Wie gut ist die neue Betriebsrente wirklich?

Das Betriebsrentenstärkungsgesetz kommt Anfang 2018. Wie gut ist aber die neue Betriebsrente wirklich? Wird die Betriebsrente damit für Arbeitnehmer lukrativer? Die neue Betriebsrente ist eine Mogelpackung – und lohnt sich für die meisten nicht.

Rentenberater und Fachanwalt Peter Knöppel hat sich die neue Betriebsrente einmal genau angeschaut und kommt zu dem Urteil, dass die neue Betriebsrente für viele Sparer zu einem Reinfall werden könnte.

Die Versicherungsbranche steht schon in den Startlöchern. Wieder geht es beim Betriebsrentenstärkungsgesetz um riesige Provisionen. Ziel sind dieses Mal Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in kleinen und mittleren Unternehmen. Das Betriebsrentenstärkungsgesetz soll ab 2018 auch Beziehern von unteren Einkommen den Weg zu einer Betriebsrente eröffnen. Das Betriebsrentenstärkungsgesetz will das durch besondere Förderungen ermöglichen. Das könnte fatale Folgen für die Zukunft haben.

Die Bundesarbeitsministerin Frau Nahles will mit dem neuen Betriebsrentenstärkungsgesetz 2018 die Tür für alle diejenigen Menschen öffnen, die bis zum heutigen Tage keine Betriebsrente abgeschlossen haben. Ziel soll es sein, die drohende Altersarmut für viele Ruheständler zu bekämpfen. Ob dies wirklich mit der neuen Betriebsrente 2018 erreicht werden kann, ist völlig offen. Schlimmer noch, es steht zu befürchten, dass die Betriebsrente für viele Sparer ein totaler Reinfall werden kann.

Was ist die neue Betriebsrente?

In der Ansparphase, also der Zeit, in dem der Arbeitnehmer mit Hilfe des Betriebs seine Betriebsrente anspart, ist ja alles in Ordnung.  Das dicke Ende kommt zum Schluss – in der Auszahlungsphase. In den kommenden Jahren gehen viele Millionen Menschen in Deutschland in Rente. Sie werden sich einen schönen Ruhestand ausmalen. Wenn sie dann Bilanz ziehen, dürften vielen erst einmal die Augen aufgehen.

Minus durch nachgelagerte Besteuerung

Wenn der Versicherer die Betriebsrente auszahlt, muss der Arbeitnehmer sie im Regelfall versteuern. Da fallen mit einem Schlag bis zu 20 Prozent und mehr an Einkommenssteuern an.

Krankenkasse schröpft Betriebsrentner

Was viele nicht wissen oder standhaft ignorieren ist, dass auf die Betriebsrente im Allgemeinen für zehn Jahre (120 Monate) Beiträge zur gesetzlichen Krankenkasse gezahlt werden müssen. Klingt harmlos, macht aber einiges aus. Denn diese Krankenkassenbeiträge sind zusätzlich zu zahlen – neben den Beiträgen für eine gesetzliche Rente. Also zahlen die Betroffenen zweimal. Einmal ohne irgendeine Gegenleistung dafür von der Krankenkasse erwarten zu können. Rechtsgrundlage dafür ist der § 229 Sozialgesetzbuch Nr.5.

Voller Krankenkassenbeitrag heißt: Arbeitnehmer- und Arbeitgeberanteil. Ja, der Rentenbezieher der Betriebsrente zahlt den vollen Krankenkassenbeitrag von zurzeit 14,6 Prozent plus 1,1 Prozent Zusatzbeitrag und dazu noch den Pflegebeitrag allein.

Dazu ein Beispiel:

Richard Rentner, Vater von einem Kind, bekommt bei seinem Renteneintritt eine Betriebsrente in Höhe von 50 000 Euro ausgezahlt. Hierauf fallen 15,7 Prozent Krankenversicherungsbeitrag und 2,55 Prozent Pflegebeitrag an. Insgesamt also 18,25 Prozent. Richard Rentner muss von seinen 50 000 Euro sage und schreibe 9125 Euro Beiträge abführen. Somit sind annähernd 20 Prozent weg.

Nur wenn die Betriebsrente die Geringfügigkeitsgrenze von monatlich 148,75 Euro oder bei einem Einmalbetrag von 17 850 Euro für 2017 nicht überschreitet, fallen keine zusätzlichen Beiträge an.

Gesetzliche Rente wird weniger

Was Frau Nahles verschweigt. Wer für seine Betriebsrente durch Entgeltumwandlung anspart, verkürzt sein Einkommen, das für die gesetzliche Rente zählt. Wer also beispielsweise 2800 Euro brutto monatlich hat und 150 Euro für seine Betriebsrente per Entgeltumwandlung investiert, bekommt seine Rente nur auf Basis der gemeldeten 2650 Euro brutto, statt 2.800 Euro.

Um es noch einmal zu verdeutlichen: Wer 30 Jahre lang in seine Betriebsrente aus seinem Einkommen eingezahlt hat, bekommt nicht die gesetzliche Rente gezahlt, die er bekäme, zahlte er die vollen Beiträge aus seinem Einkommen an die Rente.

Erst angelockt, dann abgezockt

Mit dem neuen Betriebsrentengesetz 2018 sollen viele Menschen in die Betriebsrente gelockt werden. Sollte dies gelingen, ist zu befürchten, dass der Deutschen Rentenversicherung viele Milliarden an Beiträgen entgehen. Damit wird nicht nur der Betriebsrentner betrogen, sondern für spätere Rentenerhöhungen der Versichertengemeinschaft könnte es dann auch schlecht aussehen.

Wer trägt das Risiko?

Wie ist das mit dem Risiko bei der Betriebsrente? Mit der neuen Betriebsrente fällt über den neuen Durchführungsweg der sogenannten Sozialpartnerschaft die Garantiehaftung für den Arbeitgeber für die Höhe der Betriebsrente und die eingezahlten Beiträge weg! Wer kontrolliert eigentlich, was mit den eingezahlten Beiträgen durch den Arbeitnehmer passiert? Letztlich steht zu befürchten, dass die gezahlten Beiträge auch in unsichere Aktiendepots angelegt werden können. Ein Totalverlust droht!

15 Prozent Zuschuss sind zu wenig

Ob der neue Arbeitgeberzuschuss ab 2019 für die Arbeitnehmer in Höhe von 15 Prozent des zu zahlenden Arbeitgeberanteils an der Sozialversicherung an dem Zahlungsrisiko bei den Krankenkassenbeiträgen etwas ändert, bleibt abzuwarten.

Skepsis bei Betriebsrente

Wie die Vergangenheit gezeigt hat, ist die Betriebsrente bei über 50 Prozent der Beschäftigten in Deutschland nicht angenommen worden. Wäre es daher nicht besser, die gesetzliche Rente zu stärken und die irrsinnige Steuerförderung der Betriebsrente und der Riesterrente zu beenden?


