Warum kinderlose Frauen mehr Rente bekommen als Mütter

Ja, warum bekommen Frauen, die keine Kinder haben mehr Rente als Frauen mit Kindern? „Bild“ verweist auf eine Statistik der Deutschen Rentenversicherung. Danach soll der Unterschied 102 Euro ausmachen zwischen kinderlosen Frauen und Müttern. Die 102 Euro sind der Unterschied zwischen einer Mutter mit vier Kindern und einer Kinderlosen. Wohlgemerkt, das bezieht sich auf den Mittelwert, sprich den Median. Es gibt sicher auch Mütter mit mehreren Kindern, die mehr Rente bekommen als Kinderlose.

Mütter sind die Dummen

Aber warum ist das so? Darauf hat „Bild“ keine Antwort gegeben. Klingt halt ziemlich plakativ. Jeder, der ein bisschen denken kann, kommt leicht selbst drauf. Mütter können eine Zeit lang gar nicht oder nur in Teilzeit arbeiten; ihre Karriere ist durch Kindererziehung ausgebremst; nicht selten kommt es zum Karriereknick. Nicht immer können sie gleich nach drei Jahren wieder voll in den Beruf zurückkehren – und zahlen somit natürlich entsprechend weniger in die Rentenkasse ein. Zur Erinnerung, Mütter bekommen für die ersten drei Jahre nach der Geburt des Kindes Erziehungszeiten anerkannt – als Pflichtbeitrag. Dafür wird ein durchschnittlicher Verdienst unterstellt. Für Kindererziehungszeiten bekommen Mütter Entgeltpunkte,  was direkt auf die Rentenhöhe durchschlägt. Berechnungsgrundlage dafür ist der Durchschnittsverdienst aller Versicherten – zurzeit 36 267 Euro im Jahr.

Karriereknick wegen Kindererziehung

Allein diese Formulierung dürfte jedem das Problem verdeutlichen: Eine Frau, die vor der Geburt mehr als der Durchschnitt verdiente, wird mit dem Pflichtbeitrag abgespeist. Gerade sie sind freilich doppelt gekniffen, denn, wenn sie in den Beruf zurückkehren, machen sie selten da weiter, wo sie aufgehört haben. Im schlimmsten Fall müssen sie sogar eine Herabstufung akzeptieren. Das heißt, sie haben während der dreijährigen Auszeit verloren und im Anschluss noch einmal. Übrigens, Mütter mit Kindern, die vor 1992 geboren wurden, gibt es nur zwei Jahre Erziehungszeit.

Kinder sind ein Karrierekiller – Talkrunde bei Beckmann

https://www.youtube.com/watch?v=DPmPjdIVOrQ

 

Kinderlose bekommen mehr als Mütter

Der Bericht von „Bild“ ist nicht neu – die Deutsche Rentenversicherung hat schon im Juli 2016 einen Beitrag veröffentlicht über die „Alterseinkommen von Müttern und kinderlosen Frauen im Haushaltskontext“. Darin stellen die Autorinnen fest, dass „alleinlebende kinderlose Frauen in Westdeutschland trotz der ausgleichenden Leistungen für Kindererziehungszeiten für Mütter im Durchschnitt höhere eigene Alterseinkommen beziehen“. Die gesetzlichen Renten belaufen sich danach bei ihnen im Durchschnitt auf 958 Euro. Je mehr Kinder eine Frau hat, desto größer wird die Differenz.

Die Autorinnen haben auch festgestellt, „die alleinlebenden kinderlosen Frauen in Westdeutschland über ein deutlich höheres Haushaltseinkommen als die anderen untersuchten Gruppen verfügen; sie besitzen auch als allein lebende Personen Einkommen auf äquivalentem Niveau vieler Paarhaushalte“.

Übrigens ist diese Erkenntnis ein alter Hut, wie eine Suche bei Google belegt. Geändert hat sich seit dem wenig, die Schlagzeilen sind immer noch die gleichen wie 2013 „Mütter mit mehreren Kindern sind Renten-Verlierer“, schrieb da die „Süddeutsche Zeitung“

Aber, wenn es nach der CSU geht, wird sich daran auch in Zukunft nichts ändern. Wie schrieb die Partei 2003 so schön,

„Es kann nicht Aufgabe des Staates sein, Menschen für ihre Kinderlosigkeit zu bestrafen“, kritisiert die Bundesvorsitzende der Frauen-Union, Maria Böhmer, den Reformvorschlag der CSU, nach dem Kinderlose höhere Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, selbst jedoch nur noch eine Basisrente beziehen sollen. Ziel jeder Rentenreform müsse es sein, die Leistungen, die Erziehende für die Rentenversicherung erbringen, angemessen zu berücksichtigen

 hat auf dem Blog „Die Freie Welt“ auf den Familienberichts der Robert-Bosch-Stiftung aus dem Jahr 2005 die erhellende Passage herausgegriffen, warum das jetzige Rentensystem ungerecht ist – ungerecht gegenüber Müttern (und Vätern mit Kindern). Übrigens stammt das Vorwort von Autoren wie Kurt Biedenkopf, Hans Bertram, Margot Käßmann, Paul Kirchhof, Elisabeth Niejahr, Hans-Werner Sinn und Frans Willekens. Woldag meint, 2die Erkenntnisse des Berichts, der ursprünglich als familienpolitische Leitlinie der Merkelschen Bundesregierung gedacht war, sind heute jedoch so unfassbar weit von der unter der Kanzlerin dann tatsächlich verfolgten Antifamilienpolitik entfernt, dass man sich schon wundern muss, warum dieses „rückwärtsgewandte“ Dokument nicht bereits den Säuberungen des Internets zum Opfer gefallen ist“. Er empfiehl: „Laden Sie sich den Familienbericht noch herunter, bevor die inoffiziellen Mitarbeiter der Maasi die Bosch-Stiftung so unter Druck gesetzt haben, dass diese ihre Courage verliert.“

Und hier die Passage, die sehr einleuchtend erklärt, warum Frauen mit Kindern von der Gesellschaft ausgebeutet werden:

