Warum Warren Buffett auch nur mit Wasser kocht

Wer kennt Warren Buffett nicht? Warren Buffett ist der bekannteste unter allen Börsenstars. Jeder, der ein Börsenbuch schreibt, zitiert Warren Buffett. Warren Buffett ist der Guru für viele Börsianer. Ist das berechtigt? Wie erfolgreich ist Warren Buffett wirklich? Was können Anleger von Warren Buffett lernen? Was können sie besser machen als Warren Buffett?

Der amerikanische Großinvestor Warren Buffett ist auch als „Orakel aus Omaha“ bekannt, weil seine Firma Berkshire Hathaway ihren Sitz in Omaha, im Bundesstaat Nebraska, hat. Buffett ist der „erfolgreichste Investor der Welt“, vielleicht auch, weil er der älteste Investor der Welt ist mit seinen mittlerweile fast 87 Jahren – am 30. August wir er 87 Jahre alt.

Warren Buffet als Vorbild?

Was können sich Anleger von Buffett abschauen? Ist Buffett wirklich so gut, wie alle meinen? Zur ersten Frage ist schon viel geschrieben worden. Die Bücher über ihn und Value Investing dürften mittlerweile viele Regalbretter füllen. Buffetts Regeln sind ganz einfach: „Kaufe günstig, verkaufe teuer“, „berechne den möglichen Gewinn deines Geschäfts“, „betrachte das Geldverdienen als ein Geschäft …“, „werfe niemals deine Prinzipien über Bord“. Der Börsenguru wird nicht müde zu betonen, dass es weit besser ist, ein wundervolles Unternehmen zu einem fairen Preis zu kaufen als ein faires Unternehmen zu einem wundervollen Preis („It’s far better to buy a wonderful company at a fair price than a fair company at a wonderful price.“).

Buffett orientierte sich bei seinen Entscheidungen oft an seinem Vorbild Benjamin Graham, dem Vater des Value Investing. Die „Sicherheitsmarge“ und der innere Wert eines Unternehmens können Buffetts Meinung nach von verschiedenen Investoren verschieden ermittelt werden. Klingt alles plausibel – und Buffetts Bilanz scheint ihm Recht zu geben: Von 1965 bis 2015 erzielte er mit seinen Investments eine Rendite von sage-und-schreibe 19,2 Prozent, pro Jahr wohlgemerkt.

Der MDax ist besser

Also, einfach Buffett nacheifern?  Buffett als Vorbild ist dennoch nicht ganz so einfach für Kleinanleger nachzubauen, da der Finanzprofi natürlich ganz andere Mittel hat, oft nicht über die Börse kauft und den Verkäufern dank Buffetts Macht die Konditionen aufdrückt. Für Buffett ist wichtig, die „Gewinne des Unternehmens für nächsten zehn Jahre möglichst genau vorhersagen zu können“. Buffett sucht „Unternehmen mit Monopol, einer und mehreren starken Marken, wenig konjunktursensitiv, leicht zu verstehen“. Ob sich Buffett da nicht etwas vormacht? Das klingt nach Kompetenzillusion. Wer sich beispielsweise Buffetts Lieblingsaktie Coca-Cola anschaut und sie mit dem MDax vergleicht, zweifelt an Buffetts Urteilsvermögen. Der MDax hat sich seit 2000 versechsfacht, die Coca-Cola-Aktie legte im gleichen Zeitraum „nur“ um 60 Prozent zu. Ok, einschließlich Dividenden hat sie sich vermutlich mehr als verdoppelt. Selbst mit dem breit angelegten US-Aktienindex S&P 500 wäre Buffett besser gefahren.

Ok, jetzt ist fairerweise zu sagen, dass Warren Buffett selbst rät, in einen Indexfonds zu investieren, zumindest hat er das wohl in sein Testament geschrieben. Warren Buffett griff sogar in einem seiner  veröffentlichten Aktionärsbriefe traditionelle Fondsgesellschaften und Hedgefonds an.

Somit kommen wir automatisch zur zweiten Frage? Ist Buffett wirklich so gut, wie alle meinen? Die Frage ist ziemlich einfach zu beantworten. Warren Buffett ist Chef der Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway, deren Aktien jeder an der Börse kaufen kann. Ihre Wertpapierkennnummer ist A0YJQ2, die ISIN ist US0846707026. Warren Buffet ist zwar nicht mehr der reichste Mann der Welt, aber er gehörte zu den reichsten. Sein Vermögen beläuft sich aktuell (Stand: 28. Juli 2017) auf 63,8 Milliarden Euro, so zumindest weist es „Forbes“ in seiner Milliardärsliste aus.

Der Kursverlauf der Berkshire-Hathaway-Aktie lässt sich ganz einfach auf Seiten wie comdirekt oder onvista mit dem Kursverlauf eines Index wie dem MDax vergleichen. Da Warren Buffett ja keine Dividenden ausschüttet, sondern wieder gleich in seine Investmentgesellschaft investiert sowie wie der MDax, werden damit auch Äpfel mit Äpfel verglichen. Der Chart über einen Zeitraum von siebeneinhalb Jahren ist ziemlich eindeutig: Der MDax schneidet deutlich besser ab als die Berkshire-Hathaway-Aktie. Ja, aber wie ist das mit der Outperformance, sprich dem besseren Abschneiden der Berkshire-Hathaway-Aktie im Vergleich zum amerikanischen Index S&P 500? Ganz einfach, der S&P 500 ist ein Kursindex, während die Berkshire-Hathaway-Aktie sozusagen eine Performance-Aktie ist, die auch Dividenden enthält anders als der S&P 500, in dem Dividenden nicht eingerechnet sind. Da kann Warren Buffett leicht besser sein als der S&P 500. Wer den Total-Return-Index S&P 500 – als0 Kurs plus Dividende – mit der Berkshire-Hathaway-Aktie vergleichen würde, würde nicht schlecht staunen. Was Wunder, ein Total-Return-Indexfonds auf den S&P 500 wie db-Xtracker (ISIN: LU0490618542) schlägt die Berkshire-Hathaway-Aktie deutlich. Das weiß Warren Buffett auch, deswegen empfiehlt er seinen Erben ja auch, nicht auf Einzelaktien, sondern auf Indexfonds zu setzen. Den Index auf Dauer zu schlagen, schafft eben kein Fondsmanager – und Warren Buffett ist ja auch nichts anderes als ein Fondsmanager.

Warren Buffett liebt Coke

Warum das so ist, dürfte jedem klar sein, der unvoreingenommen darüber nachdenkt: Jeder Anleger hat so seine Vorlieben – bei Warren Buffett ist es eben Coca-Cola, weil er damit sein erstes Geld verdient hat. Ein Index ist jedoch gefühlslos und deswegen unbestechlich.

Übrigens, der Vergleichschart enthält nicht nur die Berkshire-Hathaway-Aktie, sondern auch den MDax, den Weltaktienindex MSCI World und den Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen, der nach dem Value-Investing-Prinzip anlegt sowie den Dax und den S&P 500 als Kursindex. Die Grafik spricht für sich. Warum plagen ich immer noch so viele mit der Auswahl von Einzelaktien ab? Weil sie eben glauben, besser zu sein als der Markt, was meist Kompentenzillusion ist.

Vergleich Berkshire Hathaway mit Indizes und Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen

Vergleichschart Berkshire Hathaway und MDax

Vergleichschart Berkshire Hathaway und MDax

Zumindest eines zeigt das Beispiel Warren Buffet: Wer reich werden will braucht viel Geduld. Warren Buffet hat sein erstes Geld schon als Knabe mit Coca-Cola verdient – aber das ist eine andere Geschichte. Übrigens, iBlog-Finance hat zehn Tipps von Warren Buffett gesammelt – einer davon heißt „Investiere in dich, bevor du in jemand anderen investierst“. Vielleicht sollte das möglichst viele beherzigen, die immer noch glauben, ihre Bank wird’s schon richten. Wie wäre es denn mal mit etwas Eigeninitiative in punkto Geldanlage?

