Deutsche beziehen heute doppelt so lang Rente wie 1960

Rente, renter, am rentesten – Rentner in Deutschland beziehen heute 19,6 Jahre Rente. Das ist annähernd doppelt so lang wie vor 57 Jahren, sprich 1960.1960 bezogen die Menschen durchschnittlich 9,9 Jahre Rente. In Zukunft wird die Bezugsdauer der Rente eher noch weiter steigen.

 

Die Deutsche Rentenversicherung hat ausgerechnet, dass Rentner in Deutschland allein in den vergangenen 20 Jahren etwa 3,6 Jahre länger Rente beziehen als davor. Der Grund ist klar: Wir leben länger, so der Vorsitzende des Bundesvorstandes der Deutschen Rentenversicherung Bund, Alexander Gunkel. Im Schnitt leben wir in Deutschland bis 79,5 Jahre. Frauen leben der „Apotheken Umschau“ bis 83,1 Jahre, Männer bis 78,2 Jahre – eine Differenz von 4,9 Jahren.

Japaner leben länger

Deutschland gehört in punkto Lebenserwartung dabei nicht einmal zu den Weltmeistern. Dieser Titel steht den Japanern zu, die im Schnitt eine Lebenserwartung von 85 Jahren haben. Deutschland ist in punkto Lebenserwartung nur gutes Mittelfeld. In Europa sind es vor allem Isländer,  Norweger und Schweizer, die deutlich länger leben.

Länger leben, länger Rente beziehen

Eine längere Lebenserwartung bedeutet auch eine längere Bezugszeit der Rente. Spätestens, wenn der Babyboomer-Jahrgang 1964 in Rente geht, wird die Reformdebatte richtig hochkochen. Es werden dann die Forderungen lauter, das Rentenalter weiter nach oben zu setzen. Denn, eines dürfte klar sein: Die Rentenkasse kommen wegen der steigenden Lebenserwartung und der steigenden Bezugszeit der Rente enorm unter Druck.

Mehr Rente ab Juli 2018

Wie sieht es sonst mit der Rentenversicherung aus? Was gibt’s Neues in punkto Rente? Die Rentenversicherung nimmt mehr Geld ein: Der November war sogar der Monat, mit den höchsten Pflichtbeitragseinnahmen. Deswegen sinkt der Rentenbeitrag 2018 auch von 18,7 auf 18,6 Prozent. Die Rentner können sich parallel dazu auf höhere Renten freuen. Zum 1. Juli 2018 sollen die Bezüge der Ruheständler um 3,09 Prozent im Westen und um 3,23 Prozent im Osten steigen.

Rentenniveau fällt auf 45 Prozent

Noch läuft’s richtig gut, aber das wird so nicht bleiben. Gunkel zufolge wird das Rentenniveau bis 2030 auf 45 Prozent fallen. Danach geht es sogar noch weiter nach unten. Ein niedrigeres Rentenniveau bedeutet auch niedrigere Renten.

Beitragssatz und Nettorentenniveau vor Steuern bis 2045. Das Niveau der Rente sinkt und der Beitragssatz steigt

Beitragssatz und Nettorentenniveau vor Steuern bis 2045. Das Rentenniveau sinkt und der Beitragssatz steigt

Gunkel warnt davor, die langfristige Perspektive in der Rentenversicherung nicht aus den Augen zu verlieren. Wenn so ab 2025 die besonders geburtenstarken Jahrgänge in Rente gehen, wird sich die finanzielle Situation der Rentenversicherungen deutlich verschärfen. Es sei davon auszugehen, dass die Nachhaltigkeitsrücklage dann deutlich zusammenschrumpft. Das ist aber vernünftig, denn momentan zahlt die Rentenversicherung für die Rücklage Strafzinsen an die Europäische Zentralbank, weil ihr Chef Mario Draghi Negativzinsen eingeführt hat.




Wie Draghi deutsche Rentner und Krankenversicherte abzockt

Wie die Europäische Zentralbank (EZB) unter ihrem Chef Mario Draghi deutsche Rentner und Krankenversicherte abzockt. Seine  Negativzinsen zehren an den Rücklagen der Deutschen Rentenversicherung und kostet Rentner Kaufkraft. Draghis lässt auch die Krankenkassen bluten und damit die Versicherten.

Sparer zahlen Strafzinsen

Jeder, der größere Beträge bei Banken oder direkt bei der EZB bunkert, muss Strafzinsen zahlen. Da die Deutsche Rentenversicherung eine „Nachhaltigkeitsrücklage“ von 32 Milliarden Euro vorhält, gehört sie natürlich auch zu den Verlierern der Negativzinspolitik von Draghi. Dem Rentenversicherungsbericht 2017 zufolge hat sie „nur“ zehn Millionen Euro verloren. Auf jeden einzelnen der 21 Millionen Rentner umgerechnet, bedeutet das: Jeder verliert dadurch pro Jahr annähernd 50 Cent. Das klingt wenig, wird aber mehr werden. Denn, die Deutsche Rentenversicherung rechnet laut „Welt“ für 2018 bereits mit 50 Millionen Euro Verlust durch die Strafzinspolitik von Draghi. So steht es auch im Rentenversicherungsbericht 2017 in der Übersicht B 1 auf Seite 29
in der Zeile „Vermögenserträge“.

Millionen Rentner abgezockt

Der Zins für die sogenannte „Einlagefazilität“ liegt seit Juni 2014 unter null. Im Dezember 2015 wurde der Strafzins sogar auf minus 0,3 Prozent erhöht. Im März 2016 verschlechterte sich die Lage für Sparer weiter. Der Strafzins stieg dann auf minus 0,4 Prozent. Für 2017 weist die Rentenversicherung eine „eiserne Reserve“ von 32,9 Milliarden Euro aus. Bei einem Strafzins von minus 0,4 Prozent ergibt sich damit ein Verlust von 131,6 Millionen Euro. Wie kann es sein, dass die Rentenversicherung nur zehn Millionen Euro Verlust ausweist? Sie muss das Geld so anlegen, dass „ein Verlust ausgeschlossen erscheint“, so steht es zumindest im Sozialgesetzbuch. Also in Aktien darf sie damit nicht investieren. In Staatsanleihen darf sie auch nicht investieren. Sie darf nicht in Immobilien investieren. Bleibt nur Tagesgeld – und dafür gibt’s im Schnitt noch 0,03 bis 0,08 Prozent, wie die Finanzberatung FMH auf ihrer Seite ausweist. Und wie argumentiert die Rentenversicherung selbst?

„Es gibt zwei Einflüsse, die zu deutlich geringeren Entgelten führen: 

1. Die Anlagen werden weit überwiegend bei Geschäftsbanken und mit Laufzeiten bis zu einem Jahr getätigt. Daher liegt der Geldmarktzins insgesamt über dem Satz der Einlagefazilität bei der EZB.

2. Die im Jahr 2017 fälligen Anlagen wurden weit überwiegend im Jahr 2016 zu damals noch besseren Geldmarktkonditionen getätigt.“

Rentenversicherung muss bluten

Wie hat die Deutsche Rentenversicherung das Geld ihrer Beitragszahler angelegt, um den Verlust klein zu halten? Der Rentenversicherungsbericht schweigt sich leider aus. Auf Anfrage bei der Deutschen Rentenversicherung kam folgende Antwort: „Da die Mittel der Nachhaltigkeitsrücklage liquiditätsnah anzulegen sind,
werden die Anlagen weit überwiegend in Form von Termingeldern bei Geschäftsbanken getätigt. Bei der Anlage ist, neben der Liquidität der Anlage, die Sicherheit und die Wirtschaftlichkeit zu beachten.“

Draghis Politik enteignet systematisch Millionen deutscher Rentner. Das ist ein Skandal, über den sich hierzulande offensichtlich niemand groß aufregt.

