Was sich für Rentner 2017 alles ändert

Steuern, Zinsen, Versicherungen, Gebühren, Fristen – 2017 ändert sich wieder einiges, das auch Rentner und Vorruheständler betrifft. Was genau ändert sich 2017 alles?

Die Flexi-Rente

Die wichtigste Änderung für alle, die 2017 in Rente gehen ist die Einführung der  Flexi-Rente. Wer früher in Rente gehen will, soll das dürfen, ebenso soll er länger arbeiten dürfen, wenn er will. Das nennt sich dann Flexi-Rente.  In Kraft treten wird die Flexi-Rente teils zum 1. Januar, teils zum 1. Juli 2017. Das neue Hinzuverdienstrecht beispielsweise kommt erst ab Juli 2017. Möglich werden zudem freiwillige Zusatzzahlungen in die Rentenkasse ab einem Alter von 50 Jahren, um später ohne Abschläge früher in den Ruhestand gehen zu können. Mit der Flexi-Rente ist die Absicht verbunden, längeres Arbeiten attraktiver zu machen.

Zwangsverrentung

Hartz-IV-Empfänger werden ab Januar 2017 nicht mehr zum Eintritt in eine vorgezogene Altersrente mit Abschlägen gezwungen, wenn die Höhe dieser Rente zur Bedürftigkeit, also zum Bezug von Grundsicherungsleistungen im Alter führen würde. Ab Januar 2017 muss eine Altersrente nur noch dann vorzeitig beantragt werden, wenn sie trotz dieser vorzeitigen Inanspruchnahme und der damit verbundenen Abschläge bedarfsdeckend ist. Sie muss dagegen nicht mehr vorzeitig in Anspruch genommen werden, wenn die Höhe dieser Rente zum (ergänzenden) Bezug von Leistungen der Grundsicherung im Alter führen würde.

Residenzpflicht für Grundsicherungsempfänger

Claudia Klinger hat es auf ihrem Blog sehr schön mit der Schlagzeile „Lasst die Alten ziehen“ zusammengefasst:

chon bisher waren die Regelungen für Auslandsaufenthalte sehr restriktiv. „Leistungsempfänger mit Grundsicherung mussten ihren ‚Lebensmittelpunkt‘ in Deutschland haben, doch war die Dauer der verlustfreien Abwesenheit gesetzlich nicht klar definiert. Seit Jahresbeginn hat sich das geändert:“

Änderungen bei der Grundsicherung ‐ 4. Kapitel SGB XII
§ 41a. Verschärfung bei Auslandsaufenthalt: Grundsicherungsberechtigte im Ausland erhalten in Zukunft nach Ablauf der vierten Woche keine Leistung mehr. Bisher konnten die Betroffenen auch länger ins Ausland fahren, wenn ihr Lebensmittelpunkt in Deutschland war. Jetzt gilt nur noch der für Arbeitnehmer vorgeschriebene Urlaub von vier Wochen.
Quelle: Hartz-IV und Sozialhilfe: Das ändert sich 2017

Reguläre Altersgrenze steigt

65 war mal – ab 2017 steigt die Regelaltersrente auf 65 Jahre plus sechs Monate. Das trifft Versicherte, die 1952 geboren wurden und 2017 Jahr 65 Jahre werden. Wer jünger ist, muss noch ein paar Monate länger arbeiten – bis 2031 die reguläre Altersgrenze bei 67 Jahre angekommen ist.

Altersgrenze für die Rente ab 63

Übrigens steigt ebenfalls die Altersgrenze bei der abschlagsfreien Altersrente für besonders langjährig Versicherte ab 63 – auf 63 Jahre plus vier Monate. Das trifft Versicherte des Geburtsjahrgangs 1954. Wer 1955 geboren ist, bekommt die abschlagsfreie Altersrente ab 63 erst ab 63 plus sechs Monate – und so erhöht sich das Eintrittsalter um je zwei weitere Monate. Voraussetzung für die abschlagsfreie Altersrente mit 63 sind allerdings 45 Versicherungsjahre – Akademiker brauchen gar nicht rechnen, weil sie sowieso nicht auf 45 Beitragsjahre kommen, weil das Studium nicht angerechnet wird.

Beitragsbemessungsgrenzen

Ab Januar 2017 können Angestellte erst ab einem Jahreseinkommen von 57 600 (vorher 56 250) Euro von der gesetzlichen in die private Krankenversicherung wechseln. Die Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Krankenversicherung steigt ab 2017 auf jährlich 52 200 Euro (vorher 50 850).

Grenzen je nach VersicherungBruttolohn 2016  (Euro) Bruttolohn 2017  (Euro) 
MonatJahrMonatJahr
Kranken- und Pflegeversicherung
Beitragsbemessungsgrenze4 237,5050 8504 35052 200
Versicherungspflichtgrenze 14 687,5056 2504 80057 600
Renten- und Arbeitslosenversicherung
BeitragsbemessungsgrenzeWest:  6 200West:  74 400West:  6 350West:  76 200
Ost:    5 400Ost:    64 800Ost:    5 700Ost:    68 400

Quelle: Bundes­ministerium für Arbeit und Soziales/Stiftung Warentest

Rentenerhöhung

2017 werden die Renten voraussichtlich um 1,4 bis 1,8 Prozent steigen – die endgültige Prozentzahl wird im Frühjahr 2017 bekannt. In der Tabelle die Rentenerhöhungen der vergangenen Jahre (einschließlich Nullrunden).

JahrWestOst
20000,600,60
20011,912,11
20022,162,89
20031,041,19
2004--
2005--
2006--
20070,540,54
20081,101,10
20092,413,38
2010--
20110,990,99
20122,182,26
20130,253,29
20141,672,53
20152,102,50
20164,255,95
20171,5e2,0e
e=erwartet

Garantiezins Versicherungen

Wer ab Januar 2017 eine klassische Lebensversicherung abschließt, bekommt weniger Garantiezins (Höchstrechnungszins). Er muss sich mit 0,9 Prozent (vorher 1,25) Prozent begnügen. Für Bestandskunden bleibt alles beim Alten.

ZeitraumGarantiezins in %
1942-863
1987-943.5
1994-004
2000-033.25
2004-062.75
2007-112.25
2012-141.75
2015-161.25
2017-0.9

Quelle: GDV

Der Garantiezins sinkt ab 2107 von bis dahin 1,25 auf 0,9 Prozent –  das ist der Zinssatz, den die Versicherer ihren Kunden maximal auf den Sparanteil zusagen dürfen, wobei der Sparanteil dem Versicherungsbeitrag entspricht, abzüglich der Kosten für Vertrieb, Verwaltung und Risikoschutz.

Ab Januar 2017 ändert sich der Besteuerungsanteil der Rente und der Rentenfreibetrag. Ab diesem Jahr müssen 74 Prozent der Rente versteuert werden. Der Rentenfreibetrag liegt bei 26 Prozent. Mehr dazu in der Tabelle:

Jahr des Vorgesehener steuerfreier 
RentenbeginnsBesteuerungsanteil*Beitragsanteil
20055050
20065250.41
20075450.87
20085651.4
20095851.98
20106052.59
20116253.25
20126453.96
20136654.7
20146855.46
20157056.28
20167257.17
20177458.01
20187658.95
20197859.95
20208061
20218162.09
20228263.37
20238364.52
20248465.83
20258567.2
20268668.62
20278770.04
20288871.43
20298972.8
20309074.15
20319175.49
20329276.79
20339378.04
20349479.25
20359580.43
20369681.57
20379782.67
20389883.74
20399984.78
204010085.82

Besteuerung von Lebensversicherungen

Dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zufolge ändert ab 2017 die Besteuerung von Lebensversicherungen, die nach 2004 einen entsprechenden Vertrag abgeschlossen haben. Kunden, „müssen die Differenz zwischen Versicherungsleistung und eingezahlten Beiträgen zur Hälfte mit ihrem individuellen Tarif versteuern; Voraussetzung dafür ist, dass sie zum Zeitpunkt der Auszahlung das 60. Lebensjahr vollendet haben und der Vertrag mindestens zwölf Jahre bestand. Letztere Bedingung ist erstmals erfüllt, so dass die 2004 beschlossene Regeländerung nun erstmals wirksam wird. Davon unberührt bleiben Einmalauszahlungen aus Versicherungen, die vor 2005 abgeschlossen wurden. Sie sind weiterhin steuerfrei. Ferner gelten für Rentenzahlungen abweichende Regeln: Sie werden unverändert mit dem Ertragsanteil versteuert, der vom Alter des Versicherten abhängt. Bei einem Kunden, der mit 60 Jahren erstmals eine Rente erhält, beträgt der Ertragsanteil beispielsweise 22 Prozent. Er gilt für die gesamte Dauer des Rentenbezugs“.

Grundfreibetrag erhöht sich

Ab 2017 erhöht sich der Grundfreibetrag von 8652 auf 8820 Euro – und um weitere 180 Euro auf 9000 im Jahr darauf. Das heißt, bis zu diesem Betrag bleibt das Existenzminimum steuerfrei, erst ab dann wird Einkommensteuer fällig.

