Wie fühlt sich Altwerden in Deutschland an?

Was heißt es, in Deutschland alt zu werden? Dieser Frage ist Michael Opoczynski in seinem Buch „Aussortiert und Abkassiert“ nachgegangen und kommt zu erstaunlichen Erkenntnissen. Was passiert heute mit den Alten? Werden sie von „skrupellosen Finanzberatern ausgenommen, in unzumutbaren Pflegeheimen entsorgt, ausgegrenzt bei der Arbeitssuche, diskriminiert wegen ihres Alters“? Ist das wirklich so? Der Blick fällt auf die anderen Alten, die ihr Leben aktiv leben, reisen, studieren, ihren Enkeln helfen, sich in der Integration von Flüchtlingen engagieren und ein Ehrenamt mit Elan ausfüllen. Wie fühlt sich Altwerden in Deutschland an?

Übrigens, ganz unten am Blog-Ende findet ihr ein kleines Quiz zum Thema Rente. Viel Spaß!

Vorsicht vor Abzockern

Opoczynski, den vielen noch als Leiter der ZDF-Wirtschaftsredaktion und Moderator von Wiso kennen dürften, warnt vor Abzockermethoden und Diskriminierung. Er geißelt den Umgang mit Alten in Pflegeheimen, sieht genau hin bei Altersarmut und plädiert dafür, dass sich das Denken ändern muss. Er will, dass den Alten der Respekt zurückgegeben wird.

Er wehrt sich gegen das euphemistische „Senior“ und andere Umschreibungen für die Alten. Warum nicht „Alter“ sagen. Nun, vielleicht weil alle zwar „alt werden wollen, aber niemand alt sein will“. Opoczynski verdeutlicht die Folgen, wenn einer aufgegeben hat, dass er schnell im gesellschaftlichen Nichts verschwindet.

Antrieb für sein Buch war: Er gehört mittlerweile selbst zu den Alten und bezieht seine Rente. Als Journalist hat er verschiedene Lebensentwürfe recherchiert; es interessierte ihn die Reaktion der Jüngeren auf die Älteren – und wo Alter ausgenutzt wird.

Altendiktatur – gibt’s die?

Der Ex-Wiso-Moderator glaubt nicht an eine Altendiktatur. Ob er damit nicht daneben liegt? Wie ist es denn mit der Rente mit 63? Eigentlich kann sich das Rentensystem dieses Zuckerl für eine bestimmte Klientel nicht leisten – und doch hat die Andreas Nahles, Bundesministerin für Arbeit und Soziales, sie eingeführt. Wie ist es denn mit der überproportionalen Rentenerhöhung 2016 – und der Ankündigung, die Renten werden bis 2030 im Schnitt um zwei Prozent steigen? Höhere Renten bedeutet im Umkehrschluss höhere Beiträge – und die treffen die Jungen. Die Regierung will mit ihrer Rentenpolitik vor allem das Wohlwollen der Alten, weil sie die Mehrheit stellen in diesem Land. In dem Punkt ist Opoczynski zu blauäugig. Weil das Geld hinten und vorne nicht reicht, muss der Staat zuschießen – von Jahr zu Jahr mehr. Es wird keinen Konflikt der Alten mit den Jungen geben, sondern der Alten mit der Politik. Bestes Beispiel sind die Direktversicherungsgeschädigten, die aufbegehren, weil die Politik, damals unter Sozialministerin Ulla Schmidt, die Regeln geändert hat, so dass Betriebsrentner auch mit alten Verträgen Arbeitgeber-und Arbeitnehmer-Beiträge an die Krankenkasse abdrücken müssen.

Heraus aus der Opferfalle

Ok, genug der Kritik – in seinem Buch geht er auf Diskriminierung der Alten ein; er zeigt, wie die Alten abgezockt werden von Trickdieben, wie ihnen alles Mögliche aufgeschwatzt wird. Alte Menschen seien das bevorzugte Ziel von Kriminellen. Sein Fazit lautet: „Heraus aus der Opferfalle“. Dieser Befund gilt auch für das Gesundheitssystem. Nicht selten werden Menschen in finstere Ecken abgeschoben.

Opoczynski greift auch Themen auf, die bislang in der öffentlichen Diskussion nicht vorkamen wie die „alten Männer“. Da werde einfach die Hälfte der Alten ignoriert. Dabei altern Männer anders als Frauen. Opoczynski geht auf Eckart Hammer ein, der selbst wiederum das Buch „Männer altern anders“ geschrieben hat – vielleicht ein Geschenkvorschlag.

Schweden als Modell für die Rente

Opoczynski geht in seinem Buch auch auf die Verhältnisse in anderen Ländern ein, darunter denen in den USA und Frankreich, in Schweden, Dänemark, Japan sowie China. Sein Resümee: „Schweden kann Modell für unser Rentensystem sein“.

Der frühere Wiso-Moderator geht der Frage nach, wie es die Alten mit der Arbeit halten und stößt dabei auf so interessante Ansätze wie „Granny Aupair“. Michaela Hansen aus Hamburg hat dieses Online-Portal gegründet und vermittelt Leihomas ins In- und Ausland. Darüber gibt es übrigens auch ein Buch: „Als Granny-Aupair in die Welt“. Opoczynski stellt in seinem Buch auch die Idee „Gründer 50plus“ vor. Statt arbeitslos zu sein – ein Unternehmen gründen. Nicht für alle, aber für einige ältere Arbeitslose kann das die Lösung sein.

Alte bei Finanzen für dumm verkauft

Ach ja, die schöne Warenwelt, die angeblich die Alten als Kunden gern sehen. Die Wirklichkeit sieht nach Opoczynskis Ansicht anders aus. Hersteller und Händler empfänden immer noch und gegen alle Ratschläge die Einstufung „alt“ als Killerkriterium – und seien irritiert bis erschrocken, wenn ihr Produkt bei Alten ankommt.

Am schlimmsten geht es den Alten allerdings bei den Finanzen, weil viele Banken und Sparkassen immer noch glauben, sie könnten „den Alten alles andrehe“, wie es der Buch-Autor formuliert, womit er sicher richtig liegt. Sein Tipp: „Keine Finanzprodukte kaufen, die man nicht restlos versteht“. Denn, das hat sicher jeder schon selbst festgestellt, dass Verkäufer ihren Kunden gern Produkte andienen, die besonders viel Provision abwerfen, aber eben auch riskant sind. Übrigens, wenn Alte einen Kredit nachfragen, werden sie schnell feststellen, dass Banken und Sparkassen sie schnell abblitzen lassen.

Auch mit Finanzen zu tun hat das Thema Wohnen, das Opoczynskis kritisch beleuchtet. Alte, die an ihrem Heim hängen, weil es für sie der Fixpunkt im Leben ist. In Großstädten wie München, Frankfurt und Hamburg sind die Mieten in den vergangenen Jahren jedoch stark gestiegen, so dass sich Rentner das zunehmend nicht mehr leisten können. Das ist das eine Problem – anders sieht es auf dem Land aus, wo Dörfer verwaisen, weil die Jungen in die Ballungsräume abwandern. Opoczynskis fordert: „Alleinlebende Alte brauchen mehr als eine technische Problemlösung“.

