Wie Andrea Nahles Altersvorsorger für dumm verkauft

Die Bundesministerin für Arbeit und Soziales Andrea Nahles verkauft doch tatsächlich alle, die fürs Alter vorsorgen für dumm. Viele investieren Monat für Monat Geld in die betriebliche Altersvorsorge, aber am Ende rechnet sich diese Investition nicht, weil Staat und Sozialversicherung den Altersvorsorger schröpfen.

Das Betriebsrentenstärkungsgesetz (BRSG) – was für ein Unwort – soll die Betriebsrenten stärken, tatsächlich ist es eine Mogelpackung. Denn, Andrea Nahles unterscheidet dabei zwischen „guten“ Riesterern und „schlechten“ Direktversicherten. Jeder, der eine Riester-Rente abschließt oder abgeschlossen hat, muss in der Auszahlungsphase künftig keine doppelten Beiträge mehr zur Krankenversicherung zahlen, alle anderen, die per Entgeltumwandlung in eine Direktversicherung einzahlen, müssen aber doppelte Beiträge zahlen. Doppelt heißt, jeder, der während der Einzahlphase einen Teil seines Gehalts per Entgeltumwandlung in eine Direktversicherung einzahlt, wird durch Krankenversicherungsbeiträge belastet – und in der Auszahlphase noch einmal. Er zahlt dann sogar den vollen Beitragssatz in der Kranken- und Pflegeversicherung, sprich den Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil.

Nahles will Riester-Sparer ködern

Ab Januar 2018 nun müssen Riester-Renten-Sparer in der Auszahlphase nicht mehr den doppelten Beitrag zahlen, „sofern Versicherungspflicht in der gesetzlichen Krankenversicherung besteht“, wie Haufe schreibt. Riester-Renten-Sparer bekommen sogar noch eine mit 175 Euro statt wie bisher 154 Euro.

Zukünftig seien, so Haufe, betriebliche Riester-Renten in der Auszahlungsphase nicht mehr zu verbeitragen, sofern Versicherungspflicht in der gesetzlichen Krankenversicherung besteht. „Die steuer- und beitragsrechtlichen Regelungen bleiben damit in der Anspar- und Auszahlungsphase aber weiter konträr gegenüber den Bestimmungen der anderen Formen der betrieblichen Altersversorgung“, wie Haufe diplomatisch schreibt. Riester-Renten-Sparer und Direktversicherten werden unterschiedlich behandelt. Das ist gelinde gesagt, eine Unverschämtheit, die bislang nur den wenigsten aufgefallen ist.

Unverschämte Ungleichbehandlung

Auf diese Weise lassen sich Betriebsrenten bestimmt nicht stärker. Das Betriebsrentenstärkungsgesetz ist eher ein Betriebsrentenschwächungsgesetz. Tausende von Direktversicherungsgeschädigten wehren sich gegen diese Enteignung. Angesichts des Betriebsrentenstärkungsgesetzes und seiner einseitigen Bevorzugung von Riester-Sparern erscheint die Doppelverbeitragung von Direktversicherungen noch ungerechter.

Das ist auch Klaus Stiefermann, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Altersversorgung (ABA) sauer aufgestoßen. Stiefermann kritisiert, „dass die Doppelverbeitragung nur für die Riester-bAV gilt.

Chef muss schon mehr zuschießen

Merten Larisch, Altersvorsorgeexperte der Verbraucherzentralen Bayern hat vorgerechnet, dass die „Betriebsrente erst bei 40 Prozent Arbeitgeberanteil lohnenswert“ sei, wie er von der „Welt“ zitiert wird.

Beim ersten Hinsehen, so die „Welt“ scheine die Direktversicherung attraktiv. Aber eben nur beim ersten Hinsehen. Der Haken kommt in der Auszahlphase. Wie die Direktversicherung funktioniert? Der Arbeitnehmer verzichtet auf einen Teil seines Bruttogehalts; dieser Teil fließt in eine Lebensversicherung – und zwar vor Steuern und Sozialabgaben. „Beträge bis monatlich maximal 404 Euro sind steuerfrei“, rechnet die „Welt“ vor. „Es fallen bis zur Höchstgrenze von 254 Euro im Monat auch keine Beiträge zur Renten-, Kranken- Pflege- und Arbeitslosenversicherung an“, so das Blatt.

Privat vorsorgen heißt weniger Rente

In der Ansparphase spart der Beschäftigte zwar Steuern und Sozialabgaben, womit sich freilich auch beispielsweise seine Rentenansprüche mindern. Der Beitragszahler bekommt am Ende zwar eine Betriebsrente, dafür weniger gesetzliche Rente – und nicht nur das, auch weniger Kranken-, Eltern- oder Arbeitslosengeld.

Der dicke Hammer kommt allerdings zu Beginn der Auszahlphase. So müssen die Direktversicherten zu Rentenbeginn volle Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge zahlen – alles in allem, einschließlich Zusatzbeitrag und Pflegeversicherung sind das mehr als 18 Prozent. Diese mehr als 18 Prozent zahlt der Direktversicherte zehn Jahre lang – Monat für Monat. Da kommen schnell zigtausend Euro zusammen, je nachdem wie lang jemand eingezahlt hat.

Minimum 40 Prozent vom Arbeitgeber

Axel Kleinlein, Vorstandssprecher des Bunds der Versicherten (BdV) legt den Finger in die Wunde. Wer, so sein Argument, privat vorsorgt, bekommt zwar keinen Zuschuss vom Arbeitgeber, dafür zahlt er auch bei Rentenbeginn keine Sozialabgaben. Auch wer privat krankenversichert ist, zahlt nichts an die gesetzliche Krankenversicherung.

Kurzum, wenn der Arbeitgeber nicht wenigsten 40 Prozent zur Direktversicherung zuzahlt, lohnt sich das für den Arbeitnehmer nicht. Dann lieber privat vorsorgen und die Direktversicherung ausschlagen. Was nützen die paar Euro des Arbeitgebers, wenn am Ende die Krankenversicherung mehr abzweigt, als eingezahlt wurde.

Abzocke von Rot-Grün-Schwarz

Übrigens, das ist das Werk der damaligen rot-grüner Koalition unter Gerhard Schröder – mit Hilfe der Union. Federführend waren Ulla Schmidt von der SPD und Horst Seehofer von der CSU.

„Nach neuesten Berechnungen von Finanztest bleiben einem ledigen Gutverdiener (Jahresbrutto 58.000 Euro) von 107 Euro Monatsrente, die er für monatlich 100 Euro Einzahlung nach 27 Jahren garantiert bekommt, gerade mal 67 Euro netto übrig“, schreibt die „Welt“. Diese Bilanz sei ernüchternd, so das Fazit der Tester.

15 Prozent reichen nicht

Zwar müssen Arbeitgeber ab 2018 bei Neuverträgen 15 Prozent zu einer Direktversicherung zuzahlen, das reicht indes nicht, um die Nachteile bei der Auszahlung auszugleichen. Also, genau hinschauen vor dem Abschluss einer Direktversicherung. Wenn der Chef zu wenig zuschießt, lohnt sie sich nicht.

Für privat versicherte Beschäftigte kann sich eine Direktversicherung durchaus lohnen, da sich keine 18 Prozent an die gesetzliche Krankenversicherung abdrücken müssen.

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Ist ein Rentenkonto für alle die Lösung?

Kennen Sie die Höhe Ihrer Rente? Wenn nein, sind Sie in guter Gesellschaft, denn laut Bankenverband kennen zwei von drei Deutschen ihre Rente nicht. Da wäre es doch toll, wenn es ein „Rentenkonto“ für jeden Bürger gäbe. Aber wie realistisch ist ein solches Rentenkonto für alle? In so einem Rentenkonto sollte detailliert drinstehen, wie viel jeder an Altersvorsorgeansprüche zu erwarten hat.

Wer will ein Rentenkonto?

Wer will denn so was? Nun, es gibt einige Befürworter für eine solche übergreifende Infoplattform, in der alles zusammengefasst sein könnte, was der einzelne Bürger wissen muss, um einschätzen zu können, was er im Alter an Versorgungsansprüchen zu erwarten hat. Da ist zum einen der Bankenverband, dann natürlich die Deutsche Renten Information – und nicht zuletzt Peter Altmaier, noch Kanzleramtsminister und übergangsweise sogar Finanzminister. Auch das Deutsche Institut für Altersvorsorge spricht sich dafür aus.

Die Deutsche Renten Information hätte gern von der Bundesregierung, dass sie eine Infoplattform zum Thema Altersvorsorge einführt, weil die überwiegende Mehrheit der Deutschen keinen Überblick über ihre Rente beziehungsweise ihre Ansprüche in Sachen Vorsorge habe. Dabei verweist der Verein auf eine Studie der Frankfurter Goethe-Universität. Vorstandsvorsitzender Professor Andreas Hackethal, der gleichzeitig Dekan des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften der Goethe Universität Frankfurt ist, weiß sehr wohl, dass es in Deutschland in punkto Altersvorsorge einen Paradigmenwechsel braucht. Altmaier unterstützt dieses Begehren und will, dass Bürger auf einen Blick eine Übersicht über ihre Rente bekommen.