Neues zur Riester-Rente

Ab 2017 soll die Produktinfo zur staatlich geförderten Altersvorsorge vereinheitlicht werden. Der neue Flyer enthält auf zwei Seiten die wichtigsten Angaben zu den Produkteigenschaften von Riester- oder Basis(Rürup)renten. Dazu gehören neben dem Chance-Risiko-Profil die Höhe der Effektivkosten, die erwartete Ablaufleistung beziehungsweise Rentenhöhe sowie die Kosten bei vorzeitiger Vertragsauflösung oder Anbieterwechsel. Darüber hinaus müssen die Anbieter Muster-Info-Blätter ausgeben, die einen Modellkunden zugrunde legen.

Betriebliche Altersvorsorge

Ab 2017 steigt der Teil des Gehalts, den der Arbeitgeber steuer- und abgabenfrei in eine Direktversicherung, Pensionskasse oder in einen Pensionsfonds investieren kann. Dieser Förder-Höchstbeitrag steigt 2017 von 2976 auf 3048 Euro pro Jahr. Vorsicht! Wenn die Direktversicherung ausgezahlt wird, wird sich doppel verbeitragt, das heißt, der spätere Rentner zahlt dann für die Direktversicherung sowohl den Arbeitgeber- wie den Arbeitnehmeranteil an die gesetzliche Krankenversicherung, die Direktversicherte regelrecht schröpft und die Rendite einer Direktversicherung zunichte macht.

Rürup-Rente

Wer eine Rürup-Rente abgeschlossen hat, kann ab 2017 mehr als Sonderausgaben geltend machen. Der steuerliche Höchstbetrag steigt von 22 767 auf 23 362 Euro. Parallel dazu lassen sich künftig 84 (82) Prozent der Beiträge steuerlich geltend machen. Das heißt, somit sind bis zu 19 624 (18 669) Euro als Sonderausgaben abzugsfähig.

Pflegeversicherung

Ab 2017 gibt es fünf statt wie bislang nur drei Pflegegrade in Kombination mit einem neuen Bewertungsmaßstab. Das gilt indes nur für neue Fälle. „ Bereits pflegebedürftige Versicherte genießen Bestandsschutz und erhalten gegenüber ihrer bisherigen Pflegestufe einen mindestens um eine Ebene höheren Pflegegrad“, so der GDV. Mit der Neuordnung steige zugleich das maximale Pflegegeld: in der ambulanten Pflege von monatlich 728 Euro (Pflegestufe 3) auf 901 Euro (Pflegegrad 5); bei vollstationärer Versorgung von 1.995 Euro (für Härtefälle in der Pflegestufe 3) auf 2.005 Euro (Pflegegrad 5). Um die Mehrleistungen finanzieren zu können, steigen die Beiträge, so der GDV. Für gesetzlich Versicherte klettere der Beitragssatz von 2,35 auf 2,55 Prozent (bei Kinderlosen von 2,6 auf 2,8 Prozent), gleichzeitig gehe die Beitragsbemessungsgrenze von monatlich 4237,50 auf 4350 Euro nach oben.

Strom

Der Staat greift Verbrauchern ab 2017 wieder einmal wieder tiefer in die Tasche, denn die sogenannte Ökostrom-Umlage(EEG) steigt von 6,35 Cent auf 6,88 Cent pro Kilowattstunde – das sind immerhin 8,3 Prozent. Viele Stromkonzerne werden also 2017 die Preise erhöhen. Wenn der Strompreis steigt, ist es Zeit, sich nach Alternativen umzusehen und den Anbieter zu wechseln.

Altersentlastungsbetrag

Der Altersentlastungsbetrag wird Steuerzahlern über 64 Jahren gewährt. Er sinkt jährlich – im kommenden Jahr auf 20,8 Prozent des Bruttolohns, höchstens aber 988 Euro.

Mindestlohn

Wer als Rentner – und natürlich alle anderen auch – Mindestlohn bekommt, darf sich ab Januar 2017 auf eine Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns um 34 Cent auf 8,84 Euro brutto pro Stunde freuen. Nur wenige Branchen, Minderjährige und Auszubildende sind von dieser Regelung ausgenommen. Übrigens, der Mindestlohn gilt auch für Minijobs. Es lohnt sich nachzurechnen, denn ab Januar 2017 kann ein Minijobber nur noch gut 50 Stunden pro Monat arbeiten, wenn der Mindestlohn von 8,84 Euro die Stunde gezahlt wird. Das ergibt dann 442 Euro – knapp unter der 450-Euro-Marke. Möglicherweise muss die Stundenzahl reduziert werden. Jeder Minijobber sollte insofern die Stundenzahl überprüfen. Wer die 450-Euro-Marke knackt, ist somit in einem sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis.

Höhere Hartz-IV-Sätze

Ab Januar 2017 steigen Leistungen für alle, die ihren Lebensunterhalt nicht selbst bestreiten können. Der Regelsatz für Alleinstehende erhöht sich von 404 Euro auf 409 Euro pro Monat.

Die Grundsicherung für Kinder zwischen 6 und 13 geht um 21 auf 291 Euro nach oben. Der Regelsatz für Kinder bis zu sechs Jahre liegt 2017 weiterhin bei 237 Euro im Monat. Jugendliche bis 18 Jahren bekommen vom Januar an 311 Euro.

Ein Feiertag mehr

Ach ja, noch eines ändert sich 2017 – die Zahl der Feiertage. Anlässlich des Luther-Jahres – vor 500 Jahre schlug Martin Luther seine 95 Thesen an die Eingangstür der Schlosskirche in Wittenberg – haben alle am Reformationstag, den 31. Oktober 2017, einen zusätzlichen Feiertag.

 

 

 

 




Fürchtet euch vor Altersarmut – Rente wird nicht reichen

Keine Angst vor Altersarmut? Viele sollten sich aber vor Altersarmut fürchten, denn sie droht allen, die nicht auch noch privat vorsorgen. Im neuen Alterssicherungsbericht 2016 warnt jetzt auch die Bundesregierung vor Altersarmut. Wer sich nur auf die gesetzliche Rente verlässt, ist verlassen. Die gesetzliche Rente wird künftig nicht für ein auskömmliches Einkommen im Ruhestand reichen. Das Rentenniveau sinkt weiter von derzeit 47,8 Prozent auf 43 Prozent im Jahr 2030. Ab 2025, also in neun Jahren, geht es dann rapide nach unten: von 46,4 auf 45 und schließlich auf 43 Prozent, letztlich bis zum Jahr 2045 sogar auf 41,6 Prozent, wenn der Gesetzgeber nicht gegenhält.

Wie lässt sich die Versorgungslücke schließen?
Bestandsaufnahme vor der Rente in punkto Ausgaben und Einnahmen
Halb soviel Rente für Frauen wie für Männer
Wehe, wenn die heile Rentenwelt zerbricht
Rentenerhöhung, 4 Prozent im Westen, 5 Prozent im Osten

Große Versorgungslücke im Alter

Für viele öffnet sich da eine gewaltige Versorgungslücke im Vergleich zum letzten Gehalt. Wer nicht rechtzeitig extra vorgesorgt hat, schaut im Alter in die Röhre. „Ein erhebliches Risiko“ bestehe vor allem für Geringverdiener, mahnt die Bundesregierung. Das ist freilich noch ziemlich untertrieben. Geringverdiener werden im Alter zu Hartz-IV-Empfängern, sorry, das heißt ja Grundsicherung.

Das ist alles nichts neues, offensichtlich ist es noch immer vielen Bürgern nicht bewusst, was da auf sie zukommt. Von Angst oder Beklemmung kann keine Rede sein – „ist ja alles noch so weit weg“. Erst wenn der Rentenbeginn naht, wachen einige auf. Dann ist es allerdings zu spät. Altersvorsorge ist ein Langfristprojekt.

Alterssicherungsbericht 2016

Seit dem letzten Alterssicherungsbericht sind vier Jahre vergangen. Die Lage hat sich leider nicht verbessert, sondern verschlechtert. Der Alterssicherungsbericht umfasst 258 Seiten. Nur so viel vorweg, von den schätzungsweise 82 Millionen Menschen, die in Deutschland leben, sind mehr als 17 Millionen 65 Jahre oder älter – und drei Viertel der Altersleistungen kommen aus von der Deutschen Rentenversicherung.

Die Analyse dokumentiere aber auch große Einkommensunterschiede, schreibt die „Süddeutsche Zeitung“. So hätten Männer mit einem Alterseinkommen von netto durchschnittlich gut 1700 Euro fast 600 Euro mehr als Frauen. Auch Beamte hätten ein “überdurchschnittliches Alterseinkommen“: Ihre Pensionen seien mit durchschnittlich 2300 Euro netto im Monat höher als die Leistungen anderer Versorgungssysteme. Fast die Hälfte der ehemals Selbständigen verfüge hingegen nur über ein Nettoeinkommen von weniger als 1000 Euro. Eben deswegen erwäge Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD), eine Vorsorgepflicht für Selbständige einzuführen. Wie aus dem „Alterssicherungsbericht 2016″ hervorgeht, haben 47 Prozent der Niedrigverdiener keine zusätzliche Altersvorsorge.

