Wie der Staat Rentner um einen Teil der eigenen Altersvorsorge bringt

Was hilft die schönste Altersvorsorge, wenn der Staat am Ende die komplette Rendite einkassiert? Ja, Staat und Sozialversicherung schröpfen jeden, der jahrzehntelang brav für sein Alter vorgesorgt hat. Genau dann, wenn die Rentner ihr Geld brauchen, kommt die Krankenversicherung und holt sich annähernd ein Fünftel der Auszahlung. Wer fürs Alter vorsorgt, hätte sein Geld genauso gut unters Kopfkissen legen können.

Wenn die Beschäftigten, die sich auf eine der fünf Möglichkeiten der betrieblichen Altersvorsorge – Direktzusage der Firma an den Beschäftigten, Unterstützungskasse, Direktversicherung, Pensionskasse oder Pensionsfonds – eingelassen haben, am Ende ihres Arbeitslebens das Geld abrufen, müssen sie feststellen, dass die Kranken- und Pflegeversicherung die Hand aufhält.

Direktversicherungsgeschädigte sind sauer

Am schlimmsten erwischt es heutige Rentner, die vor 2004 eine Direktversicherung abgeschlossen haben, denn damals hat ihnen niemand gesagt, dass sie am Ende ihres Beschäftigtendaseins ein Fünftel an die Krankenkasse zahlen sollen.

Der Widerstand gegen diese Abzocke durch Staat und Krankenversicherung wird immer heftiger. Frank Müller vom Verein der Direktversicherungsgeschädigten (DVG) hat Ralf Kapschack, dem SPD-Bundestagsabgeordneten und Mitglied im Ausschuss für Arbeit und Soziales einen offenen Brief geschrieben. Darin wirft er der SPD Vertrags- und Vertrauensbruch vor. Müller wirft der SPD – übrigens waren 2004, als das Gesetz zur Doppelverbeitragung beschlossen wurde, auch die Grünen mit im Boot – Abzocke vor. Er rät deswegen jedem, keine betriebliche Altersvorsorge abzuschließen. Warum das so ist, haben Stephan Busch und Tom Wonneberg vorgerechnet. Danach ist es günstiger, selbst privat vorzusorgen. Klingt paradox, ist aber so.

SPD will nichts ändern an dem Fehler

SPD-Mann Kapschack hat geantwortet. Fairerweise kommt auch er zu Wort. Hier seine Erwiderung auf Müllers Brief:

