Tag 26 meiner Tour de France

Tag 26 meiner Tour de France – eigentlich wollte ich etwas über den Canal du Midi schreiben und über den Canal de la Garonne. Aber dann drängte sich doch etwas Anderes in den Vordergrund. Alors, ganz langsam. Es geht um Schnecken – Escargots à la Bourguignonne, Schnecken nach Burgunder-Art. Et bien, werden viele sagen, ist ja nichts besonderes in Frankreich. Das Besondere daran, sie fallen mir auf als ich bei Aldi einkaufen. Sie liegen in der Tiefkühltheke und winken mir zu. Ich hätte ja vieles bei Aldi in Frankreich – übrigens Aldi Nord – erwartet, aber nicht Schnecken.

Schnecken à la Bourguignonne

Warum ich überhaupt bei Aldi einkaufen? Nun, das Hotel Balladins hat kein Restaurant. Ich werde verwiesen auf die Pizza-Bude gegenüber oder den Bäcker nebenan, der auch Quiche bäckt und Sandwichs anbietet. Da Aldi aber genau auf der anderen Straßenseite liegt, gehe ich einkaufen – und somit stoße ich auf die Escargots à la Bourguignonne. Die Auswahl an Wein ist riesig – größer als bei Aldi in Deutschland. Neben den Schnecken warten auch Jakobsmuscheln darauf, gekauft zu werden. Selbst „Radler“ gibt es. Aber weil ich bereits schlechte Erfahrungen gemacht habe mt zusammen gepanschtem Radler, verzichte ich auf eine Wiederholung. Statt dessen nehme ich einen Cidre doux aus der Normandie mit, dazu Sandwiches, ein paar Radieschen, eine Tafel Schokolade und natürlich Mineralwasser – das alles für 12,60 Euro. Die Radieschen sind ein Reinfall, der Cidre super, die Schokolade geht so. Bei Sandwiches lässt sich nicht viel falsch machen. Also statt Restaurant heute mal Selbstverpflegung.

Écluse – Vokabel des Tages

Noch ein Wort zu meiner französischen Vokabel des Tages: Dieses Mal ist es „écluse“ – die Schleuse. Alle paar Kilometer wartet schon die nächste auf Bootfahrer, die sich anheben oder absenken lassen. Hundert Meter vor der Schleuse hängt über dem Kanal in Seil oder Plastikschlauch herunter, zwischen zwei Pfählen gespannt. Zieht der Kapitän oder die Begleiterin daran, wird die Schleuse freigegeben, so denn nicht gerade ein anderes Schiff in der Schleuse abgefertigt wird. Das kann dauern – aber Bootfahren auf dem Canal du Midi ist ja auch zur Entschleunigung gedacht.

Irgendwann wird’s langweilig

D’ailleurs – nach was zum Thema Kanal. Es geht flott voran, nur irgendwann wird’s langweilig. Die Landschaft wiederholt sich, die Velo-Piste führt meist schnurgerade am Kanal entlang zwischen Platanen-Alleen. Abwechslung bringen nur die Dörfer, die manchmal den Kanal säumen. Vorteil, ich spule einen Kilometer nach dem anderen herunter – und sammle im Laufe des Tages hundert Kilometer. Übernachte kurz vor Agen. Morgen geht es dann weiter Richtung Bordeaux.

 

Bonne nuit et à demain!




Tag 25 meiner Tour de France

Tag 25 meiner Tour de France – der Tag steht heute unter dem Motto „Canal du Midi“. Petra und Paul vom Coup de Coeur in Bram meinten ja, dass der Radweg ab Bram bis Villefranche wohl nicht so toll sei. Deswegen habe ich bis Castelnaudary die D33 genommen, die wenig befahren ist, da parallel dazu Autobahn und D6133 verlaufen. In Avignonet-Lauragais lenke ich dann zum Canal-du-Midi-Radweg, der ab hier seinen Namen verdient. 

Schwerer Abschied von Bram

Noch ein Wort zu meinen Gastgebern Petra und Paul. Sie haben sich rührend um mich gekümmert. Gern wäre ich noch einen Tag geblieben, aber ich habe ja versprochen, bis zum 30. Juni in Nantes zu sein – und das sind noch einige Kilometer. 

