Um wie viel die Erwerbsminderungsrente ab 2018 steigt

Die Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles bastelt schon eine ganze Weile an der Verbesserung für Erwerbsminderungsrentner. Offensichtlich darf es nicht mehr so viel kosten wie geplant – die Mehrausgaben sinken von drei Milliarden Euro auf eineinhalb Milliarden Euro. Und was kommt für die Betroffenen heraus? Der Linken-Rentenexperte Matthias Birkwald hat es für das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) einmal ausgerechnet: „2018 liegt das Plus bei gerade einmal 4,50 Euro im Monat, 2025 sind es 50 Euro.“ Die Zurechnungszeit, wie das so schön heißt, wird dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales auch nicht am 1. Januar 2018 mit einem Schlag von 62 auf 65 Jahre erhöht, sondern stufenweise – 2018 kommen zu den 62 Jahren drei Monate dazu, 2019 sechs Monate, 2020 dann zwölf Monate, 2021 schließlich 18 Monate, 2022 dann 24 Monate, 2023 letztlich 30 Monate.

Die große Mehrheit der künftig kranken Rentner werde weiter auf Grundsicherung angewiesen sein. Wie und wo Erwerbsminderungsrentner Wohngeld und Grundsicherung beantragen, schildert ausführlich die Facebook-Gruppe „Schwerbehinderte, Rente, EM Rente“. Wer allerdings Grundsicherung beantragt, muss sich bei den Behörden in punkto Finanzen nackt ausziehen.

Gesetz erst ab 2018

Kern des Gesetzes ist: Künftige Rentner mit Erwerbsminderung sollen bessergestellt werden, ihre Renten sollen so berechnet werden, als ob sie bis 65 Jahre gearbeitet hätten, nicht wie heute bis 62. Das Gesetz soll allerdings erst ab 2018 greifen. Dumm, wer heute schon eine Erwerbsminderungsrente bezieht – sie schauen in die Röhre. Nach Schätzungen beziehen zurzeit etwa 1,8 Millionen Menschen eine Erwerbsminderungsrente. Jedes Jahr kommen schätzungsweise 170 000 neu hinzu. Die Zurechnungszeit wurde mit dem Rentenpaket 2014 vom 60. auf das 62. Lebensjahr angehoben. Damals wurde von der Bundesregierung auch beschlossen, beim Berechnen der Zurechnungszeit seit 1. Juli 2014 die letzten vier Jahre vor der Erwerbsminderung außen vor zu lassen, falls der Verdienst – eben wegen der nur eingeschränkten Arbeitsfähigkeit – bereits geringer ausgefallen war. Diese Regelung half den Erwerbsgeminderten, die ab 2014 eine entsprechende Rente bezogen.

Nur Neu-Rentner profitieren

Auch dieses Mal profitieren wieder nur die Neu-Rentner von der Neuregelung. Nahles sieht zumindest, dass die bisherigen Erwerbsminderungsrentner die Ausgeschmierten sind, was sie bedauert. Eine rückwirkende Verbesserung im Rentenrecht führe schnell zu Mehrausgaben in Milliardenhöhe – und die seien nicht mehr finanzierbar.

Viele sind erst 50

Häufig trifft es Menschen mitten im Leben – aus einer akuten, wird eine chronische Krankheit und sie müssen vorzeitig in den Ruhestand gehen. Im Schnitt sind Erwerbsminderungsrentner erst 50 Jahre alt. Es versteht sich von selbst, dass ihre Rentenansprüche häufig dürftig sind. Nach einer Berechnung der Deutschen Rentenversicherung betrug die durchschnittliche Rente wegen voller Erwerbsminderung 2015 im Westen für Männer bei 763 Euro monatlich, für Frauen bei 729 Euro. Der Deutschen Rentenversicherung zufolge bekommt jeder Siebte nur so Erwerbsminderungsrentner, dass es zum Leben nicht reicht. Diese Gruppe ist somit auf  staatliche Grundsicherung angewiesen.

Erwerbsminderungsrente – eine Rente, die in die Armut führt? Erklär-Video vom VdK

https://www.youtube.com/watch?v=NdliBzcLi2A

„Nur“ 10,8 Prozent Abschläge

Wer vorzeitig in Rente geht, muss Abschläge von der Rente in Kauf nehmen – das gilt auch für „normale“ Rentner, die zwischen 63 Jahren und der gesetzlichen Altersrente in den Ruhestand gleiten. Für jeden Monat, den ein Beschäftigter früher in Rente geht, muss er einen Abschlag von 0,3 Prozent akzeptieren. Das kann sich im schlechtesten bis auf 14,4 Prozent summieren. Bei Erwerbsgeminderte sind die Abschläge bei 10,8 Prozent gedeckelt. Aber mit Abschlägen gehen fast alle in die Frührente – im Schnitt sind es In 85,20 Euro pro Monat.


Und das schrieb Angela Merkel auf einen Brief der Erwerbsgeminderten Elvira Palkowski, die sich als „die ewige Benachteiligte“ betrachtet:

Sehr geehrter Frau Palkowski,
vielen Dank für Ihre Frage, die wir im Auftrag der Bundeskanzlerin beantworten. Es sind unvorhersehbare Ereignisse, die Erwerbsminderung nach sich ziehen. Natürlich hat ein Versicherter nicht selber in der Hand, ob er eines Tages gezwungen ist, vorzeitig aus dem Arbeitsleben auszuscheiden. Passiert das leider doch, hilft in diesem Fall die Erwerbsminderungsrente, das vorher erzielte Einkommen zu ersetzen.
Wer nach einem Unfall oder einer Krankheit nichts mehr an seiner Erwerbssituation ändern kann, ist in besonderem Maße auf die Solidarität der Versichertengemeinschaft angewiesen. Deswegen wurden Rentenansprüche von Erwerbsgeminderten spürbar verbessert. Dafür hat die Bundesregierung mit dem Rentenpaket gesorgt.
So wurde die Zurechnungszeit ab dem 1. Juli 2014 um zwei Jahre vom 60. auf das 62. Lebensjahr angehoben. Wer krank ist, nicht mehr arbeiten kann und in Erwerbsminderungsrente gehen muss, bekommt danach aktuell eine Rente, als hätte er bis zum vollendeten 62. Lebensjahr weitergearbeitet.
Außerdem ist für die Höhe der Erwerbsminderungsrente der bisherige Verdienst entscheidend. Er wird im Durchschnitt für die Zurechnungszeit zugrunde gelegt. Auch hier sind die Regeln seit Juli 2014 spürbar verbessert worden. Seither wird geprüft, ob die letzten vier Jahre bis zum Eintritt der Erwerbsminderung möglicherweise den durchschnittlichen Verdienst negativ beeinflussen – etwa weil bereits Einkommenseinbußen zu verzeichnen waren. Das ist häufig der Fall, da manche Menschen krankheitsbedingt weniger oder gar nicht mehr arbeiten konnten. Mindern die letzten vier Jahre bis zum Eintritt der Erwerbsminderung die Ansprüche, fallen sie künftig aus der Berechnung heraus. Diese sogenannte „Günstigerprüfung“ führt die Deutsche Rentenversicherung durch. Für die Berechnung der Erwerbsminderungsrente zählt immer das Ergebnis, das für den Rentner besser ist.
Abschläge für erwerbsgeminderte Menschen gelten, wenn die Rentenleistung vor der regulären Altersrente beginnt. Sie tragen aber der besonderen Situation der Erwerbsminderung Rechnung und sind auf maximal 10,8 Prozent begrenzt. Für Versicherte, die freiwillig früher in Rente gehen, beträgt der Abschlag maximal 18 Prozent.
Die Grundversorgung garantiert jedem Bürger ein Leben in Würde. Sollten Rentenleistungen nicht ausreichen, ist es möglich, soziale Unterstützung zu beantragen. Jeder hat das Recht, seinen Anspruch auf weitere Hilfen bei der zuständigen Sozialbehörde prüfen zu lassen.
Weitere Informationen in der Broschüre der Deutschen Rentenversicherung: http://www.deutsche-rentenversicherung.de/Allgemein/de/In…
Mit freundlichen Grüßen
Ihr Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

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Wie pensionierte Beamte einen Kredit bekommen können?

Als Pensionär einen Kredit aufnehmen? Nur, wenn es sein muss. Dieser Grundsatz gilt eben gerade für Pensionäre und Rentner, schließlich bleibt ihnen nicht mehr ganz so viel Zeit, um die Schulden abzutragen – anders als den Jungen. Leider kann es im Alter zu Situationen kommen, in denen wichtige Anschaffungen oder notwendige Ausgaben das vorgesehene Haushaltsbudget übersteigen. Wer auf sein Auto angewiesen ist, kommt in die Bredouille, wenn es streikt und repariert werden muss und die Rücklagen aufgebraucht sind. Ähnliches gilt bei einem Umzug, weil die alte Wohnung gekündigt wurde.

Kredit mit 60plus ein Problem

Es kann allerdings auch Immobilienbesitzer treffen, die ihr Dach erneuern müssen oder die Heizungsanlage, weil beides in die Jahre gekommen ist – und da geht es meist um viele Tausend Euro. Gut, wer ein finanzielles Polster hat. Wer keines hat oder ein zu kleines, muss wohl oder übel einen Kredit für seine Immobilie aufnehmen. Was in jungen Jahren kein Problem ist, kann jedoch eines werden im fortgeschrittenen Alter – mit 60 oder gar 65 Jahren.

Im Alter ein Kreditrisiko?

Selbst pensionierte Beamte bekommen – meist zum ersten Mal in ihrem Leben – mit, was es heißt, ein Kreditrisiko zu sein. Auch, wenn es Banken und Sparkassen nicht offen zugeben, zweifeln sie doch an der Rückzahlung des gewährten Kredits, obwohl Pensionäre im Schnitt über 2600 Euro verfügen, im Schnitt wohlgemerkt.