Im Kern besteht das Problem darin, dass das Steuer- und Sozialsystem, insbesondere die gesetzliche Rentenversicherung, mögliche Erträge des Aufziehens der Kinder in großem Umfang sozialisiert und ohne die Berücksichtigung der individuellen Übernahme von Kinderkosten an alle Angehörigen der jeweiligen Elterngeneration weiterleitet. Eltern verlieren daher bei ihren Entscheidungen über ihre Kinderzahl den Effekt eines zusätzlichen Kindes für ihre Altersversorgung aus den Augen und wählen eine geringere Kinderzahl. Die Sozialisierung des ‚Kindernutzens‘ erzeugt im Ergebnis die Illusion, das eigene Alter sei dank der kollektiven Sicherungssysteme auch ohne eigene Kinder gesichert. Diese Illusion ist inzwischen zum allgemeinen politischen Besitzstand geworden. Dies erklärt nicht nur den Widerstand, der gegen jede Veränderung des bestehenden Systems geleistet wird. Es erklärt auch das wachsende Gefühl der Ausbeutung derjenigen, die einen Teilabschnitt ihres Arbeitslebens der Erziehung ihrer Kinder widmen, zu diesem Zweck auf eine Vollzeittätigkeit verzichten, stattdessen unbezahlte Familienarbeit leisten und aus diesen Gründen vom geltenden Rentensystem auf eine Altersrente verwiesen werden, die in mittlerer bis fernerer Zukunft regelmäßig unter dem gegenwärtigen Niveau der Sozialhilfe liegen wird. Die Aussicht, auf diese Weise für eine Arbeit ‚bestraft‘ zu werden, die zwar nicht besonders angesehen, für die Zukunft des Landes und seine soziale Ordnung aber unverzichtbar ist, wird die ohnehin vorhandene Neigung zusätzlich verstärken, auf Kinder weitgehend zu verzichten.“(S.14)

Dem ist nichts hinzuzufügen.


Was spricht in Ihrer derzeitigen Situation gegen ein Kind?

Ursachenforschung in punkto Kinderlosigkeit – aus der Studie „Starke Familie“ von der Robert-Bosch-Stiftung

Gründe, die aus der Sicht von Kinderlosen gegen Kinder sprechenin Prozent
Ein Kind wäre eine große finanzielle Belastung47
Ich fühle mich noch zu jung dafür47
Meine beruflichen Pläne vertragen sich nur schwer mit einem Kind37
Ich habe bisher noch nicht den/die passende(n) Partner(in) gefunden28
Ich möchte möglichst viele Freiräume haben, mich nicht einschränken müssen27
Ich habe viele Interessen, die sich mit Kind nur schwer vereinbaren lassen27
Kinder sind anstrengend, ich weiß nicht, ob ich die Kraft u. Nerven dazu hätte27
Ich möchte möglichst unabhängig sein26
Ich hätte dann weniger Zeit für Freunde19
Ich weiß nicht, ob wir zusammenbleiben, ob unsere Beziehung stabil ist17
Ich/mein(e) Partner(in) hätte berufl. Nachteile, wenn wir ein Kind bekämen16

Basis: Bundesrepublik Deutschland; 18- bis 44jährige Kinderlose Quelle: Allensbacher Archiv, IfD-Umfrage 5177




Renten steigen bis 2030 im Schnitt um zwei Prozent

Jedes Jahr zwei Prozent mehr – um so viel sollen die Renten in Deutschland bis 2030 steigen. Die 20,8 Millionen Rentner können damit rechnen, dass die Bezüge bis dahin um durchschnittliche 2,1 Prozent pro Jahr steigen. Das geht zumindest aus den Modellrechnungen des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) hervor. Insgesamt sollen sich die Renten im Schnitt bis 2030 um 35 Prozent erhöhen. Parallel dazu sinkt allerdings das Rentenniveau von derzeit 48 auf 47 Prozent im Jahr 2024, danach geht es weiter nach unten bis auf 44,5 Prozent im Jahr 2030. Im vergangenen Jahr sahen die Prognosen noch etwas positiver aus – da sollten die Renten bis 2029 noch um 41 Prozent steigen.

Beitragssatz steigt auf 21,8 Prozent

Im Rentenversicherungsbericht 2016 des BMAS stehen noch mehr interessante Details. So wird 2030 der Beitragssatz auf 21,8 Prozent gestiegen sein, der Standardrentner bekommt dann 1844 Euro monatlich, das entspricht einem Rentenniveau von 44,5 Prozent. Standardrentner ist eine Modellperson, die 45 Jahre Beiträge eingezahlt und wie der Durchschnitt verdient hat. Das BMAS geht davon aus, dass die Beschäftigten riestern und 2030 monatlich 278 Euro bekommen. Zusammen mit der gesetzlichen Rente macht das dann 2122 Euro aus, was einem Sicherungsniveau von 51,2 Prozent entspricht.

Im Schnitt nur 1025 Euro Rente

Weitere wichtige Daten: Zurzeit gibt es rund 20,8 Millionen Rentner in Deutschland – 200 000 mehr als 2015. Standardrente ist das eine, tatsächlich ausgezahlte Rente das andere. Laut Rentenversicherungsbericht wurden 2015 im Schnitt an Männer 1025 Euro Rente pro Monat ausgezahlt. In Ostdeutschland war der Wert mit 1076 Euro etwas höher als im Westen mit 1012 Euro. Frauen bekommen deutlicher weniger. Im Westen erhielten sie im Schnitt 586, im Osten 838 Euro. Dass Frauen im Osten mehr bekommen als Frauen im Westen liegt daran, dass Frauen in den neuen Ländern mehr gearbeitet haben – sie konnten ihre Kinder schon früh in die Krippe, den Kindergarten oder Hort geben. Glücklicherweise leben viele Frauen nicht allein, so dass noch andere Einkünfte hinzukommen. Deswegen sind die Nettoeinkommen der Rentnerhaushalte meist deutlich höher.

Am 24. November wollen Union und SPD bei ein Rentenreformpaket schnüren. Sozialministerin Andrea Nahles (SPD) will noch bis Ende November ein Rentenkonzept vorlegen.

Rentenniveau

Entwicklung des Rentenniveaus seit 2000
 StandardverdienstStandardrenteRentenniveau
200023.34112.35652,9
200123.78512.51252.6
200224.08312.74652,9
200324.24412.92553,3
200424.34112.89153,0
200524.38912.82152,6
200624.50112.79652,2
200724.90712.78151,3
200825.42512.84050,5
200925.10113.05552,0
201025.63213.23251,6
201126.44113.25350,1
201227.24913.46549,4
201327.84713.61248,9
201428.55313.74348,1
201529.310*13.95547,6
201630.020*14.36747,9
201748,1**
*vorläufig**erwartetQuelle: Deutsche Rentenversicherung




Halb soviel Rente für Frauen wie für Männer

Bei den Alterseinkünften klafft weiter eine  Lücke zwischen Frauen und Männern. Sie werde aber langsam kleiner, weil mehr Frauen erwerbstätig seien und Erziehungszeiten besser anerkannt würden, so eine Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung.