Was sich ändern muss

Michael Opoczynski Aussortiert und Abkassiert

Michael Opoczynski Aussortiert und Abkassiert

Am Ende des Buchs geht Opoczynskis noch auf die „alten Alten“ ein. Seiner Meinung nach „fehlt unserer Gesellschaft eindeutig das Verständnis für Menschen, die am Ende ihres Lebens angekommen sind“. Er fordert deswegen, die Rechte der Über-80-Jährigen zu stärken.

Opoczynskis wünscht sich, auch als alter Mensch, seinen Teil zu dieser Gesellschaft beizutragen und seine Erfahrungen weiter zu geben – gemeinsam mit anderen Alten, gemeinsam mit den Jungen. „Das ist es, was sich verändern muss“.

Übrigens, sein Quellenverzeichnis ist eine wahre Fundgrube mit vielen Hinweisen auf Beratungsstellen und Institutionen.

Erschienen im Gütersloher Verlagshaus, 19,99 Euro

Übrigens, von Opoczinski gibt es auch „Krieg der Generationen“, ebenfalls aus dem Gütersloher Verlagsaus.

Opoczinski hat einen Blog mit aktuellen Beiträgen und Kommentaren.

 


Wie gut kennt ihr euch in punkto Rente aus? Ein kleines Quiz.

Renten-Quiz

Das Thema Rente geht Junge und Alte an, denn die Noch-Beitragszahler werden irgendwann selbst Rentenempfänger. Was weißt du über Rente, Demographie, Altern und Ruhestand?

Bestenliste: Renten-Quiz

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Wehe, wenn die heile Rentenwelt zerbricht

Die gesetzliche Rentenversicherung steht auf tönernen Füßen und wird ohne Reformen nicht überleben. Eigentlich müsste das jeder begreifen. Politiker wie Andrea Nahles und Sigmar Gabriel gaukeln uns vor, dass das „bekloppt“ ist. Sind nicht eher sie bekloppt, weil sie die Wahrheit verschleiern? Wenn wir länger leben, weniger Kinder in die Welt setzen, werden wir auch mit weniger Rente auskommen und länger arbeiten müssen. An dieser Logik kommt keiner vorbei. Wehe, wenn die vermeintlich heile Rentenwelt zerbricht.

Fürchtet euch vor Altersarmut – Rente wird nicht reichen
Sinkendes Rentenniveau führt zur Altersarmut
Altersarmut-Anstieg droht, Rentenplus reicht nicht
Hohe Miete, Gefahr der Altersarmut, Münchner gefährdet
Viele Junge juckt Altersvorsorge herzlich wenig

Rente ist eine Umlageverfahren

Eins und eins ist zwei oder drei minus eins oder vier geteilt durch zwei – das gilt auch für die gesetzliche Rente, die als Umlageverfahren von den Beiträgen der aktiven Erwerbsbevölkerung gespeist wird. Die Verhältnisse zwischen Beitragszahlern und -empfänger ändert sich und damit muss sich auch die gesetzliche Rente anpassen. Einige Politiker, allen voran Bundessozialministerin Andrea Nahles gaukelt uns vor, dass nicht sein kann, was nicht sein darf. „Nur einmal hatte Berlin den Mut und die Kraft aufgebracht, den Menschen die Wahrheit über den Zustand der Alterssicherungssysteme zu offenbaren und Anpassungen am Umlageverfahren vorzunehmen: Die Beiträge wurden gedeckelt, das Rentenniveau nach unten geschleust und das Renteneintrittsalter auf bis zu 67 Jahre erhöht“, erinnert Stephan Lorz von der „Börsenzeitung“. Und, was waren die Folgen? Der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder wurde abgestraft. Die Wähler wollten die Wahrheit nicht hören. Zugegeben, was Schröder einführte, war nicht alles toll, aber der Ansatz stimmte. Nahles dreht die Reformen wieder zurück, ohne Rücksicht auf die nachkommenden Generationen.

Wie funktioniert das Umlageverfahren – ein Erklär-Video

Anhebung des Renteneintrittsalters

Und noch immer ist es so, dass angeklagt wird, wer die Wahrheit sagt. So geht es zurzeit der Deutschen Bundesbank, die in ihrem Monatsbericht hochrechnete, dass „eine schrittweise Anhebung (des Renteneintrittsalters) auf etwa 69 Jahre bis zum Jahr 2060“ notwendig wäre. Und trotz dieses Schritts „stiege der Beitragssatz aber wohl auf eine Größenordnung von 24 Prozent, und das Versorgungsniveau der gesetzlichen Rentenversicherung ginge auf eine Größenordnung von rund 44 Prozent zurück“. Das heißt, selbst das wird langfristig nicht reichen, um die Rente zu stabilisieren. Die Dänen haben das schon längst begriffen und lassen das Renteneintrittsalter bis 2022 auf 67 Jahre steigen, ab 2030 dann auf 68 Jahre, ab 2035 auf 69 Jahre – und dann ab 2060 alle fünf Jahre um ein weiteres Jahr, sodass unsere nördlichen Nachbarn dann ab 2100 erst mit 77 Jahren in Rente gehen.

Bei der Rente alles in Butter?

Aber das alles liegt ja weit in der Zukunft, deswegen ist es populär und wählerwirksam, den Leuten vorzugaukeln, alles wäre bei der Rente in Butter. „Schließlich könne es doch nicht sein, dass die Menschen immer länger leben, damit auch immer länger Rente beziehen, die Zeit ihres Erwerbslebens aber zementiert und jede Debatte darüber tabuisiert wird“, kritisiert Lorz.

Obwohl Andrea Nahles „erst“ im Juni 1970 geboren ist und damit 46 Jahre alt, macht sie Klientelpolitik für die Alten. Denn ausbaden werden ihre Politik die Jungen müssen. So schön es ist, dass die Lebenserwartung steigt, so zwingend ist es, dass Rentenpolitiker – und die Gesellschaft – sich darauf einstellen. Je länger Ruheständler ihr Altersgeld beziehen, desto mehr müssen sie in den aktiven Jahren vorgesorgt haben oder desto mehr künftige Beitragszahler müssen sie in die Welt gesetzt haben.

Nahles‘ Rechnung geht nicht auf

Wir alle werden erleben, dass Nahles‘ Rechnung nicht aufgeht, weil eins und eins eben nicht drei ist. Wahrscheinlich wird heimlich am System geschraubt, so dass für die Rentner unterm Strich weniger übrig bleibt, gleichzeitig werden die Beiträge steigen und zusätzlich wird der Bundeszuschuss zur Rente steigen. Schon heute überweist der Bund annähern 87 Milliarden Euro an die Rentenkasse, 2017 werden es dann mehr als 91 Milliarden Euro sein und schon in wenigen Jahren ist die 100-Milliarden-Euro-Marke geknackt. Nicht weiter schlimm, oder? Nun, das Geld, das an die Rentenkasse geht, fehlt anderswo – in der Bildung, bei der Infrastruktur oder der Verteidigung. Das ist ein schleichender Prozess, der erst dem auffällt, der Deutschland beispielsweise mal mit Skandinavien vergleicht.