Andrea Nahles will im November 2016 ein Rentenpaket schnüren

https://www.youtube.com/watch?v=wqy-K3ZXrYo

2017 geringere Rentenerhöhung

In diesem Jahr ist die Rentenerhöhung ja üppig ausgefallen, 2017 wird es wohl üppig sein. Die heutigen Rentner müssen im kommenden Jahr mit einer deutlich geringeren Erhöhung ihrer Bezüge auskommen als in diesem Jahr: Die Schätzungen gehen von 2,3 Prozent (West) und 2,58 Prozent (Ost) aus. Im Juli 2016 waren die Renten um 4,25 Prozent im Westen und 5,95 Prozent im Osten gestiegen.

Definition des Rentenniveaus

Das Rentenniveau beschreibt das Verhältnis der Standardrente zum Durchschnittseinkommen aller Erwerbstätigen. Derzeit liegt es bei 47,8 Prozent, bis 2030 darf es sich gesetzlichen Vorgaben zufolge auf bis zu 43 Prozent verringern. Für die Zeit danach gibt es noch keine Festlegung. Nach vorläufigen Berechnungen des Arbeitsministeriums würde sich das Absinken fortsetzen.

Kommentare der Medien:

  • „Mittelbayerische Zeitung“: „Der Befund des jetzigen Alterssicherungsberichts, Geringverdiener sollten bitte schön zusätzlich vorsorgen, ist nicht nur eine Kapitulation vor dem Problem der wachsenden Armut im Alter, sondern auch zynisch. Hier werden Ursache und Wirkung verdreht. Eine sehr große Koalition aus SPD, Union und Grünen ebnete vor Jahren den Weg in den Niedriglohnsektor, machte Arbeit flexibler und billiger. Mit den Nebenwirkungen dieser Politik will man nun am liebsten nichts zu tun haben. Wenn sich Ende der Woche die Spitzen der Union über die künftige Rentenpolitik beugen, dann sollten sie sich zuerst ehrlich machen. Und zweitens wirksame Haltelinien gegen Altersarmut auf den Weg bringen.“
  • Die „Volksstimme“ aus Magdeburg:  „In Zeiten, in denen Sparer wegen der Null-Zins-Politik Jahr für Jahr Milliarden bei ihrer Altersvorsorge verlieren, ist die kapitalgedeckte Altersabsicherung gescheitert. Die Politik scheut sich offenbar, diesen Fakt anzuerkennen. In der Rentenpolitik müsste eigentlich ein Umsteuern auf der Tagesordnung stehen. Aus mehreren Gründen: Weil die private Altersvorsorge keine Zinsen mehr abwirft. Weil die staatlich-geförderte Riesterrente, die vor allem für Geringverdienter gedacht war, sich zu einem Flop entwickelt hat. Weil die Rentenformel so gekürzt wurde, dass Normalverdiener trotz lebenslanger Einzahlung in der Altersarmut landen. Das gesamte System ist aus den Fugen geraten. Und es wird dem Staat noch gewaltig auf die Füße fallen.“
  • Die „Nürnberger Nachrichten“:  „Unsere Volksvertreter ermahnen dazu, private Rentenversicherungen abzuschließen – obwohl hohe Gebühren die Renditen in den ersten Jahren oft komplett auffressen. Obwohl für die meisten Kunden am Ende eine mickerige bis gar keine Rendite herausspringen wird – bis hin zum Verlustgeschäft. Und obwohl diejenigen, die eine Absicherung am nötigsten brauchen, oft kein Geld dafür übrig haben. Es ist Zeit, dass die Politik eine Kehrtwende einleitet. Weg von der Förderung privater Vorsorge, zurück zu paritätisch finanzierten Beiträgen.“

Weiterführende Links:




Wehe, wenn die heile Rentenwelt zerbricht

Die gesetzliche Rentenversicherung steht auf tönernen Füßen und wird ohne Reformen nicht überleben. Eigentlich müsste das jeder begreifen. Politiker wie Andrea Nahles und Sigmar Gabriel gaukeln uns vor, dass das „bekloppt“ ist. Sind nicht eher sie bekloppt, weil sie die Wahrheit verschleiern? Wenn wir länger leben, weniger Kinder in die Welt setzen, werden wir auch mit weniger Rente auskommen und länger arbeiten müssen. An dieser Logik kommt keiner vorbei. Wehe, wenn die vermeintlich heile Rentenwelt zerbricht.

Fürchtet euch vor Altersarmut – Rente wird nicht reichen
Sinkendes Rentenniveau führt zur Altersarmut
Altersarmut-Anstieg droht, Rentenplus reicht nicht
Hohe Miete, Gefahr der Altersarmut, Münchner gefährdet
Viele Junge juckt Altersvorsorge herzlich wenig

Rente ist eine Umlageverfahren

Eins und eins ist zwei oder drei minus eins oder vier geteilt durch zwei – das gilt auch für die gesetzliche Rente, die als Umlageverfahren von den Beiträgen der aktiven Erwerbsbevölkerung gespeist wird. Die Verhältnisse zwischen Beitragszahlern und -empfänger ändert sich und damit muss sich auch die gesetzliche Rente anpassen. Einige Politiker, allen voran Bundessozialministerin Andrea Nahles gaukelt uns vor, dass nicht sein kann, was nicht sein darf. „Nur einmal hatte Berlin den Mut und die Kraft aufgebracht, den Menschen die Wahrheit über den Zustand der Alterssicherungssysteme zu offenbaren und Anpassungen am Umlageverfahren vorzunehmen: Die Beiträge wurden gedeckelt, das Rentenniveau nach unten geschleust und das Renteneintrittsalter auf bis zu 67 Jahre erhöht“, erinnert Stephan Lorz von der „Börsenzeitung“. Und, was waren die Folgen? Der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder wurde abgestraft. Die Wähler wollten die Wahrheit nicht hören. Zugegeben, was Schröder einführte, war nicht alles toll, aber der Ansatz stimmte. Nahles dreht die Reformen wieder zurück, ohne Rücksicht auf die nachkommenden Generationen.

Wie funktioniert das Umlageverfahren – ein Erklär-Video

https://www.youtube.com/watch?v=fM6S9tjCnuU

Anhebung des Renteneintrittsalters

Und noch immer ist es so, dass angeklagt wird, wer die Wahrheit sagt. So geht es zurzeit der Deutschen Bundesbank, die in ihrem Monatsbericht hochrechnete, dass „eine schrittweise Anhebung (des Renteneintrittsalters) auf etwa 69 Jahre bis zum Jahr 2060“ notwendig wäre. Und trotz dieses Schritts „stiege der Beitragssatz aber wohl auf eine Größenordnung von 24 Prozent, und das Versorgungsniveau der gesetzlichen Rentenversicherung ginge auf eine Größenordnung von rund 44 Prozent zurück“. Das heißt, selbst das wird langfristig nicht reichen, um die Rente zu stabilisieren. Die Dänen haben das schon längst begriffen und lassen das Renteneintrittsalter bis 2022 auf 67 Jahre steigen, ab 2030 dann auf 68 Jahre, ab 2035 auf 69 Jahre – und dann ab 2060 alle fünf Jahre um ein weiteres Jahr, sodass unsere nördlichen Nachbarn dann ab 2100 erst mit 77 Jahren in Rente gehen.

Bei der Rente alles in Butter?

Aber das alles liegt ja weit in der Zukunft, deswegen ist es populär und wählerwirksam, den Leuten vorzugaukeln, alles wäre bei der Rente in Butter. „Schließlich könne es doch nicht sein, dass die Menschen immer länger leben, damit auch immer länger Rente beziehen, die Zeit ihres Erwerbslebens aber zementiert und jede Debatte darüber tabuisiert wird“, kritisiert Lorz.

Obwohl Andrea Nahles „erst“ im Juni 1970 geboren ist und damit 46 Jahre alt, macht sie Klientelpolitik für die Alten. Denn ausbaden werden ihre Politik die Jungen müssen. So schön es ist, dass die Lebenserwartung steigt, so zwingend ist es, dass Rentenpolitiker – und die Gesellschaft – sich darauf einstellen. Je länger Ruheständler ihr Altersgeld beziehen, desto mehr müssen sie in den aktiven Jahren vorgesorgt haben oder desto mehr künftige Beitragszahler müssen sie in die Welt gesetzt haben.

Nahles‘ Rechnung geht nicht auf

Wir alle werden erleben, dass Nahles‘ Rechnung nicht aufgeht, weil eins und eins eben nicht drei ist. Wahrscheinlich wird heimlich am System geschraubt, so dass für die Rentner unterm Strich weniger übrig bleibt, gleichzeitig werden die Beiträge steigen und zusätzlich wird der Bundeszuschuss zur Rente steigen. Schon heute überweist der Bund annähern 87 Milliarden Euro an die Rentenkasse, 2017 werden es dann mehr als 91 Milliarden Euro sein und schon in wenigen Jahren ist die 100-Milliarden-Euro-Marke geknackt. Nicht weiter schlimm, oder? Nun, das Geld, das an die Rentenkasse geht, fehlt anderswo – in der Bildung, bei der Infrastruktur oder der Verteidigung. Das ist ein schleichender Prozess, der erst dem auffällt, der Deutschland beispielsweise mal mit Skandinavien vergleicht.