Zu Peter Knöppel:

Peter Knöppel ist seit 2001 Rechtsanwalt und Fachanwalt für Sozialrecht seit 2012. Im Bereich des privaten Versicherungsrechts ist er ebenso zuhause. Peter Knöppel interessierte sich von Anfang an stark für die Belange der Altersvorsorge. So war es nur eine logische Konsequenz, der Schritt zum Rentenberater. 2012 war es so weit. Nach mehrwöchigen Direktlehrgang beim ASB in Heidelberg, legte er seine mündlichen und schriftlichen Prüfungen mit Bravour ab. Er ist durch das Sächsische Landessozialgericht gerichtlich zugelassener Rentenberater und beackert seitdem täglich aufs Neue und hochmotiviert sein geliebtes Feld der Rente. Doch wer rastet der rostet, so erweiterte er seine Kenntnisse in der betrieblichen Altersversorgung. Knöppel arbeitet bei der Rentenberatungs-, Rechtsanwalts- und Fachanwaltskanzlei für Sozialrecht mit Standorten in Halle (Saale) und Jena sowie eine Filiale in Augsburg.

 




Welche Vor- und Nachteile haben gesetzliche und private Pflegeversicherung?

Mittlerweile zahlen kinderlose gesetzlich Krankenversicherte 2,8 Prozent in die Pflegeversicherung, Versicherte mit Kindern 2,55 Prozent. Die Pflegeversicherung ist in Deutschland Pflicht. Wer allerdings nicht gesetzlich krankenversichert ist, muss eine private Pflege-Pflichtversicherung abschließen. Welche Vor- und Nachteile haben nun gesetzliche und private Pflegeversicherung?

Welche Leistungen sind zu erwarten?

Die gesetzliche Pflegeversicherung ist wichtig, keine Frage. Doch allein auf sich gestellt bietet sie nur einen Basisschutz gegen die Kosten, die im Falle einer Pflegebedürftigkeit im Alter entstehen können. Zudem ist die Höhe der Auszahlungen vom tatsächlichen Pflegegrad abhängig. Seit Anfang 2017 gibt es infolge der Pflegereform fünf Pflegegrade. Die Einstufung wird durch den medizinischen Dienst der Krankenkassen vorgenommen.

Um im Alter eine angemessene Versorgung sicherstellen zu können, ist der Abschluss einer privaten Pflege-Zusatzversicherung empfehlenswert. Diese gibt es derzeit in den Formen Pflegetagegeld-, Pflegekosten- und Pflege-Rentenversicherung. Damit lässt sich die Versorgungslücke schließen, die sich in vielen Fällen auftut und bei welcher der Staat erst dann einspringt, wenn die Ersparnisse aufgebraucht sind und auch der Elternunterhalte vonseiten der Kinder nicht mehr ausreicht. Wer sich einen umfassenden Überblick in möglichen Versorgungslücken bei Pflegebedürftigkeit verschaffen möchte, kann auf die Veröffentlichung „Pflegeversicherung 2017“ von Haufe zurückgreifen. Die private Pflegeversicherung ist gesetzlich dazu verpflichtet, die vereinbarten Aufwendungen vollumfänglich zu erstatten. Tritt hingegen keine Pflegebedürftigkeit ein, werden die eingezahlten Beiträge nicht zurückerstattet.

Welche Pflegeversicherung für wen?

Welche Versicherung für wen am ehesten in Frage kommt, hängt in erster Linie davon ab, wie die betreffende Person krankenversichert ist. Bei Kassenpatienten kommt die gesetzliche Pflege-Pflichtversicherung automatisch hinzu und muss nicht erst gesondert beantragt werden. Das gilt sowohl für Pflichtversicherte als auch für freiwillig Versicherte und Familienversicherte. Eine private Pflege-Zusatzversicherung kann zusätzlich abgeschlossen werden.

Von dieser ist jedoch die private Pflegeversicherung zu unterscheiden. Der Anbieter privater Krankenversicherungen übernimmt zwar in den meisten Fällen auch die Pflegeversicherung. Kunden können binnen der ersten sechs Monate aber auch einen anderen Anbieter für die Pflegeversicherung auswählen.

Wie werden Beiträge zur Pflegeversicherung berechnet?

Bei der gesetzlichen Pflegeversicherung sind die Beiträge klar definiert: Im Jahr 2017 betragen sie 2,8 Prozent des Einkommens bei kinderlosen und 2,55 Prozent bei Versicherten mit Kindern. Bei der privaten Pflegeversicherung richtet sich die Höhe der Beiträge in erster Linie nach Alter und Gesundheitszustand. Je jünger und gesünder der Versicherungsnehmer ist, desto günstiger fallen folglich auch die Beiträge aus.




918 Milliarden Euro für Sozialausgaben

Rund 30 Prozent dessen, was die Deutschen jährlich erwirtschaften, wurde im vergangenen Jahr für Soziales ausgegeben. Das sind mittlerweile 918 Milliarden Euro – 30 Milliarden Euro oder 3,4 Prozent mehr Sozialabgaben als im Jahr davor.

Die Sozialausgaben steigen und steigen und steigen … von einem Rekordhoch zum nächsten. Wie im Sozialbericht 2017 der Bundesregierung steht, haben die Sozialausgaben die 900-Milliarden-Euro-Grenze überschritten. 2015 waren es noch 888 Milliarden Euro, 2016 schon 30 Milliarden Euro mehr. Wie sich diese 918 Milliarden Euro Sozialausgaben verteilen, ist auf 297 Seiten detailliert beschrieben. Größter Posten ist natürlich die Rente. Auch über Aspekte der Familienpolitik, der Gesellschafts- und Sozialpolitik oder Integration und Migration wird berichtet. Wichtige Themen sind auch Gesundheit, Prävention, Rehabilitation so wie die Pflege.

Was bedenklich stimmt, sei, so das  „Handelsblatt“ der Umstand, „dass die Sozialausgaben seit 2012 kontinuierlich stärker steigen als das Bruttoinlandsprodukt“. Das heißt, es werde mehr verteilt, als erwirtschaftet wurde. Von Einklang könne da keine Rede sein. Nach Prognosen des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales dürften die Sozialausgaben 2017 um 4,8 Prozent auf 962 Milliarden Euro steigen, das Bruttoinlandsprodukt um drei Prozent auf 3.227,6 Milliarden Euro. Damit wird die Sozialleistungsquote, sprich das Verhältnis von Sozialausgaben zum Bruttoinlandsprodukt 2017 um 0,5 Prozentpunkte auf 29,8 Prozent steigen. Der Grund dafür ist, dass die Sozialausgaben deutlich stärker steigen werden als das Bruttoinlandsprodukt. Der Anstieg der Sozialleistungen beruhe im Wesentlichen auf einem Leistungszuwachs in der Sozialversicherung – insbesondere der gesetzlichen Rentenversicherung (mit rund elf Milliarden Euro
um rund vier Prozent), Krankenversicherung (mit rund zwölf Milliarden Euro um fünf Prozent) und Pflegeversicherung (mit rund acht Milliarden Euro um 26 Prozent). Es wirkt sich mittlerweile aus, dass immer mehr mit 63 Jahren in Renten gehen können.