Immer am Kanal entlang

Wenn radeln Spaß macht, dann hier – entlang des Canal du Midi. Der Radweg verläuft parallel zum Kanal, meist von einer Platanen-Allee gesäumt. Selbst bei 35 Grad lässt es sich hier aushalten. An den Schleusen wartet gelegentlich ein Restaurant. An der Schleuse Gardouch konnte ich nicht einfach vorbei fahren. Das Restaurant liegt so malerisch direkt an der Anlage – und ich gönne mir ein Panaché, nein zwei. Es ist 11.45 Uhr – und noch zu früh für zum Essen. Das war ein Fehler, denn die nächsten Schleusen sind nicht bewirtschaftet. Also radle ich weiter bis Montgiscard, wo auf der gegenüberliegenden Seite eine Pizzeria winkt. 

Mittags nur Salat

Mittags nach ein paar Stunden radeln, kann ich nur was Leichtes essen – einen Salat de l’ecluse, sprich einen Schleusensalat. Das ist nichts weiter als ein gemischter Salat mit Schinken und Käse. Dazu ein Menthe à l’eau – das lässt sich so schön mit Wasser strecken. Ideal gegen den Durst. 

Tripadvisor sei Dank

Es ist Mittag und ich habe noch kein Hotel. Also suche ich bei Tripadvisor und finde ein Hotel in der Nähe des Bahnhofs, das Hotel aux Ambassadeurs. 

Noch 20 Kilometer bis Toulouse. Auch wenn der Radweg gut ausgebaut ist, ziehen sich die 20 Kilometer in die Länge. Ich habe ja schon 60 hinter mir. Der Radweg führt durch die Stadt, immer am Kanal entlang. Das erleichtert die Orientierung in der Stadt – und Toulouse ist doch etwas größer. Das Fahrrad-Navi weist mir dann die richtige Straße. Ich bin da – erschöpft und durchgeschwitzt. Erst eine Dusche, dann was trinken. 

 Ich habe noch genug Zeit, die Stadt zu erkunden – La viele rose, wie Toulouse auch heißt. Die Straßennamen sind hier zweisprachig – in französisch und spanisch. Während und nach dem spanischen Bürgerkrieg sind viele Spanier nach Toulouse geflüchtet. So bekam die Stadt ihren spanischen Flair – und ihre spanischen Straßennamen. 

Weißbier gegen Heimweh

Dank Uni und vieler Studenten ist Toulouse vergleichsweise jung – das spürt jeder, der durch die Straßen flaniert. Am Place de La Daurade, direkt am Ufer der Garonne, kommt so etwas wie Biergartenstimmung auf – viele trinken sogar Bier, aber es ist doch anders als in Bayern. Ganz abgesehen davon, dass das Bier das Doppelte kostet. In der Wiese haben sich viele Junge im Gras ausgebreitet – es riecht nach Hasch. Die anderen Gäste lassen sich aber nicht stören und verspeisen ihr „Assiette de La Dourade“ – so wie ich. 

Auf dem Rückweg sticht mir noch ein „Paulaner“-Schild ins Auge. Ich bekomme so ein bisschen Heimweh und ich lenke meine Schritte Richtung Bistro. Tatsächlich schenken sie Weißbier aus – ich kann nicht anders und bestelle mir ein Glas, Preis sieben Euro. 

Leicht sediert, strebe ich Richtung Hotel. 

 

Bonne nuit et à demain!




Tag 24 meiner Tour de France

Tag 24 meiner Tour de France – der Tag fängt ja schon mal gut, was ironisch gemeint ist. Gleich beim Holen des Rads bemerke ich den Platten. Also wieder Schlauch wechseln. Es ist bereits heiß, mir läuft der Schweiß von der Stirn, ich stehe da mit verschmierten Händen und die Satteltaschen liegen verstreut um mich herum. Der Hotelier fragt mich, ob alles in Ordnung ist. Na ja. Nein, nichts ist in Ordnung. Aber ich antworte trotzdem „Ca va“. 

Mehrmals Schlauchwechsel

Hilft ja nichts, ich ziehe also den Mantel ab und tauschen den Schlauch aus. Das sollte an diesem Tag nicht das letzte Mal sein. Ich hatte Quillan kaum verlassen, als ich bereits wieder merke, das die Luft langsam aus dem Hinterreifen entweicht. Ich denke mir noch nichts dabei und pumpe Luft nach. Das Spielchen wiederholt sich, bis ich schließlich genervt doch am Straßenrand anhalte und den Schlauch wechsle – ein zweites Mal den diesem Tag. 