Systematische Enteignung

Das Schlimme daran, Ruheständler und alle, die fürs Alter vorsorge werden nicht nur auf diesem Weg enteignet. Für ihre betriebliche und private Altersvorsorge bekommen sie auch immer weniger. Das ist aber immer noch nicht alles. Auch der Gesundheitsfonds, in die gesetzlich Krankenversicherten einzahlen, wird von Draghi enteignet. Denn, auch der Gesundheitsfonds zahlt für seine Rücklagen Strafzinsen. Die Strafzinsen summierten sich laut „Neues Deutschland“ von Januar bis September 2016 auf vier Millionen Euro. Hochgerechnet aufs ganze Jahr dürfte es sicher fünf Millionen Euro sein. 2017 zahlte der Gesundheitsfonds vermutlich noch weit mehr als diese fünf Millionen Euro an Strafzinsen.

Kampf gegen Krake Krankenkasse

Gleichzeitig kassieren die Krankenkassen bei den Direktversicherten ab. Wenn die ihr über Jahrzehnte per Entgeldumwandlung angespartes Geld ausbezahlt bekommen, halten die Krankenkassen die Hand auf. Das Geld landet über Umwege im Gesundheitsfonds, der von Draghi geschröpft wird. So lässt sich Geld am besten vernichten – Geld, das normalerweise den Versicherten zu Gute kommen sollte.

Geld verliert seine Funktion

Draghi hat mit seiner Negativzinspolitik erreicht, dass Geld seine Funktion als Wertaufbewahrungsmittel weitgehend verloren. Die Deutsche Bundesbank sollte ihre Erklärung umschreiben, welche Aufgaben Geld hat. Ihre Erklärung verhöhnt jeden Sparer.

Wer spart, „konserviert“ den Wert über die Zeit und bildet sich so eine Reserve, über die er später bei Bedarf verfügen kann. Das „Spar-Geld“ kann man so in der Zwischenzeit anderen überlassen (z. B.einer Bank). Dafür bekommt man Zinsen, die gewissermaßen eine Entschädigung dafür sind, dass man für eine bestimmte Zeit auf die Verfügbarkeit seines Geldes verzichtet.

Von wegen!

 




Kündigen zur Rente mit 63? Oder Aufhebungsvertrag?

Kündigen zur Rente mit 63? Oder Aufhebungsvertrag? Jeder, der mit 63 in Rente gehen will, stellt sich wohl diese Frage. Viele wollen, können oder müssen nicht bis zum Regelrentenalter arbeiten, das seit 2012 stufenweise von 65 auf 67 Jahre steigt. Mit 63 Jahren geht das, denn das entsprechende Gesetz trat zum 1. Juli 2014 in Kraft. Was muss jemand beachten, wenn er vorzeitig in Rente gehen will? So viel vorweg –  er muss selbst aktiv werden! Ausgenommen von dieser Altersgrenze sind natürlich Erwerbsgeminderte.

Mit 63 gehen ohne Abschläge?

Mit 63 Jahren in Rente gehen? Mit oder ohne Abschläge? Mit 63 können nur die Rentenversicherten aufhören, ohne Abschläge hinnehmen zu müssen, die ihre 45 Versicherungsjahre voll haben. Im Versicherungsdeutsch heißt das  „besonders langjährig Versicherte“. Wobei das uneingeschränkt nur für den Jahrgang 1952 gilt, denn für alle anderen Jahrgänge erhöht sich diese Grenze um jeweils zwei Monate. 

Wie die Altersgrenze von 63 Jahren angehoben wird:

GeburtsjahrAnhebung in MonatenRentenalter*
1952063
1953263+2
1954463+4
1955663+6
1956863+8
19571063+10
19581263+12
19591463+14
19601663+16
19611863+18
19622063+20
19632263+22
19642463+24

Wartezeit von mindestens 35 Jahren

Alle anderen, sprich die (nur) „langjährig Versicherten“, die keine 45 Versicherungsjahre zusammenbringen und damit nicht zu den „besonders langjährigen Versicherten“ gehören, können zwar mit 63 Jahren in Rente gehen, müssen aber Abschläge in Kauf nehmen. Tja, ganz so einfach ist die Rente mit 63 dann doch nicht. Und ob diese Regelung Bestand hat, ist auch noch fraglich, denn die Ersten fordern bereits die Abschaffung des Gesetzes.

Übrigens, wie das mit der Erwerbsminderungsrente funktioniert, erklärt die Seite "Wege aus dem Hamsterrad". 

Aber auch der langjährig Versicherte, der mit 63 Jahren in Rente gehen will, muss mindestens 35 Jahre Wartezeit vorweisen können. In die „Wartezeit“ fallen Beitrags- und Ersatzzeiten hinein, auch die Lehrlingsjahre und die Bundeswehr.  Die Wehrpflicht wurde 2011 abgeschafft. Zur Wartezeit gehören neben Beitragszeiten, Ersatzzeiten auch Anrechnungszeiten (krank, schwanger, arbeitslos, Schule, Studium) und Berücksichtigungszeiten.

Abschläge bei Rente mit 63

Zurück zur Frage „Kündigen zur Rente mit 63? Oder Aufhebungsvertrag?“. Wie ist das mit den Abschlägen bei der Rente mit 63? Wenn ein Versicherter, wie ich, 35 Wartejahre beisammen hat, kann er ab dem 63. Geburtstag in Rente gehen. Übrigens, die Rente beginnt immer am Monatsersten nach dem Geburtstag. Sprich, wer am 1. eines Monats geboren ist, wie ich, für den beginnt die Rente zum Ersten des Geburtsmonats. Das heißt, da ich am 1. März geboren bin, habe ich mein 63. Lebensjahr am 28. Februar vollendet. Für am 2. März Geborene beginnt die Rente mit 63 erst ab dem 1. April – alles klar?

Abschläge bis zu 9,6 Prozent

Wer die Rente mit 63 beziehen will, muss Abschläge in Kauf nehmen. Mit 63 Jahren in Rente zu gehen, muss sich ein Rentenversicherter schon leisten können. Wer mit 63 Jahren in Rente gehen will, muss Abschläge akzeptieren: 0,3 Prozent für jeden Monat, den er früher in Rente gehen will. Für 1964 Geborene macht das schon einen Abschlag von 14,4 Prozent aus. Ich müsste ja eigentlich bis 65 Jahre + acht Monate arbeiten. Wer 1955 geboren ist, muss schon mit Abschlägen von 9,9 Prozent rechnen, bei 1956 Geborenen sind es 10,2 Prozent – und so geht es weiter. Auf der Seite der Deutschen Rentenversicherung kann sich das jeder genau ausrechnen lassen. 

Kündigen oder Aufhebungsvertrag?

Aber jetzt zur Frage „Kündigen zur Rente mit 63? Oder Aufhebungsvertrag?“: Wie ist das? Muss ich kündigen, wenn ich vorzeitig in Rente gehen will? Wie ist das in Arbeitsverträgen geregelt? In vielen Arbeitsverträge steht noch ein Passus wie

  • „… das Vertragsverhältnis endet, ohne dass es einer Kündigung bedarf, mit Ablauf des Monats, in dem der …. Anspruch auf eine Sozialversicherungsrente hat oder im Falle seiner Befreiung haben würde, spätestens mit Ablauf des 65. Lebensjahrs“
  • Das gilt natürlich heute so nicht mehr, da die meisten 65 Jahre plus einiger Monate arbeiten müssen. Aber abgewandelt hat dieser Passus natürlich bei der Altersrente noch seine Wirksamkeit.

Selbst aktiv werden für Rente mit 63

Anders sieht es für Frührentner aus, die mit 63 Jahren gehen, so sie denn die nötigen Beitragsjahre beieinander haben. Wer früher in Rente gehen will, muss tatsächlich selbst aktiv werden und

kündigen oder einen Aufhebungsvertrag

mit dem Arbeitgeber schließen, sonst wird’s nichts mit der vorgezogenen Rente. Denn, die Rente mit 63 ist keine „Regelaltersrente“; das Arbeitsverhältnis endet nicht automatisch. Was die Kündigungsfrist eines Arbeitnehmers bei vorgezogenem Renteneintritt betrifft, so gilt in der Regel sein Arbeitsvertrag, der sich bei vielen auf einen Tarifvertrag stützt – und in dem steht genau drin, wie lange die Kündigungsfrist ist. Bei Redakteuren an Zeitschriften beispielsweise greift der entsprechende Manteltarifvertrag. Danach, nur so als Beispiel, beträgt die Kündigungsfrist beiderseits mindestens sechs Wochen zum Ende eines Kalendervierteljahres, nach einer ununterbrochenen Unternehmenszugehörigkeit als Redakteurin/Redakteur von 
3 Jahremindesten 3 Monate
8 Jahremindestens 4 Monate
10 Jahremindestens 6 Monate
25 Jahremindestens 8 Monate
15 Jahre und gleichzeitiger Vollendung des 55. Lebensjahresmindestens 12 Monate

wie gesagt, das ist nur ein Beispiel – in anderen Branchen und Unternehmen kann das ganz anders aussehen.