Andrea Nahles weiß um die Brisanz des Themas und hat für Oktober Arbeitgeber, Gewerkschaften und Sozialverbände zu einem Treffen eingeladen – wichtigestes Thema „die gesetzlichen Rente“.

Also, es bleibt spannend. Insofern war das sicher nicht der letzte Beitrag zu dem Thema.

Schon in etwa 25 Jahren wird es mehr Nettoempfänger als Nettozahler geben, weil die Bevölkerung altert. Das hat das Prognos-Institut ermittelt im Auftrag der arbeitgebernahen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM). Das trifft vor allem die Rentenkasse. Prognos zufolge ist derzeit die Gruppe der Nettozahler mit 56 Prozent noch in der Mehrheit. Doch ab 2020 gehen die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer verstärkt in Rente. Gleichzeitig wachsen immer weniger Junge in die mittlere Altersgruppe nach. Im Jahr 2040 gehören laut der Studie folglich nur noch 49 Prozent der Bevölkerung zu den Nettozahlern. Dann stehen laut der Erhebung 38,2 Millionen Nettozahler 41 Millionen Nettoempfängern gegenüber – derzeit sind es noch mehr Zahler. Je nach dem sich die Bevölkerung entwickelt, droht 2040 Bund, Ländern, Kommunen und Sozialkassen ein Finanzdefizit in zwei- bis dreistelliger Milliardenhöhe. Würde es keine höheren Beitragssätze und Steuern geben als heute, ergäbe sich durch die demografische Entwicklung beim Defizit der Haushalte demnach ein Wert von 144 Milliarden Euro im Jahr 2040. Allein zur Finanzierung der gesetzlichen Rente fehlten dann 83 Milliarden Euro. Würden die Sozialbeiträge für Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung aber von derzeit knapp 40 auf knapp 50 Prozent im Jahr 2040 steigen, hätten die öffentlichen Haushalte nur ein Minus von 24 Milliarden Euro. Dies würde aber eine entsprechende Mehrbelastung der privaten Haushalte und Unternehmen bedeuten. Sozialministerin Andrea Nahles (SPD) hatte angekündigt, im November ein Konzept für die Rente vorzulegen, in dem auch eine „Haltelinie“ fürs sinkende Rentenniveau definiert sein soll

Weiterführende Links: 


… und dazu passende Tweets

https://twitter.com/SPIEGELONLINE/status/766216955959271424

https://twitter.com/welt/status/766083013407076352

https://twitter.com/SPIEGEL_Politik/status/765644733565796352




Richtig Geld für den Ruhestand anlegen damit es bis ins hohe Alter reicht

Wie richtig Geld anlegen, damit es bis ins hohe Alter reicht? Diese Fragen stellen sich viele. Und die Frage wird immer drängender, denn die Bundesbürger leben so lange wie noch nie – das Durchschnittsalter deutscher Frauen betrug 2014 immerhin 81,4 Jahre, während Männer 74,7 Jahre alt wurden. Wer sein Geld falsch angelegt hat, gefährdet im Alter seine Existenz. Nicht selten müssen dann die eigenen Kinder für die alten Eltern einspringen, weil die Reserven nicht mehr reichen.

Durchschnittlicher Ruhestand –  20 Jahre

Seit den 1960er-Jahren verdoppelte sich die Lebenszeit nach Ende des Arbeitslebens: Früher betrug die Lebenszeit im Ruhestand nur zehn Jahre, heute durchschnittlich 20 Jahre – Tendenz steigend. Gleichzeitig ist aber auch das Zinsniveau gefallen. Mittlerweile liegt der Leitzins bei null und der Zins für die Einlagen der Banken bei der Europäischen Zentralbank (EZB) sogar bei minus 0,4 Prozent. Das dramatische Folgen für Geldanlagen von Senioren – und natürlich auch für die der aktiven Beschäftigten. Denn eines ist klar, allein auf die gesetzliche Rente kann sich heute keiner mehr verlassen – sie deckt nur noch etwa 50 Prozent des letzten Einkommens ab.

Doch mit einigen Änderungen lässt sich Geld sicher anlegen und bringt dennoch Ertrag. Noch immer setzen vor allem ältere Menschen auf das Tagesgeldkonto. Doch das ist nicht zeitgemäß, da es keine Zinsen auf das Ersparte gibt – und ohne entsprechende Rendite hat der Ruheständler auch keine Chance, im Alter seinen Wohlstand zu erhalten. Auch die zweite liebste Anlageform, die Lebensversicherung, bringt nicht mehr genügend Rendite.

Mehr Rendite durch smartes Anlegen

Geld anlegen auf intelligente Art, aber wie? Quelle:istockInzwischen gibt es zahlreiche Möglichkeiten, das Geld auch weit vor dem Ruhestand anzulegen. Vom klassischen Konto bis hin zu Anlagemöglichkeiten bei Banken, die das Geld nach ethisch ökologischen Kriterien verwalten, ist für jeden eine passende Variante dabei. Der Bundesverband deutscher Banken empfiehlt älteren Anlegern, die Zinsen zu vergleichen. Denn so ist die Geldanlage trotzdem sicher und die Rendite liegt über den derzeit üblichen mageren Zinsen. Wer sein Geld risikoreicher in Aktien investieren möchte, sollte die Faustformel „100 minus Lebensalter“ berücksichtigen. Das bedeutet bei einem 70-jährigen, dass dieser höchstens 30 Prozent seines Vermögens in Aktien anlegen sollte. Wer nicht selbst einzelne Aktien mühselig heraussuchen möchte, kann beispielsweise auch in einen Mischfonds oder in Indexfonds investieren. Indexfonds bilden einen Index wie den Dax nach. Die Kosten sind vergleichsweise niedrig, ferner kann ein Indexfonds jederzeit über die Börse ge- und verkauft werden.

Geld anlegen auf intelligente Art, aber wie? Quelle:istock

Der Zinseszins macht den Unterschied

Bei einem Rentner machen selbst kleine Differenzen im Zins einen großen Unterschied aus. So ist beispielsweise bei einem Vermögen von 50 000 Euro und einer Entnahme von 750 Euro monatlich das Guthaben bereits nach noch nicht einmal sechs Jahren aufgebraucht. Selbst wenn nur 500 Euro entnommen werden, reicht das Geld nur noch acht Jahre.

Tipp: 

Die Rendite kann anstatt mit Aktien auch mit langlaufendem Festgeld aufgepeppt werden. Je länger das Geld liegen gelassen wird, desto höher die Rendite. Solch gut verzinsten Festgeldkonten gibt es allerdings in der Regel ausschließlich bei Online-Banken.

Weiterführende Links:

Fotos: ©istock




Drei von Vier arbeiten bis zur Regelaltersgrenze

Etwa jeder Vierte schafft es nicht, bis zum Schluss zu arbeiten und geht vorzeitig in Rente. Klar, das kostet. Dafür müssen die Frührentner mit weniger Geld im Alter auskommen. Diese Einbußen hielten aber 2014 knapp 200 000 Deutsche dennoch nicht davon ab, vor der Regelaltersgrenze ihre Rente zu beantragen.

Die Linken-Abgeordnete Sabine Zimmermann hatte beim Bundesarbeitsministerium eine entsprechende Anfrage gestartet und eben diese Antwort bekommen. Darin heiße es, so die „Thüringer Allgemeine“ die Versicherten, „die die Anspruchsvoraussetzungen erfüllten, entschieden vor dem Hintergrund ihrer persönlichen Lebensumstände grundsätzlich selbst, ob sie eine Regelaltersrente beziehen oder unter Inkaufnahme von Abschlägen frühzeitig in Rente gehen“. Im Schnitt gehen diese Frührentner zwei Jahre vor der Regelaltersgrenze in den Ruhestand, zumindest war das 2014 so. Neuere Zahlen gibt es offensichtlich. Zwei Jahren bedeuten Abschläge von 7,2 Prozent, denn jeder Monat früher bedeutet einen Abschlag von 0,3 Prozent.

Nicht immer freiwillig in Frührente

Nicht immer stehe hinter dem Renteneintritt mit Abschlägen wirklich eine freie Entscheidung, so die „Thüringer Allgemeine“. Oft spiele die Gesundheit nicht mehr mit. Wer arbeitslos ist, kann auch vom Jobcenter zum vorzeitigen Rentenantrag genötigt werden. Für Sabine Zimmermann sei klar, so zitiert sie die „Thüringer Allgemeine“, dass „die Menschen so früh wie möglich in Rente gehen wollen, wenn sie die Möglichkeit dazu haben“.