Bei Ratenkrediten mag das vielleicht kein Problem sein, anders sieht es bei Immobilienkrediten aus. Seit März gilt die Wohnimmobilienkreditrichtlinie mit ihren erhöhten Anforderungen, die der Überschuldung der Kreditnehmer vorbeugen soll – und das gilt eben besonders für ältere Kunden, ob Pensionär oder Rentner. Die Leistungsfähigkeit der Kunden wird von den Kreditinstituten abgeklopft. Natürlich will keine Sparkasse oder Bank zugeben, dass es harte Altersgrenzen für die Kreditvergaben gibt. Viele Hausbanken bewilligen schon mit 65 Jahren keinen Kredit mehr – wer gar älter ist, hat ganz schlechte Karten.

Vorsicht vor Restschuldversicherung

Selbst wenn sich eine Bank auf Kredite für Pensionäre einlässt, fordert sie nicht selten eine Restschuldversicherung, die wird aber mit zunehmendem Alter wegen ihrer Höhe zum Problem.

Der langen Rede kurzer Sinn, wer als pensionierter Beamter ein Darlehen aufnehmen will, sollte sich umsehen, vergleichen und sich kompetent beraten lassen. Nur so findet er den passenden Kredit, der zu ihm passt. Übrigens gilt das auch für Rentner, die einen Kredit aufnehmen wollen.




Bestandsaufnahme vor der Rente in punkto Ausgaben und Einnahmen

Eine Bestandsaufnahme vor der Rente? Ja, vor der Rente! Wer schon in Rente ist, für den ist es meist zu spät, weil er nicht mehr reagieren kann. Was sich so selbstverständlich anhört, ist leider nicht selbstverständlich. „Erschreckend – die meisten Deutschen haben keine Ahnung von der gesetzlichen Rente; weder von den steuerlichen Modalitäten, von den Beiträge zur Sozialversicherung noch von der wirklichen Rentenhöhe“, schreibt das Vergleichsportal Biallo. Leider haben viele auch keine Ahnung, wie viele Einnahmen sie im Rentenalter insgesamt haben werden. In punkto Ausgaben dürfte es ähnlich sein. Biallo spricht davon, dass „Deutsche im Tal der Ahnungslosen“ leben – nicht alle, wohlgemerkt, aber leider immer noch viel zu viele.

Erst, wenn sie in Rente sind, geht ihnen ein Licht auf, aber da ist es meist zu spät. Das mag herzlos klingen, beschreibt freilich die Wirklichkeit. Wer jetzt 50 Jahre alt ist – oder vielleicht etwas älter, kann noch am Rad drehen, für die über 60-Jährigen ist es aber bereits zu spät.

Zuerst ein Kassensturz

Deswegen ist es höchste Zeit, Kassensturz zu machen, sprich sich einen Überblick über die finanzielle Situation zu verschaffen. Es braucht eine Bestandsaufnahme des Gesamtvermögens, einschließlich der zu erwartenden regelmäßigen Einkünfte im Alter. Die Einnahmen bestimmen die Ausgaben, denn im Alter wird es schwierig bis unmöglich, einen Kredit aufzunehmen. Übrigens, gilt das nicht nur für Rentner, sondern auch für viele, die ihren Job verloren haben und noch keine neue Arbeit gefunden haben, sprich, auch für Arbeitslose ist es schwierig, einen Kredit zu bekommen, allerdings nicht unmöglich.

Was die Einnahmen betrifft, so hat ein durchschnittlicher Rentnerhaushalt laut Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) von 2013 (das sind die aktuellsten Zahlen) des Statistischen Bundesamts genau brutto 2438 Euro, wovon netto nach Abzug von Sozialversicherung und Steuern noch 2206 Euro übrig bleiben; Pensionärshaushalte haben 5173 Euro brutto und 4 404 netto. Wer nur Rente bezieht, kommt im Schnitt auf 1470 Euro – und da wird’s schon eng. Das sind, wohlgemerkt, Durchschnittswerte, denn viele Rentner bekommen deutlich weniger als diesen Betrag.

Bestandsaufnahme vor der Rente

Soviel zur Ausgangssituation. Wie geht’s nun weiter? Tom Fries und Michael Huber haben das in ihrem Buch „Finanzcoach für den Ruhestand“ detailliert beschrieben: Wer sich dran macht, eine Ausgaben/Einnahmen-Bilanz zu ziehen, sollte, so ihr Rat, erst einmal alle Unterlagen zusammensuchen. Zu den wichtigen Unterlagen gehören beispielsweise die Rentenauskunft, Kontoauszüge und die Steuererklärung.

Die notwendigen Unterlagen für die Bestandsaufnahme:

  • Konto- und Depotauszüge
  • Mieteinnahmen
  • Lebensversicherungspolicen
  • Belege zu geschlossenen Fonds und Beteiligungen
  • Schulden und andere Verbindlichkeiten
  • Rentenauskünfte
  • betriebliche Altersvorsorge
  • letzte Steuererklärung/Steuerbescheid
  • Erbanwartschaften
  • Ehevertrag und andere Verträge

Quelle: „Finanzcoach für den Ruhestand“, Tom Fries, Michael Huber

Das ist etwas Mühe, aber es lohnt sich, alles einmal zusammenzutragen. Das war die Vorarbeit, jetzt geht an die Bilanz von Ausgaben und Einnahmen. Und auch da hilft das Buch von Fries und Huber weiter.

Die Ausgaben

Zuerst die Ausgaben:

 Höhe in der Rente/Pension
Lebenshaltung
Haushalt
Kleidung
Freizeit/Hobbys
Gesundheit
Wohnen
Miete oder Unterhalt
Nebenkosten
Telefon/Internet
Radio
Verkehr
Auto
sonstige Fahrzeuge
öffentlicher Verkehr
Versicherungen
Kapitalleben
Krankenversicherung
sonstige Versicherung
Darlehen/Kredite
Zinsen
Tilgung
Sonstiges
Ersatzanschaffungen
Reparaturen
Ferien, Reisen
Unterstützungen
Summe

Wohnen, Energie und Nahrungsmittel dürften die größte Posten sein, der Posten Freizeit sollte indes nicht unterschätzt werden, denn Rentner haben mehr Zeit für Reisen. Auch wer im eigenen Haus oder in der eigenen Wohnung lebt, muss vielleicht für Verwalter oder Hausmeister zahlen, dazu kommen Grundsteuer und sonstige kommunale Abgaben wie Müllabfuhr und Umlagen. Die monatlichen Ausgaben eines Rentnerhaushalts lagen 2013 übrigens statistisch bei 1973 Euro. Mittlerweile dürfte diese Zahl jedoch überholt sein – und deutlich höher liegen. Was sicher zunehmen wird, sind die Ausgaben für Reisen und Gesundheit. Dafür fallen andere Kosten weg wie die Unterstützung der Kinder vielleicht. Jetzt zu den Einnahmen.

Klar, bei vielen ist es die gesetzliche Rente. Die Standardrente für jemand, der 45 Jahre den Durchschnittssatz gezahlt hat, lag Mitte 2016 bei 1370 Euro im Westen und 1290 Euro im Osten. Das Netto-Rentenniveau ist mittlerweile auf 47,9 Prozent der Netto-Gehälter gesunken – und sinkt aber bis 2030 auf 43 Prozent. Da die Standardrente so gut wie niemand erreicht, ist die Durchschnittsrente viel interessanter: Sie liegt mit 980 Euro für Männer im Westen und 952 Euro im Osten und für Frauen bei 485 Euro im Westen und 838 Euro im Osten. Das heißt, manche Renten liegen sogar unter dem Grundsicherungsniveau, das bei 721 Euro liegt, wobei die Rentenversicherung empfiehlt, prüfen zu lassen, wenn das gesamte monatliches Einkommen durchschnittlich unter 773 Euro liegt, ob ein Rentner Anspruch auf Grundsicherung hat. Gut wer vorgesorgt hat, hoffentlich betrieblich und am besten noch privat.

So, jetzt zur Einnahmensübersicht …

Die Einnahmen

 Höhe in der Rente/Pension
aus Renten.....
gesetzlich
betrieblich
privat
sonstige
aus Immobilien.....
Mieteinnahmen
- Instandhaltung
- Betriebs/Verwaltungskosten
aus übrigen Vermögen.....
Zinsen/Dividenden
Ausschüttungen......
Sonstiges
Summe....

Quelle: „Finanzcoach für den Ruhestand“, Tom Friess, Michael Huber

Überschuss oder Lücke?

Wer die beiden Tabellen gewissenhaft und ehrlich ausgefüllt hat, stellt schnell fest, dass er vermutlich eine Lücke hat – Glückwunsch, wenn’s anders ist. Dabei ist die Inflation noch gar nicht berücksichtigt.

Inflation

Die Inflation lag im 60-Jahresschnitt bei 2,7 Prozent. Gut, so hoch wird sie so schnell nicht wieder werden, aber mit zwei Prozent müssen Vorruheständler schon rechnen. Tom Friess und Michael Huber haben ausgerechnet, was das macht: „Für Dinge, die heute 50 000 Euro kosten, müssen bei einer jährlichen Inflation von nur zwei Prozent nach zehn Jahren 60 900 Euro bezahlt werden“.

Konsequenzen:

Wer feststellt, dass er eine Versorgungslücke im Alter hat, muss entweder vorher noch richtig Gas geben oder sich im Alter einschränken. Das mit dem Gas geben dürfte schwierig werden, deswegen bleibt wohl nur sparen. Was sich alles einsparen und optimieren lässt, davon in einem der nächsten Beiträge.