Die größten Fehler der Geldanlage – von Andreas Hackethal erklärt

Vorsicht vor staatlicher Fürsorge

Klingt aufs Erste plausibel und löblich. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ zitiert Altmaier mit den Worten, dass „durch die Einführung eines digitalen Bürgerportals künftig sichergestellt werden soll, dass alle Verwaltungsdienstleistungen deutschlandweit elektronisch verfügbar sind“, so sein hehrer Ansatz. Gleichzeitig müsse ein solches Portal den Bürgern den Zugang zu einer unabhängigen Plattform bieten, die alle Ansprüche aus gesetzlicher Rente, Betriebsrente und privater Vorsorge sicher, einfach und übersichtlich zusammenfasst. Damit solle, so Altmaiers Argument, nachvollziehbar sein, „welche Anwartschaften der Bürger in den verschiedenen Säulen der Altersversicherung angespart hat“.

Wie gesagt, klingt fürsorglich. Nur, wem nützt eine solche Information? Dem Bürger oder dem Staat? Cui bono – wem nützt ein solches Rentenkonto? Wirklich dem Bürger – oder nicht doch eher dem Staat. Dank eines solchen Rentenkontos kann der Staat dann viel besser abschätzen, wo er den Bürger noch schröpfen kann, denn dann liegen ja die ganzen Vermögensverhältnisse des Bürger offen – und für den Staat vergleichsweise bequem erreichbar.

Skepsis ist angebracht

Woher diese Skepsis? Dem Staat ist nicht zu trauen, das hat die Doppelverbeitragung von Direktversicherungen bewiesen. Die Lebensversicherer werden vom Staat gezwungen, jeden Cent an die Krankenversicherung zu melden, den ein Bürger im Laufe seines Lebens über eine Direktversicherung angespart hat. Diese Information ist für Staat und Sozialversicherung Milliarden wert, denn der Besitzer einer Direktversicherung zahlt bei Rentenbeginn den Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil plus Pflegeversicherungsbeitrag an seine Krankenversicherung – annähernd 20 Prozent zehn Jahre lang. Möglich gemacht hat diese Enteignung ein Gesetz aus dem Jahre 2004, initiiert von der damaligen rot-grünen Regierung mit Unterstützung der Union. Das Gesundheitsmodernisierungsgesetz wird rückwirkend auch auf Verträge angewandt, die lang vor Inkrafttreten des Gesetzes abgeschlossen worden waren.

Künftiger leichter, Bürger zu enteignen

Wenn nun das „Rentenkonto“ kommt, dann ist es für den Staat noch viel leichter, die Bürger zu enteignen. Dafür lässt er sich einfach ein neues Gesetz einfallen, das ihm den Zugriff auf das Rentenkonto erlaubt. Wie leicht das geht, hat er ja schon mehrfach bewiesen. Je zentraler die Altersvorsorgeansprüche gespeichert sind, desto einfacher wird das für den Staat. Da beruhigt es auch nicht, wenn der Generalsekretär des CDU-Wirtschaftsrats, Wolfgang Steiger, auf andere Länder wie Dänemark, Schweden und Norwegen verweist, in denen es derartige Informationssysteme bereits gebe. Nur, die Skandinavier sind da weit pragmatischer als der deutsche Staat.

In Dänemark beispielsweise ist jeder Bürger seit November 2014 bei der Digitalen Post angemeldet und erledigt vieles online – vom Umzug-Melden bis zum Antrag auf Kinderbetreuung. Deutschland ist da meilenweit entfernt. Wie der Staat mit seiner Altersvorsorge umgeht, kann der dänische Bürger natürlich auch jederzeit einsehen und nachvollziehen auf der Seite der Arbejdsmarkedets Tillægspension ATP oder auf der Seite pensionforalle. Das, worüber die Deutschen reden, praktizieren die Dänen längst. Im Gegensatz zu Deutschland, ist die ATP aber weitgehend unabhängig vom Staat – und somit ihrem Zugriff entzogen. Im Gegensatz zu Deutschland zahlen die Arbeitgeber mit zwei Drittel auch den Löwenanteil in die betriebliche Altersvorsorge.

So funktioniert Betriebsrente in Dänemark

 

Norwegen hat Vermögen, Deutschland Schulden

Übrigens, Norwegen hat mit seinem Staatsfonds Vermögen für seine Bürger und das norwegische Sozialsystem angehäuft. Aus 48 Milliarden norwegischen Kronen hat er binnen 20 Jahren durch geschicktes Investieren 7,5 Billionen norwegischer Kronen gemacht – das sind umgerechnet 800 Milliarden Euro. Jeder Norweger verfügt somit über ein Guthaben von annähernd 150 000 Euro; auf jeden Deutsche kommen statistisch gesehen 27 856 Euro Staatsschulden.

Angesichts dieser Zahlen muss sich jeder fragen, wie der deutsche Staat mit dem Geld seiner Bürger in den vergangenen Jahren umgegangen ist. Skepsis ist insofern mehr als berechtigt.

Excel statt Rentenkonto

Aber zurück zum Rentenkonto. Dem deutschen Staat ist in punkto Altersvorsorge nicht zu trauen, das hat er bis lang mehrfach bewiesen. Eigeninitiative in punkto Rentenübersicht ist besser – und dafür gibt es ein einfaches Mittel: eine Excel-Tabelle. Jeder kann in diese Tabelle alle Daten selbst eintragen, Excel summiert die Zahlen auf. Wer diese Tabelle ständig aktualisiert, hat problemlos einen Überblick über seine Altersvorsorge. Ach ja, Excel. Das ist ein Tabellenkalkulationsprogramm von Microsoft – das zu Lernen ist kein Zauberwerk. Viele Windows-Nutzer dürften vermutlich bereits Excel auf ihrem Rechner haben. Die Bundesregierung könnte ja jedem ein Exemplar schenken. Wie wäre es denn, wenn der Staat statt in ein Rentenkonto zu investieren, in Finanzwissen investieren würde, wie es ja schon seit langem von Wirtschaftlern gefordert wird? Bislang sind alle derartigen Vorstöße im Sande verlaufen – oder habe ich da etwas nicht mitbekommen?

 

 

 




Wie naiv sind die Jungen in punkto Rente?

Wie naiv sind die Jungen in punkto Rente? Rente? Ganz weit weg! Altersarmut? Ja, schon mal gehört. Viele, aber nicht alle Jungen interessiert noch wenig, wie es ihnen im Alter mal geht. Sie stecken den Kopf in den Sand und hoffen wohl im Stillen, dass es der Staat schon richten wird. Ob sie sich damit nicht verschätzen. Eigentlich müssten sie auf die Straße gehen und protestieren, aber davon ist nichts zu sehen.

Es herrsche statt Empörung eher Sorglosigkeit, schreibt die „Welt“. Das bestätigte auch die Studie „Jugend, Vorsorge, Finanzen“ des Versorgungswerks MetallRente und TNS Infratest Sozialforschung. Die „Zeit“ zitiert Paul Ziemiak, den Vorsitzende der Jungen Union, der forderte schon vor einem Jahr einen Aufstand der Jungen gegen die Rentenpolitik der Bundesregierung. Und? Ist was passiert? Nichts ist passiert. Die „Zeit“ bemüht einen netten Vergleich: „Das ist, als würde man seinen Mitbewohner aus der WG schmeißen, das freie Zimmer in ein Wohnzimmer umbauen und allen versprechen, die Miete bleibe für alle gleich hoch.“

Ok, einige Junge denken über das Thema nach – Felix von Laden beispielsweise. Im September 2017 war er bei Markus Lanz eingeladen, um über sich und seinen Besuch bei der Rentner Gang zu erzählen.

Die Rentner Gang von Felix von Laden

Die Jungen fühlen sich Jugendforscher Klaus Hurrelmann schlichtweg überfordert. Sie kümmern sich nur um ihr Studium, ihr Aussehen, ihre Selbstoptimierung anstatt für eine Lebensphase, die „noch ein halbes Jahrhundert“ entfernt liege. Die „Welt“ beschreibt es mit „naiver Planlosigkeit“. Die Jungen sind in der „Mehrzahl optimistisch, wenn sie an ihre eigene Zukunft denkt“, so Hurrelmann. Die Generation Y zweifele zwar an der privaten Vorsorge, gleichzeitig sparen nur 35 Prozent aller Jugendlichen regelmäßig für ihre Altersversorgung.

Rente kommt an ihre Belastungsgrenze

„Auch 15 Jahre nach der Rentenreform hat sich noch keine Kultur zusätzlicher Vorsorge in Deutschland entwickelt; die Tendenz geht bei der jungen Generation sogar in die entgegengesetzte Richtung“, so das Resümee von Christian Traxler, dem Mitherausgeber der Studie.

Durch den demografischen Wandel knackt es immer lauter im Renten-Gebälk. Schon heute zahlen die Jungen hohe Beiträge in die Rentenkasse, ohne jedoch hoffen zu können, im Alter entsprechend davon zu profitieren. Dabei will die Arbeitsministerien noch mehr Geld an die Rentner verteilen. „Doch statt Widerstand und Eigeninitiative herrscht Sorglosigkeit“, schreibt die „Welt“.