Sozialleistungsquote und Veränderungen der Sozialleistungen und des nominalen Bruttoinlandsproduktes zum Vorjahr

Sozialquote - Sozialausgaben im Vergleich zum Bruttoinlandsprodukt

Sozialquote – Sozialausgaben im Vergleich zum Bruttoinlandsprodukt Quelle: Bundesministerium für Arbeit und Soziales

294 Milliarden für Renten

Der Löwenanteil von 293,4 Milliarden Euro entfällt dabei auf die Renten – er ist der höchste Einzelposten im Sozialbudget. Zu annähernd drei Viertel bestehen die Leistungen aus Beitragseinnahmen, zu einem Viertel aus Zuschüssen des Bundes und Erstattungen aus
öffentlichen Mitteln. Die Krankenversicherung schlägt mit 223 Milliarden Euro zu Buche – und die Beamtenpensionen mit 55,2 Milliarden Euro. Was erstaunlich und fast schon beunruhigend ist: Die Ausgaben für die Pflegeversicherung lagen mit 29,7 Milliarden Euro über denen der Arbeitslosenversicherung mit 27,4 Milliarden Euro. Einen Teil dieser Ausgaben trägt der Staat, einen Teil die Unternehmen und einen Teil die Privat-Haushalte – ihr Beitrag zur Finanzierung des Sozialbudgets stieg 2015 auf annähernd 289 Milliarden Euro (2014: 278 Milliarden).

Die Sozialausgaben der Arbeitnehmer machen zusammen mit Steuern mittlerweile mehr als die Hälfte der Brutto-Gehälter aus. Der Steuerzahlergedenktag, sprich der Tag, bis zu dem Arbeitnehmer nur für Staat und Sozialversicherung arbeiten, fiel 2017 auf den 19. Juli.

Ist das nun viel oder wenig? Die Seite Sozialpolitik Aktuell hat die aktuelle Zahlen mit früheren verglichen und kommt zu einem interessanten Schluss:

Die Summe aller Sozialleistungen liegt im Jahr 2014 nach den Berechnungen des Sozialbudgets der Bundesregierung bei 849 Milliarden Euro. Der Informationsgehalt dieses Wertes bleibt allerdings gering, da er keine Aussage darüber zulässt, in welchem Verhältnis die Sozialleistungen zur Größe (Einwohnerzahl) oder zur wirtschaftlichen Leistungskraft des Landes stehen. Erst wenn das Verhältnis bekannt ist, lässt sich beurteilen – auch im Vergleich zu anderen Ländern oder im zeitlichen Vergleich -, ob das Leistungsniveau als „hoch“ einzuschätzen ist. Als zentraler Indikator für die wirtschaftliche Leistungskraft eines Landes gilt das Bruttoinlandsprodukt (BIP), also die Summe der in einem Jahr im Inland erzeugten Güter und Dienstleistungen. Deshalb ist es üblich, die Sozialleistungen in Beziehung zum BIP zu setzen. Die so ermittelte Sozialleistungsquote zeigt für 2014 einen Wert von 29,2 %.
Im zeitlichen Verlauf wird ersichtlich, dass die Sozialleistungsquote zwischen 1960 und 1975 (in den alten Bundesländern) als Ergebnis der sozialpolitischen Reformpolitik kräftig angestiegen ist. In den Jahren von 1975 bis 1991 hat sich dann die Quote auf einem vergleichsweise konstanten Niveau zwischen 25 % und 26 % eingependelt. Seit Anfang der 1990er Jahre lässt sich ein erneuter Anstieg erkennen – auf bis zu 29,8 % im Jahr 2003. Die sozialen Folgekosten der deutschen Einheit und auch die ansteigende Arbeitslosigkeit machen sich hier bemerkbar.

Weiterführende Links:




Staat erleichtert Rentner um 830 Millionen Euro

Mit der einen Hand gibt der Staat, mit der anderen nimmt er. Das ist der Fall bei Rentenerhöhungen. Da die Renten 2016 im Westen um 4,25 Prozent, im Osten um 5,95 Prozent stiegen, werden viele Rentner erstmals Steuern zahlen müssen, andere Rentner höhere Steuern. Zum 1. Juli 2017 sind die Renten im Osten um 3,59 Prozente gestiegen, im Westen um 1,9 Prozent. Das Bundesfinanzministeriums schätzt, dass es in diesem Jahr durch die Rentenanhebung rund 4,25 Millionen Steuerpflichtige mit Rentenbezug geben wird.

Staat holt sich 830 Millionen zurück

Ohne groß nachzudenken, haben viele Online-Portale den Wortlaut der Nachrichtenagentur dpa einfach übernommen, die von „spülen“ schreibt – „Rentenerhöhung spült 625 Millionen Euro in Staatskasse“, wie „Spiegel Online“ schreibt. Das klingt so, als ob sich alle über den Zugriff des Staats freuen sollten, ziemlich euphemistisch. Das Online-Portal „Steuerratschlag“ spricht von Abzocke. Es gebe wohl weltweit nur einen Staat, in dem Journalisten so blöd seien, Steuererhöhungen für die eigenen Bürger auch noch zu bejubeln. Dieser Eindruck drängt sich bei dem Wort „spülen“ automatisch auf. Schlimmer allerdings ist, dass viele Medien das einfach unkritisch übernommen haben, darunter neben „Spiegel Online“, „ZEIT Online“, die „Badische Zeitung“ und das „Handelsblatt“, wie jeder selbst schnell bei Google nachchecken kann. Also von „spülen“ kann keine Rede sein. Vielmehr zwackt der Staat seinen Bürgern immer Geld ab.

Viele Rentner jetzt steuerpflichtig

Der Fiskus freut sich, denn dadurch werden Steuertipps.de zufolge allein 2017 mehr als 40 000 Rentner steuerpflichtig und müssen im kommenden Jahr eine Steuererklärung abgeben. Für das Jahr 2017 könnte nach Rechnung von „Neues Deutschland“ durch die Rentenerhöhung zu Steuermehreinnahmen von bis zu 205 Millionen Euro kommen. 2016 und 2017 zusammen genommen, schröpft der Staat die Rentner um 830 Millionen Euro.

Rentenerhöhungen seit 2000

JahrWestOst
20000,600,60
20011,912,11
20022,162,89
20031,041,19
2004--
2005--
2006--
20070,540,54
20081,101,10
20092,413,38
2010--
20110,990,99
20122,182,26
20130,253,29
20141,672,53
20152,102,50
20164,255,95
20171,903,59
e=erwartet

Steuern und Krankenversicherung

Dabei ist das nur die halbe Wahrheit, denn von der Brutto-Rente gehen ja nicht nur Steuern weg, sondern auch Sozialabgaben, sprich Kranken- und Pflegeversicherung, die sich auf die Höhe der Rente beziehen. Das heißt, den Rentnern wird noch weit mehr als die 830 Millionen Euro abgezogen.

Zur Erinnerung, eingeführt wurde die Rentenbesteuerung 2005 von einer Rot-Grünen-Regierung unter Gerhard Schröder. „Ausgehend von einem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes aus dem Jahr 2002 wurde die Besteuerung der Altersbezüge durch das Alterseinkünftegesetz seit 2005 neu geregelt“, heißt es auf der Seite des Bundesfinanzministeriums. Seit 2005 werden Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung besteuert: Das Perfide daran, das Gesetz wurde rückwirkend auch für bereits bestehende Renten angewandt. Denn, auch wer schon früher als 2005 eine Rente bezog und weiter bezieht, zahlt Steuern – und zwar muss er sie zu 50 Prozent versteuern. Seit dem steigt der zu versteuernde Anteil jedes Jahr um zwei Prozent, so dass, wer 2017 in Rente geht, dessen steuerpflichtiger Rentenanteil liegt bei 74 Prozent, 2018 sind es 76 Prozent und 2040 dann hundert Prozent.