Einnahmen-Überschuss-Rechnung per Haushaltsbuch

Übrigens, mit der einmaligen Bilanz ist es nicht getan: Wer seine Finanzen in den Griff bekommen will, kommt nicht umhin, regelmäßig ein Haushaltsbuch zu führen – das funktioniert offline und online, offline in Form einer Kladde oder eines linierten Notizbüchleins oder mit einem Programm, wie es beispielsweise die Verbraucherzentrale anbietet oder als Formular zum Herrunterladen von der Sparkassen-Seite – das geht natürlich auch mit Excel, wie wird im Video erklärt.

https://www.youtube.com/watch?v=jtVRmpZLjg0

Das moderne Haushaltsbuch per Excel – ein Erklär-Video

Weiterführende Links:

 




Wie gerecht geht es in Deutschland zu?

Wie gerecht geht es in Deutschland wirklich zu –  vor allem in punkto Rente? Acht Jahre im Bundestag bringen 1816 Euro Pension. Dafür muss ein Angestellter mit überdurchschnittlichem Gehalt weit mehr als 40 Jahre in die Rentenkasse einzahlen. Geringverdiener erwartet Altersarmut. Ist das gerecht?

Fußball-Europa-Meisterschaft und Brexit haben das Thema Rente und Rentengerechtigkeit in den Hintergrund gedrängt. Deswegen sei wieder daran erinnert. Im Juli erwartet die Rentner zwar die größte Rentenerhöhung seit 23 Jahren, für viele ist das jedoch nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Denn schon heute sind weit mehr als eine halbe Millionen Rentner in der Grundsicherung – es werden noch mehr werden, denn das Rentenniveau sinkt weiter. Wenn es kommt wie geplant, dann fällt das Rentenniveau langfristig auf 43 Prozent. Das heißt, Millionen Rentner werden dann am Existenzminimum leben – oder darunter.

Gleichzeitig wollen die Politiker die Pensionen der Beamten und ihre eigenen Altersbezüge unangetastet lassen. Ist das gerecht?

Mein Chef bei FOCUS-MONEY, Frank Pöpsel, hat sich mal die Mühe gemacht, Abgeordnetenpensionen und Renten konkret zu vergleichen – und mich als Beleg genommen. Hier ein Auszug aus seinem Editorial:

Pro Jahr Mitgliedschaft im Bundestag erwirbt ein Abgeordneter einen Pensionsanspruch auf 2,5 Prozent der Abgeordnetenentschädigung. Wenn Sie (und damit meint er den SPD-Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel) oder einer Ihrer Kollegen also zwei vierjährige Legislaturperioden im Bundestag sitzen, erhalten Sie 0,025 mal 8 mal 9082 Euro = 1816,40 Euro Pension.
Mein Kollege Helmut Achatz, der im kommenden Jahr in Rente geht, schreibt auf seinem Blog www.vorunruhestand.de, dass er nach 42 Beitragsjahren gerade mal auf eine Rente von 1900 Euro kommt. Können Sie verstehen, dass er das ungerecht findet? Herr Achatz muss übrigens einen gehörigen Abschlag auf seine Rente hinnehmen, weil er bereits mit 63 in den Ruhestand geht. Abgeordnete können teilweise schon mit 56 in Rente gehen – und das bei vollen Ruhestandsbezügen.
Nebentätigkeiten müsste sich Kollege Achatz genehmigen lassen, und sie wären, wenn überhaupt, nur in sehr geringem Umfang möglich. Bei Bundestagsabgeordneten ist das anders. Laut dem Online-Portal abgeordnetenwatch.de haben 156 der 631 Volksvertreter (24,7 Prozent) in dieser Legislaturperiode mindestens eine bezahlte Nebentätigkeit. Bereits in den ersten zwei Jahren dieser Legislaturperiode haben sie mindestens 11,6 Millionen Euro zusätzlich zu ihren Diäten kassiert. Herr Gabriel, können Sie verstehen, dass die Bürger auch von den Abgeordneten vollen Einsatz erwarten?
Jeder Bundestagsabgeordnete erhält neben seinem Gehalt eine steuerfreie Kostenpauschale in Höhe von monatlich 4305,46 Euro. Sie dient etwa dazu, das Abgeordnetenbüro im Wahlkreis, die Miete für die Zweitwohnung in Berlin oder Repräsentationsaufgaben zu finanzieren. Nachweisen müssen Abgeordnete diese Kosten nicht. Anders die Arbeitnehmer: Jeder von uns muss beim Finanzamt seine Werbungskosten penibelst nachweisen. Können Sie verstehen, dass wir das ungerecht finden?

Übrigens, die Ungerechtigkeit besteht ja nicht nur zwischen Abgeordneten und Rentner, sondern auch zwischen Beamten und Rentnern. Das Pensionsniveau liegt zwischen 72,2 und 72,6 Prozent. Davon können Rentner nur träumen. Diese Ungerechtigkeit schreit zum Himmel, aber niemand scheint sich sonderlich daran zu stören. Rentner können auch nicht davon ausgehen, dass ihre Volksvertreter so schnell etwas daran ändern, sind sie doch in der Mehrzahl Beamte – Lehrer, Amtsmänner, Inspektoren. Klar, sie werden kaum den Ast absägen, auf dem sie sitzen.

Wer kann an dieser Schieflage etwas ändern?


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Wie kreditwürdig bin ich auch noch im Alter?

Die Bonität oder Kreditwürdigkeit gehört zu jedem wie seine Personalausweisnummer oder sein Geburtsdatum – mit dem Unterschied allerdings, dass sie sich ändern kann und ändern lässt. Vor allem ist es jedoch wichtig zu wissen, wie es um die eigene Bonität steht. Sich zu informieren, kann sich lohnen, um böse Überraschungen zu vermeiden.

 

Es gibt viele Situationen, in denen es auf die Bonität ankommt. Zum Beispiel für den, der darüber nachdenkt, die Bank zu wechseln. Denn, die neue Bank wird sich zuerst über die Kreditwürdigkeit des potenziellen Kunden informieren. Das Finanzinstitut entscheidet über Dispo und Kreditrahmen, falls eine Kreditkarte beantragt wird. Geschäfte, egal ob online oder offline, gehen nach dem gleichen Schema vor, wenn der Kunde seinen Einkauf in Raten zahlen will oder dafür einen Kredit aufnimmt.

Warum die Bonität so wichtig ist

Es ist deswegen sinnvoll, jederzeit seinen Score, das Maß seiner Kreditwürdigkeit, zu kennen. Dank Internet ist das mittlerweile überhaupt kein Problem, denn die Bonitätsauskunft ist auf Plattformen wie Scorekompass kostenlos, das Prozedere ist simpel. Also, keine Angst. Für die Generation 50plus, die mit dem Computer aufgewachsen ist, dürfte das überhaupt kein Problem sein und selbst für Senioren ist der Login-Prozess zu meistern, schließlich ist die Benutzeroberfläche einfach gehalten.

Nun gut, vielleicht sagen einige „Was interessiert mich meine Bonität?“ Das kann ja sein und ist so lange kein Problem, solange keine teuren Reparaturen anstehen oder größere Anschaffungen zu meistern sind. Spätestens dann wird ein Problem daraus, weil im fortgeschrittenen Alter das Geld knapp wird während die Lebenshaltungskosten muntern steigen. In Großstädten wie München, Stuttgart und Hamburg wird es gerade für Rentner immer schwieriger – der Vergleich „Was die Rente wo wert ist“ verdeutlicht das. Und dann spielt die Bonität eben doch eine große Rolle.

Scoring für jedermann

Ob Rentner, 50plus oder mittleres Alter – die Kreditwürdigkeit spielt für alle eine wichtige Rolle. Deswegen sollte auch jeder seinen Score kennen. Wie aber kommt so ein Scoring zustande, sprich der Punktestand bezüglich Bonität? Eine Scoring-Plattform erfasst die Daten der fünf großen Auskunfteien, die diese Funktion schon seit mehr als hundert Jahren erfüllen: Der bekannteste Name ist SCHUFA, doch auch Arvato, Creditreform, Bürgel und Deltavista existieren seit langer Zeit.

Banken und Handel nutzen das System als Fundament für ihre Entscheidungen. Dank digitaler Dienstleistern eröffnen sich für alle neue Möglichkeiten – das gilt für Kreditgeber und -nehmer. Sie alle profitieren von mehr Transparenz. Dazu gehört natürlich, dass die Score-Werte möglichst unkompliziert abgerufen werden können. Wie das funktioniert, belegt Scorekompass, dessen Bewertung auf Arvato-Daten basiert: Jeder Score bewegt sich zwischen 100 und 600 – von „sehr niedrig“ bis „sehr gut“. Anhand der ausgewiesenen Zahl lässt sich leicht ablesen, wie kreditwürdig jemand ist. Dieser Wert ist natürlich auch ausschlaggebend, wie viel Zins jemand für einen Kredit zahlt, denn, je höher der Score, desto niedrigere Zinsen zahlt ein Schuldner.

In der Summe bringt das Internet Bewegung in den Kreditmarkt, sowohl direkt als auch indirekt. Denn viele Kreditvergleiche und -anträge finden bereits online statt; es passt also perfekt ins Bild, dass auch die Bonität am Bildschirm abgefragt werden kann.

 

Bild: © istock.com/andresr




Was die Rente wo wert ist

München ist ein teures Pflaster – für Rentner und Nicht-Rentner. Die Kaufkraft ist so gering wie sonst nirgends in Deutschland. Das Leben für Rentner wird deswegen in München immer schwieriger. Das gilt übrigens auch für den Münchner Speckgürtel. Starnberg, Miesbach und Dachau sind richtig teuer. Was das konkret heißt? Ein Euro ist in München nur 70 Cent wert, weil nicht nur die Mieten, sondern auch Lebensmittel, Kleidung und Öffentlicher Verkehr deutlich teurer sind als anderswo.

