Wie viel der Staat seinen Bürgern wirklich abknöpft

Der deutsche Staat ist besonders effizient beim Eintreiben von Steuern und Abgaben. Wie viel knöpft er den Bürgern wirklich ab? Direkte und indirekte Steuern sowie Sozialabgaben zusammen genommen liegt die Last bei weit über 50 Prozent. Das ist absolute Spitze – nur der belgische Staat ist noch gieriger.

Der Nimmersatt Staat lässt vielen seiner Bürger nicht einmal mehr die Hälfte ihres Brutto-Einkommens – und damit ist Deutschland im internationalen Vergleich gleich hinter Belgien an der Spitze. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, kurz OECD, hat Deutschland mit den wichtigsten Industrieländern verglichen – die Zahlen im „Tax Wages 2017“-Report sind erschreckend, erschreckend für deutsche Steuer- und Abgabenzahler. Steuern und Sozialabgaben, beides zusammengenommen, schlagen hierzulande richtig zu Buche. Die OECD hat die Steuer- und Abgabenlast eines durchschnittlich verdienenden in Vollzeit arbeitenden Arbeitnehmers untersucht und miteinander verglichen. Hierzulande sind das pro Jahr 47 809 Euro – oder monatlich 3984 Euro.

In Deutschland langen Staat und Sozialversicherung richtig zu

https://www.youtube.com/watch?v=26X36n66_IM

 

Hälfte kassieren Staat und Sozialversicherung

Davon bleiben ihm oder ihr nach Abzug Steuern und Sozialabgaben 50,6 Prozent übrig. In Belgien sind es mit 46 Prozent sogar noch weniger. Wobei die Betonung auf „alleinstehend“ liegt. Schuld an dieser hohen Belastung ist nicht einmal so sehr die Einkommensteuer, sondern vor allem die Beiträge zur Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung. Da ist Deutschland bezogen auf den Arbeitnehmeranteil mit 17,3 Prozent gleich hinter Slowenien auf Platz zwei, bei der Einkommensteuer mit 15,9 Prozent „nur“ auf Platz elf. In punkto Arbeitgeberanteil bei den Sozialabgaben liegt Deutschland mit 16,2 Prozent sogar nur auf Platz 15.

Belgien und Deutschland sind Spitze bei Steuern und Abgaben Quelle: OECD

Belgien und Deutschland sind Spitze bei Steuern und Abgaben Quelle: OECD

Deutschland ist ein Hoch-Steuer-und-Abgaben-Land wie der aktuelle OECD-Bericht „Taxing Wages 2017“ eindrucksvoll belegt. Das Ärgerliche daran, es wird nicht besser, sondern ist sogar noch belastender geworden in den vergangenen Jahren.

Eigentlich müssten Deutschland ein ziemlich sozialer Staat sein angesichts der hohen Sozialabgaben. Die Skandinavier mit niedrigeren Sozialabgaben haben jedoch höhere Sozialstandards – kleinere Kindergartengruppen, besser ausgestattete Schulen und besser bezahltes Personal, sprich das Sozialsysteme in Dänemark, Schweden und Norwegen gilt als vorbildlich.

Okay, Singles sollen ruhig blechen, sagen vielleicht einige. Der Staat kassiert aber auch Alleinerziehende ab. Bei der Steuer- und Abgabenlast von Alleinerziehenden mit zwei Kindern und zwei Drittel des Durchschnittseinkommens, sprich 2670 Euro verdienen, liegt Deutschland auf Platz fünf, hinter der Türkei, Belgien, Schweden und Griechenland. Die Steuer- und Abgabenlast dieser Gruppe liegt bei 31 Prozent. Wer mehr verdient, hat sofort auch eine höhere Quote und kommt locker an Alleinstehende heran.

Lediglich bei Ehepaaren mit zwei Kindern, wobei nur einer arbeitet, ist Deutschland auf Platz neun, aber nur weil die Steuern vergleichsweise niedrig sind. In punkto Sozialabgaben rangiert Deutschland auch in dieser Gruppe mit 17,1 Prozent auf Platz zwei.

Die OECD-Statistik ist freilich nur die halbe Wahrheit, denn zu den direkten Steuern und Sozialabgaben gesellen sich noch die indirekten Steuern wie Mineröl-, Versicherungs-, Strom- und vor allem Mehrwertsteuer. Was es alles an Steuern gibt, ist den meisten gar nicht klar. Alle zusammengenommen kommt ein Alleinerziehender mit einem in etwa durchschnittlichen Brutto und zwei Kindern auf eine Steuer- und Abgabenlast von annähernd 55 Prozent. Anders ausgedrückt, der Staat lässt Alleinerziehenden nicht einmal die Hälfte des Gehalts. Eine konkrete Rechnung verdeutlicht, wie schamlos der Staat seine Bürger abkassiert.

Alleinerziehende sind die Dummen

Konkret nachgerechnet, wie viel Staat und Sozialversicherung einem durchschnittlich verdienenden Alleinerziehenden abknöpft (bitte bis Ende weiter klicken)

Bezüge    
Brutto2944
Kontoführungsgebühr1.282945.28
Altersvorsorge AG147.2
Brutto-Entgelt3092.48
Gesetzliche Abzüge
Lohnsteuer403.5
Rentenversicherung286.96
Arbeitslosenversicherung46.04
Netto2355.98
Be- und Abzüge
Arbeitgeberanteil
Krankenversicherung317.55
Pflegeversicherung55.46
Altersvorsorge AG50
423.01
Arbeitnehmeranteil
Altersvorsorge AN220.8
Kantine45.45
Krankenversicherung678.6
Pflegeversicherung110.93
Altersvorsorge AN23.41
1079.19
Netto1699.8
tatsächliches Netto-45.451654.35
Abgabenlast in Prozent48,19
Indirekte Steuern
Lebensmittel 7 % MwSt60042
Sonstiges 19 % MwSt40076
Benzin 64,3 %10064.3
Sonstiges Misch-Steuersatz (Versicherg. usw) 16 %203.2
Stromsteuer bei 4000 kWh6,83
Abgeltungssteuer 26,375 %0
Gesamt pro Monat192,331419.25
Gesamtabgabenlast
direkte Steuer und Sozialabgaben1419.25
indirekte Steuern192.33
Gesamt1611.58
Abgabenlast in %54,72


Offensichtlich spricht sich langsam herum, wie Finanzminister Wolfgang Schäuble, Arbeits- und Sozialministerin Andrea Nahles und ihre Parteigenossen die deutschen Bürger knebeln. Die OECD-Studie heizt die Diskussion um Steuersenkungen an. „Die Belastungen der Steuern und Abgaben sind unter der amtierenden Großen Koalition zwischen 2013 und 2015 sogar noch um 0,2 Prozentpunkte gestiegen“, schreibt das „Handelsblatt. Ja, kaum zu glauben, die Lohnnebenkosten steigen sogar noch. Eine Steuerreform ist längst überfällig, so viel wird nach dem Studium der OECD-Zahlen deutlich. Die Bürger haben das Gefühl, dass ihre Steuern und Sozialabgaben in einer Art Bermuda-Dreieck verschwinden. Aber mittlerweile wehren sich die Ersten gegen diese Abzocke. Der Staat verdient ja mittlerweile sogar am Ausleihen von Geld, denn die Gläubiger bezahlen ihn dafür, dass er sich verschuldet – eine perverse Situation, denn gleichzeitig bekommen die Bürger für ihr Geld null Zinsen.

Fürs Schuldenmachen noch belohnt

Seit 2014 muss Schäuble keine neuen Schulden mehr aufnehmen und baut stattdessen die Reserven aus – 18 Milliarden Euro sind es mittlerweile. Es wird also höchste Zeit, dass der Finanzminister den Bürger wieder etwas zurückgibt oder ihnen einfach mehr netto vom brutto lässt. Er ist sogar gesetzlich verpflichtet, die „kalte Progression“ auszugleichen, aber er lässt sich ständig bitten. Aus dem Zusammenwirken von steigenden Realeinkommen und kalter Progression nahm der Staat nach Berechnungen des ifo-Instituts zwischen 2011 und 2016 rund 70 Milliarden Euro mehr ein.