Andrea Nahles weiß um die Brisanz des Themas und hat für Oktober Arbeitgeber, Gewerkschaften und Sozialverbände zu einem Treffen eingeladen – wichtigestes Thema „die gesetzlichen Rente“.

Also, es bleibt spannend. Insofern war das sicher nicht der letzte Beitrag zu dem Thema.

Schon in etwa 25 Jahren wird es mehr Nettoempfänger als Nettozahler geben, weil die Bevölkerung altert. Das hat das Prognos-Institut ermittelt im Auftrag der arbeitgebernahen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM). Das trifft vor allem die Rentenkasse. Prognos zufolge ist derzeit die Gruppe der Nettozahler mit 56 Prozent noch in der Mehrheit. Doch ab 2020 gehen die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer verstärkt in Rente. Gleichzeitig wachsen immer weniger Junge in die mittlere Altersgruppe nach. Im Jahr 2040 gehören laut der Studie folglich nur noch 49 Prozent der Bevölkerung zu den Nettozahlern. Dann stehen laut der Erhebung 38,2 Millionen Nettozahler 41 Millionen Nettoempfängern gegenüber – derzeit sind es noch mehr Zahler. Je nach dem sich die Bevölkerung entwickelt, droht 2040 Bund, Ländern, Kommunen und Sozialkassen ein Finanzdefizit in zwei- bis dreistelliger Milliardenhöhe. Würde es keine höheren Beitragssätze und Steuern geben als heute, ergäbe sich durch die demografische Entwicklung beim Defizit der Haushalte demnach ein Wert von 144 Milliarden Euro im Jahr 2040. Allein zur Finanzierung der gesetzlichen Rente fehlten dann 83 Milliarden Euro. Würden die Sozialbeiträge für Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung aber von derzeit knapp 40 auf knapp 50 Prozent im Jahr 2040 steigen, hätten die öffentlichen Haushalte nur ein Minus von 24 Milliarden Euro. Dies würde aber eine entsprechende Mehrbelastung der privaten Haushalte und Unternehmen bedeuten. Sozialministerin Andrea Nahles (SPD) hatte angekündigt, im November ein Konzept für die Rente vorzulegen, in dem auch eine „Haltelinie“ fürs sinkende Rentenniveau definiert sein soll

Weiterführende Links: 


… und dazu passende Tweets




Macht Merkel Politik für die Babyboomer-Generation?

Was „Opakratie“ bedeutet, haben jüngst wieder junge Briten erfahren, die bei der Frage nach dem „Brexit“ von den Alten dank ihrer Mehrheit überstimmt worden sind. Die Babyboomer-Generation hält die Fäden in der Hand und bestimmt über das Schicksal der Nation – nicht nur in Großbritannien, sondern vor allem auch in Deutschland. Verspielen wir unsere Zukunft? Diese Frage treibt Wolfgang Gründinger in seinem Buch „Alte Säcke Politik“ aus dem Gütersloher Verlagshaus um.

Der Zukunftslobbyisten ist Sprecher der Stiftung Generationengerechtigkeit und hält mit seiner Ansicht über die Bundeskanzlerin Angela Merkel nicht hinterm Berg. „Merkel macht Politik für die Generation der Babyboomer, und die wollen keine Wunder und keine Experimente, sondern ihre Ruhe“, so der heute 32-Jährige. Ruhe als erste Bürgerpflicht – Merkel verkörpert diese Eigenschaft und vermittelt sich auch den Bürgerinnen und Bürgern.

Ruhe heißt freilich nicht selten Stillstand. Genau das wirft der Anwalt der Jungen Merkel vor. Kein einziges Reformprojekt habe die Kanzlerin zu Ende geführt. „Bildungsrepublik, Regulierung der Finanzmärkte, Energiewende, Rentenreform, Elektromobilität oder digitaler Wandel: Überall regiert die Kanzlerin so vor sich hin und sonnt sich in alternativloser Beliebtheit“. Gündinger belässt es nicht mit Vorhaltungen, er kann sie auch belegen – seine Zeilen sind gespickt mit Anmerkungen und Charts.

Deutschland im Weckglas

Der Aktivist möchte die Gesellschaft mit seinem Buch aufwecken, denn das „Land im Weckglas“ brauche einen Weckruf.  Für diese kollektive Geisteshaltung spiegelt sich sogar in dem Verb „merkeln“ wider – einem der Jugendwörter des Jahres 2015. Übrigens hat sich „Smombie“ – eine Kombinationaus Smartphone und Zombie – durchgesetzt.

„In Deutschland haben die Alten das Sagen“, auch „weil die Politiker in vorauseilendem Gehorsam genau das tun oder genau das unterlassen, von dem sie glauben, dass die Mehrheit der Alten es möchte oder eben nicht möchte“, urteilt Gründinger. Ja, und? Ist das schlimm? Der Politikwissenschaftler meint „ja“, weil wir – und damit meint der Deutschland – unsere Zukunft verspielen. Viele ahnen es vielleicht und sie werden von einem unbestimmten Gefühl umgetrieben. Dafür findet der Autor die richtigen Worte. Seine Generation erbe keine schöne heile Welt. „Wir spüren die Probleme nur noch nicht, die sich zwar unter der Oberfläche, dafür aber umso massiver zusammenballen“, beschreibt er die Stimmung. Die auf Kurzatmigkeit geeichte Politik verwalte den Stillstand. Die Elite dieses Landes analysiert zwar gern die Probleme und begreift den Handlungsdruck, den Worten folgen jedoch keine Taten oder „zu spät, zu verzagt“. Oft genug folgen auch die „gänzlich falschen Taten. Dabei unterscheidet sich Merkel in nichts von der Sozialdemokratie, die „Opakratie“ drückt auch der „Sozialpolitik ihren Stempel“ auf.

Wir leben von der Substanz

„Deutschland fährt auf Verschleiß“, kritisiert der Kosmopolit und vergleicht uns mit anderen Nationen. Das betrifft Straßen, Wasserleitungen, Schulen, Kitas und Bahn. Die Merkel-Regierung investiert immer weniger in Infrastruktur, ablesbar an der nominalen Investitionsquote. In punkto Internet-Geschwindigkeit sind wir weit abgeschlagen, offene WLANs sind eher die Ausnahme als die Regel. Für Bildung geben wir deutlich weniger aus als Dänen, Isländer, Norweger, Kanadier, Belgier, Finnen und Franzosen. „Wir leben von der Substanz“, klagt Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. Das sei alles andere als Generationengerechtigkeit, empört sich Gründinger. „Generationengerechtigkeit heißt nicht nur, dass der Staat nicht mehr Schulden macht, als die nachfolgende Generation an Zinsen ertragen kann; Generationengerechtigkeit heißt auch – die Konsolidierung des Staatshaushalts darf keinesfalls auf Kosten der Zukunftsinvestition stattfinden“, so der Zukunftslobbyist.