Existenzminimum bleibt steuerfrei

Steuerfrei bleibt das Existenzminimum, der Grundfreibetrag in Höhe von 8652 Euro. Das entspricht monatlich 721 Euro. Für 2017 liegt der steuerliche Freibetrag bei 8820 Euro für Alleinstehende und bei 17 640 Euro für Ehepaare. Die Steuer richtet sich allerdings nicht nur nach der gesetzlichen Renten, sondern nach den Gesamteinkünften – und dazu können auch Mieteinnahmen, Einnahme aus selbstständiger Tätigkeit gehören. Es lohnt sich auf alle Fälle, Belege zu sammeln und alles gegenüber dem Finanzamt geltend zu machen.

Rentner, die zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung verpflichtet sind, müssen diese bis zum 31. Mai des Folgejahrs beim Finanzamt abgeben. Wer länger braucht, sollte dem Finanzamt eine plausible Erklärung liefern (Arbeitsüberlastung, Krankheit, fehlende Steuerbelege). Eine Verlängerung der Frist bis zum 30. September des Folgejahres ist damit in der Regel kein Problem. Bundestag und Bundesrat haben allerdings im Juli 2016 ein Gesetz zur Modernisierung des Besteuerungsverfahrens verabschiedet. Künftig müssen Steuerzahler ihre Steuererklärung ab dem Steuerjahr 2018 erst bis spätestens 31. Juli des Folgejahres abgeben. Wer dann zu spät kommt, zahlt Strafe.

Die „Berliner Morgenpost“ hat am 20. März Ruheständlern einige Frage zur Renten beantwortet. Die Antworten dürften auch andere Rentner interessieren. Untere anderem ging es dabei um das Thema Steuererklärung, Tod des Partners und Wahl der Steuerklasse. Hier ein Beispiel:

Ich bin alleinstehend und zum 1. Januar 2016 in Rente gegangen. Ich erhalte monatlich eine Rente von rund 1900 Euro. Muss ich eine Steuererklärung machen?

Da Sie im vergangenen Jahr dem Arbeitsleben den Rücken gekehrt haben, müssen Sie 72 Prozent Ihrer gesetzlichen Rente steuerlich veranschlagen. In Ihrem Fall wären das ca. 16.400 Euro im Jahr. Davon können Sie die Werbungskostenpauschale von 102 Euro abziehen. Da Ihr Gesamtbetrag der Einkünfte in Höhe von rund 16.300 Euro den Grundfreibetrag von 8652 Euro übersteigt, müssen Sie bei Ihrem zuständigen Finanzamt eine Steuererklärung einreichen. Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass Sie auch verpflichtet sind, Steuern zu zahlen. Schließlich können Sie das Finanzamt an einer Reihe von Ausgaben etwa für Medikamente, Kuren oder Pflege beteiligen. Nur wenn nach Abzug der Ausgaben Ihr zu versteuerndes Einkommen den Grundfreibetrag von 8652 Euro übersteigt, müssen Sie Steuern zahlen.

Wie gut kennt ihr euch bei der Rente aus?

Renten-Quiz

Das Thema Rente geht Junge und Alte an, denn die Noch-Beitragszahler werden irgendwann selbst Rentenempfänger. Was weißt du über Rente, Demographie, Altern und Ruhestand?

Bestenliste: Renten-Quiz

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Wie lese ich meinen Rentenbescheid und was bedeutet das?

Mittlerweile bekommen die meisten jährliche ihre Renteninformation. Das ist noch kein Rentenbescheid, aber die Renteninformation lässt schon erahnen, wie viel jeder später in der Rente bekommen wird. Was steht genau in der Renteninformation drin, was heißt das konkret und was bedeutet das? Wie lese ich meinen Rentenbescheid?

„In dieser Renteninformation haben wir die für Sie vom … bis gespeicherten Daten … und das geltende Rentenrecht berücksichtig“, so beginnt das Schreiben der Deutschen Rentenversicherung – und es folgen einige Zahlen und im Anschluss der Versicherungsverlauf. Wie lese ich die Renteninformation und was bedeutet sie?

Mit der Renteninformation bekommt jeder Beschäftigte ein Gefühl dafür, was ihn im Alter erwartet. Was bedeuten aber die Zahlen und Begriffe in der Renteninformation? Was heißt beispielsweise Regelaltersrente und was Anpassungssatz? Was hat es mit Brutto- und Netto-Rente auf sich?

Was steht in der Renteninformation drin? Foto: Deutsche Rentenversicherung

Was steht in der Renteninformation drin? Foto: Deutsche Rentenversicherung

Ok, eins nach dem anderen:

Regelaltersrente:

Was heißt Regelaltersrente und was sagt das Datum aus? Was die Deutsche Rentenversicherung zur Regelaltersrente sagt: „Seit dem Jahr 2012 wird für ab 1947 Geborene die Regelaltersgrenze schrittweise von 65 auf 67 Jahre angehoben. Für die Geburtsjahrgänge ab 1964 ist dann im Jahr 2031 67 die Regelaltersgrenze. Wer seine Rente früher erhalten will, muss in aller Regel Abschläge in Kauf nehmen. Die ständig steigende Lebenserwartung der Bevölkerung macht es nötig.“ Wer also beispielsweise 1954 geboren wurde, geht in der Regel mit 65 plus acht Monaten in Rente. Wer früher in Rente geht, muss Abschläge hinnehmen – für jeden Monat früher 0,3 Prozent. Wer 45 Beitragsjahre zusammenbringt, kann schon mit 63 Jahren gehen – ohne Abschläge. Wobei das zu ergänzen ist: Die abschlagsfreie Rente mit 45 Beitragsjahren wird auch mit jedem Jahrgang angehoben. „Die Rente ab 63 gilt nur für Versicherte, die vor dem 1. Januar 1953 geboren sind und deren Rente nach dem 1. Juli 2014 beginnt und die die sonstigen Voraussetzungen erfüllen“, so die Deutsche Rentenversicherung. Für Versicherte, die nach dem 1. Januar 1953 geboren seien, steige die Altersgrenze mit jedem Jahrgang um zwei Monate. Das heißt konkret, wer nach dem 1. Januar 1964 geboren wurde, kann nach 45 Beitragsjahren abschlagsfrei in Rente gehen, wenn er das 65. Lebensjahr vollendet hat. Das trifft aber nur Beschäftigte, die nach der Lehre gleich gearbeitet haben – und zwar ohne Pausen bis zum 63. Lebensjahr. Ein Studium ist frührenten-schädlich.

Kranken- und Pflegeversicherung:

Wer glaubt, er bekommt seine Rente eins zu eins ausgezahlt, sollte diesen Traum schnell begraben. Auf die Brutto-Rente werden Krankenversicherungs- und Pflegeversicherung fällig – ja und seit neuestem auch noch ein Zusatzbeitrag zur Krankenkasse. Für die Krankenkasse werden 7,3 Prozent fällig, für die Pflegeversicherung 2,55 Prozent und der Zusatzbeitrag macht ein Prozent aus.