Was die Deutsche Rentenversicherung dazu sagt:

Wer davon spricht, dass er demnächst in Rente gehen will, meint damit seine Altersrente. Was viele aber nicht wissen: Es gibt verschiedene Altersrenten mit unterschiedlichen Zugangsbedingungen. Je nachdem, welchen beruflichen Lebensweg Sie zurückgelegt haben, passt die eine oder andere der Varianten besser für Sie. Seit dem Jahr 2012 wird für ab 1947 Geborene die Regelaltersgrenze schrittweise von 65 auf 67 Jahre angehoben. Für die Geburtsjahrgänge ab 1964 ist dann im Jahr 2031 67 die Regelaltersgrenze. Wer seine Rente früher erhalten will, muss in aller Regel Abschläge in Kauf nehmen. Die ständig steigende Lebenserwartung der Bevölkerung macht es nötig.

Übrigens arbeiten heute eher mehr als weniger bis zur Regelaltersgrenze wie die Deutsche Rentenversicherung belegt. Seit 2012 zeige sich, dass „neue Altersrentnerinnen und -rentner in geringerem Maße vorzeitig in Rente gehen“, so die DRV. Dieser Trend habe 2014 fortgesetzt. Analysen der Deutschen Rentenversicherung zufolge sank der Anteil der wegen vorzeitigen Rentenbeginns gekürzten Renten gegenüber dem Vorjahr von 36,7 auf 23,9 Prozent.

Weiterführende Links:




Damit das Traumland nicht zum Albtraum wird

Auch Genießen will gelernt sein – viele Ruheständler müssen erst einmal umlernen, wenn sie das Arbeitsleben hinter sich lassen. Das gilt umso mehr, wenn sie den Traum vom Dauerurlaub im Traumland verwirklichen wollen. Immerhin zwei von drei Deutschen träumen diesen Traum. Vielen schwebt dabei der sonnige Süden vor, wo die Sonne länger scheint als im verregneten Deutschland.

Was verlockend klingt, kann schnell im Desaster enden. Ein Umzug oder auch nur ein zeitweises Aus im Ausland will wohl überlegt sein. Ohne die nötigen Vorbereitungen geht gar nichts. Von jetzt auf gleich, nächste Woche, nächsten Monat – da müsste es das Leben schon gut mit einem meinen, wenn der Traum vom Leben im Ausland auf Anhieb klappen könnte.

Überwintern oder Auswandern? 

Wer seine Rente im Ausland genießen will, stellt sich am besten eine Checkliste zusammen – schließlich lässt sich von den Fehlern der Anderen lernen. Was alles beachten ist, fasst der Blog-Beitrag Rentner im Ausland kompakt zusammen. So ist ein glücklicher Lebensabend  von vielen Faktoren abhängig, die der Auswanderungswillige längst nicht alle selbst beeinflussen kann. Der Partner und die Familie sollten bei der Entscheidung unbedingt einbezogen werden – auf Biegen und Brechen den eigenen Kopf durchzusetzen, ist unvernünftig. Finanzielle Absicherung, ein geregeltes Einkommen, die Versorgung bei Krankheit und Pflegebedarf – das alles darf in dieser Liste nicht fehlen. Niemand sollte sich von den positiven Seiten wie Sonne, Strand und Siesta den Blick auf die Realität verstellen lassen.

Was alles schief gehen kann, hat der „Tagesspiegel“ in „Die Bettler von Mallorca“ eindrucksvoll beschrieben. Der schnell geplatzte Traum vom sonnigen Leben als Auswanderer, in einem Inselparadies unter Palmen, jedoch ohne Sprachkenntnisse, ohne Arbeitsmöglichkeit und mit eben jenen schicksalshaften Ereignissen, die eine die Existenz rauben. Statt der Residenz für den Winter oder dem Dauerwohnsitz am Strand oder im Bergland bleiben dann die Parkbänke, das Betteln um Spenden – würdelos, arm und nicht zuletzt einsam und krank.

Wie Auswandern richtig vorbereiten?

Natürlich spielt die finanzielle Absicherung des Alltags die Hauptrolle, einschließlich der zu erwartenden Unwägbarkeiten. Dabei sollte sich jeder fragen, wie er in seinem Traumland wohnen will – zur Miete oder im Eigentum? In welcher Lage und mit welchem Luxus? Hier treffen jedoch gleich mehrere Probleme für den deutschen Auswanderer oder Residenten zusammen. Das lässt sich am besten am Beispiel Mallorca durchexerzieren, wobei „Mallorca“ beliebig auf alle Länder, in deren Behörden und bei dessen Dienstleistern nicht Deutsch gesprochen wird, übertragen werden kann. Es gelten andere Gesetze, als jene, die Ruheständler kennen – das gilt gerade beim Kauf oder Bau eines Eigenheims. Die fremde Sprache erschwert das Ganze noch – und sie erleichtert Betrug. Die Vorstellung, mit ein paar Brocken Spanisch und einem Übersetzungsprogramm auf dem Smartphone ein Bauprojekt oder nur das Maklergespräch in punkto Vermietung einer Wohnung oder anderen Immobilie auf Mallorca in die Tat umsetzen zu wollen, erscheint mehr als naiv. Käufer bekommen es mit Notaren, Handwerkern, Eigentümern zu tun. Ganz abgesehen davon – woher weiß ein deutscher Kaufinteressent, ob der spanische Eigner nicht nur vorgibt die Finca zu besitzen, die in Wirklichkeit einem ganz anderen gehört? Der Traum vom Ferienhaus wird dann schnell zum Albtraum. Mehr dazu und zum Thema Gesundheitsversorgung, Einkaufen und Lebenshaltungskosten fassen die Mallorca Experten übersichtlich und umfassend zusammen.

Auf richtigen Partner kommt es an

Vor der endgültigen Abreise ins neue Leben gilt es also einiges zu regeln: Handy-Verträge, Internet-Anschluss, Bank-Verbindung und die Nutzung vor Ort. Wie sieht es mit der Krankenversicherung aus und anderen Policen – die Liste lässt sich beliebig erweitern. Nicht zu vergessen: die sozialen Kontakte am neuen Domizil – und das betrifft nicht nur Freunden und Bekannten, sondern auch die vielen Helfer im Alltag.

Wer sich auf Mallorca ein eigenes Haus bauen möchte oder eine bestehende Immobilie kaufen oder mieten möchte, kommt als Laie – so er denn nicht perfekt Spanisch spricht – kaum auf einen grünen Zweig. Ohne Hilfe lernt er Spaniens Behördenwahnsinn kennen und zahlt vermutlich kräftig drauf. Die Alternative? Ein deutschsprachiger Makler, der sich mit den Usancen auskennt und die Sprache spricht. Das kostet zwar, spart letztlich Ärger und Geld. Von den Flügen zwischen alter und neuer Heimat ganz abgesehen. Sparsamkeit ist in dem Fall fehl am Platz. Die Zeit, die Kaufinteressenten selbst mit Immobiliensuche, Handwerkern und Behörden verbringen, sollten sie besser in einen Mallorquin-Sprachkurs investieren. Dann kommt der Ausreisewillige stressfrei im neuen Leben an.

… einige Impressionen von Mallorca

Palma de Mallorca Castillo de Bellver Quelle: Turespaña

Palma de Mallorca Castillo de Bellver Quelle: Turespaña

Palma de Mallorca Catedral y bahía - vista nocturna Quelle: Turespaña

Palma de Mallorca Catedral y bahía – vista nocturna Quelle: Turespaña

 

 




Zum Rentenbeginn neuorientieren und zu sich selbst finden

Amtmann, Staatssekretär, Legationsrat, Chief Financial Officer – wer mal einen Titel besessen hat, tut sich schwer los zu lassen, wenn er in Rente geht oder in Pension geschickt wird. „Ich war mal …“ zählt nicht mehr. Was war, das war – und ist nicht mehr. Es nützt auch nichts, auf die Visitenkarte „a.D.“ zu schreiben. Das sieht wie „Nachtarocken“ aus, sprich einen Stand der Dinge aus Trotz nicht zu akzeptieren. Das ist der Versuch, die eigene Bedeutung herauszustreichen, beim Gegenüber Respekt zu erheischen und sich selbst seiner eigenen Wichtigkeit zu versichern.

Sich auf sich selbst einlassen

Natürlich zählt die Lebensleistung, keine Frage – aber davon noch Jahre oder Jahrzehnte zu zehren? Das Geleistete gehört der Vergangenheit an. Es sicher auch amüsant, von Erlebtem zu erzählen und eine lustige Anekdote anzubringen. Eingestreut mag das Aufmerksamkeit bringen, auf Dauer ödet es jedoch an. Manche Alphatierchen können ihre Bedeutungslosigkeit nur schwer ertragen. Es gibt nicht wenige, die sich in den Alkohol flüchten oder zum Couch-Potato werden oder sich in Hausdespoten verwandeln. Nicht von ungefähr fürchten Ehefrauen den Ruhestandsbeginn ihrer Männer.

Es geht also darum, sich selbst zu erkunden, sich auf die eigene Persönlichkeit einzulassen, denn, nur sie nehmen wir mit in die Rente oder Pension „Das, was Sie aus sich selbst in dieser langen Zeit Ihres Berufslebens gemacht haben, unabhängig vom Nimbus und Status ihrer ehemaligen Position“, wie es Herb Stumpf, Autor des Buchs „Wenn das Wochenende 7 Tage hat“  so schön formuliert.