Dabei lief’s bis jetzt ganz gut – es geht leicht bergab, ich folge dem Fluss Aude und komme gut vorwärts: An Espèraza vorbei und durch Limoux. Gelegentlich versuchen sich die französischen Straßenbauer an Fahrradwegen, meist aber nur halbherzig. Viele enden schon kurz nach der Ortschaft im Nirwana. Sie ging’s mir in Limoux. Der Fahrradweg endete im Industriegebiet und ich musste dann doch wieder auf die Departemental. Ach ja, streckenweise wie bei Cépie verwandelt sich die Departemental in eine Autostraße und zwingt Radler, auf eine Nebenstraße auszuweichen. 

Miserable Straßen

A Propos Straße, der Zustand ist gerade in den Städten und Dörfen so schlecht, dass ich alle meine fünf Sinne brauche, um nicht in einem Schlagloch zu enden oder über einen Kanaldeckel zu stürzen. Offensichtlich haben einige Kommunen wenig Geld und lassen die Straßen verkommen. Die Baureferate, so es sie denn in Frankreich gibt, bessern die Straßen meist nur notdürftig aus. Ja, dann der Belag – nicht selten verwenden die Straßenbauer groben Kies, was meine Reifen ziemlich beansprucht. 

Um 14 Uhr ist Schluss

Im Niemandsland vor Carcassonne wechsle ich die Reifen. Ich wollte weg von der vielbefahrenen Straße und lande in der Pampa. Die Flaschen sind mittlerweile auch schon leer, die Restaurants in den Dörfern verrammelt. Also bleibt mir gar nichts anderes übrig, als möglichst schnell weiter zu fahren. Ich lasse mich dieses Mal von Google Maps leiten, navigiere unter der Autobahn durch, von Grèzes nach Caux-et-Sauzens. Es ist bereits nach 14 Uhr – ganz schlecht in Frankreich, denn viele Restaurants schließen dann. Genau das passiert mir in Caux-et-Sauzens. Das Lokal zur Platanes ist geschlossen. Zum Glück steht am Marktplatz ein Brunnen, aus dem trinkbares Wasser fließt. Ich fülle zumindest meine Wasserflaschen und kühle mich ab. 

Durch die Weinberge

Es ist heiß, ich bin erschöpft und will nur noch ankommen. Der nächste größere Ort ist Bram – also ab nach Bram. Vorher erwartet mich allerdings noch ein Stück Landwirtschaftsweg durch die Weinberge, wobei Weinberge das falsche Wort ist, denn Wein wird hier auf der Fläche angebaut. Die asphaltierte Straße endet in Caux-et-Sauzenes, ich nehme also den Landwirtschaftsweg. Nach einigen Kilometern bin ich dann zurück auf der Asphaltstraße und irgendwann auch wieder auf einer Departemental. 

Am Canal du Midi

Kurz bevor ich zur D33 einbiegen, überquere ich den Canal du Midi. Eine Brücke spannt sich über den Canal und die Dorfjungs machen sich einen Spaß daraus, von der Brücke zu springen. Dann tuckert ein Boot heran. Der Kapitän steuert auf die Mitte der Durchfahrt zu und kommt dabei dem Ufer ziemlich nah. Die Jungs wissen das und einer von ihnen springt an Bord, hechtet aber gleich ins Wasser. 

Schluss mit Beschaulichkeit – weiter nach Bram. Die letzten Kilometer läuft’s dann wieder richtig gut. Ich komme auf mehr als 30 Kilometer pro Stunde. Bram ist zum Greifen nah. Ich setze mich im Ort in den Schatten und suche per Tripadvisor ein Hotel. Dabei finde ich Coup de Coeur, Bed & Breakfast – etwas Neues für mich auf dieser Reise. Das Haus liegt ganz versteckt am Place Carnot Mitten in dem Ort – von außen aber nur gekennzeichnet durch ein Schild. Dahinter ein wunderschönes altes Haus. Petra, die Besitzer, reserviert für mich einen Platz bei L’ile aux oiseaux am Canal du Midi.   

 

 

Bonne journée et à demain!




Tag 22 meiner Tour de France

Tag 22 meiner Tour de France – Rund 1300 Kilometer liegen zwischen dem Col de La Faucille und Barcarès, ein verbogener Gepäckträger, zwei neue Fahrradmäntel, zwei neue Trinkflaschen, ein Hexenschuss, Lippenherpes und eine Mage-Darm-Infektion. Nicht zu vergessen ein Platten, viele Tausende verbrauchter Kalorien sowie ein wundgescheuerter Hintern. 

