Was geht uns eigentlich die Demografie an?

Deutschland schrumpft nicht. Ist das eine gute Nachricht? Deutschland schrumpft zwar nicht, aber Deutschland wird älter. Deutschland verändert sich strukturell, insofern geht uns die Demografie sehr wohl etwas an – und was geht uns die Demografie an?

Wer sich das Video bei Youtube von Rosemarie Konirsch bis zum Ende anschaut, begreift in 4:42 Minuten, was uns Demografie angeht. Zwar bleibt die Bevölkerungszahl in Deutschland vergleichsweise stabil, trotz Zuwanderung vergreist Deutschland langsam. In zehn Jahren, sprich so gegen 2027 geht die Babyboomer-Generation endgültig in Rente. Dann sei der Peak erreicht.

Ist der demografische Wandel wirklich so schlimm? Ein Video von Rosemarie Konirsch

https://www.youtube.com/watch?v=NKaFEaAkojU

Und es ist ja nicht so, dass entsprechend viele Junge nachrücken. Die Basis ist deutlich schmäler – aus dem Tannenbaum wird, na, sagen wir mal, so etwas wie eine Artischocke, mit einer schmalen Basis und einem dickeren Oberteil. Den Erwerbstätigen stehen mehr ältere Menschen gegenüber. Dieser Prozess sei eine riesige Herausforderung für Personaler, so die Demografie-Exertin Konirsch. Dabei sei auch der Know-how-Verlust nicht zu vernachlässigen.

Mehr tun für altersgerechte Arbeit

Es gilt also für Unternehmen, die Zeichen der Zeit zu erkennen. Bundeskanzlerin Angela Merkel dringt auf eine altersgerechte Ausgestaltung der Arbeitswelt. Dazu gehört sicher auch, die Arbeit flexibler zu gestalten, dazu gehört ferner Weiterbildung für Ältere, was bislang in vielen Unternehmen vernachlässigt wird. Beim “Demografiegipfel 2017“ am 16. März 2017 – und auch schon davor – wurde zwar viel diskutiert, meist blieb es aber bei Sonntagsreden. In der Praxis sieht es doch so aus, dass die Arbeit generell nicht so gestaltet wird, „dass sie zunehmend älter werdenden Beschäftigten gerecht wird“, von Ausnahmen einmal abgesehen.

Spanien, Italien und Deutschland sind die “ältesten” Bevölkerungen

2020 ist Deutschland im Schnitt 47 Jahre alt Quelle: oecd

2020 ist Deutschland im Schnitt 47 Jahre alt
Quelle: oecd

Investition in Weiterbildung

Die Kanzlerin mahnte Investitionen in Bildung und Forschung an, den Kommunen fehlt dafür aber meist das Geld. Innenminister Thomas de Maizière sagte, die Vitalität der sogenannten „jungen Alten“ sei eine Riesenchance für Deutschland. Klingt gut, kostet ja nichts. Doris Wagner von den Grünen kritisierte den “Demografiegipfel” als Schaufensterveranstaltung, womit sich sicher nicht ganz unrecht hatte.

Dieses Jahr finden noch zwei weitere Demografie-Veranstaltungen statt:

Auf dem 7. Demografiekongress in Frankfurt treffen „Jungunternehmer der Generation Y treffen auf etablierte Führungskräfte aus Generationen, für die gar keine Buchstaben erfunden wurde“, so die Veranstalter. Auf dem Demografiekongress stellt sich auch das Demografienetzwerk vor. Das Demografienetzwerk FrankfurtRheinMain besteht zurzeit aus 13 Partnern, darunter die IHK Frankfurt am Main, die Stadt Eschborn, die Stadt Frankfurt am Main, der Regionalverband FrankfurtRheinMain, das Europabüro der Metropolregion FrankfurtRheinMain und die ING-DiBa, das Demographie Netzwerk (ddn), die Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main, das IHK-Forum Rhein-Main, die Kreisstadt Dietzenbach, die Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit, der Verein zur Förderung der Standortentwicklung e.V. und die Frankfurt University of Applied Sciences.

Der Demografie Kongress im August versteht sich als der Leitkongress zur Gestaltung des demografischen Wandels hierzulande.




Wie eine Küche funktional und gemütlich wird

Die Küche ist für viele ein zentraler Ort. Dort spielt sich das Leben ab. Deswegen soll sie gemütlich sein und gleichzeitig funktional, damit die Arbeit leicht von der Hand geht. Zugegeben, ein Spagat – eine ganz besondere Herausforderung für Planer.

Wie wird eine Küche funktional und gemütlich – und nicht zuletzt ergonomisch, um den eigenen Rücken zu schonen?

Was bedeutet Ergonomie?

Ergonomisch? Die Begriffe hat sicher jeder schon mal gehört. Aber woher kommen sie und was bedeuten sie? Das Wort kommt aus dem Griechischen und setzt sich zusammen aus „ergon“ und „nomos“ Arbeit und Regel. Letztlich geht es darum, sich die Arbeit so leicht wie möglich zu machen und das Umfeld entsprechend zu gestalten, so dass die Gesundheit nicht darunter leidet. Das gilt für Büro und Fabrik, genau so wie für den Privatbereich. Ergonomie bezieht sich dabei auch nicht nur auf die Physis, sprich das körperliche Wohlbefinden („ergonomisch geformter Bürostuhl“), sondern auch auf die Psyche – und das schließt die Arbeitsatmosphäre ein.

Auch in der Küche – und gerade für die Generation 50plus – spielt die Ergonomie eine wichtige Rolle, schließlich wird dort regelmäßig gearbeitet. Es lohnt sich, darüber nachzudenken, wie sich Aufgaben so effizient wie möglich erledigen zu können.

Die fünf Zonen der Küchenarbeit

Gerade beim Planen einer Küche sollte jeder auch an die Ergonomie denken. Es geht beispielsweise darum, die einzelnen Komponenten so anzuordnen, dass sich alle Küchentätigkeiten ohne viel Hin- und Herlaufen erledigen lassen. Die Küchenprofis unterteilen diese Tätigkeiten in fünf Zonen:

  • Vorbereiten
  • Zubereiten
  • Reinigen und Entsorgen
  • Aufbewahren von Geräten
  • Bevorraten von Speisen

Rechtshänder planen ihre Küche im Idealfall so, dass diese Zonen von links nach rechts in der Reihenfolge Bevorraten, Aufbewahren, Reinigen, Vorbereiten und Zubereiten angeordnet sind. Das spart Zeit und Aufwand; unnötige Handgriffe und Wege entfallen. Stimmt diese Reihenfolge nicht, dauert einfach vieles länger.

Ganz wichtig: die Arbeitshöhe

Ein ganz wichtiger Punkt, neben der Aufteilung, ist, dass sich die Höhe der Arbeitsplatte an den Menschen anpasst – und nicht umgekehrt. Ist sie zu niedrig, zwingt das, vornübergebeugt zu arbeiten. Das kann auf Dauer zu Verspannungen und Rückenschmerzen führen. Ist die Arbeitsplatte dagegen zu hoch, sind die Arme beim Arbeiten in einer unnatürlichen Position.

Wie lässt sich die ideale Höhe ermitteln? Einfach gerade hinstellen, die Arme seitlich nach unten hängen lassen und so weit anwinkeln, bis der Winkel zwischen Ober- und Unterarmen etwa 90 Grad beträgt. Jetzt den Abstand zwischen Unterarmen und Boden messen. Von diesem Werte sind zehn Zentimeter abzuziehen. Bei durchschnittlich großen Menschen liegt die Höhe in der Regel zwischen 100 und 90 Zentimetern. Arbeiten mehrere unterschiedlich große Bewohner regelmäßig in der Küche, läuft das auf einen Kompromiss hinaus.

Hilfe bei der Küchenplanung

Im Fachhandel oder in speziellen Online-Portalen findet jeder, der eine Küche plant, zahlreiche Tipps und Tricks zur ergonomischen Gestaltung. Wer will, kann sich seine Traumküche auch mit Hilfe von Tools virtuell zusammenstellen – angepasst an die Raummaße. Damit lässt sich so lange experimentieren, bis der vorhandenen Platz perfekt ausgenutzt ist.

