fließt in die Taschen der Rentner. Wie anders doch in Deutschland, wo Kapitallebensversicherungen und Investmentfonds 1,5 bis vier Prozent Kosten abziehen. Wegen des Krankenkassen-Doppelbeitrags bei Betriebsrenten bleibt Altersvorsorgern hierzulande meist gar nichts mehr übrig – sie hätten ihr Geld genauso gut unters Kopfkissen legen können und wären auch nicht schlechter gefahren. Da kann der Staat noch so viel fördern, wenn die Versicherer und Banken sowie Krankenkassen sechs und mehr Prozent abschöpfen, wird Altersvorsorge sogar zum Minus-Geschäft. So wird das allerdings nichts mit einem auskömmlichen Ruhestand.

AP7 als obligatorischer Bürgerfonds

Der AP7 ist ein obligatorischer Bürgerfonds, der sich der sozialen und ökologisch Verantwortung bewusst ist und Kernkraft oder Kinderarbeit nicht ins Depot lässt. Jeder kann ständig nachsehen, wie sein Anlagekonto steht, denn die Zahlen sind per Internet abrufbar. Den AP7 gibt es als Aktien- und als Rentenfonds. Beide haben eine International Securities Identifikation Number (ISIN), so eine Art Postleitzahl für Kapitalanlagen. Investieren können aber nur Schweden, alle anderen bleiben außen vor. Die Fondsbewertungsgesellschaft Morningstar weist für den AP7 zumindest die wichtigsten Kennzahlen wie Rendite und Anlagevolumen aus.

Die Schweden können zwar auch in Einzelfonds investieren, aber mit weit über 90 Prozent entscheidet sich die weitüberwiegende Mehrheit für den AP7. Wer jetzt glaubt, das staatliche Fondsmanagement arbeitet so bürokratisch wie manche deutschen Bundesbehörden, muss seine Meinung gründlich revidieren. Den Schweden ist alles erlaubt, um für die Bürger eine passable Rendite zu erwirtschaften. Sie wissen, dass sich bezogen auf einen Anlagehorizont von Jahrzehnten mit Aktien eine deutlich höhere Wertentwicklung erreichen lässt. Sie scheuen auch nicht davor zurück, auf fallende Kurse zu setzen und kaufen Beteiligungen. Natürlich investieren die Schweden global und messen sich am Welt-Index MSCI ACWI – ACWI steht für All Country World Index.

Noch ein Wort zur Investmentstrategie: Wer sich für den AP7 Såfa entscheidet, der entscheidet sich dafür, dass sein Altersruhegeld bis zum 55. Lebensjahr zu hundert Prozent in Aktien investiert wird, ab 60 geht der Aktienanteil runter auf 83 Prozent und mit 65 Jahren auf 67 Prozent. In Deutschland gäbe es einen Aufstand, wenn ein Pensionsfonds so agieren würde, wie es der AP7 tut. Aber dafür leben die Schweden besser als wir im Alter.

Nachahmenswertes schwedisches Modell

Wir können uns von den Schweden eine Scheibe abschneiden. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) kennt sehr wohl die Vorteile des schwedischen Modells, der Forschungsbericht ist aber in den Schubladen der Behörde verschwunden. Seit März 2017 ist in dieser Beziehung wenig bis gar nichts passiert. Die Autoren der Studie beschreiben das schwedische Modell zwar genau: Ein staatlich organisierter und betriebener Fonds zur Kapitalanlage auf DefaultBasis in einem System zwingender Vorsorge (Schweden). Dabei ist es aber geblieben. Einen Satz aus der BMAS-Studie (s. Seite 21) sollte sich jeder auf der Zunge zergehen lassen: „Tatsächlich sank die ausgezahlte Rente in Schweden auch nach der Finanzmarktkrise 2008 nie unter den einer Riester-Rente entsprechenden Garantiebetrag. Da diese Garantie vor allem bei Niedrigzinsen hohe Kosten verursacht, hat die schwedische Prämienrente eine deutlich höhere Verzinsung als eine Riester-Rente.“ Da bleibt nur zu sagen: glückliches Schweden.

Abzocke durch Fondsgesellschaften

Wer dann noch die Gebühren des AP7 Såfa mit den Verwaltungs- und sontigen Gebühren von deutschen Riester-Anbietern – zu finden in der BMAS-Studie auf Seite 28 – vergleicht, der kommt ins Zweifel, ob uns die Politik nicht an die Versicherungs- und Fondsbranche verraten hat. Der AP7 Såfa kommt auf Gesamtkosten von 6,4 Prozent bei hohen Kapitalerträgen, der Union Invest auf 31,3 Prozent, Deka Invest auf 33,7 Prozent und DWS auf 41 Prozent.

  Hohe Kapitalerträge* Niedrige Kapitalerträge* 
AnbieterProduktGesamtkostenErtragsminderungGesamtkostenErtragsminderung
Schwedische RentenagenturAP7 Såfa6.40.175.60.15
Union InvestmentUniProRente31.30.9727.80.83
Deka InvestmentDekaZukunftPlan S.33.71.0730.10.91
DWSDWS RiesterRente Prem.411.36341.06
*in Prozent

Vergleich dreier Riester-Verträge mit dem schwedischen Standardfonds AP7 Såfa. Stand: 2013

Die große Koalition hätte mit dem Betriebsrentenstärkungsgesetz die Chance gehabt, diese Schieflage zu ändern – sie hat es nicht getan, zum Schaden deutscher Rentner.




Wie clever wohnen mit Smart Home funktioniert

Wir Vorruheständler – und Bereits-Rentner – sind mit dem Internet aufgewachsen. Warum es nicht auch stärker nutzen, um uns das Leben in den eigenen vier Wänden zu erleichtern? Mit Smart Home lässt sich vieles im Haus problemlos steuern. So funktioniert’s.

Smart Home? Nicht für uns! Doch gerade für uns! Die Technik, die dahinter steckt, erleichtert uns das Leben. Vieles im Haus lässt sich problemlos steuern, überwachen und vereinfachen. Der positive Effekt: Wir können mit Smart Home sogar länger in den eigenen vier Wänden wohnen bleiben.

Was ist Smart Home und wie funktioniert es? Die meisten von uns sind mit den Internet aufgewachsen, kennen sich einigermaßen aus und erledigen das meisten online. Kurzum, wir sind eine internetaffine Generation. Wir sind offen für Neues – und Smart Home gehört dazu. Die Idee von Smart Home: Prozesse und Abläufe im Alltag unkompliziert zu automatisieren, um uns das Leben zu erleichtern. Wie werden die Systeme gesteuert? Entweder mit Smartphone, per Fernbedienung oder sogar ganz ohne. Ein Smart-Home-System bietet uns mehr Komfort und mehr Sicherheit.