Deutschland ist Spitze bei Steuern und Sozialabgaben

https://www.youtube.com/watch?v=ONWWaJoZoWg

Lediglich die FDP kritisiert die Steuer- und Abgabenlast. Das „Handelsblatt“ zitiert den FDP-Politiker Hermann Otto Solms, der sagt, „die Belastungen sind an einer Obergrenze angekommen“. Das Thema Steuer- und Abgabenlast ist in den vergangenen Jahren offensichtlich aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt. Der Politik scheine jegliches Bewusstsein für die Ausgabendrosselung abhanden gekommen zu sein, schreibt die „Wirtschaftswoche“. „Die Belastung der Bürger ist um einen guten Teil höher, als wir vorher gedacht haben“, so Christoph Schmidt, Präsident des RWI Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung.

Diese Abkassiererei ist „an Dreistigkeit nicht zu überbieten, wenn nach noch mehr Umverteilung geschrien wird“, schreibt die „Welt“. Der deutsche Steuerzahler müsse sich schon jetzt geprellt fühlen.

Ein Alleinstehender mit einem Einkommen von etwas mehr als 50.000 Euro muss dem Finanzamt schon von jedem zusätzlich verdienten Euro 42 Prozent überlassen. Der eineinhalbfache Durchschnittslohn bedeutet heute in Deutschland was? Höchststeuersatz! Vor einem Jahrzehnt musste dafür wenigstens das Doppelte des Durchschnittsverdieners auf dem Gehaltszettel stehen. Nimmt man die steigenden Sozialabgaben hinzu, dann greift der Staat eine Hälfte des erarbeiteten Lohns komplett ab.

 

 




Wie der Staat Familien schröpft – und warum sich das ändern muss

Ein Kind kostet im Minimum 120 000 Euro von seiner Geburt bis zum 18. Lebensjahr. Die Gesellschaft einschließlich Staat wissen das nur ungenügend zu würdigen. Denn immer noch zahlen mehr als elf Millionen Eltern mit minderjährigen Kindern doppelt und verfassungswidrig in die Sozialversicherungen ein.

Kinderlose halten dagegen und verweisen darauf, dass sie ja für Kindergärten und Schulen mitzahlen. Dabei übersehen sie, dass Eltern über die Maße belastet werden. Ich habe vor mehr als zehn Jahren für FOCUS Online ausgerechnet, was ein Kind Eltern kostet – von der Geburt bis zum 18. Geburtstag. Es waren damals 120 000 Euro; heute dürften es bereits 130 000 oder gar 140 000 Euro sein. Sollte das Kind studieren, dann werden es schnell 150 000 Euro. Die Frage wird drängender.

Sollen Kinderlose mehr beitragen?

Bislang haben Eltern immer brav alles geschluckt, sich zwar beschwert, aber nichts gegen die systemische Ungerechtigkeit unternommen. Das hat sich geändert. Unterstützung bekommen sie dabei vom Bundesverfassungsgericht, das bereits 2001 im Pflegeversicherungsurteil entschieden hat, „dass Eltern verfassungswidrig belastet werden, weil neben den Geldbeiträgen der gleichwertige Erziehungsbeitrag nicht berücksichtigt wird“, so der Deutsche Familienverband. Zwar gebe es einen minimalen Zusatzbeitrag für Kinderlose in der Pflegeversicherung, doch der nimmt sich mit 0,25 Prozent lachhaft aus. Doch weder würden Eltern auf diese Weise entlastet, noch seien die anderen Zweige der Sozialversicherung ernsthaft auf den Prüfstand gestellt worden.

Viele Familien verarmen

„Seit 16 Jahren warten Familien auf die Umsetzung der Beitragsgerechtigkeit durch die Politik“, kritisiert der Bundesgeschäftsführer des Deutschen Familienverbandes Sebastian Heimann. „Dass der Gesetzgeber diese Entscheidung missachtet und eine verfassungsgemäße Neuregelung verweigert, hat für Familien schlimme Folgen“, betont Heimann. „Die familienblinde Steuer- und Abgabenpolitik hat zur Folge, dass breite Schichten von Familien in die Armut getrieben werden.“  Jetzt wehren sich Familien mit einer gemeinsamen Kampagne des Deutschen Familienverbandes und des Familienbundes der Katholiken gegen die „familienblinde“ Beitragsgestaltung in Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung.

Warum Eltern von der Sozialversicherung über den Tisch gezogen werden

https://www.youtube.com/watch?v=JCdTUIl9cfE

Wie sich Familien wehren

Unter dem Motto „Wir jammern nicht – wir klagen“ haben sich der Kampagne bereits tausende Familien angeschlossen und den Weg durch die Instanzen angetreten. Dem Verband zufolge wurden inzwischen mehrere hundert Klagen bei Sozialgerichten eingereicht. Annähernd 380 Familien legten außerdem Verfassungsbeschwerde gegen den Pflegevorsorgefonds in Karlsruhe ein, der aus der gesetzlichen Pflegeversicherung finanziert wird und die Beiträge ab 2035 stabilisieren soll. Es ist geradezu grotesk, dass Familien, die ja den Generationenvertrag erfüllen – und entgegen der Vorgabe des Bundesverfassungsgerichts – das demografisch Problem ebenfalls mit abfedern sollen. Zwei weitere Verfassungsbeschwerden sind wegen Verletzung der Grundrechte aus Artikel 3 Abs. 1 in Verbindung mit Artikel 6 Abs. 1 GG anhängig.

„Familien sind Leistungsträger unserer Gemeinschaft! Sie sorgen durch ihren Nachwuchs für den Erhalt der Sozialversicherungssysteme und übernehmen lebenslang Verantwortung für andere Menschen“, betont der DFV-Bundesgeschäftsführer. „Das muss endlich respektiert und in der Gesetzgebung angemessen berücksichtigt werden! Stattdessen ist die Sozialgesetzgebung bisher blind gegenüber den Bedürfnissen von Familien. Sie werden zu Bittstellern degradiert.“

Was tut die SPD in punkto Familiengerechtigkeit?

Die Parteien seien gefragt, endlich Farbe für Familien bekennen, so der Familienverband. „Mehrere Millionen Eltern mit minderjährigen Kindern zahlen Monat für Monat Strafabgaben in die Sozialversicherungen, weil ihre Erziehungsleistung nicht berücksichtigt wird, obwohl sie damit die Zukunft des Sozialsystems sichern“, so DFV-Bundesgeschäftsführer Sebastian Heimann.

Übrigens, über einen Leitantrag ist die SPD nie hinausgekommen.




Was deutsche Rentenpolitik von der Schweiz lernen kann

Die Schweizer sind bei der Altersvorsorge ein Vorbild, von dem deutsche Rentenpolitiker lernen können. Und was kann deutsche Rentenpolitik von der Schweiz lernen? Die Schweizer Altersvorsorge ruht auf drei Säulen – ein solides Fundament fürs Auskommen im Alter. Zu den drei Säulen gehört die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV) sowie die Invalidenversicherung (IV), die obligatorische berufliche Vorsorge (Pensionskasse) und die freiwillige Selbstvorsorge.

Die erste Säule: die AHV

Basis der Altersvorsorge in der Schweiz ist die Alters- und Hinterlassenenversicherung, kurz AHV. Das ist eine verpflichtende Rentenversicherung. Die AHV ist wie die gesetzliche Rente in Deutschland umlagefinanziert. Das heißt, die aktive Beschäftigten zahlen für die Rentner – das Geld wird unmittelbar und direkt weiter gereicht. Die Einnahmen der AHV liegen bei rund 40 Milliarden Franken, die unmittelbar für Renten ausgegeben werden; Überschüsse, so es sie denn gibt, wandern in den AHV-Ausgleichsfonds. Zurzeit verwaltet dieser Fonds ein Vermögen von 43 Milliarden Franken.