Wer zur Rente mit 63 kündigen will, kann sich an dem Musterbrief von kuendigungsschreiben.co orientieren. Der Musterbrief einer Kündigung könnte so aussehen:

Musterbrief einer Kündigung

Max Mustermann
Musterstraße 1
12345 Musterstadt

Leinsamen GmbH
Lummersbüttler Weg 7
33477 Luttersbüttel

Musterstadt, tt.mm.jjjj

Kündigung des bestehenden Arbeitsvertrages

Sehr geehrte Damen und Herren,

da ich mein Rentenalter erreicht habe, kündige ich meine Stelle als (Bitte Job einsetzen) fristgerecht zum XXX (Datum einsetzen). Meinen Resturlaub möchte ich vor dem Kündigungsdatum nehmen, somit wäre mein letzter Arbeitstag der … 

Aber, wie gesagt, der Muster-Kündigungsbrief kann von der Seite kuendigungsschreiben.co herunter geladen werden.

Nur so viel: Die Kündigung muss natürlich schriftlich erfolgen und unterschrieben werden. Es ist sinnvoll, sie persönlich abzugeben und sich das quittieren zu lassen. Es geht natürlich auch per Post mit Rückschein, um etwas in der Hand zu haben.

Übrigens, der Deutschen Rentenversicherung ist es egal, ob ein Aufhebungsvertrag geschlossen wurde oder ob der Rentenversicherte ordentlich gekündigt hat. Für die Rentenansprüche ist das irrelevant.


Alternative Aufhebungsvertrag

Jetzt zur anderen Alternative „Aufhebungsvertrag“. Ideal ist es natürlich, mit seinem Arbeitgeber über die Ausgestaltung dieses Schritts zu reden. Die beste Lösung dürfte eine einvernehmliche Beendigung durch Abschluss eines Aufhebungsvertrags sein. Die Kündigung müsste insofern die Ausnahme sein.

Häufig ist es ja so, dass der Arbeitgeber auf einen Beendigung des Arbeitsverhältnisses drängt. „Gemäß dem Grundsatz der Vertragsfreiheit können sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer jederzeit auf die Beendigung des Arbeitsvertrages einigen“, schreibt Marlene Keller auf ihrer Seite anwaltarbeitsrecht.com. Wer mehr über gesetzliche Kündigungsfristen und Kündigungsschutzregelungen wissen will, lädt sich am besten ihr E-Book „Ratgeber Arbeitsrecht herunter.

Keine automatische Beendigung

Bei 63-Jährigen, die in Rente gehen wollen, sieht die Situation natürlich anders aus. Wer die abschlagsfreie Rente in Anspruch nehmen will oder mit 63 Jahren und Abschlägen gehen will, muss sein Arbeitsverhältnis kündigen oder einen Aufhebungsvertrag abschließen. Wer das vor hat, sollte einen eindeutigen Bescheid über die Rente vom Rentenversicherungsträger vorliegen.

Was soll im Aufhebungsvertrag stehen?

Wen Arbeitgeber und Arbeitnehmer vereinbart haben, dass das Arbeitsverhältnis durch vorzeitigen Rentenbezug mit dem Ablauf des Monats, in dem der Arbeitnehmer 63 wird, enden soll. Dann sollte das auch im Aufhebungsvertrag drin stehen – und ein entsprechender Passus. „Gemäß § 41 Satz 2 SGB VI endet das Arbeitsverhältnis deshalb nur dann wie vorgesehen, wenn der Arbeitnehmer dies nochmals bestätigt; diese Bestätigung kann frühestens drei Jahre vor dem geplanten Termin des Ausscheidens, spätestens allerdings noch am letzten Tag des Ausscheidens erfolgen“, schreibt der Handelsverband Bayern. Die Bestätigung im Aufhebungsvertrag könnte wie folgt formuliert sein:

Bestätigung gemäß § 41 Satz 2 SGB VI mit dem schriftlichen Arbeitsvertrag vom …. Die Firma und die/der Mitarbeiterin/Mitarbeiter stimmen darin überein, dass das Arbeitsverhältnis mit Ablauf des Monats endet, in dem der/dem Beschäftigten der Rentenbescheid über die Gewährung einer Rente wegen vorgezogenen Altersruhegeldes zugeht.

Ort, Datum, Unterschrift: ………………………………………………………

Firma bzw. Mitarbeiterin/Mitarbeiter: ……………………………………….

Dem lässt sich fast nichts hinzufügen.

Eines noch – wer plant, in Rente zu gehen, sollte seinen Arbeitgeber rechtzeitig daran erinnern, sprich vier Monate vor dem Rentenbeginn, der Deutschen Rentenversicherung eine Entgeltmeldung zu schicken. Das geht elektronisch im Datenübermittlungsverfahren. In dieser Sondermeldung muss als Meldegrund „57“ drin stehen. Diese Entgeltmeldung ersetzt seit 2008 die sogenannte Entgeldbescheinigung, aus der hervorgeht, wie das Einkommen in den letzten drei Monaten vor Rentenbeginn war. Der Arbeitgeber kann die Meldung frühestens drei Monaten vor dem Rentenbeginn wegschicken. Ausführlich ist das in einem Info-Blatt der Deutschen Rentenversicherung beschrieben.

Wie sieht der Zeitplan aus?

Hier ein Beispiel:

  • bei Rentenbeginn am 1. September 2018
  • müsste der Arbeitgeber die Meldung frühestens am 1. Juni 2018 abschicken
  • der Antragsteller sollte also Mitte Mai beim Arbeitgeber anklopfen
  • der Meldezeitraum (Grund der Abgabe 57) ist vom 1. Januar 2018 bis 31. Mai 2018
  • die Beschäftigung endet am 31. August 2018
  • Meldezeitraum (Grund der Abgabe 30): 1. Juni 2018 bis 31. August 2018

Da bleibt mir nur zu wünschen übrig: Happy Terminating – und eine schöne Rente.

Rente mit 63 – wie das geht? Ein Erklär-Video


Weiterführende Links:

Kommentar, Fragen? Gern, freue mich auf eine rege Diskussion.

 

… und so sieht er aus der Rentenantrag R0100

R0100 Rentenantrag

R0100 Rentenantrag

aktualisiert am 14. November 2018




Was uns 2018 bringen wird

Wenn das Jahr sich seinem Ende nähert, beginnt traditionell die Zeit der Jahresrückblicke. Doch anstatt zurückzublicken, wollen wir heute in die Zukunft schauen – was wird uns 2018 bringen – in punkto Rente, Sport, Wirtschaft, Politik?

2018 endlich mehr Geld?

Die Debatte, ob es künftig endlich mehr Geld für Rentner geben wird, kommt eigentlich in jedem Jahr auf. Für 2018 hat sich eine durchaus positive Nachricht angekündigt: Die Rentenbezüge sollen zum 1. Juli 2018 um über drei Prozent steigen (3,09 Prozent im Westen, 3,23 Prozent im Osten) – und auch nach 2018 soll die Erhöhung Schritt für Schritt weitergehen. So ist geplant, in den kommenden 14 Jahren eine durchschnittliche Rentenanpassung von 2,2 Prozent pro Jahr durchzusetzen. Ob die geplante Erhöhung zu Juli 2018 letztlich jedoch wirklich so umgesetzt wird, entscheidet sich erst im Frühjahr 2018.

