Geld anlegen und Spaß – wie passt das zusammen? Nun, wenn am Ende eines Jahres mindestens der Inflationsausgleich dabei herausspringt – und vielleicht noch etwas mehr. Viele haben sich daran versucht, mit Christian Thiel auch ein Single- und Paarberater. Seine Erkenntnisse hat er in dem Buch „Schatz, ich habe den Index geschlagen!“ zusammengefasst.

Index schlagen oder geschlagen werden?

Dumm nur, dass ihm das nur einmal gelungen ist, denn im vergangenen Jahr musste er einräumen, dass ihn der Index geschlagen hat. Also ganz so einfach scheint es wohl doch nicht zu sein mit dem Geldanlegen. Dumm auch, dass sich beim Geldanlegen alles gleich nachvollziehen lässt, anders als bei der Paartherapie. Thiel hat sich ein Depot zusammen gestellt und als Wikifolio auf seinen Blog „grossmutters-sparstrumpf“ veröffentlicht, so dass jeder Thiels Depot mit einem Index wie den Dax oder MDax vergleichen kann.

Nicht alle Eier in einen Korb

Im vergangenen Jahr hat der Dax rund elf Prozent zugelegt – das ist nicht schlecht und besser als Thiels Depot. Thiels „Global Champions“ ist zu US-lastig, das heißt, er hat zu viele amerikanische Aktien in seinem Depot – und dazu noch den dänischen Wert Novo-Nordisk. Dumm nur, dass auch der Marktführer im Bereich Diabetes weitgehend vom amerikanischen Markt abhängig ist.

Thiel verweist zwar mehrmals in seinem Buch auf die Börsenweisheit „Don’t lay all your eggs in one basket“, aber genau das hat er mit seiner Aktienauswahl getan. 13 von 15 Werten tragen „stars and stripes“. Mit Diversifikation hat das nicht mehr allzu viel zu tun. Damit ist er ein Klumpenrisiko eingegangen, was ihm vermutlich selbst nicht bewusst ist.

Aktien sind alternativlos

Eigentlich wollte ich die Rezension des Buchs schon früher schreiben, bin wegen meiner Tour de France jedoch nicht dazu gekommen, sondern erst jetzt. Mit etwas Abstand erscheint natürlich der Inhalt von Thiels Buch heute in einem anderen Licht.

Der Single- und Paarberater hat klar erkannt, dass mit Anleihen, Banksparplänen und Versicherungen sowie Gold kein Blumentopf zu gewinnen ist. Mit etwas Glück gelingt es Anlegern, das Vermögen nach Abzug der Inflation real zu erhalten. Nur Aktien schaffen real langfristig eine Rendite von sechs und mehr Prozent.

Lieber Fonds kaufen?

Einzelaktien oder Fonds? Christian Thiel glaubt, den Index mit einem eigenen Depot bestehend aus Einzelaktien schlagen zu können, auch wenn er in seinem Buch schreibt, dass „die Mehrheit der privaten wie institutionellen Anleger daran scheitert, den Index dauerhaft und langfristig zu schlagen“.

Thiel zog also aus, „die besten Aktien der Welt zu kaufen“, so auch der Untertitel seines Buchs. Das hat im ersten Jahr wohl ganz gut funktioniert, aber nicht mehr im zweiten. Gerade Novo-Nordisk, der Weltmarktführer für Insulinprodukte, neben Apple, Amazon, Facebook und Mastercard einer seiner Favoriten, schwächelte 2016 und verlor 40 Prozent an Wert. Offensichtlich ist auch ein Weltmarktführer angreifbar – andere Insulin-Hersteller liefern das Proteohormon günstiger als die Dänen.

Zufall oder Können?

Vielleicht war es also reiner Zufall, dass Thiel im ersten Jahr den Index geschlagen hat. Im Moment sieht es nicht danach aus, dass ihm das wieder gelingt.

Fairerweise muss ich erwähnen, dass er Anlegern rät, auf einen Index zu setzen, was „auf Dauer möglicherweise mehr bringt“. Und wenn „dein aktiv geführtes Depot drei Jahre in Folge hinter dem Index oder hinter einer simplen ETF-Anlage liegt, dann überdenke bitte deine Strategie“. Ist sei keine Schande, aus der Tatsache, dass die Benchmark (der Index oder eine simple Indexfonds-Kombination) den Anleger schlage, den Schluss zu ziehen, „dass eine andere Anlagestrategie dir mehr einbringt“. Deswegen: „If you can’t beat ‘em, join ‘em“, sprich, wenn du den Index nicht schlagen kannst, setzt auf ihn. Wer sich an Megatrends orientiert, findet dazu auf meinem Blog eine kleine Auswahl.