Disclaimer:

Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Die hier enthaltenen Aussagen sind nicht als Angebot oder Empfehlung bestimmter Anlageprodukte zu verstehen. Dies gilt auch dann, wenn einzelne Wertpapiere oder Investments erwähnt werden. Der Beitrag soll lediglich einen Überblick über die Möglichkeiten geben und die selbständige Anlageentscheidung erleichtern




Was Wahlprogramme der Parteien für Rentner bedeuten

Die Wahlprogramme liegen auf dem Tisch. Was bringen die Wahlprogramme für Rentner? Was kosten sie Rentnern? Was darf der erwarten, der fürs Alter vorsorgt? Ein Vergleich bringt Licht ins Dunkel.

So viel vorweg – jeder kann sich die Wahlprogramme im Internet im Detail ansehen und selbst beurteilen, welche Parteien für ihn das beste Angebot hat. Jeder dürfte vermutlich das herauslesen, was er herauslesen will. Was ist mit den Rentnern und den Altersvorsorgern? Was haben sie von SPD, CDU/CSU, FDP und Linken zu erwarten?

Wie die SPD Millionen enteignet

Nehmen wir den konkreten Fall der Doppelverbeitragung von Direktversicherungen. Jeder, der fürs Alter per Entgeltumwandlung in Form einer Kapitallebensversicherung vorgesorgt hat, wurde 2004 von der rot-grünen Regierung – mit Hilfe der Union – enteignet. Das Perfide an dem von Ulla Schmidt (SPD) initiierten Gesundheitsmodernisierungsgesetz (GMG), das 2004 wirksam wurde: Es betrifft auch Verträge, die lange vor Einführung des Gesetzes abgeschlossen worden waren. Das ist ein klarer Verstoß gegen das Rückwirkungsgesetz.

Sorry, wenn das jetzt alles etwas abstrakt klingt, Fakt ist, dass alle Betriebsrentner und Besitzer von Kapitallebensversicherungen, die einen entsprechenden Vertrag zur Entgeltumwandlung unterschrieben haben, bei der Auszahlung von den Krankenkassen geschröpft werden. Die Krankenkasse verlangen den Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil der Krankenversicherung plus Pflegeversicherung. Alles in allem fehlen den Betroffenen annähernd 20 Prozent, der Auszahlungssumme.

Nur FDP und Linke reagieren

Wie reagieren die Parteien auf diesen Missstand, der Millionen mit einer entsprechenden Altersvorsorge betrifft? Mit der FDP und den Linken haben zwei Parteien begriffen, dass das GMG eine handfeste Ungerechtigkeit ist und gehen in ihren Wahlprogrammen explizit darauf ein.

Wahlprogramme der Parteien

Die FDP

So schreibt die FDP auf Seite 29 in ihrem Wahlprogramm:

Die Auszahlung von Vorsorgeverträgen darf in der Kranken- und Pflegeversicherung nicht beitragspflichtig sein, weil dies eine unfaire Doppelbelastung darstellt. Die Bundesregierung hebt die Doppelverbeitragung nur für die Riester-geförderte Altersvorsorge auf. Wir wollen eine solche Lösung für alle Konzepte der betrieblichen und privaten Altersvorsorge.“
Wir wollen … die Auszahlung von Rente und Grundsicherung zusammenführen. Gleichzeitig muss sich freiwillige Vorsorge lohnen. Denn es kann nicht sein,  dass jeder Euro, den ein Geringverdiener mühsam für die Altersvorsorge beiseite gelegt, später nur dem Staat in die Hände spielt, der dann weniger grundsicherung zahlt. Einkünft aus freiwilliger Vorsorge sollen deshalb nur zum Teil auf die Grundsicherung angerechnet werden. Zudem wollen wir Selbstständige verpflichten, bei größtmöglicher Wahlfreiheit für eine Basisabsicherung im Alter vorzusorgen und die betriebliche Altersvorsorge zum Regelfall für alle Beschäftigten machen – allerdings ohne staatlich verwalteten Pensionsfonds.

Die Linken

Und die Linken versprechen in ihrem Wahlprogramm auf Seite 23:

Die Linke ist für eine betriebliche Altersvorsorge, die überwiegend von den Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern finanziert wird. Der Ausbau der überwiegend von den Beschäftigten finanzierten betrieblichen Altersvorsorge – vor allem durch Entgeltumwandlung- darf nicht als Alibi für ein weiter sinkendes Rentenniveau missbraucht werden. Wir werden die Doppelverbeitragung mit Krankenversicherungsbeiträgen bei betrieblicher Altersvorsorge sofort beenden. Betriebsrenten dürfen nicht frei von Sozialabgaben sein. So werden die Finanzen der gesetzlichen Rentenversicherung geschwächt und die Rentenansprüche aller Versicherten – egal ob sie über den Betrieb vorsorgen oder nicht – sinken. Ungleichheit wird so verschärft.

Die Grünen

Die Grünen reden nur von „Abzocke durch Banken und Versicherer“, meinen damit aber nicht die Krankenversicherungen – ansonsten kein Wort zum GMG und der Doppelverbeitragung. Kein Wunder, das Gesetz wurde ja von einer rot-grünen Regierung eingeführt. Die Grünen wollen sogar noch mehr Staat und mehr Zugriff auf das Geld derjenigen, die fürs Alter vorsorgen, nachlesbar auf Seite 199 des Wahlprogramms.

Wir wollen deshalb einen Bürger*innenfonds in öffentlicher Verwaltung einführen und diesen sowohl für die betriebliche wie auch die private Vorsorge öffnen.“

Die SPD

Und was will die SPD? Sie will …

betriebliche Altersversorgung attraktiver machen … Wir haben einen neuen Rahmen für die betriebliche Altersversorgung geschaffen, der die Ausweitung vor allem auf kleine und mittlere Unternehmen erleichtert: basierend auf tarifvertraglichen Lösungen, verbindlich und unter Beteiligung der Arbeitgeber. Sollte diese Lösung nicht ausreichen, werden wir eine gesetzliche Verpflichtung zur betrieblichen Altersversorgung schaffen.“

Damit können Staat und Krankenkassen noch bei weit mehr Altersvorsorgern abkassieren als schon in der Vergangenheit. Die Abschaffung der Doppelverbeitragung schreibt sie bewusst nicht ins Wahlprogramm, sondern nur, dass die SPD die Grundzulage anhebt, obwohl sie einen Satz vorher schreibt, dass „die ‚Riester-Rente‚, die staatlich geförderte private Altersvorsorge, die Erwartungen bei ihrer Einführung im Hinblick auf Spartätigkeit, Rendite und Verteilung nach wie vor nicht erfüllt.

Die CDU/CSU

Die Doppelverbeitragung wurde damals von CDU/CSU abgenickt. Was schreibt die Union heute in ihr Wahlprogramm diesbezüglich? Mit dem Thema will sich die Union nicht so recht beschäftigen. Sie verweist nur auf Seite 42:

Durch das Betriebsrenten-Stärkungsgesetz haben wir die Attraktivität von Betriebsrenten deutlich verbessert, auch indem wir die Anrechnungsvorschriften bei der Grundsicherung geändert haben.

Ansonsten will sich die Union auf eine Expertengruppe stützen, die ab 2019 sich Gedanken für die Zeit nach 2030 machen soll. Sprich, die Union will das Thema am liebsten aus dem Bundestagswahlkampf raushalten.