Foto: Jeanette Dietl shutterstock




Führt das Arbeitslosengeld Q zur Frühverrentung?

Wer 58 Jahre alt ist und arbeitslos wird, hat Anspruch auf 24 Monaten Arbeitlosengeld I. Das wollen Martin Schulz und Andreas Nahles von der SPD ändern. Das geplante “Arbeitslosengeld Q” soll 48 Monate gezahlt werden, unter der Voraussetzung, dass sich der Arbeitslose weiter- oder umqualifiziert. Ist das der Startschuss für eine Frühverrentungswelle? Führt das Arbeitslosengeld Q zur massiven Frühverrentung?

Die Bundesarbeitsministerin Nahles hat die Agenda 2010 ja schon ein bisschen zurückgedreht – jetzt will sie noch weiter gehen, unterstützt vom SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz. Schulz und Nahles wollen damit vor allem älteren Beschäftigten helfen, die arbeitslos werden, dass sie länger Arbeitslosengeld beziehen können. Beide verweisen gern auf das Beispiel des 50-Jährigen, der nach 15 Monaten Arbeitslosengeld I (ALG I) bereits zum Hartz-IV-Empfänger wird. Tatsächlich ist es so, dass ein 50-Jähriger mit 30 Beitragsjahren schon nach 15 Monaten durchs Raster fällt.

Ist das ungerecht? Die SPD sagt „ja“, hat dieses System aber selbst eingeführt. Schulz sieht die damalige Entscheidung des Ex-Kanzlers Gerhard Schröder als „Fehler“, der korrigiert werden müsse. Mit diesem Vorschlag zieht die SPD jetzt in den Bundestagswahlkampf.

Was heißt das konkret?

Ja, was heißt das konkret? Kernpunkte des Nahles-Schulz-Vorschlags: längeres Arbeitslosengeld I, darüber hinaus das Recht auf Weiterbildung für Arbeitslose; die Bundesagentur für Arbeit (BA) soll künftig Bundesagentur für Arbeit und Qualifizierung heißen und mehr Kompetenzen bekommen; ferner sollen auch solche Arbeitslose ALG I bekommen, die noch nicht so lang beschäftigt waren; schließlich soll das Schonvermögens beim Bezug von Hartz IV von 150 Euro auf 300 Euro pro Lebensjahr verdoppelt werden.

Wer profitiert davon?

Wem kommt die Verlängerung des Arbeitslosengeldes zugute? Jedem, der eine Qualifizierungsmaßnahme macht. Nach drei Monaten ohne neue Beschäftigung soll die BA ein entsprechendes Angebot unterbreiten. Während der Umschulung, Weiterqualifizierung oder dem Nachholen eines Berufsabschlusses soll statt ALG I das neue Arbeitslosengeld Q – Q steht dabei für Qualifizierung – in gleicher Höhe gezahlt werden. Angenommen, die Qualifizierung hat nichts gebracht, dann zahlt die BA weiter ALG I.

Wie die SPD das “Recht auf Weiterbildung” versteht:

Wir wollen ein Recht auf Weiterbildung einführen. Die Bundesagentur für Arbeit und Qualifizierung soll gesetzlich verpflichtet werden, Arbeitslosen, die innerhalb von 3 Monaten keine neue Beschäftigung finden, ein Angebot für eine Qualifizierungsmaßnahme zu machen, die die Vermittlungschancen nachhaltig erhöht (keine Kurzschulungen oder Kurzzeitpraktika). Das Recht auf Weiterbildung beinhaltet eine umfassende Kompetenzerfassung, einschließlich informeller Kompetenzen. Darauf aufbauend erfolgt eine gezielte Weiterbildungsberatung. Die anschließenden Weiterbildungsmaßnahmen können auch im Nachholen eines Berufsabschlusses oder einer Umschulung bestehen. Die Bundesagentur für Arbeit und Qualifizierung sucht bereits in den letzten drei Monaten der Weiterbildungsmaßnahme passende Arbeitsplatzangebote, die der neu erworbenen Qualifizierung entsprechen. Nach erfolgreichem Abschluss der Qualifizierungsmaßnahme soll die Vermittlung durch die Bundesagentur für Arbeit und Qualifizierung auf Basis der neu erworbenen Qualifizierung erfolgen.

Die wirklichen Profiteure der SPD-Pläne wären Besserverdienende, denn Geringverdiener stellen sich manchmal mit Hartz IV nicht schlechter als mit ALG I. Klingt paradox, aber ALG I bringt es nur auf 60 Prozent des Nettolohns. Wer wenig verdiente, kommt mit 60 Prozent seines letzten Lohns nicht weit. Alleinstehende Hartz-IV-Bezieher bringt es derzeit im Monat auf 409 Euro. Samt der vom Jobcenter übernommenen Wohnkosten ist häufig der Abstand zum ALG I nicht mehr allzu groß. Mit Frau und einem Kind, kommt man – ohne Wohnkosten – sogar auf mehr als 1000 Euro. Wie kommen die Pläne von Nahles und Schulz an? Bei den Gewerkschaften gut. Auch die Opposition begrüßt die Ankündigungen, hält sie aber für völlig unzureichend, da am Hartz-IV-System nicht gerüttelt werde. Die Grünen-Arbeitsmarktexpertin Brigitte Pothmer wirft der SPD vor, vor allem ältere männliche Facharbeiter im Blick zu haben. Die Union schießt scharf gegen Schulz – ein Linksruck, verbunden mit Schlechtreden des Landes, helfe nicht weiter. Statt das ALG I länger auszuzahlen, müsse an der Agenda 2010 festgehalten und das Wachstum befördert werden.

Wie lange wird Arbeitslosengeld gezahlt? Bislang kommt es darauf an, wie lange jemand eingezahlt hat und wie alt jemand ist.

Arbeitslosengeld

Versicherungsverhältnis mindestens vonVersicherungsverhältnis mindestens vonnach Vollendung desAnspruchs-dauer inAnspruchs-dauer in
Monaten*Kalendertagen*LebensjahresMonatenKalendertagen
123606180
164808240
2060010300
2472012360
309005015450
3610805518540
4814405824720
*binnen der letzten 5 Jahre
Wie lange bekommt jemand Arbeitslosengeld?

 

Das soll sich ändern, so die SPD nach der Bundestagswahl den Kanzler stellt. Das Arbeitslosengeld soll dann um die Dauer der Qualifizierungsmaßnahme verlängert werden. Das könnten maximal 48 Monate sein. Ist das nicht ein Anreiz zur Frühverrentungen? Werden Ältere nicht motiviert, bis zu vier Jahre vorher aus dem Job auszusteigen? Die Meinungen gehen in der Beziehung natürlich auseinander. Die Arbeitgeber fürchten das, die Gewerkschaften klatschen Beifall.

Einen Vorwurf muss sich die SPD wohl gefallen lassen. Der CDU-Arbeitsmarktexperte Karl Schiewerling fürchtet, dass “ein Rechtsanspruch auf Qualifizierung, die nicht den Bedarf am Arbeitsmarkt im Blick hat, (…) dazu führen wird, dass viele auch nach Abschluss der Weiterbildung keinen Arbeitsplatz finden werden”.

Die SPD will die Bundesagentur für Arbeit umbauen und das Thema Qualifizierung stärker integrieren. Das sind die Vorstellungen der SPD:

Ein wesentliches Element der Arbeitsversicherung ist ein Recht für alle Beschäftigten auf Kompetenzfeststellung und Lebenslaufberatung durch die Bundesagentur für Arbeit und Qualifizierung. Beschäftigte sollen jederzeit in ihrem Berufsleben eine unabhängige Beratung in Anspruch nehmen können, die ihnen aufzeigt, welche beruflichen Perspektiven sie mit ihren vorhandenen Qualifikationen haben und welche Optionen für eine berufliche Weiterbildung sinnvoll sind. Im Bedarfsfall können aufbauend auf der Beratung erforderliche Qualifizierungsmaßnahmen durch die Arbeitsversicherung gefördert werden.

 

Was kostet das?

