Was Wahlprogramme der Parteien für Rentner bedeuten

Die Wahlprogramme liegen auf dem Tisch. Was bringen die Wahlprogramme für Rentner? Was kosten sie Rentnern? Was darf der erwarten, der fürs Alter vorsorgt? Ein Vergleich bringt Licht ins Dunkel.

So viel vorweg – jeder kann sich die Wahlprogramme im Internet im Detail ansehen und selbst beurteilen, welche Parteien für ihn das beste Angebot hat. Jeder dürfte vermutlich das herauslesen, was er herauslesen will. Was ist mit den Rentnern und den Altersvorsorgern? Was haben sie von SPD, CDU/CSU, FDP und Linken zu erwarten?

Wie die SPD Millionen enteignet

Nehmen wir den konkreten Fall der Doppelverbeitragung von Direktversicherungen. Jeder, der fürs Alter per Entgeltumwandlung in Form einer Kapitallebensversicherung vorgesorgt hat, wurde 2004 von der rot-grünen Regierung – mit Hilfe der Union – enteignet. Das Perfide an dem von Ulla Schmidt (SPD) initiierten Gesundheitsmodernisierungsgesetz (GMG), das 2004 wirksam wurde: Es betrifft auch Verträge, die lange vor Einführung des Gesetzes abgeschlossen worden waren. Das ist ein klarer Verstoß gegen das Rückwirkungsgesetz.

Sorry, wenn das jetzt alles etwas abstrakt klingt, Fakt ist, dass alle Betriebsrentner und Besitzer von Kapitallebensversicherungen, die einen entsprechenden Vertrag zur Entgeltumwandlung unterschrieben haben, bei der Auszahlung von den Krankenkassen geschröpft werden. Die Krankenkasse verlangen den Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil der Krankenversicherung plus Pflegeversicherung. Alles in allem fehlen den Betroffenen annähernd 20 Prozent, der Auszahlungssumme.

Nur FDP und Linke reagieren

Wie reagieren die Parteien auf diesen Missstand, der Millionen mit einer entsprechenden Altersvorsorge betrifft? Mit der FDP und den Linken haben zwei Parteien begriffen, dass das GMG eine handfeste Ungerechtigkeit ist und gehen in ihren Wahlprogrammen explizit darauf ein.

Wahlprogramme der Parteien

Die FDP

So schreibt die FDP auf Seite 29 in ihrem Wahlprogramm:

Die Auszahlung von Vorsorgeverträgen darf in der Kranken- und Pflegeversicherung nicht beitragspflichtig sein, weil dies eine unfaire Doppelbelastung darstellt. Die Bundesregierung hebt die Doppelverbeitragung nur für die Riester-geförderte Altersvorsorge auf. Wir wollen eine solche Lösung für alle Konzepte der betrieblichen und privaten Altersvorsorge.“

Die Linken

Und die Linken versprechen in ihrem Wahlprogramm auf Seite 23:

Die Linke ist für eine betriebliche Altersvorsorge, die überwiegend von den Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern finanziert wird. Der Ausbau der überwiegend von den Beschäftigten finanzierten betrieblichen Altersvorsorge – vor allem durch Entgeltumwandlung- darf nicht als Alibi für ein weiter sinkendes Rentenniveau missbraucht werden. Wir werden die Doppelverbeitragung mit Krankenversicherungsbeiträgen bei betrieblicher Altersvorsorge sofort beenden. Betriebsrenten dürfen nicht frei von Sozialabgaben sein. So werden die Finanzen der gesetzlichen Rentenversicherung geschwächt und die Rentenansprüche aller Versicherten – egal ob sie über den Betrieb vorsorgen oder nicht – sinken. Ungleichheit wird so verschärft.

Die Grünen

Die Grünen reden nur von „Abzocke durch Banken und Versicherer“, meinen damit aber nicht die Krankenversicherungen – ansonsten kein Wort zum GMG und der Doppelverbeitragung. Kein Wunder, das Gesetz wurde ja von einer rot-grünen Regierung eingeführt. Die Grünen wollen sogar noch mehr Staat und mehr Zugriff auf das Geld derjenigen, die fürs Alter vorsorgen, nachlesbar auf Seite 199 des Wahlprogramms.

Wir wollen deshalb einen Bürger*innenfonds in öffentlicher Verwaltung einführen und diesen sowohl für die betriebliche wie auch die private Vorsorge öffnen.“

Die SPD

Und was will die SPD? Sie will …

betriebliche Altersversorgung attraktiver machen … Wir haben einen neuen Rahmen für die betriebliche Altersversorgung geschaffen, der die Ausweitung vor allem auf kleine und mittlere Unternehmen erleichtert: basierend auf tarifvertraglichen Lösungen, verbindlich und unter Beteiligung der Arbeitgeber. Sollte diese Lösung nicht ausreichen, werden wir eine gesetzliche Verpflichtung zur betrieblichen Altersversorgung schaffen.“

Damit können Staat und Krankenkassen noch bei weit mehr Altersvorsorgern abkassieren als schon in der Vergangenheit. Die Abschaffung der Doppelverbeitragung schreibt sie bewusst nicht ins Wahlprogramm, sondern nur, dass die SPD die Grundzulage anhebt, obwohl sie einen Satz vorher schreibt, dass „die ‚Riester-Rente‚, die staatlich geförderte private Altersvorsorge, die Erwartungen bei ihrer Einführung im Hinblick auf Spartätigkeit, Rendite und Verteilung nach wie vor nicht erfüllt.

Die CDU/CSU

Die Doppelverbeitragung wurde damals von CDU/CSU abgenickt. Was schreibt die Union heute in ihr Wahlprogramm diesbezüglich? Mit dem Thema will sich die Union nicht so recht beschäftigen. Sie verweist nur auf Seite 42:

Durch das Betriebsrenten-Stärkungsgesetz haben wir die Attraktivität von Betriebsrenten deutlich verbessert, auch indem wir die Anrechnungsvorschriften bei der Grundsicherung geändert haben.

Ansonsten will sich die Union auf eine Expertengruppe stützen, die ab 2019 sich Gedanken für die Zeit nach 2030 machen soll. Sprich, die Union will das Thema am liebsten aus dem Bundestagswahlkampf raushalten.

Was die CSU wirklich von dem Thema Doppelverbeitragung hält, lässt sich am besten aus einer Antwort von Karin Eiden, Referentin für Soziales und Gesundheit bei der CSU Landesleitung herauslesen. Gefragt hat der Verein der Direktversicherungsgeschädigten (DVG). Hier ihre Antwort:

Sie beklagen verständlicherweise die finanziellen Folgen des GKV-Modernisierungsgesetz (GMG). Hierzu darf ich Ihnen Folgendes mitteilen: Die Anwendung des vollen allgemeinen Beitragssatzes auf Betriebsrenten und Versorgungsbezüge sowohl für Pflichtversicherte als auch für freiwillig versicherte Rentner ist in den zurückliegenden Verhandlungen zum GKV-Modernisierungsgesetz im Jahr 2003 damit begründet worden, dass die eigenen Beitragszahlungen der Rentner heute nur noch gut 40% ihrer Leistungsausgaben in der Krankenversicherung abdeckten. Im Jahr 1973 seien die Leistungsaufwendungen der Krankenkassen für Rentner in den alten Ländern noch zu rund 72% durch die für sie gezahlten Beiträge gedeckt worden. Um die Belastung der erwerbstätigen Beitragszahler nicht noch stärker ansteigen zu lassen und die Lohnnebenkosten zu senken, sei es erforderlich gewesen, die Rentner wieder verstärkt an der Finanzierung ihrer Leistungsausgaben zu beteiligen.
Zudem sind Krankenversicherungsbeiträge auf Betriebsrenten seit jeher alleine vom Versicherten zu tragen. Damit soll die Bereitschaft des Arbeitgebers erhalten und gefördert werden, sich freiwillig am Aufbau einer Betriebsrente mit eigenen finanziellen Aufwendungen zu beteiligen. Allerdings wurde in der Vergangenheit auf Betriebsrenten für pflichtversicherte Rentner nur ein halber Beitrag (z.B. 7,2% statt 14,4%) an die Krankenkassen abgeführt, während für Betriebsrenten bei freiwillig versicherten Rentnern der volle Beitrag gezahlt wurde. Diese Ungleichbehandlung wurde mit dem GKV-Modernisierungsgesetz mit Wirkung zum 01. Januar 2004 beendet. Nunmehr müssen auch Pflichtversicherte den vollen allgemeinen Beitragssatz ihrer jeweiligen Krankenkasse auf die Versorgungsbezüge entrichten. Der Grundsatz bleibt, dass alle beitragspflichtigen Einnahmen zusammen nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze berücksichtigt werden. Versorgungsbezüge – unabhängig davon, ob sie laufend oder einmalig gezahlt werden – sind als Rente vergleichbare Einnahmen beitragspflichtig, wenn sie auf eine frühere Erwerbstätigkeit des Versorgungsempfängers zurückzuführen sind und bei Eintritt des Versicherungsfalles (Erwerbsminderung oder Alter) ausfallendes Erwerbseinkommen ersetzen oder im Fall des Todes der Sicherung von Hinterbliebenen dienen sollen.
Das Bundesverfassungsgericht hat am 28.09.2010 entschieden, dass die genannten Regelungen des § 229 SGB V nicht gegen den Artikel 2 Abs. 1 des Grundgesetzes in Verbindung mit dem rechtsstaatlichen Grundsatz des Vertrauensschutzes verstoßen. Somit können Kapitalleistungen aus betrieblichen Direktversicherungen Versorgungsbezügen nach § 229 SGB V gleichgestellt und damit der Beitragspflicht unterworfen werden. Dieses sei mit dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit vereinbar, weil der Gesetzgeber berechtigt ist, jüngere Krankenversicherte von der Finanzierung des höheren Aufwands für die Rentner zu entlasten und die Rentner entsprechend ihrem Einkommen verstärkt zur Finanzierung heranzuziehen. Der Vertrauensschutz der betroffenen Versicherten wird dabei nicht unzumutbar beeinträchtigt.