Wahldiagnose per Online-Tool

Übrigens, wer für sich heraus finden will, welche Partei seinen Vorstellungen von Rentenpolitik am nächsten kommt, sollte die Wahldiagnose des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA) nutzen.  „Wahldiagnose“ heißt ein neues DIA-Online-Tool, das so ähnlich funktioniert wie dere Wahl-o-mat  der Bundeszentrale für politische Bildung. Das DIA hat die Wahlprogramme aller Parteien ausgewertet, die mit einer großen Wahrscheinlichkeit im nächsten Bundestag vertreten sein werden und 34 Fragen formuliert. Am Ende bekommt der Nutzer des Tools eine gewichtete Übereinstimmung mit den Wahlkampfforderungen der einzelnen Parteien.

Was die CSU wirklich von dem Thema Doppelverbeitragung hält, lässt sich am besten aus einer Antwort von Karin Eiden, Referentin für Soziales und Gesundheit bei der CSU Landesleitung herauslesen. Gefragt hat der Verein der Direktversicherungsgeschädigten (DVG). Hier ihre Antwort:

Sie beklagen verständlicherweise die finanziellen Folgen des GKV-Modernisierungsgesetz (GMG). Hierzu darf ich Ihnen Folgendes mitteilen: Die Anwendung des vollen allgemeinen Beitragssatzes auf Betriebsrenten und Versorgungsbezüge sowohl für Pflichtversicherte als auch für freiwillig versicherte Rentner ist in den zurückliegenden Verhandlungen zum GKV-Modernisierungsgesetz im Jahr 2003 damit begründet worden, dass die eigenen Beitragszahlungen der Rentner heute nur noch gut 40% ihrer Leistungsausgaben in der Krankenversicherung abdeckten. Im Jahr 1973 seien die Leistungsaufwendungen der Krankenkassen für Rentner in den alten Ländern noch zu rund 72% durch die für sie gezahlten Beiträge gedeckt worden. Um die Belastung der erwerbstätigen Beitragszahler nicht noch stärker ansteigen zu lassen und die Lohnnebenkosten zu senken, sei es erforderlich gewesen, die Rentner wieder verstärkt an der Finanzierung ihrer Leistungsausgaben zu beteiligen.
Zudem sind Krankenversicherungsbeiträge auf Betriebsrenten seit jeher alleine vom Versicherten zu tragen. Damit soll die Bereitschaft des Arbeitgebers erhalten und gefördert werden, sich freiwillig am Aufbau einer Betriebsrente mit eigenen finanziellen Aufwendungen zu beteiligen. Allerdings wurde in der Vergangenheit auf Betriebsrenten für pflichtversicherte Rentner nur ein halber Beitrag (z.B. 7,2% statt 14,4%) an die Krankenkassen abgeführt, während für Betriebsrenten bei freiwillig versicherten Rentnern der volle Beitrag gezahlt wurde. Diese Ungleichbehandlung wurde mit dem GKV-Modernisierungsgesetz mit Wirkung zum 01. Januar 2004 beendet. Nunmehr müssen auch Pflichtversicherte den vollen allgemeinen Beitragssatz ihrer jeweiligen Krankenkasse auf die Versorgungsbezüge entrichten. Der Grundsatz bleibt, dass alle beitragspflichtigen Einnahmen zusammen nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze berücksichtigt werden. Versorgungsbezüge – unabhängig davon, ob sie laufend oder einmalig gezahlt werden – sind als Rente vergleichbare Einnahmen beitragspflichtig, wenn sie auf eine frühere Erwerbstätigkeit des Versorgungsempfängers zurückzuführen sind und bei Eintritt des Versicherungsfalles (Erwerbsminderung oder Alter) ausfallendes Erwerbseinkommen ersetzen oder im Fall des Todes der Sicherung von Hinterbliebenen dienen sollen.
Das Bundesverfassungsgericht hat am 28.09.2010 entschieden, dass die genannten Regelungen des § 229 SGB V nicht gegen den Artikel 2 Abs. 1 des Grundgesetzes in Verbindung mit dem rechtsstaatlichen Grundsatz des Vertrauensschutzes verstoßen. Somit können Kapitalleistungen aus betrieblichen Direktversicherungen Versorgungsbezügen nach § 229 SGB V gleichgestellt und damit der Beitragspflicht unterworfen werden. Dieses sei mit dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit vereinbar, weil der Gesetzgeber berechtigt ist, jüngere Krankenversicherte von der Finanzierung des höheren Aufwands für die Rentner zu entlasten und die Rentner entsprechend ihrem Einkommen verstärkt zur Finanzierung heranzuziehen. Der Vertrauensschutz der betroffenen Versicherten wird dabei nicht unzumutbar beeinträchtigt.

Der Beitragspflicht, die die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der einzelnen Beitragszahler berücksichtigt, steht als Gegenleistung der Bestand des Versicherungsschutzes in der gesetzlichen Krankenversicherung gegenüber. Die Versicherten sind im Rahmen des Solidaritätsprinzips an der Finanzierung der GKV beteiligt und erhalten hierfür den umfassenden Krankenversicherungsschutz.


Der DVG hat im Namen vieler Betroffener eine Umfrage bei allen Mitgliedern des Bundestags gestartet – an dieser Umfrage sollten sich so viele wie möglich beteiligen, denn die Doppelverbeitragung betrifft Millionen hierzulande. Deswegen an dieser Stelle der Text der Umfrage:

Sehr geehrte Damen und Herren!
Bundestagswahlkampf hat schon begonnen. Trotz vieler anderer politischer Themen bleibt auch das Thema Gerechtigkeit auf der Tagesordnung, denn es ist für den sozialen Frieden wichtig!
Als Betroffene von privat finanzierten Direktversicherungen wissen wir, welche Ungerechtigkeiten schnelle, nicht ausgereifte, per Schattenpolitik vereinbarte Gesetzesänderungen auslösen können! Auszahlungen, welche zu 100% aus bereits verbeitragten Nettobezügen der Versicherten gespeist wurden, sind Privatvermögen und dürfen nicht per Etikettenschwindel nachträglich zu beitragspflichtigen Versorgungsbezügen mit 18,5 % GKV-Abzug mutieren.
Wir möchten, dass die Geschädigten das Vertrauen in Politik und Rechtsstaat wiedererlangen und der Missbrauch des GMG-Gesetzes durch staatlich legitimierte nachträgliche Teil-Enteignung der Altersvorsorge gestoppt und rückgängig gemacht wird.
Deshalb müssen wir uns nun informieren, um zu entscheiden, wen wir wählen. Im Namen des Direktversicherungsgeschädigten e.V. erheben wir für die vielen betroffenen Bürger eine Umfrage bei allen Mitgliedern des Deutschen Bundestages und bitten Sie um die Beantwortung folgender Fragen:  

———————————

__  Ja – das Thema Mehrfachverbeitragung  und die Missachtung des Vertrauens- / Bestandsschutzes bei Altverträgen (Abschluss vor 2004) der Direktversicherungen, die von den betroffenen Arbeitnehmern allein ohne Zutun ihrer Arbeitgeber finanziert wurden,  muss in der neuen Legislaturperiode endlich gelöst werden, und ich werde mich dafür einsetzen, dass das Thema auf die Tagesordnung gesetzt wird.

__ Nein – ich finde die derzeitige Regelung der Verbeitragung zur Kranken- und Pflegeversicherung von Auszahlungen aus Direktversicherungen, egal, von wem sie finanziert wurden,  richtig und werde mich in der neuen Legislaturperiode nicht für eine Änderung  einsetzen, ggf. auch dagegen stimmen.

Ein Teil der Ungerechtigkeit in der Gesetzlichen Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung besteht darin, dass die sogenannten „versicherungsfremden Leistungen“ nur von der Solidargemeinschaft der Gesetzlich Versicherten getragen wird und nicht von privat Versicherten, Beamten und Abgeordneten.

Wie ist hierzu Ihre Meinung?

__  Ja – der Staatsbeitrag muss jedes Jahr zu 100 % den jeweiligen versicherungsfremden Aufwand der Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung abdecken. Ich werde mich dafür einsetzen, dass dies geändert wird und die Regierung uns jährlich darüber berichtet.