Spiegel Online: Was die Rente 20140 in Ihrer Stadt wert ist
Damit das Traumland nicht zum Albtraum wird
Wo lebt sich’s am besten als Rentner im Ausland?
Rentner versinken im Armutssumpf – Vorsorge als Pflicht
Fürchtet euch vor Altersarmut – Rente wird nicht reichen

Wo ist es dann am günstigsten? Der „Mitteldeutschen Zeitung“ zufolge haben Rentner in Sachsen-Anhalt mehr von ihrer Rente. In keinem anderen Bundesland leben Rentner kostengünstiger als in Sachsen-Anhalt. Das Blatt zitiert dabei eine Umfrage des Wirtschaftsforschungsunternehmens Prognos im Auftrag des Gesamtverbands der Versicherungswirtschaft. Demnach liegen die Kosten für die Lebenshaltung von Rentnern in Sachsen-Anhalt im Schnitt knapp elf Prozent unter dem Bundesmittel. Selbst in Halle, der für Senioren teuersten Stadt in Sachsen-Anhalt, liegen die Lebenshaltungskosten mehr als fünf Prozent unter dem Bundesdurchschnitt. Magdeburg ist die günstigste Landeshauptstadt für Rentner – mit einem Preisniveau von gut sechs Prozent unter dem Durchschnitt. Dessau-Roßlau, ist knapp neun Prozent günstiger.

Bayern besonders teuer

40 der insgesamt 50 teuersten Landkreise in Deutschland liegen in Bayern, Baden-Württemberg und Hessen, so die „Versicherungswirtschaft heute“. Dort zahle ein Rentner zwischen 15 und 30 Prozent mehr als im Bundesdurchschnitt. Ein Vergleich mit Nord- und Ostdeutschland öffnet die Augen: Laut Studie schaffen es nur vier Kreise in die Top-50 – nämlich Hamburg, Berlin, Potsdam und – durch den “Sylt-Effekt” – der Kreis Nordfriesland. Am günstigstes lebt es sich in Sachsen-Anhalt.

Die höchste Kaufkraft haben Rentner im niedersächsischen Landkreis Holzminden mit einer Kaufkraft von 1159 Euro, gefolgt vom Landkreis Osterode am Harz mit 1156 Euro (-13,47 Prozent), dem Landkreis Elbe-Elster mit 1152 Euro (-13,22 Prozent), dem Vogtlandkreis mit 1148 Euro (-12,90 Prozent) und dem Kyffhäuserkreis mit 1147 Euro (-12,81 Prozent).

Die Zahlen wurde ein auf Rentner spezialisierter Warenkorb zugrunde gelegt. Insbesondere wurden Ausgaben für Gesundheit höher bewertet.

Zum Schluss noch ein paar Zahlen aus Bayern – was 1000 Euro wert sind:

Stadt München:         767 Euro
Kreis München:          829 Euro
Starnberg:                  831 Euro
Miesbach:                  850 Euro
Dachau:                     861 Euro
Fürstenfeldbruck:      869 Euro

Freyung-Grafenau:     1138 Euro
Wunsiedel:                 1136 Euro
Hof:                            1135 Euro
Tirschenreuth:            1127 Euro
Regen:                        1126 Euro

Quelle: tz

Wer es genau wissen will, wie hoch die Kaufkraft seiner Rente ist, klickt am besten auf die interaktive Karte:

http://www.7jahrelaenger.de/was-ist-meine-rente-heute-wert/

Weiterführende Links:

 




Die besten Steuertipps für Rentner und Pensionäre

Der Fiskus greift auch Rentnern und Pensionären in die Tasche. Gegen seinen Zugriff können sie sich aber wehren und viele Aufwendungen von der Steuer absetzen. Die besten Steuertipps für Rentner und Pensionäre.

Die Renten steigen 2016 um bis zu fünf Prozent – die stärkste Erhöhung seit mehr als 20 Jahren. Dumm nur, dass mit jeder Rentenerhöhung auch immer mehr Ruheständler in die Steuerpflicht rutschen. Seit 2005 müssen Rentner auf die Hälfte ihrer Altersbezüge Steuern zahlen – und dabei bleibt es nicht, denn der Fiskus will von den Rentner, die nach 2005 eine Rente beziehen sukzessive prozentual immer mehr. Für jeden neuen Rentenjahrgang erhöht sich der zu versteuernde Rentenanteil jährlich peu à peu um jeweils zwei Prozentpunkte, ab 2020 ist es dann nur noch ein Prozentpunkt. Das heißt, wer beispielsweise 2015 in Rente geht, muss 70 Prozent seiner Alterseinkünfte versteuern. Die 30 Prozent sind der persönliche Rentenfreibetrag – und der bleibt zeitlebens unverändert. Die Jahrgänge, die ab 2040 Rente beziehen, müssen sie voll versteuern.

Die besteuerten Rentner müssen das aber nicht klaglos hinnehmen, denn mit Werbungskosten, Sonderausgaben und außergewöhnlichen Belastungen können sie ihre Steuerlast drücken. Die Einkünfte bleiben nur steuerfrei, wenn sie 2015 unterhalb des Grundfreibetrags in Höhe von 8472 Euro (Ehegatten: 16 944 Euro) liegen.

Rente und Pension sind Einkommen und werden besteuert. Deswegen ist es legitim, den Fiskus an den Kosten zu beteiligen. Einen Vorteil haben Rentner – ihnen greift der Staat nicht gleich in die Tasche und zieht ihnen die Steuer direkt vom Gehalt ab wie in der aktiven Lebensphase. Rentner können in Ruhe abwarten und müssen ihre Steuern erst im Nachhinein zahlen. Besser ist es allerdings, das „Einkommen“ so weit zu drücken, dass sie überhaupt keine Steuern zahlen. Wie viel Steuern der Fiskus verlangt, kann jeder mit dem Rentensteuerrechner von tagesgeldvergleich.net selbst ausrechnen.

Das heißt aber: Belege sammeln, sammeln, sammeln … Denn, nur wenn sie dem Fiskus beweisen, dass sie Aufwendungen hatten, erlässt er ihnen die Steuer oder begnügt sich mit weniger.

Dazu einige nützliche Tipps, wie die Steuerlast verringert werden kann – und was sich alles absetzen lässt:

Sonderausgaben

Was sind Sonderausgaben überhaupt? Sonderausgaben sind Aufwendungen der privaten Lebensführung, die Steuerzahler beim Fiskus geltend machen können. Klingt kompliziert, ist es aber nicht – das sind Vorsorgeaufwendungen und sonstige Sonderausgaben, Versorgungsausgleich, Unterhaltsleistungen, Kirchensteuer Ausbildungskosten und Spenden.

Der Fiskus sieht automatisch einen Pauschbetrag von 36 Euro (72 Euro bei Zusammenveranlagung) vor. Die meisten Rentner dürften darüber fallen, insofern lohnt es sich, ihm die Belege zu präsentieren.

Grob gesagt sind das die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung, zu anderen Versicherungen wie Haftpflicht und Unfall sowie Spenden (Kleinspenden bis zu 200 Euro erkennt der Fiskus ohne Spendenbescheinigung an). Das ist aber noch nicht alles – dazu gehören auch außergewöhnliche Belastungen für Rentner mit Behinderung. Behinderte können je nach Grad der Behinderung zwischen 310 und 1420 Euro als Jahresbetrag absetzen.

Und hier die genaue Aufteilung:

Grad der Behinderung (in Prozent)    Behinderten-Pauschbetrag (jährlich)
25–30                                                    310 Euro
35–40                                                    430 Euro
45–50                                                    570 Euro
55–60                                                    720 Euro
65–70                                                    890 Euro
75–80                                                  1060 Euro
85–90                                                  1230 Euro
95–100                                                1420 Euro

Wer behindert und blind ist oder hilflos kann sogar den erhöhten Behinderten-Pauschbetrag von 3700 Euro geltend machen. Übrigens, der Pauschbetrag kann vom Behinderten oder von dessen Eltern in Anspruch genommen werden.

Außergewöhnliche Belastungen

Das sind beispielsweise Ausgaben für Medikamente oder für den Physiotherapeuten sowie medizinische Behandlungen. Es ist klar, dass diese Ausgaben nötig waren, insofern kann es passieren, dass das Finanzamt nachfragt. Am einfachsten lässt sich die Notwendigkeit belegen, wenn sie vom Arzt verschrieben wurden.  Das Finanzamt geht allerdings davon aus, dass der Rentner einen zumutbaren Betrag selbst bezahlt – wie viel das ist, hängt vom einzelnen Fall ab.