Alle, die aktuell noch arbeiten, können sich ebenfalls freuen: Die Deutsche Rentenversicherung erwartet eine Beitragssenkung von 18,7 auf 18,6 Prozent – zugegeben, eine kleine Entlastung für die Arbeitnehmer, aber immerhin ist es eine. Apropos mehr Geld: Ende 2018 wird die Ausgabe des 500-Euro-Scheins eingestellt und die Banknote somit aus dem Verkehr gezogen. Wir müssen uns also daran gewöhnen, größere Summen bald in kleineren Scheinen zu erhalten.

Olympiade und Fussball WM

2018 ist vollgepackt mit sportlichen Großereignissen. Da ist zum einen die Winter-Olympiade in Südkorea, die Fußball WM in Russland, die Tour de France natürlich und die Hockey WM der Damen. Für Sportbegeisterte endlich wieder ein Jahr, in dem es sich lohnt, sich einen Kalender zum Markieren und Eintragen der Highlights des Jahres anzuschaffen. Wie wäre es mit einem selbst gestalteten Fotokalender? Individuelle Fotokalender kann heute jeder bequem selbst zusammenstellen – ein Blick bei www.cewe.de dürfte jeden überraschen, was alles möglich ist. Übrigens, so ein Fotokalender eignet sich auch prima als Weihnachtsgeschenk. Und hier zum Notieren – die Sport-Events:

  • Die Olympischen Winterspiele finden vom 9. bis 25. Februar 2018 im südkoreanischen Pyeongchang statt – insgesamt gibt es rund 102 Medaillen-Wettbewerbe in 15 Sportarten. Spannung und sportliche Höchstleistungen sind da vorprogrammiert.
  • Nicht weniger spannend dürfte die Fußball-WM werden, die im kommenden Jahr vom 14. Juni bis zum 15. Juli in Russland ausgetragen wird. Die deutsche Nationalmannschaft geht als Titelverteidiger einmal mehr als Favorit in die Weltmeisterschaft.
  • Außerdem steht vom 7. bis zum 12. August die Leichtathletik-EM im Berliner Olympiastadion an.
  • Und die Tour de France startet am 7. Juli auf der Île de Noirmoutier und endet am 29. auf den Champs-Élysées in Paris.

Arbeitslosengeld an der Supermarktkasse

So weit, so gut – passiert 2018 sonst noch was, abgesehen von einer Rentenanpassung und diversen Sport-Events? Durchaus! Die Agentur für Arbeit hat beispielsweise angekündigt, dass das Arbeitslosengeld künftig an Kassen von Drogerie- und Supermärkten bar ausgezahlt werden kann. Darüber hinaus steigt der Regelsatz für alleinstehende Hartz4-Empfänger von 409 auf 416 Euro, bei Paaren wird der Betrag von 368 auf 374 Euro pro Monat und Partner angehoben – die Änderungen treten zum 1. Januar 2018 in Kraft.

Und wer weiß, vielleicht gehen wir 2018 noch einmal zur Urne, um einen neuen Bundestagswahl zu wählen. Die Würfel dafür dürften in den kommenden Tagen fallen.

Ja, dann erwarten uns 2018 noch einige runde Geburtstage, die sicher ihren Widerhall in der Presse finden, darunter beispielsweise

  • der 200. Geburtstag von Karl Marx: 5. Mai 2018
  • der 100. Geburtstag von Hans Scholl:
  • der 200. Geburtstag von Friedrich Wllhelm Raiffeisen: 30. März 2018
  • … und am 24. Dezember vor 200 Jahren wurde das erste Mal „Stille Nacht, heilige Nacht“ aufgeführt

Es wird also spannend 2018!

 

Bildrechte: Flickr Four pretty birds on a row Comrade King CC BY-SA 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten




Dänen haben beste Altersvorsorge – Deutschland nur Mittelmaß

Bei der Altersvorsorge ist Dänemark Spitze, gefolgt von den Niederlanden, Deutschland ist nur Mittelmaß und rangiert auf dem 13. Platz. Ganz übel sieht es in Indien und Argentinien aus.

Im Vergleich der Altersvorsorgesysteme in 30 ausgesuchten Ländern kommt Deutschland nur auf einen mittelmäßigen 13. Platz. Spitzenreiter war und ist Dänemark, so das Ergebnis des „Melbourne Mercer Global Pension Index 2017“ (MMGPI), der vom Beratungsunternehmen Mercer bereits zum neunten Mal in Kooperation mit dem Australian Centre for Financial Studies erstellt wurde.

Ranking Altersvorsorgesysteme

 Ranking     
Land20172016GesamtindexAngemessenheitNachhaltigkeitIntegrität
Dänemark1/301/2778.976.579.881.3
Niederlande2/302/2778.878.073.587.5
Australien3/30 3/2777.175.373.085.7
Norwegen4/30-74.777.061.090.3
Finnland5/304/2772.370.261.391.0
Schweden6/305/2772.067.771.080.3
Singapur7/307/2769.465.266.280.7
Schweiz8/306/2767.660.264.783.3
Neuseeland9/30-67.466.261.577.8
Chile10/308/2767.358.069.179.7
Kanada11/308/2766.869.955.477.7
Irland12/3010/2765.877.943.977.2
Deutschland13/3012/2763.576.576.540.9
Frankreich16/3013/2759.680.438.655.8
Österreich21/3018/27 53.167.619.9 76.4
Durchschnitt59.960.950.871.2

Quelle: Mercer

Dänemark hat die Nase vorn

Die Experten haben die Altersversorgung verschiedener Länder untersucht in punkto Angemessenheit, Nachhaltigkeit und Integrität. Sie haben dabei sowohl die staatliche Rente und die betriebliche sowie private Altersvorsorge unter die Lupe genommen. Dänemark hat mit 78,9 von 100 Punkten die Nase vorn, die Niederlande liegen jedoch nur mit 0,1 Punkten im Rückstand. Einziger Trost bei Deutschland – Deutschland hat im Vergleich zum Vorjahr den höchsten Punktezugewinn mit 4,5 Punkten, wodurch der Gesamtindex auf von 59,0 auf 63,5 Punkte stieg.

Deutschland kann sich verbessern

„Auch wenn Deutschland im internationalen Vergleich einen Rang zurückfällt, zeigt die Studie deutlich, dass unser Rentensystem mit einem ‚gesunden Mix‘ aus gesetzlicher Rente, betrieblicher und privater Altersvorsorge auf einem guten Weg ist“, so Dr. Udo Müller, Rentenexperte bei Mercer.

Das Rang Deutschlands könnte sich weiter verbessern, meinen die Rentenexperten von Mercer, wegen der:

  • Anhebung der Mindestrenten für Niedriglohn-Rentner
  • Weitere Erhöhung der Erwerbsquote älterer Arbeitnehmer
  • Verbesserung der Kommunikation an die Leistungsempfänger
  • Erhöhung der Teilnehmer in der betrieblichen Altersversorgung.

Müller meint, das Betriebsrentenstärkungsgesetz werde etwas bringen. Ob er damit nicht schief liegt? So lange die Doppelverbeitragung von Betriebsrenten und Direktversicherungen nicht aufgehoben wird, wird das nichts mit der Verbesserung, weil die Krankenkassen den Renditerahm abschöpfen. Die Entgeltumwandlung lohnt sich nicht, trotz höherer Zuschüsse, weil bei der Auszahlung mehr als 18 Prozent an die Krankenkasse gezahlt werden müssen.

Rentensystem oft nicht nachhaltig

Wichtigster Faktor ist „Nachhaltigkeit. „Japan, Österreich, Italien und Frankreich sind Beispiele für Volkswirtschaften, in denen die Rentensysteme nicht auf einem nachhaltigen Modell basieren, das aktuelle und zukünftige Generationen tragen kann“, so Jacques Goulet, President Health und Wealth bei Mercer.