Vor der Rente auf die Rente einstimmen

Schlimm, wer erst bei Rentenbeginn anfängt, sich auf sich selbst zu besinnen. Diese Arbeit fängt lange vor Rentenbeginn an. Jeder in dieser Lage sollte sich fragen, „was interessiert mich wirklich?“, „was ist in meinem Leben zu kurz gekommen?“, „welche Träume blieben unerfüllt?“, „welche Freunde habe ich vernachlässigt – oder die Familie?“. In dieser Phase des Lebens geht es um das Immaterielle, um Selbstwert, soziale Bindungen, Charakter, Ethik und letztlich um den Sinn des Lebens. Dieser Frage kann keiner ausweichen. Jeder muss, ob er will oder nicht, sich mit dem Thema auseinandersetzen.

Entberuflichung bietet Chancen und Risiken

Der Abschied aus dem Beruf bietet Chancen, aber auch Risiken. Es gehe darum, so Wolfgang Schiele, Coach für Menschen vor und im Übergang vom Berufsleben in den Ruhestand, sich umzuprogrammieren, Position zu beziehen, etwas Neues anzufangen und das Alte hinter sich zu lassen. Der Abschnitt, der Ruheständler noch bleibt, ist länger als viele vermuten – wenn es gut geht, sind es 20 Jahre oder sogar mehr. Das ist der gleiche Zeitraum wie von der Geburt bis zum Ende der Schulzeit.

Was wirklich zählt

Ruheständler „können sich auf das besinnen, was wirklich zählt“, so Stumpf. Das ist alles andere als einfach. Wer sich von seinem Berufsleben verabschiedet, muss sich zwangläufig neu orientieren. Denn, so Stumpf, es gerate ein ganz erheblicher Wert ins Wanken, ein wesentlicher Teil der eigenen Identität. Der Beruf hat jedem von uns eine Menge gegeben, auch wenn wir vielleicht manchmal die Tretmühle verfluchten. Das war nicht nur das Geld, sondern auch das Prestige, die finanzielle Sicherheit, die Kommunikation mit den Kollegen, das Gefühl gebraucht zu werden und etwas zu gelten. Das alles kollabiere mit dem Eintritt in den Ruhestand. Dafür müssen andere Werte in den Vordergrund treten. „Die buchstäbliche Neubewertu9ng all dessen, was bisher wertvoll und wichtig erschien, ist also unvermeidlich“, so Stumpf. Da sei doch gleich an den Song von Reinhard Mey „Über den Wolken“ erinnert. „Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein/ Alle Ängste, alle Sorgen, sagt man, blieben darunter verborgen und dann/ Würde, was uns groß und wichtig erscheint,
Plötzlich nichtig und klein.“ Das passt wunderbar für diese Lage.

Genießt die Freiheit

Jeder habe die Wahl zu sagen „Ich darf nicht mehr mitspielen“ oder „Ich muss mich nicht mehr plagen“, beschreibt Stumpf den Wegscheid. Deswegen plädiert er für die zweite Variante. Ruheständler haben „bei positiver Sichtweise eine weitaus breitere Anzahl von Möglichkeiten, weil sie nämlich Zeit haben, die sie vorher nicht hatten“.

Also, genießt diese Freiheit und nutzt eure Möglichkeiten! „Jeder Tag könnte also ein Sonntag sein – wenn man will und sich dies geistig zugesteht“, postuliert Stumpf.

 




Vision Board – was sind deine Träume und Ziele für 2016?

Träume visualisieren? Warum nicht! Wie das funktioniert erklärt die Reisebloggerin Renate Stenshorn anhand ihres eigenen Vision Boards. Die Idee ist nachahmenswert – oder? Gerade für Vorruheständler, die sich auf die Zeit nach dem Beruf vorbereiten. Ihnen könnte so ein Vision Board helfen, sich über ihre Wünsche und Ziele klar zu werden. Vielleicht entdecken sie ja ganz neue Perspektiven. Renate Stenshorn hat sich im wahrsten Sinn des Wortes in die Karten schauen lassen und ihre Träume visualisiert. Das Vision Board eines Vorruheständlers wird natürlich ganz anders aussehen – Renates kann da nur Anregung sein. So jetzt genug der Vorrede …

Gastbeitrag von Renate Stenshorn

 

Das Jahr 2015 neigt sich dem Ende zu, die richtige Zeit, um das Leben Revue passieren zu lassen und sich dem neuen zuzuwenden. Ein Vision Board, eine Tafel deiner Visionen, hilft dir, deinen Träumen näherzukommen. Was sind deine Ziele für das nächste Jahr? Ist es eine Traumreise? Ein besserer Job, mehr Erholung oder Kultur?

So erstellst du ein Vision Board

Im Zeitungsladen habe ich mir einen Fotokarton in meiner Lieblingsfarbe besorgt. Du benötigst noch eine Schere, einen Kleber und Zeitschriften. Mach dir eine Tasse Tee oder Kaffee und nimm dir einen Stapel Zeitschriften und Urlaubskataloge. Vielleicht magst du angenehme Musik im Hintergrund. Blättere die Hefte durch und schneide alles aus, was dir gefällt. Sind es Bilder, Sprüche, Gedanken oder Wortstellen. Stell dir das nächste Jahr vor.

Was bringt mir ein Vision Board?

Durch das Vision Board fokussierst du dich auf deine Träume und Ziele. Du hast sie als Bild jeden Tag vor Augen. Häng dein Vision Board an einen besonderen Platz, den du regelmäßig im Auge hast. Das kann neben deinem Bett sein oder über deinem Schreibtisch. So kannst du deine Wünsche nicht mehr aus den Augen verlieren. Das macht etwas mit dir. Du fängst an, daran zu arbeiten. Das Gesetz der Anziehung soll dir dabei helfen. Probiere es doch einfach mal aus!

Meine Träume und Ziele für 2016:

Ich erkläre dir meine Ideen für nächstes Jahr im Uhrzeigersinn:

#1 Über allem steht Ganesha

Ich war mehrmals in Indien. Da ist mir diese kleine, dicke Gottheit mit dem Elefantenkopf aufgefallen. Er wird in Indien sehr verehrt. Ganesha wacht über alle Wünsche, Träume und Bedürfnisse. Er gilt als Glücksbringer und Überwinder der Hindernisse. Und an Steinen, die uns in den Weg gelegt werden, fehlt es eher selten. Ganesha ist ein fröhlicher Gott, der auch gerne Streiche spielt. Mit seinen kleinen Augen entgeht im nichts. Mit den großen Ohren kann er, ähnlich des Wolfes im Märchen Rotkäppchen, besonders gut hören – auch die Wünsche seiner Gläubigen. Eine kleine Holzfigur des Ganeshas steht auf meinem Schreibtisch. Schadet ja nichts!

#2 Kleine Luxusbedürfnisse und großer Segen

Die einen träumen von einem schicken Auto, die anderen von Schmuck. Du darfst die alles wünschen, sei ohne Scham! Ich hätte gerne eine Putzfrau. Die putzende Fee mit dem Staubwedel könnte bei mir loslegen. Ich gebe es zu, ich hasse Hausarbeit. Andere können das viel schneller und besser.

Elefanten über Elefanten – in einem Tempel in Südindien segnet der Tempelelefant die Gläubigen mit seinem Rüssel. In Asien gelten Elefanten als Glücksbringer, weiße Elefanten als heilig. Schau dir mal die geschnitzten Souvenirs an und achte auf den Rüssel. Richtet sich der Rüssel nach oben, ruft er das Glück herbei. Ist er nach unten, schützt er das Heim vor Eindringlingen.

#3 Balance ist wichtig!

Die Work-Life-Balance ist wichtig. Neben der Arbeit will ich Ruhepunkte in Urlaub und Freizeit setzen. Da liege ich nicht nur und träume. Ich bin kreativ, denn ich würde gerne ein Buch schreiben. Außerdem muss ich mich auf das Loslassen konzentrieren. Das ist nicht immer einfach und will geübt werden. Reisen bringt mich auf neue Gedanken und erdet mich.

#4 Der Wandel ist möglich!

Der Wandel ist möglich

Der Wandel ist möglich

In diesem Jahr hat schon der Beginn eines großen Wandels stattgefunden. Mein Arbeitsplatz wurde wegrationalisiert.
Ich bin auf der Suche nach sympathischen Kollegen und einem netten Chef.
Die Arbeit sollte sinnvoll sein und am Monatsende soll das Geld stimmen.
Da geht noch was!

 

 

#5 Laos – das Land der Millionen Elefanten.

Laos - das Land der Elefanten

Laos – das Land der Elefanten

Reisen ist mir ein wichtiger Lebensinhalt. In 2016 würde ich gerne wieder nach Asien fahren. Mich reizt das Land der Millionen Elefanten (Lane Xang). So wurde Laos früher genannt.
Genauer gesagt Luang Prabang. Die alte Hauptstadt des Königreiches liegt im grünen Dschungel.
Ruhig fließt der Mekong vorbei.
Es gibt viele Tempel und Elefanten.
Die Stadt soll noch nicht so vom Tourismus überlaufen sein, eher ruhig und klein.

 

 

 

 

Nun bist du an der Reihe – mach dein Vision Board.

