Tag 10 meiner Tour de France

Tag 10 meiner Tour de France – ich kann mir momentan Gelassenheit erlauben, nachdem ich doch schon ein ganzes Stück des Weges hinter mir habe. Adieu Marseille, bienvenue Aix-en-Provence. Also auf nach Aix-en-Provence. 

Sweet Memories 

Ich hatte die Stadt in guter Erinnerung – und die wollte ich auffrischen. Wer kennt das nicht: Da rumort in dir eine Erinnerung aus längst vergangenen Zeiten, die du irgendwie bestätigt sehen willst. Natürlich weißt du genau, dass es nicht so sein kann wie früher. Aber eine leise Hoffnung begleitet dich doch. So ging’s mi zumindest. 

Raus aus Marseille

Ohne Fleiß, kein Preis – ich musste ja erst einmal quer durch Marseille: vom Bahnhof bis zum Stadtende Richtung Aix-en-Provence. Marseille hat es mir, so viel vorweg, nicht leicht gemacht. Lärmig, heiß, dreckig – und von Fahrradwegen keine Spur. Die Ausschilderung Richtung Aix-en-Provence ist mehr als dürftig, zumindest für Radler. Wer fährt denn hier auch schon Rad, haben sich wohl die Stadtväter gefragt. Nach einigen Irrungen war ich dann doch auf der richten Bezirksstraße Richtung Aix. Marseille liegt am Meer, Aix-en-Provence einiger Hundert Höhenmeter entfernt. Ich schindete mich also wieder bergauf – Kilometer um Kilometer, ohne Radweg, von Auspuffwolken umhüllt, einen Vorort nach dem anderen passierend. 

Maghreb und Afrika

So en passent sah ich Marseilles Vorstädte – erinnert sehr an Maghreb und auch ein bisschen an Zentralfrika. Viele Araber, viele Schwarze, bunte Kopftücher, die Haltung der Menschen, das langsamere Tempo, Verwahrlosung, Wäsche zum Trocknen auf den Balkonen, Schmutz und Müll auf der Straße, Provisorien und verrammelte Hinterhöfe. Keine Vorurteile, sondern nur Beschreibung des Ist-Zustand. Marseille gehört sicher nicht zu den reichen Städten in Frankreich, so viel ist mir auf meiner Irrfahrt durch die Vororte klar geworden. Die Weißen schotten sich ab, so weit es geht – neue Viertel entstehen mit Verweis auf die Sicherheitseinrichtungen. Ich wollte nur raus aus der Stadt, was länger dauerte als mir lieb war. Das Leben findet hier weitgehend auf der Straße statt. 

Nix für Radler

Es ging immer noch bergauf – Kilometer um Kilometer. Mehrmals musste ich auf den Bürgersteig ausweichen, um nicht überfahren zu werden. Vor mir der Bus, hinter mir Motorbiker, unduldsame Autofahrer. Nein, Marseille ist nichts für Radler. 

Die Gegend wurde gepflegter, jetzt ist sogar wieder streckenweise für Radler eine Extra-Spur abgetrennt. Ich habe Marseille hinter mir. Trotzdem muss ich höllisch aufpassen, nicht von einem Gulli-Deckel oder Schlagloch ausgebremst zu werden. Die Straßen sind teils in schlechtem Zustand. Nahe Aix-en-Provence wird es besser. Aber ich habe für heute die Nase voll – obwohl ich erst 36 Kilometer geradelt bin. 

Weniger als 100 Euro pro Nacht

An dem Tag probiere ich es einmal mit Tripadvisor – und suche ein Zimmer für die Nacht. Ich werde auch fündig: Hotel Paul in der Rue Pasteur. Die Reservierung läuft über Booking.com – und das Hotel hat noch seine liebe Not mit dieser Form der elektronischen Buchung. Das Hotel ist unspektakulär, aber nahe an der Fußgängerzone. Ganz abgesehen davon, wollte ich dieses Mal einfach weniger als hundert Euro ausgeben für die Nacht.

Tut mir, dass sich gelegentlich Fehler eingeschlichen haben, aber mit Bluetooth-Tastatur, Autofill-Funktion und dem Wechsel zwischen deutschen und französischen Wörtern bin ich manchmal mit meinem Equipment überforder. 

Au revoir et a bientôt




Tag 9 meiner Tour de France

Tag 9 meiner Tour de France – ich geb’s zu, ich hab’s getan. ich habe mir eine Fahrkarte gekauft für die Strecke Cannes-Marseille. Die Aussicht auf eine vielbefahrene Route National bei sommerlicher Hitze und dazu noch mit vielen Steigungen haben mich kapitulieren lassen. Ganz abgesehen haben mein Hintern und meine Lippen so noch einen Tag länger Zeit, sich zu regenieren. 

Mit dem Zug nach Marseille

Ich nahm also den Zug um 9.19 Uhr von Cannes nach Marseille. Das war auch kein Problem. Die französische Bahn hat einige Waggons für Fahrräder ausgewiesen. Das Ganze kostete mich als Vertreter der Generation 60plus 23,50 Euro – ich finde, ein günstiger Preis für 170 Kilometer, denn so weit liegen Cannes und Marseille auseinander. 

