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Wer unter Detox nur die Entgiftung des Körpers von Chemikalien, Alkohol und Nikotin versteht, greift zu kurz. Das Konzept lässt sich auch auf einen anderen Bereich des Lebens anwenden, beispielsweise den Kleiderschrank. Wie viel Ballast hängt da nicht selten an Kleiderstange und Haken.

Den alten Lebensabschnitt beenden

Wer in den Ruhestand geht, beendet einen Lebensabschnitt – und ein neuer beginnt. Durch den Wegfall geregelter Arbeitszeiten müssen wir den eigenen Alltag neu strukturieren und uns von der ein oder andere Gewohnheit trennen. Brauchen wir wirklich alles, was sich in den Jahren angesammelt hat – die Bücher, das Geschirr und die Kleidung? Sakkos, Blazer, Pullover, Hosen und Röcke haben schon viele Jahre auf dem Buckel; viele sind nur selten getragen worden, andere passen längst nicht mehr oder sind unmodisch. Mal ehrlich, wollen wir uns damit länger belasten? Es ist ein Gefühl von Freiheit, sich von überflüssigem Ballast zu lösen und so den Schritt in eine neue Zeit zu wagen. Doch unsere Kleidung ist nicht einfach nur eine Hülle, die uns vor Witterung schützt. Sie ist ein Merkmal unserer Identität, ja, und Kommunikationsmittel der Moderne.

Die soziale Komponente

Der Hintergedanke bei Kleidung war ja ursprünglich: Sie sollten einen Zweck erfüllen, uns vor Wind und Wetter schützen, vor Wärme und Kälte sowie zu viel Sonne. Und heute? Heute übernimmt Kleidung in unserer Gesellschaft auch eine soziale Funktion. Sie ist ein Kommunikationsmittel, mit dem wir mit anderen Menschen eine Verbindung eingehen können oder eben nicht. Kleidung spiegel  wir unseren Geschmack wider, zumindest gilt das für die meisten. Sie fungiert auch zur Selbsteinordnung, ob bewusst oder unbewusst. Farbwahl, Kombination mit anderen Kleidungsstücken und Marken vermitteln dem Gegenüber eine Botschaft. Ähnelt sich die Kleidung, entwickelt sich unbewusst ein Zugehörigkeitsgefühl. Auch wenn Kleider bekanntlich Leute machen, sollten wir nicht den Fehler begehen, Menschen anhand ihrer Kleidung zu bewerten. Hinter einer Fassade aus Kleidung steckt immer ein Individuum.

Den neuen Lebensabschnitt beginnen

Kleidung und Lebensstil sind somit eng verbunden. Oft kommt es vor, dass wir bestimmte Kleidungsstücke mit Ereignissen oder Lebensabschnitten verbinden. Das Tragen löst alte Gefühle aus, kann aber auch dazu führen, dass wir mit unseren Gedanken in einer anderen Zeit stecken bleiben. Gleiches gilt für den Ruhestand. Statt dem Vergangenen ewig treu zu bleiben, sollten wir die Chancen nutzen, die ein neuer Lebensabschnitt bietet. Es ist an der Zeit, sich von alten Kleidungsstücken zu trennen, und in neue zu schlüpfen.

Bildrechte: Flickr 20 piece travel wardrobe 4 Geneva Vanderzeil apairandasparediy.com CC BY 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten

Posted by Helmut Achatz

Vorruheständler, Journalist, Börsianer, Vorstand VHS Olching, Wirtschaftsingenieur,

4 Comments

  1. Den Aspekt, einen Lebensabschnitt neu zu gestalten, indem ich mich von alten Dingen, wie z.B. Kleidung trenne, hatte ich so noch gar nicht im Blick. Dabei ist es ja so naheliegend und so sinnvoll. Bei mir ist die Rente nach derzeitiger Regelung allerdings auch noch 10 Jahre hin. Trotzdem geht es auch mir so, dass ich eine unglaubliche Freiheit empfinde, indem mich immer mehr auf eine Art Grundgarderobe konzentriere. Mein Ziel ist, dass irgendwann möglichst alles zu allem farblich und vom Stil her passt. Dadurch brauche ich viel weniger Kleidungsstücke und wenn, dann nur noch Lieblingssteile. Das ist sehr befreiend und setzt viele neue Lebensenergien frei. Ich genieße es.

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  2. Annette Paulick 26. Juli 2017 at 17:52

    Bin schon seit gefühlten Ewigkeiten beim Ausmisten- kann nächstes Jahr in die Freiheit ( Rente) daher schon mal abspecken.
    Bringe aber viel Sachen zum Verwerten weiter – ob zur Kleiderkammer oder Arbeitsloseninitiative.

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  3. Lieber Helmut, wie wahr! Aber gerade bei so einem Wechsel in einen neuen Lebensabschnitt braucht es halt auch ein wenig Zeit bis man sich zurecht findet und „neu erfindet“ . Aber klar, raus mit den alten Klamotten ist auf jeden Fall schon mal ein Anfang. Das Universum lässt kein Vacuum zu. Spannend, mit was (es) wir die Leere, welche auch immer, dann füllen…

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    1. Helmut Achatz 26. Juli 2017 at 17:37

      Liebe Barbara, danke für den Kommentar. Ich habe bei mir schon mal angefangen – erst bei den Büchern, dann bei anderen Sachen. Mittlerweile macht Ausmisten sogar richtig Spaß.

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