Zeit für eine Zwischenbilanz

Zeit, Zwischenbilanz zu ziehen. Meine Tour de France war und ist eine Herausforderung. Jeder Pass hat mich erneut gefordert, mich fluchen lassen; Hitze, Schweiß und brennende Waden ließen nicht nur einmal den Gedanken aufkommen, einfach aufzuhören. Bei der Abfahrt waren diese Chimären schnell verflogen Der Blick auf die zurückgelegte Strecke lässt so etwas wie Stolz und Genugtuung aufkeimen. Ein Wechselbad der Gefühle. Wobei beim Radeln selbst meine ganze Konzentration gefordert ist, so dass für Anderes wenig Raum bleibt. Karte und Fahrrad-Navi sind erbarmungslos und zeigen mir, wie viel noch bleibt, was noch vor mir liegt. Vermutlich habe ich nicht einmal ein Drittel hinter mir. 

Tief überwunden

Nach dem moralischen Tiefpunkt geht es wieder aufwärts. Die Zipperlein sind ausgestanden, selbst meinem Rücken geht es wieder besser. Die nächste Etappe wartet. Morgen verlassen ich den Süden und schlage den Weg nach Westen ein Richtung Quillan. 

Was heißt EVJF?

Zurück lasse ich gute Freunde, mit denen mich mittlerweile eine jahrzehntelange Freundschaft verbindet. Ich nehme einige neue Wörter mit wie Paillasson, was auf deutsch Fußabreter heißt Ich finde das Wort einfach nur lustig. Nicht zu vergessen die Abkürzung EVJF, was ausgeschrieben enterrement vie jeune fille heißt, auf deutsch Jungesellinnenabschied. Ach ja, und den Chemin de Table, den Tischläufer. Franzosen lieben Tischläufer, Plastikdecken, gestreifte T-Shirts und Austern. Wer aufmerksam über einen Wochenmarkt schlendert, dem fällt das sicher auf. Das sind kleine, aber feine Unterschiede. 

 

Bonne nuit et à demain!




Tag 21 meiner Tour de France

Tag 21 meiner Tour de France – zweiter Ruhetag und wieder kein weißer Punkt. Heute bleibe ich in Barcarès bei Nicole und Roger. Am Morgen verabschiede ich mich von meiner Tochter und meinem Schwiegersohn. Sie müssen am Montag wieder zurück sein in München. Nach dem gemeinsamen Frühstück brechen sie auf Richtung Jura. Alors, „bonne Route“.

Bergeweise Austernschalen

Ich fahre zusammen mit Nicole und Roger nach Leucate zum Austernzüchter. Im Ort reiht sich eine Bude neben die andere – überall werden Austern, Muscheln und Shrimps sowie Gambas verkauft. Am Ende der Budenreihe türmt sich ein mannshoher Berg auf, bestehend aus Austernschalen, zwischen Bojen und Netzen. Natürlich verkaufen die Austernzüchter nicht nur Austern, sondern laden gleichzeitig zur „Degustation“ ein. Das heißt, die Franzosen essen und trinken hier „Fruit de Mer“ und dazu einen „Grenache“ oder „Muscadet“, mit Zitrone und Baguette. Wir nehmen drei Dutzend Austern mit und einen Sack Muscheln fürs Abendessen. Für zwei Euro pro Dutzend öffnet uns der Patron die Austern, so dass wir damit keine Probleme haben. Austern selbst zu öffnen, ist eine unfallträchtige Sache. Es passiert schon mal, beim Öffnen mit dem Messer auszurutschen – und dann schlitzt das Messer die Haut auf.  Es bedarf Übung, dass so ein Malheur ausbleibt. 

Keine Pfingstferien in Frankreich

Daheim angekommen, arrangiert Roger die Austern auf einem Teller, dazu ein paar Zitronenscheiben und etwas Brot, begleitet von einer Flasche Weißwein. Dank leichtem Wind lässt es sich auf der Terrasse aushalten. 

Der Campingplatz hat einen Aqua-Park, sprich Schwimm- und Planschbecken sowie mehrere Wasserrutschen. Für meinen Geschmack ist das Wasser eher zu warm. Zurzeit sind eher ältere Paare da und jüngere mit nicht-schulpflichtigen Kindern. In Frankreich gibt es keine Pfingstferien, das heißt, Eltern mit schulpflichtigen Kinder fehlen. Die Hauptsaison beginnt Anfang Juli, wenn die Schulferien in Frankreich beginnen. 