Der Satz des damaligen Sozialministers Norbert Blüm „Die Rente ist sicher“ ist ein Fanal, das jeden aufrütteln sollte.

„Die Rente ist sicher“, aber nicht in ihrer Höhe, was das Problem ist

ab 7:58 Minuten

Auch MetallRente-Geschäftsführer Heribert Karch bezeichnet die Ergebnisse der Studie als „zutiefst besorgniserregend“. Vor 15 Jahren sei die Renten-Reform mit dem Argument eingeführt worden, mehr Generationengerechtigkeit herzustellen. Das Ergebnis sei jedoch weniger Gerechtigkeit. Die junge Generation werde immer mehr zur prekären Generation der Rentenpolitik. Der Staat schießt bei der Rente immer mehr Geld zu. Dennoch liegen die Lohnersatzraten, sprich das Verhältnis der Rente zum vorherigen aktiven Einkommen, in Deutschland am unteren Ende dieser Länder. „Statt Generationen-Gerechtigkeit haben wir Unsicherheit“, so die Studie . Es müsse endlich gegengesteuert werden.

Die Jungen wünschen sich Zwang

Selbst werden sich die Jungen wohl kaum um ihre Altersvorsorge kümmern, davon ist Traxler und Hurrelmann überzeugt. Müssen die Jungen als gezwungen werden? Es scheint fast so. Die Studie zeigt, dass die Jungen angestupst werden (Nudge) wollen. Annähernd zwei Drittel stimmen automatischen Sparregelungen zu. Wenn so eine Sparregel mit einer Ausstiegsmöglichkeit (Opt-out) und einer Bezuschussung kombiniert werde, steige die Zustimmungsrate sogar auf 89 Prozent. Traxler ist erstaunt: „Die beinahe einhellige Zustimmung zu einer Default-Sparregel war sehr überraschend. Es scheint so, als wünschen sich Jugendliche einen Automatismus, der ihnen eigenständige Entscheidungen zumindest teilweise abnimmt“.

Es ist nach Traxlers und Hurrelmanns Meinung höchste Zeit, die Weichen zu stellen, um die junge Generation vor Altersarmut zu schützen. „Wir befinden uns bereits in der Mitte des 30-jährigen Reformprozesses“, mahnt Karch. Es sei an der Zeit, in einem Halbzeit-Gipfel mit allen Akteuren weitere Maßnahmen zu besprechen. Dazu sei es nötig, bei der betrieblichen Altersversorgung Hindernisse beiseite zu räumen und bessere Rahmenbedingungen für die bAV schaffen. Das heißt, die Förderung zu vereinfachen.

Politik muss endlich handeln

„So wie heute kann es nicht weitergehen. Denn selbst, wenn jemand vorbildlich in alle drei Säulen der Altersvorsorge einzahlt, kann er am Ende nicht mit einem zufrieden stellenden Ergebnis rechnen“, so das Fazit der Jugendforscher. Das System führe die jungen Leute an der Nase herum. Die Politik müsse jetzt handeln. Denn sonst sei es für die junge Generation zu spät. „Dann ist sie objektiv von Altersarmut bedroht“. Und damit malen die Beiden sicher nicht zu schwarz.


Jetzt ist es amtlich: Das Gros der Noch-Nicht-Rentner fühlt sich laut ARD-Deutschlandtrend ungenügend fürs Alters abgesichert.  57 Prozent der Befragten sind eben dieser Meinung. Nur etwas mehr als ein Drittel glaubt, fürs Alter ausreichend abgesichert zu sein. Dabei zeigt sich: Junge glauben schon gar nicht mehr daran, im Alter abgesichert zu sein, wobei dieses Gefühl häufig genug gleich wieder ad acta gelegt wird. Bei den 18- bis 34-Jährigen sehen sich knapp zwei Drittel als unzureichend abgesichert. Die Noch-Nicht-Rentner haben wenig Vertrauen in die Politik. Zwei Drittel glauben nicht, dass die schwarz-rote Koalition eine mögliche Altersarmut verhindern kann.

Dumm nur, dass die Alten so viele sind und die Jungen so wenige. „Die Anstalt“ hat das jüngst so schön persifliert. Ab Minute 20:00 geht’s um das Thema Generationskonflikt und Demographie. Sehenswert!


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Warum es wichtig ist, im Job und Freundeskreis richtig zu hören?

Wer schlecht hört, merkt bald, wie die Probleme im Umgang mit Anderen wachsen. Das betrifft Gespräche in Gruppen, Telefonate und Meetings mit mehreren Kollegen. Viele ziehen sich immer weiter zurück. Die Folge ist schleichende Isolation. Das muss nicht sein.

Schwerhörigkeit wird oft verdrängt

Betroffenen wird oft erst klar, dass sie schlecht hören, wenn sie von Außenstehenden darauf hingewiesen werde. Die erste Reaktion in vielen Fällen: Verdrängung. Wie sonst lässt sich erklären, dass sich nur rund elf Prozent der Betroffenen hierzulande auch behandeln lassen? Offensichtlich arrangieren sich viele mit ihrer Einschränkung. Besonders im beruflichen und sozialen Umfeld macht sich dies bemerkbar.

Soziale Kontakte schwinden

Schwerhörige beginnen, sich unwohl zu fühlen, wenn sie in einer Gruppe zusammenstehen, Meetings mit vielen Kollegen werden zur Herausforderung. Das gilt auch im privaten Bereich, bei Festen und Feiern mit vielen Hintergrundgeräuschen – alles Anzeichen für einen Hörverlust, der den Alltag zunehmend erschwert. Die Probleme im Job wachsen und sozialen Kontakte schwinden. Das bedeutet letztlich ein zunehmender Rückzug aus der Gesellschaft, was die Lebensqualität stark beeinträchtigt.

Lebensqualität zurückgewinnen

Also, besser frühzeitig zum Ohrenarzt gehen und auf Freunde hören. Dank Hörgeräten und implantierbare Hörlösungen muss sich heute möglich fast niemand mehr mit den negativen Folgen von Hörverlust abfinden – auch, wenn er weit fortgeschritten ist. Vielen Menschen hat diese Möglichkeit dabei geholfen, Lebensqualität zurück zu gewinnen und soziale Kontakte aufzufrischen.

Von Hörverlust hart getroffen

Einer von ihnen ist Petr Dobias: „Von Beruf bin ich Diplom-Ökonom. Jahrelang habe ich für einen Industriebetrieb Kunden betreut – das hat mir großen Spaß gemacht. Auch mein Privatleben war stets voller Freude: Meine Frau und ich haben zwei Kinder großgezogen und viele Reisen gemeinsam unternommen. Wir sind gerne zu Konzerten gegangen oder waren mit unseren Freunden aus. Meine plötzliche Ertaubung hat dieses Leben abrupt beendet.“

Anfangs nahm er die Verschlechterung seines Gehörs hin, aber als er fast nichts mehr hörte, war das ein Schock: „Bereits vor 25 Jahren bin ich auf einem Ohr ertaubt. Da ich auf der anderen Seite noch gut gehört habe, habe ich nie etwas unternommen. Aber irgendwann wurde mein Gehör auch auf dem gesunden Ohr immer schlechter. Zuerst hielt ich das für eine Alterserscheinung, nach zwei schweren Hörstürzen war ich aber plötzlich fast vollkommen taub. Da halfen auch keine Hörgeräte mehr!“

Alles tun, wieder zu hören

Wie bei vielen Betroffenen leidet Petrs ganzes Leben unter seinem eingeschränkten Gehör: „Beruflich war ich mit nur 52 Jahren am Boden. Der plötzliche Hörverlust hat mich hart getroffen und ich war bereit alles zu tun, um wieder hören zu können. Ich war eigentlich immer ein sozialer und aktiver Mensch, wegen meines Hörverlusts habe ich mich aber immer weiter zurückgezogen. Auch meine Familie und Freunde waren damals sehr verunsichert. Ich wollte unbedingt wieder hören können – deshalb war die Entscheidung für mich absolut richtig. Mit den Hörimplantaten habe ich Schritt für Schritt mein Leben wieder zurückbekommen.“

Tipps und Erfahrungen von Betroffenen

Mit anderen Betroffenen ist Petr als HörPate aktiv und bietet an Fragen zu beantworten und seine Geschichte zu teilen, um anderen den Mut zu geben sich nicht mit dem Hörverlust abzufinden: „Deswegen möchte ich als HörPate anderen Menschen helfen die für sie richtige Entscheidung treffen zu können. Mein Ratschlag ist es zu handeln. In den meisten Fällen kommt das verloren gegangene Gehör nicht von alleine zurück. Nur andere Betroffene wissen, wie sich diese Situation wirklich anfühlt und können einem bei der Entscheidung helfen. Deshalb will ich über die HörPaten Plattform meine Erfahrungen und Tipps weitergeben und anderen Menschen helfen.“




Wer bei der Bundestagswahl wen von den 42 Parteien wo wählen darf

„Stimmzettel für die Wahl zum Deutschen Bundestag im Wahlkreis Nr. XXX am 24. September 2017 – Sie haben 2 Stimmen“, so steht es auf dem Stimmzettel für die Bundestagswahl. Dabei sieht der Wahlzettel in den einzelnen Bundesländern durchaus unterschiedlich aus. So stehen in Mecklenburg-Vorpommern nur 14 Parteien zur Wahl, in Berlin 28.