Die SPD geht intern von rund einer Milliarde Euro, das voraussichtlich nicht die Steuerzahler tragen, sondern die Arbeitslosenversicherung. Ob die Qualifizierung wirklich im Sinne der Arbeitslosen und der Wirtschaft ist, wird sich erst noch heraus stellen. Erst die Zukunft wird zeigen, ob Schulz’ Modell wirklich die richtige Lösung war. Aber noch ist es ja nicht so weit.

Wie es aussieht, stimmt die große Mehrheit der Deutschen laut Meinungsforschungsinstitut Emnid dem Vorstoß von Schulz in punkgto Arbeitslosengeld I zu.

 

http://rentenbescheid24.de/rente-mit-58-mit-dem-arbeitslosengeld-q/

https://twitter.com/FAZ_Wirtschaft/status/839091403875581954

 

 




Wie lässt sich Arbeit altersgerecht gestalten?

Politiker und Ökonomen fordern, dass Ältere länger arbeiten sollen. Können sie das auch? Wie stellen sich Unternehmen darauf ein? Längst ist nicht alles ideal – höchste Zeit nachzubessern oder überhaupt erst mal loszulegen.

Zwar steigt der Anteil älterer Beschäftigter in den Belegschaften peu à peu, aber von den 63-Jährigen sind der Bundesagentur für Arbeit nur noch 15 Prozent Vollzeit beschäftigt, von den 64-Jährigen sind es lediglich 10,3 Prozent, selbst von den 60-Jährigen sind nur 35,2 Prozent Vollzeit beschäftigt. So sah im vergangenen Jahr die Realität aus. Dabei altern Deutschland und Italien in Europa am schnellsten. Dem Statistischen Bundesamt zufolge waren 2016 hierzulande 21 Prozent älter als 65 Jahre – getoppt nur von Italien mit 22 Prozent. Die jüngste Bevölkerung hat übrigens Irland mit 13 Prozent 65plus-Einwohnern.

Immer weniger Aktive und mehr Alte

Unternehmen stehen der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) vor der Herausforderung, Rahmenbedingungen für eine längere Lebensarbeitszeit zu gestalten. Die BAuA hat deswegen die Broschüre die „Alterns- und altersgerechte Arbeitsgestaltung“ herausgebracht. Die baua: Praxis vermittle systematisch und praxisnah den aktuellen Forschungsstand – plus Hinweise auf die Möglichkeiten einer alterns- und altersgerechten Arbeitsgestaltung.

2030 werden laut BAuA voraussichtlich nur noch 39 Millionen Menschen im erwerbsfähigen Alter in Deutschland leben. 2010 seien es noch rund 45 Millionen. Schon aus Eigeninteresse müsste den Unternehmen daran gelegen sein, qualifiziertes Personal möglichst lange und leistungsfähig im Unternehmen halten – am besten bis zur Regelaltersrente. Eigentlich dürfte es sich von selbst verstehen, dass ein gutes Betriebsklima und ergonomische Arbeitsumfeld motivieren. Motivierte Beschäftigte, sind gesunde Beschäftigte, die seltener krank werden – gut für die Effizienz. Leider ist das bei vielen Führungskräfte noch nicht angekommen.

So sieht altersgerechte Arbeit aus

Die Broschüre der BAuA verdeutlicht, worauf es bei der alterns- und altersgerechte Gestaltung der Arbeit ankommt. Sie gibt konkrete Hinweise auf Gestaltungsmöglichkeiten im Betrieb – und ist gedacht für Verantwortliche in Betrieben, Arbeitsschutzakteure, Beratende, sowie Vertreter der Sozialpartner.

„Alterns- und altersgerechte Arbeitsgestaltung – Grundlagen und Handlungswissen für die Praxis“; Inga Mühlenbrock; 1. Auflage; Dortmund; Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin 2016; ISBN: 978-3-88261-216-5; 100 Seiten, DOI: 10.21934/baua:praxis20161116. Die baua: Praxis gibt es als PDF im Internetangebot der BAuA unter www.baua.de/publikationen.




Immer mehr ältere Menschen in Deutschland arbeiten

Warum arbeiten immer mehr Alte in Deutschland? Die Zahl der 65- bis 69-Jährigen, die noch einer Erwerbstätigkeit nachgehen ist von 2005 bis 2015 deutlich gestiegen – von 6,5 auf immerhin 14,5 Prozent, so das Statistische Bundesamt. Das ist jeder Siebte. Warum ist das so?

Gründe fürs Arbeiten im Alter

Viele dürften schlicht und einfach gezwungen sein zu arbeiten, wenn auch nur wenige Stunden pro Woche, weil die Rente nicht zum Leben reicht. Andere wollen sich noch einbringen und ihr Wissen an Jüngere weitergeben. Eine dritte Gruppe kann gar nicht anders, weil sie in der Arbeit die Erfüllung sieht. Das dürfte vor allem für viele Selbstständige und ihre mithelfenden Familienangehörige zutreffen. Das geht auch aus den Zahlen der Statistiker hervor. Übrigens ist die Erwerbstätigenquote bei Akademikern in dem Alter auch höher als bei Nicht-Akademikern.

Baden-Württemberger arbeiten am längsten

Interessant ist auch, wie sich das Arbeiten-im-Alter regional verteilt. Den Statistikern zufolge hat Baden-Württemberg mit 19,4 Prozent den höchsten Anteil arbeitender 65- bis 70-Jähriger. Am Ende des Ranking steht Sachsen-Anhalt mit 11,7 Prozent.

Im Westen arbeiten mehr Alte noch

Generell ist es so, dass im Osten mit 13,1 Prozent weniger Menschen im Rentenalter arbeiten als im Westen mit 17,5 Prozent. Klar, weil im Osten meist die Arbeitsplätze für Ältere fehlen. In Boom-Regionen wie München sieht die Lage meist anders aus – eben auch für die Altersgruppe der 65- bis 70-Jährigen.


In welchen Branchen Rentner arbeiten

BerufeZahl arbeitender Rentner
Büro125279
Reinigung105586
Hausmeister74367
Zustelldienst54146
Verkäufer42632
Lager41797
Busfahrer39332
Lkwfahrer29830
Wachdienst23419
Taxifahrer22947
Quelle: Bundesagentur für Arbeit

Spitzenreiter Estland

Übrigens, Deutschland liegt bei der Erwerbsquote älterer Menschen über dem europäischen Durchschnitt, der liegt bei 11,7 Prozent. Nur in Ländern wie Dänemark, Estland, Irland, Lettland und Litauen arbeiten noch mehr im Rentenalter als in Deutschland. Spitzenreiter ist Estland mit 29,3 Prozent, gefolgt von Schweden und Großbritannien.

Lebenserwartung in Deutschland

In dem Zusammenhang ist es auch interessant, wie viel Zeit den heute 65-Jährige noch bleibt: Die Lebenserwartung für heute 65-jährige Männer liegt zurzeit bei 17,69 Jahren und für 65-jährige Frauen bei 20,90 Jahren, so das Statistische Bundesamt.

… und hier die Zahlen von Eurostat

Erwerbstätigenquote der 65- bis 69-Jährigen  
20052015
EU-28*8.811.7
Deutschland6.514.5
Belgien3.54.9
Bulgarien4.89.3
Dänemark13.415.3
Estland22.229.3
Finnland6.814.2
Frankreich2.85.9
Griechenland9.67.9
Irland15.119.2
Italien6.98.6
Kroatien10.86.7
Lettland17.917.6
Litauen8.816.1
Luxemburg5.3
Malta4.38.6
Niederlande9.213.1
Österreich5.89.3
Polen9.99.5
Portugal27.718.2
Rumänien24.717
Schweden13.721.6
Slowakei2.95.2
Slowenien11.96.7
Spanien4.64.9
Tschechische Republik8.110.7
Ungarn3.74.6
Vereinigtes Königreich14.421.2
Zypern18.912.1
*in Prozent; Quelle Eurostat

Länger leben: 100 Blicke aufs Alter – vor allem das Arbeiten im Alter

https://www.youtube.com/watch?v=ItlgOEzaTWQ

100 Interviews und 4000 Antworten auf 40 Fragen. Die Interviewpartner sind 60 bis über 90 Jahre alt und stammen aus ganz Europa. Originalton mit Untertiteln.