Reform der Beamtenpension ist überfällig

Es ist sein Verdienst, diese Lage analysiert zu haben – und aktiv Partei zu ergreifen. Ja, wir Alten müssen uns den Spiegel vorhalten lassen. Wobei, die jüngsten populistischen Rentenentscheidungen gehen nicht von einem „Alten Sack“ aus, sondern von einer 46-jährigen Sozialistin, sprich Andrea Nahles. Sie hat die Mütterrente und die Rente mit 63 eingeführt. Die Arbeits- und Sozialministerien dreht die Reformen der Schröder-Ära nach und nach zurück, egal, ob sie finanzierbar sind oder nicht – und generationenverträglich. Sie verteilt Wahlgeschenke zu Lasten der nachfolgenden Generationen. Dabei leiden die Jungen ja nicht nur unter dem sinkenden Rentenniveau, sie spüren auch noch die anhaltend niedrigen Zinsen – und, die Merkel-Regierung hinterlässt ihnen noch ein herunter gewirtschaftetes Land. Ganz abgesehen davon, dass auf sie gigantische Schuldenberge warten und in der Zukunft abgetragen werden müssen.

Gründinger hat ein Problem verortet, dessen sich die meisten noch gar nicht so richtig bewusst sind: die Beamtenpensionen. Der Staat habe sich „eine gigantische und unsichtbare Last mit seinen Zahlungspflichten für die Beamtenversorgung auferlegt. Die Lasten werden sich Gründinger zufolge von heute 27 Milliarden Euro auf 86 Milliarden Euro im Jahr 2045 annähernd verdreifachen – und dafür gibt es keine Rückstellungen. Das wirklich Schlimme daran: niemand steuert ernsthaft dagegen. Warum das so ist? „Die Beamtenpensionen sind vermintest Terrain, das kaum ein Politiker zu betreten wagt, weil er sich der Abstrafung durch die Beamtenlobby sicher sein kann, jegliche Reformen aber mühselig sind und erst auf lange Sicht wirken“, hat Gründinger ganz richtig erkannt.

Niedrigzinspolitik führt ins Desaster

So brillant die Analyse, so schwach ist seine Handlungsanweisung für eine Änderung der Verhältnisse, die zurzeit gegen die Jungen gerichtet sind. Sich nur zu empören, reicht nicht. Auch der Aufruf, die Märkte zu verändern, führt in die Irre. Der Markt sind wir alle, aber nicht der Markt hat die Niedrigzinsphase eingeleitet, das war der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) Mario Draghi. Geld kostet nichts mehr – und das ist fatal. Ja, die Bundesregierung wird noch von den Gläubigern bezahlt, wenn sie Anleihen ausgibt. Was für eine perverse Welt. Er weitet ungestraft die Bilanzsumme der EZB aus und bürdet den nachfolgenden Generationen eine unheimliche Last auf.

Wahrscheinlich muss der Leidensdruck noch viel, viel stärker werden, bis die Gesellschaft reagiert und erkennt, dass die gegenwärtige Politik die Zukunft verspielt. Das wird dann allerdings richtig schmerzen. Eine Vorgeschmack bekommen wir bereits.

Weiterführende Links:




Haben wir Alten die Jungen wirklich versaut?

Haben die Babyboomer ihre Kinder zu Spießern erzogen, zu „blassen angepassten“ Jugendlichen? Haben wir Alten die Jungen wirklich versaut? Gibt es diesen Trend zum „Neo-Konventionalismus“ wirklich. Und, sind wir, ja, wir die Generation 50plus und 60plus daran schuld? Engagement egal, Politik egal – sind sie das, unsere Kinder? Nicht von ungefähr kennt heute noch jeder den Werbeslogan der LBS „Du Papa – wenn ich groß bin, will ich auch mal Spießer werden“, obwohl das schon eine halbe Ewigkeit zurückliegt.

Fünf Generationen und ihre Namen
Viele Junge juckt Altersvorsorge herzlich wenig
Kollabiert das Rentensystem?
Wann kommt es zum Aufstand der Jugend gegen Rentenpolitik?
So naiv sind die Jungen bei der Rente?

Klaudia Guesten hat sich in ihrem Blog mit der Generation Y – die Generation der von 1977 bis 1998 Geborenen – und der Erziehung durch die Babyboomer auseinandergesetzt und kann nur sagen „geht’s noch?“.


Ja, „Geht’s noch? Wir Babyboomer sollen die Generation Y versaut haben? Die neue Sinus-Studie offenbart dem Autor Sebastian Christ zufolge, dass uns, sprich den Eltern der Generation Y, die Visionen für eine bessere Zukunft abhanden gekommen sind. Aber unsere Generation erwarte gleichzeitig, dass die nächste Generation wie aus dem Nichts heraus mit neuen Ideen die Welt verändern solle – aus dem Nichts?“

Klaudia Guesten „kann da leider nicht folgen. Unsere Eltern und Großeltern waren Wegbereiter für eine neue Zukunft, nachdem Deutschland in Schutt und Asche lag. Über traditionelles Schubladendenken und erzkonservative Einstellungen brauche ich nicht streiten. Das verbuche ich unter ‚Generationenkonflikte’“.

Wo bleibt die Rebellion der Jungen?

Vielleicht, so meint sie, „sollte der Autor seine Eltern fragen, wie das so war in den 60er-, 70er- und 80er-Jahren; wer auf die Straße gegangen ist und gegen Atomkraftwerke gestritten hat; wer gegen den § 217 demonstrierte und Menschen-Friedensketten bildete, um gegen den Nato-Doppelbeschluss aufzubegehren“. Wer erinnert sich noch an Wackersdorf, Gorleben, Brokdorf, Ostermärsche, Emanzipation und Frauenbewegung? Damit setzt sich Klaudia Guesten ausgiebig in ihren Blogartikeln „Generationen. Trends. Veränderungen„ auseinanender. „Anscheinend haben nachfolgende Generationen nicht unseren Kampfgeist geerbt – und wir haben das verbockt und unseren Kindern nichts von unseren Siegen oder Niederlagen erzählt.“

Diskurs verlagert sich ins Word Wide Web

Klaudia Guesten wagt „zu bezweifeln, dass wir uns in den letzten Jahren zurückgelehnt haben. Genauso wenig, wie ich die ‚Jungen’ über einen Kamm schere, möchte ich auch die Babyboomer nicht über einen Kamm geschert wissen“. Sie behauptet, dass „wir unsere Kämpfe – genau wie die ‚Jungen’ – heute digital fechten. Auch wir sind vernetzt. Auf Facebook, Twitter und anderen sozialen Kanälen. Wir unterzeichnen Petitionen bei Campact, wir lehnen uns gegen TTIP und Fracking auf. Der Diskurs wird weniger auf der Strasse geführt, er hat sich einfach ins Word Wide Web verlagert.“

So ein bisschen Spießer steckt doch in jedem von uns

Und noch eines Klaudia Guesten aufgefallen: „Wir ‚Alten’ haben heute ganz andere Kämpfe zu führen. Statista stellte bei Befragungen fest, dass die Altersdiskriminierung mit 49 Prozent über die Geschlechter-, Religions- und Herkunftsdiskriminierung triumphiert. Und das vor allem am Arbeitsplatz. Glück auf!“

Weiterführende Links: 




Schwarmverhalten der Alten – die beliebtesten Städte

Die Jungen zieht es in die Großstädte – und die Alten? Die 50plus-Generation muss den Jungen weichen, weil sie es sich nicht mehr leisten kann. Das gilt vor allem für Städte wie München, Stuttgart und Frankfurt. Mittlerweile lässt sich dieser Trend auch mit Zahlen dokumentieren. Der Branchendachverband der Wohnungswirtschaft GdW hat das Verhalten verschiedener Altersgruppen von Empirica untersuchen lassen – und kam zu interessanten Ergebnissen.