Zur Methodik: Jedes Land ist auf einer Skala von 0 bis 100 bewertet. Der Gesamtindex ist der gewichtete Durchschnittswert der drei Sub-Indices Angemessenheit, Nachhaltigkeit und Integrität. Integrität gibt Aufschluss, wie „vertrauenswürdig“ und beständig das Vorsorgesystem ist – und dabei spielen staatliche Aufsicht, Risikostreuung und Kommunikation eine wichtige Rolle. Die Gewichtung liegt bei 25 Prozent.




Abschlagsfreie Rente mit 63 vor dem Aus?

Im Moment sieht es danach aus, dass die abschlagsfreie Rente mit 63 Jahren entweder ganz oder teilweise vor dem Aus steht. Schwarz-Gelb-Grün, sprich die künftige Jamaika-Koalition plant offensichtlich, diese Regelung zu beschneiden. Noch folgt Dementi auf Dementi, aber Rentenanwärter sollten sich schon mal darauf einstellen, dass dieses Gesetz geändert wird.

Was heißt „Rente mit 63“?

Worum geht es? Als die Regelaltersgrenze zum 1. Januar 2012 stufenweise angehoben wurde, hat sich die SPD damals gedacht, sie müsste den hart arbeitenden Beschäftigten ein Bonbon als Ausgleich bieten – und führte für diese Klientel, sprich die besonders langjährig Versicherte, eine neue Altersrente ein: die abschlagsfreie Rente mit 63 Jahren. Festgezurrt wurde das im Sozialgesetzbuch VI (SGB) §236b.

Seit wann gilt das Gesetz?

Seit dem 1. Juli 2014 können besonders langjährig Versicherte schon ab 63 Jahren ohne Abzüge in Rente gehen. Allerdings gilt das nur für eben diese Gruppe, wenn sie vor dem 1. Januar 1953 geboren wurden. Für später Geborene erhöht sich diese Marke stufenweise auf 65 Jahre. Wer 1953 geboren ist, kann erst mit 63 plus zwei Monate gehen, der 1954 Geborene erst mit 63 plus vier Monate …

Mit 63 plus X in Rente – was für wen gilt

 

GeburtsjahrAnhebung in MonatenRentenalter*
1952063
1953263+2
1954463+4
1955663+6
1956863+8
19571063+10
19581263+12
19591463+14
19601663+16
19611863+18
19622063+20
19632263+22
19642463+24

*Jahre plus Monate

Das Gesetz vor dem Aus

Dieses Gesetz steht auf der Kippe. Besonders Jens Spahn von der CDU, dem parlamentarischen Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, ist laut „FOCUS Online“ die „Rente mit 63“ ein Dorn im Auge. Ex-ifo-Chef Hans-Werner Sinn ist ebenfalls dieser Meinung. Die FDP könnte sich sicher damit anfreunden. Die Grünen eiern zurzeit noch etwas herum. Niemand sollte sich darauf verlassen, dass dieses Gesetz der SPD so bestehen bleibt.

Einige Politiker der möglichen künftigen Jamaika-Koalition denken der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ zufolge darüber nach, die „Rente mit 63“ nur noch Beschäftigten in Berufen mit harter körperlicher Arbeit zuzugestehen. Je länger sich die Koalitionsverhandlungen hinziehen, desto besser für diejenigen, die noch in nächster Zeit in den Genuss der „Rente mit 63“ kommen.

Und für wen gilt die „Rente mit 63“? Für Akademiker schon mal nicht, denn sie kommen nicht auf 45 Beitragsjahre, weil das Studium – in der Regel mindestens acht Semester oder vier Jahre – nicht mitgezählt wird.

Was zählt zu den 45 Beitragsjahren?

Dazu zählen der Deutschen Rentenversicherung zufolge:

  • Zeiten mit den Pflichtbeiträgen aus der Beschäftigung
  • bei geringfügiger, nicht versicherungspflichtiger Beschäftigung (anteilige Berücksichtigung)
  • Pflichtbeiträge aus selbstständiger Tätigkeit
  • Zeiten mit freiwilligen Beiträgen, wenn mindestens 18 Jahre Pflichtbeiträgen aus einer Beschäftigung (auch selbstständig) gezahlt wurden
  • Zeiten der Wehr- und Zivildienstpflicht
  • Zeiten der nicht erwerbsmäßigen Pflege von Angehörigen
  • Zeiten der Kindererziehung bis zum zehnten Lebensjahr des Kindes
  • Zeiten, in denen Arbeits- und Teilarbeitslosengeld, Leistungen bei Krankheit oder Übergangsgeld bezogen wurden
  • Zeiten des Bezugs von Leistungen bei beruflicher Weiterbildung
  • Zeiten des Bezugs von Insolvenzgeld und Konkursausfallgeld

Was zählt nicht dazu?

  • Schulzeiten, das gilt vor allem für Fachhoch- und Hochschule
  • Zeiten der Arbeitslosigkeit (Arbeitslosengeld II)

„Rente mit 63“ mit Abschlägen

Wer keine 45 Beitragsjahren zusammen bringt, kann auch mit 63 Jahren in Rente gehen, wenn er mindestens 35 Beitragsjahre vorweisen. Allerdings muss ein solcher langjährig Versicherter Abschläge in Kauf nehmen.

Erfolgsmodell „Rente mit 63“

Die „Rente mit 63“ ist ein Erfolgsmodell für alle Begünstigten. Bislang haben der Deutschen Rentenversicherung zufolge seit Inkrafttreten des Gesetzes im Juli 2014 bis Ende 2016 rund 695 000 Menschen diese Chance ergriffen und einen Antrag gestellt. Bis Ende August sind weitere 160 000 bei der Deutschen Rentenversicherung eingegangen, bis Ende Oktober dürften noch einmal 26 000 hinzugekommen sein. So dass bis Ende Oktober 2017 insgesamt mehr als 870 000 Anträge eingegangen sind.




Was der Zinseszins mit der Rente zu tun hat

Was hat der Zinseszins mit der Rente zu tun? Gute Frage. Was ist Zinseszins überhaupt? Nichts zu essen, so viel vorweg. Spaß beseite, das ist der Zins auf den Zins, wenn Geld mehr als nur ein Jahr verliehen wird. Dumm nur, wenn der Zins nahe null ist – dann wird’s auch nichts mit dem Zinseszins. Da hilft auch das frühe Anfangen nichts. Doppelt dumm, dass dann im Alter kein Geld da ist ohne Zinseszins.

Null Ahnung, null Bock

Irgendwie wissen das wohl die meisten, folgern aber nicht, dass sie über ihre Geldanlage gründlich nachdenken müssen. Denn, die Rente ist zwar sicher, wie Norbert Blüm vor langer Zeit proklamierte, von der Höhe hat der damals wohlweislich nichts gesagt. Dass sie nicht reichen wird für ein auskömmliches Alter, dürfte mittlerweile jedem klar sein.

Morgen, morgen … nur nicht heute

Diesen Zusammenhang hat jüngst das Meinungsforschungsinstituts INSA im Auftrag der Gesellschaft Deutscher Versicherer (GDV) ermittelt. Danach glauben 84 Prozent der Deutschen, ohne private Vorsorge im Alter zu verarmen. Aber nur annähernd die Hälfte der Befragten sorgen auch wirklich privat vor – ganz nach dem Motto „dafür ist ja noch später Zeit“. Das sei allerdings der falsche Weg, so Peter Härtling, Kopf des Bundesverbandes der Ruhestandsplaner Deutschland (BDRD). „Die Deutschen kennen offenbar den Zinseszinseffekt nicht”, wird Härtling vom Versicherungsboten zitiert. Aber nur, wer schon früh anfängt und durchhält, kann vom Zinseszinseffekt profitieren. Wobei Härtling vergaß zu erwähnen, dass es auch auf die richtige Anlageklasse ankommt, denn mit Tagesgeld lässt sich kein Vermögen aufbauen.