Digitale Helfer für den Alltag

Vielleicht klingt das alles etwas abstrakt, was heißt Smart Home konkret? Smart Home kann die Steuerung des Saugroboter sein, des Kühlschranks, der Wasch- und Kaffeemaschine. Wer aktuell noch auf der Suche nach einem passenden Saugroboter für das smarte Zuhause ist, der schaut am besten beim praktischen Saugroboter Testvergleich rein. Auf dem Vergleichsportal gibt es Entscheidungshilfe mit vielen hilfreichen Tipps und Informationen rund um die digitalen Reinemacher, die Hausarbeit deutlich erleichtern. Um möglichst lange und ohne fremde Hilfe im eigenen Wohnhaus zu bleiben, sind die funktionalen Smart-Home-Vernetzungen für den Alltag eine perfekte Lösung.

Smart Home ist aber noch mehr als nur Saugroboter und intelligenter Kühlschrank. Dazu gehört auch das komplette Unterhaltungsangebot. Ob Smart TV oder Blu-Ray-Player – sie sind unkompliziert steuerbar. Das Leben mit Smart Home wird ein ganzes Stück komfortabler. Smart Home verspricht mehr Genuss sowie ein eigenbestimmtes Leben – und mehr Sicherheit. Per smarter Steckdose lassen sich Geräte auch von unterwegs ausschalten; intelligente Tür- und Fenstersicherungen erschweren Einbrechern das Leben.

Energiesparen leicht gemacht

Das Smart Home erkennt Stromfresser und Energieräuber. Nach einer Analyse sind Beleuchtung und Heizung daher individuell regelbar. Das ist nicht nur in puncto Energiesparen von Vorteil, sondern auch, wenn die Temperatur über Nacht stark abfällt. So lässt sich die Heizung wettergerecht programmieren. Mit smarter Technik lässt sich die Beleuchtung stromsparend und clever auf die eigenen Bedürfnisse abstimmen. Automatische Bewegungssensoren erkennen, wenn jemand den Raum betritt – und das Licht geht an. Beim Verlassen kümmert sich die Technik darum, es zu löschen.

Smart Home für mehr Sicherheit

Dem Smart Home Monitor aus dem Jahr 2017 zufolge sind die drei wichtigsten Gründe für den Kauf von smarter Technik: Komfort, Sicherheit und Spaß. Vielleicht sollten wir uns das Kürzel ALL merken – ALL heißt Ambient Assisted Living und meint so viel wie altersgerechte Assistenzsysteme für ein selbstbestimmtes Leben. Wir Älteren wollen möglichst lang in den eigenen Wänden wohnen. Die vertraute Umgebung zu verlassen, ist oft der letzte Schritt. Mit Smart Home verlängern wir die Spanne des selbstbestimmten Lebens in den eigenen vier Wänden. Die Kinder werden per beispielsweise Smartphone informiert, wenn es zu Unregelmäßigkeiten kommt und sich die Eltern länger nicht melden.

Schon mal von Notrufknopf oder -armband gehört? Das Notrufarmband wird direkt um das Handgelenk getragen. Dank dessen lässt sich in Notsituationen ein Notruf an eine im System gespeicherte Nummer absetzen. Es ist gerade für Verwandte von Alleinlebenden ein beruhigendes Gefühl zu wissen, dass sie im Notfall jederzeit informiert werden, wenn es Oma oder Opa, Tante oder Onkel schlecht geht. Das Smart Home ist so intelligent zu erkennen, wenn sein Bewohner stürzt: Durch Sensoren, die bei Druck im Teppich betätigt werden, setzt das System automatisch einen Notruf ab. Auch die Initiative des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend – „Zuhause im Alter“ – ist der Meinung, dass dank Technik viele länger in den vertrauten vier Wänden bleiben können und nicht ins Heim umziehen müssen.

Weitere Informationen zum Thema „Länger zuhause leben“ gibt es auf dem Internetportal Wegweiser für das Wohnen im Alter vom BMFSFJ und der Initiative „Zuhause im Alter“.

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Die Angst vor Altersarmut wächst

Die Angst vor Altersarmut rückt stärker als andere Themen ins Bewusstsein der Deutschen. Sie machen sich „große“ Sorgen um ihr Auskommen im Alter – und das mit gutem Grund, denn die Rente reicht immer weniger.

Mehr als die Hälfte der Deutschen sorgt sich um die finanzielle Absicherung im Alter, das ergab eine aktuelle Umfrage der Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY). Nur Umweltverschmutzung und Krankheit treibt die Deutschen noch mehr um. Tatsächlich wird die gesetzliche Rente für einen auskömmlichen Ruhestand nicht reichen. Zurzeit ignorieren das noch viele, das ändert sich aber, wie die Studie belegt. Die Angst, im Alter zu verarmen, hatte in der Studie mit 18 Prozent (im Vergleich zum Vorjahr) die höchste Zuwachsrate in der Angstskala. Keine andere Sorge habe für die Deutschen so sehr an Bedeutung gewonnen, stellen die Autoren der Studie fest.

Angst-vor-Altersarmut

Die Angst vor Altersarmut an Position eins der Skala

Angst vor Altersarmut wächst

Mittlerweile hat sich auch bei den Jüngeren herumgesprochen, dass es im Alter mau aussehen wird. „Die Rente ist aus Sicht vieler Deutscher keineswegs mehr sicher, über die Hälfte der Bürger fürchten, im Alter finanziell deutlich kürzer treten zu müssen“, so das Resümee von Bernhard Lorentz, Leiter des Bereiches Government and Public Sector bei EY. Das ist ein doppeltes Problem, denn angesichts der aktuellen Nullzinsphase können die Jungen auch kein Vermögen aufbauen, außer, sie investieren in Aktien und Immobilien, wovon aber viele nichts wissen wollen.

Rentner sind zunehmend unzufrieden

Auch die heutigen Rentner sind mit ihrer finanzielle Situation im Vergleich zu den jüngeren Generationen deutlich unzufriedener. „Nur jeder Dritte Verbraucher über 65 ist mit seiner finanziellen Situation zufrieden“, sagt die Studie. Verbesserung dürfte auch 2019 nicht in Sicht sein. „2018 spürten die Konsumenten eine unerwartet hohe Inflation; Öl und Benzin, aber auch einige Lebensmittel waren teils deutlich teurer als vor einem Jahr“, kommentiert Thomas Harms, Leiter des Bereichs Consumer Products & Retail bei EY die Zahlen. Entsprechend bleibe bei den Bürgern trotzt Lohnerhöhung und Rentensteigerung am Ende weniger Geld im Portemonnaie übrig als vor einem Jahr. Tatsächlich stieg die Inflationsrate im November auf 2,3 Prozent und war im Dezember immer noch bei 1,7 Prozent.