Der Beitragspflicht, die die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der einzelnen Beitragszahler berücksichtigt, steht als Gegenleistung der Bestand des Versicherungsschutzes in der gesetzlichen Krankenversicherung gegenüber. Die Versicherten sind im Rahmen des Solidaritätsprinzips an der Finanzierung der GKV beteiligt und erhalten hierfür den umfassenden Krankenversicherungsschutz.


Der DVG hat im Namen vieler Betroffener eine Umfrage bei allen Mitgliedern des Bundestags gestartet – an dieser Umfrage sollten sich so viele wie möglich beteiligen, denn die Doppelverbeitragung betrifft Millionen hierzulande. Deswegen an dieser Stelle der Text der Umfrage:

Sehr geehrte Damen und Herren!
Bundestagswahlkampf hat schon begonnen. Trotz vieler anderer politischer Themen bleibt auch das Thema Gerechtigkeit auf der Tagesordnung, denn es ist für den sozialen Frieden wichtig!
Als Betroffene von privat finanzierten Direktversicherungen wissen wir, welche Ungerechtigkeiten schnelle, nicht ausgereifte, per Schattenpolitik vereinbarte Gesetzesänderungen auslösen können! Auszahlungen, welche zu 100% aus bereits verbeitragten Nettobezügen der Versicherten gespeist wurden, sind Privatvermögen und dürfen nicht per Etikettenschwindel nachträglich zu beitragspflichtigen Versorgungsbezügen mit 18,5 % GKV-Abzug mutieren.
Wir möchten, dass die Geschädigten das Vertrauen in Politik und Rechtsstaat wiedererlangen und der Missbrauch des GMG-Gesetzes durch staatlich legitimierte nachträgliche Teil-Enteignung der Altersvorsorge gestoppt und rückgängig gemacht wird.
Deshalb müssen wir uns nun informieren, um zu entscheiden, wen wir wählen. Im Namen des Direktversicherungsgeschädigten e.V. erheben wir für die vielen betroffenen Bürger eine Umfrage bei allen Mitgliedern des Deutschen Bundestages und bitten Sie um die Beantwortung folgender Fragen:  

———————————

__  Ja – das Thema Mehrfachverbeitragung  und die Missachtung des Vertrauens- / Bestandsschutzes bei Altverträgen (Abschluss vor 2004) der Direktversicherungen, die von den betroffenen Arbeitnehmern allein ohne Zutun ihrer Arbeitgeber finanziert wurden,  muss in der neuen Legislaturperiode endlich gelöst werden, und ich werde mich dafür einsetzen, dass das Thema auf die Tagesordnung gesetzt wird.

__ Nein – ich finde die derzeitige Regelung der Verbeitragung zur Kranken- und Pflegeversicherung von Auszahlungen aus Direktversicherungen, egal, von wem sie finanziert wurden,  richtig und werde mich in der neuen Legislaturperiode nicht für eine Änderung  einsetzen, ggf. auch dagegen stimmen.

Ein Teil der Ungerechtigkeit in der Gesetzlichen Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung besteht darin, dass die sogenannten „versicherungsfremden Leistungen“ nur von der Solidargemeinschaft der Gesetzlich Versicherten getragen wird und nicht von privat Versicherten, Beamten und Abgeordneten.

Wie ist hierzu Ihre Meinung?

__  Ja – der Staatsbeitrag muss jedes Jahr zu 100 % den jeweiligen versicherungsfremden Aufwand der Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung abdecken. Ich werde mich dafür einsetzen, dass dies geändert wird und die Regierung uns jährlich darüber berichtet.

__  Nein  die pauschale Abgeltung des Staatsbeitrages in den Sozialversicherungen ist in der derzeitigen Form richtig und gerecht und soll unverändert so bleiben!

x

Ort, Datum,                            Name

NS: Sollten Sie nicht mehr für den neuen Bundestag kandidieren, würden Sie dann diese Umfrage bitte an Ihren Nachfolger weiterleiten?

Vielen Dank!

Mit freundlichen Grüßen




Um wie viel die Erwerbsminderungsrente ab 2018 steigt

Im Juni 2017 hat der Bundestag beschlossen, dass die Erwerbsminderungsrente ab 2018 steigt. Was kommt für die Betroffenen heraus? Um wie viel steigt die Erwerbsminderungsrente ab 2018 tatsächlich? Ab 2018 wird die Zurechnungszeit schrittweise um drei Jahre verlängert, so dass die Rentenansprüche steigen – sie werden zu einem fiktiven Renteneintritt von 65 hochgerechnet.

Erwerbsminderungsrente reicht oft nicht

Das ist allerdings nur ein Tropfen auf den heißen Stein, denn die bis zur Erwerbsminderung angesammelten Rentenpunkte reichen meist nicht, um einigermaßen auskömmlich leben zu können. Die Erwerbsminderungsrente berücksichtigt, „wie sich bei gleichbleibender Berufstätigkeit bis zum gesetzlichen Rentenalter die Rentenansprüche entwickelt hätten“, erklärt die Bundesregierung.

Nur 4,50 Euro mehr Rente

Klingt theoretisch gut, in der Praxis allerdings kommt beim Betroffenen wenig an. Der Linken-Rentenexperte Matthias Birkwald hat es für das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) einmal ausgerechnet: „2018 liegt das Plus bei gerade einmal 4,50 Euro im Monat, 2025 sind es 50 Euro.“ Die Zurechnungszeit, wie das so schön heißt, wird dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales auch nicht am 1. Januar 2018 mit einem Schlag von 62 auf 65 Jahre erhöht, sondern stufenweise – 2018 kommen zu den 62 Jahren drei Monate dazu, 2019 sechs Monate, 2020 dann zwölf Monate, 2021 schließlich 18 Monate, 2022 dann 24 Monate, 2023 letztlich 30 Monate.

Auf Grundsicherung angewiesen

Die große Mehrheit der künftig kranken Rentner werde weiter auf Grundsicherung angewiesen sein –  auch wenn Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles meint, für sie sei die angemessene Sicherung der Erwerbsgeminderten „ein Gebot des Anstandes, der Solidarität, aber auch des Respekts für die, die sich in ihrer Arbeit aufgerieben haben“. Die Verbesserung werde 1,5 Milliarden Euro mehr pro Jahr kosten.

Wo gibt’s Wohngeld?

Wie und wo Erwerbsminderungsrentner Wohngeld und Grundsicherung beantragen, schildert ausführlich die Facebook-Gruppe „Schwerbehinderte, Rente, EM Rente“. Wer allerdings Grundsicherung beantragt, muss sich bei den Behörden in punkto Finanzen nackt ausziehen. Wie „Finanztip“ schreibt, liegt die „Rente oft deutlich unter einem Drittel des letzten Bruttogehalts“. Der Deutschen Rentenversicherung zufolge lag die durchschnittliche Rentenhöhe bei voller Erwerbsminderung 2014 bei etwa 719 Euro im Monat, so „Finanztip“. Ach ja, wer vorzeitig in Rente geht, muss natürlich mit Abschlägen rechnen – jeder Monat früher kostet 0,3 Prozentpunkte.

Gesetz erst ab 2018

Kern des Gesetzes ist: Künftige Rentner mit Erwerbsminderung sollen besser gestellt werden, ihre Renten sollen so berechnet werden, als ob sie bis 65 Jahre gearbeitet hätten, nicht wie heute bis 62. Das Gesetz soll allerdings erst ab 2018 greifen. Dumm, wer heute schon eine Erwerbsminderungsrente bezieht – sie schauen in die Röhre. Nach Schätzungen beziehen zurzeit etwa 1,8 Millionen Menschen eine Erwerbsminderungsrente. Jedes Jahr kommen schätzungsweise 170 000 neu hinzu. Die Zurechnungszeit wurde mit dem Rentenpaket 2014 vom 60. auf das 62. Lebensjahr angehoben. Damals wurde von der Bundesregierung auch beschlossen, beim Berechnen der Zurechnungszeit seit 1. Juli 2014 die letzten vier Jahre vor der Erwerbsminderung außen vor zu lassen, falls der Verdienst – eben wegen der nur eingeschränkten Arbeitsfähigkeit – bereits geringer ausgefallen war. Diese Regelung half den Erwerbsgeminderten, die ab 2014 eine entsprechende Rente bezogen.

Nur Neu-Rentner profitieren

Auch dieses Mal profitieren wieder nur die Neu-Rentner von der Neuregelung. Nahles sieht zumindest, dass die bisherigen Erwerbsminderungsrentner die Ausgeschmierten sind, was sie bedauert. Eine rückwirkende Verbesserung im Rentenrecht führe schnell zu Mehrausgaben in Milliardenhöhe – und die seien nicht mehr finanzierbar.

