Fit bleiben – auch mental. So funktioniert’s

Fitness ist einer der Trends, die tatsächlich sinnvoll sind – wer fit ist und in Bewegung bleibt, lebt nachweislich gesünder. Oft wird bei aller körperlichen Ertüchtigung aber die mentale Komponente vernachlässigt. Das ist mehr als fahrlässig, denn schließlich ist die geistige Gesundheit mindestens genauso wertvoll.

Körper und Geist

Gehirntraining unterscheidet sich dabei im Grunde gar nicht so sehr von körperlichem Training; so wie bei einem untrainierten und wenig beanspruchten Körper Muskelkraft und Ausdauer immer mehr nachlassen, verliert das Gehirn an Leistungsfähigkeit, wenn es nicht genügend gefordert wird. Hinzu kommt, dass mit zunehmendem Alter die allgemeine Gehirn- und Gedächtnisperformance sowieso nachlässt – ein ganz normaler Vorgang, ähnlich dem altersbedingten körperlichen „Verschleiß“. Was viele nicht wissen: Der Gipfel der geistigen Leistungsfähigkeit ist mit spätestens 25 Jahren erreicht, danach lässt sie langsam, aber stetig nach.

Abhilfe schaffen Maßnahmen wie eine gesunde Lebensweise – genauso wichtig ist es aber, auch im fortgeschrittenen Alter weiterhin soziale Kontakte zu pflegen und intellektuell aktiv zu sein. Das Schöne an letzteren Anforderungen ist, dass sie im wahrsten Sinne des Wortes spielend erfüllt werden können.

Spielend fit

Geistige Fitness kann man sehr effizient beim Spielen trainieren. Gerade komplexe Spiele wie Schach, die ein hohes Abstraktionsvermögen verlangen, sind hervorragend geeignet. Kartenspiele wie Skat oder Doppelkopf regen die grauen Zellen mit ihrem Anforderungsmix aus Regelkenntnis, Aufmerksamkeit und Taktik ebenfalls gut an und sind außerdem noch gesellig. Und auch simple Spiele wie Memory haben einen positiven Effekt.

Gehirntraining funktioniert aber auch als Solist(in): Kreuzworträtsel und Sudoku halten den Kopf auf Trab. Damit sich ein nachhaltiger Trainingseffekt erzielen lässt, ist aber Abwechslung das höchste Gebot. Denn wer zum Beispiel ausschließlich Sudokus löst, wird darin zwar immer besser, fordert sich aber auch immer weniger, und gerade dieses „gefordert sein“ ist essenziell. Wer nach neuen und unbekannten Spielen sucht, findet im Netz ein großes Angebot an kostenfrei spielbaren Denkspielen, bei denen vermutlich viele immer neuen Herausforderungen begegnen – für Abwechslung ist also gesorgt.

Auf diese Weise tut auch die 60plus-Generation spielend etwas für ihre geistige Gesundheit, und ganz nebenbei sie einem eventuell drohenden Bore-Out ein Schnippchen – denn wer sich mental anstrengt und mit anderen misst, hat gar keine Zeit, sich zu langweilen.

Bild: Flickr 309 grotos CC BY 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten




Warum die documenta viele ratlos zurück lässt

Schwer, schwerer, documenta – die documenta 14 in Kassel und Athen lässt viele ratlos bis verstört zurück. Genau das ist es, was der künstlerische Leiter der documenta Adam Szymczyk wollte: Weg mit dem Sinn. Kunst ist sinnlos, unsinnig – „unlearnig“ das Ziel. Es lebe das „transformative Potenzial des Alltäglichen“, so die Einleitung zur documenta 14.

Keiner kommt von einem Besuch so zurück, wie er weggefahren ist, so das Fazit nach dem Besuch der documenta 14 in Kassel, die noch bis zum 17. September 2017 läuft – in Anlehnung an das Zitat von Graham Greene.

Wie kommt die documenta 14 an? Bei den meisten offensichtlich gut bis sehr, zumindest lässt darauf die facebook-Bewertung schließen. Von 1256 documenta-Besuchern bekam die documenta 14 immerhin 4,2 Sterne von fünf Sternen. Allerdings gaben auch 119 der document nur einen Stern. Jutta Jopke meint in facebook, sie sei noch nie von einer documenta so enttäuscht gewesen wie dieses Jahr – „dieses Jahr ist wirklich tragisch schlecht“. „Adam Szymczyk, das ist dir miserabel misslungen!“.

Bilder von der documenta 14 Kassel 2017


 

Aber vielleicht war das ja genau die Absicht des documenta-Kurators. Szymczyk zufolge ist „learning“ auch „unlearning“. Seine Strategie war es zu vermeiden, für irgend Etwas zu stehen, wie es „Sleek-Mag“ formuliert. Szymczyk verweigert jeden Anspruch oder jedes Argument – das sei ein bedeutungsloses Paar von Doppelaussage ähnlich Ludwig Wittgensteins berühmtem Satz „Es regnet entweder oder es regnet nicht“. Belanglos, um es auf einen Nenner zu bringen.

BEINGSAFEISSCARY

Die beste Art, sich der Ausstellung zu nähern, sei, zu verlernen, was wir glauben zu wissen, zitiert Kolja Reichert von der „Frankfurter Allgemeinen“ den Kurator Szymczyk. Selbstverleugnend und selbstvergessend durch Kassel ziehen – das ist vielleicht das beste Rezept. Nichts zu erwarten und alles zu hoffen – vielleicht ist das auch ein Ansatz. Das fängt schon damit an, dass der documenta-Besucher rätselnd vor der Giebelaufschrift – von Banu Cennetoglu – des Fridericianums steht und sich fragt, was BEINGSAFEISSCARY heißt. Irgendwann wird ihm dann jemand erklären, dass damit „being safe is scary“ gemeint ist, was auf deutsch so viel wie „sicher sein ist gruselig“ heißt. Das Gegenteil wäre dann: gehetzt zu sein, ist behaglich.

Kassel und Athen

Die documenta 14 findet 2017 ja nicht nur in Kassel statt, sondern zeitlich versetzt parallel in Athen. Das heißt, der documenta-Besucher hätte am besten pendeln sollen. Sieht so der neue Kunst-Tourismus aus? Dann aber ist Kritik an Umweltzerstörung fehl am Platz.

Eigentlich erwartet der documenta-Besucher zeitgenössische Kunst. Ok, die kommt auch vor, aber Szymczyk greift auch tief in andere Kisten – Leichtbaumodelle aus den 60er-Jahren und Ölbilder aus dem 19. Jahrhundert wie Louis Gurlitts Akropolis. Natürlich könne man darüber diskutieren, ob das wirklich große Kunst sei, zitiert das Kunstmagazin „art“ den Kurator Dieter Roelstraete, aber „wir zeigen sie als Teil einer Debatte“. Vielleicht ist ja „Debatte“ zeitgenössische Kunst? Oder doch nicht? Die Ausstellung sei keine Ausstellung, sondern eine Ansammlung von irgendwelchen Objekten, bei denen der Affekt und Sentimentalität mehr zählen als stichhaltiges Engagement, schreibt das Sleek-Mag. Nur wenige Kunstwerke entziehen sich der verquasten Banalität dieser documenta.

Map – mehr Labyrinth als Orientierung

Szymczyk ist irgendwie unbehaglich bei Kunst. Vielleicht ist es auch die Mammutaufgabe, zwei Orten unter einen Hut zu bringen – und das Ganze noch bis zu einem bestimmten Stichtag. Wer weiß.

Dabei hätte es so einfach sein können – für ihn und die Besucher. Die documenta-Halle ist eines der wenigen gelungenen Hängungen, die dem Besucher so etwas wie eine Ahnung vermitteln, worum es bei zeitgenössischer Kunst geht.

Nein, einfach macht es Szymczyk sich und den documenta-Besuchern beileibe nicht. Das fängt schon mit der Karte an, die eher einer Strichzeichnung gleicht. Einzige Hilfe ist der bescheidene Maßstab am rechten unteren Rand: „100 m“ steht da, das soll genügen, um sich zurechtzufinden. Auf der Karte sind die Ausstellungsorte nur mit Punkten vermerkt, die zuzuordnen einem Puzzle gleicht. Straßennamen? Wen interessiert das schon. Das geht soweit, dass documenta-Besucher einige Orte schon gleich gar nicht finden. Wer es bis zum Gießhaus geschafft hat, ist zu beglückwünschen, denn der Wegweiser ist verbogen und weist in die falsche Richtung. Dort angekommen, erwartet den documenta-Besucher eine unsägliche Mehrkanal-Video- und Klanginstallation – gefühlte stundenlange Schwenks an Feldzäunen in Griechenland. Aber vielleicht ist das ja auch Szymczyks Absicht, um dem documenta-Besucher jegliche Orientierung zu rauben und ihm die Sicherheit zu nehmen?