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Alle zahlen in die AHV ein

Anders als beim deutschen System – in Deutschland gibt es eine Beitragsbemessungsgrenze, 6200 Euro in West-, 5400 Euro in Ostdeutschland – zahlen in der Schweiz alle ein, sprich, auch Selbstständige, Hausfrauen und Beamte. Zum anderen ist die Höhe der Beiträge anders als in Deutschland nicht bei einem bestimmten Betrag gedeckelt. Begrenzt ist aber die ausgezahlte Rente. Das in Deutschland geltende Äquivalenzprinzip, wonach die Höhe der Einzahlungen die Höhe der Rente bestimmt, gibt es in der Schweiz also nur teilweise. Andererseits ist damit der Solidargedanke – die Reichen stehen für die Schwachen ein – sehr ausgeprägt. Der Beitragssatz liegt seit Anfang 2016 bei 10,25 Prozent, wobei Arbeitgeber und Arbeitnehmer jeweils die Hälfte zahlen.

Schutz vor Altersarmut

Das Rentensystem der Schweiz einfach erklärt und was die Initiative AHVplus bedeutet – per Video

https://www.youtube.com/watch?v=Km1Q16a7VSc

Das AHV bewahrt viele alte Schweizer vor dem Gang zum Sozialamt. Denn die Rente aus der AHV beträgt mindestens 1175 Franken und höchstens 2350 Franken – das sind umgerechnet 1075 und 2150 Euro. Zugegeben nicht viel in der teuren Schweiz, aber im Vergleich mit den Durchschnittsrenten in Deutschland immer noch mehr. Am 25. September 2016 stimmten die Schweizer über die Initiative AHVplus ab, sprich eine zehnprozentige Rentenerhöhung. Das hätte geheißen, 0,4 Prozent höhere Abzüge vom Gehalt. Der Vorstoß wurde mehrheitlich abgelehnt.

Die AHV sieht In der Schweiz für Männer ein ordentliches Rentenalter von 65 Jahren vor, für Frauen von 64 Jahren. Die Initiative AHVplus sah auch eine Erhöhung des Rentenalters der Frauen auf 65 Jahre vor.

Demographischer Wandel bleibt Problem

Nun, die Initiative „AHVplus“ ist durchgefallen. Die Gegner argumentierten, die Neuregelung hätte die Schweizer zusätzlich mit mehr als vier Milliarden Franken belastet. Zudem würden viele Personen, die heute Ergänzungsleistungen bezögen, nicht von der Initiative profitieren. Die Diskussion in der Schweiz ist damit nicht ausgestanden, denn auch unser Nachbarland spürt den demographischen Wandel, der eine Antwort verlangt, was das Rentensystem betrifft.

Die zweite Säule: die Pensionskasse

Wie die Schweizerische Eidgenossenschaft schreibt, sind bei der zweiten Säule „alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer versichert, die schon in der 1. Säule versichert sind und mindestens 21 150 Franken im Jahr verdienen (Stand: 2016)“. Die obligatorische Versicherung nach dem BVG (Gesetz über die berufliche Vorsorge) beginnt mit Antritt des Arbeitsverhältnisses. Das sei frühestens mit Vollendung des 17. Lebensjahres. Weitere Feinheit: „Vorerst – bis zum Erreichen des 24. Altersjahres – decken die Beiträge nur die Risiken Tod und Invalidität ab; ab dem Jahr nach Vollendung des 24. Altersjahres und bis zur Aufgabe der Erwerbstätigkeit wird zusätzlich für die Altersrente angespart.“ Davon ausgenommen sind beispielsweise Selbstständige und Beschäftigte mit befristetem Arbeitsvertrag von höchstens drei Monaten.

60 Prozent des Gehalts

Anders als bei der AHV sind die Pensionskassen – davon gibt es nach Schätzung der „Neuen Zürcher Zeitung“ rund 2000 – kapitalgedeckte Arbeitnehmer-Versicherungen. Gehälter sind zwischen Jahreseinkommen von 21 150 bis 84 600 Franken durch das BVG obligatorisch versichert.  Wie bei der AHV ist der Arbeitgeber verpflichtet, 50 Prozent beizutragen. Ziel der zweiten Säule sei es, den „gewohnten Lebensstandard“ über die Pensionierung hinaus zu sichern. Mit diesen zwei Säulen kommen Schweizer, die ein durchschnittliches Einkommen erhalten haben, im Alter auf etwa 60 Prozent ihres letzten Gehalts.

Mit dem Geld aus der betriebliche Vorsorge wird die AHV-Rente aufgestockt. Das angesammelte Kapital wird dabei mit einem Umrechnungsfaktor von 6,8 Prozent für Männer und Frauen umgewandelt. Das wird am besten anhand eines Beispiels deutlich: Für ein Altersguthaben von 100 000 Franken wird eine Jahresrente von 6800 Franken ausbezahlt.  Die Einzahler in eine Pensionskasse sammeln nämlich ein Altersguthaben an – und das setzt sich zusammen aus den jährlichen Altersgutschriften plus Zins von mindestens 2,0 Prozent (2009-2010-2011), 1,5 Prozent (ab 2012), 1,75 Prozent (ab 2014) und 1,25 Prozent (ab 2016). Das heißt, auch die Schweizer leiden unter dem Niedrigzins wie deutsche Altersvorsorger. Der Garantiezins von Lebensversicherungen ist in Deutschland mittlerweile auf ebenfalls 1,25 Prozent gefallen – und er soll für ab 2017 neu abgeschlossene Lebensversicherungen auf 0,9 Prozent fallen.

Die dritte Säule: private Vorsorge

Die dritte Säule der Altersvorsorge in der Schweiz besteht aus steuerlich geförderten Anlagen in Wertpapiere oder privaten Rentenversicherungen. Viele Schweizer können jährlich bis zu rund 6200 Euro an Ausgaben für eine eigene Altersvorsorge von der Steuer absetzen. Viele schöpfen dieses Angebot auch voll aus. Die dritte Säule hat zwei Teile:

 

Säule 3a – gebundene Selbstvorsorge

Das ist die gebundene Selbstvorsorge für angestellte und selbstständige Erwerbstätige. Beiträge sind zu einem gewissen teilweise steuermindernd. Wo „gebunden“ drauf steht, ist „gebunden“ drin, das heißt, der Altersvorsorger kann nicht jederzeit frei über sein Guthaben verfügen. Wie hoch der Beitrag ist, legt das Bundesamt für Sozialversicherungen fest. 2016 dürfen Angestellte, die einer Pensionskasse angehören, maximal 6 768 Franken in die Säule 3a einzahlen. Selbstständige dürfen 2016 20 Prozent des jährlichen Erwerbseinkommens, maximal aber 33 840 Franken einzahlen. Sich das Guthaben vorzeitig auszahlen zu lassen, ist nur möglich, wenn eine selbst genutzte Immobilie gekauft oder gebaut wird, beim definitiven Wegzug aus der Schweiz und bei der Aufnahme einer selbständigen Erwerbstätigkeit. Übrigens hat jeder zweite Schweizer ein 3a-Konto. Dem Verein Vorsorge Schweiz (VVS) wächst die Zahl weiter. Banken und Versicherungen müssen immer findiger werden, um den 3a-Vorsorgern noch akzeptable Renditen zu bieten. Deswegen gehen einige dazu über, deutlich mehr in Aktien zu investieren.

Säule 3b – die ungebundene Selbstvorsorge

Die Beiträge sind bei der ungebundenen Selbstvorsorge in der Höhe nicht limitiert, allerdings lassen sie sich steuerlich nur in geringem Umfang abziehen. Der Bezug aus der dritten Säule wird zu einem wesentlich günstigeren Steuersatz besteuert. Auf Zins und Überschussbeteiligungen einer Lebensversicherung wird keine Einkommensteuer erhoben.