So ein bisschen kenne ich Marseille ja, war ich doch vor einigen Jahren schon mal für eine Woche hier, wenn auch zum Jahresende. Hauptattraktion ist natürlich der alte Hafen und das Museum Mucem (Museum der Ziviilsation Europas und des Mittelmeers – Musée des Civilisations de l’Europe et de La Méditerannée) gleich in der Nähe. Eröffnet wurde das Mucem 2013 anlässlich der Verleihung „Kulturhauptstadt Europas“ an Marseille.

 

Mucem – Mekka der Ingenieure

 

Das Museum Mucem in Marseille

Das Museum Mucem in Marseille

Das Musem ist eine Art Quader mit einer filigranen Haut aus schwarzem Beton, der „wie elegante Spitze wirkt“. Das Ganze Viereck hat eine Seitenlängen von 72 Mete und ist von Wasser umgeben. Der Clou, eine Fußgängerbrücke spannt sich über das Wasser und verbindet den Quader mit dem Fort Saint-Jean, eine Brücke zwischen Alt und Modern. Das Fort wiederum verbindet ebenfalls eine Brücke mit dem Viertel Panier. Das Museum ist ein Meisterwerk der Ingenieurkunst – ein filigranes Betonnetz. Die Fußgängerbrücke wiederum spannt sich 19 Meter über das Wasser und ist ebenfalls aus Faserbeton. Wer genau hinschaut, sieht im Beton die Fasern. Die filigrane Außenhaut gibt dem Quader etwas Leichtes. Der Raum zwischen Gebäude und Außenhaut ist begehbar – einfach sehens- und erlebenswert.

 

Das filigrane Spitzenwerk aus Beton - von innen gesehen

Das filigrane Spitzenwerk aus Beton – von innen gesehen


Mucem für unfallfreie Fahrt

Dafür – und für Anderes – wollte ich einfach etwas Zeit haben und bin deswegen mit dem Zug gefahren. Marseille hat einen morbiden Charme, der sich erst auf den zweiten Blick erschließt. Die Stadt hat ihre Probleme mit den Immigranten aus dem Maghreb. Gleichzeitig ist sie lebendig und farbig. Als ich da war, hingen Fähnchen in den Gassen zwischen den Häusern. Unverkennbar ist in einigen Stadtvierteln der Verfall. 

Mein zweiter Besuch galt der Kirche ganz oben auf dem Hügel: Notre-Dame de La Garde – unübersehbar in Marseille. Ich bedankte mich, dass meine bisherige Tour ohne größeren Unfall verlief – und hoffentlich weiter verläuft. Notre-Dame de La Garde ist Pilgerstätte der Seeleute, die sich für unfallfreie Jahre bedanken. In der Kirche hängen viele Schiffsmodelle, die den Besucher daran erinnern, dass er es mit einer besonderen Stätte zu tun hat. 

Chinesisch in Marseille

Es war ja mal wieder Montag – und da sind viele Lokale in Frankreich geschlossen. Ich irrte also etwas umher, bis ich dann wieder mal beim Chinesen landete. 

Bonne nuit et à demain!

 



Tag 8 meiner Tour de France

Tag 8 meiner Tour de France – Ruhetag. Ja, ich habe mich für zwei Nächt im Hotel Couleurs du Sud in der Rue Jean Dollfus eingemietet. Das Hotel lag einfach auf dem Weg zum Vieux Port – ich war ausgelaugt und einfach nur fertig. Deswegen fragte ich nach. Obwohl gerade Filmfestspiele sind in Cannes, war noch ein Zimmer frei. Aber wer nächtigt auch schon in einem Zwei-Sterne-Hotel? Zumindest hatte das Hotel den Preis verdoppelt, unangemessen für das Qualitätsniveau – wie auch immer. 

Ein paar Meter zum Strand

Ich war froh, einfach nur unterzukommen. Die Lage ist gar nicht so schlecht – nur ein paar Meter zum Strand. Weil das Hotel auch in Cannes keine Fahrradgarage hat, nahm ich mein Gefährt mit ins Zimmer, hochgestellt und am Spiegel befestigt. Ich bin, soviel muss ich noch erwähnen, in einem Drer-Zimmer. Aber alles ist so eng, dass für ein Rad kein Platz mehr ist. 

Zudem liegt mein Fenster an einer Durchgangsstraße, das heißt, es ist laut bis nach Mitternacht. Da die Strandstraße gern von Motor-Bikern befahren wird, bekomme ich das voll mit. Vor der Kurve drehen sie noch voll auf, um zu „posen“. Zur Strafe sollten sie mal einen Monat lang bei offenem Fenster hier schlafen müssen. Wahrscheinlich können sie sich überhaupt nicht vorstellen, wie laut ihr Auspuff ist. Wie so muss die Mühle so röhren? Warum noch mal voll Gas geben? Was geht nur in deren Köpfen vor? Bin für Antworten dankbar. 

Frühstück am Bahnhof

Da es im Hotel kein vernünftiges Frühstück gab, bin ich Richtung Bahnhof marschiert – auf dem Weg in einer Bar eingekehrt. Die gute Frau am Tresen könnte mir auch nur einen Milchkaffee bieten. Also weiter Richtung Bahnhof. Dort haben sich zumindest einige Bäcker auf die Touristen eingestellt – für 3,50 Euro gab’s einen Café plus dreimal Gebäck: ein Croissant, ein chausson de pomme und ein Pain au raisin. 