Was ist Kunst?

Was ist Kunst? Das, was sich die documenta als solche ausweist oder ein Besetzer-Konglomerat im Nordstadtpark beispielsweise? Irgendwo steckt ein documenta-Schild im Rasen. Jeder kann selbst rätseln, ob die Bretterbude dazu gehört oder nicht.

Wie kommt der documenta-Besucher überhaupt zu den einzelnen Orten? Egal! Irgendwie wird er sich schon durchlavieren. Dabei lernt er zumindest Kassel kennen. Aber mit solchen Banalitäten will sich Szymczyk sowieso nicht beschäftigen, denn für ihn verkörpert die documenta „einen dediziert anti-essentialistischen Ansatz, der den heute vorherrschenden Verfahren der Spektakelproduktion und deren Zuschauerrolle jeden Respekt verweigert“. Alles klar?

Müll wird zu Kunst, Kunst zu Müll

Dumm nur für den documenta-Besuchern, denn der kann sich schon mal verirren angesichts der 35 Orte in Kassel – vom Gießhaus bis zum Glas-Pavillon auf der Kurt-Schumacher-Straße. Und gelegentlich fragt sich documenta-Besucher, wo er eigentlich ist. Da verwandelt sich schon mal ein Müllplatz zum documenta-Anhängsel oder 80 Tonnen Stahlbarren werden als Schrott verkannt. Da drängt sich zwangsläufig die Geschichte von der Plastik des Künstlers Martin Kippenberger auf: Eine Putzfrau hatte sie im Dortmunder U-Turm versehentlich entsorgt – sie hatte das Werk als Müll angesehen. Von daher stammt der Spruch: „Ist das Kunst oder kann das weg?“. Diesen Spruch haben die Bretterbudenbauer im Nordstadtpark umformuliert zu „Das ist Kunst, das muss bleiben“.

Rentierschädel und Pin-up-Girls

Bei aller Kritik – lasst euch die documenta nicht verdrießen, ein paar berührende Stücke sind dabei. Wie sagt doch die Hamburger BusinessMuse Birgit Dierker zu ihrem Besuch in Kassel: „Ein Leben ohne Kunst ist möglich, aber sinnlos“. Ihr hat übrigens die Arbeit des Londoner Künstlers Theo Eshetu in der Hauptpost besonders gefallen – mir auch.

Wer sich gruseln will, biegt in der Hauspost nach dem Eingang links ab und schaut in Hunderte leerer Rentieraugen. Máret Ánne Sara hat einen Wandteppich aus Rentierschädel aufgehängt, die aus ihrer eigenen Herde stammen. Sara gehört zu den Samen, die von der norwegischen Regierung gezwungen wurden, ihre Bestände zu reduzieren.

Die documenta bietet eben für alle etwas: Vom Pin-up-Girl bis zur Gitarre malischer Bluesmusiker, von bewohnbaren Betonröhren bis zu den Holzmasken der Kwakw’ala – ein unerfindlicher Kunst-Flohmarkt.

Viel Spaß beim Stöbern. Bitte nicht enttäuscht sein, wenn nur wenig Brauchbares dabei ist.




Wie sich akuter Stress am besten abbauen lässt

Stress ist im Grunde nichts Schlechtes. Als instinktives Überbleibsel längst vergangener Zeiten half er den Jägern und Sammlern, in Gefahrensituationen Höchstleistungen zu erbringen, um das eigene Überleben zu sichern. Da Stress eine zutiefst natürliche und automatisierte Reaktion unseres Körpers ist, können wir oft nicht viel gegen sein Erscheinen tun. Aber wir können uns etwas unternehmen, in schnell abzubauen – und das sollten wir auch, denn häufiger akuter Stress oder gar Dauerbelastung kann schwere Folgen für Körper und Psyche haben: Herz-Kreislauf-Erkrankungen durch erhöhten Blutdruck, Diabetes durch hohen Blutzuckerspiegel, Magen-Darm-Geschwüre wegen verringertem Stoffwechsel, um nur ein paar zu nennen. Wie aber akuten Stress abbauen?

Übergang vom Arbeitsleben zur Rente

Dass nur junge Menschen gestresst sind, ist ein Irrglaube. Denn mit dem Älterwerden verändern sich viele Dinge und nicht alle können damit gut umgehen. Eine problematische Situation ist etwa der Übergang vom Arbeitsleben zur Rente. Für viele war der Beruf jahrzehntelang Lebensinhalt. Fällt die Arbeit weg, bleiben oftmals nur noch Leere und unendlich viel Zeit, mit der manche nichts anfangen können. Andere haben einen übervollen Terminkalender, sind sportlich aktiv, engagieren sich in Vereinen, kümmern sich um die Familie, Haus und Garten – und sind schnell damit überfordert. Aber was hilft tatsächlich gegen plötzliche Stressattacken? Gleich zur Chemiekeule greifen? Besser nicht.

Kräuter – kein Hexenwerk

Viele Ratgeber schwören noch immer auf bewährte Heilkräuter gegen akuten Stress. Selbst homöopathische Arzneimittel enthalten stets irgendeine Form von Pflanzen- oder Blütenextrakt, die dort Heilung versprechen, wo die Allgemeinmedizin versagt. Die Wirksamkeit bestimmter Kräuter ist wissenschaftlich nachgewiesen. So hilft Passionsblume Studien zufolge zuverlässig gegen Angst und nervöse Unruhezustände. Ob die Wirkung von den in der Pflanze enthaltenen Flavonoiden oder den ätherischen Ölen herrührt, ist bis heute ungeklärt.

Auch Lavendel, Johanniskraut und Hopfen wurden zahlreichen Tests unterzogen, die allesamt positive Resultate lieferten. Bereits in kleinen oder verdünnten Dosen, zum Beispiel in Form von homöopathischen Globuli, Tees oder Essenzen wie von der Bach-Blüte Elm sollen sie Unruhe, Stress und Überforderung schon kurz nach der Einnahme lindern. Dabei scheiden sich die Geister darüber, ob der lindernde Effekt wirklich körperlichen oder eher psychischen Ursprungs ist.

Bewusstes Atmen

Entspannungsübungen gegen akuten Stress gibt es viele, von Meditation, über Spaziergänge bis hin zum ausgelassenen Tanzen. Eines haben sie aber alle gemeinsam: Im Mittelpunkt steht die bewusste Atmung als Kernelement. Eine hilfreiche Übung ist die der Bauchatmung:

  1. Aufrecht hinsetzen.
  2. Tief durch die Nase in den Bauch einatmen und dabei bis zehn zählen.
  3. Ohne die Luft anzuhalten, langsam durch den Mund ausatmen und dabei bis zehn zählen.
  4. Jetzt den Atem für sechs bis zehn Sekunden anhalten.
  5. So lange wiederholen, bis spürbar Besserung eintritt.

Warum das hilft?

Warum das hilft? In Stresssituationen beschleunigt sich die Atmung automatisch, um Gehirn und Muskeln mit mehr Sauerstoff zu versorgen. Die Übung lenkt diese Abläufe wieder in normale Bahnen. Auch beim als Reiki bekannten Händeauflegen oder verschiedenen Klopfübungen steht bewusstes Atmen im Mittelpunkt. Welche Variante individuell am besten wirkt, lässt sich aber nur im Selbstversuch herausfinden.

Bild: Flickr meditation Syed Shameel CC0 1.0 Öffentliche Domäne




Warum „Rente“ ein Wahlkampfthema ist

Die Union möchte das Thema „Rente“ am liebsten ganz aus dem Bundestagswahlkampf heraus halten. Das wiederum will der Sozialverband VdK der Union nicht durchgehen lassen und gibt sich kämpferisch. VdK-Präsidentin Ulrike Mascher legte die Finger in die Wunde und fordert die „soziale Spaltung zu stoppen“. Ihre Bestandsaufnahme fällt wenig schmeichelhaft für Bayern aus.