Weiterführende Links: 




Wehe, wenn die heile Rentenwelt zerbricht

Die gesetzliche Rentenversicherung steht auf tönernen Füßen und wird ohne Reformen nicht überleben. Eigentlich müsste das jeder begreifen. Politiker wie Andrea Nahles und Sigmar Gabriel gaukeln uns vor, dass das “bekloppt” ist. Sind nicht eher sie bekloppt, weil sie die Wahrheit verschleiern? Wenn wir länger leben, weniger Kinder in die Welt setzen, werden wir auch mit weniger Rente auskommen und länger arbeiten müssen. An dieser Logik kommt keiner vorbei. Wehe, wenn die vermeintlich heile Rentenwelt zerbricht.

Fürchtet euch vor Altersarmut – Rente wird nicht reichen
Sinkendes Rentenniveau führt zur Altersarmut
Altersarmut-Anstieg droht, Rentenplus reicht nicht
Hohe Miete, Gefahr der Altersarmut, Münchner gefährdet
Viele Junge juckt Altersvorsorge herzlich wenig

Rente ist eine Umlageverfahren

Eins und eins ist zwei oder drei minus eins oder vier geteilt durch zwei – das gilt auch für die gesetzliche Rente, die als Umlageverfahren von den Beiträgen der aktiven Erwerbsbevölkerung gespeist wird. Die Verhältnisse zwischen Beitragszahlern und -empfänger ändert sich und damit muss sich auch die gesetzliche Rente anpassen. Einige Politiker, allen voran Bundessozialministerin Andrea Nahles gaukelt uns vor, dass nicht sein kann, was nicht sein darf. “Nur einmal hatte Berlin den Mut und die Kraft aufgebracht, den Menschen die Wahrheit über den Zustand der Alterssicherungssysteme zu offenbaren und Anpassungen am Umlageverfahren vorzunehmen: Die Beiträge wurden gedeckelt, das Rentenniveau nach unten geschleust und das Renteneintrittsalter auf bis zu 67 Jahre erhöht”, erinnert Stephan Lorz von der “Börsenzeitung”. Und, was waren die Folgen? Der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder wurde abgestraft. Die Wähler wollten die Wahrheit nicht hören. Zugegeben, was Schröder einführte, war nicht alles toll, aber der Ansatz stimmte. Nahles dreht die Reformen wieder zurück, ohne Rücksicht auf die nachkommenden Generationen.

Wie funktioniert das Umlageverfahren – ein Erklär-Video

https://www.youtube.com/watch?v=fM6S9tjCnuU

Anhebung des Renteneintrittsalters

Und noch immer ist es so, dass angeklagt wird, wer die Wahrheit sagt. So geht es zurzeit der Deutschen Bundesbank, die in ihrem Monatsbericht hochrechnete, dass “eine schrittweise Anhebung (des Renteneintrittsalters) auf etwa 69 Jahre bis zum Jahr 2060” notwendig wäre. Und trotz dieses Schritts “stiege der Beitragssatz aber wohl auf eine Größenordnung von 24 Prozent, und das Versorgungsniveau der gesetzlichen Rentenversicherung ginge auf eine Größenordnung von rund 44 Prozent zurück”. Das heißt, selbst das wird langfristig nicht reichen, um die Rente zu stabilisieren. Die Dänen haben das schon längst begriffen und lassen das Renteneintrittsalter bis 2022 auf 67 Jahre steigen, ab 2030 dann auf 68 Jahre, ab 2035 auf 69 Jahre – und dann ab 2060 alle fünf Jahre um ein weiteres Jahr, sodass unsere nördlichen Nachbarn dann ab 2100 erst mit 77 Jahren in Rente gehen.

Bei der Rente alles in Butter?

Aber das alles liegt ja weit in der Zukunft, deswegen ist es populär und wählerwirksam, den Leuten vorzugaukeln, alles wäre bei der Rente in Butter. “Schließlich könne es doch nicht sein, dass die Menschen immer länger leben, damit auch immer länger Rente beziehen, die Zeit ihres Erwerbslebens aber zementiert und jede Debatte darüber tabuisiert wird”, kritisiert Lorz.

Obwohl Andrea Nahles “erst” im Juni 1970 geboren ist und damit 46 Jahre alt, macht sie Klientelpolitik für die Alten. Denn ausbaden werden ihre Politik die Jungen müssen. So schön es ist, dass die Lebenserwartung steigt, so zwingend ist es, dass Rentenpolitiker – und die Gesellschaft – sich darauf einstellen. Je länger Ruheständler ihr Altersgeld beziehen, desto mehr müssen sie in den aktiven Jahren vorgesorgt haben oder desto mehr künftige Beitragszahler müssen sie in die Welt gesetzt haben.

Nahles’ Rechnung geht nicht auf

Wir alle werden erleben, dass Nahles’ Rechnung nicht aufgeht, weil eins und eins eben nicht drei ist. Wahrscheinlich wird heimlich am System geschraubt, so dass für die Rentner unterm Strich weniger übrig bleibt, gleichzeitig werden die Beiträge steigen und zusätzlich wird der Bundeszuschuss zur Rente steigen. Schon heute überweist der Bund annähern 87 Milliarden Euro an die Rentenkasse, 2017 werden es dann mehr als 91 Milliarden Euro sein und schon in wenigen Jahren ist die 100-Milliarden-Euro-Marke geknackt. Nicht weiter schlimm, oder? Nun, das Geld, das an die Rentenkasse geht, fehlt anderswo – in der Bildung, bei der Infrastruktur oder der Verteidigung. Das ist ein schleichender Prozess, der erst dem auffällt, der Deutschland beispielsweise mal mit Skandinavien vergleicht.

Andrea Nahles weiß um die Brisanz des Themas und hat für Oktober Arbeitgeber, Gewerkschaften und Sozialverbände zu einem Treffen eingeladen – wichtigestes Thema “die gesetzlichen Rente”.

Also, es bleibt spannend. Insofern war das sicher nicht der letzte Beitrag zu dem Thema.

Schon in etwa 25 Jahren wird es mehr Nettoempfänger als Nettozahler geben, weil die Bevölkerung altert. Das hat das Prognos-Institut ermittelt im Auftrag der arbeitgebernahen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM). Das trifft vor allem die Rentenkasse. Prognos zufolge ist derzeit die Gruppe der Nettozahler mit 56 Prozent noch in der Mehrheit. Doch ab 2020 gehen die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer verstärkt in Rente. Gleichzeitig wachsen immer weniger Junge in die mittlere Altersgruppe nach. Im Jahr 2040 gehören laut der Studie folglich nur noch 49 Prozent der Bevölkerung zu den Nettozahlern. Dann stehen laut der Erhebung 38,2 Millionen Nettozahler 41 Millionen Nettoempfängern gegenüber – derzeit sind es noch mehr Zahler. Je nach dem sich die Bevölkerung entwickelt, droht 2040 Bund, Ländern, Kommunen und Sozialkassen ein Finanzdefizit in zwei- bis dreistelliger Milliardenhöhe. Würde es keine höheren Beitragssätze und Steuern geben als heute, ergäbe sich durch die demografische Entwicklung beim Defizit der Haushalte demnach ein Wert von 144 Milliarden Euro im Jahr 2040. Allein zur Finanzierung der gesetzlichen Rente fehlten dann 83 Milliarden Euro. Würden die Sozialbeiträge für Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung aber von derzeit knapp 40 auf knapp 50 Prozent im Jahr 2040 steigen, hätten die öffentlichen Haushalte nur ein Minus von 24 Milliarden Euro. Dies würde aber eine entsprechende Mehrbelastung der privaten Haushalte und Unternehmen bedeuten. Sozialministerin Andrea Nahles (SPD) hatte angekündigt, im November ein Konzept für die Rente vorzulegen, in dem auch eine “Haltelinie” fürs sinkende Rentenniveau definiert sein soll

Weiterführende Links: 


… und dazu passende Tweets

https://twitter.com/SPIEGELONLINE/status/766216955959271424

https://twitter.com/welt/status/766083013407076352

https://twitter.com/SPIEGEL_Politik/status/765644733565796352




Macht Merkel Politik für die Babyboomer-Generation?