__  Nein  die pauschale Abgeltung des Staatsbeitrages in den Sozialversicherungen ist in der derzeitigen Form richtig und gerecht und soll unverändert so bleiben!

x

Ort, Datum,                            Name

NS: Sollten Sie nicht mehr für den neuen Bundestag kandidieren, würden Sie dann diese Umfrage bitte an Ihren Nachfolger weiterleiten?

Vielen Dank!

Mit freundlichen Grüßen


Wer kandidiert für welche Partei in welchem Wahlkreis? Der „Tagesspiegel“ hat sich die Mühe gemacht, eine Kandidaten-Datenbank zusammenzustellen. Jeder interessierte Bürger kann so auf die Schnelle nachschauen, welcher der mehr als 2400 Kandidaten der Bundestagswahl für welche Partei antritt.  „In 299 Wahlkreisen kämpfen 1780 Kandidierende um ein Direktmandat im Parlament; in jedem Bundesland hat jede Partei eine Liste mit bis zu 86 Kandidierenden aufgestellt“, so der „Tagesspiegel“. Eine tolle Leistung – und so nützlich. Damit wird es deutliche leichter, sich einen Überblick zu verschaffen.

Auch auf der Seite von „Abgeordnetenwatch“ können sich Bürger ebenfalls über ihren Kandidaten informieren.




Wie Geldanlage wieder Spaß macht

Geld anlegen und Spaß – wie passt das zusammen? Nun, wenn am Ende eines Jahres mindestens der Inflationsausgleich dabei herausspringt – und vielleicht noch etwas mehr. Viele haben sich daran versucht, mit Christian Thiel auch ein Single- und Paarberater. Seine Erkenntnisse hat er in dem Buch „Schatz, ich habe den Index geschlagen!“ zusammengefasst.

Index schlagen oder geschlagen werden?

Dumm nur, dass ihm das nur einmal gelungen ist, denn im vergangenen Jahr musste er einräumen, dass ihn der Index geschlagen hat. Also ganz so einfach scheint es wohl doch nicht zu sein mit dem Geldanlegen. Dumm auch, dass sich beim Geldanlegen alles gleich nachvollziehen lässt, anders als bei der Paartherapie. Thiel hat sich ein Depot zusammen gestellt und als Wikifolio auf seinen Blog „grossmutters-sparstrumpf“ veröffentlicht, so dass jeder Thiels Depot mit einem Index wie den Dax oder MDax vergleichen kann.

Nicht alle Eier in einen Korb

Im vergangenen Jahr hat der Dax rund elf Prozent zugelegt – das ist nicht schlecht und besser als Thiels Depot. Thiels „Global Champions“ ist zu US-lastig, das heißt, er hat zu viele amerikanische Aktien in seinem Depot – und dazu noch den dänischen Wert Novo-Nordisk. Dumm nur, dass auch der Marktführer im Bereich Diabetes weitgehend vom amerikanischen Markt abhängig ist.

Thiel verweist zwar mehrmals in seinem Buch auf die Börsenweisheit „Don’t lay all your eggs in one basket“, aber genau das hat er mit seiner Aktienauswahl getan. 13 von 15 Werten tragen „stars and stripes“. Mit Diversifikation hat das nicht mehr allzu viel zu tun. Damit ist er ein Klumpenrisiko eingegangen, was ihm vermutlich selbst nicht bewusst ist.

Aktien sind alternativlos

Eigentlich wollte ich die Rezension des Buchs schon früher schreiben, bin wegen meiner Tour de France jedoch nicht dazu gekommen, sondern erst jetzt. Mit etwas Abstand erscheint natürlich der Inhalt von Thiels Buch heute in einem anderen Licht.

Der Single- und Paarberater hat klar erkannt, dass mit Anleihen, Banksparplänen und Versicherungen sowie Gold kein Blumentopf zu gewinnen ist. Mit etwas Glück gelingt es Anlegern, das Vermögen nach Abzug der Inflation real zu erhalten. Nur Aktien schaffen real langfristig eine Rendite von sechs und mehr Prozent.

Lieber Fonds kaufen?

Einzelaktien oder Fonds? Christian Thiel glaubt, den Index mit einem eigenen Depot bestehend aus Einzelaktien schlagen zu können, auch wenn er in seinem Buch schreibt, dass „die Mehrheit der privaten wie institutionellen Anleger daran scheitert, den Index dauerhaft und langfristig zu schlagen“.

Thiel zog also aus, „die besten Aktien der Welt zu kaufen“, so auch der Untertitel seines Buchs. Das hat im ersten Jahr wohl ganz gut funktioniert, aber nicht mehr im zweiten. Gerade Novo-Nordisk, der Weltmarktführer für Insulinprodukte, neben Apple, Amazon, Facebook und Mastercard einer seiner Favoriten, schwächelte 2016 und verlor 40 Prozent an Wert. Offensichtlich ist auch ein Weltmarktführer angreifbar – andere Insulin-Hersteller liefern das Proteohormon günstiger als die Dänen.

Zufall oder Können?

Vielleicht war es also reiner Zufall, dass Thiel im ersten Jahr den Index geschlagen hat. Im Moment sieht es nicht danach aus, dass ihm das wieder gelingt.

Fairerweise muss ich erwähnen, dass er Anlegern rät, auf einen Index zu setzen, was „auf Dauer möglicherweise mehr bringt“. Und wenn „dein aktiv geführtes Depot drei Jahre in Folge hinter dem Index oder hinter einer simplen ETF-Anlage liegt, dann überdenke bitte deine Strategie“. Ist sei keine Schande, aus der Tatsache, dass die Benchmark (der Index oder eine simple Indexfonds-Kombination) den Anleger schlage, den Schluss zu ziehen, „dass eine andere Anlagestrategie dir mehr einbringt“. Deswegen: „If you can’t beat ‘em, join ‘em“, sprich, wenn du den Index nicht schlagen kannst, setzt auf ihn. Wer sich an Megatrends orientiert, findet dazu auf meinem Blog eine kleine Auswahl.

Passives Anlegen ist langweilig

Thiel weiß natürlich, dass vielen Anleger ihr eigenes Ego im Wege steht. „Passive Anlage ist so langweilig, wie der Farbe beim Trocknen zuzusehen“, zitiert er Gerd Kommer, den Autor des Buchs „Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs“. Wer aber sein Ego hintanstellen kann, für den hat Thiel den Tipp, es mit einer einfachen ETF-Strategie – ETF steht für Exchange-traded fund oder börsengehandelter Fonds auf einen Index – zu probieren. „Kaufe, wenn du Geld hast, abwechselnd ETFs auf den S&P 500 und auf den MDax. Der S&P 500 ist ein amerikanischer Index mit Aktien der 500 größten US-Konzerne. „Mit dieser ETF-Strategie schlägst du ohne Probleme beinahe alle Freunde und Bekannten, die in Einzelaktien anlegen“, so sein Credo.

Selbst ist der Mann – oder die Frau

Thiels Buch ist ein Plädoyer für die Eigenverantwortung in Geldfragen. „Wir sollten selbst die Verantwortung übernehmen“, fordert er. „Lerne, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen“, erinnert er an die Maxime der Aufklärung. Recht hat er – und das kann gar nicht oft genug gesagt werden.

Vielleicht wäre weniger Text und mehr Charts hilfreich gewesen. Seine Checklisten sind manchmal ausufernd – in der Kürze aber liegt die Würze. So ab und an mal ein Bild – von der Börse oder das Logo der vorgestellten Aktien hätte das Buch sicher aufgelockert. Insgesamt liest es sich unterhaltsam – und animiert zum Umdenken in Sachen Geldanlage.