Härtling rechnet vor: „Möchte man sich im Alter von 67 Jahren in den Ruhestand begeben und benötigt dann zusätzlich zur gesetzlichen Rente monatlich weitere 1000 Euro, um seinen gewohnten Lebensstandard zu halten, der braucht er bei einer angenommenen Infaltion von drei Prozent finanzielle Rücklagen von rund 230 000 Euro“, so Härtling zum „Versicherungsboten“

Viele, gerade Junge, glauben, irgendwer wird es schon richten. Wie ahnungslos sie offensichtlich sind, belegt eine aktuelle Studie der Bank ING-DiBA, die die gegenwärtige Situation düster malt. Jeder zweite Deutschen habe in einer Umfrage angegeben, keinerlei Finanzbildung erhalten zu haben. „Finanzielle Analphabeten“ seien viele Deutschen sogar. Damit liege Deutschland europaweit nur vor Großbritannien, das mit 56 Prozent den letzten Platz belege. Besserung ist leider nicht in Sicht, wie der Vergleich zur gleichen Umfrage aus dem Jahr 2013 belege, bei der Deutschland mit 53 Prozent zusammen mit Spanien den letzten Platz teilte. „Über die Hälfte der deutschen Bevölkerung ist beim Thema Finanzen immer noch ungebildet; obwohl mehr als 90 Prozent der Deutschen der Ansicht sind, dass Finanzbildung heutzutage ein Must-have ist, scheint es ein grundlegendes Problem bei der Wissensvermittlung zu geben“, so die Autoren der Studie. Vor allem an Schulen werde das Thema noch viel zu sehr vernachlässigt“, so Nick Jue, Chef der ING-DiBa.

Studie Finanzwissen der ING Diba

Studie Finanzwissen der ING Diba

Schulen müssten mehr tun

Vor allem die junge Generation habe wenig Bezug zu Finanzthemen: „Im Vergleich zu 2013 schnitten junge Menschen zwischen 18 und 34 Jahren noch schlechter ab“, so die Studie. Viele der Befragten sahen die Schulen in der Pflicht.  „Die Wirklichkeit hingegen sieht düster aus: Nur für 15 Prozent der Deutschen war Finanzbildung fester Bestandteil des Stundenplans.“ Daran dürfte sich auch 2017 nicht viel geändert haben. Ein Schulfach Finanzen oder Geld gibt es nur an den wenigsten Schulen. Vergleichende Gedichtinterpretation ist vielen Schulen wichtiger als Themen wie Aktien, Altersvorsorge oder Zinseszins.




Wie Andrea Nahles Altersvorsorger für dumm verkauft

Die Bundesministerin für Arbeit und Soziales Andrea Nahles verkauft doch tatsächlich alle, die fürs Alter vorsorgen für dumm. Viele investieren Monat für Monat Geld in die betriebliche Altersvorsorge, aber am Ende rechnet sich diese Investition nicht, weil Staat und Sozialversicherung den Altersvorsorger schröpfen.

Das Betriebsrentenstärkungsgesetz (BRSG) – was für ein Unwort – soll die Betriebsrenten stärken, tatsächlich ist es eine Mogelpackung. Denn, Andrea Nahles unterscheidet dabei zwischen „guten“ Riesterern und „schlechten“ Direktversicherten. Jeder, der eine Riester-Rente abschließt oder abgeschlossen hat, muss in der Auszahlungsphase künftig keine doppelten Beiträge mehr zur Krankenversicherung zahlen, alle anderen, die per Entgeltumwandlung in eine Direktversicherung einzahlen, müssen aber doppelte Beiträge zahlen. Doppelt heißt, jeder, der während der Einzahlphase einen Teil seines Gehalts per Entgeltumwandlung in eine Direktversicherung einzahlt, wird durch Krankenversicherungsbeiträge belastet – und in der Auszahlphase noch einmal. Er zahlt dann sogar den vollen Beitragssatz in der Kranken- und Pflegeversicherung, sprich den Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil.

Nahles will Riester-Sparer ködern

Ab Januar 2018 nun müssen Riester-Renten-Sparer in der Auszahlphase nicht mehr den doppelten Beitrag zahlen, „sofern Versicherungspflicht in der gesetzlichen Krankenversicherung besteht“, wie Haufe schreibt. Riester-Renten-Sparer bekommen sogar noch eine mit 175 Euro statt wie bisher 154 Euro.

Zukünftig seien, so Haufe, betriebliche Riester-Renten in der Auszahlungsphase nicht mehr zu verbeitragen, sofern Versicherungspflicht in der gesetzlichen Krankenversicherung besteht. „Die steuer- und beitragsrechtlichen Regelungen bleiben damit in der Anspar- und Auszahlungsphase aber weiter konträr gegenüber den Bestimmungen der anderen Formen der betrieblichen Altersversorgung“, wie Haufe diplomatisch schreibt. Riester-Renten-Sparer und Direktversicherten werden unterschiedlich behandelt. Das ist gelinde gesagt, eine Unverschämtheit, die bislang nur den wenigsten aufgefallen ist.

Unverschämte Ungleichbehandlung

Auf diese Weise lassen sich Betriebsrenten bestimmt nicht stärker. Das Betriebsrentenstärkungsgesetz ist eher ein Betriebsrentenschwächungsgesetz. Tausende von Direktversicherungsgeschädigten wehren sich gegen diese Enteignung. Angesichts des Betriebsrentenstärkungsgesetzes und seiner einseitigen Bevorzugung von Riester-Sparern erscheint die Doppelverbeitragung von Direktversicherungen noch ungerechter.

Das ist auch Klaus Stiefermann, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Altersversorgung (ABA) sauer aufgestoßen. Stiefermann kritisiert, „dass die Doppelverbeitragung nur für die Riester-bAV gilt.

Chef muss schon mehr zuschießen

Merten Larisch, Altersvorsorgeexperte der Verbraucherzentralen Bayern hat vorgerechnet, dass die „Betriebsrente erst bei 40 Prozent Arbeitgeberanteil lohnenswert“ sei, wie er von der „Welt“ zitiert wird.

Beim ersten Hinsehen, so die „Welt“ scheine die Direktversicherung attraktiv. Aber eben nur beim ersten Hinsehen. Der Haken kommt in der Auszahlphase. Wie die Direktversicherung funktioniert? Der Arbeitnehmer verzichtet auf einen Teil seines Bruttogehalts; dieser Teil fließt in eine Lebensversicherung – und zwar vor Steuern und Sozialabgaben. „Beträge bis monatlich maximal 404 Euro sind steuerfrei“, rechnet die „Welt“ vor. „Es fallen bis zur Höchstgrenze von 254 Euro im Monat auch keine Beiträge zur Renten-, Kranken- Pflege- und Arbeitslosenversicherung an“, so das Blatt.

Privat vorsorgen heißt weniger Rente

In der Ansparphase spart der Beschäftigte zwar Steuern und Sozialabgaben, womit sich freilich auch beispielsweise seine Rentenansprüche mindern. Der Beitragszahler bekommt am Ende zwar eine Betriebsrente, dafür weniger gesetzliche Rente – und nicht nur das, auch weniger Kranken-, Eltern- oder Arbeitslosengeld.

Der dicke Hammer kommt allerdings zu Beginn der Auszahlphase. So müssen die Direktversicherten zu Rentenbeginn volle Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge zahlen – alles in allem, einschließlich Zusatzbeitrag und Pflegeversicherung sind das mehr als 18 Prozent. Diese mehr als 18 Prozent zahlt der Direktversicherte zehn Jahre lang – Monat für Monat. Da kommen schnell zigtausend Euro zusammen, je nachdem wie lang jemand eingezahlt hat.

Minimum 40 Prozent vom Arbeitgeber

Axel Kleinlein, Vorstandssprecher des Bunds der Versicherten (BdV) legt den Finger in die Wunde. Wer, so sein Argument, privat vorsorgt, bekommt zwar keinen Zuschuss vom Arbeitgeber, dafür zahlt er auch bei Rentenbeginn keine Sozialabgaben. Auch wer privat krankenversichert ist, zahlt nichts an die gesetzliche Krankenversicherung.

Kurzum, wenn der Arbeitgeber nicht wenigsten 40 Prozent zur Direktversicherung zuzahlt, lohnt sich das für den Arbeitnehmer nicht. Dann lieber privat vorsorgen und die Direktversicherung ausschlagen. Was nützen die paar Euro des Arbeitgebers, wenn am Ende die Krankenversicherung mehr abzweigt, als eingezahlt wurde.