Werbungskosten

Auch Rentner können Werbungskosten in der Steuererklärung ansetzen und somit ihre Steuer reduzieren. Der Fiskus hat eine Werbekostenpauschale von 102 Euro vorgesehen – die meisten dürften drüber kommen, insofern lohnt es sich auch hier, Belege zu sammeln. Was für Rentner relevant ist:

  • Kosten für die Rentenberatung
  • Kontoführungsgebühren
  • Steuerberaterkosten
  • Gewerkschafts- und Verbandsbeiträge
  • Fahrtkosten, wenn sie einen Nebenjob haben
  • Arbeitsmittel, dazu gehört auch der Computer und Smartphone
  • Arbeitszimmer, wenn das Büro den Mittelpunkt des Nebenjobs bildet
  • Fortbildung

Altersentlastungsbetrag

Mit 65 in Rente – ist nicht. Die Regelaltersgrenze klettert und klettert. 2016 kommt erneut ein Monat dazu. Das heißt, ein Neurentner muss 65 Jahre und fünf Monate alt sein, um seine volle gesetzliche Rente zu bekommen. Nicht nur das, auch der Besteuerungsanteil steigt – und zwar auf 72 Prozent. Das heißt umgekehrt, 28 Prozent bleiben unbesteuert. 2017 steigt der Besteuerungsanteil auf 74, 2018 auf 76, 2019 auf 78 und 2020 auf 80 Prozent – ab 2040 werden hundert Prozent besteuert. Der so ermittelte steuerfreie Betrag in Euro und Cent bleibt den Neurentnern dann lebenslang in dieser Höhe erhalten. Wer 65 Jahre alt ist und Rente bezieht, bekommt für andere Einkünfte wie Miete den sogenannten Altersentlastungsbetrag. Der sinkt allerdings ebenfalls von Jahr zu Jahr – und liegt 2016 bei höchstens 1064 Euro, 2017 nur noch bei 988 Euro und 2040 bei null.

Versorgungsfreibetrag

Wer beispielsweise eine Betriebsrente bezieht, muss nicht alles besteuern. 2016 bleiben 22,4 Prozent steuerfrei – maximal 1680 Euro plus eines Zuschlags von 504 Euro. Dieser Versorgungsfreibetrag wird ebenfalls in den kommenden Jahren abgeschmolzen. 2017 sind nur noch 20,8 Prozent oder maximal 1560 Euro plus 468 Euro Zuschlag steuerfrei, 2018 sind es 19,2 Prozent oder maximal 1440 plus 432 Euro Zuschlag und 2040 sind es null.

Steuersoftware

Wem das alles zu kompliziert ist, kann sich ja an den Lohnsteuerhilfe wenden oder sich von einem Steuerprogramm helfen lassen. So gibt es beispielsweise die „Steuer-Spar-Erklärung für Rentner und Pensionäre“ und „Taxman für Rentner und Pensionäre“. Die Software kostet weniger als 30 Euro – und kann von der Steuer abgesetzt werden.

Befreiung von der Steuererklärungspflicht

Wenn ein Rentner wenig Ruhegeld bekommt, kann er sich auch von der Abgabe einer Steuererklärung befreien lassen. Liegt der Gesamtbetrag der Einkünfte – Brutto-Rente abzüglich Sonderausgaben, Altersfreibetrag und Werbungskosten – nur knapp über dem Grundfreibetrag von 8652 Euro (17 304 für Verheiratete), dann kann der Rentner beantragen, von der Abgabe einer Steuererklärung entbunden zu werden. So ein Antrag könnte beispielsweise lauten:

meine Gesamteinkünfte liegen nach Abzug von Freibeträge, Sonderausgaben und außergewöhnlichen Belastungen unter dem Grundfreibetrag. Daran wird sich auch in absehbarer Zeit nichts ändern. Deswegen bitte ich Sie, mich (uns) von der Pflicht freizustellen, eine Steuererklärung abzugeben.  Dem Antrag liegen die entsprechenden Belege bei.

Abgabefrist

Grundsätzlich müssen auch Rentner ihre Steuererklärung bis 31. Mai abgeben. Wer es bis dahin nicht schafft, kann um Umschub bitten. Am besten schon Anfang Mai beim Finanzamt schriftlich um Fristverlängerung bitten. Das Finanzamt verlängert meist ohne großes Murren bis 30. September.

Steuersoftware für Rentner

Steuer zahlende Rentner sind gut beraten, sich eine entsprechende Steuersoftware zu kaufen. Denn, die richtige Wahl der Steuersoftware erleichtert das Ausfüllen der Steuerformulare und sichert zudem, dass Rentner nicht zu viel Steuern zahlen. Der Kauf dürfte sich in der Regel auszahlen. Einige Anbieter haben eigene Rentner-Versionen aufgelegt. Darunter ist beispielsweise die „SteuerSparErklärung für Rentner 2017“ (29,95 Euro), „Taxman für Rentner 2017“ (34,90 Euro) und „tax 2017“ (14,95 Euro).


Kooperation zwischen VdK und Lohnsteuerhilfe

Der VdK Bayern kooperiert schon seit Januar 2014 mit der Lohi (Lohnsteuerhilfe Bayern). Die Lohi bietet Arbeitnehmern, Rentnern und Pensionären – im Rahmen einer Mitgliedschaft begrenzt nach § 4 Nummer 11 Steuerberatungsgesetz – Beratung in allen Einkommen- und Lohnsteuerfragen. In Bayern entfällt für VdK-Mitglieder die Aufnahmegebühr für die Lohi.

Weiterführende Links:




Damit das Traumland nicht zum Albtraum wird

Auch Genießen will gelernt sein – viele Ruheständler müssen erst einmal umlernen, wenn sie das Arbeitsleben hinter sich lassen. Das gilt umso mehr, wenn sie den Traum vom Dauerurlaub im Traumland verwirklichen wollen. Immerhin zwei von drei Deutschen träumen diesen Traum. Vielen schwebt dabei der sonnige Süden vor, wo die Sonne länger scheint als im verregneten Deutschland.

Was verlockend klingt, kann schnell im Desaster enden. Ein Umzug oder auch nur ein zeitweises Aus im Ausland will wohl überlegt sein. Ohne die nötigen Vorbereitungen geht gar nichts. Von jetzt auf gleich, nächste Woche, nächsten Monat – da müsste es das Leben schon gut mit einem meinen, wenn der Traum vom Leben im Ausland auf Anhieb klappen könnte.

Überwintern oder Auswandern? 

Wer seine Rente im Ausland genießen will, stellt sich am besten eine Checkliste zusammen – schließlich lässt sich von den Fehlern der Anderen lernen. Was alles beachten ist, fasst der Blog-Beitrag Rentner im Ausland kompakt zusammen. So ist ein glücklicher Lebensabend  von vielen Faktoren abhängig, die der Auswanderungswillige längst nicht alle selbst beeinflussen kann. Der Partner und die Familie sollten bei der Entscheidung unbedingt einbezogen werden – auf Biegen und Brechen den eigenen Kopf durchzusetzen, ist unvernünftig. Finanzielle Absicherung, ein geregeltes Einkommen, die Versorgung bei Krankheit und Pflegebedarf – das alles darf in dieser Liste nicht fehlen. Niemand sollte sich von den positiven Seiten wie Sonne, Strand und Siesta den Blick auf die Realität verstellen lassen.

Was alles schief gehen kann, hat der „Tagesspiegel“ in „Die Bettler von Mallorca“ eindrucksvoll beschrieben. Der schnell geplatzte Traum vom sonnigen Leben als Auswanderer, in einem Inselparadies unter Palmen, jedoch ohne Sprachkenntnisse, ohne Arbeitsmöglichkeit und mit eben jenen schicksalshaften Ereignissen, die eine die Existenz rauben. Statt der Residenz für den Winter oder dem Dauerwohnsitz am Strand oder im Bergland bleiben dann die Parkbänke, das Betteln um Spenden – würdelos, arm und nicht zuletzt einsam und krank.

Wie Auswandern richtig vorbereiten?

Natürlich spielt die finanzielle Absicherung des Alltags die Hauptrolle, einschließlich der zu erwartenden Unwägbarkeiten. Dabei sollte sich jeder fragen, wie er in seinem Traumland wohnen will – zur Miete oder im Eigentum? In welcher Lage und mit welchem Luxus? Hier treffen jedoch gleich mehrere Probleme für den deutschen Auswanderer oder Residenten zusammen. Das lässt sich am besten am Beispiel Mallorca durchexerzieren, wobei „Mallorca“ beliebig auf alle Länder, in deren Behörden und bei dessen Dienstleistern nicht Deutsch gesprochen wird, übertragen werden kann. Es gelten andere Gesetze, als jene, die Ruheständler kennen – das gilt gerade beim Kauf oder Bau eines Eigenheims. Die fremde Sprache erschwert das Ganze noch – und sie erleichtert Betrug. Die Vorstellung, mit ein paar Brocken Spanisch und einem Übersetzungsprogramm auf dem Smartphone ein Bauprojekt oder nur das Maklergespräch in punkto Vermietung einer Wohnung oder anderen Immobilie auf Mallorca in die Tat umsetzen zu wollen, erscheint mehr als naiv. Käufer bekommen es mit Notaren, Handwerkern, Eigentümern zu tun. Ganz abgesehen davon – woher weiß ein deutscher Kaufinteressent, ob der spanische Eigner nicht nur vorgibt die Finca zu besitzen, die in Wirklichkeit einem ganz anderen gehört? Der Traum vom Ferienhaus wird dann schnell zum Albtraum. Mehr dazu und zum Thema Gesundheitsversorgung, Einkaufen und Lebenshaltungskosten fassen die Mallorca Experten übersichtlich und umfassend zusammen.

Auf richtigen Partner kommt es an

Vor der endgültigen Abreise ins neue Leben gilt es also einiges zu regeln: Handy-Verträge, Internet-Anschluss, Bank-Verbindung und die Nutzung vor Ort. Wie sieht es mit der Krankenversicherung aus und anderen Policen – die Liste lässt sich beliebig erweitern. Nicht zu vergessen: die sozialen Kontakte am neuen Domizil – und das betrifft nicht nur Freunden und Bekannten, sondern auch die vielen Helfer im Alltag.