Angst vor Altersarmut – Wenn die Rente nicht mehr reicht – Betroffene bei Peter Hahne – ZDF

Was Wunder, dass die Leute ihr Geld künftig vorsichtiger ausgeben werden. Sparen ist angesagt – und das laut Studie besonders bei Unterhaltungselektronik wie Smartphones und Tablets. Größere Einzelanschaffungen wie Autos oder Küchen sowie Haus- und Wohnungsrenovierungen werden zurückgestellt. Nur beim Urlaub wollen die Deutschen nicht sparen.

Dazu ein Kommentar von Heike Jahberg im „Tagesspiegel“




Rentenniveau ist niedriger als offiziell propagiert

Die große Koalition gaukelt uns vor, das Rentenniveau sei bis 2025 bei 48 Prozent gesichert. Dafür wurde jetzt die Rentenformel verändert. Dabei ist das tatsächliche Rentenniveau schon heute weit niedriger als die offiziellen 48 Prozent.

Das Rentenniveau liegt nicht bei 48 Prozent, wie die meisten glauben, sondern nur bei 46,3 Prozent. Wer’s nicht glaubt soll selbst nachrechnen. Die Zahlen sind im Rentenbericht (siehe Seite 259) der Deutschen Rentenversicherung nachlesbar, nur keiner macht sich die Mühe, das einmal genau zu checken. Dabei ist es ganz einfach:

Durchschnittsjahresentgelt

Brutto:                       37 077 Euro
Netto:                        30 611 Euro
Sozialabgaben:          6 466 Euro (17,44 %)

Standardrente

Brutto:                       16 600 Euro
Netto:                        14 772 Euro
Sozialabgaben:           1 828 Euro (11,01 %)

Bezogen auf das durchschnittliche Vor-Steuer-Netto-Entgelt liegt die Vor-Steuer-Rente rein rechnerisch bei 48,2 Prozent. Die Deutsche Rentenversicherung tut so, als würden vom Brutto nur 17,44 Prozent an Sozialabgaben abgezogen, tatsächlich sind es laut Brutto-Netto-Rechner aber 20,77 Prozent. Somit bleiben einem Single netto vor Steuern nur 29 375 Euro übrig. Das heißt, die Rentenversicherung tut so, als seien die Sozialabgaben niedriger als sie tatsächlich sind.

Bei der Berechnung der gesetzlichen Rente geht sie davon aus, dass jeder geriestert habe und schlägt diese Riester-Rente auf die Standardrente drauf. Wer keine Riester-Rente hat, bekommt tatsächlich weniger. Der Riester-Faktor oder Altersvorsorgeanteil (AVA), wie er offiziell heißt, liegt seit 2012 bei vier Prozent. So steht es auch im Sozialgesetzbuch § 225e SGB VI. Er stieg von von 0,5 (2002) auf vier Prozent, wo er seit 2012 verharrt.

Entwicklung des Riester-Faktors von 2002 bis 2018

JahrRiester-Faktor*
20020
20020.5
20030.5
20041
20051.5
20062
20072
20082
20092.5
20103
20113.5
20124
20134
20144
20154
20164
20174
20184
*Altersvorsorgeanteil AVA

Riester belastet gesetzliche Rente

Die „taz“ hat es einmal sehr schön beschrieben: „Die Riesterrente wird oft als Zusatzangebot missverstanden, aber sie hat die gesetzliche Rente gezielt belastet. Seitdem ist in der Rentenformel der Riester-Faktor verankert, unter Renten-Feinschmeckern auch als „Altersvorsorgeanteil“ bekannt. Einfach gesagt: Bei der jährlichen Rentenberechnung wird ein Teil des Bruttoeinkommens abgezogen. Der soll in die Riesterrente fließen. Der Haken: Viel weniger Arbeitnehmer als angenommen haben eine private Rentenversicherung, so dass später deren Gesamtrente schrumpft.“

Wie lässt sich die Differenz zwischen Standardrente-Netto ohne und mit Riester berechnen. Das ist gar nicht so einfach. Bei der Berechnung der Standard-Netto-Rente (ohne Steuern) geht die Deutsche Rentenversicherung davon aus, dass alle geriestert haben. Nur wer eine Riester-Rente von vier Prozent hat, kommt einschließlich der normalen gesetzlichen Rente auf hundert Prozent und somit auf ein Rentenniveau von 48,2 Prozent auf bezogen auf das Durchschnittsentgelt. Wer keine Riester-Rente hat, kommt nur auf 46,3 Prozent. Wie sich das berechnen lässt:

Standardrente
100 %               =      14 772 Euro
-4 %               =           591 Euro (Riester-Faktor)
96 %               =      14 181 Euro (minus Riester-Faktor)
Durchschnittsjahresentgelt
Netto                =      30 611 Euro
30 611 Euro     =          100 %
14 181 Euro     =           46,3 % Rentenniveau gemindert um Riester-Faktor

Dass die gesetzliche Rente geschwächt wurde, ist also das Ergebnis bewusster politischer Entscheidungen, an denen Scholz (gemeint ist Finanzminister Olaf Scholz) als Bundestagsabgeordneter und SPD-Generalsekretär mitgewirkt hat.“ Was die meisten auch nicht wissen: Die Riester-Rente bleibt in ihrer Höhe unverändert, anders als die gesetzliche Rente, die regelmäßig erhöht wird. Also, selbst wer eine Riester-Rente bezieht, kann damit auf Dauer die fehlenden vier Prozent bei der gesetzlichen Rente nicht ausgleich, weil die Riester-Rente ja nominal unverändert bleibt. Ihre Riester-Rente wird auf Dauer von der Inflation aufgefressen.

Rentenniveau niedriger als propagiert

Die 48,2 Prozent Rentenniveau gelten nur für diejenigen, die auch tatsächlich eine Riester-Rente haben, wer keine Riester-Rente hat, für den liegt das Rentenniveau irgendwo bei 46 Prozent. Die Deutsche Rentenversicherung spricht deswegen auch immer von „Sicherungsniveau vor Steuern“, gemeint ist damit, dass dieses Niveau nur dann zu erreichen ist, wenn ein Rentner auch tatsächlich per Riester fürs Alter vorgesorgt hat, wenn nicht, ist sein „persönliches“ Rentenniveau um zwei Prozent niedriger, also irgendwo bei 46 Prozent. Ehrlicherweise müssten wir alle zwischen Rentenniveau plus oder minus Riester reden. Aber auch die Medien plappern immer die von Regierung und Rentenversicherung propagierten 48 Prozent nach.

Wehe wer kein Riester hat

Vielleicht versteht jetzt auch jeder, warum Schwarz-Rot um alles in der Welt diese 48 Prozent halten muss – mit der doppelten Haltelinie. Denn, für alle ohne Riester sind es schon längst keine 48 Prozent mehr.