Wie der Staat Rentner um einen Teil der eigenen Altersvorsorge bringt

Was hilft die schönste Altersvorsorge, wenn der Staat am Ende die komplette Rendite einkassiert? Ja, Staat und Sozialversicherung schröpfen jeden, der jahrzehntelang brav für sein Alter vorgesorgt hat. Genau dann, wenn die Rentner ihr Geld brauchen, kommt die Krankenversicherung und holt sich annähernd ein Fünftel der Auszahlung. Wer fürs Alter vorsorgt, hätte sein Geld genauso gut unters Kopfkissen legen können.

Wenn die Beschäftigten, die sich auf eine der fünf Möglichkeiten der betrieblichen Altersvorsorge – Direktzusage der Firma an den Beschäftigten, Unterstützungskasse, Direktversicherung, Pensionskasse oder Pensionsfonds – eingelassen haben, am Ende ihres Arbeitslebens das Geld abrufen, müssen sie feststellen, dass die Kranken- und Pflegeversicherung die Hand aufhält.

Direktversicherungsgeschädigte sind sauer

Am schlimmsten erwischt es heutige Rentner, die vor 2004 eine Direktversicherung abgeschlossen haben, denn damals hat ihnen niemand gesagt, dass sie am Ende ihres Beschäftigtendaseins ein Fünftel an die Krankenkasse zahlen sollen.

Der Widerstand gegen diese Abzocke durch Staat und Krankenversicherung wird immer heftiger. Frank Müller vom Verein der Direktversicherungsgeschädigten (DVG) hat Ralf Kapschack, dem SPD-Bundestagsabgeordneten und Mitglied im Ausschuss für Arbeit und Soziales einen offenen Brief geschrieben. Darin wirft er der SPD Vertrags- und Vertrauensbruch vor. Müller wirft der SPD – übrigens waren 2004, als das Gesetz zur Doppelverbeitragung beschlossen wurde, auch die Grünen mit im Boot – Abzocke vor. Er rät deswegen jedem, keine betriebliche Altersvorsorge abzuschließen. Warum das so ist, haben Stephan Busch und Tom Wonneberg vorgerechnet. Danach ist es günstiger, selbst privat vorzusorgen. Klingt paradox, ist aber so.

SPD will nichts ändern an dem Fehler

SPD-Mann Kapschack hat geantwortet. Fairerweise kommt auch er zu Wort. Hier seine Erwiderung auf Müllers Brief:

Betreff: Ihre Nachrichten zum Betriebsrentenstärkungsgesetz

Sehr geehrte Frau und Herr Müller,                                                                                                                                                                                                                                          vielen Dank für Ihre Nachrichten „Gelbe Karte für den Referentenentwurf des Betriebsrentenstärkungsgesetzes“. Bitte entschuldigen Sie, dass ich Ihnen erst jetzt antworte. Wie Sie wissen, befinden wir uns gerade im internen Abstimmungsprozess zu dem Gesetzentwurf, der am 10. März 2017 in den Deutschen Bundestag eingebracht wurde. Als zuständiger Berichterstatter der SPD-Bundestagsfraktion antworte ich Ihnen auch im Namen meiner Kolleginnen und Kollegen, die Sie ebenfalls angeschrieben haben.
Die Problematik der sogenannten Doppelverbeitragung, die die „Direktversicherungsgeschädigten“ besonders hart trifft, ist in der SPD-Bundestagsfraktion bekannt. Ich kann auch ganz persönlich nachvollziehen, dass es für Sie schwer verständlich ist. Sie haben – sofern Sie Ihren Vertrag vor 2004 abgeschlossen haben – dies in dem Glauben getan, dass die Leistungen in der Auszahlungsphase nicht mit dem vollen Kranken- und Pflegeversicherungsbeitrag belegt werden. Diese Änderung wurde für Sie überraschend beschlossen, ohne dass Sie etwas an Ihrer Situation ändern konnten. Sicherlich sind Ihnen die Beweggründe für diese Änderung bekannt. Ich werde es deshalb nicht wiederholen.
Wie ich bereits in vergangenen E-Mail-Wechseln mit Vertreterinnen und Vertretern der Direktversicherungsgeschädigten mitgeteilt habe, bin ich nicht sicher, ob wir an dieser konkreten Problematik rückwirkend etwas ändern werden. Wir werden jedoch mit dem vorliegenden Entwurf für ein Betriebsrentenstärkungsgesetz wichtige Verbesserungen für die betriebliche Altersvorsorge, insbesondere für Geringverdienende, auf den Weg bringen. Wir stärken die Rolle der Tarifvertragsparteien und geben ihnen mehr und bessere Möglichkeiten in Tarifverträgen gute Bedingungen für Betriebsrenten auszuhandeln. Wenn im Rahmen von Tarifverträgen die reine Beitragszusage vereinbart wird, dann soll beispielsweise geregelt werden, dass der Arbeitergeber verpflichtet ist, die durch die Entgeltumwandlung eingesparten Sozialversicherungsbeiträge (mindestens 15 Prozent des Umwandlungsbetrags) an den Arbeitnehmer/die Arbeitnehmerin weiterzugeben. Damit ließe sich aus meiner Sicht ein Teil der hohen KV-Beiträge in der Auszahlungsphase kompensieren. Mein persönlicher Wunsch ist es, dass wir diese Verpflichtung zur Weitergabe der eingesparten Sozialversicherungsbeiträge auf alle Betriebsrenten übertragen können.
Nun ist mir bewusst, dass das in Ihrem konkreten Fall nicht weiterhilft. Damit ist aber das Betriebsrentenstärkungsgesetz aus den oben genannten Gründen nicht per se schlecht.
Des Weiteren möchte ich noch auf einen Punkt eingehen: Es ist sehr schade, dass Sie nun die junge Generation davor warnen, für ihr Alter betrieblich oder privat vorzusorgen. Denn mittlerweile gilt für alle Durchführungswege der betrieblichen Altersvorsorge: In der Anwartschaftsphase ist die bAV steuerfrei bzw. bei Direktversicherungen, Pensionskassen und Pensionsfonds steuerfrei bis 4 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze; in der Auszahlungsphase sind alle Durchführungswege steuerpflichtig.
Gleiches gilt für die Sozialversicherungsbeiträge: Alle Betriebsrenten sind in der Ansparphase beitragsfrei bis zu 4 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze und unterliegen gleichermaßen in der Auszahlungsphase der vollen Beitragspflicht (oberhalb 1/20 der monatlichen Bezugsgröße nach §18 SGB IV, aktuell 148,75 Euro). Über die volle Beitragspflicht kann man sich grundsätzlich streiten. Auch ich bin davon überzeugt, dass sie die Attraktivität der betrieblichen Altersvorsorge schmälert – wie im übrigen jede Steuer, Abgabe oder Gebühr die aus dem angesparten Kapital fließt und durch umso höhere Rendite erst einmal kompensiert werden muss. Eine Rückkehr zum halben Beitragssatz würde jährlich derzeit ca. 2,5 Milliarden Euro kosten. Diese müssten an anderer Stelle – z.B. durch einen höheren Beitragssatz, finanziert durch alle Beitragszahlerinnen und Beitragszahler, oder durch einen Steuerzuschuss aufgebracht werden.
Wir führen daher aktuell viele Gespräche, insbesondere auch mit den Gesundheitspolitikerinnen und –politikern und versuchen möglichst eine Lösung zu finden. Abschließend möchte ich noch auf einen Aspekt Ihrer Mails eingehen, der so offenbar von dem „Verein der Direktversicherungsgeschädigten“ vorangetrieben wird. Es geht darum, dass dort dargestellt ist, dass von 6,3 bis 8,1 Millionen „Direktversicherungsgeschädigten“ ausgegangen wird. Die Veränderung durch das Gesundheitsmodernisierungsgesetz im Jahr 2004 hat allerdings nicht alle Direktversicherungen betroffen. Denn nur Versorgungsbezüge, die am Vertragsende als Einmalzahlung geleistet werden sollten, waren bis dahin beitragsfrei. Versorgungsbezüge, die monatlich ausgezahlt wurden, waren damals schon beitragspflichtig, wenn auch mit dem ermäßigten bzw. halben Krankenkassenbeitrag. Die Zahl von insgesamt 6,3 bis 8,1 Millionen Geschädigten kann ich daher nicht nachvollziehen. Das ändert nichts an dem Grundproblem. Aber zu einer fairen Debatte gehört auch seriöse Information über die Fakten.             Mit freundlichen Grüßen
Ralf Kapschack

Der Verein der Direktversicherungsgeschädigten gehen auf die Straße und vor die Gerichte – bislang leider mit vergleichsweise noch nicht dem durchschlagenden Erfolg, den sie sich wünschen.