Wer sich auf Mallorca ein eigenes Haus bauen möchte oder eine bestehende Immobilie kaufen oder mieten möchte, kommt als Laie – so er denn nicht perfekt Spanisch spricht – kaum auf einen grünen Zweig. Ohne Hilfe lernt er Spaniens Behördenwahnsinn kennen und zahlt vermutlich kräftig drauf. Die Alternative? Ein deutschsprachiger Makler, der sich mit den Usancen auskennt und die Sprache spricht. Das kostet zwar, spart letztlich Ärger und Geld. Von den Flügen zwischen alter und neuer Heimat ganz abgesehen. Sparsamkeit ist in dem Fall fehl am Platz. Die Zeit, die Kaufinteressenten selbst mit Immobiliensuche, Handwerkern und Behörden verbringen, sollten sie besser in einen Mallorquin-Sprachkurs investieren. Dann kommt der Ausreisewillige stressfrei im neuen Leben an.

… einige Impressionen von Mallorca

Palma de Mallorca Castillo de Bellver Quelle: Turespaña

Palma de Mallorca Castillo de Bellver Quelle: Turespaña

Palma de Mallorca Catedral y bahía - vista nocturna Quelle: Turespaña

Palma de Mallorca Catedral y bahía – vista nocturna Quelle: Turespaña

 

 




Krankenkassen schröpfen Betriebsrentner – wie Geschädigte Widerspruch einlegen

Krankenkassen schröpfen die Betriebsrentner, das ist vielen (noch) nicht bewusst. Wird die Lebensversicherung, die im Rahmen der betrieblichen Altersvorsorge abgeschlossen wurde, ausgezahlt, kassiert die Krankenkasse ab. Die heimliche Abzocke von Rentnern durch Politiker, Bürokraten und Sozialversicherung geht munter weiter. Wer sich auf die Auszahlung seiner Direktversicherung freut, sprich seiner Betriebsrente, die meist als Lebensversicherung abgeschlossen wurde, dürfte schwer enttäuscht sein, wenn er merkt, dass ihm die Krankenkasse fast ein Fünftel abzieht, genauer gesagt 15,6 Prozent Krankenversicherung (wie bei der Techniker Krankenkasse beispielsweise, DAK 16,1) und 2,35 Prozent Pflegeversicherung. Das Perfide daran, der Direktversicherte, sprich der Lebensversicherungskunde zahlt nicht nur den Arbeitnehmer-, sondern auch den Arbeitgeberanteil. Ganz zu recht spricht die „Wirtschaftwoche“ davon, dass „Krankenkassen die Rentner schröpfen“.

Bei einer Einmalzahlung aus der Direktversicherung von beispielsweise 100 000 Euro machen die Abgaben an die Krankenversicherung 17 950 (DAK: 18 450) Euro aus. Bei einer Einmalzahlung aus der Direktversicherung geht die Krankenkasse von zehn Jahren aus, geteilt durch zwölf. Das heißt, sie verlangt pro Monat dann 150 Euro (genau 149,58: 17 950 geteilt durch 120). Die Krankenkassen langen bei der Betriebsrente in skandalöser Weise zu. Der Versicherung bleibt nur übrig, zu bedauern: „Auch wenn die Beiträge bereits aus sozialversicherungspflichtigen Einkünften bezahlt wurden, besteht aufgrund des Solidarprinzips der gesetzlichen Krankenversicherung eine Beitragspflicht“, schreibt beispielweise das Versorgungswerk der Presse den Versicherten. „Leider ist ein Vertrauensschutz vom Gesetzgeber im Modernisierungsgesetz zur gesetzlichen Krankenversicherung nicht vorgesehen“.

Und jetzt kommt’s noch mal ganz dick: Die Direktversicherung, sprich die Betriebsrente wird im Alter auf die Grundsicherung angerechnet. Das will die Bundesarbeits- und sozialministerin Andrea Nahles jetzt ändern. Es bleibt abzuwarten, ob sie sich damit durchsetzt.

Der Widerstand gegen die Doppelverbeitragung wächst:

Aufruf des Vereins der Direktversicherungsgeschädigten zur Groß-Demo in Berlin am 27. April 2017 von 13 bis 15 Uhr
Ablauf 26. April 2017
18 Uhr Vorbereitungstreffen im Hopfingerbräu im Palais; Adresse: Ebertstrasse 24; 10117 Berlin; Telefon: (030) 20458637
Ablauf am 27. April 2017 Demo von 13 bis 15 Uhr
1. Treffpunkt (Direkt vor dem Brandenburger Tor) 11:45 Uhr.
Ab 12 Uhr Marsch vom Brandenburger Tor, Ebertstr. Dorotheenstr., Wilhelmstr., Reichstagufer, vor dem Reichstag
2. Nachlese um 17 Uhr im Hopfingerbräu im Palais; Adresse: Ebertstrasse 24; 10117 Berlin; Telefon: (030) 20458637 Was war gut oder schlecht! Wie geht es weiter?
Anmeldung zur Teilnahme bitte unter:
Martin Steinhäuser: +49 3375 5250428
msteinhaeuser@t-online.de

Matthias W. Birkwald, DIE LINKE: Erst angelockt, dann abgezockt! – seine Rede im Bundestag

https://www.youtube.com/watch?v=Bo3wppmqm3k

Millionen Direktversicherter werden geschröpft

Dieser an Enteignung erinnernder Einschnitt in die Altersvorsorge von Millionen von Betriebsrentner geht auf die damalige Gesundheitsministerin Ulla Schmidt zurück, die der SPD angehört. Sie initiierte das „Gesetz zur Modernisierung der Gesetzlichen Krankenversicherung“ (GMG). Darin steht, dass auf „Renten der betrieblichen Altersversorgung“ bei Auszahlung auch Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung gezahlt werden müssen. Von Vertrauensschutz in punkto Betriebsrente hielt Ulla Schmidt nicht sonderlich viel, deswegen gilt das GMG auch für Verträge, die vor 2004 abgeschlossen wurden, sprich sogenannte Altverträge. Die Sozialpolitiker verweisen auf das Sozialgesetzbuch (SGB) Fünftes Buch (V) und dort insbesondere auf den §229 (Versorgungsbezüge als beitragspflichtige Einnahmen) – mit Verweis auf die §§255 und 228. Wie viele Betriebsrenter davon betroffen sind, lässt sich nur schätzen: Es lässt sich von rund 7,5 Millionen Direktversicherungsverträge ausgehen; die versicherte Summe dürfte bei 200 Milliarden Euro liegen, so die „Neue Osnabrücker Zeitung“. Es dürfte angesichts dieser Zahlen nicht sonderlich verwundern, dass die Krankenkassen zurzeit im Geld schwimmen: Sie haben 2016 ein Plus von 1,4 Milliarden Euro erzielt, so der „Merkur“. Die Rücklagen seien 2016 von 14,5 Milliarden Euro auf etwa 15,9 Milliarden Euro gestiegen. Selbst der Spitzenverband GKV spricht von „stabilen Finanzen“.

Keine Hilfe vom Bundesverfassungsgericht

Klingt kompliziert, ist kompliziert – und Staat sowie Sozialversicherung sind bei der Direktversicherung gnadenlos. Einige Direktversicherungsgeschädigte haben geklagt, aber vor dem Bundessozialgericht nicht Recht bekommen. Zahlungen einer Pensionskasse unterliegen selbst dann immer der vollen Beitragspflicht, auch wenn ein Arbeitnehmer seine Firma verlässt und seine betriebliche Altersvorsorge selbst weiter gezahlt hat. (Az: B 12 KR 28/12 R). Die Sozialrichter reden von einer „institutionellen Abgrenzung“ – und deswegen sei  egal, ob ein Arbeitnehmer danach die Beiträge selbst übernehme. Vom Bundesverfassungsgericht dürfen sich die Betroffenen leider auch keine Hilfe erwarten. Es sah die volle Beitragspflicht zwar als verfassungswidrig an, ja, richtig gelesen, es sah die Verbeitragung der Direktversicherung als verfassungswidrig an, doch der Beschluss zu den Direktversicherungen sei nicht auf Pensionskassen anwendbar. Es komme eben darauf an, ob eine Lebensversicherung den Charakter einer Betriebsrente habe. Da werden Betriebsrentner geschröpft, um die Krankenkassen zu pampern, um es salopp auszudrücken. Wer die ganzen Wirren um die Doppelverbeitragung und den Kampf der Geschädigten nachvollziehen will, findet auf den Seiten des VdK eine tabellarische Übersicht (Vorsicht Frustgefahr!).

Schock für Direktversicherte

Da dürfte viele künftige Betriebsrentner in punkto Sozialversicherungspflicht noch ein schwerer Schock erwarten, wenn sie ihre Direktversicherung zum Ende ihres Berufslebens abrufen. Viele laufen Sturm. Einige der Betroffenen, die um einen Teil ihrer Altersvorsorge geprellt wurden, haben sich im Verein der Direktversicherungsgeschädigten (DVG) zusammen gefunden, einem Verein „im Kampf gegen Krankenkassenbeiträge auf Direktversicherungen“. Sie demonstrierten in Hamburg und Berlin. Mehr als einen Achtungserfolg haben sie jedoch nicht errungen. Peter Weber, Vorstandsmitglied des DVG reichte Mitte Januar 2016 eine Verfassungsbeschwerde beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe ein. Damit wendet er dagegen, dass er „für seine per Entgeltumwandlung selbstfinanzierte Direktversicherung, eine Kapitallebensversicherung mit einmaliger Kapitalauszahlung, die er im Oktober 2011 von seiner Lebensversicherung ausgezahlt bekam, Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung zahlen soll“. Der Verein der Direktversicherungsgeschädigten empfindet diesen „Zwangsbeitrag“ als Enteignung und Betrug am Bürger und fordert von der Politik, diese Regelung endlich abzuschaffen. So richtig unterstützt wurden die Direktversicherungsgeschädigten bislang nur von den Linken, deren Vorstoß zu einer Gesetzesänderung im vorigen Jahr am Widerstand der anderen Fraktionen scheiterte. Laut Kurt Lindinger, einem der Aktivisten, liegen zehn Verfassungsbeschwerden beim Bundesverfassungsgericht zur Klärung vor. Das Problem wird eher größer, denn „jährlich kommen zirka 240 000 Betroffene hinzu, die bis zur Auszahlung der Versicherung keine Information erhalten, dass sie bei der Auszahlung den vollen Krankenkassenbeitrag zu entrichten haben“, sagte er dem „Donaukurier“. Hoffnungen setze der Verein der Direktversicherungsgeschädigten in CDU-Bundestagsabgeordnete Anja Karliczek aus Nordrhein-Westfalen. Aber allzu große Hoffnungen solle sich niemand der Betroffenen machen. Der mediale Druck wächst. So beleuchtete auch der Bayerische Rundfunk vor kurzem diese Ungerechtigkeit.

