Sozialministerin Nahles macht die Betriebsrente kaputt

Der Garantiezins fällt in den Keller, die Auszahlungen werden von der Krankenkasse verbeitragt – und jetzt soll auch noch die Haftung der Unternehmen wegfallen. Mit der Betriebsrente geht’s bergab – und das alles in der Ära der Bundesarbeits- und -sozialministerin Andrea Nahles. Bravo!

Die „Stuttgarter Zeitung“ und die „Stuttgarter Nachrichten“ haben herausgefunden, dass der Bundesfinanzminister und die Bundearbeitsministerin wohl einen Deal ausgehandelt haben: Unternehmen sollen künftig nicht mehr für die Betriebsrenten einstehen müssen.

Nach der jetzigen Rechtslage hafte der Betrieb über Jahrzehnte hinweg dafür, dass die Betriebsrente später gezahlt werde, beschreibt die „Stuttgarter Zeitung“ den Ist-Zustand. In der Regel seien die Unternehmen zwar abgesichert; das Risiko liege zunächst bei den Pensionskassen oder Versicherungen, für die es wiederum eigene Sicherungseinrichtungen gibt. Letztlich steht das Unternehmen für die Betriebsrente gerade, falls alle Stricke reißen. Das will Nahles kippen.

Der Vorstoß wird laut „Stuttgarter Zeitung“ damit begründet, dass vor allem kleine und mittlere Betriebe die Haftung scheuen und gleich gar keine Betriebsrente anbieten. Sie sehen das geltende Recht als Hindernis. Sie bieten in vielen Fällen keine Betriebsrenten an, weil sie das Haftungsrisiko scheuen.

Betriebe haben Probleme wegen Niedrigzins

Hauptgrund der geplanten Abschaffung der Haftung durch die Betriebe: Viele Unternehmen haben angesichts der Negativzinsphase – begründet in der Politik von EZB-Chef Mario Draghi – Probleme, die Renten in der bisherigen Höhe zu zahlen. „Viele Unternehmen, die beispielsweise ihren Mitarbeiter zugesagt haben, eine Betriebsrente in bestimmter Höhe oder in Abhängigkeit vom letzten Gehalt auszuzahlen, haben große Probleme mit den Pensionsrückstellungen“, so das Blatt. „Wegen der gesunkenen Kapitalmarktzinsen müssen sie in der Bilanz mehr Vorsorge treffen“, stellt die „Stuttgarter Zeitung“ weiter fest. Das belaste die Ertragslage der Unternehmen.

Krankenkassenbeitrag auf die Betriebsrente

Roland Pichler von der „Stuttgarter Zeitung“ findet, dass dieser Vorstoß von Andrea Nahles nicht reicht. Es komme auch darauf an, die Arbeitnehmer von Betriebsrenten zu überzeugen. „Die Beschäftigten halten sich auch deshalb zurück, weil sie bei Betriebsrenten im Alter den vollen Kranken- und Pflegeversicherungsbeitrag zahlen müssen“, so sein Kommentar. Die Krankenkasse langt voll zu und verlangt so wohl den Arbeitgeber- und den Arbeitnehmeranteil von den Betriebsrentner, da bleibt am Ende nicht mehr viel übrig von der über Jahre angesammelten Rendite und führt die Betriebsrente ad absurdum. Die „Verbeitragung“ geht übrigens auf eine Gesetzesänderung der früheren rot-grünen Bundesregierung zurück. Der Frust unter den Betriebsrentner ist groß und hat schon zu Klagen geführt, die indes alle abgeschmettert wurde. Das zeigt, dass sich der Staat bei den Betriebsrentner bedient, wenn er Geld braucht. Auch für Pichler ist klar, dass „die Politik die Belastungen zumindest abmildern sollte – nur so findet die Betriebsrente mehr Anhänger“.


Übrigens: Einer Statistik des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zufolge haben rund 265 000 zusätzliche Arbeitnehmer  seit vergangenem Jahr eine Altersversorgung über ihren Betrieb abgeschlossen. Insgesamt haben somit mehr als 15 Millionen Beschäftigte eine betriebliche Altersversorgung. Das heißt, nicht mal jeder Zweite hat eine betriebliche Altersvorsorge. Die Beiträge für die betriebliche Altersversorgung summierten sich nach Berechnung des GDV im vorigen Jahr auf 19,1 Milliarden Euro.