Pommes mal anders

Wir treffen uns am Abend wieder zum Muschelessen. Da Nicole und Roger aus Belgien kommen, gibt’s zu den Muscheln natürlich Pommes Frites – das Wort kommt übrigens von Pommes de Terre, Erdäpfel, die frittiert werden. Nicole schneidet die Kartoffeln in Schnitze und frittiert sie in Öl. Das ergibt einen anderen Geschmack als tiefgefrorene Pommes Frites. Davor ein paar Scheiben Salami und ein paar Chips zum Sangria – so lässt es sich aushalten. 

Etwas geplättet tappse ich zurück zu meinem Wohncontainer. Eigentlich wollte ich den Blogbeitrag noch am gleichen Abend schreiben, aber wie das halt so ist, verschiebe ich das Schreiben auf morgen. 

 

 

Bon l’après-midi et à demain!




Tag 20 meiner Tour de France

Tag 20 meiner Tour de France – heute gibt’s keinen weißen Punkt, denn wir nehmen das Auto, um zwei Häfen, Port-Vendres und Collioure zu besuchen. Der Hundekäfig von Danjo passt perfekt ins Auto von Roger, so dass wir mit einem Auto fahren können. Es geht über Sainte Marie Plage nach Argelès-Plage weiter nach Porte-Vendres. Das Besondere an Port-Vendres – der Name soll sich von Portus-Venerisch (Hafen der Venus) ableiten – ist das natürlich Hafenbecken, das tief genug ist für große Schiffe. 

Port-Vendres hat wohl schon eine glorreichere Vergangenheit gesehen. Der Hafen war früher mal wichtig für den Handel mit Nordafrika. Als Frankreich seinen Arm nach Marokko, Algerien und Tunesien ausgestreckt hat, ist Port-Vendres aufgestiegen. Von hier aus müssen früher wohl regelmäßig Handels- und Passagierschiffe nach Nordafrika übergesetzt haben. Heute spielt der Hafen in dieser Beziehung keine Rolle mehr. Die Rolle haben andere Häfen übernommen. So ein bisschen ist noch etwas zu spüren von der glorreichen Vergangenheit, ablesbar an der Anlage der Häuser, Treppen und Plätze – und des Obelisken zu Ehren von Ludwig, dem 16. 

Austern, Austern, Austern

Wir Speisen im Restaurant Côté Mer Côté Gers – dreimal das Menü für 24,50 und zweimal à la carte. Natürlich gehören hier Austern dazu. In Leucate sind ja gleich mehrere Austernzüchter. Da Nicole und Roger dabei sind, kennen Sie sich natürlich hier aus – und wir reservieren einen Tisch. Port-Vendres ist auch immer noch Fischereihafen. Im größten Fischladen am Ort kaufe ich Salicornes, auf deutsch Queller. Sie wachsen vor allem in Salinen, sehen aus wie Miniatur-Spargel – und schmecken salzig. Lässt sich roh essen, blanchieren – und passt gut zu Fisch. Das alles für 1,72 pro 115 Gramm. 

Blick durch den Rahmen

Weiter nach Collioure, einem malerischen Hafen wenige Kilometer entfernt. Der Strand ist geschützt und liegt malerisch zwischen den Felsen – so ein klein wenig wie Nizza an der Côte Vermeille. Hierher kamen auch viele Maler, um die pittoreske Kulisse auf Leinwand zu bannen. Wer am Strand entlang flaniert, stößt automatisch auf metallene Bilderrahmen, die dazu einladen, den Blick des Malers nachzuvollziehen. 

Sorry, die letzten beiden Blogbeiträge sind etwas kürzer – Gespräche, Essen und Ausflüge absorbieren doch einiges an Zeit, da bleibt weniger fürs Schreiben. 

 

Bonne nuit et à demain!