Eine Betriebsrente bringt weniger als ein Banksparplan. ZDF Zoom hat das im Detail vorgerechnet: hier das Video


Der Antrag der Linken dürfte im Bundestag kaum eine Chance haben, zumindest wird die Öffentlichkeit aufmerksam. Wenn Schwarz-Rot nicht umdenkt, verliert die betriebliche Altersvorsorge ihre Glaubwürdigkeit – und die Versicherer ihre Kunden. Das hat die Versicherungsbranche auch erkannt und fordert, die „bAV-Rahmenbedingungen in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung verbessern.“ Am 27. Januar 2017 gab es eine Anhörung vor dem Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestages, in dem sich Experten des Sozialrechts zur Doppelverbeitragung von Krankenversicherungsbeiträgen bei Direktversicherungen und Versorgungsbezügen äußersten. Einen Überblick über die Hintergründe und aktuellen Entwicklungen gibt Dr. Paulgerd Kolvenbach, Geschäftsführer der Longial. Nur so viel, die Betroffenen sollten sich keine allzu großen Hoffnungen machen, dass diese Ungerechtigkeit so schnell beseitigt wird. Da stellen sich die große Koalition einschließlich der Gründen der Linken entgegen, die die Doppelverbeitragung abschaffen will.  

Auch der Vorstoß des Arbeitnehmerflügels der Union und des Bundesrats dürften wenig ändern. Wie das Versicherungsjournal“ schreibt, hat der Bundesrat (VersicherungsJournal 1.2.2017, 13.2.2017) „die Bundesregierung aufgefordert, zu prüfen, ob die 100-prozentige Beitragspflicht zur Krankenversicherung bei Betriebsrenten nicht reduziert werden kann (Bundesratsdrucksache 780/16(B)). Nahles habe dazu gessagt, das sei zwar nicht ihr originäres Thema, aber hier gehe es um Milliarden Euro. Klar, dass sich vor allem Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) dagegen stemmen dürfte, schließlich würde ihm Milliarden in der Kasse fehlen.

Die vor einigen Jahren veränderte Behandlung der bAV-Leistungen in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung beeinträchtigt die Attraktivität der bAV aus Arbeitnehmersicht: Die Leistungen der bAV sind für Betriebsrentner seitdem mit dem vollen Beitragssatz beitragspflichtig in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung. Vor allem die unteren Einkommensgruppen sind besonders belastet. Es muss zügig eine Lösung gefunden werden, denn auch hier gilt, dass die Belastung die Vorsorgebereitschaft ganz erheblich reduziert.

https://www.youtube.com/watch?v=-3feOfaMw3U

Die Forderungen des DGV in punkto Direktversicherung und Krankenkassenbeiträge:

Sorgen Sie für Ihr Alter vor, indem Sie etwas ansparen? Verzichten Sie auf Teile Ihres Gehaltes und finanzieren damit eine Direktversicherung mit einmaliger Kapitalauszahlung? Nun freuen Sie sich auf das angesparte Kapital und hegen tolle Pläne. Dann haben Sie die Rechnung leider ohne den Wirt gemacht! Denn durch einen unscheinbaren, gesetzlichen Eingriff wurde Ihre selbstfinanzierte, private Direktversicherung von der Politik rückwirkend in eine betriebliche Altersversorgung umgedeutet. Gewollter Nebeneffekt: Ihre Krankenkasse darf auf Ihre Versicherung zugreifen und von Ihnen sowohl den Arbeitnehmer- als auch den Arbeitgeberbeitrag zur Kranken- und Pflegeversicherung einfordern. Rund 20% Ihrer Altersvorsorge lösen sich in Luft auf. Sie machen ein krasses Minusgeschäft… – z.B. 50.000 EUR durch Gehaltsverzicht angespart – davon kassiert Ihre Krankenkasse 9.000 EUR! Mit dem 2004 in Kraft getretenen Gesundheitsmodernisierungsgesetz wurde diese kalte Enteignung beschlossen und rückwirkend auf bereits laufende Versicherungsverträge übertragen. Von Bestands- und Vertrauensschutz keine Spur. Das kümmert keinen Politiker und keinen Richter! ZU SPÄT? Nein! Der Verein „Direktversicherungsgeschädigte e.V.“ kämpft für die Interessen von Millionen Direktversicherten und setzt sich für die Rücknahme des von den Betroffenen als Betrug empfundenen „Raubrittergesetzes“ ein.

Das schreibt beispielsweise das Versorgungswerk der Presse:

mit Wirkung ab 1.1.2004 ist das Gesetz zur Modernisierung der gesetzlichen Krankenversicherung (GMG) in Kraft getreten. Das Gesetz beinhaltet die Einbeziehung von Versorgungsleistungen, die als einmalige Kapitalleistungen gezahlt werden, in die beitragspflichtigen Versorgungsbezüge. Damit sind ab dem 1.1.2004 nicht nur laufende Rentenzahlungen aus der betrieblichen Altersvorsorge beitragspflichtig in der Krankenversicherung der Rentner (KVdR), sondern auch sämtliche Kapitalzahlungen aus der betrieblichen Altersvorsorge. Entsprechendes gilt für die Pflegeversicherung der Rentner (PVdR). Das Bundesverfassungsgericht hat am 28.09.2010 eine Entscheidung des Bundessozialgerichts vom 12.12.2007 aufgehoben. Danach sind Renten- und Kapitalzahlungen aus einer Direktversicherung, die auf privat gezahlten Beiträgen beruhen, nicht beitragspflichtig in der Kranken bzw.  Pflegeversicherung der Rentner (KVdR/PVdR). Voraussetzung ist allerdings, dass mit der privaten Beitragszahlung auch die Versicherungsnehmer-Stellung vom Arbeitgeber auf den Arbeitnehmer übergegangen ist. Als Zahlstelle für Versorgungsbezüge sind wir rechtlich verpflichtet, die Krankenkasse zu ermitteln und dieser die Auszahlung der Versorgungsleistung zu melden. Der Beitragseinbehalt erfolgt dann direkt bei Ihnen durch die Krankenkasse über einen Zeitraum von zehn Jahren. Das neue Gesetz bezieht sich auf Pflichtversicherte und freiwillig Versicherte in der gesetzlichen Krankenversicherung. Privat Versicherte sind davon nicht betroffen.

Betriebsrentner entkommen der Verbeitragung nur, wenn sie ihren Vorsorgevertrag teilweise privat fortführen, so „Geldtipps“

Ausnahme: Privat fortgeführte Kapitallebens- und Rentenversicherung
In seinem Urteil vom 28.9.2010 hat das Bundesverfassungsgericht den Grundsatz der teilweisen Beitragspflicht einer Betriebsrente entwickelt (Az. 1 BvR 1660/08). Das Gericht bezog sich dabei auf Fälle, in denen Versicherte aus einem Beschäftigungsverhältnis ausgeschieden sind, fortan ihre Beiträge selbst entrichtet haben und auch offiziell (statt des Ex-Arbeitgebers) als Versicherungsnehmer in den Versicherungsvertrag eingetreten sind.

… und dazu der Leserbrief von Horst Gehring in der Neue OZ

So langsam dämmert es den Politikern, dass sie mit dieser Strafzahlung niemand mehr für die Betriebsrente begeistern können, deswegen denken einige aus der Union darüber nach, die Krankenkassenbeiträge auf Betriebsrenten wieder zu streichen. „Das Thema GKV-Beiträge auf Betriebsrenten wird hoffentlich Bestandteil des gemeinsamen Entwurfs zur Reform der Betriebsrenten sein“, so der CDU-Bundestagsabgeordnete und CDA-Chef Peter Weiß zur „Bild“.

Vertrauensschutz mit Füßen getreten

Mit dem §229 SGB V verdeutlicht der Staat wie viel ihm der Grundsatz „Pacta sunt servanda“, das heißt „Verträge sind einzuhalten“ wert ist, nämlich gar nichts. Den Vertrauensschutz tritt er mit Füßen, denn das 2004 eingeführte Gesetz gilt auch für Verträge, die lange schon vorher abgeschlossen worden war. Das Gesetz ist somit illegal und ohne Rechtsgrundlage wie der DVG verdeutlicht: „Kapitallebensversicherungen mit einem betrieblichen Bezug bei Vertragsabschluss als Einmalzahlung – und nicht als Versorgungsbezug (der Rente vergleichbare Einnahme) nach § 229 SGB V – vereinbart, werden in der gesetzlichen Krankenversicherung seit dem 01.01.2004 ohne Rechtsgrundlagedurch eine gesetzlich bisher nicht legitimierte gesetzesübersteigende Rechtsfortbildung der BSG-Richter des 12. Senats der Beitragspflicht unterworfen, obwohl das Bundesverfassungsgericht durch ihre höchstrichterliche Rechtsprechung in den Beschlüssen zu 1 BvR 1924/07 vom  07. 04. 2008 mit den Randnummer 32 und zu 1 BvR 1660/08 vom  28.09.2010 mit der Randnummer 8 + 12 klargestellt hat, dass Kapitalzahlungen keine Versorgungsbezüge sind.