Also, ganz so einfach ist es wohl doch nicht bei der Bundestagswahl 2017 am 24. September. Auch die Reihenfolge der Parteien auf den Stimmzetteln ist bei der Bundestagswahl nicht überall gleich. Für jeden der 299 Wahlkreise werden eigene Stimmzettel gedruckt, „weil in jedem der 299 Wahlkreise unterschiedliche Direktkandidatinnen und -kandidaten antreten“, so der Bundeswahlleiter. Das heißt, es gibt 299 unterschiedliche Stimmzettel für die Bundestagswahl 2017.

Links Erststimme, rechts Zweitstimme

Auf dem Stimmzettel der Bundestagswahl sind links die Direktkandidaten aufgeführt – die Erststimme der Wähler; rechts sind die Parteien für die Wahl mit der Zweitstimme. Die Reihenfolge sei zunächst nach den Parteien bestimmt, die mit Landeslisten antreten, so der Bundeswahlleiter. „Ihre Reihenfolge in der rechten Spalte des Stimmzettels richtet sich nach der Zahl der Zweitstimmen, die die einzelnen Parteien bei der letzten Bundestagswahl 2013 in dem jeweiligen Land erzielt haben“, begründet er. Die übrigen Parteien seien in alphabetischer Reihenfolge aufgelistet. „Somit ist die Reihenfolge der Parteien auf den Stimmzetteln innerhalb jedes einzelnen Landes einheitlich.“

CDU oft an erster Stelle

Diesem System folgend nimmt bei der Bundestagswahl 2017 die CDU in 13 Ländern den Listenplatz eins ein – und zwar in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Berlin, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Hessen, Thüringen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und im Saarland, in zwei Ländern wiederum steht die SPD an erster Stelle, so in Hamburg und in Bremen. Bayern ist eine Besonderheit, tritt hier doch statt der CDU die Schwesterpartei CSU an.

SPD oft nur an zweiter Stelle

Den Listenplatz zwei belegen bei der Bundestagswahl 2017 dem Wahlleiter zufolge in zehn Ländern die SPD – und zwar in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Brandenburg, Berlin, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz, Bayern, Baden-Württemberg und im Saarland, in vier Ländern DIE LINKE, darunter in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Sachsen und in Thüringen und in zwei Ländern die CDU, nämlich in Hamburg und in Bremen.

Platz drei belegen Grüne, SPD und Linke

Den Listenplatz drei belegen in neun Ländern die GRÜNEN, darunter in Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen, Bremen, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz, Bayern und Baden-Württemberg, in vier Ländern die SPD, darunter in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Sachsen und in Thüringen und in drei Ländern DIE LINKE, darunter in Brandenburg, Berlin und im Saarland.

LINKE und AfD erscheinen auf dem Listenplatz vier in jeweils fünf Ländern: DIE LINKE in Hamburg, Niedersachsen, Bremen, Nordrhein-Westfalen und Hessen; die AfD in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen; in vier Ländern ist die FDP auf Platz vier, darunter in Schleswig-Holstein, Rheinland-Pfalz, Bayern und Baden-Württemberg; in Berlin und im Saarland sind es die GRÜNEN.

Wahlzettel schon einmal ansehen

Wer sich schon mal für die Bundestagswahl 2017 einstimmen will, schaut am besten bei der Seite Wahlumfrage.de vorbei, dort sind die meisten Musterwahlzettel für die jeweiligen Wahlbezirke hinterlegt. Die Liste ist noch nicht ganz vollständig, wird aber ständig ergänzt. Übrigens, auf dem Stimmzettel für den Wahlkreis Fürstenfeldbruck belegen Katrin Staffler von der CSU, Michael Schrodi von der SPD, Walter Rosenheimer von den Grünen und Andreas Schwarzer von der FDP die ersten vier Plätze. Auf der Liste stehen in diesem Wahlkreis nur elf Erststimmen insgesamt 21 Zweitstimmen gegenüber.

Wahlservice von Google

Zudem hat Google das neue Mini-Portal Kandidaten zur Bundestagswahl gestartet, „auf dem man sich nicht nur über die Spitzenkandidaten informieren kann, sondern vor allem auch den eigenen Wahlkreis etwas besser kennen lernen kann“, so Google. „Dazu gibt man einfach nur die Postleitzahl oder die Stadt ein, und bekommt dort alle Informationen und Kandidaten für die jeweilige Region aufgelistet, schön säuberlich sortiert nach Partei“ – was für ein Service.

Die größten, kleinsten und reichsten Wahlkreise

Die Welt“ hat die kleinsten, größten, reichsten, ärmsten und kinderreichsten Wahlkreise identifiziert und vorgestellt. So ist der Wahlkreis mit den meisten Hartz-IV-Empfängern beispielsweise im Westen zu suchen und nicht im Osten: Es ist Gelsenkirchen, wo fast jedes zweite Kinde in einem Haushalt lebt, der Hartz IV bezieht. 

Wahl-o-mat

Wer sich noch immer nicht schlüssig ist, wen er wählen soll, kann ja den Wahl-o-mat befragen. Der Wahl-O-Mat stellt 38 Fragen, die jeder mit „stimme zu“, „stimme nicht zu“ oder „neutral“ beantwortet. Fragen können auch überspringen werden. Nach dem Durchlauf kann sich jeder für maximal acht Parteien entscheiden, die bei der Auswertung berücksichtigt werden sollen. Anhand der Antworten wird kalkuliert, welcher Partei Sie am nächsten stehen.

Ein Appell zum Schluss: Geht zur Wahl!




Kampf gegen den Kraken Krankenkasse

„Erst angelockt, dann abgezockt“ – so fühlen sich viele, die in den 80er-, 90er- und 00er-Jahren etwas für die Altersvorsorge zurückgelegt haben, um dann in der Rente von Staat und Krankenkasse geplündert zu werden. Rot-Grün hat mit Hilfe von Schwarz 2004 ein Gesetz durchgepeitscht, das heute viele Rentner viel Geld kostet und schmerzt. Denn von dem, was sie ausbezahlt bekommen, müssen sie annähernd ein Fünftel an die Krankenkassen abdrücken.

Die Wut der Betroffenen ist so groß, dass sie am 19. September 2017 dagegen protestierten und in Düsseldorf eine Demonstration organisierten – übrigens nicht die erste. Von dem Geld, das sie am Ende ihres Berufslebens von einer Direktversicherung – in der Regel eine Kapitallebensversicherung – bekommen, wird der Arbeitnehmer- und Arbeitgeberanteil für Kranken- und Pflegekasse abgezogen. Einschließlich Zusatzbeitrag sind das zwischen 18 und 19 Prozent, je nach Krankenkasse – und das verteilt auf zehn Jahre. Das heißt, die Betroffenen zahlen jeden Monat zehn Jahre lang an die Krankenversicherung. Wohl gemerkt zusätzlich zu dem, was sie als Rentner sowieso schon an Krankenkassenbeiträge berappen müssen. Einige dürften in der Rente damit mehr Krankenkassenbeiträge zahlen als in ihrem Berufsleben.

 

Versprochen, gebrochen – so geht Politik

Dabei wurde ihnen damals, als sie den Vertrag über die Entgeltumwandlung unterschrieben haben, ganz etwas anderes erzählt. Millionen Angestellte und Arbeiter haben eine derartige Versicherung abgeschlossen, in gutem Glauben, im Alter auf ein finanzielles Polster zurückgreifen zu können für Eventualitäten wie Renovierung oder Kuraufenthalt. Sie haben die Beiträge aus der eigenen Tasche gezahlt – in Form der Gehaltsumwandlung. Beim Abschluss hat keiner der Betroffenen ahnen können, dass sie nachträglich von Politik und Krankenkassen enteignet werden, denn bei Vertragsabschluss war keine Rede davon. Rot-Grün-Schwarz haben 2004 den Vertrauensschutz mit Füßen getreten.

Von wegen Vertragstreue

Von wegen „pacta sunt servanda“ oder „Verträge sind einzuhalten“. Vertragstreue gilt offensichtlich nicht, wenn Krankenkassen in Schieflage geraten. Dabei ist Vertragstreue der wichtigste Grundsatz des öffentlichen und privaten Vertragsrechts. Schwarz-Rot-Grün haben 2003 Direktversicherungen einfach der Betriebsrente gleichgestellt.

Das Schlimme an diesem Sündenfall ist jedoch, dass „die Politik durch ein höchst fragwürdiges Gesetz das Vertrauen in die betriebliche Altersvorsorge zerstört“, geißelt Gerhard Kieseheuer, Vorsitzender des Vereins Direktversicherungsgeschädigte (DVG), dieses Gesetz. Die Lobbyisten der Krankenkassen haben sich beim Gestalten des Gesundheitsmodernisierungsgesetzes (GMG) durchgesetzt. „Seitdem machen die Krankenkassen aus Kapitallebensversicherungen Betriebsrenten“.