Wenn Frauen ihren Rentenbescheid anschauen, muss ihnen schlecht werden, denn da stehen nur 600 Euro und ein paar Zerquetschte drauf. Männer bekommen hingegen im Schnitt mit mehr als tausend Euro deutlich mehr. Die Lücke bei den Renten der Vertreter beider Geschlechter ist gewaltig.

Frauen bekommen 618 Euro, Männer 1037

Die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung hat sich die Unterschiede bei den Ruhegeldern einmal vorgenommen und errechnete, dass Frauen 2014 durchschnittlich 618 Euro, Männer 1037 Euro gesetzliche Renten bekommen. Bei den Betriebsrenten sei die Differenz sogar noch eklatanter. So bekämen Männer 2011 im Schnitt mit 574 Euro fast dreimal so viel Geld wie Frauen.

Gesetzliche und private Rente addiert, sind es bei Frauen nur 43 Prozent der Altersbezüge wie bei Männern. Die Unterschiede haben sich der Studie zufolge seit Anfang der 90er-Jahre zwar angeglichen, aber so richtig befriedigen kann das niemand.

Wer hat schuld an dieser Diskrepanz?

Wer oder was trägt Schuld an dieser Diskrepanz: Die mangelnde Vereinbarkeit von Kindererziehung und Arbeit. Mal ehrlich, meist bleibt die Kindererziehung doch bei den Frauen hängen – und damit sind sie später im Rentenalter die Gekniffenen. Denn ihnen fehlen Beitragszeiten, obwohl sie etwas für die Rentenversicherungen getan haben, nämlich das Heranziehen künftiger Beitragszahler.

Knapp zusammengefasst heißt das:

  • Lücken in der Erwerbsbiografie: Frauen waren häufig nicht durchgängig berufstätig
  • oft nur Teilzeit: Frauen arbeiten häufig nur Teilzeit
  • Niedriglohn: Frauen tendieren zu Berufen (sozialer Bereich, Dienstleistung), in denen sie weniger verdienen
  • Öfter mal Pausen: Kinder zu betreuen, verlangt Präsenz und das lsst sich nur schwer mit dem Job vereinbaren
  • Minijobs: häufig nutzen Frauen Minijobs ohne Rentenversicherung

Übrigens, die „geschlechtsbezogene Ungleichheit in der Alterssicherung ist keine deutsche Besonderheit, wenngleich die Situation in Deutschland im europäischen Vergleich besonders ungünstig ist“, so das Institut der Hans-Böckler-Stiftung.

Die Studie wurde im Vorfeld des sogenannten „Equal Pay Day“ am 19. März veröffentlicht. Der 19. März ist der Tag, bis zu dem Frauen in Deutschland im statistischen Durchschnitt arbeiten müssen, um dasselbe Geld zu verdienen, das die Männer schon zum Jahresende auf dem Konto hatten.

Weiterführende Links:




Senta Berger besonders beliebt bei 50plus-Generation

Das 50plus-Magazin „Meins“ aus dem Bauer Verlag hat von TNS Emnid 478 Frauen und Männer befragen lassen, welche 50 50plus-Frauen bei ihnen denn besonders beliebt seien. Top-Favoritin ist die Schauspielerin Senta Berger (74), gefolgt von Iris Berben (65) und Hannelore Elsner (72). Die Plätze fünf und sechs belegen die Knapp-50er Veronica Ferres und Anke Engelke. Angela Merkel hat es nur auf Platz 15 gebracht, allerdings bekam sie von den „Meins“-Lesern die beste Platzierung unter den Politikerinnen 50plus.

„Dass Senta Berger bei den über 50-Jährigen in Deutschland am beliebtesten ist, freut uns ganz besonders“, schreibt die „Meins“-Redaktion. Sie sei eine absolute Power-Frau und genau so, wie sich die „Meins“-Leserinnen fühlen: schön, klug und voller Energie. Die Umfrage bestätige einmal mehr, dass „Attraktivität keine Frage des Alters ist“, so „Meins“-Chefredakteurin Sabine Ingwersen.

Berger, Hörbiger und Elsner als Zalando-Werbeikonen

Na, und um das Maß voll zu machen, lässt „Meins“ die Drei proklamieren, dass sie unbedingt einen Film gemeinsam machen müssten. Das wird im Magazin auch visuell ausgeschlachtet: Die österreichische Modefotografin Elfie Semotan drapiert die drei „Grande Dames“ (O-Ton „Meins“) Senta Berger, Christiane Hörbiger und Hannelore Elsner – übrigens müsste es grandes dames heißten – auf dem roten Teppich im „prunkvollen Treppenhaus des Wiener Burgtheaters“. Berger, Hörbiger und Elsner sind Testimonials für die Werbekampagne des Schuhversenders Zalando.

Ferres und Engelke bei Männern beliebt

Bei Männern scheint übrigens Veronica Ferres und Anke Engelke besonders beliebt zu sein, zumindest laut „Meins“-Umfrage. Aber nicht nur zwischen den Geschlechtern gebe es Unterschiede – auch regional variiere der Geschmack: „In Bayern gibt über die Hälfte der Befragten ihre Stimme an Senta Berger; in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt ist Iris Berben noch beliebter; die Berliner finden Hannelore Elsner am sympathischsten“.

„Meins“ kam 2012 auf den Markt, also noch früher als „Brigitte Wir“ und „Victoria50“. Daneben gibt es noch „Viva“. Die Verlage haben offensichtlich erkannt, wie lukrativ und zahlenmäßig stark die Gruppe der Babyboomerinnen ist. Zurzeit greift nur „Viva“ auch gezielt Themen für Männer ab 50plus auf.