Abzocke von Rot-Grün-Schwarz

Übrigens, das ist das Werk der damaligen rot-grüner Koalition unter Gerhard Schröder – mit Hilfe der Union. Federführend waren Ulla Schmidt von der SPD und Horst Seehofer von der CSU.

„Nach neuesten Berechnungen von Finanztest bleiben einem ledigen Gutverdiener (Jahresbrutto 58.000 Euro) von 107 Euro Monatsrente, die er für monatlich 100 Euro Einzahlung nach 27 Jahren garantiert bekommt, gerade mal 67 Euro netto übrig“, schreibt die „Welt“. Diese Bilanz sei ernüchternd, so das Fazit der Tester.

15 Prozent reichen nicht

Zwar müssen Arbeitgeber ab 2018 bei Neuverträgen 15 Prozent zu einer Direktversicherung zuzahlen, das reicht indes nicht, um die Nachteile bei der Auszahlung auszugleichen. Also, genau hinschauen vor dem Abschluss einer Direktversicherung. Wenn der Chef zu wenig zuschießt, lohnt sie sich nicht.

Für privat versicherte Beschäftigte kann sich eine Direktversicherung durchaus lohnen, da sich keine 18 Prozent an die gesetzliche Krankenversicherung abdrücken müssen.

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Die zehn besten Anti-Aging-Tipps

Pro-Aging, Anti-Aging – wie lässt sich das Altern hinauszögern? Eine der Leitfiguren für Pro-Aging ist die amerikanische Schauspielerin Jane Fonda. Sie wird am 21. Dezember 2017 immerhin 80 Jahre alt und sieht immer noch umwerfend aus. Jane Fonda ist ein echtes Phänomen und das beste Beispiel dafür, wie sich das Altern erfolgreich hinauszögern lässt.

Die amerikanische Schauspielerin avancierte in den 60er- und 70er-Jahren zum Sexidol. Später mutierte sie zur Aerobic-Queen und sieht für ihr Alter immer noch blendend aus. Wie schafft sie es, so lange, so fit zu sein? Pro-Aging oder Anti-Aging, was ist das Geheimnis der jungen Alten? Wie lässt sich das Altern verlangsamen und die Gesundheit im Altern fördern? Gibt es eine wirksame Altersbremse? Jane Fonda meint, Sex spiele sicher eine Rolle – für sie zumindest. Deswegen bedauere sie, dass ältere Schauspieler in Filmen nur selten Liebende und Sex-Szenen darstellen dürfen. „So was sollte heute doch längst natürlich sein“, wurde sie von der „Welt am Sonntag“ zitiert. Natürlich kam ihr auch Sport und Disziplin zugute sowie gute medizinische Versorgung.

Hilfe vom Schönheitschirurgen

Sie freilich auch ein bisschen nachgeholfen und sich nicht nur einmal unters Messer des Schönheitschirurgen gelegt. Die Schauspielerin bedauert auf ihre alten Tage allerdings, dass die hätte mutiger sein sollen, „mich nicht operieren zu lassen“, wie T-Online schreibt.

„Der Begriff Anti-Aging, auch Altershemmung, ist eine Bezeichnung für Maßnahmen, die zum Ziel haben, das biologische Altern des Menschen hinauszuzögern, die Lebensqualität im Alter möglichst lange auf hohem Niveau zu erhalten und auch das Leben insgesamt zu verlängern. Verwendet wird dieser Begriff in der Medizin, von Ernährungswissenschaftlern, der Nahrungsergänzungsmittelindustrie und von Kosmetikherstellern“, schreibt Wikipedia

Gene spielen wichtige Rolle

So viel vorweg: Das Altern und damit auch die Lebenserwartung hängen zu einem gewissen Teil von den Genen ab – wie viel, darüber streiten sich die Gelehrten. Die einen sagen 20 bis 30 Prozent, andere kommen auf einen geringeren Wert. Wer Eltern oder Großeltern hat, die steinalt wurden, hat gut Chancen, selbst alt zu werden. Tests wie der von FOCUS-Online fragen deswegen ab, wie alt die Eltern wurden.

Auch auf den Lebensstil kommt es an

Aber, „am Altern sind nicht nur die Gene schuld, sondern auch der Lebensstil“, sagt Sportmediziner und Buchautor Martin Halle. Der persönliche Lebensstil, körperliche Aktivität, Ernährung, Rauchen, Alkohol sowie Stress- und Umweltfaktoren spielen seiner Meinung nach ein wichtige Rolle für das biologische Alter.

Die zehn besten Anti-Aging-Tipps

Wer bei Wikipedia nachschlägt, findet einige Anti-Aging-Tipps, die sich freilich noch ergänzen lassen

  1. Ernähre dich ausgewogen
  2. Vermeide Übergewicht und „hungere“ gelegentlich
  3. Bewege dich regelmäßig
  4. Verzichte aufs Rauchen
  5. Verzichte auf ausgiebige Sonnenbäder
  6. Vermeide negativen Stress
  7. Nimm das Rad statt des Autos
  8. Führe Rituale ein
  9. Sei nachsichtig mit dir und Anderen
  10. Behalte deinen Humor

Auf diese Weise ist Panayiotis Mallis, Vice Chairman der Cyprus Adult Education Association (CAEA) so alt geworden. Er hat zehn Denk- und Verhaltensweisen gefunden, die einem helfen, mental und körperlich möglichst lang fit zu bleiben.

Ein Fastentag pro Woche

Gerade gemäßigtes Hungern hilft anscheinend, das Altern zu verlangsamen. Nicht von ungefähr werden Bewohner der japanischen Insel Okinawa älter als die meisten anderen. Sie haben sich eine spezielle Regel auferlegt, das so genannte „Hara hachi Bu“: „Der Magen soll bestenfalls zu 80 Prozent gefüllt werden – ein sublimes Hungergefühl gehört also auf Okinawa zur Esstradition“, schreibt FOCUS-Online.

Hara Hachi Bu – nur drei Viertel satt

Nicht immer satt essen – das Geheimnis der Bewohner von Okinawa

In seinem Buch „Zellen fahren gerne Fahrrad“ gibt Halle ein paar brauchbare Tipps. Darunter den, zumindest einen Fastentag pro Woche einzulegen – oder mal nur Obst zu essen, vielleicht auch eine Suppe.

Fahr Rad statt Auto

Neben der Ernährung spielt die Bewegung eine wichtige Rolle: Er empfiehlt, „Risikofaktoren einfach weg zu strampeln“. Warum denn immer das Auto benutzen – lieber mal mit dem Rad zum Bahnhof oder zum Einkaufen. Das Rezept: möglichst viel Bewegung in den Alltag einbauen. Das heißt, statt mit dem Aufzug zu fahren, besser Treppen steigen.

Stress kostet Lebenszeit

Nicht zu vergessen, das Thema Stress. Negativer Stress und Hetze kosten Lebenszeit. Deswegen gilt es, seine Stressresistenz zu verbessern. Helfen kann dabei eine Studie der Techniker Krankenkasse. Es lohnt sich in die Studie „Bleib locker Deutschland!“ der Techniker Krankenkasse einmal reinzuschauen. Ich denke, der eine oder andere nimmt brauchbare Erkenntnisse mit. Darüber hinaus hat  die TK einige brauchbare Tipps als Broschüre heraus gebracht zum Thema „Stressbewältigung.

Gesundheit ist ein Prozess

Wie lässt sich gegensteuern? Wer bis ins Rentenalter gesund bleiben will, muss Risiko- und Schutzfaktoren ausbalancieren. Dabei ist „Gesundheit kein Zustand, sondern ein Prozess“. Es gilt, die Stressspirale „umzudrehen“. Das heißt für den Einzelnen, seine Resilienz zu stärken, sprich seine psychische Widerstandskraft.

Wer noch mehr handfeste Regeln sucht, schaut am besten beim „Anti Aging Magazin“ vorbei. Das bietet 15 Regeln für gesundes Älterwerden.