Betreff: Ihre Nachrichten zum Betriebsrentenstärkungsgesetz

Sehr geehrte Frau und Herr Müller,                                                                                                                                                                                                                                          vielen Dank für Ihre Nachrichten „Gelbe Karte für den Referentenentwurf des Betriebsrentenstärkungsgesetzes“. Bitte entschuldigen Sie, dass ich Ihnen erst jetzt antworte. Wie Sie wissen, befinden wir uns gerade im internen Abstimmungsprozess zu dem Gesetzentwurf, der am 10. März 2017 in den Deutschen Bundestag eingebracht wurde. Als zuständiger Berichterstatter der SPD-Bundestagsfraktion antworte ich Ihnen auch im Namen meiner Kolleginnen und Kollegen, die Sie ebenfalls angeschrieben haben.
Die Problematik der sogenannten Doppelverbeitragung, die die „Direktversicherungsgeschädigten“ besonders hart trifft, ist in der SPD-Bundestagsfraktion bekannt. Ich kann auch ganz persönlich nachvollziehen, dass es für Sie schwer verständlich ist. Sie haben – sofern Sie Ihren Vertrag vor 2004 abgeschlossen haben – dies in dem Glauben getan, dass die Leistungen in der Auszahlungsphase nicht mit dem vollen Kranken- und Pflegeversicherungsbeitrag belegt werden. Diese Änderung wurde für Sie überraschend beschlossen, ohne dass Sie etwas an Ihrer Situation ändern konnten. Sicherlich sind Ihnen die Beweggründe für diese Änderung bekannt. Ich werde es deshalb nicht wiederholen.
Wie ich bereits in vergangenen E-Mail-Wechseln mit Vertreterinnen und Vertretern der Direktversicherungsgeschädigten mitgeteilt habe, bin ich nicht sicher, ob wir an dieser konkreten Problematik rückwirkend etwas ändern werden. Wir werden jedoch mit dem vorliegenden Entwurf für ein Betriebsrentenstärkungsgesetz wichtige Verbesserungen für die betriebliche Altersvorsorge, insbesondere für Geringverdienende, auf den Weg bringen. Wir stärken die Rolle der Tarifvertragsparteien und geben ihnen mehr und bessere Möglichkeiten in Tarifverträgen gute Bedingungen für Betriebsrenten auszuhandeln. Wenn im Rahmen von Tarifverträgen die reine Beitragszusage vereinbart wird, dann soll beispielsweise geregelt werden, dass der Arbeitergeber verpflichtet ist, die durch die Entgeltumwandlung eingesparten Sozialversicherungsbeiträge (mindestens 15 Prozent des Umwandlungsbetrags) an den Arbeitnehmer/die Arbeitnehmerin weiterzugeben. Damit ließe sich aus meiner Sicht ein Teil der hohen KV-Beiträge in der Auszahlungsphase kompensieren. Mein persönlicher Wunsch ist es, dass wir diese Verpflichtung zur Weitergabe der eingesparten Sozialversicherungsbeiträge auf alle Betriebsrenten übertragen können.
Nun ist mir bewusst, dass das in Ihrem konkreten Fall nicht weiterhilft. Damit ist aber das Betriebsrentenstärkungsgesetz aus den oben genannten Gründen nicht per se schlecht.
Des Weiteren möchte ich noch auf einen Punkt eingehen: Es ist sehr schade, dass Sie nun die junge Generation davor warnen, für ihr Alter betrieblich oder privat vorzusorgen. Denn mittlerweile gilt für alle Durchführungswege der betrieblichen Altersvorsorge: In der Anwartschaftsphase ist die bAV steuerfrei bzw. bei Direktversicherungen, Pensionskassen und Pensionsfonds steuerfrei bis 4 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze; in der Auszahlungsphase sind alle Durchführungswege steuerpflichtig.
Gleiches gilt für die Sozialversicherungsbeiträge: Alle Betriebsrenten sind in der Ansparphase beitragsfrei bis zu 4 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze und unterliegen gleichermaßen in der Auszahlungsphase der vollen Beitragspflicht (oberhalb 1/20 der monatlichen Bezugsgröße nach §18 SGB IV, aktuell 148,75 Euro). Über die volle Beitragspflicht kann man sich grundsätzlich streiten. Auch ich bin davon überzeugt, dass sie die Attraktivität der betrieblichen Altersvorsorge schmälert – wie im übrigen jede Steuer, Abgabe oder Gebühr die aus dem angesparten Kapital fließt und durch umso höhere Rendite erst einmal kompensiert werden muss. Eine Rückkehr zum halben Beitragssatz würde jährlich derzeit ca. 2,5 Milliarden Euro kosten. Diese müssten an anderer Stelle – z.B. durch einen höheren Beitragssatz, finanziert durch alle Beitragszahlerinnen und Beitragszahler, oder durch einen Steuerzuschuss aufgebracht werden.
Wir führen daher aktuell viele Gespräche, insbesondere auch mit den Gesundheitspolitikerinnen und –politikern und versuchen möglichst eine Lösung zu finden. Abschließend möchte ich noch auf einen Aspekt Ihrer Mails eingehen, der so offenbar von dem „Verein der Direktversicherungsgeschädigten“ vorangetrieben wird. Es geht darum, dass dort dargestellt ist, dass von 6,3 bis 8,1 Millionen „Direktversicherungsgeschädigten“ ausgegangen wird. Die Veränderung durch das Gesundheitsmodernisierungsgesetz im Jahr 2004 hat allerdings nicht alle Direktversicherungen betroffen. Denn nur Versorgungsbezüge, die am Vertragsende als Einmalzahlung geleistet werden sollten, waren bis dahin beitragsfrei. Versorgungsbezüge, die monatlich ausgezahlt wurden, waren damals schon beitragspflichtig, wenn auch mit dem ermäßigten bzw. halben Krankenkassenbeitrag. Die Zahl von insgesamt 6,3 bis 8,1 Millionen Geschädigten kann ich daher nicht nachvollziehen. Das ändert nichts an dem Grundproblem. Aber zu einer fairen Debatte gehört auch seriöse Information über die Fakten.             Mit freundlichen Grüßen
Ralf Kapschack

Der Verein der Direktversicherungsgeschädigten gehen auf die Straße und vor die Gerichte – bislang leider mit vergleichsweise noch nicht dem durchschlagenden Erfolg, den sie sich wünschen.