Demo gegen die Abzocke der Krankenkassen


FDP als letzte Hoffnung

Seinerzeit war die FDP die einzige Partei, die gegen diesen Vertragsbruch gestimmt hatte. Insofern verwundert es nicht, dass Politiker der FDP bei der Demonstration der Direktversicherten am 19. September 2017 auch mit von der Partie waren. Johannes Vogel, Generalsekretär der FDP in Nordrhein-Westfalen und Mitglied des Bundesvorstands der FDP, sowie Marie-Agnes Strack-Zimmermann, stellvertretende Bundesvorsitzende der FDP, haben sogar den Demo-Sarg des Vereins der Direktversicherungsgeschädigten (DVG) mit durch Düsseldorfs Straßen getragen. Detlef Parr, Vorsitzender der Senioren FDP, kann sich noch gut an damals erinnern, als das Gesetz durchs Parlament geschleust wurde – „für Ulla Schmidt und Horst Seehofer die schönsten gemeinsamen Nächte“, meint er süffisant. Er habe sich vehement gegen dieses Unrecht gewehrt, allerdings ohne Erfolg.

Vogel ist davon überzeugt, dass „die Politik Anreize schaffen muss für die private Vorsorge und nicht diejenigen bestrafen, die Vorsorge betreiben“. Durch die 2004 von CDU/CSU, SPD und Grünen ausgearbeitete Gesundheitsreform (GMG) seien Millionen Bundesbürger, die auf den politischen Rat vertraut und Direktversicherungen abgeschlossen haben, seither bei Fälligkeit doppelt belastet, so seine Meinung. „Sie müssen den vollen Beitrag zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung abführen, obwohl diese Verträge vom Einkommen gespart wurden, welches bereits voll verbeitragt war“, bringt er es auf den Punkt. Die FDP habe als einzige Fraktion im Deutschen Bundestag damals dagegen gestimmt, sei aus den fraktionsübergreifenden Verhandlungen ausgestiegen und habe sogar in einem gesonderten Antrag die Rücknahme dieser ungerechten Maßnahme gefordert. Für ihn und für die FDP sei es deswegen klar, dass „die von CDU/CSU, SPD und Grünen unfairerweise eingeführte doppelte Belastung der betrieblichen Altersvorsorge durch Sozialabgaben – bei Kapitalauszahlungen von aus Nettoeinkommen finanzierten Direktversicherungen – der Kranken- und Pflegeversicherung abgeschafft gehört“, wofür sich die FDP einsetzen will. Die FDP will sich deshalb „ohne Wenn und Aber für die überfällige Korrektur des GMG einsetzen“. Seine Parteikollegin Marie-Agnes Strack-Zimmermann ist voll auf Vogels Linie.

Eine Zeitbombe tickt

Dass der Aufschrei nicht größer ist, hat wohl auch damit zu tun, dass „Millionen von Bürgerinnen und Bürger unseres Landes, deren Direktversicherungs-Verträge noch laufen, nicht ahnen können, was nach Auszahlung ihrer Versicherung auf sie zukommt“, begründet Kieseheuer. Das sei ja das „Perfide“ an diesem Gesetz, so Vogel. Die Macher dieses Gesetzes, vor allem Ulla Schmidt von der SPD und Horst Seehofer von der CSU hatten damals offensichtlich darauf gehofft, dass alle, die per Direktversicherung fürs Alter vorsorgen, erst dann aufwachen, wenn die Krankenkasse zuschlägt – und das ist jetzt. Es wird aber Zeit, dass auch alle anderen aufwachen, die es demnächst betreffen wird. Denn, wie urteilt der DVG-Vorsitzende Kieseheuer – das „ist ein in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland einmaliger Vorgang“.

Der DVG fordert deswegen, dass

  • „die Direktversicherungen, die vor 1999 oder 2004 abgeschlossen wurden und die aus versteuertem und sozialversicherungspflichtigem Entgelt vom Arbeitnehmer selbst finanziert wurden, ohne Zuschuss des Arbeitgebers (Bruttoumwandlung durch Arbeitnehmer) endlich beitragsfrei gestellt werden.
  • die Anerkennung unserer Verträge als private Kapitallebensversicherungs-Verträge. Zum Zeitpunkt der Vertragsabschlüsse war die Brutto-Entgelt-Umwandlung in der betrieblichen Altersversorgung im Gesetz überhaupt nicht vorgesehen und auch nicht möglich (dies wurde erst 1999 im Rentenreformgesetz aufgenommen).
  • Die Anerkennung, dass bei unseren Verträgen die geforderte Versorgungszusage nicht gegeben ist, ja gar nicht gegeben sein kann, da beim Abschluss der Verträge keine betriebliche Altersvorsorge im Sinne des Gesetzes vorlag.“



Im Alter schwer hören muss nicht sein – was, wenn Hörgeräte nicht mehr helfen?

Im Alter schwer hören? Das muss nicht sein. Nur wer alles mitbekommt, kann das Leben genießen – und dazu gehört das Hören. Mit schlechtem Gehör muss sich niemand abfinden. Manchmal helfen Hörgeräte, manchmal nur Implantate.

Mal ehrlich, was ist das für ein Leben, wenn ich nur die Hälfte dessen verstehen, was die Runde erzählt? Gesundheit, gutes Sehen und Hören sind Lebensqualität. Das ist jedoch keine Selbstverständlichkeit. Die Zahl der von Hörverlust betroffenen Menschen in Deutschland nimmt zu. Oft merken es die Betroffenen selbst nicht, dass sich ihr Gehör nach und nach verschlechtert. Viele glauben, das wäre normal, Altersschwerhörigkeit eben. Sie nehmen es einfach achselzuckend hin.

Unter dem Hörverlust leiden vor allem das Sozialleben, die Arbeit und damit die Lebensfreude. Betroffene neigen dazu, für sie schwierige Situationen zu meiden – der soziale Rückzug und oft auch Einsamkeit sind die Folge. Es ist deshalb äußerst wichtig auf sein Gehör zu achten und es regelmäßig untersuchen zu lassen. Je früher ein Hörverlust nämlich erkannt wird, desto besser kann er behandelt werden.

Schwerhörigkeit kann verschiedene Gründe haben und für fast alle Formen gibt es heute eine Behandlungsmethode, beispielsweise durch Hörgeräte oder durch implantierbare Hörlösungen.

  • Die häufigste Art von Hörverlust ist die Schallempfindungsschwerhörigkeit. Ursache dafür sind fehlende oder beschädigte Sinneszellen (Haarzellen) in der Cochlea, der Hörschnecke.
  • Der Begriff Schallleitungsschwerhörigkeit bezeichnet alle Probleme im Außen- oder Mittelohr, die eine ordnungsgemäße Weiterleitung des Schalls an das Innenohr verhindern.
  • Bei einer kombinierten Schwerhörigkeit liegt sowohl eine Schallempfindungsschwerhörigkeit als auch eine Schallleitungsschwerhörigkeit vor.
  • Von einem neuralen Hörverlust wird gesprochen, wenn der Hörnerv die Signale nicht an das Gehirn weiterleiten kann.

Nur wenig Schwerhörige sind in Behandlung

Nur eine Minderheit der Schwerhörigen ist in Behandlung, die überwiegende Mehrheit sitzt das Problem aus

Selbst wenn herkömmliche Hörgeräte bei einigen dieser Arten nicht helfen, gibt es für fast alle Arten von Hörverlust heute Lösungen, Implantate beispielsweise. Keiner muss sich damit länger mit einem schlechten Gehör abfinden.

Viele Betroffene können sich nach der Entscheidung für ein Hörimplantat wieder leichter unterhalten, Musik hören oder sogar ins Berufsleben zurückkehren. Ein besseres Sprachverständnis, die Möglichkeit wieder zu telefonieren und der damit verbundene Wiedereinstieg ins gesellschaftliche Leben bringen Betroffenen Lebensqualität zurück und das auch noch im hohen Alter. Wer sich unsicher ist und sich über Lösungen informieren möchte, kann beispielsweise mit der Initiative „HörPaten“ in Kontakt treten.

Die HörPaten haben für sich schon die Entscheidung für ein Hörimplantat getroffen, da herkömmliche Hörgeräte bei Ihnen nicht mehr die nötige Unterstützung geliefert haben. Auf der Website HörPaten stellen sich Hörimplantatträger aus ganz Deutschland zur Verfügung ihre Erfahrungen zu teilen. Hier kann jeder Betroffene und jeder Interessierte in Kontakt treten.