Tag 19 meiner Tour de France

Tag 19 meiner Tour de France – jeder Tag steht irgendwie unter einem speziellen Motto: Heute ist es „mûrier“, der Maulbeerbaum. Dazu bedarf einer längeren Erklärung – und etwas Anlauf. Wir starten am besten von Narbonne-Plage, radeln über Gruissan an der Saline vorbei und biegen den Damm Richtung Porte-La-Nouvelle ein.  Auf der Karte ist ein Radweg eingezeichnet, der sich jedoch schnell als besserer Feldweg entpuppt. Neun Kilometer weichen wir Steinen aus und umfahren Grasnarben, konzentrieren uns auf Sandstreifen und zählen die Biegungen  – in der Hoffnung, dass der Pfad möglichst schnell endet. Irgendwie hatte ich es ja im Hinterkopf, dass diese Tour nicht ohne Panne abgeht.Tatsächlich hole ich meinen Schwiegersohn nach einer Weile ein, der schon dabei ist, den Fahrradschlauch zu wechseln. Irgendein Stein hat den Reifen geschrotet. 

Der erste Platten

Bei der Gelegenheit schieße ich ein Foto vom Etang de l’Ayrolle. Kiefern umsäumen den See, in dem Reier und Flamingos herum stacksen. Der Schlauch ist schnell gewechselt – und es geht weiter Richtung Saline: „Salin de Sainte-Lucie“. Auf dem Weg bis zum nächsten Ziel passieren wir einen weiteren „Etang“ und rollen auf Leucate zu, wo wir, sprich meine Schiegersohn und ich, uns mit meiner Tochter treffen wollen. 

Unterm Maulbeerbaum

Wir entdecken eine Tapas-Bar „La Cantina“. In Leucate ist eine Austernzucht, deswegen ist es gar keine Frage mehr, was ich bestelle: Austern natürlich, genauer gesagt einen Fischerteller, uns assiette du pecheur mit Austern, Shrimps und Meerschnecken. Wir sitzen unter einem Maulbeerbaum, ohne es zu wissen. Ich frage den Wirt, was das denn für ein Baum sei. Er sagt „mûrier“,  auf deutsch „Maulbeerbaum“. Ich kannte den Baum bis dato auch noch nicht. Aber wozu gibt es das Internet und „Leo“. Da die Meerschnecken fehlen, deute ich an, dass der Wirt das Fehlende durch einen Café ausgleichen könnte.  

Wir radeln weiter und treffen uns mit Nicole und Roger Deterville am Campingplatz Tamaris, wo die Beiden ein Mobile Home besitzen. Wir haben uns ebenfalls am gleichen Campingplatz eingemietet. Es gibt viel zu erzählen, schließlich haben wir uns schon seit Jahren nicht mehr gesehen. 

Bonne nuit et à demain!




Tag 18 meiner Tour de France

Tag 18 meiner Tour de France – ein Tag Auszeit vom Radeln: Ich lasse mich von meiner Ältesten nach Caracassonne im Auto kutschieren. Ok, deswegen gibt es auch nur einen grünen Punkt auf der Frankreichkarte, auf der meine Etappen vermerkt sind. Für gerädelte Etappen gibt’s einen weißen Punkt. 

Um möglichst schnell nach Carcassone zu kommen, nehmen wir die Maut-Autobahn. Das macht einfach 4,90 Euro – hin und zurück somit 9,80 Euro. In Frankreich sind die meisten Autobahnen mautpflichtigen. Und schon haben wir unser Gesprächsthema für die Pause in Carcassonne. Ist es nicht mehr als gerecht, wenn der deutsche Staat Ausländer abkassiert, die deutsche Autobahnen benutzen? Frankreich, Italien, Spanien und Österreich machen es ja auch? Eine Diskussion um die Maut kommt in Gang – zwischen mir und meinem Schwiegersohn und meiner Tochter. Schließlich soll die Pkw-Maut ab 2019 kommen. 

Maut und kein Ende

Eigentlich war ja geplant, ausländische Autofahrer an den Kosten der Infrastruktur zu beteiligen. So klamm heimlich wurden dann auch deutsche Autofahrer in die Pflicht genommen. Sie sollen je nach Größes ihrer motorisierten Kutsche zwischen 67 und 130 Euro berappen. Um inländischen Pkw-Fahrern die Maut schmackhaft zu machen, hat sich das Verkehrsministerium von Alexander Dobrindt einen Trick einfallen lassen: Der Staat rückerstattet ihnen die Maut, indem er sie von der Kfz-Steuer abzieht. Damit würden die Maut letztlich doch nur die Ausländer zahlen, die deutsche Autobahnen benutzen. Weil Dobrindt das aber zu laut gesagt hatte, sind die Österreicher hellhörig geworden und wollen gegen die ihrer Meinung nach Diskriminierung von Ausländern klagen. Ob die Maut 2019 also wirklich kommt, ist noch längst nicht sicher. 