Rentenpolitik auf dem Prüfstand

Der VdK stellt die Pflege- und Rentenpolitik auf den Prüfstand und kommt zu einem ganz anderen Ergebnis als beispielsweise die Union und vor allem als CSU-Chef Horst Seehofer, der den Freistaat als „Vorstufe zum Paradies“ betrachtet. Nicht von ungefähr titelt der „Münchner Merkur“ „so (un)sozial ist Bayern wirklich“.

Davon könne beileibe keine Rede sein, so Mascher. Die Armutsgefährdung für Ältere in Bayern sei sehr hoch. „Die Quote der Empfänger von Grundsicherung im Alter hat sich zwischen 2010 und 2015 von 2,1 auf 2,8 Prozent erhöht“. Das dürften schätzungsweise 120 000 ältere Menschen sein, die ohne Hilfe vom Staat nicht über die Runden kommen. Dabei ist das sicher nur die halbe Wahrheit, denn 60 Prozent gehen nach Schätzung von Armutsforschern nicht zum Amt, um einen Antrag auf Grundsicherung zu stellen – „aus Unwissenheit, aber vor allem aus Scham“, so Mascher.

In Bayern nicht alles weiß-blau

Das ist ein anderes Bild, als die bayerische Sozialministerin Emilia Müller so gern in ihrem Sozialbericht zeichnet. Und dieses Bild würde die CSU gern auch im Bundestagswahl wie eine Monstranz vor sich hertragen – oder das Thema „Rente“ am besten gleich ganz ignorieren. In ihrem Wahlprogramm schreibt die CSU, eine Kommission werde Antworten für die Rente nach 2030 liefern. „Die Weiterentwicklung der Rente nach 2030 soll in einem gesellschaftlichen Konsens unter Einbeziehung der Tarifpartner geregelt werden“, so die windelweiche Formulierung. Sie will eine Rentenkommission einsetzen, „die bis Ende 2019 Vorschläge erarbeiten soll“. Das heißt letztlich, das Thema „Rente“ auf die Zeit nach der Bundestagswahl verschieben. „Bis 2030, also 13 Jahre lang, de facto Stillstand bei der Rentenpolitik?“, fragt Mascher. Das werde es mit dem VdK nicht geben.

Nöte von Rentnern

Dabei sind die Nöte vieler Rentner drängend – auch und gerade im reichen Bayern. Die Mieten machen gerade ältere Münchner ärmer. In München sind die Mieten von 2007 bis 2015 um 28 Prozent gestiegen. Viele müssen sogar beim Essen sparen oder Flaschen sammeln gehen, um sich ihre Wohnung überhaupt noch leisten zu können. Manche müssen gar in billigere Wohnungen umziehen.

Armutsgefährdung wächst

Insofern dürfte es nicht sonderlich wundern, dass die Armutsgefährdung in Bayern dem VdK zufolge bei über 65-Jährigen bei 21,8 Prozent – die durchschnittlichen bayerischen Werte, sprich den „Landesmedian“ zugrunde gelegt. Besonders hart trifft es ältere Frauen in Bayern, „denn 24,4 Prozent von ihnen haben ein Einkommen unterhalb der Armutsgrenze“, so Mascher.

Die Armutsgefährdung wird sich künftig eher noch verschärfen, denn die Neurenten erreichen in Bayern kaum noch die Armutsschwelle, die in Bayern derzeit bei 1025 Euro pro Monat liegt – viele Neurenten liegen unter dieser Schwelle, ablesbar auch an den Zahlen der Deutschen Rentenversicherung. Die durchschnittliche Altersrente bei Männer liegt nur knapp über dieser Schwelle, bei Frauen liegt der Durchschnitt eklatant darunter.

Durchschnittliche Renten von Bestandsrentnern in Bayern 2015

RegierungsbezirkRenten gesamtRenten wegen Erwerbsminderung Renten wegen Alters Renten wegen Todes   
MännerFrauenMännerFrauenGesamtWitwenWitwerWaisen
Oberbayern779.89774.39740.741094.16653.65546.23608.68290.8170.06
Niederbayern689.63800.56732.771020.83527.02497.8550.74263.24174.15
Oberpfalz692.79778.65722.431029.64534.24512.15568.28263.57172.81
Oberfranken735.15774.48747.91052.78628.26520.99575.18301.96175.31
Mittelfranken767.91754.28728.781101.13647.22543.38606.12296.38170.2
Unterfranken738.22791.5724.351104.56552.86540.98602.18266.34174.49
Schwaben743.12767.57734.791078.26599.08529.04591.62277.19170.79
Bayern gesamt747.95776.56734.31078.12610.41532.11592.03283.39171.82

Quelle: VdK/Deutsche Rentenversicherung

Durchschnittliche Renten von Neurentnern in Bayern 2015

RegierungsbezirkRenten gesamtRenten wegen Erwerbsminderung Renten wegen Alters Renten wegen Todes   
MännerFrauenMännerFrauenGesamtWitwenWitwerWaisen
Oberbayern729.51742.39681.521029.41657.39482.51619.02275.91167.29
Niederbayern673.97758.65650.441031.63526.19447.63569.89229.58176.17
Oberpfalz691.32756.46649.691066.65553.06453.57575.26236.28174.96
Oberfranken710.22746673.921054.54630.46459.28585.57273.4173.51
Mittelfranken729.62737.03654.891066.555654.22478.44615.35281.68167.05
Unterfranken724.94776.52644.761101.55585.4480.27619.21239.3172.38
Schwaben707.15747.38667.221032.31596.67469.12604.01253.05169.63
Bayern gesamt714.87750.66663.951048.88615.59471.14603.81260.96170.32

Quelle: VdK/Deutsche Rentenversicherung

Mütterrente muss besser werden

Die VdK-Präsidentin stößt die Kritik der Wirtschaft sauer auf, die sich über „zu viele Rentengeschenke“ beklagt. Gemeint ist die Mütterrente – der VdK hat erreicht, dass die Kindererziehungszeiten für vor 1992 geborene Kinder von einem auf zwei Jahre pro Kind aufgestockt wurden. Der VdK will aber die Gleichstellung – und fordert die Aufstockung auf drei Jahre pro Kind, wie es für Kinder, die nach 1992 geboren wurden mittlerweile selbstverständlich ist. Damit nicht genug, Frauen, die Grundsicherung beziehen, wird die dank Kindererziehungszeiten höhere Rente mit der Grundsicherung verrechnet. Der VdK fordert deswegen einen Freibetrag von 200 Euro. Mascher meint, „Kinder groß gezogen zu haben, darf nicht weniger wert sein, als über einen Versicherungskonzern eine private Altersvorsorge abgeschlossen zu haben“. Der VdK kennt viele Beispiele von Frauen, die auf diese 200 Euro dringend angewiesen wären.

Mehr Geld für Erwerbsgeminderte

Mütterrente ist nicht der einzige Stein des Anstoßes: Der VdK fordert von der Politik die Abschaffung der Rentenabschläge für Erwerbsminderungsrentner, die eben wegen diesen Abschlägen von 10,8 Prozent in hohem Maß armutsgefährdet seien.

Leider ist auch die vermeintliche Verbesserung durch das Pflegegesetz eher eine Verschlechterung. Der VdK sieht viele Verlierer. Es könne nicht sein, dass Pflegebedürftige Anspruch nur auf dem Papier hätten. Bayern habe besonders hohe Hürden aufgebaut bei der Auswahl eines Pflegedienst-Anbieters, die viele einfach nicht erfüllen können. Von Flächendeckung für die konkrete Entlastung im Alltag könne keine Rede sein – „und wenn überhaupt vorhanden, sind die Anbieter oft auf Monate ausgebucht“. Ambulante Dienste seien oft so teuer, „dass oft nicht mehr als drei, vier Stunden pro Monat dafür herausspringen“. Pflegebedürftige und ihre Angehörigen fühlen sich nach Meinung Maschers oft verschaukelt, weil sie zwar Pflegestufe eins anerkannt bekommen haben, aber die Leistungen nirgends abrufen können.

Desaster bei Kurzzeitpflege

Besonders viel im Argen liege bei der Kurzzeitpflege. Kurzzeitpflege, so viel zur Erklärung, ist dafür gedacht, dass pflegende Angehörige auch einmal Urlaub machen können. Aber dafür müsste Plätze geben. „Tatsächlich finden Betroffene in Bayern aber kaum solche Angebote, die Zahl der Kurzzeitpflegesätze sinkt sogar mehr und mehr“, prangert Mascher an. So seien im März 2012 in 205 bayerischen Heimen 966 feste Kurzzeitpflegeplätze angeboten worden, im März 2017 seien es nur noch 796 Plätze gewesen. Allein das sagt schon viel über den desolaten Zustand in Bayern aus.