Deswegen hat die Bundesregierung noch 2018 das „Rentenversicherung-Leistungsverbesserungs- und Stabilisierungsgesetz“ erlassen, mit dem eine doppelte Haltelinie eingezogen wurde. Danach darf bis 2025 das „Sicherungsniveau vor Steuern“, sprich das sogenannte Rentenniveau, nicht unter 48 Prozent sinken und der Beitragssatz nicht über 20 Prozent steigen.

Die Sache mit dem Rentenniveau

Rente nur bis 2025 sicher

Die Rentenformel, nach der die Rente berechnet wird, ist schon kompliziert, durch die doppelte Haltelinie wird sie noch mal komplizierter. „Die Sicherung des Rentenniveaus von 48 Prozent bis zum Jahr 2025 wird unmittelbarer Bestandteil der Rentenanpassungsformel, da diese durch eine Niveauschutzklausel ergänzt wird“, schreibt die Kommission verlässlicher Generationenvertrag.  Damit werde sicherstellt, dass die Renten bis zum Jahr 2025 so angepasst werden, dass mindestens ein Rentenniveau von 48 Prozent erreicht wird. Die Niveauschutzklausel greife, wenn sich nach der geltenden Anpassungsformel ein aktueller Rentenwert ergeben würde, mit dem ein Rentenniveau von 48 Prozent unterschritten werde. Dann würde der aktuelle Rentenwert so festgelegt, dass mindestens ein Niveau von 48 Prozent erreicht werde.

Durchschnittsrente viel niedriger

Der Standardrentner, das heißt, jemand der 45 Jahre lang immer im Durchschnitt verdient hat, bekommt netto vor Steuern 1231 Euro pro Monat. Dumm nur, dass die wenigsten Rentner Standardrentner sind. Rund drei Viertel bekommen deutlich weniger Rente als der Standardrentner. Die Durchschnittsrente von Männern rangiert bei 1050 Euro, von Frauen bei 672 Euro. Damit bekommen Frauen weniger als Grundsicherung, das heißt, viele sind schon am unteren Ende der Fahnenstange angekommen – tiefer geht’s nicht.

Die Rentenformel

Die Höhe der Rente hängt von verschiedenen Faktoren ab: dem eigenen Einkommen, dem Durchschnittseinkommen und den regelmäßigen Rentenerhöhungen. Was aber tatsächlich am Ende ausbezahlt wird, bestimmt die Rentenformel. Sie setzt sich aus verschiedenen Komponenten zusammen. Ein Video der INSM erklärt die Formel.

Nachdem so viel von Rentenformel die Rede war und der neuen Niveausicherungsklausel, hier noch mal die ganze Rentenformel. Sie setzt sich zusammen aus:

Monatsrente = Entgeltpunkte x Zugangsfaktor x aktuellem Rentenwert x Rentenartfaktor

Entgeltpunkt:

Pro Jahr gibt’s einen Entgeltpunkt, wer im Durchschnitt verdient hat, maximal gibt’s für Besserverdiener aber nur 2,056 Entgeltpunkte. Die Entgeltpunkte werden zu Rentenbeginn addiert. Entgeltpunkte gibt’s aber auch für Kindererziehung und Bundeswehr.

Zugangsfaktor:

Wer vorzeitig in Rente geht, dem werden pro Monat 0,3 Prozent abgezogen. Wer also zwei Jahre früher in Rente geht, dem werden 7,2 (0,3×24) Prozent abgezogen, was einen Zugangsfaktor von 0,928 ergibt.

Aktueller Rentenwert:

Das ist dieser ominöse Wert, in den Lohnentwicklung, Riester- und Nachhaltigkeitsfaktor sowie Niveausicherungsklausel einfließen.

Rentenartenfaktor:

Bei Altersrenten ist der Rentenfaktor 1,0, bei teilweiser Erwerbsminderung ist er 0,5, bei Waisenrenten 0,1 oder 0,2.

Aktueller Rentenwert

Noch ein Wort zum aktuellen Rentenwert, denn er entscheidet, wie viel ein Entgeltpunk in Euro und Cent bringt. Zurzeit liegt er für die alten Bundesländer bei 32,03 Euro und bei 30,69 für die neuen:

Lohn-Komponente:

Der Rentenwert spiegelt die aktuelle Lohnentwicklung wider. Je mehr die Arbeitnehmer verdienen, desto besser für die Rentner.

Riester-Faktor:

Er berücksichtigt den Altersvorsorgeanteil (AVA) und den Beitrag zur Rentenversicherung insgesamt. Der Riester-Faktor wirkt sich auf das Rentenniveau aus.

Nachhaltigkeitsfaktor:

Er vergleicht die Zahl der Rentner mit der Zahl der Beitragszahler. Weniger Beitragszahler und mehr Rentner bedeutet, dass die Rentenerhöhung entweder ganz ausfällt oder magerer ausfällt.

Niveauschutzklausel:

Sie verhindert, dass das Sicherungsniveau unter 48 Prozent fällt.

Alles klar?

 




Bürgern winkt Entlastung, Betriebsrentner erwartet Belastung

Angeblich können viele Arbeitnehmer 2019 mit hundert und mehr Euro Entlastung rechnen, für Betriebsrentner steigt im kommenden Jahr allerdings die Belastung. Es lohnt sich, genauer hinzuschauen.

Ein Single mit 6000 Euro Bruttogehalt profitiert 2019 am meisten von den steuerlichen und sozialversicherungstechnischen Entlastungen – ihm bleiben unterm Strich laut Datev 247 Euro mehr übrig. Woran das liegt? Der Beitrag für die Arbeitslosenversicherung sinkt von drei auf 2,5 Prozent; ab Januar teilen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer den Zusatzbeitrag zur Krankenversicherung – das gilt im Übrigen auch für alle, die eine gesetzliche Rente beziehen. Ferner gibt es höhere Steuerfreibeträge. Gleichzeitig steigt aber der Beitrag zur Pflegeversicherung um ein halben Prozentpunkt auf 3,05 Prozent (Kinderlosen zahlen 3,3 Prozent).

Belastung für Betriebsrentner

So weit, so gut – die Betriebsrentner allerdings sind die Dummen, denn sie zahlen im kommenden Jahr sogar mehr. Zurzeit bekommen alle Betriebsrentner von ihren Krankenkassen ein Briefchen, in dem die Kassen ihnen vorrechnen, was sie im kommenden Jahr abführen müssen – und das ist mehr als bisher.