Stopp der Zwangsabgabe auf Direktversicherungen gefordert Quelle: DVG

Stopp der Zwangsabgabe auf Direktversicherungen gefordert Quelle: DVG

Direktversicherte in der Agabenfalle des Staats

Direktversicherte in der Agabenfalle des Staats

Doppel- und Dreifachverbeitragung der Direktversicherung Quelle: Frank Müller

Doppel- und Dreifachverbeitragung der Direktversicherung Quelle: Frank Müller




Die Riester-Rente hat ausgedient – Versicherer steigen aus

Zum 1. Januar 2017 ist die Riester-Rente 15 Jahre alt geworden. Aber so jung sie auch ist, hat sie bereits ausgedient. Die ersten Versicherer steigen aus dem Riester-Geschäft aus – und die Zahl der Riester-Verträge stagniert schon seit 2013.

Schuld daran ist die Zinsflaute. Die Leute haben keine Lust mehr auf Riester, weil die Rendite zu wünschen übrig lässt. Die Zahl der Verträge hat sich bei etwas mehr als 16 Millionen eingependelt – und stagniert auf diesem Niveau. Jetzt haben auch die Versicherer die Lust an Riester verloren. Wer beispielsweise eine klassische Riester-Rente abgeschlossen hat, muss mindestens 83 Jahre alt werden, um die eingezahlten Beiträge einschließlich Zulagen wieder heraus zu holen – bei einigen Anbietern muss er sogar deutlich älter werden.

5000 verschiedene Riester-Varianten

Die Vielfalt an Riester-Verträgen ist groß. So kommt der Finanzprofi Axel Börsch-Supan, einschließlich Produkten wie Banksparplänen, Fondssparplänen und dem 2008 eingeführten „Wohn-Riester“ auf mittlerweile mehr als 5000 verschiedene Riester-Vertragsvarianten.

So lustlos die Kunden, so frustriert sind mittlerweile auch die Versicherer selbst. Die Begeisterung hat schwer nachgelassen. So legt beispielsweise die Öffentliche Lebensversicherung Braunschweig laut „finanzen.net“ ihr Riester-Neugeschäft vorerst auf Eis. Das gleiche gelte für Cosmos Direkt und die zum Talanx-Konzern gehörende PB Versicherung. Die Debeka wolle erst zum 1. April wieder einsteigen; die DEVK Anfang Mai, die Barmenia frühestens im zweiten Quartal. Mit der Wiederaufnahme von Riester wollen sich auch die Alte Leipziger Zeit lassen und die Nürnberger.

Was ist bloß mit Riester los?

Was ist bloß los mit Riester? Der Absatz von Neuverträgen stagniert und ist bei einigen Anbietern rückläufig, ferner binden die Regularien Ressourcen. Die Kunden sind unzufrieden mit den Renditen von Riester-Verträgen – manche sind sogar richtig sauer auf die Versicherer, weil unterm Strich nur ein paar Euro rauskommen, obwohl sie jahrelang eingezahlt hatten.

Null Durchblick im Tarifdschungel

Problem für Verbraucher sei auch die Intransparenz der Verträge, so die Verbraucherschützerin Dorothea Mohn vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Den Durchblick im Tarifdschungel zu behalten, ist allerdings nicht einfach. „Durch die Komplexität der Verträge wird ein Kostenvergleich selbst für Fachleute beinahe unmöglich gemacht“, so Börsch-Supan. Bei weitgehend gleicher Ausgestaltung gebe es sehr teure und sehr günstige Produkte. Das Max-Planck-Institut für Sozialrecht und Sozialpolitik hat in seiner Studie 36 repräsentative klassischen Riester-Rentenversicherungen verglichen und kam dabei auf erschreckende Differenzen. Der günstigste Anbieter kommt auf eine Kostenquote von 2,5 Prozent und der teuerste von 20 Prozent. Das heißt umgekehrt, wer einen schlechten Anbieter hat, dem geht schon mal richtig viel Rendite flöten.