Weiterführende Links:

Bild: Andrea Raffin / Shutterstock.com




Ist ein Rentenkonto für alle die Lösung?

Kennen Sie die Höhe Ihrer Rente? Wenn nein, sind Sie in guter Gesellschaft, denn laut Bankenverband kennen zwei von drei Deutschen ihre Rente nicht. Da wäre es doch toll, wenn es ein „Rentenkonto“ für jeden Bürger gäbe. Aber wie realistisch ist ein solches Rentenkonto für alle? In so einem Rentenkonto sollte detailliert drinstehen, wie viel jeder an Altersvorsorgeansprüche zu erwarten hat.

Wer will ein Rentenkonto?

Wer will denn so was? Nun, es gibt einige Befürworter für eine solche übergreifende Infoplattform, in der alles zusammengefasst sein könnte, was der einzelne Bürger wissen muss, um einschätzen zu können, was er im Alter an Versorgungsansprüchen zu erwarten hat. Da ist zum einen der Bankenverband, dann natürlich die Deutsche Renten Information – und nicht zuletzt Peter Altmaier, noch Kanzleramtsminister und übergangsweise sogar Finanzminister. Auch das Deutsche Institut für Altersvorsorge spricht sich dafür aus.

Die Deutsche Renten Information hätte gern von der Bundesregierung, dass sie eine Infoplattform zum Thema Altersvorsorge einführt, weil die überwiegende Mehrheit der Deutschen keinen Überblick über ihre Rente beziehungsweise ihre Ansprüche in Sachen Vorsorge habe. Dabei verweist der Verein auf eine Studie der Frankfurter Goethe-Universität. Vorstandsvorsitzender Professor Andreas Hackethal, der gleichzeitig Dekan des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften der Goethe Universität Frankfurt ist, weiß sehr wohl, dass es in Deutschland in punkto Altersvorsorge einen Paradigmenwechsel braucht. Altmaier unterstützt dieses Begehren und will, dass Bürger auf einen Blick eine Übersicht über ihre Rente bekommen.

Die größten Fehler der Geldanlage – von Andreas Hackethal erklärt

Vorsicht vor staatlicher Fürsorge

Klingt aufs Erste plausibel und löblich. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ zitiert Altmaier mit den Worten, dass „durch die Einführung eines digitalen Bürgerportals künftig sichergestellt werden soll, dass alle Verwaltungsdienstleistungen deutschlandweit elektronisch verfügbar sind“, so sein hehrer Ansatz. Gleichzeitig müsse ein solches Portal den Bürgern den Zugang zu einer unabhängigen Plattform bieten, die alle Ansprüche aus gesetzlicher Rente, Betriebsrente und privater Vorsorge sicher, einfach und übersichtlich zusammenfasst. Damit solle, so Altmaiers Argument, nachvollziehbar sein, „welche Anwartschaften der Bürger in den verschiedenen Säulen der Altersversicherung angespart hat“.

Wie gesagt, klingt fürsorglich. Nur, wem nützt eine solche Information? Dem Bürger oder dem Staat? Cui bono – wem nützt ein solches Rentenkonto? Wirklich dem Bürger – oder nicht doch eher dem Staat. Dank eines solchen Rentenkontos kann der Staat dann viel besser abschätzen, wo er den Bürger noch schröpfen kann, denn dann liegen ja die ganzen Vermögensverhältnisse des Bürger offen – und für den Staat vergleichsweise bequem erreichbar.

Skepsis ist angebracht

Woher diese Skepsis? Dem Staat ist nicht zu trauen, das hat die Doppelverbeitragung von Direktversicherungen bewiesen. Die Lebensversicherer werden vom Staat gezwungen, jeden Cent an die Krankenversicherung zu melden, den ein Bürger im Laufe seines Lebens über eine Direktversicherung angespart hat. Diese Information ist für Staat und Sozialversicherung Milliarden wert, denn der Besitzer einer Direktversicherung zahlt bei Rentenbeginn den Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil plus Pflegeversicherungsbeitrag an seine Krankenversicherung – annähernd 20 Prozent zehn Jahre lang. Möglich gemacht hat diese Enteignung ein Gesetz aus dem Jahre 2004, initiiert von der damaligen rot-grünen Regierung mit Unterstützung der Union. Das Gesundheitsmodernisierungsgesetz wird rückwirkend auch auf Verträge angewandt, die lang vor Inkrafttreten des Gesetzes abgeschlossen worden waren.

Künftiger leichter, Bürger zu enteignen

Wenn nun das „Rentenkonto“ kommt, dann ist es für den Staat noch viel leichter, die Bürger zu enteignen. Dafür lässt er sich einfach ein neues Gesetz einfallen, das ihm den Zugriff auf das Rentenkonto erlaubt. Wie leicht das geht, hat er ja schon mehrfach bewiesen. Je zentraler die Altersvorsorgeansprüche gespeichert sind, desto einfacher wird das für den Staat. Da beruhigt es auch nicht, wenn der Generalsekretär des CDU-Wirtschaftsrats, Wolfgang Steiger, auf andere Länder wie Dänemark, Schweden und Norwegen verweist, in denen es derartige Informationssysteme bereits gebe. Nur, die Skandinavier sind da weit pragmatischer als der deutsche Staat.

In Dänemark beispielsweise ist jeder Bürger seit November 2014 bei der Digitalen Post angemeldet und erledigt vieles online – vom Umzug-Melden bis zum Antrag auf Kinderbetreuung. Deutschland ist da meilenweit entfernt. Wie der Staat mit seiner Altersvorsorge umgeht, kann der dänische Bürger natürlich auch jederzeit einsehen und nachvollziehen auf der Seite der Arbejdsmarkedets Tillægspension ATP oder auf der Seite pensionforalle. Das, worüber die Deutschen reden, praktizieren die Dänen längst. Im Gegensatz zu Deutschland, ist die ATP aber weitgehend unabhängig vom Staat – und somit ihrem Zugriff entzogen. Im Gegensatz zu Deutschland zahlen die Arbeitgeber mit zwei Drittel auch den Löwenanteil in die betriebliche Altersvorsorge.

So funktioniert Betriebsrente in Dänemark

 

Norwegen hat Vermögen, Deutschland Schulden

Übrigens, Norwegen hat mit seinem Staatsfonds Vermögen für seine Bürger und das norwegische Sozialsystem angehäuft. Aus 48 Milliarden norwegischen Kronen hat er binnen 20 Jahren durch geschicktes Investieren 7,5 Billionen norwegischer Kronen gemacht – das sind umgerechnet 800 Milliarden Euro. Jeder Norweger verfügt somit über ein Guthaben von annähernd 150 000 Euro; auf jeden Deutsche kommen statistisch gesehen 27 856 Euro Staatsschulden.

Angesichts dieser Zahlen muss sich jeder fragen, wie der deutsche Staat mit dem Geld seiner Bürger in den vergangenen Jahren umgegangen ist. Skepsis ist insofern mehr als berechtigt.

Excel statt Rentenkonto

Aber zurück zum Rentenkonto. Dem deutschen Staat ist in punkto Altersvorsorge nicht zu trauen, das hat er bis lang mehrfach bewiesen. Eigeninitiative in punkto Rentenübersicht ist besser – und dafür gibt es ein einfaches Mittel: eine Excel-Tabelle. Jeder kann in diese Tabelle alle Daten selbst eintragen, Excel summiert die Zahlen auf. Wer diese Tabelle ständig aktualisiert, hat problemlos einen Überblick über seine Altersvorsorge. Ach ja, Excel. Das ist ein Tabellenkalkulationsprogramm von Microsoft – das zu Lernen ist kein Zauberwerk. Viele Windows-Nutzer dürften vermutlich bereits Excel auf ihrem Rechner haben. Die Bundesregierung könnte ja jedem ein Exemplar schenken. Wie wäre es denn, wenn der Staat statt in ein Rentenkonto zu investieren, in Finanzwissen investieren würde, wie es ja schon seit langem von Wirtschaftlern gefordert wird? Bislang sind alle derartigen Vorstöße im Sande verlaufen – oder habe ich da etwas nicht mitbekommen?