Quellenangabe: obs/Bauer Media Group, Meins/Meins

 




Viva, Victoria & Co. – 50plus-Magazin im Kommen

 

Sie heißen „Viva“, „Brigitte Wir“ und „Victoria50“ – die neuen Magazine für die 50plus-Generation. Wobei sich „Brigitte Wir“ und Victoria50″ eher an Babyboomerinnen wendet und eigentlich nur „Viva“ auch gezielt Männerthemen aufgreift. Das jüngste Mitglied dieser neuen Kategorie ist „Victoria50“, das vom amerikanischen Konsumgüterkonzern Procter & Gamble (Oral-B, Always, Gilette, Lenor, Head & Shoulders, Charmin, Pantene, Ariel) herausgegeben und von der Düsseldorfer Werbeagentur BBDO gestaltet wird. Bei „Victoria“ dreht „sich alles um Ihre Interessen – die Interessen der wunderbaren Frauen um und über 50“. Die Macher gestehen den Frauen um die 50 zu „los zu leben“, weil „sie neugierig, selbstbewusst, abenteuerlustig und leidenschaftlich sind“ (O-Ton Victoria).

„Victoria“ von Procter & Gamble

P&G sieht vor allem eine wachsende Zielgruppe, die das Geld und die Bereitschaft mitbringt, es auch auszugeben. „Entspanntes Genießen, ein gemütliches Zuhause, sorgfältige Pflege, erstklassige Qualität“ stehen im Vordergrund der Themen – ganz nach dem Motto, „Lebenslust ist zeitlos“. „Schönheit & Stil“, „Gesundheit & Fitness“, „Familie & Zuhause“ sowie „Leben & Genuss“, die Rubriken, stehen im Vordergrund, weil P&G dafür auch die entsprechenden Produkte hat. Natürlich geht es um Haare, Mundhygiene, Epilierer und Feuchtigkeitscremes. Was wirklich zähle, sei die Erkenntnis „Wir sind nicht falsch, wir sind echt“, so Regina Först, Expertin für Ausstrahlung und Persönlichkeit. Das sei im wahrsten Sinne Selbstbewusstsein. „Die neue Einstellung zum Ich und zum Körper sorgt dafür, dass sie sich alles andere als unsichtbar fühlen: Sie bestimmen den Stil, der ihnen gefällt. Sie fühlen sich gut, bewundert und alles andere als geschlechtslos. Sie empfinden Glück und Leidenschaft, sie flirten und lieben. Der so genannte ‚Sex der Erfahrung’ ist eine von Psychologen immer häufiger beobachtete Erscheinung“, heißt es bei Victoria.

„Viva“ von Gruner + Jahr

Victoria ist von Werbern gemacht, Viva von Redakteuren aus dem Haus Gruner + Jahr – der Unterschied wird schnell deutlich. Das fängt mit dem Editorial von Thomas Osterkorn an und hört mit der Themenauswahl auf. Übrigens Osterkorn hat treffend formuliert, was die Generation 50plus umtreibt, nämlich „das Geheimnis des gesunden und gelassenen Älterwerdens“, das darin besteht, „niemals in den ‚Ruhestand’ zu gehen, weder geistig noch körperlich“. Es gehe darum, „sich auch von privaten Krisen nicht aus der Bahn werfen zu lassen“. Titelgeschichte ist ein Porträt von Marianne Koch, die den Ehrenpreis für besondere Verdienste rund ums Alter bekam. Viva hat den „ttt“-Moderator Max Moor interviewt, spricht mit Fräuleinwunder Elke Sommer und zelebriert die Liaison John Lennons mit dem Mädchen May Pang. Viva lässt sich auch auf so heikle Themen ein wie das komplizierte Verhältnis von Schwiegereltern und Schwiegerkindern. Natürlich darf das Thema „Essen & Trinken“ nicht fehlen mit drei festliche Menüs.

Meins – Frauen wie wir! Bauer Media Group

Neu dazu gekommen ist „Meins – Frauen wie wir“. Und das schreibt der Bauer Verlag über sein 50plus-Magazin: „Meins ist das erste Frauenmagazin für Frauen 50plus, deren Lebensgefühl positiv und voller Energie ist, und Frauen so zeigt, wie sie sich selbst sehen wollen – ohne Diktat. Meins bedient eine attraktive und kaufkräftige Zielgruppe, die ihr Potenzial aus über 17 Millionen Frauen 50plus in Deutschland schöpft. Mit seinem eigenständigen und für das Frauenzeitschriftensegment neuen Konzept für Frauen ab 50 sichert die Zeitschrift sich mit einer verkauften Auflage von 135.849 Exemplaren (IVW III/2016) einen festen Platz im Markt. Die drei Kernsäulen Service und Ratgeber, Geschichten über Prominente und andere Menschen sowie die Café Meins Leser-Community sind in dieser Mischung einzigartig und geprägt von einem besonderen „Wir-Gefühl“.

Lobenswert, dass Viva auch über „Arbeit & Geld“ schreibt und erklärt, was zu beachten ist, wenn Rentner sich etwas dazu verdienen.

Ist doch toll, dass die Auswahl an Titeln für Babyboomer langsam wächst.

Weiterführende Links:

https://twitter.com/sul_luna/status/661807050045972480

https://twitter.com/na_presseportal/status/818801826753638401

 

 




Was „Brigitte Wir“ dazu gelernt hat

Die zweite Ausgabe von „Brigitte Wir – das Magazin für die dritte Lebenshälfte“ liegt am Kiosk. Gruner + Jahr will’s also wissen und die Zielgruppe der 55plus-Generation abdecken. Ich will meine Eindrücke schildern, die mir so beim Durchblättern gekommen sind.

Nur so viel vorweg, die aktuelle Ausgabe ist deutlich schlüssiger, redaktionell und auch visuell besser gemacht und geht stärker auf die Generation der Babyboomerinnen ein, die „weltoffenen, lebensklugen älteren Frauen“ (O-Ton „Brigitte Wir“). Mit Anzeigen für diese Klientel sieht es allerdings mau aus. Die wenigen sind auch nicht alle für Babyboomerinnen maßgeschneidert, denn ob ein junges Dessous-Model von Chantelle die Zielgruppe anspricht, wagen ich zumindest zu bezweifeln.

„Es gibt im Leben viele erste Male – Altwerden gehört dazu“

Ok, das sind Petitessen, insgesamt wirkt das Heft und vor allem die Mischung weit weniger abstrus als die Premierenausgabe. Die Frauschaft von Herausgeberin Brigitte Huber findet langsam zu einer eigenen Handschrift. Gelungen das Porträt von Hannelore Elsner und sehr einfühlsam mit Text von Evelyn Holst und Bildern von Sammy Hart. Treffend der Satz: „Sie war lange ein deutscher Star, der lieber ein französischer gewesen wäre“.