Hier ein Auszug aus dem Schreiben der Techniker Krankenkasse:

„Dieses Jahr hat der Gesetzgeber beschlossen, dass der Beitragssatz zur Pflegeversicherung um 0,5 Prozentpunkte steigt. Bei allen gesetzlich Krankenversicherungen erhöht sich dadurch der Beitrag der betroffenen Mitglieder automatisch. Dies können wir leider nicht beeinflussen. Auf unseren eigenen Beitragssatz hingegen haben wir Einfluss: Zum 1. Januar 2019 haben wir unseren Zusatzbeitrag um 0,2 Prozent gesenkt. Er beträgt nun 0,7 Prozent. Damit liegen wir weiterhin unter dem gesetzlichen durchschnittlichen Zusatzbeitrag von zukünftig 0,9 Prozent. Für Beiträge aus Renten und Versicherungsbezügen, die die auszahlende Stelle direkt an uns abführt, gilt der Zusatzbeitragssatz erst ab 1. März 2019. Da wir unseren eigenen Zusatzbeitrag senken, können wir die gesetzlich verordnete Beitragserhöhung für Sie zum Teil ausgleichen.“

Doppelbeitrag auch 2019

Betriebsrentner – und dazu werden seit 2004 auch Direktversicherungen gezählt – müssen also weiter den vollen Beitragssatz (Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil) zahlen und profitieren bei der TK erst am 1. März 2019 von der Senkung des Zusatzbeitrags. Vermutlich halten es andere Krankenkassen ähnlich wie die TK. Bei der AOK Rheinlandpfalz/Saarland zahlen Betriebrsrentner sogar noch mehr, weil sie auf den 0,9 Prozent Zusatzbeitrag besteht. Hier die Sätze der AOK:

 

Beitragssätze bei Versorgungsbezügen im Zahlstellenverfahren
VersicherungszweigPro­zent­satz
Kran­ken­ver­si­che­rung
bis zum 28.2.2019 gilt ein Ge­samt­bei­trags­satz von15,6  %
ab dem 1.3.2019 gilt 14,6 % zu­züg­lich Zu­satz­bei­trags­satz der AOK Rhein­land-Pfalz/​Saar­land15,5  %
Kran­ken­ver­si­che­rung (Be­zie­her von Ren­ten und Land­ab­ga­be­ren­ten nach dem ALG)
bis zum 28.2.2019 gilt ein Ge­samt­bei­trags­satz von8,3  %
ab dem 1.3.2019 gilt 7,3 % zu­züg­lich Zu­satz­bei­trags­satz der AOK Rhein­land-Pfalz/​Saar­land8,2  %
Pfle­ge­ver­si­che­rung3,05 %
Pfle­ge­ver­si­che­rung Kin­der­lo­se3,3  %

Quelle: AOK Rheinlandpfalz/Saarland

Hier die Info der KVdR / BKK Mobil Oil:

Krankenversicherung 2019
Gesamtbeitragssatz für Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung15,7 %

7,85 % (Anteil Rentenversicherungsträger)

7,85 % (Anteil Mitglied)

Gesamtbeitragssatz für ausländische Renten7,85 %
Gesamtbeitragssatz für Versorgungsbezüge und Arbeitsaufkommen15,7 %
Pflegeversicherung 2019
Allgemeiner Beitragssatz3,05 %
Beitragssatz für Kinderlose nach dem Kinderberücksichtigungsgesetz3,3 %

Bei mir macht diese Maßnahme rund fünf Euro monatlich und 60 Euro jährlich aus – und bei euch?

Ich freue mich auf Kommentare und Mails, denn es ist spannend zu erfahren, wie andere Kassen mit Zusatz- und Pflegebeitrag umgehen.




Was wir von Norwegen lernen können

Anders als die Deutschen setzen die Norweger auf den Kapitalmarkt für die Altersvorsorge – und fahren deutlich besser damit. Norweger haben ein Guthaben, Deutsche Schulden pro Kopf. Die norwegische Zentralbank kümmert sich um den Reichtum der Nation und künftiger Generationen. Das können wir von den Norwegen lernen.

In 50 Jahren sind die Ölfelder in der Nordsee erschöpft – für die Zeit danach hat Norwegen vorgesorgt dank der Umsicht früherer Generationen, die das Geld nicht verplempert haben. Die norwegische Staatsbank (Norges Bank) hat das Geld in Aktien und Immobilien weltweit in einem Pensionsfonds angelegt. Mittlerweile hat dieser Fonds ein Volumen von weit mehr als 8,23 Billionen norwegischer Kronen oder umgerechnet 825 Milliarden Euro. Der norwegische Pensionsfonds wird nur von 550 Leute organisiert – alles Spezialisten und entsprechend gut bezahlt. Die Kosten sind mit sechs Prozent vergleichsweise hoch, die Wertentwicklung des Fonds aber auch. Allein in den vergangenen zehn Jahren hat der globale Pensionsfonds eine durchschnittliche jährliche Rendite von mehr als 13 Prozent erreicht, in den vergangenen 20 Jahren sogar 21 Prozent pro Jahr. Selbst nach Abzug der Kosten bleibt immer noch genug übrig für die Norweger. Wer will kann das alles selbst online nachrechnen, dafür gibt’s den Aktienrechner – einfach Kauf- und Verkaufskurs eingeben und Anlagedauer, auf „Berechnen“ klicken“ und die Rendite ablesen.

Von Norwegen lernen

Was haben Norwegens Rentner davon? Das Geld aus dem Pensionsfonds finanziert den Wohlfahrtsstaat, dazu gehören die Krankenkasse und die Mindestrente von umgerechnet annähernd 1600 Euro. Wie viel Geld generiert der Fonds? Von April bis Ende Juni 2018 erzielte der Fonds beispielsweise einen Gewinn von umgerechnet 17 Milliarden Euro, nur mal so als Beispiel. 17 Milliarden geteilt durch 5,25 Millionen Norweger ergibt 3238 Euro pro Einwohner. Wer’s nicht glaubt, kann das jederzeit online auf den Seiten des Norges Bank Investment Management nachlesen. Da steht auch, wie viel der Fonds aktuell wert ist, wo wieviel Geld investiert wird und wie sich der Fonds in den vergangenen Jahren entwickelt hat. Mittlerweile ist jeder Norweger dank des Pensionsfonds ein Kronen-Millionär.

Mindestrente ist keine

Allerdings ruhen sich die Norweger nicht auf der Mindestrente aus, denn die reicht auch im teuren Norwegen nicht weit. Wer Kinder großzieht, bekommt automatisch drei Rentenpunkte pro Jahr, um die Grundrente aufzustocken. Für Norweger ist es auch selbstverständlich, mit einer Betriebsrente fürs Alter vorzusorgen. Norweger können laut Deutscher Rentenversicherung schon mit 62 Jahren in Rente gehen, wenn sie entsprechen Rentenpunkte gesammelt haben. Reguläres Rentenalter ist allerdings 67 Jahre. Tatsächlich arbeitet rund ein Fünftel der Norweger noch nach 65 Jahren, weil sie Rente und Arbeit miteinander verbinden können. Um das zu ermöglichen, bietet der Staat einiges an Hilfen an, was er sich dank des Pensionsfonds auch locker leisten kann.