Rendite blieb auf der Strecke

Hauptproblem ist jedoch, dass die Versicherer die von den Kunden erwarteten Renditen nicht mehr erwirtschaften können. Selbst die Experten von Max-Planck-Institut lügen sich da in die eigenen Taschen. Sie extrapolieren einfach die Verhältnisse aus den Jahren zwischen 2002 und 2015 auf den Zeitraum von 2015 bis 2060. In ihrem Ausgangsszenario gehen sie von einer Verzinsung von 4,5 Prozent pro Jahr aus einer Inflation von 1,5 Prozent – und schwupps kommen sie auf eine reale Verzinsung von drei Prozent. Nur leider hat das mit der Realität nichts zu tun, wie jeder weiß. Ok, einige Seiten später haben sie ihr Szenario revidiert.

Wenn selbst die Experten ratlos sind, wie dann erst die Praktiker.

Riester braucht eine Komplett-Reform – oder muss gleich ganz abgeschafft werden.

Schon im August 2016 hat Finanzstaatssekretär Jens Spahn (CDU) eine Reform der Riester-Rente gefordert – passiert ist bislang nichts. Er schlug beispielsweise vor, „ob wir die Entscheidung über die Zulagen nicht doch bei den Finanzämtern ansiedeln können”. Denn, so sein Argument, das Finanzamt prüfe ohnehin schon, ob dem Riester-Sparer Steuervorteile zustünden. Auch das mit der Beantragung von Zulagen will er ändern. Sie solle es automatisch geben, und nicht erst nach Antrag. Fakt ist, dass viele Riester-Sparer die Formulare gar nicht ausfüllen und allein deswegen keine Zulagen bekommen. Ferner kritisiert der die Verwaltungskosten, die viel zu hoch seien. Es sei falsch gewesen, dass die Riester-Rente nicht als verpflichtende Zusatzvorsorge ausgestaltet worden sei. Ja, was die Rendite betrifft, so gebe es zu viele Vorgaben, die eine vernünftige Rendite abschwächten. Aber, wie gesagt, das war schon im August 2016.

 




Sparen fürs Alter und trotzdem gut leben

Die Angst wächst, dass das Geld im Alter nicht reicht. Das betrifft selbst Gutverdiener. Wenn sie in Rente gehen, werden sie deutliche Abstrichen machen müssen. Es hilft nichts, den Kopf in den Sand zu stecken – mit etwas Planung lassen sich die Folgen abmildern.

Angst vor der Altersarmut – das Thema wird derzeit heftig diskutiert. Jeder mit etwas Weitblick weiß, dass er den Gürtel in ein paar Jahren enger schnallen muss. Das verunsichert viele. Angst ist allerdings ein schlechter Berater. Nichts zu tun und auf die gesetzliche Rente zu hoffen, endet im finanziellen Desaster. Wer im Alter nicht vor einem Scherbenhaufen stehen will, muss etwas Geld zur Seite legen und für den Ruhestand planen.

Festgeld als einfachste Sparform

Die einfachste Form des Sparens ist immer noch Festgeld. Der Sparer deponiert bei seiner Bank 10 000, 20 000 oder gar mehr bei einer Bank verbindlich über zwölf Monate, zwei, drei oder gar zehn Jahre, ohne das Geld anzurühren. Dafür verzinst die Bank den Betrag Jahr um Jahr – am Ende der Laufzeit bekommt er seinen Einsatz plus Zinsen gutgeschrieben. Zugegeben, die Zinsen bedingt durch die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) ziemlich niedrig. Sie sind allerdings nicht so niedrig, dass sich Festgeld nicht lohnen würde. Ganz abgesehen davon ist die Inflation ebenfalls niedrig – im Mai verharrten sie mit 0,1 Prozent knapp über der Nulllinie. Das heißt, die Realzinsen (Nominalzins abzüglich Inflation) sind gar nicht so schlecht. Übrigens, muss der Zins ja nicht ewig auf diesem niedrigen Niveau bleiben.

Natürlich kann jeder Sparer erst einmal bei seiner Hausbank nach den Konditionen fragen. Sparkassenkunden dürften jedoch ziemlich enttäuscht sein. Wer sich einen Überblick verschaffen will, konsultiert am besten Vergleichsportale wie FMH oder Biallo. Er wird dort immer wieder auf die gleichen Namen stoßen, beispielsweise den Anbieter Moneyou, die vorne liegen.

Wie viel darf der Sparer erwarten? Maximal bekommt er etwas mehr als zwei Prozent. Die Konditionen sind unter anderem abhängig von der Anlagesumme.  Aus 10 000 Euro werden beispielsweise bei einer Laufzeit von zehn Jahren deutlich mehr als 12 000 Euro einschließlich Zins und Zinseszins. Nun gut, das ist jetzt nicht berauschend – mit Festgeld wird niemand reich, aber geht der Sparer in zehn Jahren in Rente, hat er zumindest einen sicheren Puffer gleich zu Beginn.