Weil ich immer noch Hunger hatte, bin ich zu Monoprix und habe mir einen Käse plus zwei Schälchen Himbeeren geholt – und auch gleich auf der Straße verspeist. Es lohnt sich, sich einfach mal an den Straßenrand zu setzen. Ein paar Meter weiter saßen drei junge Männer, die ihr Sandwich verspeisten, dann kam eine junge Frau mit ihrer Mütter – oder Bekannten – vorbei und verstaute ihre hochhackigen Schuhe in der Einkaufstüte, zog dafür ihre alten Treter an. 

Helden des Alltags

Dann kam die Müllabfuhr vorbei und … Ja, die Wertstoffbehälter sind versenkt. Per Knopfdruck ließ sie der Müllmann hochfahren, so dass seine Kollegen die Behälter leeren könnten. Gleich drauf kam ein Barbesitzer mit seinem dicken Audi vorbei und holte Blumen aus seiner Bar – für die Franzosen ist am 28. Mai Muttertag. Er hatte sich wahrscheinlich in seiner Bar deponiert, um seine Frau damit zu überraschen. 

Nach einer Ruhepause beschloss ich, zum Strand zu gehen. Am Nachmittag war dann auch nicht mehr soviel los. Ich genoss das Bad im Mittelmeer. Neben mir ein Grüppchen Polen, die offensichtlich etwas über den Durst getrunken hatten – oder leicht angekeift waren. Einer rührte sich gar nicht – zwei andere aus der Gruppe gruben in ein und bauten Pyramiden aus den mitgebrachten Sitzhockern auf seinem Körper. Es war alle noch im Rahmen. 

Marché Forville – ein Einkaufserlebnis

Jetzt hätte ich fast noch meinen Besuch auf dem Sonntagsmarkt „Marché Forville“ vergessen – und meinen Bummel durch die Fußgängerzone. So offene Markthallen kenne ich in Deutschland nicht mehr. Unter einem Dach finden Hausfrauen und Touristen alles – vom Radi bis zum Hummer. Die Auswahl an Gemüse ist deutlich größer als bei uns, zumindest empfinde ich das. 

Am Abrend war ich wieder beim Chinesen, sorry, Vietnamesen zum Essen: convivial, gemütlich und französisch. Zur Erinnerung: Vinh Phat, kann ich nur jedem empfehlen, der in Cannes ist. 

Bonne nuit et à demain!




Tag 7 meiner Tour de France

Tag 7 meiner Tour de France – „Verderbnis“ und „Tapferkeit“, diese beiden Tarot-Karten habe ich zum Jahreswechsel gezogen. Ich glaube zwar nicht daran, aber so ganz unrecht hatten die Karten dann doch nicht, zumindest gilt das für den Tag heute. Doch davon ausführlich. 

Tapferkeit und Verderbnis

„Tapferkeit“, nach ja, wer vom Col de La Faucille bis Cannes radelt, muss schon ein bisschen verrückt sein – und tapfer. Immerhind sind es laut Google Maps 524 Kilometer und 3733 Höhenmeter. Mein Fahrad-Navi sagt mir 616 Kilometer und 12 251 Höhenmeter. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen. Seit dem war ich 62 Stunden unterwegs, laut Googel Maps nur 31 Stunden – auch hier liegt die Wahrheit in der Mitte. 4000 Höhenmeter war es gefühlt allemal. Das war in etwa die Etappe der Tour de France von 1955, wobei ich großzügig die schlimmsten Pässe ausgelassen habe. Trotzdem war es eine Tortur – und braucht viel Tapferkeit.  Ich wollte ja schon zwischenzeitlich den Zug nehmen. 

Was ein Schraube anrichtet

Aber noch ein Wort zur „Verderbnis“. Wie es halt manchmal so geht, macht der Fehler, der übermüdet ist. Mir ist es sicher auch so gegangen. Ich wollte eine Foto schießen von dem inspirierenden Alpesl-Maritimes-Panorama – und blieb doch glat in meinen Click-Pedalen hängen, so das ich auf die Straße knallte. Glücklicherweise war niemand hinter mir – und die Satteltasche fing den Sturz ab.   

Das nächste Mal erwischte es mich kurz vor Cannes. Ich war eh schon ausgepowert und wollte nur einfach nach Cannes, da knallt es plötzlich und das Gestell des Gepäckträgers verfängt sich in den Speicher meines Hinterrads. Ich habe sofort  instinktiv gebremst – zum Glück. Durch einen Guli-Deckel war der Gepäckträger ins Schlingern geraten und hatte sich in den Speichen verheddert. Ein Schraube hatte sich wohl gelockert und das rechte Gestellt war verboten. Glück im Unglück – ich war gerade an einer Tankstelle und die Angestelte hält mir mit Draht und Zange aus, so dass ich den Gepäckträger zumindest notdürftig reparieren könnte. 

Zum Chinesen in Canne

Spät kam ich in Cannes an – und fand auch gleich ein Hotel. Lieder sind zurzeit (noch) Filmfestspiele, weswegen die Hotelliers die Preise verdoppeln. Zähneknirschend habe ich 120 Euro für die Nacht akzeptiert. Und weil Mich das natürlich reute, habe ich mir eine billiges Restaurant gesucht – eine Chinesen gleich um die Ecke: Vinh Phat in der Rue Georges Clemenceau. Richtig gut gegessen.

Morgen bleibe ich in Cannes – ich brauche dringend eine Ruhepause

 

Bonne nuit et à demain!