Ausnahmen:

Treu und Glauben

Auf Treu und Glauben sollte sich in der Sozialversicherung niemand verlassen, wie das Urteil des Bayerischen Sozialgerichts beweist. Das steht doch tatsächlich drin, „seine Vorstellung, dass die Beklagte mit ihrer Forderung gegen das dem deutschen Rechtssystem immanent zugrundeliegende Prinzip von Treu und Glauben verstoßen würde, ist zu einseitig und hält einer objektiven Überprüfung nicht stand“.

Wer eine Realsatire lesen will, sollte sich die Geschichte von Gerhard Klußmeier reinziehen: „Die Geschichte einer bundesstaatlichen Enteignung durch ein von SPD/Grüne zu verantwortendes Gesetz – das ohne regulierende Mitwirkung der Politik ausschließlich von der Lobby der Krankenkassen-Verbände gemacht wurde. Verantwortlich für den Auftrags-Diebstahl: Ulla Schmidt, SPD“


Widerspruch einlegen

Gibt es überhaupt keine Möglichkeit sich zu wehren? Die Anwaltskanzlei Sauer, Wolff, Martin empfiehlt, Widerspruch einzulegen – mit dem Wortlaut: 

„Wie lege ich Widerspruch ein ?

Name des Versicherten
Adresse des Versicherten

Name der Krankenkasse
Adresse der Krankenkasse

Datum

Widerspruch gegen die Neufestsetzung der Krankenversicherungsbeiträge auf meine
Betriebsrenten/meine Versorgungsbezüge/Direktversicherung

Aktenzeichen: (aus Bescheid der Krankenkasse)

Sehr geehrte Damen und Herren,

gegen Ihren Bescheid über die Neufestsetzung meiner Krankenversicherungsbeiträge vom (Datum des Bescheids)lege ich Widerspruch ein.

Der 1982 eingeführte halbe Beitragssatz auf Versorgungsbezüge geht auf die Entscheidung des Gesetzgebers zurück, diese Leistungen nicht höher zu belasten als Renten der gesetzlichen Rentenversicherung. Insofern sehe ich durch die Anhebung des Beitragssatzes meine Rechte aus Art. 3 I Grundgesetz (allgemeiner Gleichheitssatz) verletzt.

Auf Grund des Umfangs der Beitragserhöhung und ihrer übergangslosen Einführung sehe ich den grundgesetzlich garantierten Vertrauensschutz und meine Rechte aus Art.14 I Grundgesetz (Schutz des Eigentums) verletzt.

Diese Beitragserhöhung bedeutet für mich eine unzumutbare Belastung.

Im Hinblick auf die große Zahl ähnlich gelagerter Fälle, die in diesen Fällen eintretende massive finanzielle Belastung und eine dementsprechend absehbar große Zahl von Widersprüchen und Klagen beantrage ich das Ruhen des Verfahrens bis zu einer höchstrichterlichen Klärung.“

Dieses Gesetz ist auch ein klarer Verstoß gegen das per Grundgesetz geregelte Rückwirkungsverbots. Von einer Beständigkeit der Gesetze kann in diesem Fall keine Rede sein.

http://www.juraexamen.info/ruckwirkungsverbot-echte-und-unechte-ruckwirkung/

Böse Fallen bei der Betriebsrente – ein Erklär-Video

https://www.youtube.com/watch?v=6wi9ZxXuD1w

Andrea Nahles bereitet leider den nächsten Murks vor mit dem Betriebsrentenstärkungsgesetz. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) sieht bei der betrieblichen Altersvorsorge auch erhebliche Probleme in der Sozialabgabenfreiheit. Denn, „die Ersparnis in der Einzahlungsphase bringt Arbeitnehmern Nachteile und begünstigt die Arbeitgeber“, so VZBV-Vorstand Klaus Müller. Denn die Abgabenfreiheit führe zu geringeren Ansprüchen in der gesetzlichen Rentenversicherung, zu einem Verlust an Ansprüchen für die gesetzliche Erwerbsminderungsrente, zu verminderten Ansprüchen auf Krankengeld aus der gesetzlichen Krankenversicherung und zu geringeren Ansprüchen bei Arbeitslosigkeit.

Der Verband rechnet vor: Hätte ein Arbeitnehmer in den letzten 30 Jahren monatlich 100 Euro sozialabgabenfrei gespart, so würde das für seinen Anspruch an gesetzlicher Rentenversicherung 41 Euro weniger bedeuten. „Es ergibt keinen Sinn, die kapitalgedeckte Altersvorsorge auf Kosten der gesetzlichen Rente zu schwächen“, so Müller.

Die SPD ist offensichtlich nicht gewillt, dieses Unrecht wieder gut zu machen. Das lässt sich an der Reaktion auf einen Leserbrief von Norbert Wichman an die „Westfälische Nachrichten“ ablesen.

An: Westfälische Nachrichten / Redaktion Burgsteinfurt (redaktion.bur@westfaelische-nachrichten.de) <redaktion.bur@westfaelische-nachrichten.de>
Betreff: Leserbrief

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir bitten Sie freundlichst um Veröffentlichung des unten stehenden Leserbriefs.

Zum Leserbrief von Herrn Norbert Wichmann, Lengerich vom 18. Januar 2017
Zu: „Betriebsrenten sorgen für Ärger“ vom 16. Januar 2017

Zu dem Leserbrief von Herrn Wichmann möchte ich folgendes mitteilen: Die Rückabwicklung des Gesetzes zur doppelten Verbeitragung von Krankenkassenbeiträgen bei Direktversicherungen kostet ca. 3 Mrd. Euro. Das führt zu
finanziellen Ausfällen bei den Krankenkassen. Sowohl Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) als auch Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sind nicht bereit, dieses Geld aus dem Haushalt zur Verfügung zu stellen.
Die SPD würde den Direktversicherten gerne entgegenkommen, kann sich aber gegen den Koalitionspartner (CDU/CSU) nicht durchsetzen. Allein ein Parteibeschluss wird für eine Gesetzesänderung nicht reichen.

Ingrid Arndt-Brauer, MdB (SPD)
Vors. des Finanzausschusses
48612 Horstmar
Mit freundlichen Grüßen
i.A. Kornelia Ruhkamp
– Mitarbeiterin –
Wahlkreisbüro Ochtrup
Ingrid Arndt-Brauer
Mitglied des Deutschen Bundestages
Wahlkreisbüro Ochtrup
Postfach 1156
48600 Ochtrup
Tel. 02553 977 1053
Fax 02553 977 1054
Email: ingrid.arndt-brauer.wk01@bundestag.de
www.arndt-brauer.de

Weiterführende Links:




Die Rente steigt und das Vertrauen sinkt

Die Medien überschlagen sich schier und feiern „die stärkste Rentenerhöhung seit mehr als 20“. Dabei gerät die Meldung ins Abseits, dass die Jungen der Rente immer weniger trauen und gleichzeitig das langfristige Rentenniveau sinkt, weswegen viele Rentner verarmen.

Eigentlich ist ja schon seit vergangenem Oktober bekannt, dass die mehr als 20 Millionen Rentner hierzulande ab Sommer mehr Geld bekommen. Auch die Höhe war damals schon klar – für Westdeutschland war eine Rentenerhöhung von mehr als vier Prozent avisiert, die genaue Zahl liegt bei 4,25 Prozent. So viel bekommen Rentner ab 1. Juli mehr. Ostrentner bekommen sogar um 5,95 Prozent mehr. Auch das war schon im Oktober bekannt.

Stimmungsmache vor den Wahlen?

Warum jetzt die dicken Schlagzeilen ist etwas unverständlich. Vielleicht sollen die Zahlen von der Stimmungslage unter den Jungen ablenken, die ihr Vertrauen in die gesetzliche Rente so ziemlich verloren haben. „Nur noch jeder Fünfte zwischen 18 und 34 Jahren erwartet, dereinst gut von seiner Rente leben zu können“, schreibt die „Welt“. Vermutlich ist das aber schon der Auftakt für die Wahlen im September in drei Bundesländern – am 4. September Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern, am 11. September Kreis- und Gemeinderatswahlen in Niedersachsen und am 18. September in Berlin (Abgeordnetenhaus).

Rentenniveau sinkt auf 45 Prozent

Da kommt eine Rentenerhöhung wie jetzt vom Bundessozialministerium gemeldet, gut an. Bundessozialministerin Andrea Nahles (SPD) grinste denn auch über beide Ohren. Das sei eine gute Nachricht, gerade in Zeiten niedriger Zinsen.

Die Rentenerhöhung übertüncht auch das Sinken des längerfristigen Rentenniveau, sprich dem Verhältnis zwischen Arbeits- und Renteneinkommen. 2029 wird es nur noch bei mageren 45 Prozent liegen. Ganz abgesehen davon, dass die diesjährige Erhöhung so in der Zukunft wohl nicht wiederholt werden wird, auch da sollte sich keiner Illusionen machen.

Wie total verfahren der Rentenkarren ist, lässt sich weiter an der jüngsten Ankündigung einer Mindestrente ablesen. Die Bundesregierung will langjährigen Versicherten eine Art Mindestrente zahlen, die über dem Niveau der Sozialhilfe liegen soll. Dafür habe Schwarz-Rot 180 Millionen Euro reserviert, schreibt die „Welt“.

Weiterführende Links:

https://twitter.com/zeitonline/status/711789382013943808