Wo die Schweiz im Vergleich zu anderen Ländern steht: 

Die Schweiz gehört zu den vorbildlichen Ländern in punkto Rentensystem

Die Schweiz gehört zu den vorbildlichen Ländern in punkto Rentensystem

Deutschland ist nur mittelmäßig in punkto Altersvorsorge, mehr dazu unter Demografiewandel.info

Dänen können Rente besser, aber auch in Australien ist sie besser organisiert

Dänen können Rente besser, aber auch in Australien ist sie besser organisiert

Wo die Rentner am besten fahren

Verhältnis zwischen Gehalt und Rente

Bruttoersatzquote für Medianverdiener in Prozent der OECD-Länder
Was ist der Medianverdiener? Die eine Hälfte der Bevölkerung verdient mehr, die andere weniger als der Medianverdiener – er ist also in der Mitte. Deutschland rangiert ziemlich am Ende, den niederländerischen Rentner geht es hingegen am besten, denn sie bekommen im Vergleich zum letzten Brutto am meisten Rente.
LandQuote
Niederlande91.4
Israel86.7
Dänemark83.7
Österreich76.6
Spanien73.9
Island73.8
Ungarn73.6
Italien71.2
Slowakei67.9
Türkei66.8
Griechenland64
Australien60.2
Tschechien59.9
Luxemburg59.3
Frankreich59.1
Schweiz58.4
OECD57.9
Schweden55.6
Estland55.3
Portugal55
Finnland54.8
Norwegen52.3
Kanada51
Neuseeland50.1
Polen48.8
Chile45.5
Mexiko44.7
Irland44.2
Korea43.9
Deutschland42
Belgien41.4
USA41
Slowenien40.6
Grossbritannien37.9
Japan37.5

Quelle: OECD/Der Bund

Weiterführende Links:

http://blog.derbund.ch/datenblog/index.php/6503/schweizer-renten-sind-nur-durchschnitt

http://blog.tagesanzeiger.ch/politblog/index.php/65766/die-ahv-bleibt-die-gerechteste-altersvorsorge/

 

 




Kündigen zur Rente mit 63? Oder Aufhebungsvertrag?

Kündigen zur Rente mit 63? Oder Aufhebungsvertrag? Gute Frage. Die Rente mit 65 Jahren plus X ist der Normalfall – oder doch nicht? Viele wollen schon früher gehen – und das geht frühestens mit 63. Davon ausgenommen sind natürlich Erwerbsgeminderte. Mit 63 Jahren können auch nur die Rentenversicherten aufhören, ohne Abschläge akzeptieren zu müssen, die ihre 45 Versicherungsjahre voll haben – die „besonders langjährig Versicherten“. Alle anderen, sprich die „langjährig Versicherten“, die keine 45 Versicherungsjahre zusammenbringen und damit nicht zu den „besonders langjährigen Versicherten“ gehören, können zwar mit 63 in Rente gehen, müssen aber Abschläge in Kauf nehmen. Tja, ganz so einfach ist die Rente mit 63 dann doch nicht.

Aber auch der langjährig Versicherte muss schon 35 Jahre Wartezeit vorweisen können. Blödes Wort „Wartezeit“ – da fallen Beitrags- und Ersatzzeiten hinein, auch die Lehrlingsjahre und die Bundeswehr – ja, die gab’s damals noch zu meiner Zeit, als ich jung war. Dazu gehören neben Beitragszeiten, Ersatzzeiten auch Anrechnungszeiten (krank, schwanger, arbeitslos, Schule, Studium) und Berücksichtigungszeiten.

Abschläge bei der Rente mit 63

Die Abschläge bei der Rente mit 63 – oh weh! Wenn ein Versicherter wie ich 35 Wartejahre beisammen hat, kann er ab dem 63. Geburtstag in Rente gehen. Ach, übrigens, die Rente mit 63 beginnt immer am Monatsersten nach dem Geburtstag. Sprich, wer am 1. eines Monats geboren ist (wie ich), für den beginnt die Rente zum ersten des Geburtsmonats. Das heißt, da ich am 1. März geboren bin, habe ich mein 63. Lebensjahr am 28. Februar vollendet. Für am 2. März Geborene beginnt die Rente mit 63 erst ab dem 1. April – alles klar?

Abschläge bis zu 9,6 Prozent

Rente mit 63 – natürlich kostet mich das etwas. Die Rente mit 63 anzutreten, muss sich ein Rentenversicherter schon leisten können. Wer mit 63 Jahren – wie ich – in Rente gehen will, muss Abschläge von 9,6 Prozent akzeptieren – 0,3 Prozent für jeden Monat, den er früher in Rente gehen will. Für 1964 Geborene macht das schon einen Abschlag von 14,4 Prozent aus. Ich müsste ja eigentlich bis 65 Jahre + acht Monate arbeiten. Wer 1955 geboren ist, muss schon mit Abschlägen von 9,9 Prozent rechnen, bei 1956 Geborenen sind es 10,2 Prozent – und so geht es weiter. Auf der Seite der Deutschen Rentenversicherung kann sich das jeder genau ausrechnen lassen. 

Aber jetzt zum Prozedere der Rente mit 63: In Facebook fragte Helga Steffen, wie das denn sei, ob sie kündigen müsse, wenn sie in vorzeitig in Rente gehe? In vielen Arbeitsverträge steht noch ein Passus wie

Kündigen oder Aufhebungsvertrag?

  • „… das Vertragsverhältnis endet, ohne dass es einer Kündigung bedarf, mit Ablauf des Monats, in dem der …. Anspruch auf eine Sozialversicherungsrente hat oder im Falle seiner Befreiung haben würde, spätestens mit Ablauf des 65. Lebensjahrs“
  • Das gilt natürlich heute so nicht mehr, da die meisten 65 Jahre plus einiger Monate arbeiten müssen. Aber abgewandelt hat dieser Passus natürlich bei der Altersrente noch seine Wirksamkeit.
  • Anders sieht es für Frührentner aus, die mit 63 Jahren gehen, so sie denn die nötigen Beitragsjahre beieinander haben. Wer früher in Rente gehen will, muss tatsächlich kündigen oder einen Aufhebungsvertrag mit dem Arbeitgeber schließen, sonst wird’s nichts mit der vorgezogenen Rente. Denn, die Rente mit 63 ist keine „Regelaltersrente“, das Arbeitsverhältnis endet nicht automatisch. Was die Kündigungsfrist eines Arbeitnehmers bei vorgezogenem Renteneintritt betrifft, so gilt in der Regel sein Arbeitsvertrag, der sich bei vielen auf einen Tarifvertrag stützt – und in dem steht genau drin, wie lange die Kündigungsfrist ist. Bei Redakteuren an Zeitschriften beispielsweise greift der entsprechende Manteltarifvertrag. Danach, nur so als Beispiel, beträgt die Kündigungsfrist beiderseits mindestens sechs Wochen zum Ende eines Kalendervierteljahres, nach einer ununterbrochenen Unternehmenszugehörigkeit als Redakteurin/Redakteur von 
    3 Jahremindesten 3 Monate
    8 Jahremindestens 4 Monate
    10 Jahremindestens 6 Monate
    25 Jahremindestens 8 Monate
    15 Jahre und gleichzeitiger Vollendung des 55. Lebensjahresmindestens 12 Monate

    wie gesagt, das ist nur ein Beispiel – in anderen Branchen und Unternehmen kann das ganz anders aussehen.


Wer zur Rente mit 63 kündigen will, kann sich an dem Musterbrief von kuendigungsschreiben.co orientieren. Der Musterbrief könnte so aussehen:

Max Mustermann
Musterstraße 1
12345 Musterstadt

Leinsamen GmbH
Lummersbüttler Weg 7
33477 Luttersbüttel

Musterstadt, tt.mm.jjjj

Kündigung des bestehenden Arbeitsvertrages

Sehr geehrte Damen und Herren,

da ich mein Rentenalter erreicht habe, kündige ich meine Stelle als (Bitte Job einsetzen) fristgerecht zum XXX (Datum einsetzen). Meinen Resturlaub möchte ich vor dem Kündigungsdatum nehmen, somit wäre mein letzter Arbeitstag der … 

Aber, wie gesagt, der Muster-Kündigungsbrief kann von der Seite kuendigungsschreiben.co herunter geladen werden. Nur so viel: Die Kündigung muss natürlich schriftlich erfolgen und unterschrieben werden. Es ist sinnvoll, sie persönlich abzugeben und sich das quittieren zu lassen. Es geht natürlich auch per Post mit Rückschein, um etwas in der Hand zu haben.

Übrigens, der Deutschen Rentenversicherung ist es egal, ob ein Aufhebungsvertrag geschlossen wurde oder ob der Rentenversicherte ordentlich gekündigt hat. Für die Rentenansprüche ist das irrelevant.