Tag 6 meiner Tour de France

Tag 6 meiner Tour de France – aufgeben gilt nicht. Ja, sorry, ich muss es leider gestehen, packte mich doch zwischendurch die Lust, einfach in den Zug zu steigen und mich bis Nizza fahren zu lassen. Bon, ich habe diesem Impuls widerstanden. Aber alles der Reihe nach.

Ich wusste schon in Digne-les-Bains, dass eine schwere Etappe vor mir steht: 1400 Höhenmeter wies zumindest mein Fahrrad-Computer aus – und auch Google Maps machte mir keine Hoffnung, dass es viel weniger sein würden. Ich habe mich dann irgendwie seelisch darauf eingestellt, mit dem beruhigenden Hintergedanken, dass ich maximal bis Castellane fahren würde. Das sind so 52 oder 53 Kilometer.

Ein Stück mit dem Zug?

Am Anfang lief’s ja ganz passabel, ein paar kleine Steigungen, dann wieder Strecken, auf denen ich es laufen lassen könnte. Ich radelte ein ganzes Stück der Asse – ja das Flüsschen heißt wirklich so – vorbei. Neben der Asse die Straße und eine Bahnlinie: Schmalspur. Tatsächlich kam irgendwann ein Zug vorbei. Das weckte meine Neugier. Ich verfolgte die Bahnlinie auf der Karte. Da muss irgendwo ein Bahnhof sein. So langsam entwickelte sich in meinem Kopf der Plan, ich könnte mich ja ein Stück mitnehmen lassen. Die Straße führt leicht bergauf und ich strample kräftig in die Pedale. Der Hintergedanke mausert sich zum Vordergedanken: Meine Neugier wächst und ich biege in Barrême, einer kleinen französische Gemeinde mit nur ein paar Hundert Einwohnern im Département Alpes-de-Haute-Provence in der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur zum Bahnhof ab. Tatsächlich hält hier ein Zug, der nach Nizza fährt. Aber will ich nach Nizza? Eigentlich nicht, sondern nach Cannes. .Also lege ich den Gedanken wieder da acta.

Ein Menthe à l’eau gehört dazu

Das kleine Bahnhofsbistro ist dann doch zu vintage-mäßig, dass ich unbedingt einen Menthe à l’eau trinken muss – und einen Café. Die Katze schleicht um meine Beine; die Oma, entschuldigt sich, dass sie ihre Enkel verabschiedet, bevor sie mir das Gewünschte bringt. Es könnte so beschaulich sein, wären da nicht die immer noch 1100 Höhenmeter. ich reiße mich also los und radle weiter.

Die Hälfte habe ich in etwa hinter mir – allerdings nicht die Hälfte der Höhenmeter. Da muss also noch einige kommen. Auf der Karte ist der Col des Leques verzeichnet mit der Angabe 1148. Ich weiß ja mittlerweile, was das bedeutet. Zu allem Übel sind auch noch ganz viele Serpentinen vermerkt. Das verspricht nichts Gutes. Es geht bergauf bis zu einem Weiler La Tuilière, wo eine Snack-Bude wartet.

Verdon – ein Biker-Paradies

Um mich zu motivieren und weil es ja schon Mittag war, kehre ich ein. Am Anfang war ich der einzige Gast. Ich trinke ein Panaché, ein Radler. Kurz drauf biegt eine Fünfer-Truppe Motorradfahrer ab und ich nehme schnell deutsche Worte wahr. Ich erkundige mich, woher der Trupp denn komme. „Aus Kitzingen“, kam als Antwort. Wir kommen ins Gespräch. Sie sind schon länger unterwegs, kurvten durch die Vogesen und wollen weiter nach Castellane, wo auch ich hin will.

Nach dem Esen trennen sich unsere Wege: Ich radle los mit der Gewissheit, dass sie mach bald überholen werden. So war’s denn auch. So war’s dann auch. Freundlich hupend preschten sie an mir vorbei.

Auf den Col des Leques

Die nächsten Kilometer waren eine Tortur, ja Tortur. Kilometer nur bergauf, teilweise in Serpentinen, hoch bis zum Col des Leques auf 1148 Meter. Ich wechselte meine Mütze wieder gegen den Fahrradhelm und streifte mir den Windbreaker über. Dann ging’s kilometerweit abwärts. Castellane war schon zu sehen.

Wie auch son die Tage zuvor, war ich nur von einem Gedanken besessen – so schnell wie möglich ein Hotel zu finden. Und so Lande ich schließlich im Hotel Residence Les Canyons du Verdon.

Rezepte zum Mitnehmem

Abendessen in der „Taverne“. Am Nachbartisch saßen zwei Biker aus Siegen. Nettes Gespräch – und hinterließ Ihnen einige französische Rezepte wie Ile flottante, Crème brulée und Schweizer Fondue. Später kam auch die Kitzinger Gruppe dazu, aber das Lokal wollte nichts mehr zum Essn servieren.

Bonne nuit et à demain!




Tag 5 meiner Tour de France

Tag 5 meiner Tour de France – erstens kommt es anders als man denkt. „Ja mach nur einen Plan! Sei nur ein großes Licht! Und mach dann noch nen zweiten Plang; geh’s tun sie beide nicht“, Bert Brechts Ballade von der „Unzulänglichkeit menschlichen Planes“ traf mich wieder voll – beim Bezahlen meiner „Addition“, sprich meiner Rechnung im Restaurant „La Taverne“ in Digne-les-Bains in Frankreich. 