Dobrindts Schildbürgerstreich

Ja, was die Einnahmen betrifft, so sind sich die Experten nicht sicher, ob sich das ganze überhaupt lohnt. Dobrindt Kassenwarte rechnen mit 500 Millionen Euro pro Jahr, die eine solche Maut bringen soll. Aber mal ehrlich, was sind schon 500 Millionen Euro? Das reicht für ein paar Kilometer Autobahn. Dobrindt geht es also nur darum, als der Verkehrsminister in die Annalen einzugehen, der die Maut in Deutschland eingeführt hat. Sein Vorhaben mutet wie ein Schildbürgerstreich an. Wer in über seine Maut reden hört, den beschleicht das Gefühl, das er ausschließlich sich selbst und seiner Partei gefallen will – und weil die CSU es als großen patriotischen Akt ansieht, eine Pkw-Maut für Ausländer in Deutschland einzuführen,  setzt er sich dafür ein. Macht sich ja gut am Stammtisch behaupten zu können, er sei es gewesen, der dieser vermeintlich gerechten Sache zum Durchbruch verhalf.  Dumm nur, das danach inländische Pkw-Fahrer für Straßen Maut zahlen sollen. Und glaube nur ja keiner, dass diese Maut jemals wieder in der Versenkung verschwindet. So war das schon mit der Sektsteuer, die zur Finanzierung von Kaisers Kriegsflotte eingeführt wurde – und die es immer noch gibt. Das ist das Wesen von Steuern und Abgaben: einmal eingeführt, für immer behalten. 

So viel zu unserer Diskussion über die Maut auf deutschen Autobahnen. 

Touri-Burg im wahrsten Sinn

Aber wird sind ja nach Caracassonne gekommen, um uns Stadt und Festung anzuschauen. Nach einstündiger Autobahnfahrt landen wir auf dem Parkplatz vor der Altstadt, die von einer durchgehenden Mauer umschlossen ist: eine Touri-Burg im wahrsten Sinn des Wortes. Die mittelalterliche Stadt ist schon etwas Außergewöhnliches: Mit 52 Türmen und drei Kilometer Mauern ist Carcassonne die größte Anlage dieser Art in Europa – und längst Weltkulturerbe. Verständllch, dass Caracassonne zu den meist besuchten Städten in Frankreih gehört. Wir sind schon um zehn Uhr da – an einem Mittwoch außerhalb der französischen Schulferien – und können noch gemütlich ohne Gedränge die Wehrgänge besteigen. Die Gesamtanlage ist einfach durch ihre Größe beeindruckend. In den vergangenen Jahrzehnte, eigentlich schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts, würde vieles erneuert und ergänzt, was in den Jahrhunderten davor beschädigt worden war. Jeder, der über die Mauern flaniert, bekommt ein Gefühl für das Mittelalter, in dem Carcassonne eine wichtige Rolle spielte. 

Panorama leider verpasst

Wegen familiärer Probleme, über die ich hier nicht eingehen will, ist meine Aufmerksamkeit eingetrübt. Wir hätten vielleicht noch mehr von der mittelalterlichen Stadt sehen können, vor allem das Gesamtpanorama. Aber dafür hat die Zeit nicht gereicht – eigentlich Grund genug, noch mal hierher zu fahren. 

Ach ja, dann wollte ich unbedingt noch neue Fahrradmäntel kaufen. Nach annähernd 1200 Kilometer – und dazu kommt noch die Strecke meiner Fahrten vor der Tour de France – ist das Profil ziemlich abgefahren. Wir machen also noch einen Abstecher zum Bike-Center. Mein Schwiegersohn blüht auf – sein Highlight des Tages.  

 

Bonne nuit et à demain!




Tag 17 meiner Tour de France

Tag 17 meiner Tour de France – die Finger riechen immer noch nach Shrimps und Hummer, obwohl ich sie mit einem Frischetuch behandelt habe. Aber der Geruch von Krustentieren haftet doch länger an. Heute gab’s gleich zweimal Muscheln – am Mittag und am Abend. Nun, wir sind an der Küste. Mittag mit einer Sauce piquante, sprich mit einer scharfen Soße; am Abend gab’s dann Fischsuppe und Austern, Shrimps und einen halben Hummer – garniert mit Muscheln. 