 

 

 

Tipps zum Thema Hören:

  • Regelmäßig das Hörvermögen untersuchen lassen. Damit lassen Verschlechterung unmittelbar erkennen und behandeln. Fortschreitender Hörverlust wird oft nicht direkt subjektiv wahrgenommen, weshalb eine objektive Einschätzung durch Hörtests sehr wichtig ist.
  • Verschiedene Experteneinschätzungen des eigenen Hörverlustes machen es den Betroffenen oft einfacher, sich mit ihrer Situation auseinander zu setzen. So erhalten sie einen besseren Einblick in die Möglichkeiten, die sich bieten, um etwas gegen Hörverlust zu unternehmen.
  • Hören hat Einfluss auf sehr viele Bereiche unseres Lebens. Besonders soziale Interaktion und allgemeines Wohlbefinden sowie der Gesundheitszustand sind stark vom Hören abhängig.
  • Die Entscheidung für ein Hörimplantat ist eine sehr persönliche, da es das gesamt Leben beeinflusst ob man hört oder nicht.



Wie sich Rentner doch noch günstiger versichern können

Wer sein ganzes Berufsleben gesetzlich krankenversichert war, hat im Alter kein Problem. Dumm nur, wer zwischenzeitlich privat krankenversichert war – der blutet in der Rente. Seit August 2017 dürfen einige Rentner allerdings auf niedrigere Krankenkassenbeiträge hoffen, denn eine Gesetzesänderung entschärft die sogenannte 9/10-Regelung.

„Ihre Suchanfrage im Bereich tk.de führte zu keinem Ergebnis“ – so ergeht es Krankenversicherten, der auf der Internetseite der Techniker Krankenkasse nach „9/10-Regelung“ suchen. Auch DAK und Barmer helfen Versicherten in punkto 9/10-Regelung nicht weiter.  Viele Krankenversicherte werden mit dem Thema allein gelassen, dabei entscheidet sich damit oft, ob jemand im Alter auskömmlich leben kann oder nicht. Die 9/10-Regelung ist kompliziert und trifft vor allem ältere Frauen und Selbstständige – oder Angestellte, die zeitweise privatversichert waren. Sie werden von der solidarischen Krankenversicherung der Rentner, kurz KVdR, ausgeschlossen, deren Vorteil ist, dass die Rentenversicherung den Arbeitgeberanteil übernimmt und der Rentner „nur“ den Arbeitnehmeranteil zahlen muss.

Pflichtversichert oder freiwillig versichert?

Die KVdR-Versicherten sind, um es plastisch auszudrücken, sozusagen bei der Deutschen Rentenversicherung angestellt, die den Arbeitgeberanteil übernimmt. Wer bei der KVdR pflichtversichert ist, zahlt Krankenkassenbeiträge nur von seiner gesetzlichen Rente, einer Betriebsrente und – falls vorhanden – aus selbstständiger Tätigkeit. Wer dagegen bei der KVdR freiwillig gesetzlich krankenversichert ist, muss auch auf Mieteinkünfte und Privatrenten Beiträge zahlen. Der Unterschied kann einige Hundert Euro ausmachen.

Beiträge in die gesetzliche Krankenversicherung der Rentner

 pflichtversichert in der KVdR freiwillig versichert in der KVdR 
beitragspflichtigBeitragssatz in %beitragspflichtigBeitragssatz in %
gesetzliche Renteja7.3ja7.3
Versorgungsbezügeja14.6ja14.6
Erwerbseinkommenja14.6ja14.6
Direktversicherungja14.6ja14.6
Mieteinnahmennein-ja14.6
Zinsen und ähnlichesnein-ja14.6
Privatrentenein-ja14.6
Quelle: GKV, den Zusatzbeitrag tragen Rentner in voller Höhe

Was ist der Unterschied zwischen pflicht- und freiwillig versichert? Das hängt von der sogenannten Vorversicherungszeit ab – und damit kommen wir zur 9/10-Regelung. Kling kompliziert, ist kompliziert. Voraussetzung für die Pflichtversicherung in der KVdR ist: „Wenn seit der Aufnahme einer Erwerbstätigkeit bis zur Rentenantragstellung mindestens neun Zehntel der zweiten Hälfte dieses Zeitraums eine Mitgliedschaft – als pflicht- oder freiwilliges Mitglied – oder eine Familienversicherung bestanden hat“, schreibt die Deutsche Rentenversicherung. Bei krankenversicherungspflichtigen Rentnern beteiligt sich eben die Rentenversicherung an den Beiträgen.

Privatversicherte fallen durchs Raster

Einige fallen allerdings aus diesem Raster. Das sind vor allem jene, die während ihre Berufslebens privat versichert waren. Klar, dass die KVdR für sie nur eingeschränkt zahlt. Aber selbst, wer während seines Berufslebens von der privaten in die gesetzliche Krankenversicherung wechselte, bekommt unter Umständen Probleme. Entscheidend ist, wann er gewechselt hat. Was einige Privatversicherte vielleicht nicht wissen: Sie können einen Zuschuss zu ihrer privaten Krankenversicherung beantragen, wenn sie gesetzliche Rente beziehen.

Und jetzt kommen wir zur 9/10-Regelung. Die KVdR – und sie fragt das bei Rentenantrag explizit im Formular R0810 ab – will wissen, wie treu er seiner gesetzlichen Krankenversicherung in der zweiten Hälfte seines Berufslebens war. Nur wer mindestens zu 9/10 oder 90 Prozent in der zweiten Hälfte seines Erwerbslebens in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) pflichtversichert, freiwillig versichert oder familienversichert war, kann als günstig Pflichtversicherter in die KVdR – alle andere sind gezwungen, mit einem in der Regel höheren Beitrag freiwillig Mitglied zu werden.

Das Ganz am Beispiel erklärt

„Finanztip“ hat das an einem Beispiel durchgerechnet:

Ein Ingenieur arbeitet nach seinem Studium mit 25 als Angestellter und ist gesetzlich krankenversichert. Nach ein paar Jahren macht er sich selbstständig und wechselt in die private Krankenversicherung. Mit 47 muss er seine Selbstständigkeit aufgeben und geht wieder in ein Angestelltenverhältnis. Im Zuge dessen kehrt er in die GKV zurück. Mit 65 geht er schließlich in Rente.  Der Ingenieur in diesem Beispiel darf in die Krankenversicherung der Rentner, da er die Vorversicherungszeit gerade so erfüllt: Er war 40 Jahre lang erwerbstätig. Die zweite Hälfte seines Erwerbslebens begann mit 45. Von diesen 20 Jahren war er 18 Jahre lang gesetzlich versichert, das entspricht genau 90 Prozent dieses relevanten Zeitraums.

 

Ältere Frauen sind die Dummen

Das führte manchmal bei älteren Frauen zu abstrusen Ungerechtigkeiten: Ehefrauen von Beamten, Richtern oder Selbstständigen waren über ihren Mann privat versichert. Wenn sie in der Zeit, als sie Kinder großzogen, nicht gearbeitet hatten, waren sie natürlich in keiner gesetzlichen Krankenversicherung. Für die gesetzliche Krankenkasse gelten sie als freiwillige Versicherte und fallen durch das 9/10-Raster. Wenn sie in Rente gehen, kommen sie nicht in den Genuss der Pflichtversicherung in der KVdR.  Entsprechend hoch sind ihre Beiträge. Durch die Neuregelung des Sozialgesetzbuchs (siehe weiter unten) zum 1. August 2017 haben sie jetzt möglicherweise eine Chance, doch noch als Pflichtversicherte in die KVdR zu kommen.

Zurück in die gesetzliche Krankenkasse?

Manche Privatversicherte glauben, sie können noch vor 55 in die GKV wechseln. Das ist richtig, wenn sie weniger verdienen als die Versicherungspflichtgrenze von 57 600 (Stand 2017). Das geht durch Gehaltsreduzierung. Wer Selbstständig ist, muss in seinem Job in ein Angestelltenverhältnis wechseln, in dem er weniger als 57 600 Euro – 4800 Euro im Monat – verdient. Wer es schafft, von der privaten zurück in die gesetzliche Krankenkasse zu kommen, darf nicht glauben, dass er im Alter damit automatisch als Pflichtversicherter in der KVdR aufgenommen wird.

Wem das alles noch zu einfach wer, für den gibt’s seit 1. August noch ein Schmankerl, wie die Neue Osnabrücker Zeitung schreibt  – das zumindest einigen schmecken dürfte. Seit August haben Mütter und Väter vielleicht doch noch die Chance, als Pflichtversicherte in die KVdR zu rutschen. Mit der Gesetzesänderung wird die sogenannte 9/10-Regelung für die Mitgliedschaft in der Pflichtversicherung entschärft. Und was ist neu ab 1. August 2017? Die 9/10-Regelung in punkto Vorversicherungszeit bleibt zwar bestehen, aber Versicherte mit Kindern – und zwar Mutter und Vater – können sich pro Kind drei Jahre in der zweiten Hälfte ihres Erwerbslebens anrechnen lassen. Das ist übrigens in §5 Absatz 2 des Sozialgesetzbuchs V so neu geregelt worden. Und da heißt es: „Auf die nach Absatz 1 Nummer 11 erforderliche Mitgliedszeit wird für jedes Kind, Stiefkind oder Pflegekind (§ 56 Absatz 2 Nummer 2 des Ersten Buches) eine Zeit von drei Jahren angerechnet“. Absatz 1 Nummer 11 besagt, dass „Personen, die die Voraussetzungen für den Anspruch auf eine Rente aus der gesetzlichen Rentenversicherung erfüllen und diese Rente beantragt haben, wenn sie seit der erstmaligen Aufnahme einer Erwerbstätigkeit bis zur Stellung des Rentenantrags mindestens neun Zehntel der zweiten Hälfte des Zeitraums Mitglied oder nach § 10 versichert waren“. Die Deutsche Rentenversicherung hat die Rahmenbedingungen für eine Mitgliedschaft in der KVdR einmal zusammen gestellt, allerdings in Versicherungsdeutsch.