Ein bisschen abseitig erscheint die Reportage über eine Frau „Mutter Zivilcourage“, die Roma-Kindern den Weg in die Integration weist. Aber vielleicht kommt es auch nur mir so vor. Die pensionierte Lehrerin bringe Roma-Kindern Benimm und Schreiben bei, so Autor Mathias Becker. Kann schon sein, dass sich Babyboomerinnen mit Hermine Jinga-Roth identifizieren können.

„Brigitte Wir“ auch für Männer

Auch für Männer ist „Brigitte Wir“ lesenswert – und zwar der Artikel über „Das neue Wir-Gefühl“, sprich über „Paare und das Geheiminis ihrer langen Liebe“. Das Magazin geht der Frage nach, warum es einige Paare schaffen, „auch nach Jahren noch glücklich miteinander zu sein“. Diese Kunst lasse sich lernen, meint Autorin Birgit Schönberger. „Paare, die nach vierzig gemeinsamen Jahren noch leidenschaftlich miteinander diskutieren, Erotik versprühen, sich zu neuen Entdeckungen und Entwicklungen verführen, ihre Liebe mit allen Aufs und Abs als Geschenk und den Partner als Wunder betrachten, haben nicht einfach nur das große Los gezogen“, formuliert Schönberger griffig. Zu einer langen Liebe gehöre, sich immer wieder gemeinsam neue Stufen von Nähe, Reife und Sinnlichkeit zu erobern, so die Brigitte-Wir-Autorin.

Ein wenig „unbeschwertes Planschen“

Natürlich darf auch ein bisschen Gesellschaftskritik nicht fehlen: Dem Thema Meerverschmutzung widmet „Brigitte Wir“ zwei Seiten mit der Headline „Unbeschwertes Planschen“. Schade, dass es nur zwei Seiten sind – so ein bisschen mehr hätte es schon sein können. Aber vielleicht ist das ja Männersicht. Wir Vorruheständler, aufgewachsen in der Öko-Bewegung, sollten wieder stärker Verantwortung übernehmen. Unser Engagement ist eingeschlafen – Zeit, es wieder zu reaktivieren, allen schon unseren Enkeln zuliebe.

Was steckt noch in dieser zweiten Ausgabe? Die Rubrizierung „Vorwärts“, „Rückwärts“, „Seitwärts“, „Ran“ hat die Redaktion beibehalten.

Inhaltsverzeichnis:

Unter „Vorwärts“ stehen Artikel wie

  • die Reportage über Rumänien,
  • eine Kolumne über das undemokratische Alter und die Ungerechtigkeit der späten Jahre,
  • ein Gespräch mit der Soziologin Ruth Westheimer über Lust im Alter und
  • das Planschen in sauberen Meeren
  • das neue Wir-Gefühl und über
  • Mode – very british und very stylisch, eine Britin mit Schloss zeigt Abendmode

„Rückwärts“ enthält Themen wie

  • Frauen, die bewegen, weil sie sich selbst bewegen: der Lebensweg von Jane Goodall
  • Reise: New York – im Taxi durch Manhattan
  • Sätze, die wir lieben

„Seitwärts“ enthält mit Themen wie

  • Dem Porträt von Hannelore Elsner
  • Geschenk für die Enkel
  • ein bisschen Kultur
  • ein Porträt über Christian Brückner, dem Mann mit der berühmtesten Stimme

„Ran“ enthält die Themen

  • Psychologie – Sehnsucht nach Berührungen
  • Fotografie – Mutter-Tochter-Porträts
  • Gesundheit – Naturheilmittel gegen Gelenkentzündungen
  • Kosmetik – was Make-up kann
  • Porträt – von Irmgard Wegener
  • Flüchtlinge – wie Hamburgerinnen helfen
  • Das Letzte – Vera Sandberg über Fitness-Armbänder

Als besonderes Goody liegt dem Magazin ein Extra-Heft „Immunsystem“ bei, das viele nützliche Tipps enthält wie beispielsweise „Selbsthilfe bei Erkältungen“ und wie sich die Abwehr stärken lässt.




Wechseljahre, Andropause – das Geschäft mit der Gesundheit

Die Babyboomer-Generation kommt in die Jahre – und damit fangen die Zipperlein ein. Bei Frauen sind es die Wechseljahre, bei Männern die Midlife-Krise. Plötzlich reden die jungen Alten über Darmspiegelung und Gesundheitscheck. Die Medien entdecken eine Marktlücke und wollen die lukrative Klientel nicht länger der „Apotheken Umschau“ überlassen.

Der „FOCUS“ hat das schon lange erkannt und eigenständige Specials herausgebracht – über Gehirn, Rücken, Psyche, Krebs, Zähne, Haut und Herz. Jetzt kommen auch andere Publikationen auf den Trichter. So hat „Bild der Frau“ eine Sonderausgabe über „Wechseljahre“ herausgebracht. Natürlich dürfen lustvoll-packende Beispiele von Betroffenen nicht fehlen wie der Umzug von Inga in die Karibik oder der Berufswechsel einer Bankerin, die jetzt einen Hundefriseursalon führt. Und die photogeshopte Christiane Northrup legt den „Göttinnen, die nicht altern“ fünf Tipps ans Herz, „um lustvoller zu leben“. „Älter werden ist schön“, behauptet Schauspielerin Michaela May. Natürlich darf auch das Thema „Sex“ nicht fehlen. „Es wird inniger, näher, mehr gekuschelt – wenn die Hormone wanken, dauert alles ein wenig länger; doch die Lust bleibt – und es lohnt sich, die körperliche Liebe nicht aufzugeben“. Alles easy. So schön können Wechseljahre sein – wer’s glaubt.. Aber bei „Bild der Frau“ wird vieles weggelächelt. Da dürfen natürlich einige 50-jährige Promis nicht fehlen, wie Julia Roberts, Katja Riemann, Pierce Brosnan und George Clooney. Damit schafft „Bild der Frau“ ein ideales Werbeumfeld für Produkte wie „Always“, „Lasea“, „Klimaktoplant“ und „Vagisan“.

„Apotheken Umschau“ als großes Vorbild

Die „Apotheken Umschau“ ist da etwas ehrlicher und verschweigt nicht, dass „dieses Hormon-Ungleichgewicht typische Wechseljahrsbeschwerden hervorrufen kann – und dazu gehören vor allem Hitzewallungen, Schweißausbrüche, Schlafstörungen, depressive Verstimmungen und Nervosität“. Auch ein Rückgang des Lustempfindens sowie ein Abbau der Scheidenhaut mit entsprechender Trockenheit der Scheide seien häufig.