Schwarmverhalten der Jungen

Die Menschen verhalten sich ähnlich wie Vogelschwärme – sie lassen sich nieder, wo schon ihresgleichen wohnen. Die Jungen zieht es in Städte wie München, Leipzig, Frankfurt, Heidelberg, Darmstadt, Regensburg, Dresden, Karlsruhe, Stuttgart, Düsseldorf; Münster, Köln, ja, und auch nach Berlin. Das sind Städte, wo es mehr Kneipen, mehr Szenentreffs und Unis und Arbeitsplätze. Mehr Junge, mehr Single-Wohnungen – so die einfache Formel. Wohnraum gerade für Einzelhaushalte wird knapp und teuer. In München beispielsweise verdreifachten sich die jüngeren Alterskohorten, wie das so heißt, sprich die jüngeren Geburtsjahrgänge. Entsprechend stiegen hier auch die Mieten. So liegt der durchschnittliche Mietpreis in München mittlerweile bei etwas mehr als 20 Euro – das ist doppelt so viel wie bundesweit. Gerade Rentner ächzen unter dieser Mietlast, die eher noch weiter steigt.

Wohin es die Älteren zieht

Und wo sind die Schwärme der Jungen aufgestiegen? Vor allem aus den ländlichen Landkreisen in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, aber auch die Oberpfalz und Nordhessen verlieren die Jungen. Diese Regionen werden älter, was Folgen hat für Kitas, Schulen und Schwimmbäder.

Aus München ziehen bereits die ersten Älteren weg, nach oder Landshut beispielsweise. Wie sieht es insgesamt aus mit der Wanderungsbewegung der Alten, sprich der Kohorte der Geburtsjahrgänge von 1939 bis 1953? Darauf liefert die GdW eine Antwort: Auf der Liste der Alten-Schwarmstädte steht Garmisch-Partenkirchen ganz oben. Der Landkreis im Süden weist ein Kohortenwachstum von 14,5 Prozent aus.

Alten-Schwarmstädte – Gewinner und Verlierer

Die Gewinner

Alten-SchwarmstadtPlus der Alten in Prozent
Garmisch-Partenkirchen*14.5
Ammerland*11.1
Ostholstein*10
Lüchow-Dannenberg*8.5
Baden-Baden8
Potsdam7.2
Aurich*6.8
Ahrweiler*6.8
Dithmarschen*6.7
Landshut6.6
Passau*5.9
Wittmund*5.7
Leer*5.2
Unterallgäu*5.1
Weimar5
*Landkreis; Liste der Städte in Deutschland, in die vor allem die ältere Generation hinzieht - und die Verlierer-Städte, wo die Alten wegziehen
Quelle: GdW

Die Verlierer

Alten-SchwarmstadtPlus der Alten in Prozent
München-14.2
Offenbach am Main-13.7
Remscheid-12.6
Stuttgart-12.5
Düsseldorf-11.6
Köln-10.9
Wiesbaden10.8
Frankfurt am Main-10.4
Main-Taunus Kreis*-10.2
Märkischer Kreis*-10
Hamburg-9.7
Deutschland gesamt-3.9

So sieht die Alten-Wanderung aus

Wo die Alten hinziehen Quelle: Empirica

Wo die Alten hinziehen Quelle: Empirica

 

 

Aus der Grafik geht klar hervor, wohin die Alten ziehen: Es sind vor allem die Landkreise Garmisch-Partenkirchen, Passau, Unterallgäu und nach Baden-Baden sowie Potsdam. Aus München hingegen zieht die 50plus-Generation weg.

 

Weiterführende Links:




Alte im Internet – nur die Hälfte der Bestager sind online

Tim Cole, Internet-Urgestein, Publizist, Blogger, Moderator und Speaker hat sich die Babyboomer und ihr Internet-Verhalten vorgenommen. Dabei kommt er zu interessanten Einsichten. Hier seine Ansicht, die auch in LEAD Digital erscheint.

Gastbeitrag von Tim Cole

Die Alten kommen – aber viel zu langsam! Laut ARD/ZDF-Onlinestudie wächst in der Bevölkerungsgruppe +60 die Internetnutzung am schnellsten. Etwas mehr als die Hälfte gibt an, das Internet „zumindest gelegentlich“ zu nutzen. Und darauf sind wir Alten ja auch mächtig stolz.

Leider sind uns Jungen weit voraus: Die Generation zwischen 14 und 19 ist, statistisch gesehen, zu 100 Prozent online. Kein Kid, der das Internet nicht selbstverständlich nutzt. Je älter, desto offline, könnte man das auf den Punkt bringen. Was an sich ja nichts Schlechtes sein muss. Nur haben die Alten ja in der Regel in den Unternehmen das Sagen. Und da wird die Sache zum Problem. So verlangen einer Studie des IT-Branchenverbands Bitkom zufolge 75 Prozent der Vorgesetzten in deutschen Betrieben von ihren Mitarbeitern absolute Präsenzpflicht im Büro. Home Office? Fehlanzeige! Flexible Arbeitszeitmodelle? Nicht mit uns! So ergibt sich eine Art „digitales Peterprinzip“: Nach der vom britischen Ökonomen Laurence J. Peter 1969 aufgestellten These wird jedes Mitglied einer ausreichend komplexen Hierarchie so lange befördert, bis es das Maß seiner eigenen Unfähigkeit erreicht hat.

Das ist fatal für die deutsche Wirtschaft, die sich entsprechend schwer tut, die anstehende Digitale Transformation zu wuppen. Höchste Zeit, dass wir Alten umdenken – oder uns aufs Altenteil zurückziehen!


 

Es sieht zurzeit danach aus, dass die Präsenzkultur in Deutschland sogar wieder zunimmt, wie einem Artikel in der „Zeit Online“ zu schließen ist.