Ideal ist es natürlich, mit seinem Arbeitgeber darüber zu reden, wie dieser letzte Schritt am besten zu gestalten sei. Die beste Lösung dürfte einvernehmliche Beendigung durch Abschluss eines Aufhebungsvertrags sein. Die Kündigung müsste insofern die Ausnahme sein.

Häufig ist es ja so, dass der Arbeitgeber auf einen Beendigung des Arbeitsverhältnisses drängt. „Gemäß dem Grundsatz der Vertragsfreiheit können sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer jederzeit auf die Beendigung des Arbeitsvertrages einigen“, schreibt Marlene Keller auf ihrer Seite anwaltarbeitsrecht.com. Wer mehr über gesetzliche Kündigungsfristen und Kündigungsschutzregelungen wissen will, lädt sich am besten ihr E-Book „Ratgeber Arbeitsrecht herunter.

Bei 63-Jährigen, die in Rente gehen wollen, sieht die Situation natürlich anders aus. Selbst die Komba-Gewerkschaft in Nordrhein-Westfalen schreibt: „Allein der Anspruch auf die neue abschlagsfreie Rente führt nicht zu einer automatischen Beendigung des Arbeitsverhältnisses. Es gelten ausschließlich die tarifvertraglichen Beendigungsregelungen. Wer die abschlagsfreie Rente in Anspruch nehmen will, muss sein Arbeitsverhältnis kündigen oder einen Aufhebungsvertrag abschließen. Bevor man diesen Schritt allerdings macht, muss ein eindeutiger Bescheid über die Rente vom Rentenversicherungsträger vorliegen. Es sollte auf jeden Fall ein Einvernehmen mit dem jeweiligen Arbeitgeber hergestellt werden.“

Was im Aufhebungsvertrag drin stehen soll

Wen Arbeitgeber und Arbeitnehmer vereinbart haben, dass das Arbeitsverhältnis durch vorzeitigen Rentenbezug mit dem Ablauf des Monats, in dem der Arbeitnehmer 63 wird, enden soll. Dann sollte das auch im Aufhebungsvertrag drin stehen – und ein entsprechender Passus. „Gemäß § 41 Satz 2 SGB VI endet das Arbeitsverhältnis deshalb nur dann wie vorgesehen, wenn der Arbeitnehmer dies nochmals bestätigt; diese Bestätigung kann frühestens drei Jahre vor dem geplanten Termin des Ausscheidens, spätestens allerdings noch am letzten Tag des Ausscheidens erfolgen“, schreibt der Handelsverband Bayern. Die Bestätigung im Aufhebungsvertrag könnte wie folgt formuliert sein:

Bestätigung gemäß § 41 Satz 2 SGB VI mit dem schriftlichen Arbeitsvertrag vom …. Die Firma und die/der Mitarbeiterin/Mitarbeiter stimmen darin überein, dass das Arbeitsverhältnis mit Ablauf des Monats endet, in dem der/dem Beschäftigten der Rentenbescheid über die Gewährung einer Rente wegen vorgezogenen Altersruhegeldes zugeht.

Ort, Datum, Unterschriften:

Firma bzw. Mitarbeiterin/Mitarbeiter

Dem lässt sich fast nichts hinzufügen.

Nun, das noch: Wer plant, in Rente zu gehen, sollte seinen Arbeitgeber rechtzeitig daran erinnern, sprich vier Monate vor dem Rentenbeginn, der Deutschen Rentenversicherung eine Entgeltmeldung zu schicken. Das geht elektronisch im Datenübermittlungsverfahren. In dieser Sondermeldung muss als Meldegrund „57“ drin stehen. Diese Entgeltmeldung ersetzt seit 2008 die sogenannte Entgeldbescheinigung, aus der hervorgeht, wie das Einkommen in den letzten drei Monaten vor Rentenbeginn war. Der Arbeitgeber kann die Meldung frühestens drei Monaten vor dem Rentenbeginn wegschicken. Ausführlich ist das in einem Info-Blatt der Deutschen Rentenversicherung beschrieben.

Zeitlicher Ablauf bei Aufhebungsvertrag

Hier ein Beispiel:

  • bei Rentenbeginn am 1. September 2017
  • müsste der Arbeitgeber die Meldung frühestens am 1. Juni 2017 abschicken
  • der Antragsteller sollte also Mitte Mai beim Arbeitgeber anklopfen
  • der Meldezeitraum (Grund der Abgabe 57) ist vom 1. Januar 2017 bis 31. Mai 2017
  • die Beschäftigung endet am 31. August 2017
  • Meldezeitraum (Grund der Abgabe 30): 1. Juni 2017 bis 31. August 2017

Da bleibt mir nur zu wünschen übrig: Happy Terminating

Rente mit 63 – wie das geht? Ein Erklär-Video

https://www.youtube.com/watch?v=7IhmbAoWiZg


Weiterführende Links:

Kommentar, Fragen? Gern, freue mich auf eine rege Diskussion.

… und so sieht er aus der Rentenantrag R0100

R0100 Rentenantrag

R0100 Rentenantrag

aktualisiert am 12. März 2017




Draghi lässt Sozialkassen bluten

Der Negativzins der Europäischen Zentralbank trifft jetzt auch die Sozialkassen. Sparer und Versicherungskunden spüren ja schon seit langem die Wirkung der Niedrigzinsphase. Vermutlich trifft es auch die Rentenkasse, denn auch sie muss einen Teil ihrer Nachhaltigkeitsrücklage kurzfristig verfügbar halten – und da hat sie wenig Alternativen.

Aber, von Anfang an: Mario Draghi, Chef der EZB, hat den Zins, zu dem Banken ihr Geld bei der Zentralbank parken, ins Minus gedrückt. Das heißt, die Geschäftsbanken zahlen Strafgebühren dafür, dass sie ihr Geld bei der EZB hinterlegen. Seit Anfang Juni 2014 sind es -0,10 Prozent, seit Anfang September 2014 -0,20 Prozent – und seit Anfang Dezember 2015 sogar -0,30 Prozent. Wenn die EZB am 10. März 2016 zusammenkommt, wird sie den Negativzins vermutlich auf -0,40 Prozent senken – oder sogar noch tiefer. Vielleicht senkt sie sogar den Refinanzierungssatz, der momentan „noch“ bei 0,05 Prozent liegt auf definitiv null – oder unter null.

Gesundheitsfonds büßt 1,8 Millionen ein

Natürlich geben die Banken die Strafzinsen an die Kunden weiter. Das trifft vorerst nur die ganz großen Kunden, wie Unternehmen – und eben den Gesundheitsfonds der Krankenkassen. Diese Geldsammel- und verwahrstelle der Krankenversicherungen habe im vergangenen Jahr das erste Mal Strafzinsen an seine kontoführenden Banken zahlen müssen, schreibt die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. Insgesamt gehe es dabei um 1,8 Millionen Euro. Das ist angesichts des Gesamtvolumens des Gesundheitsfonds von 200 Milliarden Euro zwar nicht viel, es wird in Zukunft aber noch mehr werden.

Wann muss die Rentenkasse Strafe zahlen?

Für andere Sozialversicherungsträger wird es natürlich ebenfalls immer schwieriger ihre Reserven ohne Verluste zu anzulegen. Bei der Rentenversicherung geht es zurzeit immerhin um 34 Milliarden Euro, was 1,77 Monatsausgaben entspricht. Was macht die Rentenkasse bloß, dass es nicht weniger wird? Irgendwann muss auch sie Strafzinsen zahlen. Der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ gegenüber sagte Frank Plate, der Präsident des Bundesversicherungsamts (BVA), derzeit sei das Geldvermögen „noch sicher angelegt“. Allerdings weiß auch Alexander Gunkel vom Bundesvorstand der Deutschen Rentenversicherung, dass „zu den Bedingungen des Gesetzgebers … keine attraktiven Renditen zu erzielen sind“ („Frankfurter Allgemeine Zeitung“). Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch die Rentenversicherung Strafzinsen zahlen wird.

Wann trifft es Girokonten?

Wenn es schon die Sozialkassen trifft, könnte es in naher Zukunft auch Otto Normalverbraucher treffen – und sein Girokonto. Die Banken und Sparkassen werden über kurz oder lang dazu übergehen, die Kosten auf den Kunden abzuwälzen.