Passives Anlegen ist langweilig

Thiel weiß natürlich, dass vielen Anleger ihr eigenes Ego im Wege steht. „Passive Anlage ist so langweilig, wie der Farbe beim Trocknen zuzusehen“, zitiert er Gerd Kommer, den Autor des Buchs „Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs“. Wer aber sein Ego hintanstellen kann, für den hat Thiel den Tipp, es mit einer einfachen ETF-Strategie – ETF steht für Exchange-traded fund oder börsengehandelter Fonds auf einen Index – zu probieren. „Kaufe, wenn du Geld hast, abwechselnd ETFs auf den S&P 500 und auf den MDax. Der S&P 500 ist ein amerikanischer Index mit Aktien der 500 größten US-Konzerne. „Mit dieser ETF-Strategie schlägst du ohne Probleme beinahe alle Freunde und Bekannten, die in Einzelaktien anlegen“, so sein Credo.

Selbst ist der Mann – oder die Frau

Thiels Buch ist ein Plädoyer für die Eigenverantwortung in Geldfragen. „Wir sollten selbst die Verantwortung übernehmen“, fordert er. „Lerne, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen“, erinnert er an die Maxime der Aufklärung. Recht hat er – und das kann gar nicht oft genug gesagt werden.

Vielleicht wäre weniger Text und mehr Charts hilfreich gewesen. Seine Checklisten sind manchmal ausufernd – in der Kürze aber liegt die Würze. So ab und an mal ein Bild – von der Börse oder das Logo der vorgestellten Aktien hätte das Buch sicher aufgelockert. Insgesamt liest es sich unterhaltsam – und animiert zum Umdenken in Sachen Geldanlage.

Posted by Helmut Achatz

Vorruheständler, Journalist, Börsianer, Vorstand VHS Olching, Wirtschaftsingenieur,

3 Comments

  1. […] Warren Buffett nicht? Warren Buffett ist der bekannteste unter allen Börsenstars. Jeder, der ein Börsenbuch schreibt, zitiert Warren Buffett. Warren Buffett ist der Guru für viele Börsianer. Ist das […]

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  2. […] Wie Geldanlage wieder Spaß macht › Vor(un)ruhestand 10. Juli 2017 at 14:20 […]

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  3. Interessant zu lesen, diese Weisheit, aber nicht neu! Was haben Paartherapeut und Depotaufbau- und -Verwaltung mit einander gemeinsam? Jedes mal ist es angeraten, zu prüfen, ob „man“ zueinander passt und „man“ mit einander bereit ist, zu kommunizieren. Wie das? Wer Aktien kauft, und in der Tat ist das die einzige Möglichkeit seit Jahrzehnten nachhaltig Geld zu verdienen, muss auf Partnerschaft setzen. Ich kaufe keine Aktien von Unternehmen, die ich nicht sympathisch finde, dh. mit denen ich mich identifizieren kann. In meinem Falle z.B. Glyphosathersteller, Waffenproduzenten, Atomstromproduzenten etc. sind für mich auf der No-Go-Seite. Hingegen gibt es jahrelange Flirts mit Essen und Trinkenherstellern (wo von soll der Mensch sonst leben, wenn schon nicht von Liebe und Luft…), oder Firmen, die vor allem im zunehmenden Alter meine Gesundheitszipperlein zu lindern helfen (auch Novo Nordisk gehört dazu). Meinetwegen sind es auch Konzerne, die seit Jahrzehnten faire Geldgeschäfte betreiben (nein, nicht die Deutsche Bank…). Wenn ich mich vor dem Spiegel frage, werde ich mit diesen Aktien durch Dick und Dünn gehen, -so wie in guten wie in bösen Zeiten – dann fühle ich mich an ein Eheversprechen gebunden und halte die Treue….Denn: wer als Otto-Normalverbraucher „traded“, – rein in die Kartoffeln, und wieder raus aus den K. – verliert garantiert Kohle. Wer jetzt zu alledem beim Kauf dieser Flirts darauf achtet, dass die Partner eine ordentliche Rendite im Jahr bescheren und mir über dem Markt liegende Dividendenprozentchen ausspucken, bin ich doch willens, gelassen meiner Altersversorgung entgegenzusehen. Und lese ich von „dramatischen“ Kursrückgängen von 10-15% in der Zeitung, fühle ich mich nahezu verpflichtet, dass Unternehmen zu prüfen und lustvoll das jeweilige Engangement aufzustocken. Das erhöht zu alledem im Laufe der Jahre noch meine Liebe zum Partner…

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