Die Schaltzentrale der norwegischen Pensionsfonds

Chancen des Kapitalmarkts

Allein die Zahlen sind schon beeindruckend. Wäre das nicht auch ein Modell für Deutschland? Natürlich! Aber deutsche Politiker arbeiten eher gegen eine kapitalgestützte Zusatzrente. Norbert Blüm hat den Deutschen den Blick mit seinem Spruch „die Rente ist sicher“ vernebelt, Riester hat die kapitalgestützte Vorsorge torpediert und Ulla Schmidt (SPD) sowie Horst Seehofer (CSU) haben alle, die eigenverantwortlich per Direktversicherung fürs Alter vorgesorgt haben – und immer noch vorsorgen – mit dem 2004 eingeführten Gesundheitsmodernisierungsgesetzt (GMG)  schlichtweg enteignet, indem sie ihnen doppelte Krankenversicherungsbeiträge aufgebrummt haben. Der Hype um die vermeintliche Volksaktie Telekom – erinnert sei nur an die Werbung mit Manfred Krug alias Liebling Kreuzberg – und ihr desaströser Absturz haben ebenfalls dazu beigetragen, dass den Deutschen die Lust auf Aktien gründlich vermiest wurde.

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Wertentwicklung des norwegischen Pensionsfonds seit 1998

Keine Angst vor Altersarmut

Wer über Altersarmut redet, muss auch darüber reden, wie deutsche Politiker den Deutschen die Chancen des Kapitalmarkts gründlich madig gemacht und sie durch gesetzgeberische Maßnahme davon abgehalten haben. Wenn einer wie Friedrich Merz, der ums Amt des CDU-Vorsitzenden kandidierte, wegen seines Vorschlags, mit Aktien fürs Alter vorzusorgen, sofort in die Lobbyisten-Ecke gestellt wird, sagt das alles aus über die Aktien-Antipathie der Deutschen. Das rächt sich jetzt leider. Denn wir Deutsche müssen Angst vor dem Alter haben, anders als die Norweger.

Transparenz als Voraussetzung

Leider kann der Einzelne die Anlagepolitik des „Statens pensjonsfond utland“ mangels Masse nicht unmittelbar umsetzen. Lässt sich trotzdem von den norwegischen Finanzverwaltern lernen? Die Norweger streuen das Vermögen weltweit, um das Risiko zu minimieren, sie verteilen das Geld auf Anleihen (29,7 Prozent), Aktien (67,6 Prozent) und Immobilien (2,7 Prozent) – und investieren langfristig. Risk-adjusted-Return, sprich möglichst hohe Rendite bei möglichst geringem Risiko propagiert Fondschef Yngve Slyngstad. Transparenz und Verantwortung gehören ebenfalls zu den Leitlinien – und dazu gehört, dass jeder Norweger jederzeit weiß, wie viel der Fonds wert ist und in was er investiert. Auf der Einstiegsseite des Fonds läuft eine Vermögensuhr, die den aktuellen Marktwert des Fonds in Bruchteilen von Sekunden ausrechnet.

Besser als der Index

Letztlich orientieren sich die norwegischen Fondsmanager natürlich an einer Richtgröße – und das ist der FTSE Global All Cap Index, ein Korb von 8000 Aktien von größeren Unternehmen weltweit, gewichtet nach ihrem Börsenwert. Daraus errechnet sich ein Durchschnitt, der Index eben. Den Korb zusammengestellt hat FTSE Russell, eine Tochter der Londoner Börse, wobei die Abkürzung FTSE für Financial Times Stock Exchange steht. Privatanleger wären langfristig allerdings mit dem konkurrierenden MSCI World besser gefahren – und mit dem MSCI World Minimum Volatility noch besser. Beides sind ebenfalls Körbe von Tausenden Unternehmen weltweit. „Korb-Macher“ ist MSCI (vormals Morgan Stanley Capital International), ein in New York ansässiger Finanzdienstleister, der Indizes zusammenstellt und anderen gegen Geld erlaubt, diesen Index zu benutzen. Die Fondsbranche hat sich darauf eingeschossen und eine Vielzahl von entsprechenden Index-Fonds entwickelt, darunter auch die beiden genannten.

Norwegen wird immer reicher

Das Konzept der Norwegen scheint zu stimmen, denn auf Dauer wächst das Vermögen des Fonds zum Wohl künftiger Generationen. Sie haben ihren Öl- und Gas-Schatz sinnvoll genutzt, um für die Zukunft vorzusorgen. Davon kann sich Deutschland eine Scheibe abschneiden.

Aber so lange Aktienbesitz hierzulande verteufelt und die Aktienkultur mit Füßen getreten wird, bleibt es beim sehnsuchtsvollen Blick nach Norden. Die Folge wird sein, dass sich Altersarmut weiter ausbreitet und der Verteilungskampf nach 2025 erst so richtig losgeht.

Disclaimer:

Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Die hier enthaltenen Aussagen sind nicht als Angebot oder Empfehlung bestimmter Anlageprodukte zu verstehen. Dies gilt auch dann, wenn einzelne Wertpapiere oder Investments erwähnt werden. Der Beitrag soll lediglich einen Überblick über die Möglichkeiten geben und die selbständige Anlageentscheidung erleichtern.




Zusammen weniger allein – warum nicht in eine Senioren-WG ziehen?

Wie wohnen im Alter? Besser früher als zu spät darüber nachdenken. Wir werden immer älter und wir Alten werden immer mehr. Wie wäre es denn mit einer Senioren-WG?

Immer mehr Menschen sind im Alter auf die Pflege durch fremde Personen angewiesen. Während sich früher meist die Familienmitglieder um die Betreuung der Älteren kümmerten, leben viele Senioren heute alleine. Hinzu kommt, dass die Menschen ein immer höheres Alter erreichen und der Anteil an alten Menschen an der Bevölkerung steigt. Während derzeit 21 Prozent der Deutschen über 65 Jahre alt sind, werden es bis 2030 schon 30 Prozent sein. Grund genug, sich möglichst frühzeitig über die Wohnsituation im Alter Gedanken zu machen.

Pflegeplätze kaum noch bezahlbar

Wer keine Angehörigen hat, die bereit und in der Lage sind, die Pflege selbst zu übernehmen, ist auf Hilfe durch professionelle Pflegekräfte angewiesen. Altersheime sind jedoch eine kostspielige Angelegenheit. Ein Pflegeheimplatz in Deutschland kostet im Schnitt 3.300 Euro im Monat. Nach Abzügen der Leistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung muss die eigene Rente bis auf einen Betrag von knapp 110 Euro an Taschengeld für den Eigenanteil aufgewendet werden. Dieser beträgt durchschnittlich um die 1700 Euro im Monat – viel mehr, als die meisten Senioren mit ihrer Rente abdecken können.