Darf es etwas mehr Risiko sein?

Natürlich gibt es noch andere Anlage-Möglichkeiten für aktuelles Vermögen. Dazu zählen vor allem – von Gold und Immobilien einmal abgesehen – Unternehmensanleihen und Aktien. Bei diesen Anlagenformen fällt die Rendite wesentlich höher aus. Allerdings müssen Anleger das Risiko aushalten. Langfristig, das heißt über zehn, 15 oder gar 20 Jahre, bringen Aktien locker sieben und mehr Prozent Rendite. Das Deutsche Aktieninstitut hat die Renditen des Deutschen Aktienindex Dax beispielsweise über 50 Jahre zurückverfolgt und in Form des Rendite-Dreiecks abgebildet. Das Ergebnis spricht für sich. Dabei darf indes nicht verschwiegen werden, dass die Rendite in einigen Zeiträumen auch negativ war, vor allem in den Krisenjahren 2001 und 2008.

Übrigens, auch das Sparen mit einem Riester-Vertrag – Riester-Rente gerät zunehmend in Verruf – ist nicht immer die beste Lösung. Es lohnt sich, genau hinzuschauen und alle Optionen durchzurechnen.

Foto: © istock.com/dolgachov

 




Richtig Geld für den Ruhestand anlegen damit es bis ins hohe Alter reicht

Wie richtig Geld anlegen, damit es bis ins hohe Alter reicht? Diese Fragen stellen sich viele. Und die Frage wird immer drängender, denn die Bundesbürger leben so lange wie noch nie – das Durchschnittsalter deutscher Frauen betrug 2014 immerhin 81,4 Jahre, während Männer 74,7 Jahre alt wurden. Wer sein Geld falsch angelegt hat, gefährdet im Alter seine Existenz. Nicht selten müssen dann die eigenen Kinder für die alten Eltern einspringen, weil die Reserven nicht mehr reichen.

Durchschnittlicher Ruhestand –  20 Jahre

Seit den 1960er-Jahren verdoppelte sich die Lebenszeit nach Ende des Arbeitslebens: Früher betrug die Lebenszeit im Ruhestand nur zehn Jahre, heute durchschnittlich 20 Jahre – Tendenz steigend. Gleichzeitig ist aber auch das Zinsniveau gefallen. Mittlerweile liegt der Leitzins bei null und der Zins für die Einlagen der Banken bei der Europäischen Zentralbank (EZB) sogar bei minus 0,4 Prozent. Das dramatische Folgen für Geldanlagen von Senioren – und natürlich auch für die der aktiven Beschäftigten. Denn eines ist klar, allein auf die gesetzliche Rente kann sich heute keiner mehr verlassen – sie deckt nur noch etwa 50 Prozent des letzten Einkommens ab.

Doch mit einigen Änderungen lässt sich Geld sicher anlegen und bringt dennoch Ertrag. Noch immer setzen vor allem ältere Menschen auf das Tagesgeldkonto. Doch das ist nicht zeitgemäß, da es keine Zinsen auf das Ersparte gibt – und ohne entsprechende Rendite hat der Ruheständler auch keine Chance, im Alter seinen Wohlstand zu erhalten. Auch die zweite liebste Anlageform, die Lebensversicherung, bringt nicht mehr genügend Rendite.

Mehr Rendite durch smartes Anlegen

Geld anlegen auf intelligente Art, aber wie? Quelle:istockInzwischen gibt es zahlreiche Möglichkeiten, das Geld auch weit vor dem Ruhestand anzulegen. Vom klassischen Konto bis hin zu Anlagemöglichkeiten bei Banken, die das Geld nach ethisch ökologischen Kriterien verwalten, ist für jeden eine passende Variante dabei. Der Bundesverband deutscher Banken empfiehlt älteren Anlegern, die Zinsen zu vergleichen. Denn so ist die Geldanlage trotzdem sicher und die Rendite liegt über den derzeit üblichen mageren Zinsen. Wer sein Geld risikoreicher in Aktien investieren möchte, sollte die Faustformel „100 minus Lebensalter“ berücksichtigen. Das bedeutet bei einem 70-jährigen, dass dieser höchstens 30 Prozent seines Vermögens in Aktien anlegen sollte. Wer nicht selbst einzelne Aktien mühselig heraussuchen möchte, kann beispielsweise auch in einen Mischfonds oder in Indexfonds investieren. Indexfonds bilden einen Index wie den Dax nach. Die Kosten sind vergleichsweise niedrig, ferner kann ein Indexfonds jederzeit über die Börse ge- und verkauft werden.