Aber der Reihe nach: Ich hatte „Beignet d’encornets et crevettes ‚panko'“ bestellt. Dazu ein Panaché, sprich ein Radler, einen halben Liter Rosé, ein Tirmisu und einen Café. Alles ok, der mit Kreide auf die Tafel geschriebene Preis schien mir d’accord. Ich staunte nicht schlecht, als am Ende auf den Preis noch die Mehrwertsteuer aufgeschlagen wurde – einmal zehn und dann 20 Prozent. Das ist Verbraucherbetrug, zumindest in meinen deutschen Augen. Wer rechnet denn in Nettopreisen? Zumindest nicht als Verbraucher. Für Verbraucher ist allein der Endpreis ausschlaggebend.  Der langen Rede kurzer Sinn – plus Mehrwertsteuer war der Preis nicht mehr ok. 

Taxe inclus ou exclus?

Jetzt bin ich vorgewarnt und werde nächstes Mal fragen: „taxe inclus ou exclus?“. Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt dann nämlich nicht mehr. Mir war das bei der letzten Rechnung in Sisteron nicht aufgefallen. Vielleicht handhabt das ja jedes Restaurant nach Gutdünken. Oder ist das eine provencalische Eigemheit? Ich halte euch auf dem laufenden. 

Ach ja, wie war mein Tag? Es rollte heute besser als gestern – waren ja auch „nur“ 800 Höhenmeter und 90 Kilometer. Dank Instagram lässt sich das ja alles noch gut nachvollziehen: Am Morgen startete ich in Gap auf der Route Napoleon, bis la Saulce, wo ich dann auf eine Nebenstraße abbog, immer an der Durance entlang bis Thèze. Am Stausee konnte ich nicht anders, als ein Bild zu schießen. Der Blick, einfach genial – im Stausee spiegelten sich die Alpen. Leider endete dieser pittoreske Weg und ich musste wieder auf die Nationalstraße. 

Menthe à l’eau pour chaque jour 

Immerhin war’s nach Sisteron nicht mehr weit. Da schon Mittag, machte ich eine Pause im Hotel de la Citadelle – mit tollem Ausblick auf die Durance. Wie schon am Tag davor bestellte ich ein Menthe à l’eau und einen Salat – dieses Mal Salade de de chèvre chaud, sprich einen gemischten Salat mit warmem Ziegenkäse. Mehr brachte ich nach der Etappe nicht runter. Die Angestellten schienen mir etwas desorganisiert. 

Kampf auf den letzten Kilometern

Eigentlich wollte ich dann auf die andere Flussseite wechseln, verpasste aber die Abfahrt – und so ging’s weiter auf der Nationalstraße. Dir Route Napoleon begleitete mich dann fast bis Digne-les-Bains. Lediglich für das letzte Stück fand ich wieder eine Nebenstraße. 

Alles in allem waren es heute wieder 90 Kilometer und 800 Höhenmeter. Gerade die letzten fünf Kilometer erschienen endlos. Erschöpft, durstig, ausgelaugt – steuerte ich das nächst beste Hotel an: das „Hotel de Provence“. Ein alter Kasten mit drei Meter hohen Zimmern, die Nacht für 62 Euro, ohne Frühstück – nur mal so zum Vergleich. 

Mal ehrlich, ich bin ja eher frankophil, aber das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt einfach nicht. Ob das die Franzosen begreifen? 




Tag 4 meiner Tour de France

Tag 4 meiner Tour de France – Karten lügen selten, zumindest in unserem technischen Zeitalter. Die Strecke von La Mure bis Gap weist einige aufstrebende > auf und einige  <, manchmal sogar >> und <<. Wer nur ein bisschen Karten lesen kann, weiß, was das heißt: Steigungen und Gefälle. Das schlimmste Stück auf der Route Napoleon war dann der Col Bayard mit 1248 Höhenmetern. Aber davon später. 

Kurz nach La Mure bog ich auf eine Nebenstraße ab, die nach St-Pierre führt. Der Abstecher hat sich gelohnt: der Montagen de Féraud zeigt sich in voller Schönheit, niemand der stört, Kiefern säumen den Weg – und ab und an Kuhglockengeläut. Und unten, einige Hundert Meter tiefer, fließt der Drac. 

Napoleon allgegenwärtig 

Nach einigen Kilometern geht es leider zurück auf die viel befahrene N85, besser bekannt als Route Napoleon. Ich quäle mich weiter Richtung Corps, links und rechts gehen die Wege ab zu irgendwelchen Pässen – zum Col de l’Holme, zum Col de Prés Salés. Ich bin mit mir und meinem Rad beschäftigt. Der Atem geht stoßartig, die Anstiege wollen nicht enden. Ab und an zieht eine Gruppe junger Rennradler an mir vorbei mit einem flockigen „bon Courage“. Ja, alter Mann, „von Courage“ kannst du brauchen. 

Rauf und  runter – ohne Ende

Irgendwann muss ich doch oben sein, aber da kommt nach der Abfahrt schon der nächste Anstieg. Am liebsten würde ich absteigen und schieben – aber welche Schmach!. Also weiter die Zähne zusammen gebissen und jeden Meter abgezählt. Schließlich kommt ein Schuld: noch zwei Kilometer bis Corps. Es ist Mittag und ich haben mir geschworen, dort erst einmal eine längere Pause einzulegen. Wen sehe ich dort am Brunnen im Ort: die Rennradler-Gruppe. Die müssen sich auch erst mal abkühlen und Kalorien aufnehmen. Sie grüßen mich auch jovial. 