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Was es dazu bei Twitter gibt




So will der Sozialverband die Rente sichern

Rente geht auch Junge an, proklamiert der Sozialverband SoVD. Das System muss solidarisch gesichert werden, damit niemand mehr im Alter „arm dran“ ist. Dafür hat der Sozialverband die Aktion gestartet „Lieber nicht arm dran“.

Der Sozialverband mit seinen 560 000 Mitglieder hat etwas andere Vorstellungen von einem tauglichen Rentensystem als viele Politiker, das Altersarmut verhindern soll. Wie das funktionieren soll, hat er in einem „Bekämpfung von Altersarmut“ erklärt.

„Die Altersarmut in Deutschland steigt. Wir registrieren diesen Trend mit großer Sorge und setzen uns mit voller Kraft dafür ein, über das Problem aufzuklären und auf Lösungen hinzuwirken“, so SoVD-Präsident Adolf Bauer. Frauen, Menschen mit Behinderungen und Langzeitarbeitslose tragen aus der Sicht des SoVD ein besonders hohes Risiko, in Altersarmut abzurutschen. Zudem schätzt der Sozialverband die Gefahr für sogenannte Solo-Selbstständige als hoch ein, im Alter zu verarmen.

Was der SoVD fordert:

  • Er schlägt einen Ausbau von Beitragszahlungen zur gesetzlichen Rentenversicherung in der Erwerbsphase vor, zum Beispiel durch eine Einschränkung prekärer Beschäftigungsformen wie Minijob und Leiharbeit.
  • Er fordert weiter ergänzende Regelungen im Rentenrecht, um der Gefahr von Altersarmut für Rentnerinnen und Rentner sowie für rentennahe Jahrgänge zu begegnen. So könnten in der Vergangenheit zurückgelegte Zeiten der Niedriglohnbeschäftigung und der Langzeitarbeitslosigkeit aufgewertet werden.
  • Schließlich müssen laut SoVD Verbesserungen für Erwerbsminderungsrentnerinnen und -rentner erfolgen, denn für sie ist das Risiko von Altersarmut besonders hoch, obwohl die Rente aufgrund von gesundheitlichen Beeinträchtigungen nicht freiwillig in Anspruch genommen wird. Der Sozialverband hält es daher für erforderlich, die systemwidrigen Abschläge bei Erwerbsminderungsrenten abzuschaffen.

Dazu passt die Meldung, dass bei immer mehr älteren Langzeitarbeitslosen die Hartz-IV-Leistungen wegfallen. Manche bekommen, so finanztreff.de, noch einen Job, andere gehen freiwillig vorzeitig in Rente – viele müssen aber wohl auch zwangsweise bereits mit 63 Jahren mit Abschlägen in Rente gehen. Das hat die „Süddeutsche Zeitung“ erfahren dank einer Anfrage der Linken, auf die die Bundesregierung antwortete. So sei die Zahl der 63-Jährigen, die aus dem Hartz-IV-Bezug ausgeschieden sind, von knapp 9600 im Jahr 2008 kontinuierlich auf mehr als 38 600 im Jahr 2015 gestiegen.

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Spät noch mal durchstarten und neu bauen!

Anders als früher sind alte Menschen heute gerne beweglich und wollen sich noch einmal verändern – zum Beispiel mit einem selbstgebauten Haus. Sei es, weil die bisherige Wohnsituation nicht mehr passt, eine Kapitalanlage gesucht wird oder einfach aus Lust am Neuen, auf dem Bau- und Immobilienmarkt spielt die Altersgruppe 50+ eine tragende Rolle.

Mit 50+ noch einmal bauen – aber wie?