In diesem Fall sind die nächsten Angehörigen gesetzlich dazu verpflichtet, einzuspringen – sofern es ihnen finanziell möglich ist. Wer dazu in der Lage ist, sollte sich deshalb rechtzeitig um eine private Pflegeversicherung bemühen, die im Alter für zusätzliche finanzielle Entlastung sorgen kann.

Pflegeheimplätze sind aber nicht nur teuer, sie genießen hierzulande auch nicht den besten Ruf. Darüber hinaus finden viele Senioren die Vorstellung schrecklich, nicht mehr in ihren eigenen vier Wänden leben zu können. Es ist wichtig, sich rechtzeitig Gedanken zu machen, wie und wo wir unseren Lebensabend verbringen möchte und welche Alternativen zum Pflegeheim zur Verfügung stehen.

Möglichst frühzeitig in eine Senioren-WG

Eine Alternative zum Altersheim kann für viele Menschen eine sogenannte Senioren-Wohngemeinschaft sein. Das Zusammenleben mit mehreren älteren Personen in einem Haus oder einer Wohnung hat gleich mehrere Vorteile:

  • Wir laufen weniger Gefahr, im Alter zu vereinsamen
  • Bewohner können sich gegenseitig unterstützen
  • Mietkosten und Ausgaben können geteilt werden
  • Pflege kann gemeinsam organisiert werden

Trotz aller Vorteile ist die Gründung einer Senioren-WG jedoch nicht ganz einfach, denn die Ansprüche an eine geeignete Immobilie sind hoch. Sie muss nicht nur die richtige Raumaufteilung haben, sondern nach Möglichkeit barrierefrei sein, um dort auch noch mit einer eingeschränkten Mobilität wohnen zu können.

Supermarkt um die Ecke

Wichtig sind auch nahe gelegene Einkaufsmöglichkeiten und eine gute Verkehrsanbindung sowie Arztpraxen und kulturelle Angebote, die leicht zu erreichen sind. Die richtigen Mitbewohner für eine Senioren-WG zu finden, gehört sicherlich auch nicht zu den leichtesten Aufgaben – schließlich müssen alle Mitglieder auch zueinander passen und sich sympathisch sein. Um mögliche Konflikte bereits im Voraus zu vermeiden, gehören feste Regeln zu einer Wohngemeinschaft unter Senioren ebenso wie zu einer Studenten-WG.

Wer sich für das Wohnen in einer Senioren-WG interessiert, sollte sich möglichst frühzeitig dazu entschließen und dort einziehen, solange er noch halbwegs fit und unabhängig ist.

 

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Riester läuft langsam aus dem Ruder

Riester ist eine Totgeburt – wer’s nicht glaubt, muss sich nur die Zahlen anschauen. Trotz Erhöhung der Zulage und die Befreiung der Sozialversicherungspflicht schrumpft die Zahl der Verträge. Aber viele haben das Gefühl, Riester ist zu kompliziert und bringt zu wenig. Deswegen läuft Riester aus dem Ruder.

Wie übel die Riester-Rente beleumundet ist, lässt sich daran ablesen, dass trotz einiger Verbesserungen die Zahl der Riester-Verträge dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales zufolge schrumpft und ein Fünftel nicht mehr bespart wird. Das ist ein Desaster, denn Riester sollte eigentlich die Versorgungslücke schließen, die sich durch das Sinken des Niveaus in der gesetzlichen Rente öffnet. Der Staat hat es doch tatsächlich geschafft, Riester kleinzukriegen.

Die Zahlen sprechen für sich: 2015 waren es 16,49 Millionen Riester-Verträge, 2016 dann 16,57 Millionen und 2017 rund 16,59 Millionen, seitdem geht es aber bergab. Im ersten Quartal 2018 waren es nur noch 16,58 Millionen, im zweiten Quartal mit 16,57 noch mal weniger und im dritten Quartal schließlich nur noch 16,568 Millionen. Rund 20 Prozent der Verträge ruhen, das heißt sie sind Karteileichen. Von Januar bis September ging der Bestand um rund 25 000 Verträge zurück.

Riestervertraege

Die Zahl der Riesterverträge stagniert und ist seit vergangenem Jahr sogar rückläufig

Riester läuft aus dem Ruder

Wie wenig Riester ankommt, lässt sich daran ablesen, dass seit 2015 ja die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten gestiegen ist, die Riester-Zulage ist 2018 sogar von 154 auf 175 Euro gestiegen und Riester-Verträge wurden mit dem Betriebsrentenstärkungsgesetz in der Auszahlphase sozialversicherungsfrei gestellt. Das hat aber alles nichts genutzt, denn mittlerweile hat sich herumgesprochen, dass sich Riestern nicht lohnt und Riestern viel zu kompliziert ist.

Riester zu teuer und zu kompliziert

Wer sich die Riester-Statistik anschaut, begreift schnell, warum die Zahl der Verträge schrumpft. Die Mehrzahl der Sparer hat sich auf die Versicherungslösung eingelassen. Leider bleibt nach Abzug von Abschlussprovisionen und Verwaltungsgebühren nichts mehr von der einmal propagierten Rendite übrig, wie das auch der Ex-Versicherungsmanager Sven Enger in seinem Buch „Alt, arm und abgzockt so schön beschreibt. Mittlerweile haben das die Kunden begriffen und zahlen nicht mehr ein oder schließen eben keinen Riester-Vertrag mehr ab. Die Zahl der Versicherungsverträge ist binnen sechs Jahren von rund elf Millionen auf 10,8 Millionen geschrumpft – das sind 200 000 weniger.

Einfache Sparpläne wären die Lösung

Die einzig brauchbare Lösung scheint heute der Riester-Banksparplan. Dumm nur, dass Anbieter damit nichts verdienen und das Produkt aus dem Angebot genommen haben. Mittlerweile gibt es nur noch die Sparkasse Holstein, die einen Riester-Banksparplan anbietet. Die Mainzer Volksbank, einer der wenigen neben der Sparkasse Holstein, hat den Vertrieb des Riester-Banksparplans Anfang Dezember 2018 eingestellt.

Beim Riester-Banksparplan zahlt der Sparer monatlich in den Vertrag ein. Auf Verzinsung braucht der Riester-Sparer allerdings nicht hoffen, denn der Leitzins ist bei null – und das wird sich so schnell nicht ändern. Dank Mario Draghi, Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), sind die Zinsen abgeschafft.

Wer klärt neutral über Riester auf?