Mein geliebtes Menthe à l’eau

In der Snack-Bar stelle ich mein Rad ab und lasse mir einen Tisch zuweisen. Mehr als einen Salat bringe ich jetzt aber nicht runter. Und wie es der Zufall so will, steht auf der Speisetafel – ja Tafel ist das richtige Wort – Salade Nicoise. Dazu ein Menthe à l’eau (Minzsirup mit Wasser) – und die Welt ist wenigstens für den Moment wieder in Ordnung. 

In Ordnung eben nur für den Moment, denn die Route Napoleon wartet noch mit weiteren Anstiegen auf, die schließlich am Col Bayard enden. Ich muss – ich gestehe es ein – mehrmals absteigen und schieben, weil mich die Kräfte verlassen. Wie unwürdig. ist mir in dem Moment aber ziemlich Wurscht. Meine beiden Trinkflaschen sind fast leer – und noch immer sind es vier Kilometer bis zur Passhöhe. Irgendwie schaffe ich es dann doch – und komme oben an. 

Mütze, Helm, Mütze …

Erst mal Wechsel von der Schirmmütze zum Fahrradhelm, denn den hatte ich abgesetzt. Leider gab’s auf der Passhöhe kein Restaurant, sonst hätte ich mir wenigstens etwas zum Trinken bestellt. 

Dann die Abfahrt nach Gap – fünf Kilomenter, mit einem Gefälle von teilweise zwölf Prozent. Mein erster Gedanke in Gap: schnell ein Hotel finden, raus aus Trikot und Radlhose und unter die Dusche. Zug Glück gibt’s Tripadvisor. Die App wies ein Ibis-Hotel aus. Beim Abstellen des Rads fällt mir ein Bus von „Unholzer“ auf. Das ist das Busunternehmen in Olching – was für ein Zufall. 




Tag 3 meiner Tour de France

Tag 3 meiner Tour de France – der Tag fängt schon mal perfekt an. Das Fahrradgeschäft öffnete schon kurz vor zehn Uhr. Allerdings war der Meister umlagert von Kunden, die ihr Velo ganz schnell repariert haben wollen. Ich mogle mich dazwischen, schließlich will ich „nur“ ein Paar Mountainbike-Schuhe. Der Meister merkt schon, dass ich ein einfacher Kunde bin und sucht mir passende Schuhe raus, drückt mir ein Werkzeug in die Hand und lässt mich allein. Ich kann ihm begreiflich machen, dass ich nicht nur die Schuhe brauche, sondern auch die Cleats, sprich die Klick-Einsätze für die Schuhe. Na ja, wir haben uns dann schon verständigt, weil er merkte, was ich meinte. 

Okay, er drückt mir einen Imbus-Schlüssel in die Hand und ich installiere die Cleats. Passt auch alles ganz prima. Ein halbe Stunde später verlasse ich den Fahrradladen und schlüpfe gleich in meine Mountainbike-Schuhe. Es ist 10.30 Uhr – vergleichsweise spät für den Start. Wie auch immer. 

Grenoble hat ein Herz für Radler

Von Crolles Richtung Gap – Klingt so einfach Die französischen Alpen haben’s aber in sich. Durch Grenoble komme ich noch ganz gut durch. Die Stadt hat die Fahrradweg vorbildlich ausgeschildert. Überhaupt, haben die Stadtväter Radlern viel Platz eingeräumt. Da könnten sich viele deutsche Städte eine Scheibe abschneiden. Ich quere die Stadt von Nord nach Süd ziemlich problemlos. 

Es ist schon kurz nach zwölf und mein Magen meldet sich. Warum nicht mal im Supermarkt einkaufen – „Casino“ war grad auf dem Weg. Deswegen habe ich einen Ziegenkäse, eine Ziegenwurst, ein Baguette und Tomaten mitgenommen. Kurz drauf fand ich ein nettes Plätzchen zum Brotzeitmachen – „casse-croutte“ heißt das ja auf französisch. 

Anstiege können grausam sein

Ich wusste noch nicht, was mir bevor stehen würde – ein kilometerlanger Anstieg von Champ-sur-Drac bis Monteynard. Das müssen gefühlt tausend Höhenmeter gewesen sein. 

Die Landschaft ist spektakulär, irgendwie könnte ich sie leider nicht so genießen. Ab und an überholen mich Radrennfahrer und machen ihre Späße: „die bisschen Satteltaschen“. Na ja, ich hechelte nach oben und irgendwann stieg ich dann ab und schob mein Rennrad (welche Schande) sogar. Dann warn auch noch die beiden Flaschen leer und ich fühlte mich wie ausgedörrt. In dem Moment verfluchte ich meinen Entschluss, mich auf die Tour de France einzulassen. Zeitweise zeigte der Tacho noch 6,5 oder knapp 8 Kilometer an. Mich hielt nur noch ein Gedanke am Weitermachen – irgendwann muss doch La Mure kommen, da gibt’s sicher ein Hotel. Als ich den Ort mit letzten Kräften erreichte, suchte ich bei Tripadvisor nach Hotels. Zuerst fragte ich bei „Chez Pat et Ghis“ nach, bekam aber eine abweisende Antwort. Der Patron empfahl mir ein anderes Hotel, das aber schon lange geschlossen war. Also blieb mir nur „Logis Murtel“, wo ich dann auch die Nacht verbringe. Und weil das Hotel auch mit einem Restaurant gekoppelt ist, aß ich auch gleich zu Abend. Das Menü: Terinne de La Maison, ein Grillhühnchen mit Pommes Dauphin und Broccoli-Soufflé, zum Dessert dann eine Ile flottante. 