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Betriebliche Altersvorsorge – Bumerang für die Rente

Die betriebliche Altersvorsorge (bAV) kann zum Bumerang für die Rente werden. Wie das, klingt doch Geld vom Arbeitgeber vordergründig verführerisch. Aber, lohnt sich die betriebliche Altersvorsorge, bei der ein Teil des Gehalts umgewandelt wird, wirklich? Es lohnt sich auf alle Fälle nachzurechnen. Der vermeintliche Vorteil heute kann sich im Alter schnell als Nachteil entpuppen. Anstöße, Anregungen und Tipps liefern Stephan Busch und Tom Wonneberg in ihrem Blog. Sie rechnen genau aus, was es für Arbeitnehmer praktisch bedeutet, sich auf die betriebliche Altersvorsorge einzulassen:

Gastbeitrag von Stephan Busch und Tom Wonneberg von Progress-Dresden

Im Alter weniger Geld als geplant

Wer nicht aufpasst, hat im Alter weniger Geld als geplant. Also, doch nicht alles so toll bei der betrieblichen Altersvorsorge. So abwegig es vielleicht klingt – die betriebliche Altersvorsorge (bAV) hat so ihre Tücken. Sie steht, nur so viel vorweg, neben der gesetzlichen Rente als Basis, Riester als zweite Säule. Meist entscheiden sich die Beteiligten für die Direktversicherung, da sie für alle Beteiligten eine einfache und unkomplizierte Lösung ist. Dabei schließt der Arbeitgeber mit einer Versicherung eine Rentenversicherung ab. Der Vertrag „gehört“ dem Betrieb, die Leistung erhält jedoch der Arbeitnehmer.

Recht auf die Betriebsrente

Entscheidender und Gegenstand dieses Beitrags ist die Bezahlung des Vertrags. Da gibt es drei Möglichkeiten: eine reine Arbeitgeberfinanzierung, eine reine Arbeitnehmerfinanzierung und eine Mischform. Um die betriebliche Altersversorgung in Deutschland zu stärken, wurde 2002 das Betriebsrentengesetz dahingehend verändert, dass jeder Arbeitnehmer einen Rechtsanspruch auf Einrichtung einer Betriebsrente hat. Bietet der Arbeitgeber bislang nichts an, muss er zumindest die Möglichkeit einräumen, eine rein arbeitnehmerfinanzierte bAV zu installieren.

Seitdem steigt vor allem die Zahl dieser sogenannten Entgeltumwandlungen. Dabei verzichtet der Arbeitnehmer auf einen Teil seines Bruttogehalts oder eine Erhöhung des Bruttogehalts zugunsten einer bAV.

So funktioniert die Entgeltumwandlung

Vordergründig spart der Arbeitnehmer Steuern und Sozialabgaben, den sie bemessen sich am Bruttogehalt. Ist es niedriger, sind entsprechend weniger Abgaben fällig. Um das zu veranschaulichen, hier ein Beispiel:

 

Ohne bAVMit bAV
Bruttogehalt2.500€2.400€
Lohnsteuer (Single, Lohnsteuerklasse I)342€316€
Sozialversicherung (Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung)523€502€
Nettogehalt1.635€1.582€
Beitrag bAV0€100€
Tatsächlicher Aufwand53€
„Förderung“47%

In dem Beispiel verzichtet der Angestellte also auf hundert Euro Bruttogehalt, die in eine Rentenversicherung gesteckt werden. Tatsächlich sinkt sein Nettogehalt jedoch nur um 53€. Findige Vertreter und Makler sprechen also von einer staatlichen Förderung von 47 Prozent. Toll! Oder?

Was der Vertreter verschweigt

Diese „Förderung“ hat jedoch auch Nachteile, über die die Vertreter, Makler und auch der Chef eher selten sprechen. Denn nicht nur die Abgaben bemessen sich am Bruttogehalt, sondern auch nahezu alle Sozialleistungen. Im Klartext heißt das, weniger Brutto bedeutet weniger Elterngeld, Arbeitslosengeld, Krankengeld, Erwerbsminderungsrente und Altersrente!

Wie sich das in Zahlen auswirkt, haben wir hier näherungsweise aufgelistet – am Beispiel von zwei Angestellten – Tom und Stephan genannt:

Tom (ohne bAV)Stephan (mit bAV)Differenz
Brutto2.500€2.400€
Netto1.635€1.582€-53€
Krankengeld1.295€1.235€-40€
Elterngeld1.008€974€-34€
Arbeitslosengeld980€950€-30€
Volle Erwerbsminderungsrente885€850€-35€
Altersrente1.165€1.120€-45€

Die „Förderung“ von 47 Euro „klaut“ der Staat also wieder klammheimlich, wenn ich Sozialleistungen beziehe.

Kehrseite der Medaille bei Rentenbezug

Die zweite Kehrseite der Medaille findet sich während des Rentenbezugs, also der Leistungsphase. Tom verzichtet auf die Entgeltumwandlung in seinem Betrieb und schließt stattdessen eine private Rentenversicherung (3. Schicht) ab. Stephan entschließt sich für den Abschluss einer bAV mittels Entgeltumwandlung. Beide sparen so hundert Euro im Monat für ihre Altersvorsorge. Beide beziehen später 200 Euro garantierte Rente aus ihrem Vertrag. Die Berechnungsgrundlagen sind jeweils die gleichen.

TomStephanDifferenz
Aktuelles Bruttogehalt2.500€2.400€
Bruttorente Gesetzliche Rente1.165€1.120€-45€
Bruttorente Zusatzrente200€200€
Nettorente GRV990€959€-31€
Nettorente Privat/bAV192€124€-68€
Gesamtrente1.182€1.083€-99€

Während Tom, der mit der privaten Rentenversicherung vorgesorgt hat, sich über knapp 1200 Euro freut, guckt Stephan, der mittels bAV vorgesorgt hat in die Röhre und wundert sich, warum er 100 Euro weniger im Monat erhält. Nicht nur, dass er während des Erwerbslebens weniger Sozialleistungen als sein Lieblingskollege bekommt, nein, nun hat er auch noch hundert Euro weniger Rente pro Monat!

Krankenkassen langen bei Betriebsrenten zu

Wie kann das sein? Nun, die Rente aus einer betrieblichen Altersversorgung (2. Schicht) wird zu hundert Prozent besteuert. Die aus einer privaten Rente (3. Schicht) nur mit dem sogenannten Ertragsanteil. Das ist die Differenz aus eingezahlten Beiträgen und ausgezahlten Leistungen. Wer mit 67 Jahren später in Rente geht, muss nur 18% seiner privaten Rente versteuern. Außerdem wird auf die Betriebsrente der komplette Krankenkassen- und Pflegebeitrag fällig.

Anders gesagt: Was ich im Berufsleben an Sozialversicherungsbeiträgen „einspare“, zahle ich später „zurück“. Ähnlich ist es mit der Steuer. Das gilt im Übrigen auch für die „Riester-Rente“.

Wer profitiert von der Entgeltumwandlung?

Doch wer profitiert nun von einer Entgeltumwandlung? Vor allem der Arbeitgeber! Denn dieser zahlt ja auf das Bruttogehalt die Arbeitgeberbeiträge. Diese reduzieren sich ebenfalls. Während jedoch der Arbeitnehmer in der Rente auf den kompletten Kosten der Krankenkasse sitzen bleibt, ist der Arbeitgeber aus der Pflicht entlassen. Daneben profitiert „der Staat“ über die gesetzliche Rentenversicherung. Einerseits zahlt er weniger gesetzliche Rente, da ja weniger eingezahlt wurde und andererseits entfällt der hälftige Beitrag zur Krankenkasse (Krankenversicherung der Rentner) der gesetzlichen Rentenversicherung. Alle, die eine gesetzliche Rente beziehen, erhalten darüber hinaus die Hälfte des Beitrags zur Krankenkasse. Wer eine Betriebsrente bezieht, trägt diesen Beitrag komplett allein – ja, richtig gelesen.

