Seit Cannabis kürzlich von der Bundesregierung unter bestimmten Voraussetzungen zu medizinischen Zwecken freigegeben wurde, bekommt die vor allem als berauschende Droge bekannte Pflanze noch mehr mediale und wissenschaftliche Aufmerksamkeit in Deutschland. Schon seit Jahren untersuchen Forscher aus Bonn den Wirkstoff Tetrahydrocannabinol (THC) und seinen Effekt auf den Alterungsprozess des Gehirns an Mäusen – jetzt präsentierten sie ihre erstaunlichen Erkenntnisse.

Erfolge bei Mäusen

Seit 15 Jahren erforschen Wissenschaftler aus Bonn, wie Cannabis auf Mäuse wirkt. Unter anderem verabreichten sie alten Mäusen (THC), das neben Cannabidiol (CBD) zu den wichtigsten Wirkstoffen von Cannabis zählt. Während es sich beim letzteren Wirkstoff um eine „nicht-psychoaktive Verbindung“ handelt, wie etwa hier nachzulesen ist, sorgt THC für die berauschende Wirkung, die der Konsum von Cannabis hat. Letzteren Stoff haben die Bonner Forscher nun in geringen Mengen alten Mäusen verabreicht – mit erstaunlichen Erkenntnissen: Wie das Handelsblatt berichtet, sollen sich eineinhalb Jahre alte Mäuse plötzlich wie junge Tiere verhalten und eine wesentlich bessere Lern- und Gedächtnisleistung aufgewiesen haben als vergleichbare Tiere, die nicht mit dem Wirkstoff behandelt wurden.

Cannabis bei Demenz?

Eine klinische Studie soll jetzt zeigen, ob sich dieser Effekt auch bei Menschen erzielen lässt. Die Forscher sind optimistisch und berufen sich auf vergangene Studien zur Wirkweise von Cannabis: „In diesem Zusammenhang wissen wir, dass praktisch alles, was in der Maus funktioniert, auch im Menschen funktioniert. Von daher bin ich vorsichtig optimistisch, dass die Ergebnisse vielleicht übertragbar sind“, erklärt der Neurowissenschaftler Andreas Zimmer dem „Handelsblatt“. Erste Hinweise darauf erhielten die Forscher bereits aus Israel. Dort wird Cannabis schon seit den 90er-Jahren ganz selbstverständlich zu therapeutischen Zwecken verschrieben – rund 25 000 Israelis erhalten dort jährlich ein entsprechendes Rezept, unter anderem als Schmerzmittel bei schweren chronischen Krankheiten oder bei Appetitlosigkeit. So auch einige Bewohner eines Altenheims: Sie bekamen die Medikamente zur Behandlung von Appetitlosigkeit und gegen Schlafstörungen. „Viele darunter waren daraufhin auch geistig wesentlich reger“, erläutert Andreas Zimmer.

Cannbis auf Rezept?

Da Cannabis seit dem Inkrafttreten des neuen Gesetzes am 10. März 2017 inzwischen auch in Deutschland als Arzneimittel für Schwerkranke freigegeben ist, steigt die Akzeptanz von cannabisbasierten Medikamenten. Die Hürden, ein entsprechendes Rezept zu bekommen, sind teilweise gesunken. Hierzulande wird eine staatliche Cannabisagentur künftig den Anbau, die Ernte, Verarbeitung und die Kooperation mit Ärzten und Apothekern überwachen, da der eigenständige Anbau und der Konsum zu Genusszwecken in Deutschland vorerst weiterhin illegal bleiben werden. Auch die Bonner Forscher treten nicht dafür ein, dass unkontrolliert Hanf verkauft werden sollte. Vielmehr soll auf Basis ihrer Erkenntnisse ein neues Medikament für eine kontrollierte Einnahme entwickelt werden. Wann es so weit sein wird, bleibt abzuwarten. Noch längst sind nicht alle Wirkweisen von THC und CBD hinlänglich erforscht, weswegen Patienten derzeit an einer Begleitstudie teilnehmen.

Bild: Flickr IMG_3176 MarihuanayMedicina CC BY-SA 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten

Posted by Helmut Achatz

Vorruheständler, Journalist, Börsianer, Vorstand VHS Olching, Wirtschaftsingenieur,

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