Geld anlegen auf intelligente Art, aber wie? Quelle:istock

Der Zinseszins macht den Unterschied

Bei einem Rentner machen selbst kleine Differenzen im Zins einen großen Unterschied aus. So ist beispielsweise bei einem Vermögen von 50 000 Euro und einer Entnahme von 750 Euro monatlich das Guthaben bereits nach noch nicht einmal sechs Jahren aufgebraucht. Selbst wenn nur 500 Euro entnommen werden, reicht das Geld nur noch acht Jahre.

Tipp: 

Die Rendite kann anstatt mit Aktien auch mit langlaufendem Festgeld aufgepeppt werden. Je länger das Geld liegen gelassen wird, desto höher die Rendite. Solch gut verzinsten Festgeldkonten gibt es allerdings in der Regel ausschließlich bei Online-Banken.

Weiterführende Links:

Fotos: ©istock




Garantieleistung als Marketingscherz

Deutsche Sparer bevorzugen Sicherheit. Die meisten wünschen sich sogar eine garantierte Ablaufleistung, die bis auf die zweite Nachkommastelle genau angibt, wie der Vertrag verlaufen wird. Dieser Fehler könnte eines Tages zu einem teuren Irrtum werden.

Beitrag rebloggt von Jenny’s Blog

Menschen, die keine hohe finanzielle Bildung haben, also fast alle, lassen sich gerne von Verkaufsprofis einlullen. Das Wort “garantierte Ablaufleistung” hört sich für viele sehr sexy an. Auch Garantiezinsen dürfen natürlich nicht fehlen. Doch genau diese Dinge sind es, die dem Sparer Angst machen sollten! Wer Vorsorge betreibt, hat lange Zeit. Oftmals sind das 40, 30, oder 20 Jahre. Über so einen Zeitraum kann einer, der fürs Alter vorsorgen will, auch in einen Mix aus Sachwerten (Aktien, Edelmetalle etc…) investieren. Eine Garantie brauchen Anleger immer nur dann, wenn sie sich gegen Kursrückgänge schützen wollen.

Was bringt es einem 20-Jährigen, wenn er heute weiß, dass er mit 67 eine private Rente in Höhe von 1123,87 Euro bekommt? Es bringt ihm nichts! Die zu stellende Frage ist: Was kann er sich von den 1123,87 Euro in 47 Jahren kaufen? Er weiß zwar, wieviel Geld er bekommt, aber er weiß nicht, was es wert sein wird. Deshalb kann er auch nicht analysieren, ob seine Alterseinkünfte zur Erhaltung des Lebensstandards reichen werden. In einer klassischen Renten- oder Lebensversicherung ist sein Kapital als Kredit unterwegs. Es partizipiert nicht am Wachstum oder der Entwicklung echter Werte. Übrigens: Es gibt für Versicherungsguthaben im Prinzip so gut wie keine Einlagensicherung. Das Aufsichtsamt ist im “Pleitefall” ermächtigt, Auszahlungen zu verbieten oder (garantierte) Leistungen herab zu setzen (VAG § 89). Garantieleistungen sind einfach nur ein guter Marketingscherz. Wer auf Garantien setzt, hat mit Sicherheit zu wenig.

https://twitter.com/_JennyGER_/status/628075872935936001

 


Was Jenny’s sagen will: Es lohnt sich auf alle Fälle, selbst über sein Geld und seine Altersvorsorge zu entscheiden. Aktien bringen auf lange Sicht mehr Rendite als eine Versicherung. Das Renditedreieck des Deutschen Aktieninstituts belegt eindeutig, dass über Zeiträume von 20, 30 und mehr Jahren Renditen mit Aktien von sieben, acht und mehr Prozent pro Jahr drin sind – im Schnitt wohlgemerkt. Denn zwischenzeitlich können Aktienkurse auch fallen. Langfristig sind die Dellen noch jedesmal ausgeglichen und überkompensiert worden.