Was „Opakratie“ bedeutet, haben jüngst wieder junge Briten erfahren, die bei der Frage nach dem „Brexit“ von den Alten dank ihrer Mehrheit überstimmt worden sind. Die Babyboomer-Generation hält die Fäden in der Hand und bestimmt über das Schicksal der Nation – nicht nur in Großbritannien, sondern vor allem auch in Deutschland. Verspielen wir unsere Zukunft? Diese Frage treibt Wolfgang Gründinger in seinem Buch „Alte Säcke Politik“ aus dem Gütersloher Verlagshaus um.

Der Zukunftslobbyisten ist Sprecher der Stiftung Generationengerechtigkeit und hält mit seiner Ansicht über die Bundeskanzlerin Angela Merkel nicht hinterm Berg. „Merkel macht Politik für die Generation der Babyboomer, und die wollen keine Wunder und keine Experimente, sondern ihre Ruhe“, so der heute 32-Jährige. Ruhe als erste Bürgerpflicht – Merkel verkörpert diese Eigenschaft und vermittelt sich auch den Bürgerinnen und Bürgern.

Ruhe heißt freilich nicht selten Stillstand. Genau das wirft der Anwalt der Jungen Merkel vor. Kein einziges Reformprojekt habe die Kanzlerin zu Ende geführt. „Bildungsrepublik, Regulierung der Finanzmärkte, Energiewende, Rentenreform, Elektromobilität oder digitaler Wandel: Überall regiert die Kanzlerin so vor sich hin und sonnt sich in alternativloser Beliebtheit“. Gündinger belässt es nicht mit Vorhaltungen, er kann sie auch belegen – seine Zeilen sind gespickt mit Anmerkungen und Charts.

Deutschland im Weckglas

Der Aktivist möchte die Gesellschaft mit seinem Buch aufwecken, denn das „Land im Weckglas“ brauche einen Weckruf.  Für diese kollektive Geisteshaltung spiegelt sich sogar in dem Verb „merkeln“ wider – einem der Jugendwörter des Jahres 2015. Übrigens hat sich „Smombie“ – eine Kombinationaus Smartphone und Zombie – durchgesetzt.

„In Deutschland haben die Alten das Sagen“, auch „weil die Politiker in vorauseilendem Gehorsam genau das tun oder genau das unterlassen, von dem sie glauben, dass die Mehrheit der Alten es möchte oder eben nicht möchte“, urteilt Gründinger. Ja, und? Ist das schlimm? Der Politikwissenschaftler meint „ja“, weil wir – und damit meint der Deutschland – unsere Zukunft verspielen. Viele ahnen es vielleicht und sie werden von einem unbestimmten Gefühl umgetrieben. Dafür findet der Autor die richtigen Worte. Seine Generation erbe keine schöne heile Welt. „Wir spüren die Probleme nur noch nicht, die sich zwar unter der Oberfläche, dafür aber umso massiver zusammenballen“, beschreibt er die Stimmung. Die auf Kurzatmigkeit geeichte Politik verwalte den Stillstand. Die Elite dieses Landes analysiert zwar gern die Probleme und begreift den Handlungsdruck, den Worten folgen jedoch keine Taten oder „zu spät, zu verzagt“. Oft genug folgen auch die „gänzlich falschen Taten. Dabei unterscheidet sich Merkel in nichts von der Sozialdemokratie, die „Opakratie“ drückt auch der „Sozialpolitik ihren Stempel“ auf.

Wir leben von der Substanz

„Deutschland fährt auf Verschleiß“, kritisiert der Kosmopolit und vergleicht uns mit anderen Nationen. Das betrifft Straßen, Wasserleitungen, Schulen, Kitas und Bahn. Die Merkel-Regierung investiert immer weniger in Infrastruktur, ablesbar an der nominalen Investitionsquote. In punkto Internet-Geschwindigkeit sind wir weit abgeschlagen, offene WLANs sind eher die Ausnahme als die Regel. Für Bildung geben wir deutlich weniger aus als Dänen, Isländer, Norweger, Kanadier, Belgier, Finnen und Franzosen. „Wir leben von der Substanz“, klagt Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. Das sei alles andere als Generationengerechtigkeit, empört sich Gründinger. „Generationengerechtigkeit heißt nicht nur, dass der Staat nicht mehr Schulden macht, als die nachfolgende Generation an Zinsen ertragen kann; Generationengerechtigkeit heißt auch – die Konsolidierung des Staatshaushalts darf keinesfalls auf Kosten der Zukunftsinvestition stattfinden“, so der Zukunftslobbyist.

Reform der Beamtenpension ist überfällig

Es ist sein Verdienst, diese Lage analysiert zu haben – und aktiv Partei zu ergreifen. Ja, wir Alten müssen uns den Spiegel vorhalten lassen. Wobei, die jüngsten populistischen Rentenentscheidungen gehen nicht von einem „Alten Sack“ aus, sondern von einer 46-jährigen Sozialistin, sprich Andrea Nahles. Sie hat die Mütterrente und die Rente mit 63 eingeführt. Die Arbeits- und Sozialministerien dreht die Reformen der Schröder-Ära nach und nach zurück, egal, ob sie finanzierbar sind oder nicht – und generationenverträglich. Sie verteilt Wahlgeschenke zu Lasten der nachfolgenden Generationen. Dabei leiden die Jungen ja nicht nur unter dem sinkenden Rentenniveau, sie spüren auch noch die anhaltend niedrigen Zinsen – und, die Merkel-Regierung hinterlässt ihnen noch ein herunter gewirtschaftetes Land. Ganz abgesehen davon, dass auf sie gigantische Schuldenberge warten und in der Zukunft abgetragen werden müssen.

Gründinger hat ein Problem verortet, dessen sich die meisten noch gar nicht so richtig bewusst sind: die Beamtenpensionen. Der Staat habe sich „eine gigantische und unsichtbare Last mit seinen Zahlungspflichten für die Beamtenversorgung auferlegt. Die Lasten werden sich Gründinger zufolge von heute 27 Milliarden Euro auf 86 Milliarden Euro im Jahr 2045 annähernd verdreifachen – und dafür gibt es keine Rückstellungen. Das wirklich Schlimme daran: niemand steuert ernsthaft dagegen. Warum das so ist? „Die Beamtenpensionen sind vermintest Terrain, das kaum ein Politiker zu betreten wagt, weil er sich der Abstrafung durch die Beamtenlobby sicher sein kann, jegliche Reformen aber mühselig sind und erst auf lange Sicht wirken“, hat Gründinger ganz richtig erkannt.

Niedrigzinspolitik führt ins Desaster

So brillant die Analyse, so schwach ist seine Handlungsanweisung für eine Änderung der Verhältnisse, die zurzeit gegen die Jungen gerichtet sind. Sich nur zu empören, reicht nicht. Auch der Aufruf, die Märkte zu verändern, führt in die Irre. Der Markt sind wir alle, aber nicht der Markt hat die Niedrigzinsphase eingeleitet, das war der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) Mario Draghi. Geld kostet nichts mehr – und das ist fatal. Ja, die Bundesregierung wird noch von den Gläubigern bezahlt, wenn sie Anleihen ausgibt. Was für eine perverse Welt. Er weitet ungestraft die Bilanzsumme der EZB aus und bürdet den nachfolgenden Generationen eine unheimliche Last auf.

Wahrscheinlich muss der Leidensdruck noch viel, viel stärker werden, bis die Gesellschaft reagiert und erkennt, dass die gegenwärtige Politik die Zukunft verspielt. Das wird dann allerdings richtig schmerzen. Eine Vorgeschmack bekommen wir bereits.