La Mure – abgehängt

Mein Verdauungspaziergang führte mich in den Ort, der seine beste Zeit lange hinter sich hat. Bars und Hotels geschlossen, Fensterläden zugeklappt und kaum ein Mensch auf der Straße. Selbst das Rathaus kann sich nur dank Sponsoren halten. Häufig begegnete mir das Schild „A vendre“, zu verkaufen. Erstaunlich, selbst eine öffentliche Toilette hat der Ort – und sogar richtig nobel. Da hat der Staat wohl sein Fühlhorn ausgegossen. 




Tag 2 meiner Tour de France

 

Tag 2 meiner Tour de France. Ich war ja gewarnt – es würde wohl nicht ganz so einfach werden wie am ersten Tag. War es auch nicht. Ich hatte geplant, von Seyssel bis Grenoble zu radeln. Laut meinem Radl-Navi sollte es 106 Kilometer sein – ambitioniert. Das wusste ich auch, dass ich mich gegen die Strahlung schützen muss. Beides habe ich brav beherzigt. Tapfer eingecremt und guten Mutes aufs Rad geschwungen. Trotzdem brennen am Abend die Oberarme, die der Sonne ausgesetzt waren. 

Das erste Stück geht an der Rhone entlang. Anders als an der Loire führen die Radlwege hier leider ins Nirwana. Nach dem ersten Test habe ich die Lust auf solche Umwege schnell verloren. Zum Glück ist die D991 nicht so stark befahren – da bleibt genug Zeit zum Schauen. Die D991 verlässt die Rhone und säumt dann ein ganzes Stück den Lac du Bourget, an dessen Ufer Aix-les-Bains liegt. Ich dachte, ich könnte zumindest in Aix-les-Bains Mountainbike-Schuhe kaufen – ja richtig gelesen, die habe ich doch tatsächlich zuhause vergessen. 

Lundi fermé – Montags nie

Aber leider sind in Frankreich viele Geschäfte am Montag entweder ganz geschlossen oder sie öffnen erst um 14 Uhr. Tja, da stand ich nun, ich armer Tropf vor geschlossenen Geschäften. Auch auf der Weiterfahrt hatte ich wenig Glück, selbst in Chambéry war kein offenes Fahrradgeschäft zu finden. Wie die Franzosen zu ihren Rädern kommen einschließlich Helm und Schuhe ist mir schleierhaft. Vielleicht habe ich ja morgen mehr Glück. 

A Propos Chambéry. Irgendwie meinte es die Stadt nicht sonderlich gut mit mir, denn ich habe mich gleich mehrmals verfahren. Das Navi war leider keine große Hilfe, weil mein Teas! etwas verwirrt war von der Verkehrsführung in der Stadt. Irgendwie habe ich dann doch einen Weg nach La Ravoire gefunden – und bin dann in St. Baldoph gelandet, wo es zum Col du Granier geht. Ein paar Rennradler überholten mich mit der Aufmunterung „Allez! Super!“. Ja von wegen „Super“ – mir hing die Zungen raus, ich schnaufte wie ein Dampfross und spürte meine Muskeln. Mir kam die Einsicht, dass wohl der falsche Weg ist. Ich bog ab ins Tal der Isère und folgte Seitenstraßen Richtung Grenoble. 

100 Kilometer am Tag reichen

Die Umwege hatten mich Zeit und Kraft gekostet, so dass ich für mich beschloss, das gesteckte Ziel Grenoble fallen zu lassen. Hundert Kilometer am Tag sind für einen alten Herren wie mich genug – die Strecke von Seyssel bis Grenoble ist doch etwas länger. 

Kurz zum Wetter: Die Temperaturen stiegen am zweiten Tag auf 30 Grad, obwohl auf den Bergen überall noch Schnee liegt. Aber im Tal war es doch deutlich wärmer – muss ja wohl auch, denn überall wird Wein angebaut. Ich glitt vorbei an Weinbergen und Weingütern. Die Kombination aus mildem Klima, Hanglage und ausreichend Wasser begünstigt den Weinanbau in der Region „Savoie“. Überall am Straßenrand sprudelt das Wasser aus Brunnen – also kein Problem, seine Wasserflasche aufzufüllen. 

Wer viel fragt, geht lange irr

Auf der Suche nach einem geöffneten Radgeschäft bin ich schließlich in Crolles gelandet. Der Sportverkäufer einige Dörfer vorher wies mich darauf hin – er meinte, in Crolles soll es eines geben, das ich dann auch tatsächlich gefunden habe. Leider stand ich auch hier vor verschlossenen Türen „lundi fermé“. Mardi, sprich Dienstag öffnet der Laden um zehn Uhr. Also übernachte ich in Crolles und schaue am 3. Tag dann im Fahrradgeschäft vorbei – „Bonne Chance“ rief mir ein Franzose nach, den ich nach dem Weg gefragt hatte. Da die Auskunft dann doch nicht weiterhalf, griff ich zu Google: Die Suche nach „Future Bike“ und „Crolles“ brachte das gewünschte Ergebnis – und eine Wegbeschreibung.