Was bedeutet das konkret? Die Neuregelung gilt für Neu- und Bestandsrentner. Die drei Jahre pro Kind kann immer auf die zweite Hälfte des Erwerbslebens und damit zur Erfüllung der 9/10-Regelung angerechnet werden.

Die TK hat das an einem Beispiel durchgerechnet:

Beginn Ihres Berufslebens: 1.8.1973
Datum des Rentenantrags: 31.3.2017
Beginn der 2. Hälfte dieses Zeitraumes: 1.6.1995
90 Prozent der 2. Hälfte: 19 Jahre, 7 Monate, 29 Tage
Für eine Pflichtversicherung in der KVdR müssen vom 1.6.1995 bis zum 31.3.2017 mindestens 19 Jahre, 7 Monate und 29 Tage an Vorversicherungszeiten vorliegen – durch Versicherungszeiten in der gesetzlichen Krankenversicherung in der zweiten Hälfte Ihres Berufslebens und (ab dem 1. August 2017) durch Kinder.
Sofern Sie bislang beispielsweise eine Vorversicherungszeit von 18 Jahren erreicht haben und ein Kind haben, kommen Sie auf eine Vorversicherungszeit von 21 Jahren und können ab dem 1. August 2017 in der KVdR versichert werden

 

Die Krux bei dieser Neuregelung: Jeder muss selbst aktiv werden, wenn er glaubt, davon zu profitieren. Die gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen (GKV) prüfen die Versicherungspflicht unter den neuen rechtlichen Bedingungen nur, wenn der Betroffene das veranlasst.  Wer also als Rentner glaubt, sich durch die Neuregelung ab dem 1.August besser zu stellen, sollte seine Krankenkasse um eine Neuberechnung bitten.

Können über 55-Jährige privat Krankenversicherte überhaupt noch in gesetzliche Krankenversicherung? Privat Krankenversicherte, die bereits 55 Jahre oder älter sind, haben es sehr schwer, sich überhaupt noch bei einer gesetzlichen Kasse zu versichern – und das gilt auch in der Rente. Als privat Krankenversicherter zum Pflichtversicherten in der KVdR werden? Ganz schwer, bis unmöglich. Das Portal für Steuerberater fasst es so zusammen:

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Zugang zur gesetzlichen Krankenversicherung bei über 55-jährigen Versicherten endgültig verwehrt ist, wenn in den letzten fünf Jahren einerseits keine gesetzliche Krankenversicherung bestand und ein qualifizierter Grund für die fehlende Krankenversicherungspflicht, insbesondere das Überschreiten der Jahresentgeltgrenze oder die Ausübung einer selbständigen Tätigkeit, für mindestens 900 Tage vorlag. Nicht zwingend ist ein zusammenhängender Zeitraum. Ebenso ist der Zugang zur gesetzlichen Krankenversicherung bei absoluter gesetzlicher Versicherungsfreiheit verwehrt.

Und das Portal für Steuerberater liefert auch ein Beispiel dazu:

Herr Berger hat am 4. April 2014 sein 55. Lebensjahr vollendet. Bevor er sich am 1.1.2014 mit IT-Beratung selbständig gemacht hat, war er bis 31.12.2013 als Angestellter tätig und gesetzlich krankenversichert. Mit Aufnahme der selbständigen Tätigkeit wechselte er in die private Krankenversicherung. Im Mai 2014 wird ihm eine Stelle als Angestellter angeboten; das Gehalt würde unter der Jahresentgeltgrenze liegen. Diese Stelle würde er gern annehmen. Auch wenn Herr Berger bei Beginn des neuen Arbeitsverhältnisses über 55 Jahre alt ist, ist er gesetzlich krankenversicherungspflichtig, weil er innerhalb der letzten fünf Jahre gesetzlich krankenversicherungspflichtig war, d.h. er hat die Möglichkeit, obwohl er älter als 55 Jahre ist, in die gesetzliche Krankenkasse zurückzukehren.

 

Bis 40 für ein System entscheiden

Wer zu spät von der privaten in  die gesetzlich Krankenversicherung wechselt, zahlt in der Rente meist höhere Beiträge als Pflichtversicherte. Das 40. Lebensjahr ist somit eine Wendemarke.

Selbstständige müssen sich normalerweise selbst versichern – in der Regel bei einer privaten Krankenversicherung. Ausgenommen davon sind Künstler, Journalisten und Schriftsteller. Sie können sich bei der Künstlersozialkasse pflichtversichern lassen. Voraussetzung ist allerdings, dass „eine künstlerische oder publizistische Tätigkeit erwerbsmäßig und nicht nur vorübergehend ausgeübt wird“, so steht es im Gesetz. Dabei gilt, dass die „künstlerische oder publizistische Tätigkeit selbständig und erwerbsmäßig ausgeübt werden muss“.

Das gilt auch nur für „Künstler“, die niemand sonst beschäftigen, also Solopreneure.

Mindestverdienst 3900 Euro pro Jahr

Und noch eines kommt hinzu: Die Künstlersozialkasse erwartet, dass der „Künstler“ pro Jahr mindestens 3900 Euro verdient – wie sonst soll er sonst von seiner Kunst leben. Berufsanfängern wird eine Karenzzeit von drei Jahren zugestanden.

Wer Mitglied in der Künstlersozialkasse werden will, muss auch nachweisen, dass er „künstlerisch“ tätig ist.

Jetzt gibt es Ausnahmen von der vorteilshaften Versicherungspflicht – Pflicht klingt so nach Muss, ist in dem Fall jedoch von Vorteil.

Die Ausnahmen:

  • Wenn sie wegen einer anderen Beschäftigung versicherungsfrei sind, das gilt beispielsweise für Beamte, die nebenbei schreiben
  • Wenn sie neben ihrer „künstlerischen“ Tätigkeit noch andere Einkünfte erzielen, die 38 100 Euro in den alten Bundesländern und 34 200 Euro in den neuen Bundesländern überschreiten (Stand: 2017).
  • Wenn sie wegen einer abhängigen Beschäftigung in der gesetzlichen Krankenversicherung pflichtversichert sind.
  • Wenn sie das 55. Lebensjahr vollendet haben und in den vergangenen fünf Jahren nicht gesetzlich versichert waren
  • Wenn sie beispielsweise Arbeitslosengeld beziehen

Wenn sie versicherungsfrei sind, weil ihre Einnahmen die Jahresarbeitsentgeltgrenze übersteigt. Diese Grenze liegt bei monatlich 4800 Euro, jährlich bei 57 600 Euro.

 




Demo in Düsseldorf gegen Abzocke durch Politik und Krankenkassen

Am 19. September treffen sich in Düsseldorf Direktversicherungsgeschädigte, um gegen die Abzocke durch Politik und Krankenkassen zu demonstrieren. Den Initiatoren der Demo in Düsseldorf geht es darum, noch vor der Bundestagswahl möglichst viele der mehr als sechs Millionen Geschädigten aufzurütteln. Millionen Arbeitnehmer haben in gutem Glauben jahrzehntelang in eine Kapitallebensversicherung über ihren Arbeitgeber eingezahlt, um fürs Alter vorzusorgen und werden bei der Auszahlung von Politik und Krankenkassen geschröpft.

Dagegen richtet sich die Wut der Direktversicherungsgeschädigten, die es nicht bei Appellen belassen wollen. Sie versprechen der Politik einen „heißen September“. Schon vor der Demo liefen Gespräche mit Politikern, die aber – abgesehen von FDP, Linke und Freie Wähler – bislang erfolglos blieben. Deswegen will der Direktversicherungsgeschädigte e.V (DVG) mit der Demo am 19. September 2017 in Düsseldorf, die um 13 Uhr am Heinrich-Heine-Platz beginnt, eine größere Öffentlichkeit erreichen.

Neben dem Vorsitzenden Gerhard Kieseheuer wird auch Johannes Vogel von der FDP eine Rede halten. Jeder Betroffene sollte sich diesen Termin im Kalender rot anstreichen. Mehr Infos natürlich auf der Internet-Seite des DVG oder von den Koordinatoren Dieter Ante oder Peter Schlösser.

Kommt zur Demo des DVG!