Fazit

Wer eine rein arbeitnehmerfinanzierte betriebliche Altersversorgung abschließt, verzichtet auf Sozialleistungen und hat weniger Rente. Es profitieren nur der Arbeitgeber und die gesetzliche Rentenversicherung. Also doch keine betriebliche Altersvorsorge? Kommt drauf an! Bei einer Mischfinanzierung – Arbeitnehmer und -geber – ist zu rechnen. Zahlt der Arbeitgeber allein, rechnet es sich immer. Besteht die Wahl zwischen einer Lohnerhöhung und einer arbeitgeberfinanzierten Betriebsrente in gleicher Höhe, ist es sinnvoller, die Lohnerhöhung zu nehmen – und selbst vorzusorgen.

Übrigens, der Chef kann seine Mitarbeiter ja auch anders fördern – durch steuerfreie Zuschüsse zum Kindergarten, Fahrtkosten, Jobticket, Rückenschule und Massage.


Ein paar Takte über Stehpan und Tom:

Stephan Busch und Tom Wonneberg pflegen seit etwa zwei Jahren einen Blog. Schwerpunkt unserer Arbeit ist das Thema „Umgang mit Geld“. Unser Ziel ist es, dass die Menschen gesund mit ihrem Geld leben können und es die Basis eines erfüllten Lebens nach ihren Vorstellungen ist. Wir wollen das Thema Geld, als grundlegende Ressource unserer Gesellschaft aus der Tabuzone herausholen. Wir wollen es zum selbstverständlichen Gegenstand machen. Ein Thema, über das man ungezwungen und selbstbewusst spricht, um dazu zu lernen und sich weiterzuentwickeln.

Weiterführende Links: 




Was sich für Vorruheständler und Rentner 2016 ändert

+++ aktualisiert 27. Januar 2016, 19.00 Uhr +++ Auf Vorruheständler, Arbeitnehmer und Rentner kommen 2016 einige Änderungen zu. Nicht alle werden entlastet, einige auch stärker belastet, abhängig vom Einkommen. Vor allem betrifft das die Beitragsbemessungsgrenze, den Rentenbeitrag, die Rente und die Vorsorgeaufwendungen. Es lohnt sich, einmal kurz die eigenen Unterlagen durchzugehen, um in kommenden Jahr nicht allzu überrascht zu sein. Neu dazu gekommen ist die Krankenversicherung.

Und das ändert sich:

Der Grundfreibetrag:

Klingt kompliziert, heißt aber nichts anderes, dass dadurch das Existenzminimum steuerfrei bleibt. Der steuerliche Grundfreibetrag steigt um 180 Euro auf 8652 Euro – pro Monat sind das 721 Euro. Für Ehepaare verdoppelt er sich auf 17 304 Euro. Problem für Rentner: Die Rente steigt am 1. Juli 2016 stärker als der Grundfreibetrag aufgestockt wird. Die Folge: viele Rentner werden steuerpflichtig und müssen eine Steuererklärung abgeben müssen. Das dürfte rund 70 000 Rentner betreffen.

Vorsorgeaufwendungen:

Vorsorgeaufwendungen fürs Alter mindern die Steuerlast. Da hat sich bei Berücksichtigung der Sonderausgaben etwas getan – der Höchstbetrag steigt auf 22 767 Euro (2015: 22 172 Euro). 2016 könnten maximal 82 Prozent (2015: 80 Prozent) abgesetzt werden. In der Praxis heißt das, Alleinstehende könnten 18 669 Euro, Ehepaare und eingetragene Lebenspartner 37 338 Euro steuerlich geltend machen. Bei Arbeitnehmern, die in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, werde allerdings der steuerfreie Arbeitgeberanteil von den Vorsorgeaufwendungen abgezogen. Aber vielleicht finden sich ja noch weitere Vorsorgeaufwendungen.

Rente:

Vorruheständler zahlen weiterhin 18,7 Prozent ihres Bruttogehalts als Rentenbeitrag an die Deutsche Rentenversicherung. Rentner werden ab Juli 2016 im Westen knapp 4,4 Prozent und um rund fünf Prozent im Osten mehr bekommen. Genaueres ab Frühjahr 2016. Dafür aber steigt der steuerpflichtige Rentenanteil 2016 von 70 auf 72 Prozent. Das heisßt umgekehrt, dass nur noch 28 Prozent der ersten vollen Bruttojahresrente steuerfrei bleibt. Wobei diese Regelung natürlich nur für Neurentner gilt. Bei Altrentner bleibt der bis dahin festgesetzte steuerfreie Rentenanteil natürlich gleich.

Sozialversicherung:

Gutverdiener werden ab 2016 stärker zur Kasse gebeten – sie zahlen mehr an die Sozialversicherung, denn die Beitragsbemessungsgrenzen, bis zu denen Sozialbeiträge aufs Gehalt fällig werden, steigt bei der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung von bislang 4125 Euro auf dann 4237,50 Euro im Monat. Damit nicht genug, auch die Beitragsbemessungsgrenze in der Renten- und Arbeitslosenversicherung soll im Westen von 6050 auf 6200 Euro angehoben werden, im Osten von 5200 auf 5400 Euro.

Hartz IV:

Alleinstehende bekommen ab 2016 als Regelsatz 404 Euro statt wie bisher 399 Euro. Paare und sogenannten Bedarfsgemeinschaft bekommen dann zweimal 364 Euro statt 360 Euro.

Rürup:

Was Rürup-Sparer betrifft, hat sich auch etwas geändert: Das Finanzamt berücksichtigt für 2015 Beträge bis zu 22 172 Euro und zieht davon bis zu 17 738 Euro als Sonderausgaben ab. Die Rürup-Rente  richtet sich vor allem an Selbstständige. Auch wer ein staatlich gefördertes Riesterrenten-Modell bespart, kann seine Steuerlast senken. Er muss dafür aber den jährlichen Mindestsparbetrag erreichen und außerdem selbst aktiv werden. Er muss dafür auf jeden Fall die Anlage AV seiner Steuererklärung ausfüllen.

Wohngeld:

Ach ja, Geringverdiener dürfen sich auf einen höheren Mietzuschuss freuen – ein Zwei-Personen-Haushalt mit Wohngeldanspruch bekommt künftig durchschnittlich 186 Euro pro Monat (2012 waren es durchschnittlich 112 Euro pro Monat). Mehr Infos gibt’s bei den zuständigen Wohngeldbehörden der Stadt oder Gemeinde.

Grundsteuer:

Einige Städte und Gemeinden erhöhen die Grundsteuer, darunter Wilhelmshaven um 25 Prozent, Bochum um 24 Prozent und Mönchengladbach um 23 Prozent anheben, Bremen um 20, Bremerhaven um 22 Prozent. Das dürften nicht die einzigen sein. Wer noch? Bitte um Feedback… 😉

Krankenversicherung:

Viele erhöhen den Zusatzbeitrag zur Krankenversicherung. Die Techniker Krankenkasse beispielsweise verlangt ab dem 1. Januar 2016 einen Zusatzbeitrag von einem Prozent. Damit erhöht sich der Beitragssatz für die Krankenversicherung von 14,6 auf 15,6 Prozent – und das betrifft eben auch die Rentner. Die entsprechenden Briefe sind ihnen schon ins Haus geflattert. Versicherte können übrigens wegen der Erhöhung kündigen.

Porto:

Wer ab dem 1.1. einen Standardbrief versendet, muss diesen mit 70 Cent frankieren. Die Deutsche Post erhöht das Porto für Briefe bis 20 Gramm um 8 Cent. Diese Preiserhöhung soll für die nächsten drei Jahre stabil bleiben. Auch Maxibriefe und Einschreiben werden leicht teurer. Das Porto von 45 Cent für Postkarten ändert sich hingegen nicht.

Kontonummer:

Ab 1. Februar heißt es adé für Kontonummer und Bankleitzahl. Sie müssen endgültig der  internationalen Kontonummer IBAN und der Bankenkennzahl BIC weichen. Diese Umstellung war schon seit August 2014 für Unternehmen und Vereine Pflicht – und nun auch für Verbraucher. Die IBAN ist 22 Stellen lang und setzt sich aus dem einheitlichen Ländercode (DE für Deutschland), der zweistelligen Prüfziffer sowie Bankleitzahl und Kontonummer zusammen – und könnte beispielsweise so aussehen: DE14 700 100 80 0 XXXXXX 805. Für Überweisungen im Inland ist nur die IBAN notwendig, bei länderübergreifenden Zahlungen muss auch der international gültige Bankcode (BIC) angegeben werden. Der BIC besteht aus: Standardkürzel des Banknamens, Länderkennung (Deutschland = DE), regionaler Standort (zum Beispiel Frankfurt =FF) und – optional – der Bank-Filiale.

Grundsteuer:

Carry Dunton hat mich informiert, dass die Stadt Hofheim am Taunus die Grundsteuer erhöht hat. Grundsteuer B 480 % (ab 2016)! Zum Vergleich die Erhöhungen der letzten Jahre!
210 % für die Jahre 1972-2010
310 % für die Jahre 2011-2013
400 % für 2014
440 % für 2015
480 % ab 2016 

 

 

Weiterführende Links:

https://twitter.com/versvme/status/673789397456785408

https://twitter.com/akivoeg/status/668734178909921280




DINKs contra Eltern

DINKs contra Eltern – das programmierte Einkommensgefälle. Das Leben ist ungerecht, das wissen Eltern sobald sie ihr Einkommen mit dem von DINKs vergleichen. DINKs heißt „double (dual) income no kids“ und bezeichnet kinderlose Paare mit doppeltem Einkommen. Eltern ziehen die Beitragszahler von morgen auf und müssen, von der Pflegeversicherung einmal abgesehen, trotzdem die gleichen Sozialbeiträge bezahlen, wie Kinderlose. DINKs haben aber weniger Kosten – pro Kind zahlen Eltern vom ersten bis zum 18. Lebensjahr weit mehr als 120 000 Euro pro Kind für Windeln, Kinderzimmer, ein größeres Auto, Spielsachen, Klassenfahrten, Familienurlaub, Versicherungen, Kleidung – und natürlich Essen.

Einer muss meist zeitweise zuhause bleiben

Wegen der Betreuung der Kinder muss häufig ein Elternteil zuhause bleiben – meist die Mutter, die damit natürlich weniger Rentenbeiträge zahlen kann und im Alter schlechter dasteht als DINKs. Gut, wenn die Ehe bis ins Alter hält, da sie dann von der Rente oder Pension ihres Mannes profitiert, schlecht, wenn sie sich scheiden lässt oder das Kind sogar allein aufzieht. Trotz staatlicher Transferleistung wie Kindergeld und Mitversicherung der Kinder, stehen Eltern beim Renteneintritt schlechter da als Kinderlose.

Kinder sind ein Armutsrisiko, das gilt vor allem für Alleinerziehende und besonders im Alter. Sie haben zwar für künftige Beitragszahler in die Sozialversicherung gesorgt, profitieren aber nicht davon.

DINKs contra Eltern – Einkommensgefälle, Versorgungslücke

Diese schreiende Ungerechtigkeit wollte das Freiburger Ehepaar Essig nicht länger hinnehmen und klagt dagegen – und das schon seit 2006. Weil er der Ansicht ist, dass die deutsche Sozialversicherung familienfreundlicher werden müsste. Jüngst wurde er vor dem Bundessozialgericht abgeschmettert. Das jetzige System verfassungskonform. Die Sozialrichter meinen jedoch, Eltern müssen so viel zahlen wie DINKs oder alleinlebende Kinderlose. Nur komisch, dass es bei der Pflegeversicherung einen Rabatt für Eltern gibt. Das klingt doch ziemlich ungereimt.

Die Essigs sind sauer und wollen Verfassungsbeschwerde einreichen. Sie haben ausgerechnet, dass Eltern rund 220 Euro pro Kind und Monat als Entlastung zustehen, dafür müssten Kinderlose etwa 50 Euro pro Monat mehr zahlen. Wie groß die Ungerechtigkeit ist, lässt sich auch daran ablesen, dass zwischen 1964 und 2014 die Kinderarmut um das 16-fache gestiegen sei, trotz sinkender Geburtenzahlen. Jedes fünfte Kind ist „Zeit Online“ zufolge armutsgefährdet. Übrigens, für Kinder bis sechs Jahre gibt es 234 Euro Sozialhilfe, für Kinder von sieben bis 14 Jahre 267 Euro. Das Existenzminium liegt jedoch bei 596 Euro pro Kind.

Nur marginale Verbesserungen

Übrigens, es sind ja nicht allein die Kosten, sondern auch noch die schlechteren Karrierechancen von Eltern, die ins Kontor schlagen. Dass Frauen beispielsweise schlechter verdienen als Männer hat viel damit zu tun, dass sie eben wegen der Kinderbetreuung weniger Chancen im Berufsleben haben, das weiß auch das US-Wirtschaftsmagazin „Forbes“. „The Gender Pay Gap (geschlechtsspezifisches Lohngefälle) ist the result of beeing a parent, not discrimination“.

Es hat sich in den vergangen neun Jahren seit der ersten Klage der Essigs einiges zum Besseren geändert, aber es bleibt noch viel zu tun. So gibt es immer noch ein Ehegattensplitting auch für Paare ohne Kinder – die Forderung nach einem Familiensplitting, das ein Haushaltseinkommen auf alle Personen verteilen würde, ist in der Versenkung verschwunden. Auch von der Forderung des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes nach der Einführung einer so genannten Kindergrundsicherung, ist nichts mehr zu hören.

Weiterführende Links:

https://twitter.com/rpo_politik/status/649441250270150660

https://twitter.com/VJournalde/status/649829931925544960




Arbeiten nur bis 62

Arbeiten bis 62 Jahre – das ist heute üblich. Also von wegen Rente mit 65 oder gar später. Die meisten können oder wollen nicht länger arbeiten und hören schon deutlich vor der Regelaltersgrenze auf. Das hat sich mittlerweile zwar schon geändert, im Prinzip gehen die meisten immer noch deutlich früher.

Das Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen hat eine entsprechende Studie herausgebracht, den „Altersübergangs-Report“. Danach waren etwa Beschäftigte des Jahrgangs 1948 im Schnitt 1,9 Jahre länger in Arbeit als die 1940 Geborenen. Im Schnitt beendeten die Arbeitnehmer des Jahrgangs 1948 ihre sozialversicherungspflichtige Beschäftigung mit 61,7 Jahren – das ist deutlich früher als die vorgesehenen 65 Jahre.

Arbeiten bis 62 Jahre

Das Gros der Alten arbeitet noch: Die Alterserwerbstätigenquote, wie das so schön auf bürokratendeutsch heißt, liegt bei mehr als 60 Prozent. Diese Entwicklung – 2001 beispielsweise lag die Quote bei unter 40 Prozent – wird gerade durch die Altersrente ab 63 Jahren etwas ausgebremst.

Was auch weiter auffällt: Die Spreizung des Austrittsalters wird größer, das heißt, viele jüngere aus dieser Alterskohorte hören schon vor ihrem 60. Geburtstag auf, dafür arbeiten andere wirklich bis 65.

Arbeitsumfeld müsste altersgerecht sein

Das wirkt sich natürlich auch auf die Höhe der Rente aus. Noch eines erscheint problematisch: Die Arbeit müsste altersgerechter gestaltet sein, damit die Beschäftigten länger arbeiten können – ist sie jedoch meist nicht. Und so hören viele früher auf, weil sie einfach nicht mehr können. Die Lücke zwischen dem letzten Arbeitstag und den Rentenbeginn wird immer größer – und sie wird mit Minijobs überbrückt. Altersgerechte Arbeitsbedingungen, reduzierte Arbeitslast, besserer Gesundheitsschutz und soziale Sicherheit für ältere Beschäftigte mit gesundheitlichen Problemen sind nötig, um die Älteren länger im Arbeitsprozess zu halten.

Noch eines verdeutlicht die Studie: Nur etwa ein Drittel war bis zum Schluss „normal“ beschäftigt, das heißt, hatte eine stabile sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Das zweite Drittel kamen aus der kurs- oder langfristen Arbeitslosigkeit und der Rest aus geringfügiger Beschäftigung. Zwei Drittel der Rentner werden also entsprechend weniger Rente bekommen, da sie ja auch weniger eingezahlt hatten.

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