Viele sind erst 50

Häufig trifft es Menschen mitten im Leben – aus einer akuten, wird eine chronische Krankheit und sie müssen vorzeitig in den Ruhestand gehen. Im Schnitt sind Erwerbsminderungsrentner erst 50 Jahre alt. Es versteht sich von selbst, dass ihre Rentenansprüche häufig dürftig sind. Nach einer Berechnung der Deutschen Rentenversicherung betrug die durchschnittliche Rente wegen voller Erwerbsminderung 2015 im Westen für Männer bei 763 Euro monatlich, für Frauen bei 729 Euro. Der Deutschen Rentenversicherung zufolge bekommt jeder Siebte nur so Erwerbsminderungsrentner, dass es zum Leben nicht reicht. Diese Gruppe ist somit auf  staatliche Grundsicherung angewiesen.

Erwerbsminderungsrente – eine Rente, die in die Armut führt?

„Nur“ 10,8 Prozent Abschläge

Wer vorzeitig in Rente geht, muss Abschläge von der Rente in Kauf nehmen – das gilt auch für „normale“ Rentner, die zwischen 63 Jahren und der gesetzlichen Altersrente in den Ruhestand gleiten. Für jeden Monat, den ein Beschäftigter früher in Rente geht, muss er einen Abschlag von 0,3 Prozent akzeptieren. Das kann sich im schlechtesten bis auf 14,4 Prozent summieren. Bei Erwerbsgeminderte sind die Abschläge bei 10,8 Prozent gedeckelt. Aber mit Abschlägen gehen fast alle in die Frührente – im Schnitt sind es In 85,20 Euro pro Monat.

Übrigens, wurden laut einer dpa vorliegenden Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken 2016 viele Anträge auf eine Erwerbsminderungsrente abgelehnt. 150 752 von 355 572 erledigten Neuanträgen wurden abgelehnt. Das sind immerhin 42 Prozent. Die durchschnittliche Höhe bei Erwerbsminderungsrenten lag 2015 bei 672 Euro


Und das schrieb Angela Merkel auf einen Brief der Erwerbsgeminderten Elvira Palkowski, die sich als „die ewige Benachteiligte“ betrachtet:

Sehr geehrter Frau Palkowski,
vielen Dank für Ihre Frage, die wir im Auftrag der Bundeskanzlerin beantworten. Es sind unvorhersehbare Ereignisse, die Erwerbsminderung nach sich ziehen. Natürlich hat ein Versicherter nicht selber in der Hand, ob er eines Tages gezwungen ist, vorzeitig aus dem Arbeitsleben auszuscheiden. Passiert das leider doch, hilft in diesem Fall die Erwerbsminderungsrente, das vorher erzielte Einkommen zu ersetzen.
Wer nach einem Unfall oder einer Krankheit nichts mehr an seiner Erwerbssituation ändern kann, ist in besonderem Maße auf die Solidarität der Versichertengemeinschaft angewiesen. Deswegen wurden Rentenansprüche von Erwerbsgeminderten spürbar verbessert. Dafür hat die Bundesregierung mit dem Rentenpaket gesorgt.
So wurde die Zurechnungszeit ab dem 1. Juli 2014 um zwei Jahre vom 60. auf das 62. Lebensjahr angehoben. Wer krank ist, nicht mehr arbeiten kann und in Erwerbsminderungsrente gehen muss, bekommt danach aktuell eine Rente, als hätte er bis zum vollendeten 62. Lebensjahr weitergearbeitet.
Außerdem ist für die Höhe der Erwerbsminderungsrente der bisherige Verdienst entscheidend. Er wird im Durchschnitt für die Zurechnungszeit zugrunde gelegt. Auch hier sind die Regeln seit Juli 2014 spürbar verbessert worden. Seither wird geprüft, ob die letzten vier Jahre bis zum Eintritt der Erwerbsminderung möglicherweise den durchschnittlichen Verdienst negativ beeinflussen – etwa weil bereits Einkommenseinbußen zu verzeichnen waren. Das ist häufig der Fall, da manche Menschen krankheitsbedingt weniger oder gar nicht mehr arbeiten konnten. Mindern die letzten vier Jahre bis zum Eintritt der Erwerbsminderung die Ansprüche, fallen sie künftig aus der Berechnung heraus. Diese sogenannte „Günstigerprüfung“ führt die Deutsche Rentenversicherung durch. Für die Berechnung der Erwerbsminderungsrente zählt immer das Ergebnis, das für den Rentner besser ist.
Abschläge für erwerbsgeminderte Menschen gelten, wenn die Rentenleistung vor der regulären Altersrente beginnt. Sie tragen aber der besonderen Situation der Erwerbsminderung Rechnung und sind auf maximal 10,8 Prozent begrenzt. Für Versicherte, die freiwillig früher in Rente gehen, beträgt der Abschlag maximal 18 Prozent.
Die Grundversorgung garantiert jedem Bürger ein Leben in Würde. Sollten Rentenleistungen nicht ausreichen, ist es möglich, soziale Unterstützung zu beantragen. Jeder hat das Recht, seinen Anspruch auf weitere Hilfen bei der zuständigen Sozialbehörde prüfen zu lassen.
Weitere Informationen in der Broschüre der Deutschen Rentenversicherung: http://www.deutsche-rentenversicherung.de/Allgemein/de/In…
Mit freundlichen Grüßen
Ihr Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

Mehr dazu unter:




Wie hält’s die Politik mit der „sozialen Spaltung“?

Der Sozialverband VdK will die „soziale Spaltung“ in Deutschland stoppen und lädt zu Großveranstaltungen in allen bayerischen Bezirken ein – Auftakt ist am Samstag in Lohr am Main.

Kann überhaupt von „sozialer Spaltung“ die Rede sein? Noch geht es den Rentner vergleichsweise gut in Deutschland – das wird sich jedoch in den kommenden Jahren ändern, wie eine das Deutsche Institut für Wirtschaft (DIW) vorrechnet. Auftraggeber war übrigens die Bertelsmann-Stiftung. Viele, die heute weniger als 2500 Euro brutto verdienen, werden in Zukunft eine Rente auf Hartz-IV-Niveau bekommen. Die Senkung des Rentenniveaus hängt die Rentner von der allgemeinen Lohnentwicklung ab. Wer dazu noch in einer Großstadt wie München lebt, hat schlechte Karten – und wird wohl zur Tafel gehen müssen, um über die Runde zu kommen.

Risiko der Altersarmut

Das Schlimme dabei, den meisten Betroffenen ist das in letzter Konsequenz nicht bewusst. Das Risiko, im Aller arm zu sein, werde in den kommenden 20 Jahren deutlich steigen, so die Studie. Bislang erhalten mehr als 526 000 Menschen hierzulande Grundsicherung im Alter, weil ihre Rente so mickrig ausfällt. Das klingt nach wenig – ihre Zahl hat sich indes seit 2003 verdoppelt. Dazu kommt, dass viele zu stolz sind, Grundsicherung zu beantragen. Die Gruppe der armen Rentner ist also höher als die amtliche Statistik ausweist.

VdK macht mobil

Deswegen macht der VdK mobil und lädt zwei Monate vor der Bundestagswahl innerhalb seiner bundesweiten Kampagne „Soziale Spaltung stoppen!“ zu Großveranstaltungen in ganz Bayern ein. Alle Regierungsbezirke kommen dran. Der Sozialverband lädt prominente Vertreter der im Bundestag vertretenen Parteien auf Podiumsdiskussionen zu allen wichtigen sozialpolitischen Themen wie Rente, Pflege und Armut befragt werden.

Auftakt in Lohr am Main

Auftakt ist am Samstag, 1. Juli, um 10.30 Uhr in der Stadthalle von Lohr am Main (Unterfranken). Verena Bentele, Mitglied des Landesvorstands des VdK Bayern und Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung, und VdK-Landesgeschäftsführer Michael Pausder werden in ihren Reden die Forderungen des größten deutschen Sozialverbands vortragen. Bei der Podiumsdiskussion werden die Bundestagsabgeordneten Alexander Hoffmann (CSU) und Bernd Rützel (SPD) sowie die Bundestagskandidatinnen Manuela Rottmann (Bündnis 90/Die Grünen) und Simone Barrientos (Die Linke) teilnehmen.

Kluft zwischen Arm und Reich

Diskussionsstoff gebe es genug, denn trotz der großen Wirtschaftskraft wächst in Deutschland die Kluft zwischen Arm und Reich. „Ein Kurswechsel für eine sozial gerechte Gesellschaft ist noch lange nicht vollzogen“, erklärt die Chefin des VdKs Ulrike Mascher. „Gerade in einem vermeintlich reichen Land wie Bayern glänzt nicht alles so weiß-blau und makellos, wie es uns die Staatsregierung glauben machen möchte.“

Hofreiter in Germering

Mehrere prominente Politiker haben dem VdK zufolge ihr Kommen zu den Veranstaltungen zugesagt. Der Parlamentarische Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Max Straubinger, ist danach am 14. Juli in Deggendorf zu Gast, der langjährige bayerische SPD-Landesvorsitzende Florian Pronold und der Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag, Anton Hofreiter, sind am 21. Juli in Germering dabei. Der frühere Parteivorsitzende der Linken, Klaus Ernst, nimmt am 19. Juli in Nürnberg und am 29. Juli in Coburg an den Diskussionen teil.