Soziale Spaltung stoppen

Der VdK lässt die Muskeln spielen mit seiner Aktion „soziale Spaltung stoppen“. Was durchaus verständlich ist, hat er doch nach eigenen Angaben allein im Juli 2017 immerhin 4226 neue Mitglieder gezählt – „ein Rekord“, so der VdK-Landesvorsitzende in Bayern Michael Pausder. Insgesamt habe der VdK in Bayern 665 000 Mitglieder. Und „VdK-Mitglieder werden immer kämpferischer und aktiver“. Bei den sieben bayerischen VdK-Großveranstaltungen im Juli 2017 seien die Hallen mit 600 bis 700 Besucher überall „rappelvoll“ gewesen.

Wie gut kennt ihr euch bei Rente und Altersvorsorge aus?

Renten-Quiz

Das Thema Rente geht Junge und Alte an, denn die Noch-Beitragszahler werden irgendwann selbst Rentenempfänger. Was weißt du über Rente, Demographie, Altern und Ruhestand?

Bestenliste: Renten-Quiz

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Warum die Rente mit 63 so stark gefragt ist

2016 waren es mehr als 241 000, die die abschlagsfreie Rente mit 63 gestellt haben, 2017 dürfte es vermutlich weniger sein. Dazu kommen noch die Arbeitnehmer, die mit Abschlag früher in Rente gehen. Warum ist die Rente mit 63 Jahren so gefragt?

Mal ehrlich, wer die Möglichkeit hat, geht früher – Ausnahmen bestätigen die Regel. Das Arbeitsleben ist in den vergangenen Jahren stressiger geworden, viele Stellen für Ältere stehen auf der Kippe. Dazu kommen noch gesundheitliche Einschränkungen. Es wird ab 60 einfach mühsamer. Das gilt sowohl physisch wie psychisch. Wer gehen kann, geht häufig. Das lässt sich an den Zahlen der Deutschen Rentenversicherung ablesen.

Warum gehen 63-Jährige?

Obwohl die Unternehmen immer wieder beteuern, wie teuer ihnen die Alten sind – nur wenige unternehmen etwas, um ältere Beschäftigte zu motivieren, doch zu bleiben. Woher kommt’s, dass 63-Jährige nicht mehr wollen? Sie hören doch nicht auf, weil es ihnen so gut geht und sie sich im Job wohl fühlen – das Gegenteil ist der Fall. Der Druck hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen – „Arbeitsverdichtung“ nennt sich das verharmlosend. Sie wollen unsinnigen Ansagen aus der Führungsetage nicht mehr einfach mitmachen. Dann jedes Mal die Angst, vom Teller zu fallen – Beispiele dafür gibt’s genug. Erinnert sei nur an Siemens oder die Medienbranche, die vor allem versucht, Ältere los zu werden. Tatsächlich gehen Männer im Schnitt mit 63,9 Jahren in Rente und Frauen mit 64,2 Jahren in Rente, so die Deutsche Rentenversicherung. Das durchschnittliche Renteneintrittsalter lag bezogen auf 2016 bei 64,1 Jahren.

Bosch als Ausnahme?

Sicher ist das nicht überall so, angeblich soll das bei Bosch beispielsweise ganz anders sein. Dazu führte die „Stuttgarter Zeitung“ mit dem Bosch-Geschäftsführer Christoph Kübel ein Interview, in dessen Rahme Kübel sagte: „Wir analysieren und zertifizieren dort zum Beispiel jeden Arbeitsplatz im Hinblick auf gesundheitliche Aspekte. Damit stellen wir sicher, dass Mitarbeiter auch jenseits der 60 noch arbeiten können“. Bosch hat sogar eine Tochtergesellschaft gegründet, die Pensionäre für Projekte vermittelt. Bosch ist indes eher die Ausnahme als die Regel, wie sonst ließen sich die Zahlen der Deutschen Rentenversicherung deuten. Die Forderung von Stephan Sandrock, Leiter des Fachbereichs Arbeits- und Leistungsfähigkeit beim Institut für angewandte Arbeitswissenschaft  „Arbeitsplätze sollten altersgerecht eingerichtet werden“, klingt zwar gut, die Realität sieht meist anders aus.

 

Gesetz macht’s möglich

Dass so viele vorzeitig gehen, verdanken sie dem Gesetz für „Altersrente für langjährig Versicherte“, das im Juli 2014 in Kraft trat. Das Gesetz für „besonders langjährig Versicherte“ wurde schon 2012 eingeführt. Danach können Arbeitnehmer in Deutschland, die mindestens 45 Jahre in die Rentenversicherung eingezahlt haben, ohne Einbußen bei ihrer gesetzlichen Altersrente vorzeitig in den Ruhestand gehen. Ansonsten wird das reguläre Renteneintrittsalter bis zum Jahr 2029 auf 67 Jahre angehoben.

Das Gesetz kommt meist Männern zugute. Annähernd drei Viertel derjenige, die die vorgezogene Rente in Anspruch nehmen, sind Männer, denn Frauen haben leider keine durchgehende Erwerbsbiografie.

 

Beamte als Vorreiter

Am meisten davon betroffen ist der öffentliche Dienst. Der Anteil der Betriebe liegt dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zufolge bei mehr als 30 Prozent. In anderen Branchen seien es deutlich weniger, die früher in Rente gehen wollen.

Was machen die Betriebe, wenn die Alten gehen? Mehr als die Hälfte der Betriebe plane Neueinstellungen, nur ein Viertel wolle mit internen Umstrukturierungsmaßnahmen reagieren, etwa durch technische und organisatorische Veränderungen, um die Älteren halten.

Ost-West-Unterschiede

Zwischen West- und Ostdeutschland sind dabei deutliche Unterschiede festzustellen. Im Westen sind dem IAB zufolge elf Prozent der Betriebe betroffen, in Ostdeutschland 15 Prozent. Das liege an der Altersstruktur, das heißt, in ostdeutschen Betrieben sind die Beschäftigten älter.

 

Eine Frage zum Schluss: Wer hat bereits Erfahrungen gemacht mit der Rente ab 63? Würde mich auf Reaktionen freuen.



Was ist das Besondere an einer Kreuzfahrt?

Kreuzfahrten liegen im Trend. Obwohl weniger als drei Prozent aller Deutschen schon einmal auf Kreuzfahrt waren, zählt eine Seereise für viele in die Kategorie „Traumurlaub“. Zu Recht, wie Gastautor Franz Neumeier meint. Er beschäftigt sich als freier Reisejournalist und Blogger (www.cruisetricks.de) seit rund acht Jahren hauptberuflich mit Kreuzfahrten.

Franz Neumeier sagt: „Man übersieht viel zu leicht die vielen, mehr oder weniger versteckten Vorteile einer Kreuzfahrt gegenüber Pauschalreisen an Land.“ Die wichtigsten Vorteile hat er hier zusammengestellt.

Vorteile einer Kreuzfahrt

  • Hotel immer dabei
    Der auffälligste Vorteil –  das Hotel ist immer dabei. Der Kreuzfahrer verschwendet bei einer Rundreise keine Zeit mit langen Busfahrten; das Kreuzfahrtschiff fährt über Nacht zu nächsten Hafen, während man Abendessen und Entertainment an Bord genießt beziehungsweise in einem bequemen Bett schläft. Dadurch entfällt natürlich auch das täglichen Ein- und Auspacken und das Schleppen der Koffer wie sonst auf einer Rundreise.
  • Qualität des Essens
    Die Qualität des Essens ist auch an Bord von eher günstigen Kreuzfahrtschiffen auf einem recht hohen Niveau. Wirklich böse Überraschungen gibt es da nicht. Meist ist das Essen sogar exzellent. Essen in den meisten Bordrestaurants ist im Reisepreis schon inklusive, das abendliche Entertainment ebenso. Bei einem Urlaub an Land kostet das oft zumindest teilweise extra.
  • Einheitlicher Preis
    Doch schon vor der Reise gibt es einen gravierenden Vorteil –  ein und dieselbe Kreuzfahrt kostet überall das gleiche, egal wo sie der Kreuzfahrtfan bucht. Die Reedereien haben aktuelle Tagespreise – ganz ähnlich wie Fluggesellschaften. Und diesen Preis zahlt zu diesem Zeitpunkt jeder, egal wo er bucht. Das bedeutet natürlich nicht, dass die Preise nicht erheblich über die Zeit schwanken, dann aber eben überall gleich. Ausnahme sind besondere Kontingente und Paket-Angebote von Reiseveranstaltern, die in der Kombination mit zusätzlichen Leistungen eventuell auch andere Preise haben. Aber grundsätzlich gilt: Man kann sich in aller Ruhe in einem versierten Reisebüro beraten lassen und dort buchen, weil es auch da inklusive des Beratungsservices nicht teurer ist.
  • Vorab detaillierte Infos
    Vor allem im Vergleich zu Pauschalurlaub an Land haben Kreuzfahrten ein paar weitere, besondere Vorteile. Diverse Ärgernisse, die bei Landurlauben recht häufig vorkommen, sind in der Kreuzfahrt nahezu unbekannt. Blumige Katalogsprache gibt es zwar auch in der Kreuzfahrt, aber nur in sehr begrenztem Maße. Das liegt auch daran, dass sich jeder Kreuzfahrtschiffe online vorab in allen Details ansehen kann. Es gibt detaillierte Fotos aller Bereiche des Schiff und aller Kabinen-Typen, oft auch Videos oder 360-Grad-Panorama-Bilder. Anders als in Hotels kann man hier schon bei der Buchung die exakte Kabinennummer auswählen und am Deckplan die genaue Lage feststellen. Man weiß also exakt, welche Kabine man bekommt.
  • „Hotel“ steht fest
    Auch das „Hotel“ steht fest. In der Kreuzfahrt kommt es nahezu nie vor, dass statt des gebuchten Schiffs ein ganz anderes eingesetzt wird. An Land kann es dagegen schon vorkommen, dass man mit einem angeblich „gleichwertigen“ Ersatzhotel vorlieb nehmen muss. Tolles Hotel aber gleich nebenan eine Großbaustelle? Oder eine lebhafte Gegend mit Open-Air-Disko bis morgens um vier Uhr? Das Schlimmste, was einem in dieser Richtung am Kreuzfahrtschiff passieren kann ist ein wenig Lärm im Hafen, wenn das Schiff in der Nähe eines Container-Terminals anlegt. Nachts ist dennoch Ruhe, denn da sind Kreuzfahrtschiffe typischerweise auf See, weit weg von Lärmquellen jeglicher Art.
  • Gut für Nichtraucher
    Kreuzfahrtschiffe sind nahezu rauchfrei. Schon aus Brandschutzgründen darf an Bord nur an wenigen Orten geraucht werden. Besonders auf amerikanischen Schiffen ist Rauchen nur an sehr wenigen Plätzen auf den Außendecks erlaubt. Deutsche Reedereien sind etwas weniger restriktiv. Generell nicht geraucht werden darf in den Kabinen – die Gefahr, als Nichtraucher in eine verrauchte Kabinen zu kommen, wie das in Hotels an Land manchmal passiert, besteht hier also nicht.
  • Frei von Ungeziefer
    Kakerlaken unter der Minibar, Geckos an der Zimmerdecke, eine Ameisenstraße durchs Schlafzimmer oder eine Mückenplage an Balkon sind auf Kreuzfahrtschiffen undenkbar. Dafür hat Hygiene und Sauberkeit auf Kreuzfahrtschiffen generell einen zu hohen Stellenwert. Und tierischer Besuch hat ohnehin kaum eine Chance auf See.
  • Gut für heiße Länder
    Die Qualität der Klimaanlagen ist – vor allem auf neueren Schiffen – exzellent, die Geräuschentwicklung sehr niedrig. Am liebsten würden viele natürlich ganz auf Klimaanlagen verzichten, aber auf Kreuzfahrt bleibt einem wenigstens die böse Überraschung einer rasselnden, lärmenden, schlafraubenden Anlage erspart.

Drei wichtige Besonderheiten

Bei allen Vorteilen gibt es auf einer Kreuzfahrt aber doch drei Dinge zu beachten, die etwas anders gehandhabt werden als an Land:

  • Auslandskrankenversicherung
    Eine Auslandskrankenversicherung ist ein absolutes Muss, denn auch bei Kreuzfahrten innerhalb Europas zahlt die gesetzliche Krankenversicherung für Behandlungen an Bord nicht. Die Schiffe fahren unter Flaggen wie denen von Malta, Italien, Bahamas, Bermudas oder Panama – entsprechend gilt das Recht dieser Länder. Und die Ärzte an Bord rechnen prinzipiell privat ab.
  • Telefonieren an Bord
    Telefonieren an Bord kann richtig teuer werden – auch in europäischen Gewässern. Denn das Mobilfunknetz an Bord läuft über Satellitenverbindungen. Auf See sollten Kreuzfahrer das Handy also am besten auf Flugmodus stellen.
  • Trinkgelder oft automatisiert
    Und Trinkgelder – ein ewiges Dauerstreitthema – werden bei den meisten Reedereien recht deutlich und in nicht unerheblicher Höhe eingefordert. Kann der Gast bei einem Landurlaub schon mal das Trinkgeld fürs Zimmermädchen „vergessen“, buchen insbesondere die internationalen Reedereien einen empfohlenen Betrag von rund zehn Euro pro Person und Tag einfach gleich automatisch vom Bordkonto ab. Wer nicht zahlen will, muss aktiv widersprechen. Tipp: Trinkgeld von Anfang an im Reisebudget einplanen und sich nicht weiter darüber aufregen. Wer dem entgehen will, bucht beispielsweise bei AIDA oder TUI Cruises, wo das bereits im (entsprechend höheren) Reisepreis enthalten ist.

Na dann, bleibt nur „bon voyage“ zu wünschen – also viel Spaß und gute Reise.

Fotos: Franz Neumeier/cruisetricks.de

Franz Neumeier hat sich im Dezember 2009 als freier Reisejournalist selbständig gemacht und auf Kreuzfahrten-Themen spezialisiert. Er schreibt nicht nur für cruisetricks.de, sondern vor allem auch regelmäßig für deutsche Zeitschriften und Tageszeitungen mit Veröffentlichungen unter anderem in der ZEIT (Kreuzfahrtbeilage), BUNTE, touristik aktuell und im Kreuzfahrt Guide mit insgesamt bereits über 300 Veröffentlichungen seit Ende 2009.




918 Milliarden Euro für Sozialausgaben

Rund 30 Prozent dessen, was die Deutschen jährlich erwirtschaften, wurde im vergangenen Jahr für Soziales ausgegeben. Das sind mittlerweile 918 Milliarden Euro – 30 Milliarden Euro oder 3,4 Prozent mehr Sozialabgaben als im Jahr davor.

Die Sozialausgaben steigen und steigen und steigen … von einem Rekordhoch zum nächsten. Wie im Sozialbericht 2017 der Bundesregierung steht, haben die Sozialausgaben die 900-Milliarden-Euro-Grenze überschritten. 2015 waren es noch 888 Milliarden Euro, 2016 schon 30 Milliarden Euro mehr. Wie sich diese 918 Milliarden Euro Sozialausgaben verteilen, ist auf 297 Seiten detailliert beschrieben. Größter Posten ist natürlich die Rente. Auch über Aspekte der Familienpolitik, der Gesellschafts- und Sozialpolitik oder Integration und Migration wird berichtet. Wichtige Themen sind auch Gesundheit, Prävention, Rehabilitation so wie die Pflege.

Was bedenklich stimmt, sei, so das  „Handelsblatt“ der Umstand, „dass die Sozialausgaben seit 2012 kontinuierlich stärker steigen als das Bruttoinlandsprodukt“. Das heißt, es werde mehr verteilt, als erwirtschaftet wurde. Von Einklang könne da keine Rede sein. Nach Prognosen des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales dürften die Sozialausgaben 2017 um 4,8 Prozent auf 962 Milliarden Euro steigen, das Bruttoinlandsprodukt um drei Prozent auf 3.227,6 Milliarden Euro. Damit wird die Sozialleistungsquote, sprich das Verhältnis von Sozialausgaben zum Bruttoinlandsprodukt 2017 um 0,5 Prozentpunkte auf 29,8 Prozent steigen. Der Grund dafür ist, dass die Sozialausgaben deutlich stärker steigen werden als das Bruttoinlandsprodukt. Der Anstieg der Sozialleistungen beruhe im Wesentlichen auf einem Leistungszuwachs in der Sozialversicherung – insbesondere der gesetzlichen Rentenversicherung (mit rund elf Milliarden Euro
um rund vier Prozent), Krankenversicherung (mit rund zwölf Milliarden Euro um fünf Prozent) und Pflegeversicherung (mit rund acht Milliarden Euro um 26 Prozent). Es wirkt sich mittlerweile aus, dass immer mehr mit 63 Jahren in Renten gehen können.

Sozialleistungsquote und Veränderungen der Sozialleistungen und des nominalen Bruttoinlandsproduktes zum Vorjahr

Sozialquote - Sozialausgaben im Vergleich zum Bruttoinlandsprodukt

Sozialquote – Sozialausgaben im Vergleich zum Bruttoinlandsprodukt Quelle: Bundesministerium für Arbeit und Soziales

294 Milliarden für Renten

Der Löwenanteil von 293,4 Milliarden Euro entfällt dabei auf die Renten – er ist der höchste Einzelposten im Sozialbudget. Zu annähernd drei Viertel bestehen die Leistungen aus Beitragseinnahmen, zu einem Viertel aus Zuschüssen des Bundes und Erstattungen aus
öffentlichen Mitteln. Die Krankenversicherung schlägt mit 223 Milliarden Euro zu Buche – und die Beamtenpensionen mit 55,2 Milliarden Euro. Was erstaunlich und fast schon beunruhigend ist: Die Ausgaben für die Pflegeversicherung lagen mit 29,7 Milliarden Euro über denen der Arbeitslosenversicherung mit 27,4 Milliarden Euro. Einen Teil dieser Ausgaben trägt der Staat, einen Teil die Unternehmen und einen Teil die Privat-Haushalte – ihr Beitrag zur Finanzierung des Sozialbudgets stieg 2015 auf annähernd 289 Milliarden Euro (2014: 278 Milliarden).

Die Sozialausgaben der Arbeitnehmer machen zusammen mit Steuern mittlerweile mehr als die Hälfte der Brutto-Gehälter aus. Der Steuerzahlergedenktag, sprich der Tag, bis zu dem Arbeitnehmer nur für Staat und Sozialversicherung arbeiten, fiel 2017 auf den 19. Juli.

Ist das nun viel oder wenig? Die Seite Sozialpolitik Aktuell hat die aktuelle Zahlen mit früheren verglichen und kommt zu einem interessanten Schluss:

Die Summe aller Sozialleistungen liegt im Jahr 2014 nach den Berechnungen des Sozialbudgets der Bundesregierung bei 849 Milliarden Euro. Der Informationsgehalt dieses Wertes bleibt allerdings gering, da er keine Aussage darüber zulässt, in welchem Verhältnis die Sozialleistungen zur Größe (Einwohnerzahl) oder zur wirtschaftlichen Leistungskraft des Landes stehen. Erst wenn das Verhältnis bekannt ist, lässt sich beurteilen – auch im Vergleich zu anderen Ländern oder im zeitlichen Vergleich -, ob das Leistungsniveau als „hoch“ einzuschätzen ist. Als zentraler Indikator für die wirtschaftliche Leistungskraft eines Landes gilt das Bruttoinlandsprodukt (BIP), also die Summe der in einem Jahr im Inland erzeugten Güter und Dienstleistungen. Deshalb ist es üblich, die Sozialleistungen in Beziehung zum BIP zu setzen. Die so ermittelte Sozialleistungsquote zeigt für 2014 einen Wert von 29,2 %.
Im zeitlichen Verlauf wird ersichtlich, dass die Sozialleistungsquote zwischen 1960 und 1975 (in den alten Bundesländern) als Ergebnis der sozialpolitischen Reformpolitik kräftig angestiegen ist. In den Jahren von 1975 bis 1991 hat sich dann die Quote auf einem vergleichsweise konstanten Niveau zwischen 25 % und 26 % eingependelt. Seit Anfang der 1990er Jahre lässt sich ein erneuter Anstieg erkennen – auf bis zu 29,8 % im Jahr 2003. Die sozialen Folgekosten der deutschen Einheit und auch die ansteigende Arbeitslosigkeit machen sich hier bemerkbar.

Weiterführende Links:




Wie uns die Intuition durchs Leben begleitet

Im Alltag treffen wir viele Entscheidungen mit dem Verstand. Wir wägen das Für und Wider ab und schätzen die Konsequenzen ein, die sich aus der Entscheidung ergeben. Das betrifft ganz banale Alltagssituation wie die Wahl des Joghurts im Supermarkt, aber auch solche, die verlangen, gründlich durchdacht zu werden wie die richtige Altersvorsorge. In manchen Situationen treffen wir jedoch eine Entscheidung, ohne rational und strategisch über das Ausmaß nachzudenken. Dann verlassen wir uns auf unsere Intuition.

Intuition versus Ratio

Ob wir diese Entscheidungen als Bauchgefühl bezeichnen, als innere Stimme oder als sechsten Sinn – die Intuition ist jedem von uns bekannt. Der Begriff Intuition kommt aus dem Lateinischen; das Verb „intueri“ bedeutet so viel wie „genau hinsehen“ oder „anschauen“. Im Gegensatz zu rationalen Entscheidungen, bei denen man bewusst Schlussfolgerungen zieht, basieren intuitive Entscheidungen auf Gefühlen, Instinkten und früheren Erfahrungen.

Situationen werden demnach nicht rational bewertet, sondern auf emotionaler Ebene. Daraus ergibt sich ein Perspektivenwechsel, der es uns ermöglicht, das Leben aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Deshalb sollten wir auch im Alltag öfter mal auf unser Bauchgefühl hören, denn sonst entgeht uns womöglich eine einzigartige Verbindung zu einem anderen Menschen. So gibt es laut Viversum eine Partnerschaft, die weit über die herkömmliche Liebe hinaus geht. Sie basiert auf einer tiefen und absichtslosen Liebe zueinander, bei der zwei Seelen miteinander Partners verschmelzen. Ob wir nun an das Konzept der Dualseelenliebe glauben oder nicht – wir müssen es zulassen, dass uns Menschen emotional berühren.

Die Weisheit der Gefühle

Schließlich haben wir unabhängig vom biologischen Alter ein Bedürfnis nach einer intimen Partnerschaft, die beide Partner erfüllt. Um dies erleben zu können, müssen wir uns auf emotionaler Ebene öffnen, denn nur so können wir eine Beziehung mit anderen Menschen eingehen und Zweisamkeit erfahren. Natürlich kann uns der Verstand dabei helfen, einzuschätzen, ob wir einem Menschen trauen können oder nicht. Doch die Intuition ist oft präziser. Während wir bei äußeren Sinnesreizungen außerdem Sekunden brauchen, um die Informationen im Gehirn rational zu verarbeiten, ermöglicht uns unser Bauchgefühl ein schnelles Handeln.

Bei der Fülle an Entscheidungen, die wir tagtäglich treffen müssen, haben wir es mitunter verlernt, auf unsere innere Stimme zu hören. Doch Liebe und Freundschaft beruhen nun einmal nicht auf Zahlen und Fakten, sondern auf dem Gefühl von Verbundenheit. Und bevor unser Verstand überhaupt die gesamte Situation erfasst hat, ist uns intuitiv schon längst klar, dass es sich um einen dieser besonderen Momente im Leben handelt, aus dem etwas Großes werden kann.

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Wie die Autobranche unsere Gesundheit ruiniert

Offensichtlich nimmt es die Autobranche nicht sonderlich ernst mit dem Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit, die in Artikel zwei des Grundgesetzes verankert ist. Wie anders ließe sich sonst erklären, dass ihre Dieselfahrzeuge ein Vielfaches an Stickoxide hinauspusten wie erlaubt? Und wenn sich die Geschädigten wehren, werden sie hingehalten oder gar noch angefeindet. Und so ruiniert die Autobranche unsere Gesundheit.

Diesel-Gipfel am 2. August

Aber der Reihe nach: Am Mittwoch, den 2. August treffen sich in Berlin mehrere Minister, darunter Verkehrsminister Alexander Dobrindt und Umweltministerin Barbara Hendricks mit den Chefs von VW, Audi, Porsche, BMW, Ford und Opel sowie dem Verband der Automobilindustrie (VDA). Teilnehmer des „Nationalen Forums Diesel“ sind ferner der Deutsche Städtetag, die IG Metall und die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA). Eingeladen sind die Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Es fehlen Verbraucherschützer wie die Bundes Umwelthilfe oder der Bund Naturschutz.