Trotz drei bis vier Liter Wasser, die ich unterwegs aus der Flasche saugt, quälte mich am Abende dennoch der Durst – und was löscht den Durst am besten: ein Bier. Mit 0,5 Liter können sich die Franzosen leider nicht anfreunden. Also habe ich halt zwei 0,33 bestellt. Das Hotel HDC Hotel & Seminaires ist gekoppelt mit dem Buffalo Grill. Also gab’s ein Rumsteak mit Pommes und zum Abschluss eine Crème brulée. 

Bonne nuit – à demain  

 




Tag 1 meiner Tour de France

Meine Tour de France startete nicht in Le Havre wie die 1955, sondern am Col de la Faucille. Der Blick aus dem Hotelfenster war ein Gedicht – direkt auf den Mont Blanc. Die Wolken hängen noch zwischen den Bergen, der Himmel ansonsten blau, die Fichten stehen schwarz und Rahmen das Panorama ein.

Noch 3600 Kilometer

Leider ist es morgens auf 1323 Meter noch ziemlich frisch, weswegen ich Unterhemd und Windjacke überstreifte. Komisches Gefühl, noch so viel Kilometer vor sich zu haben, genauer gesagt weit über 3600. Wie viel es dann letztlich wirklich werden, stelle ich am Ende der Reise fest. Die frische Morgenbrise lässt die drei Flaggen – Europa, Frankreich und die der Region – munter im Wind flattern. Zum Glück geht es erst einmal bergab – viele Kilometer. Das motiviert.

Kühe, Wiesen, Käse

Haute Savoie, wie die Region heißt, ist geprägt von Bergen, Wiesen, Weiden und Kühen. Überall grasen sie auf den Almweiden – ihre Glocken sind nicht zu überhören. Es geht weiter bergab, durch einen Tunnel und auf vielen Serpentinen in Richtung Bellegarde.

Außer Kühen begegnen mir natürlich auch Skilifte und Liftstation. Von Lélex beispielsweise geht es bis auf 1600 Meter hoch. Im Winter ist hier sicher mehr los. Ansonsten tauchen am Weg nur vereinzelt Höfe auf, die Dörfer kommen nur auf einige Häuser. Dafür radle ich durch eine grandiose Landschaft, die geprägt ist von Bergen, Wäldern und Tälern.

Bauernmarkt in Vouvray

So schlecht scheint meine Kondition dann doch nicht zu sein – deswegen entschließe ich mich Bellegarde links liegen zu lassen und gleich nach Seyssel weiter zu radeln. In Vouvray werden ich gestoppt von einer Straßensperre. Der Ort feiert heute Bauernmarkt mit allem, was dazu gehört. Die Bauern führen ihre Kühe vor. Dafür haben die Organisatoren extra Sand aufgeschüttet. Das Publikum schaut begeistert zu, wie die Bauern ihre Tiere durch die Arena führen, begleitet von vermutlich sachkundigen Kommentaren.

Natürlich gehört zu einem Bauernmarkt der ganze Jahrmarkttrubel – mit Luftballons, Waffeln, Sandwiches, Messerständen und Weinausschank. Ein Stand mit Kuhglocken weckt meine Aufmerksamkeit. Für die Fermiers Savoyards scheint das ein wichtiger Tag zu sein, denn er Ort quillt über von Menschen. Zwischendrin führen die Dorfjungs ihre Kälber durch die Hauptstraße – und werden von ihren Copains mit Küsschen begrüßt. Dann marschiert die Band an den Marktbesuchern vor. Das ganze bei strahlend blauem Himmel.

Bleu de Gex & ein Glas Wein

ich gönne mit einen Bleu de Gex, einen leichten Schimmelkäse aus der Region – und dazu ein Gläschen Wein. In Frankreich gehört ein Verre de Vin einfach dazu. Beides harmoniert fantastisch – oder bilde ich mir das nur ein? Die Platanen vorm Rathaus lassen Urlaubsgefühle aufkommen – c’est la France.

Dass in der Region Milchwirtschaft die Hauptrolle spielt, lässt sich an den vielen Käseständen ablesen – das Angebot reicht vom Bleu de Gex über den Morbier, daneben ein Tomme de Brebis, nicht zu vergessen der Gruyère. Wobei die Milch ja nicht ausschließlich von der Kuh kommen muss – die Käser stapeln neben Kuh- auch Ziegenkäse.

In Seyssel bin ich nach der Brücke über die Rhône gleich abgebogen und fragte nach einem Zimmer im Hôtel Beau Sejour. Um diese Zeit ist es noch kein Problem, etwas zu finden. Jetzt geht’s erst einmal unter die Dusche – und danach ins Städtchen

Allein und doch in Gesellschaft

Sonntag in der Provinz – ganz schlecht, wer ein offenes Restaurant sucht. Die meisten Lokale sind am Sonntag geschlossen. Offensichtlich essen die Franzosen am Sonntag eher zuhause. Nach kurzer Suche habe ich doch ein tunesische Pizzeria gefunden. Am Nachbartisch saß ein Schweizer Paar aus der Nähe von Luzern. Es fällt in Frankreich doch schnell auf, wer kein Franzose ist. Auf diesem Weg sind wir ins Gespräch gekommen über die Schweiz, den Jakobsweg …. A Proporz Jakobsweg, die Beiden gehen vier Tage auf dem Jakobsweg. Sie sind mit dem Zug gekommen und fahren auch so wieder zurück in die Schweiz. Die Unterkünfte unterwegs sind bereits gebucht. Ich fühlte mich in der Fremde doch gleich nicht mehr so fremd.