An folgenden Terminen finden die VdK-Großveranstaltungen statt:

Samstag, 1. Juli: Unterfranken, Stadthalle Lohr, Beginn 10.30 Uhr
Freitag, 14. Juli: Niederbayern, Stadthalle Deggendorf, Beginn 15 Uhr
Samstag, 15. Juli: Oberpfalz, Max-Reger-Halle, Weiden, Beginn 11 Uhr
Mittwoch, 19. Juli: Mittelfranken, Meistersingerhalle (kleiner Saal), Nürnberg, Beginn 16 Uhr
Freitag, 21. Juli: Oberbayern, Stadthalle Germering, Beginn 14.30 Uhr
Samstag, 22. Juli: Schwaben, Stadthalle Wemding, Beginn 13 Uhr
Samstag, 29. Juli: Oberfranken, Kongresshaus Rosengarten, Coburg, Beginn 10 Uhr




Wo lebt sich’s am besten als Rentner im Ausland?

Wo lebt sich’s am besten für Rentner im Ausland? In der Frage hilft der Global Age Watch Index weiter. Danach geht es Rentner und Senioren in der Schweiz, in Norwegen, Schweden – und in Deutschland am besten, gefolgt von Kanada, den Niederlanden, Island und Japan. Die USA sind nur auf Platz neun, Großbritannien auf Platz zehn. Am schlechtesten geht es Rentnern in Pakistan, Mozambique und Malawi. Absolutes Schlusslicht ist Afghanistan.

Ok, das ist das eine. Gerade die Schweiz und Norwegen sind geprägt von hohen Lebenshaltungskosten – da kann schon mal der eine oder andere Rentner auf die Idee kommen, mit seiner Rente in günstigere Länder auszuweichen. Das gilt natürlich auch für Deutschland. Klingt ja auch verlockend – gerade im Süden ist es wärmer als in heimischen Gefilden und meist auch billiger. Aber stimmt das wirklich?

Was beim Auswandern ins Ausland zu bedenken ist

Rentner, die allerdings ihre Rente im Ausland genießen will, sollte einiges bedenken, wie gerade der Fall Thailand zeigt. Das Land verlangt von Rentnern, die dort leben wollen einen Nachweis, dass 65 000 Bath monatlich eingehen. Das entspricht aktuell (Stand 23. Juni 2017) 1710 Euro. Problem ist der schwächelnde Euro. Falls diese Entwicklung weitergeht, erhöht sich das schnell auf 1800 Euro. Machen wir uns nichts vor, die Geldvermehr-Arie von Mario Draghi, Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) wird dafür sorgen, dass der Euro gegenüber anderen Währungen an Wert verliert.

Ferner verlangt Thailand für ein Retirement Visa ein Bankguthaben von 800 000 Baht – nach heutigem Stand mehr als 21 000 Euro. „Damit möchte Thailand sicherstellen, dass Rentner den Lebensunterhalt aus eigenen Mitteln bestreiten können und nicht dem thailändischen Staat zur Last fallen“, schreibt Rainer Hellstern in seinem Buch „Rente im Ausland“. Wer mehr über die Voraussetzung wissen will, informiert sich am besten auf den Seiten der thailändischen Botschaft.

Hellsterns Buch ist fast so eine Art Bibel für auswanderungswillige Rentner. Deswegen lohnt sich mehr als nur ein Blick in das 204-Seiten starke Werk, das übrigens von seinem Blog Auswandern-Handbuch begleitet wird. Er geht auf die Gründe ein, warum manche Rentner auswandern wollen. Er dringt bis zu den Feinheiten des deutschen Sozialversicherungsrechts vor und klärt über den Geldtransfer ins Ausland auf. Das gilt auch für Thailand, wie er auch auf seinem Blog schreibt.

Die Rentenzahlung nach Thailand ist ohne Probleme möglich. Die Deutsche Rentenversicherung überweist die monatliche Rente auf das gewünschte Konto in Thailand. Bei der Auslandsüberweisung können allerdings hohe Verluste durch Bankgebühren und Währungsumrechnungen entstehen. Diese gehen immer zulasten des Rentenempfängers und werden nicht von der Rentenversicherung übernommen! Doch es gibt einfache Möglichkeiten mit kleinen Tricks die Bankgebühren zu reduzieren. Mehr zum Thema Rentenzahlung ins Ausland.

Mehr Wunsch als Wirklichkeit

Er warnt auswanderungswilligen Rentnern, sich zu vergegenwärtigen, dass „die Realität nicht immer hält, was die Träume versprachen“. Er rät, sich keinen fremden Menschen anzuvertrauen, weil viele es nur auf das Geld der Rentner abgesehen haben. Vorsicht sei vor allem beim Kauf von Immobilien angebracht.

Was sein Buch besonders lesenswert macht, ist der Länderteil. Hellstern geht auf die USA ein, auf die Schweiz, auf Österreich, Spanien, Frankreich, Thailand, die Türkei, Kambodscha, die Philippinen – und zwar was Lebenshaltungskosten, Klima, Entfernung, Sprache, medizinische Versorgung, Umzug und Visum betrifft

Am Ende des Buch erwähnt er auch die „Pflege im Ausland“: was kostet sie, wer übernimmt die Kosten, wie findet man ein gutes Pflegeheim?

Wie das Beispiel Thailand zeigt, ändern sich die Bestimmungen und Verhältnisse. Deswegen sollten auswanderungswillige Rentner auch in dieses Kapital schauen. Es listet auf sieben Seiten weitere Informationsquellen auf.

Nach der Lektüre des Buchs relativiert sich wahrscheinlich einiges – das ist Hellstern zugute zu halten. Er geht fundiert auf Sonnen- und Schattenseite ein und warnt vor den Tücken. Also unbedingt reinschauen – und dann erst planen.

Vielleicht ist sinnvoll, das Auswandern einfach einmal zu proben und im Süden zu überwintern. Auch dafür hat Hellstein auf seinem Blog einige wertvolle Hinweise und Tipps.

Als Rentner in die Türkei? Na ja, im Moment ist das wohl eher nicht so empfehlenswert. Dazu ein Video von Phoenix – aus Zeiten vor dem Umsturzversuch. Heute sieht die Lage allerdings anders aus.

Die Bundesregierung hat die die Reise- und Sicherheitshinweise für das Land verschärft. So warnte Außenminister Sigmar Gabriel warnte deutsche Unternehmen wegen mangelnder Rechtssicherheit vor Investitionen in der Türkei. Wer etwas Unliebsames sagt oder schreibt, muss fürchten, ins Gefängnis zu wandern. Nicht nur die deutsch-türkische Journalistin Meşale Tolu ist wegen des Verdachts auf „Propaganda für eine terroristischen Organisation“ und „Mitgliedschaft einer terroristischen Vereinigung“ in der Türkei verhaftet worden. Auch der „Welt“-Journalist Deniz Yücel sitzt im Gefängnis. Vor kurzem wurde der deutsche Menschenrechtler Peter Steudtner verhaftet. Dabei wird es nicht bleiben – der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan sieht offensichtlich Deutsche als Geiseln, für die Auslieferung von Türken, die in Deutschland leben. Je mehr er in der Hand hat, desto größer sein Hebel. Es dürfte sich von selbst verstehen, dass die Türkei kein Land für Rentner ist, in das sie auswandern könnten.

Interessant scheint aus Rentensicht auch Neuseeland zu sein, wie Christine Brunner auf ihrem Blog „Kiwifinch“ berichtet. Die Rente ist allerdings vergleichsweise niedrig, dafür aber steuerfreie – und jeder bekommt die „Superannuation“, sprich Grundsicherung, für die niemand Beiträge zahlen muss, weil sie aus den Steuern finanziert werden. Das heißt, es bleibt den Kiwis genug Geld übrig, um fürs Alter vorzusorgen. Allerdings bekommen nur echte Kiwis eine neuseeländische Rente, das heißt, der Rentenbezug ist an gewisse Bedingungen geknüpft wie die neuseeländische Staatsbürgerschaft und ein ausreichend langes Leben vor der Rente in Neuseeland.

Wie wäre es mit Malta?

Interessant erscheint auch Malta. Die Republik Malta („Repubblika ta‘ Malta“) ist 316 Quadratkilometer groß, was in etwa der Fläche des Stadtstaats Bremen entspricht. Auf Malta leben rund 430 000 Menschen. Damit sind die Inseln – Gozo gehört auch dazu – ziemlich dicht bewohnt. Auf Malta wird maltesisch und englisch gesprochen. Malta ist seit 1964 unabhängig, seit 2004 gehört es der Europäischen Union an und seit 2008 ist der Euro offizielles Zahlungsmittel. Die Inselgruppe liegt rund 90 km südlich von Sizilien. Was Malta besonders attraktiv für Ruheständler macht: das Klima. Denn auf den Inseln scheint die Sonne an 320 Tagen im Jahr. Dazu kommt noch die Kultur: Malta hat neun Weltkulturerbe-Stätten. Als Ex-Kron-Kolonie der Briten wird in Malta links gefahren. Es gibt auf Malta gute Busverbindungen und günstige Fährverbindungen zu den Inseln Gozo und Comino. Wer mehr über Einreisebestimmung, Gesundheitssystem und Wirtschaft wissen will, ist am besten auf der Seite von Internationalliving aufgehoben.