Stopp der Zwangsabgabe auf Direktversicherungen gefordert Quelle: DVG

Stopp der Zwangsabgabe auf Direktversicherungen gefordert Quelle: DVG

Direktversicherte in der Agabenfalle des Staats

Direktversicherte in der Agabenfalle des Staats

Doppel- und Dreifachverbeitragung der Direktversicherung Quelle: Frank Müller

Doppel- und Dreifachverbeitragung der Direktversicherung Quelle: Frank Müller




Die Riester-Rente hat ausgedient – Versicherer steigen aus

Zum 1. Januar 2017 ist die Riester-Rente 15 Jahre alt geworden. Aber so jung sie auch ist, hat sie bereits ausgedient. Die ersten Versicherer steigen aus dem Riester-Geschäft aus – und die Zahl der Riester-Verträge stagniert schon seit 2013.

Schuld daran ist die Zinsflaute. Die Leute haben keine Lust mehr auf Riester, weil die Rendite zu wünschen übrig lässt. Die Zahl der Verträge hat sich bei etwas mehr als 16 Millionen eingependelt – und stagniert auf diesem Niveau. Jetzt haben auch die Versicherer die Lust an Riester verloren. Wer beispielsweise eine klassische Riester-Rente abgeschlossen hat, muss mindestens 83 Jahre alt werden, um die eingezahlten Beiträge einschließlich Zulagen wieder heraus zu holen – bei einigen Anbietern muss er sogar deutlich älter werden.

5000 verschiedene Riester-Varianten

Die Vielfalt an Riester-Verträgen ist groß. So kommt der Finanzprofi Axel Börsch-Supan, einschließlich Produkten wie Banksparplänen, Fondssparplänen und dem 2008 eingeführten „Wohn-Riester“ auf mittlerweile mehr als 5000 verschiedene Riester-Vertragsvarianten.

So lustlos die Kunden, so frustriert sind mittlerweile auch die Versicherer selbst. Die Begeisterung hat schwer nachgelassen. So legt beispielsweise die Öffentliche Lebensversicherung Braunschweig laut „finanzen.net“ ihr Riester-Neugeschäft vorerst auf Eis. Das gleiche gelte für Cosmos Direkt und die zum Talanx-Konzern gehörende PB Versicherung. Die Debeka wolle erst zum 1. April wieder einsteigen; die DEVK Anfang Mai, die Barmenia frühestens im zweiten Quartal. Mit der Wiederaufnahme von Riester wollen sich auch die Alte Leipziger Zeit lassen und die Nürnberger.

Was ist bloß mit Riester los?

Was ist bloß los mit Riester? Der Absatz von Neuverträgen stagniert und ist bei einigen Anbietern rückläufig, ferner binden die Regularien Ressourcen. Die Kunden sind unzufrieden mit den Renditen von Riester-Verträgen – manche sind sogar richtig sauer auf die Versicherer, weil unterm Strich nur ein paar Euro rauskommen, obwohl sie jahrelang eingezahlt hatten.

Null Durchblick im Tarifdschungel

Problem für Verbraucher sei auch die Intransparenz der Verträge, so die Verbraucherschützerin Dorothea Mohn vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Den Durchblick im Tarifdschungel zu behalten, ist allerdings nicht einfach. „Durch die Komplexität der Verträge wird ein Kostenvergleich selbst für Fachleute beinahe unmöglich gemacht“, so Börsch-Supan. Bei weitgehend gleicher Ausgestaltung gebe es sehr teure und sehr günstige Produkte. Das Max-Planck-Institut für Sozialrecht und Sozialpolitik hat in seiner Studie 36 repräsentative klassischen Riester-Rentenversicherungen verglichen und kam dabei auf erschreckende Differenzen. Der günstigste Anbieter kommt auf eine Kostenquote von 2,5 Prozent und der teuerste von 20 Prozent. Das heißt umgekehrt, wer einen schlechten Anbieter hat, dem geht schon mal richtig viel Rendite flöten.

Rendite blieb auf der Strecke

Hauptproblem ist jedoch, dass die Versicherer die von den Kunden erwarteten Renditen nicht mehr erwirtschaften können. Selbst die Experten von Max-Planck-Institut lügen sich da in die eigenen Taschen. Sie extrapolieren einfach die Verhältnisse aus den Jahren zwischen 2002 und 2015 auf den Zeitraum von 2015 bis 2060. In ihrem Ausgangsszenario gehen sie von einer Verzinsung von 4,5 Prozent pro Jahr aus einer Inflation von 1,5 Prozent – und schwupps kommen sie auf eine reale Verzinsung von drei Prozent. Nur leider hat das mit der Realität nichts zu tun, wie jeder weiß. Ok, einige Seiten später haben sie ihr Szenario revidiert.

Wenn selbst die Experten ratlos sind, wie dann erst die Praktiker.

Riester braucht eine Komplett-Reform – oder muss gleich ganz abgeschafft werden.

Schon im August 2016 hat Finanzstaatssekretär Jens Spahn (CDU) eine Reform der Riester-Rente gefordert – passiert ist bislang nichts. Er schlug beispielsweise vor, „ob wir die Entscheidung über die Zulagen nicht doch bei den Finanzämtern ansiedeln können“. Denn, so sein Argument, das Finanzamt prüfe ohnehin schon, ob dem Riester-Sparer Steuervorteile zustünden. Auch das mit der Beantragung von Zulagen will er ändern. Sie solle es automatisch geben, und nicht erst nach Antrag. Fakt ist, dass viele Riester-Sparer die Formulare gar nicht ausfüllen und allein deswegen keine Zulagen bekommen. Ferner kritisiert der die Verwaltungskosten, die viel zu hoch seien. Es sei falsch gewesen, dass die Riester-Rente nicht als verpflichtende Zusatzvorsorge ausgestaltet worden sei. Ja, was die Rendite betrifft, so gebe es zu viele Vorgaben, die eine vernünftige Rendite abschwächten. Aber, wie gesagt, das war schon im August 2016.

 




Sparen fürs Alter und trotzdem gut leben

Die Angst wächst, dass das Geld im Alter nicht reicht. Das betrifft selbst Gutverdiener. Wenn sie in Rente gehen, werden sie deutliche Abstrichen machen müssen. Es hilft nichts, den Kopf in den Sand zu stecken – mit etwas Planung lassen sich die Folgen abmildern.

Angst vor der Altersarmut – das Thema wird derzeit heftig diskutiert. Jeder mit etwas Weitblick weiß, dass er den Gürtel in ein paar Jahren enger schnallen muss. Das verunsichert viele. Angst ist allerdings ein schlechter Berater. Nichts zu tun und auf die gesetzliche Rente zu hoffen, endet im finanziellen Desaster. Wer im Alter nicht vor einem Scherbenhaufen stehen will, muss etwas Geld zur Seite legen und für den Ruhestand planen.