Kein Verbraucherschützer beim Diesel-Gipfel

Die Teilnehmerliste sagt schon alles – die Mehrheit vertrat und vertritt die Meinung, das Eigentumsrecht der Autofahrer hat Vorrang vor dem Recht auf saubere Luft. Dabei müsste es genau umgekehrt sein, wie im Grundgesetz verankert. Warum reden wir nicht über „Rad statt Auto“. Der britische „The Guardian“ hat das Thema angestoßen und titelt „Swapping cars for bikes, not diesel for electric, is the best route to clean air“ (Der Tausch von Autos gegen Fahrräder ist der beste Weg zu sauberer Luft – nicht Diesel gegen Elektro). Wie wenig Räder im Alltag genutzt werden, lasse sich an Zahlen ablesen. So seien 2015 nur zwei Prozent der Wege in England mit dem Rad zurückgelegt worden, obwohl die durchschnittliche Länge jeder Fahrt lediglich sieben Meilen betragen habe. Der Wechsel zum Rad könnte nicht nur die Luftverschmutzung reduzieren, sondern auch andere Probleme wie Staus lösen.

Was sich die Kritiker einfielen ließen

 

Eben, weil dieser Diesel-Gipfel mehrheitlich von Vertretern der Industrie dominiert wird, sollte keiner allzu viel erwarten. Die Belange der belasteten Bürger wurden schon jahrelang hintangestellt, Klagen abgewiesen oder verschleppt.

Diesel dreckiger als erlaubt

Dabei ist mittlerweile längst bewiesen, dass Diesel-Fahrzeuge im Alltag deutlich mehr Stickoxide und Feinstaub emittieren als die vorgeschrieben. Der Diesel ist eine Mogelpackung. Die Folgen müssen alles tragen – nein, einatmen. Die Luft in den Ballungsräumen ist weit stärker belastet als zulässig. Wenn denn die Diesel so sauber wären, dürfte das nicht sein – es ist aber so.

Warum kocht das Thema gerade jetzt hoch? Die Grenzwerte für die gesundheitsgefährdenden Stickoxide werden schon seit Jahren regelmäßig überschritten. Der Druck kommt von außen, denn die Europäische Kommission hat ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland eingeleitet. Zudem hat der Druck der Umweltschutzverbände vor Verwaltungsgerichten zugenommen. Fahrverbote liegen nach jahrelangen Gerichtsverfahren jetzt in greifbarer Nähe. Fahrverbote drohen in Stuttgart, München und Hamburg.

Jetzt führt Ford auch noch die deutsche Autoindustrie vor“, wie die „Welt“ schreibt. Wer ein Fahrzeug mit Dieselmotoren der Euro-Normen 1 bis 3, die bis zum Jahr 2006 zugelassen worden sind, abgebe, solle je nach Modell zwischen 2000 und 8000 Euro „Umweltbonus“ erhalten. Der Kunde müsse jedoch einen neuen Ford kaufen. Pfiffig und werbewirksam. „Wir atmen alle die gleiche Luft, deshalb teilen wir die Bedenken bezüglich der Luftqualität in den Stadtgebieten und glauben, dass das Paket, das wir heute ankündigen, einen bedeutenden Beitrag zur Verbesserung der Situation leisten kann“, so der Deutschland-Vize von Ford Wolfgang Kopplin über die Aktion. „Über die Weiterentwicklung unserer Fahrzeuge hinaus sind wir davon überzeugt, dass die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit Städten und Kommunen und echte Innovationen die Luftqualität entscheidend verbessern können – auch kurzfristig“, so Kopplin.

Jetzt zwingt der Markt auch VW und seine Töchter zu Zugeständnissen. „Volkswagen bietet Besitzern von älteren Diesel-Autos einen Rabatt“, so das „Handelsblatt“. Die so genannte Umweltprämie solle beim Kauf eines neuen Golf 5000 Euro betragen. Das kommt einer Abwrackprämie für Diesel-Fahrzeuge gleicht. Das „Handelsblatt“ rät jedoch, das Kleingedruckte zu lesen.

Die Autohersteller haben getrickst und getäuscht und betrogen – und sie haben damit nicht aufgehört. Sie hoffen, auch in Zukunft die Lungen der Menschen weiter ungestraft belasten zu dürfen. Vielleicht hilft die Aktion von Ford, dass einige umdenken. Bei BMW hat der Vorstoß der Konkurrenz offensichtlich schon gewirkt: „BMW kündigte eine ‚Umweltprämie‘ von bis zu 2000 Euro an für Kunden mit einem Dieselfahrzeug mit Euro-4-Abgasnorm oder älter; Bedingung ist demnach der Erwerb eines BMW-Elektroautos i3, eines Plug-in-Hybrids oder eines Dieselwagens mit der Euro 6-Norm; die Aktion soll bis Ende 2017 laufen“, schreibt die „Süddeutsche Zeitung“.

Der Staat als oberster Kontrolleur hat jahrzehntelang weggeschaut und die Autohersteller in ihrem Unrecht bestärkt. Erst Messungen der Deutschen Umwelthilfe (DUH) ließen die Betrügereien auffliegen – und natürlich die USA: Im September 2015 deckte die US-Umweltbehörde EPA die illegalen Abschalteinrichtungen in Motorsteuerungen bei Diesel-Fahrzeugen von Volkswagen auf. VW hatte per Software den Motor so gesteuert, dass er im Labor die Abgasnormen erfüllt, aber nicht auf der Straße. Diese VW-Modelle wurden – und werden – aber nicht nur in den USA verkauft, sondern auch hierzulande. Amerika hat sich gegen diesen Betrug gewehrt, Deutschland nimmt ihn hin.

Kontrolleure schauen weg

Das Kraftfahrtbundesamt hat einfach weggesehen, statt seine Pflicht zu erfüllen und die Fahrzeuge aus dem Verkehr zu ziehen. Selbst moderne Diesel-Fahrzeuge, die der Euro-6-Norm sind Dreckschleudern, wie die DUH in Tests belegt. Im Sommer lagen die Stickoxidemissionen bei mobilen Messungen teils neunfach über dem Grenzwert von Euro 6, im Winter sogar 17,2-fach darüber. Aber dieses Abgas atmen wir alle ein – und das wird in der Diskussion um Euronorm und Grenzwerte geflissentlich übergangen.

Der Protest wird lauter und ist nicht mehr so leicht zu überhören. Stefan Stahl von der „Augsburger Allgemeinen“ bringt es auf den Punkt:

Eigentlich ist das eine Selbstverständlichkeit: Die Luft sollte in einer Stadt so sauber sein, wie es der Gesetzgeber vorschreibt. Doch in Stuttgart und München ist dies an bestimmten Straßen nicht der Fall. Die Politiker wissen das seit Jahren – und schauen weg. Der Glaube muss vorgeherrscht haben, es werde alles so weitergehen in der Auto-Republik Deutschland. Doch dann fühlte sich VW unverwundbar und glaubte sich mit manipulierten Dieselfahrzeugen selbst in den USA durchmogeln zu können. Was für eine unglaubliche Dummheit!

Die DUH formuliert es etwas härter: „Diesel-Abgase töten!“ Alle Verkehrsminister in dieser Zeit haben nur die Schultern gehoben und der Autobranche ansonsten freie Hand gelassen. Erst als der Skandal 2015 von der amerikanischen Umweltbehörde aufgedeckt wurde, wurde auch Dobrindt aus seinem Schlaf gerissen.

Gewinn wichtiger als Gesundheit

Ohne auf die Details einzugehen, lässt sich doch sagen, dass den Autokonzernen der Gewinn wichtiger war als die Gesundheit von Menschen. Die Branche wiegelt ab und verharmlost. Auf Dauer wird das aber nicht funktionieren. Es braucht jedoch eine andere Verkehrspolitik. Wann begreifen die Automanager, dass sie umdenken müssen – falls nicht, werden sie dazu gezwungen. Die Folgen des Einfach-weiter-so wären weit schlimmer.

Aber, der Diesel-Gipfel am Mittwoch dürfte vermutlich kaum einen Wendepunkt markieren, darauf lässt schon allein die Liste der Eingeladenen schließen. Die Runde wird vor allem versuchen, Fahrverbote zu vermeiden. Also, Augen zu und durch – auf Kosten der Bürger. Tatsächlich haben sich die Beteiligten auf ein Software-Update geeinigt. Das ist der kleinster gemeinsame Nenner und hilft der Umwelt nicht weiter. Diesel-Fahrzeuge werden also weiter unsere Atemluft verpesten. „Die 5,3 Millionen Dieselautos in Deutschland sollen mit einer neuen Software weniger Schadstoffe ausstoßen“, schreibt die „Welt“. Umweltschützer und Experten halten das, so die „Süddeutsche Zeitung“ allerdings für Augenwischerei. „Ein Software-Update bringt gar nichts“, zitiert sie etwa Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen.