Wie wäre es mit der Ukraine?

„Die Ukraine wird für Wirtschaftsflüchtlinge aus Österreich immer attraktiver, also für Pensionisten, die sich eine billigere Heimat suchen müssen“, schreibt die „Wiener Zeitung“. Claudia Aigner hat eine witzige Glosse („Mei private Altersvorsorge is a Flugticket nach Odessa“) zu dem Thema geschrieben, die endet mit: „Die österreichische Bevölkerung wird also doch nicht überaltern. Dafür vermutlich die ukrainische. Und die Rumänen und Bulgaren sollten sich auch schön langsam auf die Flüchtlingswelle vorbereiten. Und anfangen, Altersheime zu bauen. He, hoffentlich werden die Pensionen für Auslandsösterreicher nicht irgendwann an die Lebenshaltungskosten im jeweiligen Gastland angepasst. Wär blöd.“

Simple Pleasures And A Home For $32,000 In Southern Italy„, schreibt International Living. Valerie Fortney Schneider beschreibt ihre Erfahrung mit dem Kauf einer Villa in Süditalien. „Making the decision to transplant ourselves to Italy was easy. Making the move itself was painless. Making ourselves at home was smooth and immediate. We have a feeling of belonging that we’ve not known anywhere else, extraordinarily generous neighbors, and a whole village to greet us with a friendly buongiorno (good morning) when we go for our morning caffe.“ Sie lebt in einem kleinen Weiler in der Provinz Potenza, in der Basilicata. Die Italiener am Ort machen ihre Salsa selbst und ihren Wein, produzieren Feigen und Birnen, Bohnen und Tomaten. Sie zahlte 32 000 Dollar für ihr Haus, eine kleine 300 Jahre alte Casa. Die Lebenshaltungskosten sind vergleichsweise niedrig, so Valerie Fortney Schneider. Umgerechnet einen Dollar für einen Espresso, 60 US-Cent für eine Packung Nudeln und einen Korb voll Gemüse für weniger als fünf Dollar.

Wie wäre es mit Frankreich?

Laut Hellstern ist Frankreich das fünftbeliebteste Zielland für deutsche Rentner. „Savoir vivre“, französische Lebensart ist das Zauberwort. Aber Vorsicht, die Lebenshaltungskosten sind teilweise deutlich höher als hierzulande. Eine Kugel Eis kostet locker mal 2,50 bis drei Euro, wogegen hierzulande die Kugel schon für 1,20 Euro zu haben ist. Wer Bier liebt, ist in Frankreich Fehl am Platz. Ein Weißbier kostet in Toulouse beispielsweise sieben Euro, selbst im vergleichsweise teuren München zahlt ein Biertrinker dafür 3,50 bis vier Euro – als rund die Hälfte. Wer seinen Ruhestand im Nachbarland verbringen will, sollte etwas Geld mitbringen. Was die Kosten für Immobilien betrifft, so kommt es sehr darauf an, wo ein Rentner residieren will – an der Côte d‘Azur kostet eine Wohnung ähnlich viel wie in München. Im Hinterland oder im Süden Richtung Perpignan wird’s dann deutlich billiger. Eine Immobilie in Paris erscheint unerschwinglich, zumindest für Normalverdiener. Paris gilt laut Hellstern als die zweit teuerste Stadt der Welt. Das gilt übrigens auch für die Lebenshaltungskosten. Ein Espresso kann locker mal 4,50 Euro kosten. Auch andere Lebensmittel sind teurer als in Deutschland. Dafür ist allerdings die Auswahl größer. Wer nach Frankreich reist und zurück, muss zudem, so er denn Autobahnen benutzt, Maut zahlen – und die schlägt kräftig zu Buche. Ein Wort zur Sprache: Wer nicht französisch spricht, hat in Frankreich schlechte Karten. „Viele Franzosen sprechen ungern eine andere Sprache als die eigene, selbst wenn sie es könnten“, bemerkt Hellstern treffend. Diese Erfahrung habe ich während meiner Tour de France ebenfalls gemacht. Wer also beabsichtigt, seinen Ruhestand in Frankreich zu verbringen, sollte unbedingt französisch lernen oder seine Schulkenntnisse auffrischen. Die Volkshochschulen bieten ortnah entsprechende Kurse an, beispielsweise die vhs Olching.

Was die medizinische Versorgung betrifft, so verlangt Frankreich einen hohen Eigenanteil. Die Krankenversicherung zahle nur 70 Prozent der Kosten für Arzt- und Zahnartzbehandlung, so Hellstern.

Was die Formalitäten betrifft, so ist laut Hellstern spätestens drei Monate nach dem Umzug eine Anmeldung oder ein Antrittsbesuch im Rathaus in Frankreich nötig. Wer den Termin versäume, müsse ein Bußgeld zahlen. Die Behörden wollen den Reisepass sehen, einen Miet- oder Kaufvertrag und vielleicht die letzte Stromrechnung. Aufenthaltserlaubnis brauchen Deutsche in Frankreich nicht.

Übrigens gibt es in Facebook eine Gruppe „Auswandern nach Frankreich“. Auf der Seite wohin-auswandern erfährt der auswanderungswillige Ruheständler ebenfalls etwas über Frankreich und das Leben dort.

Übrigens International Living hat auch einen Facebook-Account

Finanzen100 hat Rentendomizile untersucht und liefert acht Vorschläge: Dafür hat Finanzen100 Daten zur Lebensqualität und den Lebenshaltungskosten der Vergleichsseite Numbeo ausgewertet. Zu den acht Orten, wo schon tausend Euro pro Monat reichen, gehören:

  • Bursa in der Türkei
  • Mangalore in Indien
  • Prag in Tschechien
  • Kapstadt in Südafrika
  • Riad in Saudi-Arabien
  • Warschau in Polen
  • Monterrey in Mexiko
  • Sofia in Bulgarien

Nützliche Links:




Tag 26 meiner Tour de France

Tag 26 meiner Tour de France – eigentlich wollte ich etwas über den Canal du Midi schreiben und über den Canal de la Garonne. Aber dann drängte sich doch etwas Anderes in den Vordergrund. Alors, ganz langsam. Es geht um Schnecken – Escargots à la Bourguignonne, Schnecken nach Burgunder-Art. Et bien, werden viele sagen, ist ja nichts besonderes in Frankreich. Das Besondere daran, sie fallen mir auf als ich bei Aldi einkaufen. Sie liegen in der Tiefkühltheke und winken mir zu. Ich hätte ja vieles bei Aldi in Frankreich – übrigens Aldi Nord – erwartet, aber nicht Schnecken. 

Schnecken à la Bourguignonne

Warum ich überhaupt bei Aldi einkaufen? Nun, das Hotel Balladins hat kein Restaurant. Ich werde verwiesen auf die Pizza-Bude gegenüber oder den Bäcker nebenan, der auch Quiche bäckt und Sandwichs anbietet. Da Aldi aber genau auf der anderen Straßenseite liegt, gehe ich einkaufen – und somit stoße ich auf die Escargots à la Bourguignonne. Die Auswahl an Wein ist riesig – größer als bei Aldi in Deutschland. Neben den Schnecken warten auch Jakobsmuscheln darauf, gekauft zu werden. Selbst „Radler“ gibt es. Aber weil ich bereits schlechte Erfahrungen gemacht habe mt zusammen gepanschtem Radler, verzichte ich auf eine Wiederholung. Statt dessen nehme ich einen Cidre doux aus der Normandie mit, dazu Sandwiches, ein paar Radieschen, eine Tafel Schokolade und natürlich Mineralwasser – das alles für 12,60 Euro. Die Radieschen sind ein Reinfall, der Cidre super, die Schokolade geht so. Bei Sandwiches lässt sich nicht viel falsch machen. Also statt Restaurant heute mal Selbstverpflegung. 

Écluse – Vokabel des Tages

Noch ein Wort zu meiner französischen Vokabel des Tages: Dieses Mal ist es „écluse“ – die Schleuse. Alle paar Kilometer wartet schon die nächste auf Bootfahrer, die sich anheben oder absenken lassen. Hundert Meter vor der Schleuse hängt über dem Kanal in Seil oder Plastikschlauch herunter, zwischen zwei Pfählen gespannt. Zieht der Kapitän oder die Begleiterin daran, wird die Schleuse freigegeben, so denn nicht gerade ein anderes Schiff in der Schleuse abgefertigt wird. Das kann dauern – aber Bootfahren auf dem Canal du Midi ist ja auch zur Entschleunigung gedacht. 

Irgendwann wird’s langweilig

D’ailleurs – nach was zum Thema Kanal. Es geht flott voran, nur irgendwann wird’s langweilig. Die Landschaft wiederholt sich, die Velo-Piste führt meist schnurgerade am Kanal entlang zwischen Platanen-Alleen. Abwechslung bringen nur die Dörfer, die manchmal den Kanal säumen. Vorteil, ich spule einen Kilometer nach dem anderen herunter – und sammle im Laufe des Tages hundert Kilometer. Übernachte kurz vor Agen. Morgen geht es dann weiter Richtung Bordeaux.   

  

Bonne nuit et à demain!