Festgeld als einfachste Sparform

Die einfachste Form des Sparens ist immer noch Festgeld. Der Sparer deponiert bei seiner Bank 10 000, 20 000 oder gar mehr bei einer Bank verbindlich über zwölf Monate, zwei, drei oder gar zehn Jahre, ohne das Geld anzurühren. Dafür verzinst die Bank den Betrag Jahr um Jahr – am Ende der Laufzeit bekommt er seinen Einsatz plus Zinsen gutgeschrieben. Zugegeben, die Zinsen bedingt durch die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) ziemlich niedrig. Sie sind allerdings nicht so niedrig, dass sich Festgeld nicht lohnen würde. Ganz abgesehen davon ist die Inflation ebenfalls niedrig – im Mai verharrten sie mit 0,1 Prozent knapp über der Nulllinie. Das heißt, die Realzinsen (Nominalzins abzüglich Inflation) sind gar nicht so schlecht. Übrigens, muss der Zins ja nicht ewig auf diesem niedrigen Niveau bleiben.

Natürlich kann jeder Sparer erst einmal bei seiner Hausbank nach den Konditionen fragen. Sparkassenkunden dürften jedoch ziemlich enttäuscht sein. Wer sich einen Überblick verschaffen will, konsultiert am besten Vergleichsportale wie FMH oder Biallo. Er wird dort immer wieder auf die gleichen Namen stoßen, beispielsweise den Anbieter Moneyou, die vorne liegen.

Wie viel darf der Sparer erwarten? Maximal bekommt er etwas mehr als zwei Prozent. Die Konditionen sind unter anderem abhängig von der Anlagesumme.  Aus 10 000 Euro werden beispielsweise bei einer Laufzeit von zehn Jahren deutlich mehr als 12 000 Euro einschließlich Zins und Zinseszins. Nun gut, das ist jetzt nicht berauschend – mit Festgeld wird niemand reich, aber geht der Sparer in zehn Jahren in Rente, hat er zumindest einen sicheren Puffer gleich zu Beginn.

Darf es etwas mehr Risiko sein?

Natürlich gibt es noch andere Anlage-Möglichkeiten für aktuelles Vermögen. Dazu zählen vor allem – von Gold und Immobilien einmal abgesehen – Unternehmensanleihen und Aktien. Bei diesen Anlagenformen fällt die Rendite wesentlich höher aus. Allerdings müssen Anleger das Risiko aushalten. Langfristig, das heißt über zehn, 15 oder gar 20 Jahre, bringen Aktien locker sieben und mehr Prozent Rendite. Das Deutsche Aktieninstitut hat die Renditen des Deutschen Aktienindex Dax beispielsweise über 50 Jahre zurückverfolgt und in Form des Rendite-Dreiecks abgebildet. Das Ergebnis spricht für sich. Dabei darf indes nicht verschwiegen werden, dass die Rendite in einigen Zeiträumen auch negativ war, vor allem in den Krisenjahren 2001 und 2008.

Übrigens, auch das Sparen mit einem Riester-Vertrag – Riester-Rente gerät zunehmend in Verruf – ist nicht immer die beste Lösung. Es lohnt sich, genau hinzuschauen und alle Optionen durchzurechnen.

Foto: © istock.com/dolgachov

 




Richtig Geld für den Ruhestand anlegen damit es bis ins hohe Alter reicht

Wie richtig Geld anlegen, damit es bis ins hohe Alter reicht? Diese Fragen stellen sich viele. Und die Frage wird immer drängender, denn die Bundesbürger leben so lange wie noch nie – das Durchschnittsalter deutscher Frauen betrug 2014 immerhin 81,4 Jahre, während Männer 74,7 Jahre alt wurden. Wer sein Geld falsch angelegt hat, gefährdet im Alter seine Existenz. Nicht selten müssen dann die eigenen Kinder für die alten Eltern einspringen, weil die Reserven nicht mehr reichen.

Durchschnittlicher Ruhestand –  20 Jahre

Seit den 1960er-Jahren verdoppelte sich die Lebenszeit nach Ende des Arbeitslebens: Früher betrug die Lebenszeit im Ruhestand nur zehn Jahre, heute durchschnittlich 20 Jahre – Tendenz steigend. Gleichzeitig ist aber auch das Zinsniveau gefallen. Mittlerweile liegt der Leitzins bei null und der Zins für die Einlagen der Banken bei der Europäischen Zentralbank (EZB) sogar bei minus 0,4 Prozent. Das dramatische Folgen für Geldanlagen von Senioren – und natürlich auch für die der aktiven Beschäftigten. Denn eines ist klar, allein auf die gesetzliche Rente kann sich heute keiner mehr verlassen – sie deckt nur noch etwa 50 Prozent des letzten Einkommens ab.

Doch mit einigen Änderungen lässt sich Geld sicher anlegen und bringt dennoch Ertrag. Noch immer setzen vor allem ältere Menschen auf das Tagesgeldkonto. Doch das ist nicht zeitgemäß, da es keine Zinsen auf das Ersparte gibt – und ohne entsprechende Rendite hat der Ruheständler auch keine Chance, im Alter seinen Wohlstand zu erhalten. Auch die zweite liebste Anlageform, die Lebensversicherung, bringt nicht mehr genügend Rendite.

Mehr Rendite durch smartes Anlegen

Geld anlegen auf intelligente Art, aber wie? Quelle:istockInzwischen gibt es zahlreiche Möglichkeiten, das Geld auch weit vor dem Ruhestand anzulegen. Vom klassischen Konto bis hin zu Anlagemöglichkeiten bei Banken, die das Geld nach ethisch ökologischen Kriterien verwalten, ist für jeden eine passende Variante dabei. Der Bundesverband deutscher Banken empfiehlt älteren Anlegern, die Zinsen zu vergleichen. Denn so ist die Geldanlage trotzdem sicher und die Rendite liegt über den derzeit üblichen mageren Zinsen. Wer sein Geld risikoreicher in Aktien investieren möchte, sollte die Faustformel „100 minus Lebensalter“ berücksichtigen. Das bedeutet bei einem 70-jährigen, dass dieser höchstens 30 Prozent seines Vermögens in Aktien anlegen sollte. Wer nicht selbst einzelne Aktien mühselig heraussuchen möchte, kann beispielsweise auch in einen Mischfonds oder in Indexfonds investieren. Indexfonds bilden einen Index wie den Dax nach. Die Kosten sind vergleichsweise niedrig, ferner kann ein Indexfonds jederzeit über die Börse ge- und verkauft werden.

Geld anlegen auf intelligente Art, aber wie? Quelle:istock

Der Zinseszins macht den Unterschied

Bei einem Rentner machen selbst kleine Differenzen im Zins einen großen Unterschied aus. So ist beispielsweise bei einem Vermögen von 50 000 Euro und einer Entnahme von 750 Euro monatlich das Guthaben bereits nach noch nicht einmal sechs Jahren aufgebraucht. Selbst wenn nur 500 Euro entnommen werden, reicht das Geld nur noch acht Jahre.

Tipp: 

Die Rendite kann anstatt mit Aktien auch mit langlaufendem Festgeld aufgepeppt werden. Je länger das Geld liegen gelassen wird, desto höher die Rendite. Solch gut verzinsten Festgeldkonten gibt es allerdings in der Regel ausschließlich bei Online-Banken.

Weiterführende Links:

Fotos: ©istock




Garantieleistung als Marketingscherz

Deutsche Sparer bevorzugen Sicherheit. Die meisten wünschen sich sogar eine garantierte Ablaufleistung, die bis auf die zweite Nachkommastelle genau angibt, wie der Vertrag verlaufen wird. Dieser Fehler könnte eines Tages zu einem teuren Irrtum werden.