„Stern“, „Geo“ und „ZEIT“ mischen auch mit

Der „Stern“-Ableger „Viva“ nimmt sich ebenfalls des Themas Wechseljahre an – und zwar für Frau und Mann. Das Magazin lässt drei Frauen und zwei Männer zu Wort kommen, es beschreibt Nutzen und Risiken von Hormontherapie und wie sich das Verständnis von Wechseljahren gewandelt hat. Die Magazin-Macher belassen es nicht mit netten Geschichten, sondern sie geben auch praktische Tipps. Viva diskutiert das Thema Hormon-Therapie, das mittlerweile deutlich kritischer gesehen wird als noch vor einigen Jahren. Das gilt übrigens auch für Männer. Sie haben mit 40 Jahren ihren Zenit erreicht – danach geht’s bergab mit Energie und Manneskraft. Testosteron hilft – vielleicht. Wobei Testosteron durchaus umstritten ist. Wer Probleme hat mit Erektion, wird wohl doch den Gang zum Urologen antreten – der misst den Testosterongehalt. Eine entsprechende Therapie ist freilich durchaus umstritten.

Gesundheit für die „Forever Forties“

Das Frauen-Magazin „Myway“ hat ebenfalls erkannt, was für eine wachsende Gruppe in die Wechseljahre kommt und hat ein 148-Seiten-Special zum Thema „Wechseljahre“ herausgebracht. Das Sonderheft gibt’s für 3,90 Euro am Kiosk. Für die „Forever Forties“ dröselt Myway die Wechseljahre auf – und „diesen Frauen Antworten auf all ihre Fragen zu liefern und sie auch in dieser neuen Lebensphase bestmöglich begleiten“. Die MYWAY- und Buch-Autorin Susanne Fröhlich widmet sich den „effektivsten Hormon-Yoga-Übungen für mehr Gelassenheit“.

„Stern“, „FOCUS“ sind nicht die einzigen, die sich dem Thema Gesundheit widmen. Jetzt steigt auch die „Bunte“ in dieses Segment mit „Bunte Gesundheit“ ein. Im Dezember wird das Gesundheitsspecial von der „ZEIT“ am Kiosk ausliegen – der Name „ZEIT Doctor“. Gruner+Jahr hat „Geo“ schon seit März mit der Reihe Geo Wissen Gesundheit ergänzt. Das aktuelle Magazin beschäftigt sich mit dem Herz.

„Mit dem wachsenden Anteil der Älteren steigt bei den potenziellen Lesern das Interesse am medizinischen Fortschritt, aber auch an Produkten und Dienstleistungen für Wohlbefinden; mit Gesundheit, Fitness und Wellness lässt sich krisensicher Geld verdienen – auch in den Verlagen“, schreibt der „Journalist“.

Zum Schluss noch eine nützliche Tipps und Links aus „Viva“

https://twitter.com/KatharinaZ/status/664469631831273472

https://twitter.com/AntiAgingMagaz/status/665801910977433600

… und ein paar Buch-Tipps:




Rentner versinken im Armutssumpf – Vorsorge als Pflicht

Arme Münchner und Hamburger Rentner – und vor allem die künftigen. Sie werden in Zukunft deutlich schlechter leben als heute, denn das Geld der gesetzlichen Rentenversicherung wird hinten und vorne nicht reichen. „Viele Deutsche leben auf morastigem Grund, dann nämlich wenn es um ihre finanzielle Zukunft geht“, schreibt die „Welt“ in der Ausgabe vom Freitag, den 13. November 2015. „Nur die wenigsten Bundesbürger dürfen darauf hoffen, dass die gesetzliche Rente ihren Lebensstandard im Alter sichert“. Es wird in Zukunft also eher noch schlimmer als besser – und daran wird auch die Rentenerhöhung im kommenden Jahr nichts ändern.

Münchner Rentnern bleibt weniger als Berlinern

Der Branchenverband der Versicherer (GDV) hat vom Forschungsinstitut Prognos ausrechnen lassen, was Rentner künftig an Kaufkraft bleibt. Das Ergebnis, so viel vorweg, ist erschreckend und sollten jeden, der bereits Rente bezieht oder demnächst in Rente geht aufhorchen lassen. Die Sozialforscher haben sich dabei nicht auf den abstrakten „Eckrenter“ gestützt mit Durchschnittslohn aus 45 Jahre Beitragsjahren, sondern auf praxisnahe Beispiele in München und Hamburg. „So darf ein Elektroinstallateur in München 2040 zwar mit einer sogar etwas höheren Rente rechnen wie ein Elektroinstallateur in Berlin, nämlich 1452 Euro verglichen mit 1451 Euro; das deutlich höhere Preisniveau in der bayerischen Hauptstadt zwingt den Ruheständler jedoch zu deutlichen Abstrichen beim Lebensstandard“, schreibt die „Welt“. Das heißt, dem Münchner Rentner bleibt deutlich weniger Kaufkraft als dem Berliner – ein Fünftel immerhin.

„Sobald wir dem Rentner ein Gesicht geben, ergibt sich ein ganz anderes Bild als in der allgemeinen Wahrnehmung“, zitiert die „Welt“ Michael Böhmer, Chefvolkswirt der Prognos AG. Der Durchschnittsverdiener verdecke die Lebenswirklichkeit der Beschäftigten, so GDV-Präsident Alexander Erdland.

https://twitter.com/APRIOR24/status/665097113764814849

Perspektiven dramatischer als gedacht

Eigentlich wollte ich ja mal nicht übers Finanzielle schreiben, aber die Zahlen sind doch dramatischer als selbst ich dachte. Deutschland wird sich dramatisch verändern – es könnte eben gut sein, dass sich Rentner einige Großstädte nicht mehr leisten können, weil die Lebenshaltungskosten einfach zu hoch sind im Vergleich zu ihrer Kaufkraft. Dazu kommt, dass das Rentenniveau in den kommenden Jahren noch weiter sinken wird, während die Abgaben und Gebühren steigen. Diese Entwicklung hat eine Sprengkraft, die wir uns heute noch nicht annähernd vorstellen können. Das heißt, der Druck im Kessel steigt. „Nur die wenigsten Bundesbürger dürfen darauf hoffen, dass die gesetzliche Rente ihren Lebensstandard im Alter sichert“, um noch einmal die „Welt“ zu zitieren.