Steuern:

Ja, Rentner müssen Steuern zahlen, wobei das so pauschal auch nicht gilt, denn betroffen sind vor allem Ruheständler mit hohen (gesetzlichen) Renten oder Zusatzeinkommen wie Mieten, Kapitalerträgen und Betriebsrenten. Was ist hoch? Ganz konkret gesprochen, wer mehr als 8820 Euro Rente bezieht und andere Einkünfte hat, muss eine Steuererklärung abgeben. 8820 Euro, das ist der Grundfreibetrag, der 2017 für Ledige gilt, bei Verheirateten sind es 17640 Euro. Herunter gebrochen auf den Monat bedeutet das: 735 Euro oder 1470 Euro. Ach ja, da gibt es ja noch den Altersentlastungsbetrag und Werbekosten sowie Sonderausgaben. Und der Besteuerungsanteil steigt von Jahr zu Jahr – wer 2017 in Rente geht, hat einen Besteuerungsanteil von 74 Prozent.

Erwerbsminderungsrente:

Nicht alle schaffen es bis 63 Jahre, geschweige denn bis 65 plus. Wer vorher bereits nicht mehr kann und täglich nicht längere als drei Stunden Arbeit durchsteht, kann Rente wegen Erwerbsminderung – und zwar voller – beantragen. Dann bekommt er den in der Renteninformation ausgewiesenen Betrag. Wer indes zwischen drei und sechs Stunden täglich arbeiten kann, hat Anspruch auf 50 Prozent der Erwerbminderungsrente. Vorsicht! Die Rentenversicherung ziert sich, bevor sie Erwerbsminderungsrente zahlt – und verlangt ein ärztliches Attest und erwartet, dass entsprechend vorher Rentenbeiträge gezahlt worden sind.

Rentenhöhe:

Das bisher Erreichte: Also vor 63 Jahren gibt’s normalerweise keine Rente – und das gilt selbst für die besonders langjährig Versicherten, die auf 45 Beitragsjahre kommen. Wer allerdings früher aufhören will und nicht mehr in die Rentenkasse einzahlt, hat ja Ansprüche angesammelt. Wie viel das ist, steht in der Renteninformation. Das Geld zahlt die Rentenversicherung allerdings erst mit Rentenbeginn aus. Wer brav bis zur Regelaltersgrenze eingezahlt hat, darf eine monatliche Rente von … erwarten – wie gesagt, im besten Fall.

Rentenanpassung:

„Aufgrund zukünftiger Rentenanpassungen kann die errechnete Rente in Höhe von …. Euro tatsächlich höher ausfallen“, schreibt die Rentenversicherung. 2016 sind die Renten tatsächlich um 4,25 Prozent im Westen und um 5,95 Prozent im Osten gestiegen. 2017 fällt die Rentenerhöhung nicht ganz so üppig aus. Aller Wahrscheinlichkeit nach steigen die Renten 2017 im Westen um 1,4 Prozent, im Osten um 1,8 Prozent.

Anpassungssatz:

Klingt etwas sperrig, ist aber nichts anderes als eine Wahrscheinlichkeitsrechnung. Die Deutsche Rentenversicherung prognostiziert, wie hoch die Rente ausfallen könnte, wenn sie jedes Jahr beispielsweise um ein Prozent steigt oder sogar zwei Prozent. Verlassen sollte sich allerdings niemand darauf, denn in der Vergangenheit gab es schon mehrmals Nullrunden, so 2004 bis 2006 und 2010, 2013 fiel die Erhöhung im Westen mit 0,25 Prozent auch eher bescheiden aus.

„Da die Renten im Vergleich zu den Löhnen geringer steigen werden und sich somit die spätere Lücke zwischen Rente und Erwerbseinkommen vergrößert …“, ein Satz mit Sprengkraft. Dazu kommt die Inflation, sprich der Kaufkraftverlust. Das heißt, Rentner werden systematisch immer ärmer, denn beide Entwicklungen treffen sie mit voller Wucht. Was das bedeutet, lässt sich leicht an den Zahlen des Statistischen Bundesamts ablesen. Seit 1992 beispielsweise haben die Deutschen annähernd ein Drittel an Kaufkraft verloren. Das klingt harmlos, bedeutet aber für Rentner, dass sie sich deutlich weniger leisten können – ihre Rente kann mit der Preissteigerung nicht mithalten. Sie werden zudem wegen der Niedrigzinspolitik von Mario Draghi, Chef der Europäischen Zentralbank systematisch enteignet, weil der Zins für Tagesgeld mittlerweile deutlich unter der Inflationsrate liegt. Die Rentenerhöhungen haben diesen Kaufkraftverlust nur teilweise ausgeglichen, schließlich gab es in der Vergangenheit mehrere Nullrunden oder Jahre mit geringen Rentenerhöhungen.

Wie die Inflation die Kaufkraft auffrisst, lässt sich ganz einfach erklären: Von 100 Euro 1992 bleiben nach zehn Jahren noch 82,80 Euro übrig, nach 20 Jahren noch 71,10 Euro und bis 2016 noch 68,80 Euro. Anders ausgedrückt, die Verbraucher haben seit 1992 annähernd ein Drittel an Kaufkraft verloren – siehe Tabelle:

So wirkt Inflation

 Inflation in %Kaufkraft     
1992100
19934.595.5
19942.693
19951.891.3
19961.490.1
1997288.3
1998187.4
19990.686.9
20001.485.6
2001283.9
20021.482.8
20031.181.8
20041.680.5
20051.679.2
20061.578.1
20072.376.3
20081.575.1
20090.374.9
20101.174.1
20112.172.5
2012271.1
20131.570
20140.969.4
20150.369.2
20160.568.8

Was tun?

Spätestens jetzt dürfte jedem klar sein, dass er zwingend zusätzlich fürs Alter vorsorgen muss. Ob die Betriebsrente da allerdings der beste Weg ist, darf stark bezweifelt werden. Das gleiche gilt für die Riesterrente, die mittlerweile nichts mehr bringt. Die Rentenpolitiker müssten den aktiv Beschäftigten sagen, dass sie besser privat vorsorgen sollten und Betriebs- und Riesterrenten links liegen lassen sollten. Denn bei Betriebsrenten zwackt die Krankenkasse („Doppelverbeitragung) annähernd ein Fünftel am Ende ab – alles, was der Betriebsrentner an Rendite erwirtschaftet hat, ist mit einem Schlag weg. Natürlich bietet die Deutsche Rentenversicherung einiges an wichtiger Information an. Wer überschlagen will, wie hoch seine Versorgungslücke ist, findet gleich mehrere Rechner im Netz, unter anderem einen Versorgungslückenrechner des Versicherungsverbands GDV und der Süddeutschen Zeitung beispielsweise.

Eines noch zum Schluss: Die Rentenstatistik weist leider große Unterschiede aus zwischen Ost und West, zwischen Männern und Frauen. Das hat viel mit der Erwerbsbiografie zu tun und den Verhältnissen. Wer demnächst in Rente geht, wird nichts mehr daran ändern, anders sieht die Sache für Junge aus. Sie können noch etwas daran ändern, wenn sie denn wollten. Es ist auch Sache der Alten, die Junge auf dieses Thema, sprich auf die voraussichtliche Versorgungslücke im Alter hinzuweisen, damit sie nicht verarmen, wenn sie in Rente gehen.

Rentenbescheid

Der Rentenbescheid dürfte so ziemlich das widerspiegeln, was bereits in der Renteninformation steht. Langjährige Versicherte wie ich können mit 63 Jahren Rente beziehen – allerdings mit Abschlägen. Pro Monat werden 0,3 Prozent abgezogen. Die Deutsche Rentenversicherung zahlt mittlerweile am Monatsende, darauf sollten sich Rentner einstellen. Ferner sollten sie beachten, den Rentenantrag rechtzeitig abzugeben. Faustregel: am besten drei Monate vor dem geplanten Renteneintritt. Überwiesen wird das Geld übrigens von durch den Renten Service der Deutschen Post AG. Und so sieht ein Rentenbescheid aus:

Der Rentenbescheid weist die Brutto- und die Netto-Rente aus Foto: vorunruhestand.de

Der Rentenbescheid weist die Brutto- und die Netto-Rente aus Foto: vorunruhestand.de

… und zum Schluss noch sieben große Irrtümer beim Thema Rente, die „Focus“ gesammelt hat:  „Hätten Sie es gewusst? Sieben große Irrtümer beim Thema Rente“




Was sich durch die Rentenreform ändern könnte

Ändert sich etwas durch die Rentenreform, die Union und SPD angehen wollen? Der große Wurf wird es vermutlich nicht werden, aber einige Positionen könnten sich doch durchsetzen. Was wollen die Politiker im Detail? Ein Überblick:

Doppelte Haltelinie

Sozialministerin Andrea Nahles (SPD) hat das Wort „doppelte Haltelinie“ geprägt – klingt ja auch toll. Ihr schwebt eine Mindestgrenze beim Rentenniveau für 2045 vor, ohne dass die Jungen allzu sehr belastet werden. So ganz konkret will sie nicht werden und erwähnt nur mal die Marke von 43 Prozent, unter der das Rentenniveau nicht sinken dürfte. Parallel dazu dürfen nach ihrer Vorstellung die Rentenbeiträge nicht über die Maßen steigen. Auch da bleibt Nahles vage. Wenn nichts getan wird, fällt das Rentenniveau zum Durchschnittslohn bis 2045 von heute 47,8 auf 41,6 Prozent; die Beiträge steigen von 18,7 auf 23,4 Prozent.

Ost-West-Angleichung

Nahles sind die ungleichen Ost- und West-Renten ein Dorn im Auge. Sie will die Ostrenten bis 2020 besser stellen – und zwar auf Westniveau. West-Rentner bekommen bisher für einen Rentenwert 30,45 Euro, Ost-Rentner 28,66 Euro – und damit annähernd zwei Euro weniger. Das bedeutet für den Standard-Rentner, dass er im Westen (45×30,45) 1370,25 Euro Rente pro Monat bekommt, im Osten (45×28,66) 1289,70 Euro, absolut bedeutet das eine Differenz 80,55 Euro pro Monat. Und wer soll das finanzieren? Die Ost-West-Angleichung der Rente wird künftig teils aus der Rentenkasse und teils über Steuern finanziert. Zuerst aber soll die Rentenkasse zahlen. Erst ab 2022 schießt der Bund Geld zu und zwar 200 Millionen Euro; der Zuschuss soll dann bis 2025 jährlich um 600 Millionen Euro ansteigen. In der Endstufe zahlt der Bund dann zwei Milliarden, das entspricht etwa der Hälfte der jährlichen Mehrausgaben. Einheitlich berechnet werden sollen die Renten ab 2025. Die Angleichung beginnt am 1. Juli 2018 – in sieben Schritten. Die Deutsche Rentenversicherung Bund wehrt sich gegen diese Form der Finanzierung, denn die Ost-West-Angleichung müsste eigentlich mit Steuermitteln finanziert werden, denn dabei handle es sich um eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe zur Verwirklichung der Deutschen Einheit.

„Arme Alte – was bringt die Rentenreform?“ (phoenix Runde vom 03.11.2016)

Betriebsrente

Nahles will die betriebliche Altersvorsorge stärken – und da schwebt ihr so einiges vor. Beispielsweise sollen Unternehmen künftig Betriebsrenten nicht mehr in einer bestimmten Höhe garantieren müssen. Ferner sollen Unternehmen Zuschüsse von 30 Prozent bekommen, wenn sie für Geringverdiener einen bestimmten Betrag einzahlen. Schließlich soll die steuerliche Förderung großzügiger ausfallen. Dann wollen die Politiker die unsäglich Doppelverbeitragung durch Krankenkassen- und Pflegeversicherungsbeiträge abmildern. Ach ja, die ausgezahlte Betriebsrente soll auch nicht mehr voll auf die Grundsicherung im Alter angerechnet werden wie bisher.

Lebensleistungsrente

Nahles hat sich wohl von der Lebensleistungsrente verabschiedet. Viele Kleinrentner leben der „Zeit“ zufolge in Haushalten mit hohem Einkommen und sind gar nicht arm.

Mütterrente

Die CSU drängt auf eine Ausweitung der Mütterrente. Sie will Mütter, die vor 1992 Kinder zur Welt gebracht haben, denen mit jüngeren Kindern gleichstellen. Bislang bekommen Mütter mit älteren Kindern nur zwei Jahre Kindererziehungszeiten angerechnet statt drei wie im Fall von Müttern, deren Kinder nach 1992 auf die Welt kamen. Das will die CSU angleichen.

Selbstständige

Nahles denkt an die Rente der Selbstständigen. Sie will eine Pflicht zur gesetzlichen Rentenversicherung einführen – und dabei geht es um etwa drei Millionen Menschen. Es wird spannend, wie das funktionieren soll.

Rentenalter

Die Union und vor allem Finanzminister Wolfgang Schäuble plädiert für einen weiteren Anstieg des Rentenalters. Er denkt daran, das Rentenalter an die steigende Lebenserwartung zu koppeln. Bislang steigt das Rentenalter bis 2029 auf 67 Jahre. Für die SPD steht ein höhere Rentenalter nicht zur Diskussion.

Verschoben bis Ende November

Vorerst ist noch wenig passiert. Die große Koalition von Union und SPD ist sich zwar näher gekommen, aber entschieden ist noch nichts.  Andrea Nahles glaubt aber, dass sich die Regierung bis Ende November auf ein Gesamtpakt verständigen könne. Nächster Termin ist voraussichtlich der 24. November.  Mal schauen. Ganz so dringlich scheint es Kanzlerin Angela Merkel nicht zu sein, denn „das Rentenniveau hat sich leicht von bisher 47,8 auf 48 Prozent erhöht“, konstatiert Nahles. Na ja, dann ist ja alles paletti – fürs Erste.




Sozialministerin Nahles macht die Betriebsrente kaputt

Der Garantiezins fällt in den Keller, die Auszahlungen werden von der Krankenkasse verbeitragt – und jetzt soll auch noch die Haftung der Unternehmen wegfallen. Mit der Betriebsrente geht’s bergab – und das alles in der Ära der Bundesarbeits- und -sozialministerin Andrea Nahles. Bravo!

Die „Stuttgarter Zeitung“ und die „Stuttgarter Nachrichten“ haben herausgefunden, dass der Bundesfinanzminister und die Bundearbeitsministerin wohl einen Deal ausgehandelt haben: Unternehmen sollen künftig nicht mehr für die Betriebsrenten einstehen müssen.

Nach der jetzigen Rechtslage hafte der Betrieb über Jahrzehnte hinweg dafür, dass die Betriebsrente später gezahlt werde, beschreibt die „Stuttgarter Zeitung“ den Ist-Zustand. In der Regel seien die Unternehmen zwar abgesichert; das Risiko liege zunächst bei den Pensionskassen oder Versicherungen, für die es wiederum eigene Sicherungseinrichtungen gibt. Letztlich steht das Unternehmen für die Betriebsrente gerade, falls alle Stricke reißen. Das will Nahles kippen.

Der Vorstoß wird laut „Stuttgarter Zeitung“ damit begründet, dass vor allem kleine und mittlere Betriebe die Haftung scheuen und gleich gar keine Betriebsrente anbieten. Sie sehen das geltende Recht als Hindernis. Sie bieten in vielen Fällen keine Betriebsrenten an, weil sie das Haftungsrisiko scheuen.

Betriebe haben Probleme wegen Niedrigzins

Hauptgrund der geplanten Abschaffung der Haftung durch die Betriebe: Viele Unternehmen haben angesichts der Negativzinsphase – begründet in der Politik von EZB-Chef Mario Draghi – Probleme, die Renten in der bisherigen Höhe zu zahlen. „Viele Unternehmen, die beispielsweise ihren Mitarbeiter zugesagt haben, eine Betriebsrente in bestimmter Höhe oder in Abhängigkeit vom letzten Gehalt auszuzahlen, haben große Probleme mit den Pensionsrückstellungen“, so das Blatt. „Wegen der gesunkenen Kapitalmarktzinsen müssen sie in der Bilanz mehr Vorsorge treffen“, stellt die „Stuttgarter Zeitung“ weiter fest. Das belaste die Ertragslage der Unternehmen.

Krankenkassenbeitrag auf die Betriebsrente

Roland Pichler von der „Stuttgarter Zeitung“ findet, dass dieser Vorstoß von Andrea Nahles nicht reicht. Es komme auch darauf an, die Arbeitnehmer von Betriebsrenten zu überzeugen. „Die Beschäftigten halten sich auch deshalb zurück, weil sie bei Betriebsrenten im Alter den vollen Kranken- und Pflegeversicherungsbeitrag zahlen müssen“, so sein Kommentar. Die Krankenkasse langt voll zu und verlangt so wohl den Arbeitgeber- und den Arbeitnehmeranteil von den Betriebsrentner, da bleibt am Ende nicht mehr viel übrig von der über Jahre angesammelten Rendite und führt die Betriebsrente ad absurdum. Die „Verbeitragung“ geht übrigens auf eine Gesetzesänderung der früheren rot-grünen Bundesregierung zurück. Der Frust unter den Betriebsrentner ist groß und hat schon zu Klagen geführt, die indes alle abgeschmettert wurde. Das zeigt, dass sich der Staat bei den Betriebsrentner bedient, wenn er Geld braucht. Auch für Pichler ist klar, dass „die Politik die Belastungen zumindest abmildern sollte – nur so findet die Betriebsrente mehr Anhänger“.


Übrigens: Einer Statistik des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zufolge haben rund 265 000 zusätzliche Arbeitnehmer  seit vergangenem Jahr eine Altersversorgung über ihren Betrieb abgeschlossen. Insgesamt haben somit mehr als 15 Millionen Beschäftigte eine betriebliche Altersversorgung. Das heißt, nicht mal jeder Zweite hat eine betriebliche Altersvorsorge. Die Beiträge für die betriebliche Altersversorgung summierten sich nach Berechnung des GDV im vorigen Jahr auf 19,1 Milliarden Euro.

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Was es dazu bei Twitter gibt




Mit der Rente geht es richtig rauf

„Heute mehr Geld für alle Rentner“ titelt die „Bild“. Die Rentenerhöhung fällt 2016 ordentlich aus, sprich, mit der Rente geht es richtig rauf. Tatsächlich steigen die Rente für 20,5 Millionen Rentner überdurchschnittlich. Das gilt vor allem für die Ost-Renten, die gleich um annähernd sechs Prozent zulegen, im Westen sind es 4,25 Prozent.

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Warum das Plus dieses Mal so hoch ausfällt? Offizieller Hauptgrund der Rentenerhöhung sind die gute Beschäftigungslage und die daraus resultierenden sprudelnden Einnahmen der Rentenkasse. Ferner spielt der Deutschen Rentenversicherung zufolge auch der statistische Effekt eine Rolle. Natürlich schielt die Regierung mit dieser Erhöhung auch auf die kommende Bundestagswahl und will die Rentner für sich einnehmen.

Ein gewisser Abstand zwischen Ost- und Westrente bleibt jedoch auch nach der aktuellen Anhebung. Der Abstand schrumpft allerdings auf 5,9 Prozent im zweiten Halbjahr 2016. Das Bundessozialministerien Andrea Nahles arbeitet aber auch an der vollkommenen Angleichung – demnächst ist mehr von ihrem Ministerium zu erwarten.

Was heißt das nun konkret?

  1. Die Rentenerhöhung gilt für alle Renten aus der gesetzlichen Versicherung, sprich auch Erwerbsminderungs- oder Hinterbliebenenrenten.
  2. Für Ruheständler, die schon vor März 2004 in Renten gegangen sind, heißt das, sie bekommt die Rente für den Juli im Voraus, die nach April 2004 in Renten gegangen sind erst zum Monatsende.
  3. Natürlich wirkt sich das Plus bei der Rente auch auf die Beiträge zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung aus. Das betrifft vor allem den Zusatzbeitrag bei der Krankenversicherung und den Beitrag zur Pflegeversicherung, den allein die Rentner zahlen.
  4. Zudem werden viele Rentner durch die Erhöhung steuerpflichtig. Wie viel Rentner an den Fiskus abdrücken müssen, hängt von ihrem Gesamteinkommen ab, zu dem ja auch Mieteinnahmen und Anderes zählt. Der steuerfreie Grundbetrag liegt zurzeit bei 8652 Euro – kann gut sein, dass einige darüber fallen.

Rentenerhöhungen der vergangenen Jahre

JahrWestOst
20000,600,60
20011,912,11
20022,162,89
20031,041,19
2004--
2005--
2006--
20070,540,54
20081,101,10
20092,413,38
2010--
20110,990,99
20122,182,26
20130,253,29
20141,672,53
20152,102,50
20164,255,95
20171,5e2,0e
e=erwartet

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„Normal“-Rentner sind die großen Verlierer der Sozialpolitik

Die Inflation in Deutschland hält sich im Rahmen, dennoch verliert der „Normal“-Rentner seit Jahren an Kaufkraft. Wer hingegen Grundsicherung bezieht, hat heute sogar mehr Kaufkraft als 2005. Ist das gerecht? Nähern wir uns der Einheitsrente?

Neurentner Ditlav Müller hat sich mal die Mühe gemacht, verschiedene Renten miteinander zu vergleichen. Müller kam an Ende seiner Rechnung zum Schluss, dass vor allem Besserverdienende von der gesetzlichen Rentenversicherung gekniffen werden. „Gute“ Rentner haben seit 2002 in punkto Kaufkraft am meisten verloren. Der Bayer aus Königsdorf bezieht in seine Rechnung sowohl die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung ein wie die Steuer und die Inflation. Ein Besserverdienender, der 45 Jahre eingezahlt hat und 1,5 Entgeltspunkte (EP) bekam, das heißt, deutlich mehr in die Rente einzahlte als der Durchschnitt, verlor von 2002 bis 12,4 Prozent. Das sind wie gesagt, die nackten Zahlen.

So, jetzt zum sogenannten Eckrentner, den es eigentlich nicht gibt, der aber als Vergleichsmaßstab gute Dienste leistet: Der Eckrentner zahlt ebenfalls 45 Jahre ein, verdient so viel wie der Durchschnitt der Beschäftigten und bekommt deswegen einen Entgeltspunkt (EP). Der Eckrentner wurde nicht ganz so gerupft wie der „gute“ Rentner – er verlor „nur“ 9,3 Prozent in den Jahren seit 2002. Müller hat ausgerechnet, dass er 2002 noch 1036 Euro Kaufkraft hatte, 2014 schrumpfte die Kaufkraft seiner Rente auf 939,80 Euro.

Damit dass auch visuell deutlich wird:

Kaufkraftverlust eines Eck- und "guten" Rentners

Kaufkraftverlust eines Eck- und „guten“ Rentners

Eckrentner ist nicht Durchschnittsrentner. Letzterer verlor zwar nicht ganz so viel an Kaufkraft wie der „gute“ Rentner, allerdings fällt seine Rente absolut gesehen natürlich geringer aus. Auch für ihn hat der Königsdorfer den Kaufkraftverlust ausgerechnet: 2002 durfte er sich noch über eine Kaufkraft von 804 Euro freuen, 2014 waren es nur noch 722 Euro – ein Minus von -10,2 Prozent.

Kaufkraft der Grundsicherung gestiegen

So und jetzt zum „armen“ Rentner, der auf Grundsicherung angewiesen ist: Die, wohlgemerkt, durchschnittliche Grundsicherung stieg zwischen 2005 und 2014 von 605 auf 725 Euro, so hat Müller errechnet. Die Kaufkraft dieser Grundsicherung erhöhte sich – ja, richtig gelesen – von 576 Euro auf 586 Euro. Das entspricht einem Plus von 1,7 Prozent.

Müller ist übrigens nicht der Einzige, dem das aufgefallen ist, auch die „Welt“ schreibt, „die Kluft zwischen Rente und vormaligem Einkommen klafft bei Gutverdienern weiter auseinander als bei Geringverdienern“. So komme eine Verkäuferin mit zwei Kindern im Prognos-Szenario 2040 im Bundesschnitt auf eine Rente von 1095 Euro, wobei sich diese 1095 Euro als Euro in heutiger Kaufkraft, also inflationsbereinigt, verstehen, eine Teamleiterin ohne Kind darf in 25 Jahren auf 2366 gesetzliche Rente hoffen – damit seien ihre Bezüge zwar doppelt so hoch wie die der Verkäuferin.

Euro ist nicht gleich Euro

Dieses Problem ist in der breiten Öffentlichkeit kaum diskutiert worden. Das heißt jedoch, ein Euro Rentenbeitrag eines „guten“ Beitragszahlers ist weniger wert als ein Euro eines „Durchschnittsbeitragszahlers“.

Der Schluss den Müller zieht:

  • Je später man in Rente geht (Besteuerung nimmt zu) und je mehr man geleistet hat, desto mehr verliert man.
  • Im Vergleich mit der Grundsicherung sieht man: Die Kaufkraft der Grundsicherung bleibt in etwa gleich.
  • Der Beitragszahler verliert. Die Tendenz geht zur Einheitsrente.

Die Kaufkraft werde – und auf die kommt es ja letztendlich an – immer geringer je höher die Rente war. Bei der Grundsicherung bleibe die Kaufkraft in etwa erhalten. „Ist das gerecht ?“

… und hier Müllers Rechnung als Excel-Tabelle:

Wie sich die Kaufkraft unterschiedlicher Rentner-Typen verändert hat

Wie sich die Kaufkraft unterschiedlicher Rentner-Typen verändert hat

Weiterführende Links:

https://twitter.com/Loeffelmacher/status/720220048892260352

https://twitter.com/marc_hauck/status/721349064399450112




Nahles plant den nächsten Renten-Murks

Auf der einen Seite zocken die Krankenkassen die bestehenden Betriebsrentner ab, auf der anderen Seite plant die Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles ein neues Gesetz, um die Arbeitnehmer in die betriebliche Altersvorsorge zu zwingen. Nahles neues Gesetz zum „Sozialpartnermodell Betriebsrente“ sieht vor, dass alle Betriebe per Tarifvertrag in die Pflicht genommen werden sollen, den Beschäftigten künftig standardmäßig eine Betriebsrente anzubieten. Nahles greift dabei auf das bewährte Mittel der Negativ-Option („Opting-Out“) zurück. Das heißt, wer nicht ausdrücklich ablehnt, kommt zwangsweise in den Genuss einer Betriebsrente.

Über die Krankenkassenpflicht kein Wort

Ein Entwurf des Bundesarbeitsministeriums für einen § 17b des Betriebsrentengesetzes liegt bereits vor. Mit dem „Sozialpartnermodell Betriebsrente“ sollen die Arbeitgeber von der Haftung entlastet werden, um auch mitzuspielen. Geht ein Unternehmen Pleite, soll der Pensions-Sicherungs-Verein Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit (PSVaG) eintreten.

Soweit die Theorie – Sozialministerin Andrea Nahles (SPD) Gesetz hat aber einen großen Haken. Mit keinem Wort erwähnt der Entwurf für das neue Gesetz die Hauptprobleme der betrieblichen Altersvorsorge: Die volle Beitragspflicht in punkto Kranken- und Pflegeversicherung auf die späteren Betriebsrenten und deren Anrechnung auf die Grundsicherung im Alter. Darüber lässt Nahles kein Wort fallen, verständlicherweise. Denn wegen diesen Nachteilen wollen viele Arbeitnehmer keine Betriebsrente, weil sie im Alter die Dummen sind. Weder Versicherungswirtschaft noch Sozialministerium klären sie darüber auf. Seit dem 1. Januar 2004 sind Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge für Leistungen der voll vom Betriebsrentner zu zahlen – und das gilt sogar, wenn er zeitweise allein eingezahlt hat. Klagen wurden von mehreren Gerichten abgeschmettert, wie schon in vorunruhestand.de berichtet.

Wenn Geringverdiener nur einen niedrigen steuerlichen Effekt in der Einzahlungsphase erzielen, dann aber in der Rentenzeit statt des üblichen halben Krankenversicherungsbeitrags auch den Anteil des Arbeitgebers mit übernehmen müssen, kann sich doch jeder ausrechnen, wie bei der betrieblichen Altersversorgung aus eigenen Beiträgen der Ertrag wieder schnell zunichtegemacht wird“, so Klaus Morgenstern vom Deutschen Institut für Altersvorsorge.

Gesetzliche Vorgaben, wie der volle Krankenversicherungsbeitrag für Betriebsrentner, hätten nur ein Ziel – Einnahmen für öffentliche Kassen zu sichern, kritisiert der Experte.

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