Wie sich Bore-out im Ruhestand verhindern lässt

Ausstand, Abschied von den Kollegen, Rente – von heute auf morgen ändert sich der gesamte Lebensablauf, die Struktur und die Ablaufmuster, die sich zum größten Teil nach dem Berufsleben richteten, gibt es plötzlich nicht mehr. Stattdessen ist viel Zeit für Reisen, Kinder und Enkelkinder, Haus und Hof. Oft kommt es aber vor, dass frisch gebackene Rentner in eine Art von Bore-out verfallen, anstatt die neu gewonnenen Freiheit zu genießen. Wie lässt sich Bore-out im Ruhestand verhindern?

Aus dem Vorruheständler ist ein Ruheständler geworden, der die Pflichten abgeworfen hat und plötzlich überfordert ist mit der vielen Freizeit. Langeweile und Unlust stellen sich ein. Damit das nicht passiert, braucht jeder Aufgaben und Motivation für den nächsten Lebensabschnitt. Einige Tipps:

Freude auf das, was kommt

Ist der Arbeitsalltag passé, zerbröselt die Tagesstruktur, viele soziale Kontakte lösen sich auf, Sinnfragen drängen sich in den Vordergrund – das Rentnerdasein fühlt sich für manche nicht an wie ein immerwährender Urlaub. Spätestens jetzt gilt es, Erwartungen an den neuen Lebensabschnitt anzupassen, eigentlich sollte dieser Prozess schon früher beginnen. Erst dann stellt sich so etwas wie stilles Glück ein.

Wie sich darauf vorbereiten? Wie wäre es denn, die Arbeitszeit gegen Ende der Karriere etwas zu verringern, neue Hobbys wieder aufzunehmen und sich klar zu machen, dass nur die wenigsten Kollegen Freunde sind. Nur ganz wenige werden nach dem Renteneintritt noch Kontakt halten. Wichtig ist es auch, sich im neu gewonnenen Alltag nicht hängen zu lassen. Auch wer nicht mehr ins Büro fährt und keinen wichtigen Termin mehr wahrnimmt, sollte auf sich und sein Äußeres achten, schon aus Selbstrespekt. Warum sich nicht mal bewusst in Schale werfen, einfach mal so. Als Rentner mit der Mode gehen? Warum nicht! Abseits des Arbeitsalltags in ein elegantes Business-Hemd von traditionsreichen Anbietern wie Walbusch schlüpfen oder sich als Frau ein neues Kleid oder eine schicke Bluse gönnen. Wer sich selbst gefällt, ist seelisch gesünder und glücklicher – und darum geht es doch im Rentenalltag.

Soziale Arbeit als Ausgleich

Oder wie wäre es, der Gesellschaft wieder etwas zurück zu geben – in Form von soziales Engagement? Viele Rentner sind geistig fit und könnten weniger Privilegierten in dieser Gesellschaft helfen. Warum nicht in Form von Nachhilfeunterricht? In Deutschland leben viele Kinder in schwierigen Verhältnissen, die dringend Hilfe brauchen. Andere zu unterstützen ist der Königsweg, dem neuen Lebensabschnitt einen Sinn zu geben. Wer sich sozial engagiert, entgeht der Alterseinsamkeit, hält Körper und Geist fit und tut gleichzeitig Gutes. Auch die Rolle als Großmutter oder -vater kann diesen Effekt hervorrufen.

Alte Hobbys wiederentdecken

Hobbys motivieren und helfen, den Alltag zu strukturieren. Schöner Nebeneffekt: Rentner bleiben körperlich und geistig fit. Wie wäre es denn, schon im Vorruhestand alte Hobbys wieder aufzunehmen oder neue zu entdecken? Weiterbildung ist mehr als ein Zeitvertreib für Bestager, schließlich hilft sie, am Ball zu bleiben. Viele beginnen nach dem Arbeitsalltag noch einmal ein Studium und belegen Fächer, an denen sie schon immer interessiert waren. 2015 ermittelte das Statistische Bundesamt, dass mehr als die Hälfte der Gasthörer an deutschen Universitäten über 60 Jahre alt ist – das sind annähernd 18 000 Senioren. Die Chance, hier Gleichgesinnten zu begegnen und neue Kontakte zu finden, ist groß. Viele Volkshochschulen bieten ein Studium generale an sowie Führungen und Kurse – auch eine Chance, soziale Kontakte zu knüpfen und fit zu bleiben.

 

Bildrechte: Flickr Couple Mysudbury.ca Ouisudbury.ca 



Was Rentner bei der Steuererklärung beachten sollten

Nach den Rentenerhöhung 2016 und 2017 rutschen viele Rentner in die Steuerpflicht – sicher ungewohnt für einige. Viel Papierkram, missverständliche Formulare und die Angst davor, etwas zu vergessen oder einen Fehler zu machen, bleibt weder Jung noch Alt erspart. In vielen Fällen ist die Steuererklärung für Rentner aber gar keine Verpflichtung. Mehr dazu unter welchen Umständen Rentner überhaupt steuerpflichtig sind.

Schon 2016 stiegen die Renten deutlich, im Juli 2017 werden sie noch einmal um 3,59 Prozent im Osten und 1,9 Prozent im Westen angehoben. Wer seit 2005 eine gesetzliche Rentenversicherung bezieht, muss sich möglicherweise versteuern – kommt eben auf die Höhe an – und nicht nur das, wer neben einer gesetzlichen Rente andere Renten bezieht oder andere Formen von Einkünften, kann schnell steuerpflichtig werden.

Wann entsteht eine Steuerpflicht für Rentner?

Selbst wer nur gesetzliche Rente bezieht oder Pension, kann einkommensteuerpflichtig werden. Hierbei greift das sogenannte Kohortenprinzip.

  • Erster maßgeblicher Faktor für eine Besteuerung ist der allgemeine Freibetrag der Einkommensteuer – wer Einkünfte in Summe über den Freibetrag bezieht, ist potenziell steuerpflichtig. Für Ehepaare, die zusammen veranlagt werden, gilt wie sonst auch der doppelte Freibetrag.
  • Zweiter maßgeblicher Faktor ist der sogenannte Besteuerungsanteil der gesetzlichen Rente. Hierbei wird ermittelt, zu welchem Teil die gesetzliche Rente steuerpflichtig ist. Dafür sind beispielsweise das Renteneintrittsalter sowie die Höhe der ersten Rentenzahlung relevant. Auf diesen Besteuerungsanteil wird dann unter Umständen die Einkommensteuer erhoben.
  • Damit nicht genug, der Fiskus langt auch zu, wenn weitere Renten und Einkünfte dazu kommen. Rürup- und Riesterrenten, die nach dem 31. Dezember 2004 abgeschlossen wurden, sind beispielsweise steuerpflichtig. Gleiches gilt für den Ertragsanteil anderer privater Rentenversicherungen.
  • Einkünfte aus Gewerbebetrieb, Vermietung und Verpachtung beispielsweise sowie freiberuflicher Tätigkeit unterliegen ebenfalls der Steuer. Wer Verluste verbucht, macht sie natürlich in seiner Steuererklärung geltend.

Wie ist das mit dem Besteuerungsanteil?

Jahr des Vorgesehener steuerfreier 
RentenbeginnsBesteuerungsanteil*Beitragsanteil
20055050
20065250.41
20075450.87
20085651.4
20095851.98
20106052.59
20116253.25
20126453.96
20136654.7
20146855.46
20157056.28
20167257.17
20177458.01
20187658.95
20197859.95
20208061
20218162.09
20228263.37
20238364.52
20248465.83
20258567.2
20268668.62
20278770.04
20288871.43
20298972.8
20309074.15
20319175.49
20329276.79
20339378.04
20349479.25
20359580.43
20369681.57
20379782.67
20389883.74
20399984.78
204010085.82

Das gilt für einen Standardrentner mit 45 Beitragsjahre mit dem jeweiligen Durchschnittsverdienst; *laut Alterseinkünftegesetz;  Näheres dazu, vor allem zum steuerfreien Beitragsanteil und zum steuerpflichtigen Mehranteil wird genau erklärt in der Studie zur Doppelbesteuerung von Neurentnern der Versicherungsberater-Gesellschaft

Wie ist das mit Zinsen?

Zinsen, Dividenden, Kursgewinne – wie sieht es damit aus? Wer beispielsweise Aktien besitzt und Dividenden bekommt und Kursgewinnen verbucht, kann sich – zwar nicht entspannt – zurücklehnen, denn Vater Staat zieht automatisch die Abgeltungssteuer ab plus Solidaritätszuschlag – und seit Januar 2015 auch Kirchensteuer. Das macht 25 Prozent plus 1,375 Prozent. Der „Soli“ beträgt 5,5 Prozent von der Abgeltungssteuer, deswegen diese krumme Prozentzahl. Das heißt, insgesamt werden Dividenden und Kursgewinne mit 26,375 Prozent besteuert – ohne Kirchensteuer.

Was ist mit anderen Kapitaleinkünften? Sie unterliegen der Einkommensteuer. Und was ist das? Ja, nun beispielsweise geht es dabei um den Ertragsanteil privater Rentenversicherungen. Unterliegen die Kapitaleinkünfte der Abgeltungsteuer, ist keine gesonderte Einkommensteuer verpflichtend, wenn sonst keine Pflicht vorliegt. Hier kann es sich aber lohnen, freiwillig eine Steuererklärung einzureichen. Insbesondere dann, wenn kein Freibetrag auf Kapitaleinkommen geltend gemacht wurde. Der entsprechende Steueranteil kann über die Steuererklärung zurückgefordert werden.