Frauen sind besonders schlimm dran

Besonders schlimm wird es natürlich für viele Frauen, für Alleinerziehende und Menschen mit gebrochener Erwerbsbiografie, wie das so geschwollen heißt. Wer zeitweise arbeitslose oder krank war, steht in Zukunft vor einem Scherbenhaufen. Sorry, wenn ich das so hart sagen muss. Viele werden auf Grundsicherung angewiesen sein, die seit 1. Januar 2014 monatlich 391 Euro beträgt, wobei sie individuell berechnet wird. Niemand sollte es zu peinlich sein, einen Antrag beim Sozialamt zu stellen.

Bei den Renten sei es künftig nötig, sich stärker an der „Rentenkaufkraft“ zu orientieren, meint Chefsvolkswirt Böhmer.

Rentner-Paradiese in Deutschland

Vielleicht – und das zeichnet sich ja schon ab – wird es eine Wanderungsbewegung bei „Rentnern“ geben. Sie fliehen Ballungszentren wie München und Hamburg und ziehen in „Rentnerparadiese“ im Bayerischen Wald, nach Mecklenburg-Vorpommern oder an die deutsch-polnische Grenze, wo es sich billiger lebt als in München und Hamburg. Die höchste Kaufkraft haben Senioren Prognos zufolge Oberspreewald-Lausitz-Kreis. Auch Tirschenreuth in der Oberpfalz ist deutlich billiger als Gemeinden in Oberbayern. Natürlich wird künftig das Ausland auch eine stärkere Rolle spiele bei den Überlegungen der Rentner, wenn es um den Lebensmittelpunkt geht.

Klar, der GDV plädiert schon im Eigeninteresse für Vorsorge, aber ganz abgesehen davon, dürfte es jedem mit gesundem Menschenverstand klar sein, dass er sich auf die gesetzliche Rente nicht verlassen sollte.

Den Kopf in den Sand stecken, ist leider keine Lösung, so viel sollte jedem klar sein. Macht was!

Weiterführende Links:

Rentner-Kaufkraft in Deutschland

Rentner-Kaufkraft in Deutschland

 

Renten-Kaufkraft im regionalen Vergleich

Renten-Kaufkraft im regionalen Vergleich

 

https://twitter.com/FAZ_Finance/status/665040182509494272

https://twitter.com/banktip_de/status/665148056506118144




„Brigitte Wir“ – Drittlife-Magazin oder kommerzialisierte Rebellion?

„Brigitte Wir“ heißt das neue Magazin „für die dritte Lebenshälfte“ von Gruner + Jahr. Gedacht als Ergänzung zu „Brigitte Woman“ und „Brigitte Mom“. Zielgruppe sind Vorruheständlerinnen und Rentnerinnen – oder anders gesagt, die Generation der Babyboomer. „‘Brigitte Wir‘ zieht den Hut vor Frauen ab 60 … „ heißt es in der Pressemitteilung. Daran muss sich das Magazin messen lassen.

Ich habe selbst schon eine Rezension geschrieben. Maria Al-Mana von unruhewerk.de hat sich das Magazin ebenfalls genau angesehen und rezensiert.

Hier ihr Gastbeitrag zu „Brigitte Wir“.


Ich gestehe es lieber gleich: Rechnen kann ich nicht besonders gut. Aber so weit, um ahnen zu können, dass hier was nicht stimmt, reicht es dann doch… „Magazin für die dritte Lebenshälfte“ ist der Untertitel der neuen Brigitte „Wir“.

Lebenshälfte? Eine Hälfte ist immer eins von zweien. Von ZWEIEN! Da kann es doch gar kein Drittes geben! Wollen die mich veräppeln? Glauben die, nur weil sie vermuten dürfen, dass ich über 60 bin, kann ich nicht rechnen? Über 60? Ja, ich dachte, das sei die Zielgruppe. War sicher, das irgendwo gelesen zu haben….. Im Editorial aber steht „Frauen von 55plus“. Oha! Die meinen also auch mich! Mist, denke ich. Und fühle mich ertappt: Gehöre ich also doch schon zu DENEN?! Ein bisschen schlechtes Gewissen ist auch im Spiel: Ich dachte wohl, ich kann mich noch drücken, muss mir die Tipps für den barrierefreien Umbau meiner Wohnung noch nicht aufheben. Dann: Mein Gehirn schaltet auf Wohlwollen, prophilaktisch sozusagen, denn wenn das meine neue Community, peer-group, Gemeinschaft, was auch immer werden soll, kann ich es mir ja nicht gleich mit ihnen verderben. Und vermutlich soll die Sache mit der „dritten Lebenshälfte“ ohnehin ein Scherz sein.

Die Brigitten – und ich

Also lassen wir die Zahlenspielchen lieber, auf die Inhalte kommt es schließlich an, oder? Auf den ersten Blick sehe ich wenig Unterschied zur Brigitte woman – das ist die Brigitte für Menschen, die JÜNGER sind als ich…. Dann aber doch wieder nicht so jung wie die aus der Ur-Brigitte. Die, mit der ich buchstäblich erwachsen geworden bin. Und auch da meldet sich ein Grummeln….. Ich bin mit dieser Zeitschrift erwachsen geworden, jawoll! Auch wenn ich sie jahrzehntelang missachtet habe: viel zu konventionell, angepasst, mainstream eben. Aber irgendwie war es eine Konstante…. andere kamen und gingen. Sie blieb. Und ich rede von der Ur-Brigitte, ohne Zusatz. Die aber hat mich verstoßen. Als ich älter wurde, wollte sie mich nicht mehr haben. Erst sollte ich die eine, jetzt schon eine nächste kaufen. Fühlt sich nicht so gut an. Ich weiß natürlich: Marketing und Zielgruppen und so… Aber ich spreche vom Gefühl. Dagegen ist kein Kraut gewachsen, auch nicht die vielen schön gezeichneten Kräuter in der neuen Brigitte Wir. Ja, schön gezeichnet. Aber glatt. Seicht. Gefällt mir gar nicht.