  • Lass dich von deinen Träumen und Wünschen leiten.
  • Das kann eine weite Reise nach Hawaii, ein neues Hobby oder mehr Freizeit sein.
  • Schränke dich dabei nicht selbst ein.
  • Du darfst dir alles wünschen.
  • Warte ab, was passiert!

Über die Autorin

Renate Stenshorn hat viele Jahre in der Touristik gearbeitet. In ihrem Reiseblog Raus ins Leben möchte sie dich informieren und inspirieren. Die Kinder sind aus dem Haus, du hast mehr Zeit für dich und möchtest hinaus in die Welt. Schau dir ihre Tipps für Städte- und Erlebnisreisen an oder stelle ihr gerne Fragen.


Ich freue mich über zahlreiche Kommentare hier im Blog oder via Twitter an https://twitter.com/dineros Ich bin auch gespannt, wie eure Träume und Ziele aussehen. Schreibt doch einfach!

 


Es ist ein Vergnügen, die Ideen eines Anderen hier auszubreiten. Renates Gastbeitrag weist neue Wege, die Wirklichkeit zu sehen. Nomen est omen – ihr Blog Raus ins Leben ist wirklich die Tür zum Raus ins Leben




Zurück aus dem Ruhestand – Pensionäre für Flüchtlinge

Ausgelöst durch die Flüchtlingswelle fehlen überall routinierte Rentner und Pensionäre, die Lücken füllen könnten. Es scheint indes nicht ganz so einfach zu sein, sie wieder zu holen und zu integrieren, wie einige Pressestimmen verdeutlichten. Ist das der Anfang einer Revitalisierung von Ruheständlern? Oder nur eine temporäre Ausnahme? Ganz abgesehen davon, dass gerade nicht wenige Rentner jobben müssen, um über die Runden zu kommen.

Nachfolgend eine kleine Auswahl aus der Presse:

„Bild“, 17.11.2015

„Am Gymnasium Hamburger Straße kehrten jetzt zwei längst pensionierte Lehrerinnen (66, 64) zurück in die Schule, um Flüchtlingskindern Deutsch beizubringen. Eine Premiere in Bremen!“, schreibt „Bild“. Noch ein Beispiel: „Schulleiterin Claudia Dreyer (43): ‚Von der Flüchtlingswelle berührt, meldeten sich zufällig zeitgleich mit der Behörde zwei Pensionärinnen bei mir. Sie boten ihre Hilfe bei der Integration an. Eine glückliche Fügung und kompetente Bereicherung.’“

„Weser-Kurier“, 17.11.2015

„Angesichts der großen Zahl der Flüchtlingskinder werden viele Deutsch-Lehrerinnen und Lehrer gebraucht. Eine von ihnen ist Monika Radke, die eigentlich schon im Ruhestand ist, nun aber weiter macht“, schreibt der „Weser Kurier“. Die Kinder kämen aus Syrien und dem Iran, aus Südkorea, Rumänien, Moldawien, Polen und der Türkei, so die Zeitung. Zwei Drittel der Jugendlichen in diesem Klassenraum leben derm „Weser Kurier“ zufolge in Flüchtlingsfamilien. 2Manche sind zehn Jahre alt, andere schon 17.“ Es gebe ein großes Gefälle innerhalb der Gruppe, die älteren Schüler sind manchmal schon fertig, wenn die jüngsten gerade erst ihre Mappe aufmachen.

FOCUS Online, 12.11.2015

„Um die Flüchtlingskrise besser bewältigen, fordert die SPD Bundeswehrpensionäre aus dem Ruhestand zurück zu holen. Auch ehemalige zivile Beamte sollen reaktiviert werden. Strittig ist noch, ob dies auf freiwilliger Basis oder per Weisung erfolgen soll“, schreibt FOCUS Online.

Spiegel Online, 23.8.2015

„Wir werden Pensionäre aus dem Ruhestand zurückholen, schreiben direkt viele Ex-Beamte an. Wir werden Beamte bitten, nicht in Ruhestand zu gehen, sondern freiwillig länger zu arbeiten“, sagte Thomas de Maizière der „Bild am Sonntag“ („BamS“). (Quelle: Spiegel Online)

Tagesspiegel, 19.10.2015

„Mehr als 80 pensionierte Beamte meldeten sich auf einen Hilferuf der Innenbehörde. Doch nur vier arbeiten auch wieder. Das Problem: Geld“, schreibt der „Tagesspiegel“. „Ein Beamter im Land Berlin erhält nach Ende seiner Dienstzeit 71 Prozent seiner Bezüge als Ruhegehalt. Wird er reaktiviert, muss er sich die Pension auf den neuen Verdienst anrechnen lassen. ‚Wer also jetzt wieder zu einer 40-Stunden-Woche antritt, bekommt nur 29 Prozent seines Gehalts ausgezahlt’, rechnete Sozialstaatssekretär Dirk Gerstle dem Tagesspiegel am Sonntag vor. ‚Fürs Nichtstun bekommt er 71 Prozent. Das war so konkret nicht allen bekannt und macht es vergleichsweise unattraktiv, zurückzukehren.’“

Weiterführende Links:

 

Ich freue mich über zahlreiche Kommentare (Rentner werden jobben müssen) hier über  im Blog oder via Twitter an https://twitter.com/dineros

 

 




Wie lässt sich die Versorgungslücke schließen?

Wie lässt sich die Versorgungslücke schließen, die sich bei den meisten Rentnern auftut? Ja, Versorgungslücke! Das ist der Unterschied zwischen dem letzten Gehalt und den Bezügen in der Rente. Auch wenn es viele nicht wahrhaben wollen oder diesen Umstand einfach ausblenden – gesetzlich Rentenversicherte merken im Alter, dass auf ihrem Konto am Monatsende deutlich weniger eingeht. Das Erschreckende an der Versorgungslücke ist, dass viele Deutsche gar nicht wissen, was sie im Alter an Geld erwarten dürfen. Sie verlassen sich immer noch weitgehend auf die gesetzliche Rente. Der CDU-Sozialexperte Karl Schiewerling (CDU) fordert deswegen einen Altersvorsorge-Pass, der ausweist, wie viel jeder Einzelnen an privater und betrieblicher sowie gesetzlicher Rente zu erwarten hat und was ihm nach Abzug von Sozialversicherung und Steuern netto noch übrig bleibt. Den Altersvorsorge-Pass wird es allerdings so schnell nicht geben. Viele sind da ziemlich ahnungslos. 

Höhere Rentenbeiträge für höheres Rentenniveau
Sinkendes Rentenniveau führt zur Altersarmut
Viele Junge juckt Altersvorsorge herzlich wenig
Wehe, wenn die heile Rentenwelt zerbricht
Heute Niedriglohn – morgen arm im Alter
Rente – was unterm Strich übrigbleibt

Dass wir gesetzlich Rentenversicherten eine Versorgungslücke haben, ist ohne Zweifel. Wie die Versorgungslücke schließen? Bestimmt nicht mit Tages- und Festgeld, mit den Zinsen aufs Sparbuch schon gleich gar nicht. Bundesanleihen sind ebenfalls kein probates Mittel, um die Versorgungslücke zu schließen. Als einzig rationale Alternative bleibt nur die Aktie – oder besser gesagt: die Aktien.

Wie die Versorgungslücke schließen?

Dass ein Anleger sein Vermögen nicht nur auf eine Aktie setzen sollte, versteht sich von selbst. Nicht von ungefähr stammt die alte Börsianerweisheit „Nie alle Eier in einen Korb“. Um es noch mal klipp und klar zu sagen: Wer in Aktien investiert, muss diversifizieren, sprich, sein Vermögen verteilen. Aber damit hat er gute Chancen, die Versorgungslücke zu schließen.

Diversifizieren, aber richtig

Klingt leichter gesagt als getan. Wie diversifizieren? In deutsche Aktien, in europäische Aktien oder Dividendenpapiere aus den Schwellenländern? Jein. Angesichts der jüngsten Turbulenzen an der Börse dürfte es wohl jedem klar sein, wie risikoreich Einzelinvestments sind. Manche Werte verlieren an nur einem Tag gleich zehn, zwölf und mehr Prozent. Kann ja sein, dass sie den Verlust schon bald wieder aufholen, diese Schwankungen stressen allerdings und halten viele davon ab, in Dividendenpapiere zu investieren.

Entgegen der landläufigen Meinung gilt die Losung „no risk, no fun“ bei der Vermögensanlage eben nicht. Es muss besser „less risk, more fun“ heißen. Wie verschiedene Studien belegen, werfen weniger riskante Investment meist mehr Rendite ab.

Indexfonds als Lösung

Klingt kompliziert, ist es aber nicht. Die Lösung heißt: Fonds – und Fonds sind ja auch nichts anderes als Aktienkörbe. Wobei wieder zu unterscheiden ist zwischen aktiv gemanagten Fonds und Indexfonds. Bei der ersten Kategorie kümmert sich ein Fondsmanager über die Anlage in Aktien. Er kauft und verkauft mit dem Geld der Anleger Aktien und versucht, möglichst viel Rendite zu erwirtschaften. Dumm nur, dass er dafür eine Gebühr verlangt, die natürlich Performance kostet, sprich an der Rendite nagt. Mega-dumm, dass die überwiegende Mehrzahl der Fondsmanager es nicht schafft, besser zu sein als der Markt, sprich besser als ein Index wie der Dax oder der S&P 500.