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Mit Rentenbeginn zum Sozialhilfeempfänger

Deutschland gehört zu den Ländern, in denen das Rentenniveau am niedrigsten ist. Normalverdiener werden künftig zu Sozialhilfeempfängern, weil ihre gesetzliche Rente nicht mehr für ein auskömmliches Leben reicht. Schuld an dieser Entwicklung ist die Agenda 2010, die damals 2003 vom Ex-Kanzler Gerhard Schröder verkündet wurde. Das Rentenniveau sinkt und sinkt und sinkt – mittlerweile sind wir bei einem Niveau (netto vor Steuern – alte Bundesländer) von 47,5 Prozent angekommen. 47,5 Prozent heißt, davon wird noch die Kranken- und Pflegeversicherung abgezogen. Letztlich bleiben dem Rentner lediglich 43,9 Prozent übrig. Die Standardrente eines abhängig Beschäftigten – sorry für diese Formulierung – liegt dann bei 1301 Euro, wie die deutsche Rentenversicherung errechnet hat. Die Standardrente in den neuen Bundesländern lag 2014 bei 1188 Euro – und dürfte 2015 um die 1200 Euro liegen, also noch hundert Euro unter der „West-Rente“.

653 Euro Rente für 48 Arbeitsjahre

Das ist, wohlgemerkt, eine Durchschnittsrente, denn viele liegen auch deutlich darunter, wie der Fall Hans-Peter Mußmann beweist. Mußmann ist bei der Bahn beschäftigt und bekommt nach 48 Arbeitsjahren nur 653 Euro gesetzliche Rente, wie der MDR in einem Film berichtet.  Mußmann ist ganz erstaunt, dass seine Kollegen, die 1994 und 2003 in Rente gingen, deutlich mehr bekommen – der eine 1417 und der andere 915 Euro. Die “Seniorenhilfe” hat parallel dazu ausgerechnet, dass ein Gärtner beispielsweise, der “45 Jahre gebuckelt hat, lediglich 22,29 Entgeltspunkte” einsammelt. Das mache, bezogen auf sein Arbeitsleben 569 Euro Rente aus. Damit wird der Gärtner zum Fall fürs Amt. “Wozu ist eine Pflicht-Rentenversicherung gut, die nicht mal die Existenz im Alter sicher?”, klagt der Verein an. Auskömmliche Renten seien bei Niedrig- oder Mindestlöhnen nicht zu erreichen, so die “Seniorenhilfe”. Wer heute nur den Mindestlohn von 8,50 Euro bekommt, kann sich im Alter gleich auf den Gang zum Amt einrichten.

Klar, dass Mußmann verbittert ist. Das ist freilich die grausame Logik der Agenda 2010. Die Rente wird der demografischen Entwicklung angepasst – und zwar so dramatisch, wie es sich die meisten kaum vorstellen können. Mittlerweile gehört Deutschland zu den Ländern, in denen das Rentenniveau am niedrigsten ist – und dabei ist die Steuer noch gar nicht berücksichtigt. In Frankreich, Großbritannien, Italien, Österreich und den Niederlanden liegt das Rentenniveau von Geringverdienern deutlich höher.

 

Das Rentenniveau in Deutschland ist niedriger als anderswo in Europa

Das Rentenniveau in Deutschland ist niedriger als anderswo in Europa

Mußmann ist zu Recht verbittert, dass er so wenig bekommt. Aber Kanzler Schröder hat mit Blick auf den demografischen Wandel das Rentenniveau gezielt abgesenkt. Deswegen bekommen seine Kollegen, die 1994 und 2003 in Rente gingen deutlich mehr Ruhestandsgeld. Übrigens, Mußmanns Kollegen werden künftig sogar noch weniger bekommen, denn das Rentenniveau wird 2030 nur noch bei 43 Prozent liegen – noch einmal 4,5 Prozent niedriger als heute.

 

Wenn es denn nur die Absenkung des Rentenniveaus wäre. Das Sozialgesetzbuch wurde seit 1992 ständig geändert. Kräftig gekürzt wurden beispielsweise die Anrechnung von Schul- und Studienzeiten, wie jeder Akademiker bejaht. Bis 1992 wurden noch 13 Jahre anerkannt, anschließend ging es rapide nach unten und es wurde schrittweise abgesenkt auf sieben und dann drei Jahre. Wer sich in Sicherheit wiegte, musste beim Lesen seiner Rentenauskünfte erschreckt feststellen, dass ab 2009 Schul- und Studienzeiten gar nicht mehr berücksichtigt wurden – einfach gestrichen, also von wegen Vertrauensschutz. Wer beispielsweise vor 1994 in Rente ging, konnte noch mit 60 Jahren ausscheiden, ohne große Kürzung hinnehmen zu müssen. Heute hingegen wird die Rente gekürzt, wer vorzeitig in den Ruhestand geht – 0,3 Prozent pro Monat, den ein Vorruheständler früher in Rente geht. Das Schlimme dabei – in Zukunft wird es nicht besser, sondern schlimmer. Wer künftig in Rente geht, muss mit noch weniger rechnen.

Nur noch Verschlechterungen für Rentner

Ach ja, da kommen ja auch noch die Verschlechterungen bei der Krankenversicherung hinzu. Heute zahlen Rentner beispielsweise bei der Techniker Krankenkasse 8,3 Prozent vom beitragspflichtigen Einkommen, die Arbeitgeber 7,3 Prozent – ein Prozent macht der Zusatzbeitrag aus. Dazu kommt die Pflegeversicherung von 2,35 Prozent (Zuschlag für Kinderlose von 0,25 Prozent). Wer übrigens eine Betriebsrente bezieht, zahlt den vollen Beitragssatz.

Künftig auf staatliche Hilfe angewiesen

Diese Entwicklung führt dazu, dass künftig mehr Rentner – und nicht nur Mußmann – auf staatliche Hilfe angewiesen sind. Ende 2015 waren es schon 7,55 Millionen Menschen und damit 9,3 Prozent der Bevölkerung, so Statistische Bundesamt. Es werden künftig noch mehr werden, wenn das Rentenniveau noch weiter sinkt. Das heißt, der Staat wird die Mittel für die Grundsicherung aufstocken müssen.

Abschließend noch ein paar Worte zum Thema Rentenniveau. Wie der Staat das Rentenniveau absenkt, ist im Sozialgesetzbuch so festgeschrieben, § 154 Abs. 3 SGB VI. Wer lesen kann, ist klar im Vorteil. Sorry, das war sarkastisch gemeint. In diesem Werk steht:

„Die Bundesregierung hat den gesetzgebenden Körperschaften geeignete Maßnahmen vorzuschlagen, wenn

  1. der Beitragssatz in der allgemeinen Rentenversicherung … bis zum Jahre 2020 20 vom Hundert oder bis zum Jahr 2030 22 vom Hundert überschreitet,
  2. der Verhältniswert aus einer jahresdurchschnittlichen verfügbaren Standardrente und dem verfügbaren Durchschnittsentgelt … bis zum Jahr 2020 46 vom Hundert oder bis zum Jahr 2030 43 vom Hundert unterschreitet; verfügbare Standardrente ist die Regelaltersrente aus der allgemeinen Rentenversicherung mit 45 Entgeltpunkten ohne Berücksichtigung der auf sie entfallenden Steuern, gemindert um den allgemeinen Beitragsanteil sowie den durchschnittlichen Zusatzbeitrag zur Krankenversicherung und den Beitrag zur Pflegeversicherung; verfügbares Durchschnittsentgelt ist das Durchschnittsentgelt ohne Berücksichtigung der darauf entfallenden Steuern, gemindert um den durchschnittlich zu entrichtenden Arbeitnehmersozialbeitrag einschließlich des durchschnittlichen Aufwands zur zusätzlichen Altersvorsorge.“

Für Geringverdiener wird’s bitter

Da steht klipp und klar, wohin die Reise geht – in Richtung 43 Prozent. Was das heißt, kann sich jeder selbst ausrechnen. Selbst, wer mehr als der Durchschnittsbürger verdient, wird sich im Alter gewaltig einschränken müssen. Für Geringverdiener wird’s richtig bitter. Sie werden so viel – oder kaum mehr – wie Sozialhilfeempfänger bekomme. Der Fall Mußmann wird zur Normalität.