Moules à la Sauce piquante

Der Topf mit den Moules à La Sauce piquante ist voll bis zum Rand – die Muscheln in der pikanten Soße, mit Lorbeerblättern und Pommes. A propos Pommes, die Belgier behaupten ja von sich, Pommes Frites erfunden zu haben. Eigentlich hätten die Franzosen von ihren nördlichen Nachbarn, die ja auch französisch sprechen, lernen können, was gute Fritten ausmacht. Leider sind zumindest meine eher lapprig und schauen etwas unmotiviert aus dem Töpfchen. 

Nun gut, dafür gibt’s Weißbrot. Schmeckt eh besser zu Muscheln. Die Soße drängt sich mit einer pikanten Schärfe in den Vordergrund, ohne zu übertreiben. Dazu eine schöne Rosé-Weinschorle. Das baut doch nach einer Tour-Etappe wieder auf. Wir fahren von Agde über das Hinterland nach Narbonne-Plage. Muscheln und eine Fruit-de-Mer-Pizza essen wir in Valras-Plage. Der Wind lässt die Plane des Restaurantzelts knattern. Wir ängstigen uns fast, dass die ganze Konstruktion davon fliegt. Natürlich fliegt sie nicht davon, aber der Kellnerin fegt der Wind ein Glas von der Servierplatte. 

Gegenwind bremst

Den Wind sollten wir auf der Weiterfahrt noch zu spüren bekommen. Er weht meerwärts und trifft uns zwischenzeitlich voll von vorn. Trotz vollem Einsatz und gebeugtem Rücken bin ich kaum schneller als 14 oder 15 km/h. Das kostet Kraft und zerrt an den Nerven. Gegenwind und ab und zu eine Böe von der Seite. Leider müssen wir mehrmals Richtung Norden radeln. In Portiragnes überqueren wir den Canal du Midi als ein Schiff gerade in der Schleuse schwimmt. 

Weiter nach Sérignan und dann nach Valras-Plage – vorbei an Kanälen, Schilf und Lagunen. Die Radwege enden manchmal ziemlich abrupt und zwingen uns auf normale Straßen. Der Fahrrad-Computer zählt die Kilometer bis zum Ziel herunter – bei zehn Kilometer schaltet er um auf eine Zählung, die jede zehn Meter erfasst. Das motiviert ungemein. 

Quälender Countdown

9,89, dann 9,52 und schließlich nur noch 5,45 Kilometer – es werden immer weniger bis zum Ziel Narbonne-Plage. Die letzten Kilometer im Ort selbst führen an der Strandpromenade entlang. Der Sand knirscht unter unseren Reifen, vor uns das grüne Band des Radwegs. Dann noch 730 Meter – endlich sind wir da in der Rue des Fleurs. Wir werden dieses Mal zwei Nächte im Hotel de La Clape verbringen, denn für morgen haben wir einen Ausflug nach Carcasonne geplant. 

Wenn wir schon am Meer sind, dann muss auch ein Abstecher zum Meer drin sein. Narbonne-Plage und die Nachbargemeinde bieten kilometerlange Sandstrände – und alle fast menschenleer. Es ist eben immer noch Vorsaison – und die Franzosen kommen erst später im Jahr, wenn die Schulferien beginnen. Das Wasser ist deutlich kälter als in Cannes, obwohl es doch das gleiche Meer ist. 

Bevor wir zum Essen gehen, will ich noch schnell meinen Besuch bei meiner alten Brieffreundin Nicole und ihrem Mann Roger klären. Sie wohnen in Le Barcarès auf dem Campingplatz. Wir chatten via Facebook-Messenger. Am Donnerstag werden wir Drei von Narbonne-Plage also Richtung Le Barcarès aufbrechen und uns am Nachmittag mit ihnen treffen. 

Am Abend gab’s dann noch Essen im „l’Arlequin“ am Strand. Na, und was war auf der Platte: Austern, Shrimps und ein halber Hummer. Der Restaurantchef ist offensichtlich etwas überforedert mit der Situation. Wir bekommen den zweiten Hauptgang vor dem ersten – und monieren die Menüfolge. Das Essen zieht sich in die Länge. Ein Kellner geht, später dann der Koch. Vermutlich haben sie ihr Stundensoll abgeleistet. Das Esen war gut, wenn auch mit Hindernissen. 

 

Bonne soirée et à demain!