Also doch nicht der Weisheit letzter Schluss. Aber wie gesagt, mit den aktiv gemanagten Fonds konkurrieren Indexfonds. Das sind Fonds, die einen Index wie den Dax 1:1 nachbilden – und deswegen auch weniger Kosten in Form von Gebühren.

Mega-Trends und der richtige Mix

Mittlerweile bietet die Fondsbranche auf fast jeden Index einen entsprechenden Fonds an, auch ETF genannt: Exchange Traded Fund, ein Fonds, der problemlos an der Börse ge- und verkauft werden kann, wie eine Aktie.

Also, alles ganz easy? Jein, immer noch nicht. Es kommt auf den Index an. Der Dax beispielsweise ist wie der Name schon vermuten lässt, ein ziemlich übermütiger Heißsporn, der auch schon mal 40 Prozent fällt und steigt. Nichts für schwache Gemüter. Außerdem stellt der Dax ein Klumpenrisiko dar – alles deutsche Aktien, alle von Großkonzernen, dazu noch bank-, auto- und chemie-lastig. Erst jetzt kam mit Vonovia ein Immobilienkonzern dazu. Ach ja, die Versorger E.on und RWE sind dazu noch ziemlich von staatlichen Stellen abhängig. Weiterer Nachteil: Zwei Drittel der Dax-Aktien gehören Ausländern, vor allem aus dem Dollar-Raum. Der Dax ist somit auch von Währungsschwankungen betroffen.

Der amerikanische Aktienindex S&P 500 ist da schon eine bessere Wahl, denn der Index ist viiiel breiter aufgestellt, wie schon der Name sagt. Allerdings gehen deutsche Anleger da auch ein Währungsrisiko ein.

Indexfonds als Anlage-Alternative

So, Schluss mit der Miesmacherei – die Lösung heißt Branchen-Index-Fonds. Klingt sperrig, ist es aber nicht. Die Idee dahinter: Anleger sollten auf die wirklichen Mega-Trends dieses Jahrtausends setzen – und die Mega-Trends sind nicht Elektro-Autos oder 3-D-Druck. Wir werden immer mehr, wir werden immer älter, wir werden immer reicher und wir werden immer städtischer – das sind die wahren Mega-Trends.

Bevölkerungswachstum als Chance

Die Weltbevölkerungsuhr steht auf 7,3 Milliarden. Jedes Jahr kommen 22 bis 25 Millionen dazu, sodass 2020 schätzungsweise 7,5 Milliarden den Globus bevölkern. Mehr Menschen bedeutet: mehr Essen, mehr Autos, mehr Straßen, mehr Wohnungen. Parallel zum „Mehr“ vollzieht sich auch ein gesellschaftlicher Wandel, denn wir werden nicht nur mehr, sondern global gesehen auch immer älter, immer reicher und immer städtischer. Die Landflucht anhält. Mittlerweile leben mehr Menschen in Städten als auf dem Land. Vor zehn Jahren war das umgekehrt. Der Trend geht dabei zu Mega-Citys: Zählten 1975 weltweit erst drei Städte mehr als zehn Millionen Einwohner, so sind es mittlerweile bereits zwei Dutzend.

Reicher deswegen, weil trotz sozialer Ungleichgewichte die Wirtschaftsleistung pro Kopf stetig steigt – von 2004 bis 2012 ist das Bruttoinlandsprodukt der USA von 41 928 auf 51 748 Dollar gestiegen, das Chinas von 1490 auf 6091 Dollar.

Wir werden mehr, älter, reicher und städtischer

Wer profitiert von dieser Entwicklung? Vom „Mehr“ auf alle Fälle Nahrungsmittelkonzerne wie Nestlé, Danone, Unilever und Diageo. Die Nutznießer des “Älter“ sind Pharma- und Gesundheitskonzerne wie Novartis, Pfizer, Novo Nordisk, Johnson & Johnson, Coloplast, Roche, Merck, Sanofi und Fresenius. Wer vom „Städtischer“ profitiert? Die Frage ist nicht ganz so einfach zu beantworten. Das sind Konzerne, die Infrastruktur und Wohnungen bauen, aber auch Hersteller von langlebigen Gebrauchsgütern. Was das „Reicher“ betrifft, so gehören dazu vor allem Luxuskonzerne wie LVMH, Richemont, aber auch Reiseanbieter und die angeschlossene Hotellerie.

Vier Indexfonds für vier Mega-Trends

Anleger, die davon profitieren wollen, setzen auf die Mega-Trends – und investieren in Branchen-Index-Fonds, diese Trends abbilden.

  • Wir werden immer mehr – essen und trinken entsprechend mehr: Beim Thema Essen und Trinken ist das vergleichsweise einfach: Anleger, die auf diesen Megatrend setzen wollen, greifen am besten zu einem Indexfonds, der den Stoxx-600-Food & Beverage abbildet. Er enthält alle Größen der Branchen, neben Nestlé auch Danone und Unilever (WKN/ISIN: ETF067/LU0378435803), laufende Kosten 0,25 Prozent. Darin enthalten sind 30 Einzelaktien dieser Branchen, angefangen von Anheuser-Busch bis Viscofan. Leider gibt es keinen weltweit ausgerichteten Index-Fonds, aber der europa-fokussierte enthält weltweit agierende Großkonzerne – und ist somit global zu nennen.
  • Wir werden immer älter – und kränker: Das Thema Gesundheit lässt sich gut mit dem MSCI-World-Health-Care-Index nachbilden, der die Indexfondsbranche zu Produkten wie den db x-trackers MSCI World Health inspirierte (WKN/ISIN: DBX0G8/LU0540980223).
  • Wir werden immer städtischer: Schwieriger wird es beim Thema „städtischer“. Was ist schon „städtischer“? Ist das Infrastruktur oder sind das Immobilien? Es gibt zwar Infrastruktur-Fonds, die sind aber ziemlich unausgewogen und enthalten auch andere Aktien, die mit Infrastruktur wenig zu tun haben. Besser ist es, auf langlebige Gebrauchsgüter zu setzen, und da bietet sich ein Indexfonds wie der Lyxor-ETF MSCI World Consumer Discretionary an. Der MSCIWorldConsumer-Discretionary-Index bildet die Ansprüche der Menschen weitgehend ab, die wegen des besseren Lebens in die Stadt ziehen. Der Aktienkorb enthält Werte wie Toyota, Home Depot und Comcast sowie Time Warner. Mit 57 Prozent sind die USA übergewichtet, Japans Anteil liegt nur bei 14 Prozent, Deutschlands bei sieben Prozent. Trotz dieses Missverhältnisses hat der Index den globalen Aktienmarkt gerade in den vergangenen drei Jahren deutlich abgehängt. Lyxor bietet einen entsprechenden Fonds an. WKN/ISIN: LYX0GH/LU0533032008, laufende Kosten 0,4 Prozent.
  • Wir werden immer reicher? Wirklich? Ja! Die Völkerwanderung in Syrien, im Irak und in Teilen Afrikas darf nicht darüber hinweg täuschen, dass die Mittelschicht in Asien beispielsweise wächst. Wer mehr verdient, gönnt sich schon mal etwas Besonderes. Bei den Deutschen gehört mindestens ein längerer Urlaub im Jahr zur Selbstverständlichkeit. Das gilt übrigens auch für andere Industrieländer. Nicht von ungefähr boomt die Reisebranche. Davon profitieren Airlines wie Lufthansa, Hotelketten wie Accor und Kreuzfahrtgesellschaften wie Carnival. Diese Namen finden sich auch auf der Komponentenliste des Stoxx-600-Leisure & Travel wieder, den der Indexfonds von Comstage nachbildet. Britische Aktien sind mit 60 Prozent im Index vertreten, andere europäische Werte mit 40 Prozent. Der Indexfonds kommt seit 2009 auf eine jährliche Rendite von 20 Prozent. WKN/ISIN: ETF078/LU0378437254, laufende Kosten 0,25 Prozent. Als Alternative dazu bietet sich der S&P-Global-Luxury-ETF (WKN/ISIN: A0REJ4/FR0010688226), dessen Kurshistorie freilich etwas kurz ist. Das heißt, der Fonds muss sich erst noch beweisen.

Wer auf Mega-Trends setzte, hat im Schnitt besser als der Markt abgeschnitten, besser als der Dax allemal. Doch davon in der nächsten Folge der Serie Versorgungslücke schließen.

Weiterführende Links:

Disclaimer:

Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Die hier enthaltenen Aussagen sind nicht als Angebot oder Empfehlung bestimmter Anlageprodukte zu verstehen. Dies gilt auch dann, wenn einzelne Wertpapiere erwähnt werden. Der Beitrag soll lediglich einen Überblick über die Möglichkeiten geben und die selbständige Anlageentscheidung erleichtern. 

Aktualisiert am 14. März 2017

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