Beitrag rebloggt von Jenny’s Blog

Menschen, die keine hohe finanzielle Bildung haben, also fast alle, lassen sich gerne von Verkaufsprofis einlullen. Das Wort “garantierte Ablaufleistung” hört sich für viele sehr sexy an. Auch Garantiezinsen dürfen natürlich nicht fehlen. Doch genau diese Dinge sind es, die dem Sparer Angst machen sollten! Wer Vorsorge betreibt, hat lange Zeit. Oftmals sind das 40, 30, oder 20 Jahre. Über so einen Zeitraum kann einer, der fürs Alter vorsorgen will, auch in einen Mix aus Sachwerten (Aktien, Edelmetalle etc…) investieren. Eine Garantie brauchen Anleger immer nur dann, wenn sie sich gegen Kursrückgänge schützen wollen.

Was bringt es einem 20-Jährigen, wenn er heute weiß, dass er mit 67 eine private Rente in Höhe von 1123,87 Euro bekommt? Es bringt ihm nichts! Die zu stellende Frage ist: Was kann er sich von den 1123,87 Euro in 47 Jahren kaufen? Er weiß zwar, wieviel Geld er bekommt, aber er weiß nicht, was es wert sein wird. Deshalb kann er auch nicht analysieren, ob seine Alterseinkünfte zur Erhaltung des Lebensstandards reichen werden. In einer klassischen Renten- oder Lebensversicherung ist sein Kapital als Kredit unterwegs. Es partizipiert nicht am Wachstum oder der Entwicklung echter Werte. Übrigens: Es gibt für Versicherungsguthaben im Prinzip so gut wie keine Einlagensicherung. Das Aufsichtsamt ist im “Pleitefall” ermächtigt, Auszahlungen zu verbieten oder (garantierte) Leistungen herab zu setzen (VAG § 89). Garantieleistungen sind einfach nur ein guter Marketingscherz. Wer auf Garantien setzt, hat mit Sicherheit zu wenig.

 


Was Jenny’s sagen will: Es lohnt sich auf alle Fälle, selbst über sein Geld und seine Altersvorsorge zu entscheiden. Aktien bringen auf lange Sicht mehr Rendite als eine Versicherung. Das Renditedreieck des Deutschen Aktieninstituts belegt eindeutig, dass über Zeiträume von 20, 30 und mehr Jahren Renditen mit Aktien von sieben, acht und mehr Prozent pro Jahr drin sind – im Schnitt wohlgemerkt. Denn zwischenzeitlich können Aktienkurse auch fallen. Langfristig sind die Dellen noch jedesmal ausgeglichen und überkompensiert worden.

Wer sich das nicht allein zutraut, kann sich auch einem Investmentclub wie den cic! anschließen.


Ach ja, und noch so eine Anregung durch Jenny’s Blog

Ich freue mich über zahlreiche Kommentare hier im Blog oder via Twitter an https://twitter.com/dineros 




Riester-Rente verrottet oft

Bei der Riester-Rente lassen sich laut einem Zeitungsbericht Millionen Sparer Fördergeld vom Staat entgehen. Dies berichtete die„Süddeutsche Zeitung“ am Montag unter Berufung auf eine Auswertung der Deutschen Rentenversicherung (DRV).

Das hätte sich der ehemalige Arbeitsminister Walter Riester nicht gedacht, dass die von ihm erfundene staatlich bezuschusste private Altersvorsorge einfach links liegen gelassen wird. Millionen Deutsche ignorieren die Fördergelder vom Staat einfach – und machen nichts oder schöpfen den Bonus vom Fiskus nicht aus.

Viele Riester-Verträge ruhen

Die „Süddeutsche Zeitung“ kam drauf als sie die Zahlen der Deutschen Rentenversicherung (DRV) analysierte. Dabei beruft sie sich auf einen schon im April vorgelegten Bericht der DRV. Die Zahlen sind zwar für das Jahr 2011, 2015 dürfte es jedoch nicht grundsätzlich anders aussehen.

Das dürfte vor allem daran liegen, dass nach Angaben des Arbeitsministeriums knapp ein Fünftel der Verträge ruhend gestellt ist. Die Sparer zahlen also nichts mehr ein, weil sie sich dies nicht mehr leisten können, es wegen der Kritik an der Riester-Rente nicht mehr für sinnvoll erachten oder sie einen anderen Vertrag abgeschlossen haben, den sie für besser halten. Außerdem wird ein kleiner Teil der Verträge bereits ausbezahlt. Diese werden nicht mehr gefördert. Das gilt auch für Menschen, die sich selbständig gemacht haben. (O-Ton Süddeutsche)

Vielen ist das Procedere zu kompliziert, andere werfen vorzeitig das Handtuch. Zur Erinnerung: Die volle Förderung von jährlich 154 Euro Grundzulage plus maximal 300 Euro pro Kind bekommt nur, wer vier Prozent seines sozialversicherungspflichtigen Vorjahres-Einkommen – maximal 5800 Euro (West) und 4900 Euro (Ost) – in die Waagschale wirft. Bei 30 000 Euro beispielsweise sind das 1200 Euro pro Jahr.

Nur die Hälfte kommen auf die volle Zulage

Ende 2011 hatten die Deutschen laut DRV in 15,3 Millionen Riester-Verträge abgeschlossen. Nur die Hälfte kam auf die volle Zulage. Damit verfehlt die Riester-Rente natürlich ihren Zweck, mit der privaten Altersvorsorge die Rentenlücke bei der gesetzlichen auszugleichen. Das Heulen und Zähneknirschen kommt dann leider später.

Mehr Infos:




Wasch mir den Pelz, aber …

Zinseszins – was ist das denn? Nichts zu essen, so viel vorweg. Spaß beseite, das ist der Zins auf den Zins, wenn Geld mehr als nur ein Jahr verliehen wird. Dumm nur, wenn der Zins nahe null ist – dann wird’s auch nichts mit dem Zinseszins. Da hilft auch das frühe Anfangen nichts. Doppelt dumm, dass dann im Alter kein Geld da ist ohne Zinseszins. Irgendwie wissen das wohl die meisten, folgern aber nicht, dass sie über ihre Geldanlage gründlich nachdenken müssen. Denn, die Rente ist zwar sicher, wie Norbert Blüm vor langer Zeit proklamierte, von der Höhe hat der damals wohlweislich nichts gesagt. Dass sie nicht reichen wird für ein auskömmliches Alter, dürfte mittlerweile jedem klar sein.

Morgen, morgen – nur nicht heute

Diesen Zusammenhang hat jüngst das Meinungsforschungsinstituts INSA im Auftrag der Gesellschaft Deutscher Versicherer (GDV) ermittelt. Danach glauben 84 Prozent der Deutschen, ohne private Vorsorge im Alter zu verarmen. Aber nur annähernd die Hälfte der Befragten sorgen auch wirklich privat vor – ganz nach dem Motto
„dafür ist ja noch später Zeit“. Das sei allerdings der falsche Weg, so Peter Härtling, Kopf des Bundesverbandes der Ruhestandsplaner Deutschland (BDRD). „Die Deutschen kennen offenbar den Zinseszinseffekt nicht”, wird Härtling vom „Versicherungsboten“ zitiert. Aber nur, wer schon früh anfängt und durchhält, kann vom Zinseszinseffekt profitieren. Wobei Härtling vergaß zu erwähnen, dass es auch auf die richtige Anlageklasse ankommt, denn mit Tagesgeld lässt sich kein Vermögen aufbauen.

Härtling rechnet vor: „Möchte man sich im Alter von 67 Jahren in den Ruhestand begeben und benötigt dann zusätzlich zur gesetzlichen Rente monatlich weitere 1000 Euro, um seinen gewohnten Lebensstandard zu halten, der braucht er bei einer angenommenen Infaltion von drei Prozent finanzielle Rücklagen von rund 230 000 Euro“, so Härtling zum „Versicherungsboten“

Fazit: Wer später anfängt, muss nominal mehr zurücklegen. Wer trotzdem später anfängt, kann die Differenz nur ausgleichen, wenn er eine höhere Rendite erwirtschaftet, damit muss er aber zwangsläufig ein höheres Risiko eingehen.