Was die Diesel-Gipfel-Besteiger versprechen – das Video zum Gipfel

Foto: Rueter/DUH




Wie Apotheker und Ärzte Patienten hinters Licht führen

Wer krank wird, sollte lateinisch können. Wenn nicht, machen ihm Ärzte und Apotheker ein X für ein U vor, führen uninformierte Patienten hinters Licht und in die Abgründe der Verschreibungspraxis. Wenn auf dem Rezept das Kästchen „aut idem“ (oder das Gleiche) angekreuzt ist, bekommt er eben nicht das Gleiche oder etwas Ähnliches, sondern wirklich genau das, was auf dem Rezept draufsteht, ansonsten schiebt ihm die Apothekerin oder der Apotheker ein anderes Medikament über den Tresen.

Uninformierte Patienten Apotheker und Ärzte setzen die Logik in der Praxis außer Kraft: Beim Ankreuzen dieses Kästchens „aut idem“ bekommen Patienten eben nicht das Gleiche, sondern genau das, was auf dem Rezeptformular draufsteht, also beispielsweise DiltaHexal 90mg Retardabl. Weil das aber jeder Patient verstehen würde, haben Ärzte und Apotheker das Kästchen schon gleich mal lateinisch beschriftet und dann noch die Logik umgekehrt. Schließlich bedeutet auch das Ankreuzen des Kästchens „Gebührenpflichtig“, dass der Patient Gebühren bezahlen muss – und nicht umgekehrt. Das heißt, Ärzte und Apotheker widersprechen sich bereits auf diesem Formular selbst. Das ist nichts anderes als Verbrauchertäuschung.

aut idem ins Gegenteil verkehrt

Die Bedeutung von „aut idem“ wurde ins Gegenteil verkehrt. Wenn ein Arzt heute „aut idem“ ankreuzt, muss der Apotheker das aufgeschriebene Medikament abgeben – und wenn es nicht angekreuzt ist, gibt’s nur „das Gleiche“.

Ok, dass Apotheker und Ärzte nichts von Logik halten, ist das eine, dass Apotheker und Ärzte ihre Patienten aber für dumm verkaufen, ist das andere. Warum informieren Apotheker ihre Kunden nicht, dass sie ihnen etwas anderes liefern als auf der Bestellung draufsteht, so wie das im normalen Umgang zwischen Lieferant und Kunden üblich ist. Schon mal was von den Prinzipien eines ehrbaren Kaufmanns gehört? Den Hausbesitzer möchte ich sehen, der sich mit einem Fenster ohne Sprossen zufriedengibt, wenn er ein Sprossenfenster bestellt hat. Aber in der Apotheke ist das mittlerweile normal, dass Patienten ein ähnliches Medikament bekommen, das aber nicht dasselbe ist, wie auf dem Rezept vermerkt. Vielen, ich hoffe nicht allen Apothekern, ist diese Abweichung nicht einmal ein informierender Satz wert.

Von wegen Kundenorientierung

Kundenorientierung sieht anders aus, anders als beispielsweise in Olching in der Bären-Apotheke. Was ist da in der Bären-Apotheke passiert? Statt DiltaHexal 90 mg schob die Apothekerin der Kundin Diltiazem AL 90 retard über die Theke. Das Üble daran, die beiden Packungen sehen sich zum Verwechseln ähnlich – und sie heißen ja auch ähnlich.

Ist das nun ein Einzelfall? Nein, das passiert deutschlandweit sicher millionenfach – jeden Tag. Michael Wenzel hat sein Erlebnis mit „aut idem“ treffend Mitte Februar 2017 in der „Westerwälder Zeitung“ erzählt: So viel vorweg, er hat beim Arzt auf „aut idem“ bestanden, da er ein anderes Medikament möglicherweise nicht vertrage. Ein Arzt, so viel zur Erklärung, erlaubt dem Apotheker demnach durch das Ankreuzen der beiden Wörter auf einem Rezept, ein anderes als das namentlich verordnete, aber wirkstoffgleiches Arzneimittel abzugeben. Aber zurück zu Wenzels Erzählung: „Kein Problem, heißt es, und Minuten später marschiere ich mit dem Rezept zur nächsten Apotheke. Kurzes Gespräch, dann ab nach Hause. Dort angekommen, bemerke ich, dass ich ausgerechnet das Mittelchen erhalten habe, das ich nun einmal überhaupt nicht haben möchte. Nichts mit ‚aut idem‘. Also, neues Rezept anfordern, es abholen, wieder zur Apotheke, zuvor erhaltenes Medikament umtauschen und die verträgliche Arznei in Empfang nehmen. So hätte es eigentlich laufen müssen. Denkste, denn als ich mit dem neuen Rezept vor der Apothekerin stehe, meint diese nunmehr fest, dass das kleine ‚aut idem‘-Kreuzchen falsch angebracht sei. Also wieder zum Arzt, dann zur Apotheke und anschließend zur Arbeit …“

Warum Ersatzmedikamente?

Die Krankenkassen wollen sparen und gestehen ihren Mitgliedern oft nur Medikamente zu, die den gleichen Wirkstoff enthalten aber billiger sind. Gleicher Wirkstoff heißt nicht, dass das Ersatzmedikament auch gleich verträglich ist, denn außer dem Wirkstoff enthalten Medikament ja auch andere Bestandteile. Hat nun der Arzt das „aut idem“-Feld nicht angekreuzt, muss die Apotheke eines der drei günstigsten Arzneimittel mit gleicher Stärke und Zusammensetzung des Wirkstoffs verkaufen.

Folgen der Rabattverträge

Was steckt dahinter? Krankenkassen vereinbaren mit Pharmakonzernen Preisnachlässe auf Arzneimittel. Angenommen, der Arzt verschreibt jetzt genau das Medikament, für das die Krankenkasse einen Rabatt ausgehandelt hat, dann bekommt der Patient das Medikament auch. Falls dieser Fall – und das meist so – nicht eintritt, bekommt der Kunde vom Apotheker ein anderes Medikament mit gleichem Wirkstoff – und das ist dann ein Medikament von einem Pharmahersteller, für das die Krankenkasse einen Vertrag abgeschlossen hat. Weil aber jede Krankenkasse andere Rabatte mit unterschiedlichen Pharmaherstellern aushandelt, bekommt Patient A, der bei Krankenkasse B Mitglied ist ein anderes Medikament als Patient B, der bei Krankenkasse B Mitglied ist. Und damit das Ganze auch nicht zu einfach ist, gilt ein einmal gewährter Rabatt ja nicht für alle Ewigkeit. Das heißt, sollte die Krankenkasse einen günstigeren Lieferanten finden mit höheren Rabatten, dann wird sich ihren bestehenden Vertrag aufkündigen und wechseln. Für den Patienten bedeutet das, dass er statt dem bisher verordneten und gut wirkenden Mittel ein anderes „aut-idem“-Produkt bekommt.

Verbraucher zahlen die Zeche

Wer also will, dass er ein bestimmtes Medikament bekommt, muss darauf achten, dass das „aut-idem“-Kästchen angekreuzt ist. Pech, wenn sich der Arzt weigert. Viele Ärzte gehen dazu über, einen Wirkstoff aufzuschreiben und nicht den Handelsnamen, um Problemen aus dem Weg zu gehen. Übrigens, es gibt noch die Möglichkeit, dass der Patient die Mehrkosten selbst trägt. Aber, um mal wieder kompliziert zu machen: Der Kunde zahlt in der Apotheke nicht den Aufpreis, sondern den kompletten Preis des Medikaments. Von der Krankenkasse bekommt er einen Teil des Preises zurück – so viel, wie eben das rabattierte Medikament gekostet hätte. In der Regel zahlt der Versicherte dann noch eine Art Verwaltungskosten.

 Wie lese ich mein Rezept? Ein Erklärvideo


Ein ziemlicher Irrsinn, um pro Medikament einige Cent zu sparen. Die Techniker Krankenkasse ist da indes anderer Ansicht, durch diese Praxis spare sie „bei gleicher Versorgungsqualität im Jahr über 250 Millionen Euro“.