„Die Möglichkeiten zur Heimarbeit sind gestiegen, aber Arbeitnehmer nutzen sie immer weniger. Experten machen dafür die Präsenzkultur in den Firmen verantwortlich“

Die Home Officer, sprich Angestellte, die zuhause arbeiten, habe 2012 bei nur 7,7 Prozent gelegen, 1996 seien es noch 8,8 Prozent gewesen – und 2008, zum Höhepunkt sogar 9,7 Prozent. Die Aussage von Henkel-Chef Kasper Rorsted, die Präsenz-Kultur sterbe aus, die Digitalisierung werde das endgültig beenden, klingt doch sehr optimistisch. Die Zahlen sprechen eine andere Sprache.

Weiterführende Links:

… und Coles Buch:

Digital Transformation

Digital Transformation

 

 




Wie die gesetzliche Rente geplündert wird

Wie die gesetzliche Rente geplündert wird – die Deutsche Rentenversicherung muss für viele versicherungsfremde Leistungen aufkommen. Insofern ist es ist höchste Zeit, sich mal wieder an das Thema Rentenniveau zu erinnern. 2012 lag das Durchschnittrentenniveau noch bei 50,4 Prozent, heute bei 47,8 Prozent, bis 2030 kann es bis auf 43 Prozent absinken, ohne dass eine Regierung groß gegensteuern müsste. Das heißt, egal was wir machen, wir bekommen als Rentner sowieso weniger Geld. Der Grund für diesen Automatismus ist die 2002 von der damaligen Regierung – es war Rot-Grün – beschlossene Festlegung, die Demographie zu berücksichtigen und auf Jung und Alt zu verteilen. Das lässt sich alles ganz einfach mit der Rentenformel umsetzen, die kontinuierlich verändert wird – es kümmert ja sowieso niemand, außer er ist dann persönlich davon betroffen. Per Rentenformel wird die alljährliche Rentenanpassung berechnet: mit zwei nachträglich eingebaute Dämpfungsfaktoren. Mit diesen zwei Faktoren sorgt die Deutsche Rentenversicherung, dass die Rentenerhöhungen auf Dauer hinter der Lohnentwicklung zurück bleibt.

Höhere Rentenbeiträge für höheres Rentenniveau
Sinkendes Rentenniveau führt zur Altersarmut
Fürchtet euch vor Altersarmut – Rente wird nicht reichen
Viele Junge juckt Altersvorsorge herzlich wenig
Warum sich die Jungen auf höhere Rentenbeiträge einstellen müssen

Nur mal zur Erinnerung – die beiden Faktoren:

– Der Nachhaltigkeitsfaktor: Damit berücksichtigen die Rentenpolitiker das Verhältnis von Rentnern zu Beschäftigten. Wächst die Zahl der Rentner, fallen die Rentenerhöhungen weniger stark aus – außer es es Wahljahr wie 2017, dann steigen schon im Vorfeld die Renten höher, um das Wahlvolk, darunter eben viele Rentner, zu beruhigen.

– Der Riester-Faktor: Der Riester-Faktor geht auf den ehemaligen Arbeitsminister Walter Riester zurück. Der Riester-Faktor unterstellt, dass alle Beschäftigten fürs Alter zusätzlich vorsorgen, brav Geld ansparen um die Versorgungslücke im Alter selbst zu schließen. Aber es legen nun mal nicht alle vier Prozent ihres Einkommens zurück, auch weil sie es teilweise nicht können. Er sorgte bis 2013 dafür, dass die Renten unterm Strich um gut fünf Prozent weniger stiegen. Nur dumm, dass eben nicht alle riestern. Ihnen wird es im Altern schlecht gehen, weil die Versorgungslücke immer weiter aufklafft.

Das „Handelsblatt“ hat vor kurzem ausgerechnet, dass diese Kürzungsfaktoren etwa 4,4 Prozentpunkte ausmachen – um soviel seien die „Rentenanpassungen seit 2003 hinter der für die Rentenerhöhungen ansonsten maßgeblichen Lohnentwicklung zurückgeblieben“. Damit nicht genug, „zwischen 2016 und 2029 sollen es noch einmal fast acht Prozentpunkte sein“. Der Linken-Rentenexperte Matthias W. Birkwald hat ausgerechnet, dass Rentner heute 722 Euro pro Jahr mehr hätten, „würden die Rentenkürzungen bis zum Jahr 2015 rückgängig gemacht“. Und, „im Jahr 2029 wären es sogar 2939 Euro mehr Rente jährlich“.

Ich freue mich über möglichst viele Kommentare hier im Blog … legt einfach los. 

Weiterführende Links:




Messe für Best Ager in Stuttgart

Foto: Messe Stuttgart

Am heutigen Montag, den 16. und dem morgigen Dienstag den 17. November können sich Best Ager, die junge Alten und Senioren in Stuttgart im Rahmen der Messe „Die besten Jahre“ über alles informieren, was das Leben nach dem Beruf leichter macht. Die Stuttgarter Messemacher bieten eine Aktivbühne mit Mitmachangeboten (Flexibar, Thera-Bank), einen E-Bike-Parcours, Nordic-Walking-Kurse und breiten eine Kulturstraße aus. Natürlich ist für das leibliche Wohl gesorgt – Messebesucher können in der Besenwirtschaft eine Viertele genießen und Maultauschen im Marktcafé.

Wachsende Zielgruppe mit Geld

Die Stuttgarter Messemacher haben erkannt, dass hier eine Zielgruppe wächst, die bereit ist Geld auszugeben, um den letzten Lebensabschnitt angenehme zu gestalten. „Die Besten Jahre“, so das Messe-Motto bietet den Organisatoren zufolge „Antworten auf viele brennende Fragen“. Dazu gehört: „Wie will ich wohnen, wenn ich einmal nicht mehr selbständig leben kann? Wer soll meine Entscheidungen für mich treffen, wenn ich dazu nicht mehr in der Lage bin? Wem und wie vererbe ich mein Vermögen, damit es möglichst erhalten bleibt?“

Neben zahlreichen Aktiv- und Freizeitangeboten informiert die Messe auch über  „heiße Eisen“. Im Fachforum und im Vortragsraum „Hoffnung“ können sich Messebesucher über Themen wie Pflegebedürftigkeit, Vorsorgevollmacht oder Patientenverfügung schlau machen.

Dazu gehören auch Infos über eine Projektreise nach Nordindien, um Gegensätze zu erleben. Es geht um Fitness für Körper und Geist. Ferner wird das Thema Ehrenamt angesprochen. Natürlich darf das Thema Technik nicht fehlen: „Smartphones und Tablet-PCs sind aus der heutigen Gesellschaft nicht mehr wegzudenken. Lassen Sie sich vom aktuellen Stand der Technik nicht abhalten! Im Rahmen von ‚Kultur trifft Technik’ erfahren Sie, warum das mobile Internet gerade für Menschen der Generation 50+ interessant ist“, so die Messemacher.