Dabei lohnt es sich durchaus zu riestern, allein schon wegen der Zulagen, die für einen Single bei 175 Euro liegen, für jedes Kind kommen noch bis zu 300 Euro dazu – plus Steuergutschrift. Wer will, kann sich die Höhe der Förderung ganz individuell online mit dem Riester-Rechner ausrechnen lassen. Davon hat aber nur dann ein Sparer etwas, wenn Banken und Versicherungen sich bei den Gebühren zurückhalten. Die Sparkasse Holstein nimmt keine Abschluss- und Vertriebsprovision, pro Jahr verlangt sie zehn Euro Verwaltungskosten. Das heißt umgekehrt, den Riester-Sparern bleibt damit mehr übrig. Das ist den meisten anderen Banken und Sparkassen zu wenig, weswegen sie den Vertrieb eingestellt haben. Nur, das sagt Riester-Sparern niemand, ausgenommen Finanztip.




Wie die EZB den Deutschen die Ruhestandsplanung ruiniert

Die Deutschen sparen sich arm – richtig gehört. Die Inflation ist weit höher als die Zinsen. Unterm Strich steht somit ein Minus, das heißt, wer spart wird ärmer. Wer’s nicht glaubt, muss nur Zinsen und Inflation vergleichen. Das Realvermögen schrumpft schon seit Jahren. Ruhestandsplanung wird zum Minus-Geschäft.

Wer schon mal auf dem Münchner Oktoberfest war, weiß was Geldentwertung heißt. Bekam der Wiesn-Besucher die Maß 2008 noch für 8,30 Euro, so zahlt er 2018 bereits 11,50 Euro dafür. Das ist eine Inflationsrate von 3,3 Prozent. Anders ausgedrückt, seine 8,30 Euro von damals sind heute noch 5,99 Euro wert, also nur noch eine halbe Maß – und die gibt’s auf dem Oktoberfest nicht. Bei einer Inflation von zwei Prozent, so wie es die Europäische Zentralbank (EZB) anstrebt – und mittlerweile erreicht hat – sind in zehn Jahren aus einem Euro 82 Cent geworden. Übrigens, kann das jeder mit dem Inflationsrechner selbst ausrechnen. Im November betrug die Inflationsrate laut Statistischem Bundesamt sogar 2,3 Prozent. Niemand sollte angesichts der Probleme in der Euro-Zone hoffen, dass sich das so schnell ändert. Italien verschuldet sich immer höher, Frankreich auch – da kann eine EZB die Zinsen nicht erhöhen.

Ruhestandsplanung im Eimer

Wenn die Inflation höher ist als die Zinsen, dann schrumpft das Realvermögen, sprich das, was sich Verbraucher dafür leisten können. Nominal hat der Sparer zwar morgen noch genau so viel auf dem Konto wie heute, nur kann er sich damit immer weniger kaufen. Also wird er immer ärmer. Klingt logisch, oder? Nicht für die Deutschen. Entweder können oder wollen sie nicht rechnen, denn wie anders lässt sich erklären, dass im dritten Quartal 2018 laut Bundesbank mehr als 2,37 Billionen Euro – in Ziffern 2 371 000 000 000 – unter Matratzen, auf Giro- und Tagesgeldkonten und Sparbüchern vor sich verkommen.

„Nur“ 640 Milliarden Euro waren in Aktien und 576 Milliarden in Fonds investiert. Das Vermögen zerrinnt den Deutschen Monat für Monat zwischen den Fingern, weil es für Sparguthaben und für Tagesgeld keine Zinsen mehr gibt. Dabei bräuchten sie das Geld so dringend im Alter, um die Versorgungslücke zu schließen, die sich durch die Absenkung des Rentenniveaus immer weiter öffnet.

Draghi lacht sich ins Fäustchen

Mario Draghi, Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) und damit Urheber dieser finanziellen Katastrophe, lacht sich ins Fäustchen. Warum sind die Deutschen auch so blöd, denkt er sich im Stillen. „Selber schuld“, so sein Kommentar, den er mittlerweile schon mehrfach geäußert hat. Ihm ist egal, dass die Deutschen durch die Minus-Zins-Politik der EZB enteignet werden.  Seit 2011, so hat die comdirect ausgerechnet, verlieren die Deutschen pro Jahr dieser systematischen Enteignung geschuldet mehr als 34 Milliarden Euro, umgerechnet auf jeden Haushalt sind das 872 Euro Realzinsverlust.

Sozialkassen werden durch EZB geschröpft

Das Perfide daran, auch die gesetzliche Rente ist von Draghis Enteignungspolitik betroffen, denn die Deutsche Rentenversicherung muss ihre Reserven bei der EZB parken, wo sie Strafzinsen zahlt. Das gleiche gilt für die anderen Kassen der Sozialversicherung. Vater Staat freut sich drüber, denn er bekommt Geld geschenkt, ja noch besser, Gläubiger zahlen ihn sogar dafür, dass sie ihm Geld leihen dürfen.

Betriebsrentner leiden unter Draghi

Selbst, wer eine Betriebsrente in Form einer Kapitallebensversicherung hat, wird am Ende deutlicher weniger bekommen, als er einmal gedacht hat. Denn die Versicherungskonzerne verlieren wegen Draghi ebenfalls Geld, da sie das Geld der Versicherten ja weitgehend in Staatsanleihen anlegen müssen, die nichts mehr bringen, zumindest die neueren.

Rentenniveau bei 48 Prozent eingefroren

Düstere Aussichten für die kommenden Jahre, in denen die Babyboomer-Generation in Rente geht, denn das Rentenniveau von derzeit 48 Prozent wird auf diesem Stand eingefroren – vorerst nur bis 2025, was danach passiert, kann sich jeder selbst ausrechnen. Der Staat muss angesichts der Babyboomer-Welle zwangsläufig das Rentenniveau senken, um die Renten zahlen zu können. Nachkommende Generationen schauen in die Röhre.

Leider wird sich daran auch so schnell nichts ändern, wie die Vermögensberater von Ypos meinen. Eine nachhaltige Wende der Geldpolitik in der Eurozone erscheine nur sehr schwer vorstellbar. „Die finanzielle Repression ist also heute in den Schlagzeilen kaum noch präsent, aber in den Auswirkungen auf die Vermögensentwicklung wirkungsvoller denn je“, so Ypos.

Systematischer Vermögensverzehr

Wie hoch der Vermögensverzehr ist, zeigt die Grafik von Ypos. Bei einer Inflationsrate von 2,3 Prozent verlieren Anleger mit fast allen Anlageformen Realvermögen, sprich Kaufkraft. Nur noch mit Schrottanleihen ist Geld zu verdienen, allerdings gehen Anleger damit eine extrem hohes Risiko ein.

ypos-inflationscheck

Der Inflationscheck von Ypos zeigt klar, dass sich mit den üblichen Sparformen das Vermögen nicht erhalten lässt. Wer sein Geld auf dem Sparbuch oder Tagesgeldkonto bunkert, verliert systematisch Kaufkraft. Quelle: Ypos