Wann ist eine Steuererklärung Pflicht?

Eine Steuerklärung muss damit in folgenden Fällen eingereicht werden:

  • Der Besteuerungsanteil der gesetzlichen Rente oder Pension liegt oberhalb des allgemeinen Freibetrags der Einkommensteuer.
  • Weitere Einkünfte aus Gewerbebetrieb beispielsweise oder Vermietung und Verpachtung werden bezogen.
  • Betriebliche oder private Renten werden zusätzlich bezogen.
  • Im Vorjahr wurde ein Verlust geltend gemacht.
  • Freiwillig: Abgeltungsteuerpflichtige Kapitaleinkünfte wurden bezogen und kein Sparerfreibetrag in Anspruch genommen.

Der Einzelfall zählt

Ganz schön kompliziert – wer soll da noch durchblicken? Pauschal lässt sich nicht sagen, ob ein Rentner steuerpflichtig ist oder nicht, deswegen ist es in vielen Fällen durchaus empfehlenswert, einen Steuerberater zu befragen. Auch der Fall, ab wann sich eine freiwillige Steuererklärung lohnt, ist nicht pauschal zu beantworten. Insbesondere für Rentner ergeben sich eine Reihe von Abzugsmöglichkeiten wie beispielsweise Versorgungsaufwendungen, die das steuerpflichtige Einkommen schmälern und gegebenenfalls unter den Freibetrag drücken. Besonderheiten können sich zudem für Rentner ergeben, die im Ausland leben und Rente aus dem Inland beziehen. In vielen Fällen besteht eine Pflicht zur Abgabe einer Steuererklärung an ein deutsches Finanzamt.

 




Wie pensionierte Beamte einen Kredit bekommen können?

Als Pensionär einen Kredit aufnehmen? Nur, wenn es sein muss. Dieser Grundsatz gilt eben gerade für Pensionäre und Rentner, schließlich bleibt ihnen nicht mehr ganz so viel Zeit, um die Schulden abzutragen – anders als den Jungen. Leider kann es im Alter zu Situationen kommen, in denen wichtige Anschaffungen oder notwendige Ausgaben das vorgesehene Haushaltsbudget übersteigen. Wer auf sein Auto angewiesen ist, kommt in die Bredouille, wenn es streikt und repariert werden muss und die Rücklagen aufgebraucht sind. Ähnliches gilt bei einem Umzug, weil die alte Wohnung gekündigt wurde.

Kredit mit 60plus ein Problem

Es kann allerdings auch Immobilienbesitzer treffen, die ihr Dach erneuern müssen oder die Heizungsanlage, weil beides in die Jahre gekommen ist – und da geht es meist um viele Tausend Euro. Gut, wer ein finanzielles Polster hat. Wer keines hat oder ein zu kleines, muss wohl oder übel einen Kredit für seine Immobilie aufnehmen. Was in jungen Jahren kein Problem ist, kann jedoch eines werden im fortgeschrittenen Alter – mit 60 oder gar 65 Jahren.

Im Alter ein Kreditrisiko?

Selbst pensionierte Beamte bekommen – meist zum ersten Mal in ihrem Leben – mit, was es heißt, ein Kreditrisiko zu sein. Auch, wenn es Banken und Sparkassen nicht offen zugeben, zweifeln sie doch an der Rückzahlung des gewährten Kredits, obwohl Pensionäre im Schnitt über 2600 Euro verfügen, im Schnitt wohlgemerkt.

Bei Ratenkrediten mag das vielleicht kein Problem sein, anders sieht es bei Immobilienkrediten aus. Seit März gilt die Wohnimmobilienkreditrichtlinie mit ihren erhöhten Anforderungen, die der Überschuldung der Kreditnehmer vorbeugen soll – und das gilt eben besonders für ältere Kunden, ob Pensionär oder Rentner. Die Leistungsfähigkeit der Kunden wird von den Kreditinstituten abgeklopft. Natürlich will keine Sparkasse oder Bank zugeben, dass es harte Altersgrenzen für die Kreditvergaben gibt. Viele Hausbanken bewilligen schon mit 65 Jahren keinen Kredit mehr – wer gar älter ist, hat ganz schlechte Karten.

Vorsicht vor Restschuldversicherung

Selbst wenn sich eine Bank auf Kredite für Pensionäre einlässt, fordert sie nicht selten eine Restschuldversicherung, die wird aber mit zunehmendem Alter wegen ihrer Höhe zum Problem.

Der langen Rede kurzer Sinn, wer als pensionierter Beamter ein Darlehen aufnehmen will, sollte sich umsehen, vergleichen und sich kompetent beraten lassen. Nur so findet er den passenden Kredit, der zu ihm passt. Übrigens gilt das auch für Rentner, die einen Kredit aufnehmen wollen.




Bestandsaufnahme vor der Rente in punkto Ausgaben und Einnahmen

Eine Bestandsaufnahme vor der Rente? Ja, vor der Rente! Wer schon in Rente ist, für den ist es meist zu spät, weil er nicht mehr reagieren kann. Was sich so selbstverständlich anhört, ist leider nicht selbstverständlich. „Erschreckend – die meisten Deutschen haben keine Ahnung von der gesetzlichen Rente; weder von den steuerlichen Modalitäten, von den Beiträge zur Sozialversicherung noch von der wirklichen Rentenhöhe“, schreibt das Vergleichsportal Biallo. Leider haben viele auch keine Ahnung, wie viele Einnahmen sie im Rentenalter insgesamt haben werden. In punkto Ausgaben dürfte es ähnlich sein. Biallo spricht davon, dass „Deutsche im Tal der Ahnungslosen“ leben – nicht alle, wohlgemerkt, aber leider immer noch viel zu viele.

Erst, wenn sie in Rente sind, geht ihnen ein Licht auf, aber da ist es meist zu spät. Das mag herzlos klingen, beschreibt freilich die Wirklichkeit. Wer jetzt 50 Jahre alt ist – oder vielleicht etwas älter, kann noch am Rad drehen, für die über 60-Jährigen ist es aber bereits zu spät.

Zuerst ein Kassensturz

Deswegen ist es höchste Zeit, Kassensturz zu machen, sprich sich einen Überblick über die finanzielle Situation zu verschaffen. Es braucht eine Bestandsaufnahme des Gesamtvermögens, einschließlich der zu erwartenden regelmäßigen Einkünfte im Alter. Die Einnahmen bestimmen die Ausgaben, denn im Alter wird es schwierig bis unmöglich, einen Kredit aufzunehmen. Übrigens, gilt das nicht nur für Rentner, sondern auch für viele, die ihren Job verloren haben und noch keine neue Arbeit gefunden haben, sprich, auch für Arbeitslose ist es schwierig, einen Kredit zu bekommen, allerdings nicht unmöglich.

Was die Einnahmen betrifft, so hat ein durchschnittlicher Rentnerhaushalt laut Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) von 2013 (das sind die aktuellsten Zahlen) des Statistischen Bundesamts genau brutto 2438 Euro, wovon netto nach Abzug von Sozialversicherung und Steuern noch 2206 Euro übrig bleiben; Pensionärshaushalte haben 5173 Euro brutto und 4 404 netto. Wer nur Rente bezieht, kommt im Schnitt auf 1470 Euro – und da wird’s schon eng. Das sind, wohlgemerkt, Durchschnittswerte, denn viele Rentner bekommen deutlich weniger als diesen Betrag.

Bestandsaufnahme vor der Rente

Soviel zur Ausgangssituation. Wie geht’s nun weiter? Tom Fries und Michael Huber haben das in ihrem Buch „Finanzcoach für den Ruhestand“ detailliert beschrieben: Wer sich dran macht, eine Ausgaben/Einnahmen-Bilanz zu ziehen, sollte, so ihr Rat, erst einmal alle Unterlagen zusammensuchen. Zu den wichtigen Unterlagen gehören beispielsweise die Rentenauskunft, Kontoauszüge und die Steuererklärung.

Die notwendigen Unterlagen für die Bestandsaufnahme:

  • Konto- und Depotauszüge
  • Mieteinnahmen
  • Lebensversicherungspolicen
  • Belege zu geschlossenen Fonds und Beteiligungen
  • Schulden und andere Verbindlichkeiten
  • Rentenauskünfte
  • betriebliche Altersvorsorge
  • letzte Steuererklärung/Steuerbescheid
  • Erbanwartschaften
  • Ehevertrag und andere Verträge

Quelle: „Finanzcoach für den Ruhestand“, Tom Fries, Michael Huber

Das ist etwas Mühe, aber es lohnt sich, alles einmal zusammenzutragen. Das war die Vorarbeit, jetzt geht an die Bilanz von Ausgaben und Einnahmen. Und auch da hilft das Buch von Fries und Huber weiter.