Wer sich das nicht allein zutraut, kann sich auch einem Investmentclub wie den cic! anschließen.


Ach ja, und noch so eine Anregung durch Jenny’s Blog

Ich freue mich über zahlreiche Kommentare hier im Blog oder via Twitter an https://twitter.com/dineros 




Riester-Rente verrottet oft

Bei der Riester-Rente lassen sich laut einem Zeitungsbericht Millionen Sparer Fördergeld vom Staat entgehen. Dies berichtete die„Süddeutsche Zeitung“ am Montag unter Berufung auf eine Auswertung der Deutschen Rentenversicherung (DRV).

Das hätte sich der ehemalige Arbeitsminister Walter Riester nicht gedacht, dass die von ihm erfundene staatlich bezuschusste private Altersvorsorge einfach links liegen gelassen wird. Millionen Deutsche ignorieren die Fördergelder vom Staat einfach – und machen nichts oder schöpfen den Bonus vom Fiskus nicht aus.

Viele Riester-Verträge ruhen

Die „Süddeutsche Zeitung“ kam drauf als sie die Zahlen der Deutschen Rentenversicherung (DRV) analysierte. Dabei beruft sie sich auf einen schon im April vorgelegten Bericht der DRV. Die Zahlen sind zwar für das Jahr 2011, 2015 dürfte es jedoch nicht grundsätzlich anders aussehen.

Das dürfte vor allem daran liegen, dass nach Angaben des Arbeitsministeriums knapp ein Fünftel der Verträge ruhend gestellt ist. Die Sparer zahlen also nichts mehr ein, weil sie sich dies nicht mehr leisten können, es wegen der Kritik an der Riester-Rente nicht mehr für sinnvoll erachten oder sie einen anderen Vertrag abgeschlossen haben, den sie für besser halten. Außerdem wird ein kleiner Teil der Verträge bereits ausbezahlt. Diese werden nicht mehr gefördert. Das gilt auch für Menschen, die sich selbständig gemacht haben. (O-Ton Süddeutsche)

Vielen ist das Procedere zu kompliziert, andere werfen vorzeitig das Handtuch. Zur Erinnerung: Die volle Förderung von jährlich 154 Euro Grundzulage plus maximal 300 Euro pro Kind bekommt nur, wer vier Prozent seines sozialversicherungspflichtigen Vorjahres-Einkommen – maximal 5800 Euro (West) und 4900 Euro (Ost) – in die Waagschale wirft. Bei 30 000 Euro beispielsweise sind das 1200 Euro pro Jahr.

Nur die Hälfte kommen auf die volle Zulage

Ende 2011 hatten die Deutschen laut DRV in 15,3 Millionen Riester-Verträge abgeschlossen. Nur die Hälfte kam auf die volle Zulage. Damit verfehlt die Riester-Rente natürlich ihren Zweck, mit der privaten Altersvorsorge die Rentenlücke bei der gesetzlichen auszugleichen. Das Heulen und Zähneknirschen kommt dann leider später.

https://twitter.com/lv1871/status/623412190155010048

Mehr Infos:

https://twitter.com/_JennyGER_/status/623009992199798784

https://twitter.com/zeitonline_wir/status/624136871615033344




Wasch mir den Pelz, aber …

Zinseszins – was ist das denn? Nichts zu essen, so viel vorweg. Spaß beseite, das ist der Zins auf den Zins, wenn Geld mehr als nur ein Jahr verliehen wird. Dumm nur, wenn der Zins nahe null ist – dann wird’s auch nichts mit dem Zinseszins. Da hilft auch das frühe Anfangen nichts. Doppelt dumm, dass dann im Alter kein Geld da ist ohne Zinseszins. Irgendwie wissen das wohl die meisten, folgern aber nicht, dass sie über ihre Geldanlage gründlich nachdenken müssen. Denn, die Rente ist zwar sicher, wie Norbert Blüm vor langer Zeit proklamierte, von der Höhe hat der damals wohlweislich nichts gesagt. Dass sie nicht reichen wird für ein auskömmliches Alter, dürfte mittlerweile jedem klar sein.