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Junge Alte länger fit

Junge Alte länger fit – warum das so ist? Die jungen Alten sind noch ganz schön fit – werden sie auch bleiben müssen, denn die Herausforderungen, die auf diese Gruppe zukommt ist enorm. Mit 17 Millionen sind es auch ziemlich viele. Was treibt die jungen Alten um, welche Probleme haben sie und wie gehen sie damit um. Dieser Frage ist das Statistische Bundesamt in ihrem Datenreport “Generation 65+” nachgegangen.

Das Interessanteste vorweg – der Anteil der Senioren (65+) ist auf 21 Prozent gestiegen, das heißt, jeder fünfte Deutsche ist älter als 65, fünf Prozent sogar älter als 80. Der Jugendquotient (Zahl der unter 20-Jährigen bezogen auf die Zahl der 20- bis unter 65-Jährigen) fiel der Behörde zufolge auf  31, er rangiert damit unter dem Altenquotient (Zahl der 65-Jährigen und Älteren bezogen auf die Zahl der 20- bis unter 65-Jährigen) mit 34. Anfang 1955 war das noch umgekehrt. So lag der Jugendquotient damals bei 50 und der Altenquotient bei 18, seit 2006 übersteigt der Altenquotient den Jugendquotienten.

Mehr Omas als Opas

Die Zahl der Jungs ist im Baby- und Kindesalter um fünf Prozent größer als die der Mädchen. Das ändert sich jedoch ab dem Alter von 60: Es sterben mehr Männer als Frauen, so dass das weibliche Geschlecht dann überwiegt. Der Altersgruppe der 70- bis 80-Jährigen überwiegen die Frauen mit einem Anteil von 55 Prozent, bei der Altersgruppe 80+ ist der Anteil sogar bei 68 Prozent. Das heißt, Männer sind dann Mangelware – oder anders ausgedrückt, es gibt viel mehr Omas als Opas.

Mangelware sind auch Kinder: 1964 wurden 1,36 Millionen geboren, 2009 mit 665 000 nur noch etwa die Hälfte. Das hat natürlich gravierende Auswirkungen auf das Rentensystem.

Dramatischer Bevölkerungsrückgang

Denn die Mädchen, die heute nicht geboren werden, können später als Frau auch keine Kinder bekommen. Es kommt zum Bevölkerungsrückgang, denn selbst die angenommene Zuwanderung wird nicht ausreichen, diesen Rückgang aufzuhalten.

Der Bevölkerungsrückgang wird den Statistikern zufolge bis 2020 erst moderat ausfallen. 2020 werden etwa zwei Prozent weniger Menschen als 2009 in Deutschland leben, 2030 etwa fünf Prozent und 2060 schließlich 21 Prozent weniger. Absolut wird sich die Einwohnerzahl von derzeit 81,8 Millionen auf 64,7  im Jahr 2060 vermindern. Gerade der Osten Deutschland wird sich regelrecht entleeren, das gilt insbesondere für Mecklenburg-Vorpommern, das jetzt schon zu den am dünnsten besiedelten Bundesländern gehört.

https://twitter.com/ALWO_Pflege/status/626836659259244544

Älter und einsamer

Wir werden nicht nur immer älter, wir werden auch immer einsamer. So nimmt gerade die Zahl der alleinlebenden Frauen ab 60 deutlich zu – bei der Gruppe 75+ leben sogar 60 Prozent allein. Bei den Männern dieses Alters sind es nur 20 Prozent.

Die demographische Entwicklung wirkt sich natürlich auf die gesetzlichen Renten aus. Für männliche Neurentner  in den alten Bundesländern zeigt sich den Statistikern zufolge ein deutlicher Rückgang ihrer Entgeltpunkte (EP), die ja maßgebend sind für die Rente: Die Anwartschaften des Medianrentners sinken im Zeitverlauf von etwa 47 um knapp elf Prozent auf 42 EP im Jahr 2009. Die Folge: Neurentner des Jahres 2009 bekommen im Schnitt vergleichsweise geringere Altersrenten als Neurentner der vorangegangenen Jahre. Am schlimmsten trifft es dabei die Rentner mit niedriger und mittlerer Rente. Nominal sank ihre Rente von 1072 im Jahr 1993 auf 1013 im Jahr 2009 – die Inflation trifft sie damit richtig hart.

Vergleich mit den europäischen Nachbarn

Noch ein Blick über den nationalen Gartenzaun – und ein Vergleich mit unseren europäischen Nachbarn:

Die Deutschen arbeiten im Schnitt länger als die meisten Nachbarn. So weist Deutschland bei den 60- bis 64-Jährigen 2014 eine Erwerbstätigenquote nach international vergleichbarer Abgrenzung der Arbeitskräfteerhebung von 53 Prozent aus, in Estland ist sie genauso hoch, in Schweden liegt sie bei 66 Prozent – der EU-Durchschnitt lag 2014 nur bei 37 Prozent.

In punkto Geburtenrate ist Deutschland so ziemlich das Schlusslicht. Damit sich die Bevölkerung eines Landes auf natürliche Weise jedoch reproduzieren kann, ist in hochentwickelten Ländern eine Zahl von durchschnittlich 2,1 Kindern je Frau erforderlich. Davon ist Deutschland mit 1,4 weit entfernt. Solange die Geburtenziffer unter diesem Wert bleibt, wird jede folgende Müttergeneration dem kleinen Einmaleins der Statistiker zufolge kleiner als die vorherige. Von den 27 EU-Ländern erreichte nur Irland 2009 knapp den Durchschnittswert von 2,1, in Frankreich waren es 2,0 Kinder je Frau. Die geringsten Geburtenziffern der EU verzeichneten Lettland, Portugal und Ungarn mit jeweils 1,3 Kindern je Frau. In Deutschland lag die durchschnittliche Kinderzahl mit 1,4 nur knapp darüber. Aber das sind die Werte von 2009 – 2015 sieht es deutlich schlechter in Deutschland aus, gemessen an der Geburtenrate von 2009 bis 2013, die sich auf die Zahl der Kinder pro tausend Einwohner bezieht. In dieser Beziehung ist Deutschland auf dem letzten  Platz mit einer Rate von 8,28 Geburten auf je tausend Einwohner. Um das auszugleichen, müssten jedes Jahr mehr als eine halbe Millionen Menschen einwandern.

https://twitter.com/TK_Presse/status/626771998186819584

https://twitter.com/insm/status/626723307216326656

“Berliner Morgenpost”: 65 oder älter – und stolz darauf

 

 




Wie Bestager gesund in Rente gehen

Gesund in Rente – das ist eher die Ausnahme. Jeder Fünfte oder sogar jeder Vierte fühlt sich ziemlich gestresst. Wenn das nur für kurze Zeit ist: kein Problem. Anders sieht es aus, wenn das Gestresstsein zum Dauerzustand wird. „Gestresst zu sein, gehört heute fast zum guten Ton“, schreibt die Techniker Kranken. Stress kostet Lebenszeit und wirkt sich auf die Gesundheit aus. „Das hält keiner bis zur Rente“, so das Buch von Hans-Peter Unger und Carola Kleinschmidt.

Recht haben die Beiden, die eine übrigens Diplombiologin, der andere Chefarzt des Zentrums für Seelische Gesundheit der Asklepios Klinik Hamburg-Harburg.

Ich habe ihr Buch aufmerksam gelesen und einiges notiert, was ich interessant und nützlich fand in dem 300 Seiten dicken Buch. Was mich am meisten erstaunte, war die Erkenntnis, dass wir – oder zumindest viele – „unser gehetztes Lebensgefühl paradoxerweise als ‚must have‘“ ansehen. Stress hält ein Stück weit die Gesellschaft zusammen – so unrecht dürften die Autoren nicht haben. „Stresstalk statt Smalltalk“, fassen sie es zusammen. Das sei der soziale Kitt. „Insofern hat es durchaus Sinn, über Stress zu jammern und zugleich nichts zu verändern. Die gemeinsame Klage schafft das soziale Miteinander, das uns sonst so sehr fehlt“. So wird’s nichts mit – gesund in Rente.

Karriere zu Ende, Schluss mit Stress – und nun?