Wer ein solch ambitioniertes Vorhaben wie den Neubau eines Hauses anpacken will, sollte seine eigenen Kapazitäten einschätzen können. Ein Hausbau verlangt dem Bauherrn so einiges ab, da empfiehlt es sich, kompetente Partner ins Boot zu holen – jemand, der sich um alles kümmert, um die kompletten Bauabläufe von der ersten Planung bis zur Schlüsselübergabe und das zum kalkulierbaren Festpreis. Denn, wer will im Alter schon böse Überraschungen erleben. Auf Bauunternehmen wie Viebrockhaus beispielsweise passt dieses Etikett. Die Umsetzung übernimmt dabei der Franchisepartner Kähler aus Büsum, der die Massivhäuser schlüsselfertig hinstellt.

 

Tipps für das perfekte Haus im Alter

Alle reden vom barrierefreien Wohnen – klingt theoretisch gut, die praktische Umsetzung verlangt dann doch einige Überlegungen. Damit das Wohnen auch im hohen Alter möglich ist, sollten beim Bau einige Punkte beachtet werden.

  • Als Bauplatz empfiehlt sich ein stadtnahes Grundstück. Denn gerade im Alter ist eine gute Infrastruktur wichtig, um Geschäfte, Ärzte und andere Einrichtungen problemlos erreichen zu können
  • Ebenerdiges Bauen macht Treppen überflüssig, alle Räume bleiben auch bei einer späteren körperlichen Einschränkung gut erreichbar
  • Damit das auch für den Rollstuhl gilt, sollten von vorneherein die Empfehlungen für die erforderlichen Bewegungsflächen und ein barrierefreies Bad beachtet werden
  • Denken Sie nicht zu klein! Auch wenn im Neubau nur zwei Menschen leben werden, sollten Rückzugsräume da sein, denn die werden im Alter zunehmend wichtiger. Als Anhaltspunkt dient eine Wohnfläche von etwa 100 m² für zwei Personen
  • Finanzierbar muss es bleiben! Gerade beim späten Hausbau sollten Bauinteressenten genau rechnen, ob auch nach dem Eintritt der Rente die Kreditraten bezahlbar bleiben
  • Ideal ist es außerdem, eine Einliegerwohnung mit einzuplanen, zum Beispiel für die Pflegekraft, die irgendwann erforderlich werden könnte oder auch als zusätzliche Einnahmequelle bei Vermietung

Ein Einfamilienhaus ist nicht das Richtige? Dann gibt es noch viele Möglichkeiten, im Alter zu wohnen, je nach Form mit mehr oder weniger Selbstbestimmung. Wichtig ist, sich rechtzeitig nach der passenden Wohnform umzusehen.

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Wie Senioren bei der Kfz-Versicherung sparen

Hätten Sie’s gewusst? Für Rentner sind die Kfz-Versicherungen bei gleichen Bedingungen teurer. Das bewirkt der Rentnerzuschlag, den die Versicherer ab einem gewissen Alter auf die Prämie packen. Eine genaue Prüfung der aktuellen Versicherung und einige Änderungen am Vertrag können diese Zusatzkosten ausgleichen.

Warum zahlen ältere Menschen mehr?

Wer zur Generation 60+ gehört, dürfte sich wundern – wer die Versicherungen beispielsweise mit dem Portal directline.de, vergleicht, wird schnelle feststellen, dass Menschen je nach Gesellschaft und Tarif bis zu 50 Prozent höhere Versicherungsbeiträge für ihre Autoversicherung zahlen als 40-jährige mit gleichen Konditionen. Einen statistischen Grund gibt es dafür nicht. Dem Statistischem Bundesamt zufolge haben Ältere frühestens ab 75 Jahren ein deutlich höheres Unfallrisiko. Da kann einen leicht der Gedanke beschleichen, dass mit den Tariferhöhungen schlicht die Kundentreue älterer Menschen genutzt wird, um die Prämien hochzusetzen. Denn natürlich: Wer seit Jahren bei seiner Versicherung fallende Prämien erlebt, wird eventuell nicht so regelmäßig die Höhe der jährlichen Abbuchung prüfen.

Wie sich die Prämien senken lassen?