Morgen, morgen – nur nicht heute

Diesen Zusammenhang hat jüngst das Meinungsforschungsinstituts INSA im Auftrag der Gesellschaft Deutscher Versicherer (GDV) ermittelt. Danach glauben 84 Prozent der Deutschen, ohne private Vorsorge im Alter zu verarmen. Aber nur annähernd die Hälfte der Befragten sorgen auch wirklich privat vor – ganz nach dem Motto
“dafür ist ja noch später Zeit”. Das sei allerdings der falsche Weg, so Peter Härtling, Kopf des Bundesverbandes der Ruhestandsplaner Deutschland (BDRD). „Die Deutschen kennen offenbar den Zinseszinseffekt nicht”, wird Härtling vom “Versicherungsboten” zitiert. Aber nur, wer schon früh anfängt und durchhält, kann vom Zinseszinseffekt profitieren. Wobei Härtling vergaß zu erwähnen, dass es auch auf die richtige Anlageklasse ankommt, denn mit Tagesgeld lässt sich kein Vermögen aufbauen.

Härtling rechnet vor: “Möchte man sich im Alter von 67 Jahren in den Ruhestand begeben und benötigt dann zusätzlich zur gesetzlichen Rente monatlich weitere 1000 Euro, um seinen gewohnten Lebensstandard zu halten, der braucht er bei einer angenommenen Infaltion von drei Prozent finanzielle Rücklagen von rund 230 000 Euro”, so Härtling zum “Versicherungsboten”

Fazit: Wer später anfängt, muss nominal mehr zurücklegen. Wer trotzdem später anfängt, kann die Differenz nur ausgleichen, wenn er eine höhere Rendite erwirtschaftet, damit muss er aber zwangsläufig ein höheres Risiko eingehen.




Arm in Rente

Mal ehrlich, den Satz “Über Geld spricht man nicht” kennt jeder. Die Deutschen sind “g’schamig”, wie das so schön auf bayrisch heißt, wenn es um das Thema Geld geht, entsprechend niedrig ist das Finanzwissen hierzulande. Viele haben auch schlicht und einfach keine Lust, sich mit Geld zu beschäftigen. Schade, aber das ist der Ist-Zustand in Deutschland. Alles nur gefühlt – oder ist es wirklich so? Nicht nur gefühlt, wie einige Studien belegen. Aktuell hat die Postbank wieder eine entsprechende Studie aufgelegt, die der “Welt am Sonntag” wohl vorliegt. Das Ergebnis ist vielleicht nicht ganz verwunderlich: “Die Grundeinstellung zum Geld ist von überholten Vorstellungen geprägt, das für die Altersvorsorge so wichtige Thema ist den Menschen lästig, und beim Finanzwissen tun sich fatale Lücken auf”, so die “Welt am Sonntag”.

Dabei wäre es dringend notwendig, über Geld nachzudenken, denn für Tagesgeld gibt es nur noch Mickerzinsen, Immobilien haben mittlerweile Preise erreicht, die vielen die Sprache verschlägt – und Anleihenrenditen sind am Boden: Deutsche Staatsanleihen kommen im Schnitt auf eine Rendite von weniger als ein halbes Prozent. Aktie sind fast schon alternativlos, wobei das Wort “alternativlos” mittlerweile ziemlich verbraucht ist. Trotzdem, ohne Aktien lässt sich ein Vermögen weder erhalten noch vermehren, die Inflation eingerechnet. Das ist vielen Deutschen jedoch nicht bewusst, wie die Postbank-Studie wieder einmal belegt.

Nur wenige beschäftigen sich gern mit Geld

Offenbar ist das Thema der “Welt am Sonntag” zufolge “vor allem für Menschen mit weniger Geld schambesetzt”. So richtig gern beschäftigen laut Studie nur 9,3 Prozent, “mehr als die Hälfte der Befragten lediglich in dem Maße, in dem es für sie notwendig ist”.

Das meiste Wissen haben übrigens gerade die 50- bis 59Jährigen, während die Altersgruppe von 30 bis 39 besonders wenig über Geldanlage weiß, so die Studie. Aber genau letztere Gruppe hätte es besonders nötig, da ihre gesetzliche Rente sicher geringer ausfallen wird und sie deswegen rechtzeitig vorsorgen müsste.

Unterschied zwischen Männer und Frauen

Noch etwas ist ganz interessant: Ein Unterschied klafft laut Studie auch zwischen Männern und Frauen. Frauen, die vielleicht nicht ganz so erfolgreich sind, reden eher über das Thema als Männer in der gleichen Lage. Offensichtlich fühlen sie sich weniger herausgefordert als Männer und sind eher bereit, über Gelddinge zu reden.