Was passiert dann bloß in der Rente, wenn zumindest der berufliche Stress abfällt? Ich will das jetzt nicht tiefer gehend ergründen – vielleicht später. Es kann indes zum Problem werden. Rentner gehören nicht mehr zur Leistungsgesellschaft, damit bricht ein Stück Identifikation weg. Dessen sollten sich Vorruheständler schon mal bewusst werden.

Eine Zwischenbemerkung: Die Autoren verweisen auf eine Studie der Techniker Krankenkasse. Es lohnt sich in „Bleib locker Deutschland!“ einmal reinzuschauen. Ich denke, der eine oder andere nimmt brauchbare Erkenntnisse mit.

Dauerstress führt nicht selten zum Burnout – das ist die Notbremse. Die Mediziner klassifizieren das mit der Zusatzdiagnose Z 73, was für „Probleme mit der Lebensbewältigung“ steht. Oft wird das begleitet von Bluthochdruck, Rückenschmerzen bis hin zum Bandscheibenvorfall.

Woher kommt Burnout?

Woher kommt dieses Ausgebranntsein? Die Autoren des Buch haben es schön zusammengefasst – in dem Kapitel „Statt des Tigers fürchten wir soziale Ausgrenzung und Abstieg. Wir reagieren empfindlich auf mangelnde Wertschätzung. „Sobald wir das Gefühl haben, dass unsere Anstrengungen im Beruf oder Privatleben von den anderen nicht angemessen anerkannt und wertgeschätzt werden, geraten wir unter Stress“, so Unger und Kleinschmidt.

Sie erklären weiter, sie Stress entsteht und sich die Erschöpfungsspirale aufbaut. Es geht los mit Schlafstörungen, denen Energieverlust folgt und schließlich im Automatenleben endet mit Apathie und Selbstmordgedanken.

Interessant auch der Gedanke, dass „Unternehmen ausbrennen“. Wenn auch nur annähernd stimmt, was die Autoren schreiben, dann ist das erschreckend: „Fast die Hälfte der Unternehmen zeigt eine gewisse Erschöpfung und einen Mangel an Energie, der durchaus mit dem Energieschwund zu vergleichen ist, den Menschen erleben, wenn sie sich auf  der Erschöpfungsspirale abwärts in Richtung Burnout bewegen – die Leistungsfähigkeit ist reduziert, Präsentismus nimmt zu (trotz Krankheit am Arbeitsplatz erscheinen), die Produktivität geht zurück“. Ich denke, jeder kennt solche Unternehmen, wenn er denn nicht sogar in einem solchen arbeitet.

Mit 50 schon altes Eisen?

Was bedeutet das für die Vorruheständler? Wer anscheinend nicht mehr so leistungsfähig ist, wird ausgebremst oder sogar ausgeschlossen. „Ab spätestens 50 empfinden sich viele deutsche Arbeitnehmer wie ‚altes Eisen‘ und sorgen sich, auf Abstellgleich geschoben zu werden“, so die Beobachtung der Beiden. Ein Indiz dafür sei, die Unwilligkeit der Unternehmen, sie weiterzubilden: „Nur knapp 20 Prozent der 50- bis 65-Jährigen werden noch aktiv in Weiterbildungsprogramme der Unternehmen einbezogen“.

Gesund in Rente

Wie lässt sich gegensteuern? Wer bis ins Rentenalter gesund bleiben will, muss Risiko- und Schutzfaktoren ausbalancieren. Dabei ist „Gesundheit kein Zustand, sondern ein Prozess“. Es gilt, die Stressspirale „umzudrehen“. Die Autoren verweisen dabei auf den Soziologieprofessor Aaron Antonovsky, der „sich intensiv mit der Frage beschäftigte, was Menschen gesund hält“. Sein Konzept heißt „Salutogenese“. Es gibt laut Antonovsky drei Parameter, „die dafür sorgen, dass wir auch aus schwierigen Situationen gesund oder sogar gestärkt wieder herausfinden“. Dazu gehören:

  • die Verstehbarkeit (sich die Welt erklären können)
  • die Machbarkeit (überzeugt, Anforderungen zu meistern) und
  • die Sinnhaftigkeit (wir die Herausforderung als sinnvoll erachten)

Wenn es ein Menschen noch schafft, „die Ressourcen in sich selbst und in seinem Umfeld in dieser Weise zu nützen“, so sieht das Antonovsky als „Selbstkohärenz“ an. Ein anderes Wort, das in die gleiche Richtung zielt, ist die Resilienz oder psychische Widerstandskraft. Sie spielt im Berufsleben eine wichtige Rolle.

Mehr Resilienz, mehr Lebenslust

Wer es schafft, diese Resilienz zu pflegen, lebte mit größerer Wahrscheinlichkeit ein Leben, in dem er Herausforderungen effektiv begegne, Vorteile aus den Möglichkeiten ziehe, die sich ihm bieten, in dem er erfolgreich, gesund und glücklich sei in den Monaten und Jahren, die noch kommen, wird Barbara Fredrickson, Professorin für Psychologie an der University of North Carolina.

Das funktioniert, kurz zusammen gefasst mit Achtsamkeitsübungen. „Wer regelmäßig übt, stärkt beispielsweise ganz konkret vier Funktionsbereiche in unserem Gehirn“, so die Autoren:

  • die Aufmerksamkeitsregulation,
  • die Körperwahrnehmung,
  • die Emotionsregulation und
  • die Selbstwahrnehmung

Raus aus dem Hamsterrad kommt nur, wer lernt An- und Entspannung ins Lot zu bringen. Das klingt leichter als es ist.

Wichtig ist den Autoren auch ein gesundes Verhältnis zwischen positiven und negativen Gefühlen: Das Verhältnis sollte 3:1 sein – drei positive Gefühle, ein negatives Gefühl. Das Umschalten zwischen positiven und negativen Gefühle sei ein wichtiger Baustein unserer Resilienz.

Zum Schluss sechs Ideen für mehr Ausgleich:
  • „30 Minuten am Tag für mich“ – einfach sich selbst spüren
  • „Auf – und Abwärmphasen“ – bei jedem Wechsel kurz innehalten
  • „Ja-Puffer einbauen“ – nicht gleich „ja“ sagen, sondern ein Verzögerungsritual einbauen
  • „drei gute Dinge am Tag“ – am Abend notieren, was gut gelaufen ist
  • „weglassen statt draufpacken“ – sich selbst fragen, was könnte ich weglassen
  • „ein heiliger Termin“ – einmal pro Woche einen Termin mit dem Partner fixieren
Minipause

„Öffnen Sie kurz das Fenster und atmen Sie vier Mal ruhig ein und aus.“

Ein-Minuten-Atemmeditation

Wecker einstellen, davor entspannte Haltung einnehmen, den Körper bewusst spüren, Schultern lockern, Kinn gen Brust neigen, Hände locker auf die Knie legen, Handflächen nach oben, einfach sitzen ohne etwas Bestimmtes zu tun.

Liebende-Güte-Meditation

Zweck ist es, „bewusst positive Emotionen zu kultivieren und eine freundliche, zugewandte Haltung zu aktivieren, der der Sie Ihre Erfahrungen und den Menschen, der Sie sind, wohlwollend annehmen können“

Das ist nur eine knappe Zusammenfassung nützlicher und aufschlussreicher Ideen und Konzepte in diesem Buch „Das hält keiner bis zur Rente durch“. Erschienen ist es im Kösel-Verlag, München, 19,99 Euro.


Der Schweizer Bänz Friedli Kabarettist aus Zürich hat ein “Lob des Alters” in der Neuen Zürcher Zeitung verfasst und darin empfiehlt er

Es geht nicht darum, in Gestalt und Fitness «forever young» zu bleiben, sondern im Geist. Dann macht das Altern Spass.

und weiter

Älter werden heisst, man muss nicht mehr: dazugehören, mitmachen, sich beweisen. Man darf nur noch.

sowie

Kontakt zu Heranwachsenden ist der beste Schutz vor Kulturpessimismus.

ein lesenswerter Artikel.


 

https://twitter.com/BerndAmmon/status/624470055573659648

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