Die Rebellin in mir erwacht

Und die andren Inhalte? Wie gehabt: Tipps und Kosmetik, Gesundheit, Mode, Geschichten, Interviews, viel von Freundschaft. Ich ahne: Die Brigitten wollen das Gefühl des Verstoßen-Werdens abmildern…. Funktioniert das? Ja und nein. Ein Teil von mir sehnt sich – wie immer – danach, irgendwo dazu zu gehören. „Normal“ zu sein. Ein andrer Teil rebelliert. Auch wie immer. Am heftigsten rumort die Rebellin in mir bei der Mode-Strecke. Da wird der Film „Harold and Maude“ nachgestellt. Und sofort denke ich an meinen stummen Wutausbruch 1979 oder so. Bei C und A. Als ich dort die ersten Kaufhaus-Punk-Klamotten sah. Diese Wut hat noch lange angehalten. Darauf, wie Industrie es immer wieder schafft, die Rebellion – die ich damals deutlich spürte und lebte – zu vereinnahmen, egal, ob in Mode, Musik, Literatur….. Es fühlte sich an wie Enteignung. Einzige Reaktion: ohnmächtige Wut (sehr ungesund, nebenbei bemerkt!)

Harold and Maude

Und jetzt Harold und Maude. Dieser großartige Film aus dem Jahr 1971. Und das in der Brigitte für Menschen von 55plus. Für uns, die wir den Film damals, mit 12 oder 22 oder so gesehen haben und vermutlich alle dachten – wenn wir weiblich sind – so wie die Maude, so werde ich später auch mal! Ich jedenfalls war felsenfest davon überzeugt. Statt ausrangiertem Eisenbahnwaggon hat unsere kleine Familie mittlerweile übrigens ein Oldtimer-Wohnmobil – sicher nicht zufällig ganz nah dran (naja: Im Gegnsatz zu Maude lebe ich da nicht das ganze Jahr über…. Aber so oft wie möglich). Trotzdem: Nein, ich bin keine Maude geworden… vielleicht werde ich es eines Tages aber doch noch. Die Hoffnung will ich mir nicht nehmen lassen. Ganz sicher nicht durch eine banal-kommerzielle Mode-Strecke in einer Brigitte-Irgendwas! Erst wurde ich wehmütig. Und dann schmerzte es. Denn es ging ja noch um so viel mehr in diesem Film! Um das Brechen von Tabus: alte Frau mit jungem Mann. Um die eigensinnige, warmherzige, absolut selbstbestimmt lebende Frau namens Maude. Um die Selbstfindung eines jungen Mannes. Um die vorsichtige Zärtlichkeit zwischen den beiden. Und deren Rebellieren gegen eine herzlose Gesellschaft, die beide genau für diese Zärtlichkeit zu Außenseitern machte.

Und sie haben sich doch verrechnet!

Zugegeben: Die Fotos der Mode-Strecke geben etwas von dieser Stimmung wider. Aber vermutlich haben sich die Brigitten sowieso und an ganz andrer Stelle verrechnet: Nein, ich gehöre definitiv NICHT zur Zielgruppe, ich darf noch träumen, habe noch Zeit genug, meine eigne Maude zum Leben zu erwecken – ohne einen Maxirock für 1998 Euro zum Beispiel, den diese andre Maude da in der Brigitte Wir trägt. So viel Geld hab ich nämlich gar nicht – und das freut mich im Moment riesig!

Wir freuen uns über euer Feedback. Lasst einen Kommentar da!


 

Weiterführende Links:


https://twitter.com/KatrinMersch/status/661986040765247488

 




Babyboomerinnen sind die Lackierten

Ausgebildet, ausgebootet, abgespeist – so müssen sich die Babyboomerinnen, sprich Frauen der Geburtsjahrgänge 1955 bis 1970 vorkommen. Die Autorinnen Christian Bylow und Kristina Vaillant haben Bilanz gezogen nach 30 Jahren und das Buch “Die verratene Generation – was wir Frauen in der Lebensmitte zumuten geschrieben. Wie stehen die weiblichen Babyboomer heute da? Was ist aus dem Elan der jungen Jahre geworden? Wie geht’s ihnen finanziell?

Karriere den Kindern geopfert

Wer sich in seinem Bekanntenkreise umhört, wird oft den Satz hören: „Ich habe meine Karriere für die Kinder geopfert – und wie stehe ich heute da?“ Traditionell blieben Frauen dieser Generation zuhause, wenn die Kinder kamen – oder sie arbeiteten Teilzeit. Dann zerbrach die Ehe und sie erzogen die Kinder allein. Heute erwartet sie eine Mini-Rente. Das ist längst kein Einzelfall. Vermutlich sind es sogar Millionen. „Christina Bylow und Kristina Vaillant schreiben über die Diskriminierung der Babyboomer-Frauen in einer auf Sexiness gepolten Gesellschaft, über Rentenungerechtigkeit, die Entfremdung zwischen Männern und Frauen – und darüber, was diese Frauengeneration dennoch geleistet hat“, heißt es im Klappentext.

Gelernt zu organisieren

Babyboomerinnen, die trotzdem weiterarbeiteten, lernten, sich zu organisieren – das war manchmal alles andere als einfach. Wohin mit den Kindern, wenn die Schule mal wieder geschlossen war, was bei Läusebefall im Kindergarten? Dazu kam, dass Frauen, die versuchten Job und Kinder zu vereinbaren, schnell als Rabenmutter abgestempelt wurden. Der Gesetzgeber übrigens, förderte dieses Modell noch durch die Steuererleichterungen in den Steuerklassen III und V. Anders als in Frankreich, gibt es bei uns immer noch das Ehegatten-Splitting, das Alleinerziehende benachteiligt – ob Mütter oder Väter. Deswegen fordern die Autorinnen auch die Abschaffung des Ehegatten-Splitting und einen Einführung des Familien-Splitting.
Natürlich gibt es auch Väter, die ihre Kinder allein erzogen und erziehen, weil die Mutter nicht konnte oder gewillt war, sich um die Kinder zu kümmern – oder gestorben ist. Das kommt in diesem Buch etwas zu kurz – hier geht’s zum Buch

Mehr Bücher zum Thema Vorunruhestand, Rente, Sinnfragen

Hier einige Meinungen zum Buch von Christian Bylow und Kristina Vaillant – von Medien und Internet-Portalen:

  • Die Stuttgarter Zeitung hat die Autorinnen interviewt: Zum Interview
  • Christina Bylow hat auf „Brigitte Woman“ über das Thema berichtet: Hier lesen
  • Auch in der Maybrit Illner-Sendung zum schwarz-roten Rentenpaket war Bylow zu Gast: Zur Sendung in der ZDF-Mediathek
  • Das Portal Lebensdomizile hat das Buch ebenfalls rezensiert: hier lesen