Die Ausgaben

Zuerst die Ausgaben:

 Höhe in der Rente/Pension
Lebenshaltung
Haushalt
Kleidung
Freizeit/Hobbys
Gesundheit
Wohnen
Miete oder Unterhalt
Nebenkosten
Telefon/Internet
Radio
Verkehr
Auto
sonstige Fahrzeuge
öffentlicher Verkehr
Versicherungen
Kapitalleben
Krankenversicherung
sonstige Versicherung
Darlehen/Kredite
Zinsen
Tilgung
Sonstiges
Ersatzanschaffungen
Reparaturen
Ferien, Reisen
Unterstützungen
Summe

Wohnen, Energie und Nahrungsmittel dürften die größte Posten sein, der Posten Freizeit sollte indes nicht unterschätzt werden, denn Rentner haben mehr Zeit für Reisen. Auch wer im eigenen Haus oder in der eigenen Wohnung lebt, muss vielleicht für Verwalter oder Hausmeister zahlen, dazu kommen Grundsteuer und sonstige kommunale Abgaben wie Müllabfuhr und Umlagen. Die monatlichen Ausgaben eines Rentnerhaushalts lagen 2013 übrigens statistisch bei 1973 Euro. Mittlerweile dürfte diese Zahl jedoch überholt sein – und deutlich höher liegen. Was sicher zunehmen wird, sind die Ausgaben für Reisen und Gesundheit. Dafür fallen andere Kosten weg wie die Unterstützung der Kinder vielleicht. Jetzt zu den Einnahmen.

Klar, bei vielen ist es die gesetzliche Rente. Die Standardrente für jemand, der 45 Jahre den Durchschnittssatz gezahlt hat, lag Mitte 2016 bei 1370 Euro im Westen und 1290 Euro im Osten. Das Netto-Rentenniveau ist mittlerweile auf 47,9 Prozent der Netto-Gehälter gesunken – und sinkt aber bis 2030 auf 43 Prozent. Da die Standardrente so gut wie niemand erreicht, ist die Durchschnittsrente viel interessanter: Sie liegt mit 980 Euro für Männer im Westen und 952 Euro im Osten und für Frauen bei 485 Euro im Westen und 838 Euro im Osten. Das heißt, manche Renten liegen sogar unter dem Grundsicherungsniveau, das bei 721 Euro liegt, wobei die Rentenversicherung empfiehlt, prüfen zu lassen, wenn das gesamte monatliches Einkommen durchschnittlich unter 773 Euro liegt, ob ein Rentner Anspruch auf Grundsicherung hat. Gut wer vorgesorgt hat, hoffentlich betrieblich und am besten noch privat.

So, jetzt zur Einnahmensübersicht …

Die Einnahmen

 Höhe in der Rente/Pension
aus Renten.....
gesetzlich
betrieblich
privat
sonstige
aus Immobilien.....
Mieteinnahmen
- Instandhaltung
- Betriebs/Verwaltungskosten
aus übrigen Vermögen.....
Zinsen/Dividenden
Ausschüttungen......
Sonstiges
Summe....

Quelle: „Finanzcoach für den Ruhestand“, Tom Friess, Michael Huber

Überschuss oder Lücke?

Wer die beiden Tabellen gewissenhaft und ehrlich ausgefüllt hat, stellt schnell fest, dass er vermutlich eine Lücke hat – Glückwunsch, wenn’s anders ist. Dabei ist die Inflation noch gar nicht berücksichtigt.

Inflation

Die Inflation lag im 60-Jahresschnitt bei 2,7 Prozent. Gut, so hoch wird sie so schnell nicht wieder werden, aber mit zwei Prozent müssen Vorruheständler schon rechnen. Tom Friess und Michael Huber haben ausgerechnet, was das macht: „Für Dinge, die heute 50 000 Euro kosten, müssen bei einer jährlichen Inflation von nur zwei Prozent nach zehn Jahren 60 900 Euro bezahlt werden“.

Konsequenzen:

Wer feststellt, dass er eine Versorgungslücke im Alter hat, muss entweder vorher noch richtig Gas geben oder sich im Alter einschränken. Das mit dem Gas geben dürfte schwierig werden, deswegen bleibt wohl nur sparen. Was sich alles einsparen und optimieren lässt, davon in einem der nächsten Beiträge.

Einnahmen-Überschuss-Rechnung per Haushaltsbuch

Übrigens, mit der einmaligen Bilanz ist es nicht getan: Wer seine Finanzen in den Griff bekommen will, kommt nicht umhin, regelmäßig ein Haushaltsbuch zu führen – das funktioniert offline und online, offline in Form einer Kladde oder eines linierten Notizbüchleins oder mit einem Programm, wie es beispielsweise die Verbraucherzentrale anbietet oder als Formular zum Herrunterladen von der Sparkassen-Seite – das geht natürlich auch mit Excel, wie wird im Video erklärt.

Das moderne Haushaltsbuch per Excel – ein Erklär-Video

Weiterführende Links:

 




Wie gerecht geht es in Deutschland zu?

Wie gerecht geht es in Deutschland wirklich zu –  vor allem in punkto Rente? Acht Jahre im Bundestag bringen 1816 Euro Pension. Dafür muss ein Angestellter mit überdurchschnittlichem Gehalt weit mehr als 40 Jahre in die Rentenkasse einzahlen. Geringverdiener erwartet Altersarmut. Ist das gerecht?

Fußball-Europa-Meisterschaft und Brexit haben das Thema Rente und Rentengerechtigkeit in den Hintergrund gedrängt. Deswegen sei wieder daran erinnert. Im Juli erwartet die Rentner zwar die größte Rentenerhöhung seit 23 Jahren, für viele ist das jedoch nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Denn schon heute sind weit mehr als eine halbe Millionen Rentner in der Grundsicherung – es werden noch mehr werden, denn das Rentenniveau sinkt weiter. Wenn es kommt wie geplant, dann fällt das Rentenniveau langfristig auf 43 Prozent. Das heißt, Millionen Rentner werden dann am Existenzminimum leben – oder darunter.

Gleichzeitig wollen die Politiker die Pensionen der Beamten und ihre eigenen Altersbezüge unangetastet lassen. Ist das gerecht?

Mein Chef bei FOCUS-MONEY, Frank Pöpsel, hat sich mal die Mühe gemacht, Abgeordnetenpensionen und Renten konkret zu vergleichen – und mich als Beleg genommen. Hier ein Auszug aus seinem Editorial:

Pro Jahr Mitgliedschaft im Bundestag erwirbt ein Abgeordneter einen Pensionsanspruch auf 2,5 Prozent der Abgeordnetenentschädigung. Wenn Sie (und damit meint er den SPD-Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel) oder einer Ihrer Kollegen also zwei vierjährige Legislaturperioden im Bundestag sitzen, erhalten Sie 0,025 mal 8 mal 9082 Euro = 1816,40 Euro Pension.
Mein Kollege Helmut Achatz, der im kommenden Jahr in Rente geht, schreibt auf seinem Blog www.vorunruhestand.de, dass er nach 42 Beitragsjahren gerade mal auf eine Rente von 1900 Euro kommt. Können Sie verstehen, dass er das ungerecht findet? Herr Achatz muss übrigens einen gehörigen Abschlag auf seine Rente hinnehmen, weil er bereits mit 63 in den Ruhestand geht. Abgeordnete können teilweise schon mit 56 in Rente gehen – und das bei vollen Ruhestandsbezügen.
Nebentätigkeiten müsste sich Kollege Achatz genehmigen lassen, und sie wären, wenn überhaupt, nur in sehr geringem Umfang möglich. Bei Bundestagsabgeordneten ist das anders. Laut dem Online-Portal abgeordnetenwatch.de haben 156 der 631 Volksvertreter (24,7 Prozent) in dieser Legislaturperiode mindestens eine bezahlte Nebentätigkeit. Bereits in den ersten zwei Jahren dieser Legislaturperiode haben sie mindestens 11,6 Millionen Euro zusätzlich zu ihren Diäten kassiert. Herr Gabriel, können Sie verstehen, dass die Bürger auch von den Abgeordneten vollen Einsatz erwarten?
Jeder Bundestagsabgeordnete erhält neben seinem Gehalt eine steuerfreie Kostenpauschale in Höhe von monatlich 4305,46 Euro. Sie dient etwa dazu, das Abgeordnetenbüro im Wahlkreis, die Miete für die Zweitwohnung in Berlin oder Repräsentationsaufgaben zu finanzieren. Nachweisen müssen Abgeordnete diese Kosten nicht. Anders die Arbeitnehmer: Jeder von uns muss beim Finanzamt seine Werbungskosten penibelst nachweisen. Können Sie verstehen, dass wir das ungerecht finden?

Übrigens, die Ungerechtigkeit besteht ja nicht nur zwischen Abgeordneten und Rentner, sondern auch zwischen Beamten und Rentnern. Das Pensionsniveau liegt zwischen 72,2 und 72,6 Prozent. Davon können Rentner nur träumen. Diese Ungerechtigkeit schreit zum Himmel, aber niemand scheint sich sonderlich daran zu stören. Rentner können auch nicht davon ausgehen, dass ihre Volksvertreter so schnell etwas daran ändern, sind sie doch in der Mehrzahl Beamte – Lehrer, Amtsmänner, Inspektoren. Klar, sie werden kaum den Ast absägen, auf dem sie sitzen.

Wer kann an dieser Schieflage etwas ändern?


Auf money.de werden die Themen Euro, Niedrigzins, EU und Papiergeld von Experten in Videos analysiert. Es lohnt sich, hinein zu klicken.

Weiterführende Links: