Haben wir Alten die Jungen wirklich versaut?

Haben die Babyboomer ihre Kinder zu Spießern erzogen, zu „blassen angepassten“ Jugendlichen? Haben wir Alten die Jungen wirklich versaut? Gibt es diesen Trend zum „Neo-Konventionalismus“ wirklich. Und, sind wir, ja, wir die Generation 50plus und 60plus daran schuld? Engagement egal, Politik egal – sind sie das, unsere Kinder? Nicht von ungefähr kennt heute noch jeder den Werbeslogan der LBS „Du Papa – wenn ich groß bin, will ich auch mal Spießer werden“, obwohl das schon eine halbe Ewigkeit zurückliegt.

Fünf Generationen und ihre Namen
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Klaudia Guesten hat sich in ihrem Blog mit der Generation Y – die Generation der von 1977 bis 1998 Geborenen – und der Erziehung durch die Babyboomer auseinandergesetzt und kann nur sagen „geht’s noch?“.


Ja, „Geht’s noch? Wir Babyboomer sollen die Generation Y versaut haben? Die neue Sinus-Studie offenbart dem Autor Sebastian Christ zufolge, dass uns, sprich den Eltern der Generation Y, die Visionen für eine bessere Zukunft abhanden gekommen sind. Aber unsere Generation erwarte gleichzeitig, dass die nächste Generation wie aus dem Nichts heraus mit neuen Ideen die Welt verändern solle – aus dem Nichts?“

Klaudia Guesten „kann da leider nicht folgen. Unsere Eltern und Großeltern waren Wegbereiter für eine neue Zukunft, nachdem Deutschland in Schutt und Asche lag. Über traditionelles Schubladendenken und erzkonservative Einstellungen brauche ich nicht streiten. Das verbuche ich unter ‚Generationenkonflikte’“.

Wo bleibt die Rebellion der Jungen?

Vielleicht, so meint sie, „sollte der Autor seine Eltern fragen, wie das so war in den 60er-, 70er- und 80er-Jahren; wer auf die Straße gegangen ist und gegen Atomkraftwerke gestritten hat; wer gegen den § 217 demonstrierte und Menschen-Friedensketten bildete, um gegen den Nato-Doppelbeschluss aufzubegehren“. Wer erinnert sich noch an Wackersdorf, Gorleben, Brokdorf, Ostermärsche, Emanzipation und Frauenbewegung? Damit setzt sich Klaudia Guesten ausgiebig in ihren Blogartikeln „Generationen. Trends. Veränderungen„ auseinanender. „Anscheinend haben nachfolgende Generationen nicht unseren Kampfgeist geerbt – und wir haben das verbockt und unseren Kindern nichts von unseren Siegen oder Niederlagen erzählt.“

Diskurs verlagert sich ins Word Wide Web

Klaudia Guesten wagt „zu bezweifeln, dass wir uns in den letzten Jahren zurückgelehnt haben. Genauso wenig, wie ich die ‚Jungen’ über einen Kamm schere, möchte ich auch die Babyboomer nicht über einen Kamm geschert wissen“. Sie behauptet, dass „wir unsere Kämpfe – genau wie die ‚Jungen’ – heute digital fechten. Auch wir sind vernetzt. Auf Facebook, Twitter und anderen sozialen Kanälen. Wir unterzeichnen Petitionen bei Campact, wir lehnen uns gegen TTIP und Fracking auf. Der Diskurs wird weniger auf der Strasse geführt, er hat sich einfach ins Word Wide Web verlagert.“

So ein bisschen Spießer steckt doch in jedem von uns

Und noch eines Klaudia Guesten aufgefallen: „Wir ‚Alten’ haben heute ganz andere Kämpfe zu führen. Statista stellte bei Befragungen fest, dass die Altersdiskriminierung mit 49 Prozent über die Geschlechter-, Religions- und Herkunftsdiskriminierung triumphiert. Und das vor allem am Arbeitsplatz. Glück auf!“

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