Mit steigenden Prämien der Kfz-Versicherung muss sich keiner der 60plus-Generation abfinden. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Versicherungsbeiträge niedriger zu halten:

  • Zum 30. November jeden Jahres besteht die Möglichkeit, die bestehende Kfz-Versicherung zu wechseln. Ein frühzeitiger Vergleich der einzelnen Tarife birgt vielleicht Überraschungen
  • Prüfen Sie Ihre Versicherungsbedingungen. Stimmt die Anzahl der Kilometer pro Jahr noch? Mit dem Auto fahren ältere Menschen in vielen Fällen deutlich weniger als früher, bei geringerer Fahrleistung sind auch die Prämien niedriger. Prüfen Sie bei der Gelegenheit auch alle anderen Angaben in der Police zum Beispiel was Mitfahrer oder Abstellort angeht.
  • Eine Vollkaskoversicherung lohnt sich nur für neue Fahrzeuge. Ist Ihr Auto in die Jahre gekommen, dann reicht wahrscheinlich die deutlich günstigere Teilkaskoversicherung
  • Früher haben Eltern die Autos für ihr Kind angemeldet, um Versicherungsprämie zu sparen. Warum nicht den Spieß umdrehen? Lassen Sie Ihr Fahrzeug auf Ihre Kinder ummelden.

Auch ein persönliches Gespräch mit dem Versicherer kann übrigens etwas bewirken. Drohen Sie den Wechsel aufgrund der Beitragserhöhung an, macht Ihnen die Versicherung unter Umständen ein günstiges Angebot.

Im Rentenalter ist das Geld oft knapper, die Kosten sind dagegen hoch. Wie Sie als Rentner durch den schlauen Umgang mit der Steuer noch mehr sparen können, lesen Sie hier

Es kann sich lohnen, die Kfz-Versicherung zu checken

Es kann sich lohnen, die Kfz-Versicherung zu checken

Bild 1: ©istock.com/Willowpix

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Wie die richtige Sterbegeldversicherung finden?

Eigenartig oder auch nicht – aber es bleibt nicht aus, das sich viele ab einem bestimmten Alter überlegen, was passiert, wenn das Leben endet. Wo die letzte Ruhestätte finden, wie soll das Begräbnis ablaufen? Wer wird sich um alles kümmern? Manchmal kommen diese Gedanken beim Tod eines nahe Verwandten – der Eltern oder eines der Geschwister. Wer trägt die Kosten? Beerdigung, Grabstein und das ganze Drumherum können zur Belastung werden. Wie vorsorgen? Lohnt es sich, die Hinterbliebenen dagegen abzusichern?

Die Beerdigung kostet einige Tausend Euro, die im Zweifel von den Nachkommen getragen werden müssen. Wer keine Möglichkeit hat, eine solche Summe bis zu seinem Tod anzusparen, belastet ganz automatisch die Nachkommen. Damit es dazu nicht kommt, kann eine Sterbegeldversicherung abgeschlossen werden. Für wen ist die Police sinnvoll?

Krankenkasse zahlt kein Sterbegeld mehr

Eine private Sterbegeldversicherung ähnelt der Lebensversicherung,  das heißt, vor dem Vertragsabschluss wird eine Summe festgelegt, die die Nachkommen bei einem Tod des Versicherten erhalten. Die Unterschiede liegen in der Höhe des Versicherungsbetrags: Während die Lebensversicherung die Finanzierung des Lebensunterhalts ermöglichen soll und dementsprechend oftmals einige Hunderttausend Euro beträgt, deckt die Sterbegeldversicherung nur die Kosten für die Bestattung, welche in Deutschland derzeit etwa mit einer Summe von 7000 bis 8000 Euro veranschlagt werden kann. Die Kosten schwanken regional. Vor einigen Jahren wurde noch Sterbegeld durch die gesetzlichen Krankenkassen gezahlt, was seit 2004 allerdings nicht mehr der Fall ist.

