Was der Zinseszins mit der Rente zu tun hat

Was hat der Zinseszins mit der Rente zu tun? Gute Frage. Was ist Zinseszins überhaupt? Nichts zu essen, so viel vorweg. Spaß beseite, das ist der Zins auf den Zins, wenn Geld mehr als nur ein Jahr verliehen wird. Dumm nur, wenn der Zins nahe null ist – dann wird’s auch nichts mit dem Zinseszins. Da hilft auch das frühe Anfangen nichts. Doppelt dumm, dass dann im Alter kein Geld da ist ohne Zinseszins.

Null Ahnung, null Bock

Irgendwie wissen das wohl die meisten, folgern aber nicht, dass sie über ihre Geldanlage gründlich nachdenken müssen. Denn, die Rente ist zwar sicher, wie Norbert Blüm vor langer Zeit proklamierte, von der Höhe hat der damals wohlweislich nichts gesagt. Dass sie nicht reichen wird für ein auskömmliches Alter, dürfte mittlerweile jedem klar sein.

Morgen, morgen … nur nicht heute

Diesen Zusammenhang hat jüngst das Meinungsforschungsinstituts INSA im Auftrag der Gesellschaft Deutscher Versicherer (GDV) ermittelt. Danach glauben 84 Prozent der Deutschen, ohne private Vorsorge im Alter zu verarmen. Aber nur annähernd die Hälfte der Befragten sorgen auch wirklich privat vor – ganz nach dem Motto „dafür ist ja noch später Zeit“. Das sei allerdings der falsche Weg, so Peter Härtling, Kopf des Bundesverbandes der Ruhestandsplaner Deutschland (BDRD). „Die Deutschen kennen offenbar den Zinseszinseffekt nicht”, wird Härtling vom Versicherungsboten zitiert. Aber nur, wer schon früh anfängt und durchhält, kann vom Zinseszinseffekt profitieren. Wobei Härtling vergaß zu erwähnen, dass es auch auf die richtige Anlageklasse ankommt, denn mit Tagesgeld lässt sich kein Vermögen aufbauen.

Härtling rechnet vor: „Möchte man sich im Alter von 67 Jahren in den Ruhestand begeben und benötigt dann zusätzlich zur gesetzlichen Rente monatlich weitere 1000 Euro, um seinen gewohnten Lebensstandard zu halten, der braucht er bei einer angenommenen Infaltion von drei Prozent finanzielle Rücklagen von rund 230 000 Euro“, so Härtling zum „Versicherungsboten“

Viele, gerade Junge, glauben, irgendwer wird es schon richten. Wie ahnungslos sie offensichtlich sind, belegt eine aktuelle Studie der Bank ING-DiBA, die die gegenwärtige Situation düster malt. Jeder zweite Deutschen habe in einer Umfrage angegeben, keinerlei Finanzbildung erhalten zu haben. „Finanzielle Analphabeten“ seien viele Deutschen sogar. Damit liege Deutschland europaweit nur vor Großbritannien, das mit 56 Prozent den letzten Platz belege. Besserung ist leider nicht in Sicht, wie der Vergleich zur gleichen Umfrage aus dem Jahr 2013 belege, bei der Deutschland mit 53 Prozent zusammen mit Spanien den letzten Platz teilte. „Über die Hälfte der deutschen Bevölkerung ist beim Thema Finanzen immer noch ungebildet; obwohl mehr als 90 Prozent der Deutschen der Ansicht sind, dass Finanzbildung heutzutage ein Must-have ist, scheint es ein grundlegendes Problem bei der Wissensvermittlung zu geben“, so die Autoren der Studie. Vor allem an Schulen werde das Thema noch viel zu sehr vernachlässigt“, so Nick Jue, Chef der ING-DiBa.

Studie Finanzwissen der ING Diba

Studie Finanzwissen der ING Diba

Schulen müssten mehr tun

Vor allem die junge Generation habe wenig Bezug zu Finanzthemen: „Im Vergleich zu 2013 schnitten junge Menschen zwischen 18 und 34 Jahren noch schlechter ab“, so die Studie. Viele der Befragten sahen die Schulen in der Pflicht.  „Die Wirklichkeit hingegen sieht düster aus: Nur für 15 Prozent der Deutschen war Finanzbildung fester Bestandteil des Stundenplans.“ Daran dürfte sich auch 2017 nicht viel geändert haben. Ein Schulfach Finanzen oder Geld gibt es nur an den wenigsten Schulen. Vergleichende Gedichtinterpretation ist vielen Schulen wichtiger als Themen wie Aktien, Altersvorsorge oder Zinseszins.