Der Stuttgarter Messeherbst auf einen Blick:

Der Stuttgarter Messeherbst hat täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Eintrittskarten kosten inklusive VVS-Kombiticket 13 Euro, ermäßigt 10 Euro (online unter www.messe-stuttgart.de/vorverkauf günstiger). Die Karten berechtigen zum Besuch aller an diesem Tag parallel stattfindenden Messen. Kombitickets für die bequeme Anreise zum Stuttgarter Messeherbst sind bei den Easy-Ticket-Vorverkaufsstellen, den Toto-Lotto-Verkaufsstellen im VVS-Gebiet, an den SSB-Automaten und -Verkaufsstellen sowie an den Fahrkartenschaltern der Deutschen Bahn erhältlich.

Sonderschauen auf der Messe „Die besten Jahre“

 




Altwerden mehr als Glotzen, Sinnstiften als Aufgabe für 60+

In seinem Buch „Das neue Zeit-Alter“ begründet Lothar Seiwert, „warum es gut ist, dass wir immer älter werden“. Das Buch ist zwar schon von 2014, aber grundsätzlich sind die Gedanken des Zeit-Gurus immer noch gültig. In seinem Buch beschreibt Seiwert, was sich verändern kann, wenn wir unsere Einstellung zum Altern ändern und überdenken.

Aber auch Seiwert kommt nicht drum herum, auf die Demographie einzugehen, genauer gesagt, den demographischen Wandel. Das heißt, die Zahl der Älteren steigt. Seit Erscheinen des Buchs ist allerdings einiges passiert: Durch die Flüchtlingswelle strömen deutliche jüngere Menschen nach Deutschland, die einer Blutauffrischung gleichkommen. Ob wir diese Menschen aus Syrien, Afghanistan und Äthiopien integrieren können, steht auf einem anderen Blatt – ich wünschen es uns allen.

Zahl der Älteren steigt

Dennoch, steigt die Zahl der Älteren. Spätestens in zehn bis 15 Jahren wird der geburtenstärkste Jahrgang 1964 in Rente gehen. Da „rollt ein Tsunami auf uns zu“, wie es Seiwert formuliert. „Wir sind eine Gesellschaft, die nicht nur immer älter, sondern gerade schlagartig steinalt wird“. Der demographische Wandel – ist da. Die Folgen schrecken. Er warnt bereits an dieser Stelle, dass „eine weißhaarige Gesellschaft von Ziellosen, die ihre Zeit vor dem Fernseher, in Sprechstundenzimmern und in Pflegeheimen verbringt, keine überlebensfähige Option ist“.

Auf Probleme durch diesen Wandel will ich hier nicht noch einmal eingehen, schließlich habe ich in diesem Blog schon mehrfach darüber geschrieben, erinnert sei nur an „Wer wo wie lange lebt“, „Lebenserwartung, Hartz IV“. Was heute schon Probleme bereitet, ist die Rekrutierung junger, qualifizierter Mitarbeiter gerade in den MINT-Berufen, wobei MINT für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik steht. Bis die jungen Flüchtlinge so weit sind, dass sie diese Lücken füllen können, wird es dauern – und kosten. Die Rente mit 63 hat dieses Problem noch verschärft.

Krieg der Generationen?

Seiwert malt im ersten Teil seines Buchs eine düstere Zukunft. Seine Kernsätze: „Immer weniger Junge müssen immer mehr Alte finanzieren. Das Problem dabei – wer die Mehrheit hat, hat die Macht und das sind nicht mehr die, die den Wohlstand erwirtschaften, sondern in verbrauchen – die Alten“. Der zweite: „Der Krieg der Generationen hat begonnen. Die Jungen werden mehr und mehr zur Kasse gebeten bis über die Schmerzgrenze hinaus – und irgendwann die Rentner sogar rückwirkend.“ Gut, mal schauen, wie gesagt – im Moment ändert sich das Land, auch mit Auswirkungen auf die Altersstruktur.

Seiwert will uns aber nicht ohne Hoffnung entlassen: Wir haben „die zweite Luft“, wie ein Taucher, der eine Ersatzfläche auf neun Meter Tiefe hängt, um den Druckausgleich gemütlich und ohne Atemnot durchsteht. Das heißt bezogen auf uns Babyboomer: Es ist noch „eine Menge für jeden von uns drin“, so Seiwert. „So langsam beginnen wir das zu realisieren.“ Der Ruhestand in seiner bisherige Form habe ausgedient. Wir können es Seiwerts Meinung nicht mehr leisten, einfach so rumzuhängen und zu chillen. Das sei verschwendetes Leben und totes Kapital. Als Schluss mit dem Ruhestand – aus dem wird der Un-Ruhestand.

Altersgerechte Arbeitsplätze

Seiwert plädiert für eine „reife Wirtschaft“. Das klingt ambitioniert, so recht zieht die Wirtschaft aber noch nicht mit. Es gibt positive Beispiele, aber viele Unternehmen wollen die Älteren immer noch am liebsten so schnell wie möglich loswerden. In Nordeuropa scheint das indes besser zu funktionieren als in Deutschland. Seiwerts Kernsätze sind: „Neue Arbeitszeitmodelle entlasten unser gesamtes Leben – das gilt für alle Generationen“, dann: „Ältere Arbeitskräfte sind gefragt wie nie. Was sie an Erfahrung und Wissen mitbringen, wiegt mögliche körperliche oder kognitive Defizite auf“ – und: „Aktive Gesundheitsvorsorge und lebenslange Lernen erhöhen die Beschäftigungsfähigkeit von Mitarbeitern“. Na ja, ob das gilt: „gezielte Umbauten am Arbeitsplatz und altersgerechte Schulungen machen Unternehmen für ältere Arbeitnehmer attraktiv“?

Produktiv für die Gesellschaft

Aber auch für die Rentner hat Seiwert eine bittere Wahrheit: „Das Geld, das die kommenden Rentnergenerationen während ihrer Lebensarbeitszeit volkswirtschaftlich aufbrachten und zur Vorsorge abführten, wird nicht reichen, einen so langen Lebensabend, wie er heute üblich ist, zu finanzieren. Die ganze Sache rechnet sich nicht, wie … Es gibt also schon allein eine wirtschaftliche Notwendigkeit, dass die über 65-Jährigen künftig weiter zur Wertschöpfung beitragen – ob nun durch einen späteren Renteneintritt, durch Zuverdienst neben der Rente oder durch eine gesellschaftliche Lösung wie ein Pflichtjahr mit unentgeltlicher Arbeit. Die Rente muss gesamtwirtschaftlich gegenfinanziert werden, denn die junge Generation ist damit schon rein zahlenmäßig überforder.“ Der Pop-Philosoph David Precht hatte ja mal sogar das „soziale Pflichtjahr für Senioren“ gefordert. Davon ist mittlerweile keine Rede mehr, aber etwas muss sich ändern.

Einige Senioren agieren bereits als Mentoren, Tutoren oder Lehrer, um schwachen Schülern zu helfen sowie Flüchtlingen Deutsch zu lehren. Das ist ein Anfang, immerhin. Es wird noch mehr Engagement brauchen.

In seinem Schlusswort plädiert Seiwert, „den Pakt der Generationen neu zu überdenken“. Dem ist nichts mehr hinzufügen.