  1. September 2017 in Düsseldorf
    Heinrich-Heine-Platz
    Um 13 Uhr

Worum es bei der Doppelverbeitragung von Kapitallebensversicherungen geht, erklärt Kieseheuer:

Im letzten Quartal des vergangenen Jahrhunderts erklärten die Politiker, dass die Altersversorgung der Arbeitnehmer auf drei Säulen stehen sollte
– Säule 1, die staatliche Rente
– Säule 2, die Betriebsrente
– Säule 3, die private Vorsorge
Wenn ein Arbeitnehmer aus der 2. Säule eine Rente bekam, hatte er keinen Pfennig oder Cent dazu getan. Er bekam eine Betriebsrente, im Volksmund auch goldene Fessel genannt. Alles von seinem Arbeitgeber finanziert. Der Arbeitnehmer der diesen Versorgungsbezug bekam, bezahlte bis 2004, seinen normalen Sozialbeitrag. Wenn er sich aber, nachdem der Versorgungsbezug eingetreten war, eine Kapitalabfindung auszahlen ließ, musste er 120 Monate Sozialabgaben zahlen. Hatte er aber vor Eintritt des Versorgungsbezugs eine Einmalzahlung vereinbart, dann wurde ihm ie ganze Summe brutto für netto ausgezahlt. Der Arbeitnehmer brauchte keine Sozilabgaben zu zahlen.

Das bemängelten die Gerichte. Es könne nicht sein, dass auf Grund einer unterschiedlichen Auszahlungsart einmal Sozialabgaben gezahlt werden muss und einmal nicht. Aus diesem Grund wurde der § 229 SGB V Punkt 143 wie folgt abgeändert: Nach dem Begriff „wiederkehrende Leistung“ wurde  die Ergänzung „oder ist eine solche Leistung vor Eintritt des Versicherungsfalls vereinbart oder zugesagt worden“ eingefügt.

Allein die harmlose Erweiterung des § 229 SGB V NR 143 nehmen die Krankenkassen zum Anlass, auch Kapitalzahlungen aus Direktversicherungen, sprich der 3. Säule, die private Vorsorge, zu Versorgungsbezügen zu erklären und Beiträge zu verlangen. Gegen die Verbeitragung der privaten Altersvorsorge wehrt sich der DVG. „Über sechs Millionen Arbeitnehmer haben so eine Kapitallebensversicherung abgeschlossen. Bis 2004 waren diese Kapitallebensversicherungen bei Kapitalauszahlung beitragsfrei. Ohne gesetzliche Grundlage muss der Arbeitnehmer seit dem den Arbeitnehmerbeitrag, den Arbeitgeberbeitrag und den Beitrag zur Pflegeversicherung bezahlen. Das sind zurzeit 18,05 Prozent. Das heißt er bezahlt für die private Altersvorsorge bis zu viermal Sozialabgaben. Sie alle fühlen sich vom Staat betrogen!

Die Gerichte urteilen seitdem, dass alle Kapitallebensversicherungen, die im Arbeitsleben wurzeln, der Arbeitgeber der Versicherungsnehmer, ein Versorgungsbezug ist. 1 B v R 1924/07. Alle Beweise, dass eine Direktversicherung mit pauschalierten Besteuerung (aus dem Nettogehalt) keine Betriebsrente ist, werden nicht anerkannt.

Verändert wurde auch noch der § 248 SGB V. Im ursprünglich lautenden ersten Satz > Die Hälfte des jeweils am 1. Julis geltenden allgemeinen Beitragssatzes < wurde > die Hälfte < gestrichen. Das bedeutet, dass der Arbeitnehmer nicht nur seinen Arbeitnehmerbeitrag, sondern auch noch der Arbeitgeberbeitrag zahlen muss. Da es sich ihr um den allgemeinen Beitrag handelt, muss der Rentner, obwohl er kein Krankengeld bekommt, den Höchstbeitrag zahlen. Auch das ist als gerechtfertigt vom BVerfG bestätigt worden. 1BvR 2137/06 Dabei verstößt diese Beitragspflicht gegen den Bestands- und Vertrauensschutz. Durch diese, nicht gesetzlich festgelegte Verbeitragung wird die Altersarmut extrem gefördert.

Die Zahl der Härtefälle ist unübersehbar. Viele Arbeitnehmer haben, von ihrer privaten Altersvorsorge, unterm Strich weniger Geld als sie eingezahlt haben. Was für eine Altersvorsorge!“

Der DVG fordert deshalb, „den Status unserer Direktversicherung auf den Stand von vor 2004 zurück zu stellen und die Rückzahlung unserer zu Unrecht abverlangten Zwangsbeiträge Versorgungsbezüge, die als Kapitalleistungen gezahlt werden, der Beitragspflicht unterliegen (§ 229 Absatz 1 Satz 3 SGB V i.d.F. von Artikel 1 Nr. 143 GMG).“




Halbe Million Rentner auf Grundsicherung angewiesen, Armutsrisiko steigt

Immer mehr Menschen verarmen im Alter und sind auf Grundsicherung angewiesen. Mittlerweile beziehen mehr als eine halbe Million über 65-Jährige Grundsicherung – ein Anstieg von mehr als 36 Prozent.

Aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion geht hervor, dass die Zahl der armen Rentner, die auf Grundsicherung angewiesen sind von 2006 bis 2016 von 364 535 auf 525 595 gestiegen ist. Frauen sind überproportional von Altersarmut betroffen, denn die Zahl der weiblichen Grundsicherungsempfänger liegt bei 308 726, die der Männer bei 216 869. Noch gravierender ist der Anstieg bei Ausländern: In den zehn Jahren stieg die Zahl der Fälle um 75 Prozent – von 74 247 Empfängern 2006 auf 130 323 im vergangenen Jahr. Das Armutsrisiko steigt also. Das kann übrigens jeder selbst testen mit dem Test des Sozialverbands Deutschland.

Niedriglöhne sind schuld

Das sind freilich nur die Zahlen der Grundsicherungsempfänger – viele Alte gehen aus Scham oder Unwissenheit nicht zur Behörde, um Grundsicherung zu beantragen. Schuld an dieser Misere sind für die Linken-Abgeordnete Sevim Dagdelen vor allem „niedrige Löhne, prekäre Beschäftigung und die Zerstörung der gesetzlichen Rentenformel“. Das sei politisch organisierte Altersarmut. Insbesondere für überdurchschnittlich viele Migranten sei Altersarmut bereits bittere Realität. „Das muss aufhören!“, so ihre Forderung. Eine gute Rente beginne schon am Arbeitsmarkt. Die Linke verlangt deshalb „höhere Löhne, einen gesetzlichen Mindestlohn von zwölf Euro die Stunde und die Reform der gesetzlichen Rente wie in Österreich, wo ein Durchschnittsrentner 800 Euro mehr im Monat Rente bekommt.“

2030 mehr arme Rentner als heute

Eine halbe Million Grundsicherungsempfänger erscheint noch nicht sonderlich hoch – das sind bezogen auf die Zahl der Rente etwas mehr als zwei Prozent. Wie gesagt, dabei ist die Dunkelziffer, der Alten, die aus Scham keine Grundsicherung beantragen, nicht berücksichtigt.

Wie die gesetzliche Rente funktioniert – ein Erklärvideo

Zahl der Grundsicherungsempfänger in der älteren Generation

   20062016
DeutschegesamtAltersgrenze und älter364535525595
davon
bis 70138063184120
70 bis 7589110123549
75 und älter137362217926
männlichAltersgrenze bis 70119821216869
davon
bis 705693988469
70 bis 753307454886
75 und älter2980873514
weiblichAltersgrenze und älter244714308726
davon
Altersgrenze bis 708112495651
70 bis 755603668663
75 und älter107554144412
AusländergesamtAltersgrenze und älter74247130323
davon
Altersgrenze bis 703155945121
70 und älter4268885202

Quelle: Deutsche Rentenversicherung

Die Zahl der armen Rentner wird jedoch steigen, weil das Rentenniveau sinkt und mehr Beschäftigte mit lückenhafter Erwerbsbiografie Rente beantragen werden. In den kommenden zehn Jahren könnte sich der Anteil also deutlich erhöhen.

Davon kann niemand leben

Wer sich die Durchschnittsrenten genau anschaut, wird schnell feststellen, dass sich davon nicht leben lässt. Wenn die Durchschnittsrenten weiter sinken, erhöht sich zwangsläufig die Zahl der verarmten Rentner, die auf Grundsicherung angewiesen sind. Das ist das große Thema. Die Linke hat deswegen recht, wenn sie immer wieder darauf hinweist. Eigentlich wäre das Aufgabe der SPD, die sitzt aber in der Regierung.

So viel bekommt der durchschnittliche Rentner

 Deutsche Versicherte gesamtMänner Frauen Ausländer Männer Ausländer Frauen 
Renten wegen AltersRegelaltersgrenzebesonders langjährig versichertRegelaltersgrenzebesonders langjährig versichertRegelaltersgrenzebesonders langjährig versichertRegelaltersgrenzebesonders langjährig versichert
2012779.56707.021419.14358.541087.75318.741008.69185.54880.68
2013799.01703.611429.34363.841104.64341.821084.88201.8862.33
2014799.5733.641301.1319.45998.69356.17918.48220.97846.25
2015863.96752.971318.5380.73999.97361.02958.06228.79848.53
2016895.98781.141360.79459.031029.7364.24989.36248.73841.68

Quelle: Deutsche Rentenversicherung

Angewiesen aufs Amt – immer mehr Rentnern trifft’s