Ein paar Literaturtipps von Seiwert:

  • Grün, Anselm: Die hohe Kunst des Älterwerdens, Deutscher Taschenbuchverlag
  • Mika, Basch: Mutprobe – Frauen und das höllische Spiel mit dem Älterwerden, Bertelsmann
  • Scherf, Hennig und Uta von Schrenk: „Mehr Leben“, Herder
  • Schirrmacher, Frank: Das Methusalem-Komplott, Heyne
  • Schechner, Erich: War’s das, Kösel
  • Schmid, Wilhelm: Gelassenheit, Insel
  • Seiwert, Lothar: Die Bären-Strategie, Ariston
  • Welser, Maria von: Heiter weiter!, Südwest
  • Wittmann, Marc: Gefühlte Zeit, C.H.Beck

Weiterführende Links:




Junge Alte länger fit

Junge Alte länger fit – warum das so ist? Die jungen Alten sind noch ganz schön fit – werden sie auch bleiben müssen, denn die Herausforderungen, die auf diese Gruppe zukommt ist enorm. Mit 17 Millionen sind es auch ziemlich viele. Was treibt die jungen Alten um, welche Probleme haben sie und wie gehen sie damit um. Dieser Frage ist das Statistische Bundesamt in ihrem Datenreport „Generation 65+“ nachgegangen.

Das Interessanteste vorweg – der Anteil der Senioren (65+) ist auf 21 Prozent gestiegen, das heißt, jeder fünfte Deutsche ist älter als 65, fünf Prozent sogar älter als 80. Der Jugendquotient (Zahl der unter 20-Jährigen bezogen auf die Zahl der 20- bis unter 65-Jährigen) fiel der Behörde zufolge auf  31, er rangiert damit unter dem Altenquotient (Zahl der 65-Jährigen und Älteren bezogen auf die Zahl der 20- bis unter 65-Jährigen) mit 34. Anfang 1955 war das noch umgekehrt. So lag der Jugendquotient damals bei 50 und der Altenquotient bei 18, seit 2006 übersteigt der Altenquotient den Jugendquotienten.

Mehr Omas als Opas

Die Zahl der Jungs ist im Baby- und Kindesalter um fünf Prozent größer als die der Mädchen. Das ändert sich jedoch ab dem Alter von 60: Es sterben mehr Männer als Frauen, so dass das weibliche Geschlecht dann überwiegt. Der Altersgruppe der 70- bis 80-Jährigen überwiegen die Frauen mit einem Anteil von 55 Prozent, bei der Altersgruppe 80+ ist der Anteil sogar bei 68 Prozent. Das heißt, Männer sind dann Mangelware – oder anders ausgedrückt, es gibt viel mehr Omas als Opas.

Mangelware sind auch Kinder: 1964 wurden 1,36 Millionen geboren, 2009 mit 665 000 nur noch etwa die Hälfte. Das hat natürlich gravierende Auswirkungen auf das Rentensystem.

Dramatischer Bevölkerungsrückgang

Denn die Mädchen, die heute nicht geboren werden, können später als Frau auch keine Kinder bekommen. Es kommt zum Bevölkerungsrückgang, denn selbst die angenommene Zuwanderung wird nicht ausreichen, diesen Rückgang aufzuhalten.

Der Bevölkerungsrückgang wird den Statistikern zufolge bis 2020 erst moderat ausfallen. 2020 werden etwa zwei Prozent weniger Menschen als 2009 in Deutschland leben, 2030 etwa fünf Prozent und 2060 schließlich 21 Prozent weniger. Absolut wird sich die Einwohnerzahl von derzeit 81,8 Millionen auf 64,7  im Jahr 2060 vermindern. Gerade der Osten Deutschland wird sich regelrecht entleeren, das gilt insbesondere für Mecklenburg-Vorpommern, das jetzt schon zu den am dünnsten besiedelten Bundesländern gehört.

Älter und einsamer

Wir werden nicht nur immer älter, wir werden auch immer einsamer. So nimmt gerade die Zahl der alleinlebenden Frauen ab 60 deutlich zu – bei der Gruppe 75+ leben sogar 60 Prozent allein. Bei den Männern dieses Alters sind es nur 20 Prozent.

Die demographische Entwicklung wirkt sich natürlich auf die gesetzlichen Renten aus. Für männliche Neurentner  in den alten Bundesländern zeigt sich den Statistikern zufolge ein deutlicher Rückgang ihrer Entgeltpunkte (EP), die ja maßgebend sind für die Rente: Die Anwartschaften des Medianrentners sinken im Zeitverlauf von etwa 47 um knapp elf Prozent auf 42 EP im Jahr 2009. Die Folge: Neurentner des Jahres 2009 bekommen im Schnitt vergleichsweise geringere Altersrenten als Neurentner der vorangegangenen Jahre. Am schlimmsten trifft es dabei die Rentner mit niedriger und mittlerer Rente. Nominal sank ihre Rente von 1072 im Jahr 1993 auf 1013 im Jahr 2009 – die Inflation trifft sie damit richtig hart.

Vergleich mit den europäischen Nachbarn

Noch ein Blick über den nationalen Gartenzaun – und ein Vergleich mit unseren europäischen Nachbarn:

Die Deutschen arbeiten im Schnitt länger als die meisten Nachbarn. So weist Deutschland bei den 60- bis 64-Jährigen 2014 eine Erwerbstätigenquote nach international vergleichbarer Abgrenzung der Arbeitskräfteerhebung von 53 Prozent aus, in Estland ist sie genauso hoch, in Schweden liegt sie bei 66 Prozent – der EU-Durchschnitt lag 2014 nur bei 37 Prozent.

In punkto Geburtenrate ist Deutschland so ziemlich das Schlusslicht. Damit sich die Bevölkerung eines Landes auf natürliche Weise jedoch reproduzieren kann, ist in hochentwickelten Ländern eine Zahl von durchschnittlich 2,1 Kindern je Frau erforderlich. Davon ist Deutschland mit 1,4 weit entfernt. Solange die Geburtenziffer unter diesem Wert bleibt, wird jede folgende Müttergeneration dem kleinen Einmaleins der Statistiker zufolge kleiner als die vorherige. Von den 27 EU-Ländern erreichte nur Irland 2009 knapp den Durchschnittswert von 2,1, in Frankreich waren es 2,0 Kinder je Frau. Die geringsten Geburtenziffern der EU verzeichneten Lettland, Portugal und Ungarn mit jeweils 1,3 Kindern je Frau. In Deutschland lag die durchschnittliche Kinderzahl mit 1,4 nur knapp darüber. Aber das sind die Werte von 2009 – 2015 sieht es deutlich schlechter in Deutschland aus, gemessen an der Geburtenrate von 2009 bis 2013, die sich auf die Zahl der Kinder pro tausend Einwohner bezieht. In dieser Beziehung ist Deutschland auf dem letzten  Platz mit einer Rate von 8,28 Geburten auf je tausend Einwohner. Um das auszugleichen, müssten jedes Jahr mehr als eine halbe Millionen Menschen einwandern.

„Berliner Morgenpost“: 65 oder älter – und stolz darauf