Wartezeit beachten

Bei der Auswahl der Police sollten allerdings einige Dinge beachtet werden, damit der richtige Tarif gewählt werden kann. Zunächst ist es üblich, dass nach dem Abschluss der Versicherung eine sogenannte Wartezeit eingehalten werden muss. Innerhalb dieser Wartezeit erhalten die Hinterbliebenen nicht die volle Versicherungssumme, sondern nur die bereits eingezahlten Beiträge. In der Regel wird allerdings bei einem plötzlichen Unfalltod eine Ausnahme gemacht; bei einem solch tragischen und unvorhersehbaren Ereignis zahlen die Versicherungsunternehmen meist den vollen Betrag. Dennoch gibt es Unterschiede: Bei vielen Tarifen beträgt die Wartezeit vier Jahre, einige Versicherungen zahlen aber bereits nach drei Jahren aus. Grundsätzlich verweigert wird die Auszahlung des Versicherungsbetrags, wenn der Tod durch einen Suizid eingetreten ist.

Versicherungssumme anpassen

Weiterhin bieten einige Policen eine sogenannte Erhöhungs-Option, die durchaus sinnvoll ist. Denn üblicherweise haben die Policen eine Laufzeit von 10 bis 20 Jahren. In dieser Zeit verliert das Geld an Kaufkraft und die Kosten für eine Beerdigung steigen, weshalb es also nach einiger Zeit durchaus sinnvoll sein kann, die Versicherungssumme anzupassen. Darüber hinaus erlauben auch einige Versicherer einen Zugriff auf das angesparte Kapital, sollte es einmal zu einem finanziellen Engpass kommen. Sind keine Nachkommen vorhanden oder sollen nicht mit der Grabpflege betraut werden, können auch Assistance-Leistungen bei einigen Tarifen mit beauftragt werden. Dabei kann es sich neben der bereits erwähnten Grabpflege auch um eine Schadensversicherung für die Grabstätte handeln, sodass ein vollständiger Versicherungsschutz geboten wird.

Vergleichen, vergleichen, vergleichen

Natürlich handelt es sich aber auch bei der Sterbegeldversicherung am Ende um eine ganz normale Versicherungspolice, bei der auch ein umfangreicher Vergleich der Tarife stattfinden sollte. Denn trotz ähnlicher Leistungen unterscheiden sich die Tarife zum Teil erheblich. Die Beitragshöhe ist bei dieser Police auch deshalb so entscheidend, weil die Versicherung insbesondere bei einer kleinen Rente und dünnen Kapitaldecke erforderlich wird. Derart abgesichert, können die Hinterbliebenen im Todesfall trauern – ganz ohne finanzielle Sorgen.

© Bild: vorunruhestand.de – Das Bild ist in Varhaug (Norwegen) aufgenommen worden. Es zeigt die Kapelle auf dem gamle kirkegård, dem alten Friedhof direkt am Meer

Weiterführende Links:

  • Zeit: Der Förster als Totengräber
  • Anwaltsauskunft: Feuer-, Urnen- und Seebestattung
  • Fünf Generationen und ihre Namen



Kleine Leute büßen für Draghis Negativzins

Spätestens jetzt muss auch der Letzte begreifen, dass ihn die Negativzinspolitik des EZB-Chefs Mario Draghi sehr wohl angeht und den eigenen Geldbeutel belastet. Für Tagesgeld gibt’s schon lang nichts mehr – und jetzt erhöhen auch die ersten Banken ihre Gebühren. Die Postbank schafft ihr kostenloses Girokonto für Millionen Kunden ab, vor allem für solche, die eh schon wenig verdienen.

So viel vorweg, jetzt ins Detail: Die Tochter der Deutschen Bank, verlangt ab November von ihren Kunden, auf deren Konto monatlich weniger als 3000 Euro eingehen Gebühren. Ganz klar, die Postbank hat nichts zu verschenken – und wenn sie bei Draghi, dem Chef der Europäischen Zentralbank, für ihre Einlagen bei der EZB Zinsen zahlen muss, dann bleibt ihr nichts Anderes übrig, als diese Kosten weiter zu reichen. Dummerweise trifft es wieder mal die Kleinen Leuten mit niedriger Rente oder niedrigen Einkommen. Bislang war die Kontoführung für sie kostenlos, wenn auf ihrem Konto pro Monat mindestens 1000 Euro eingingen, künftig müssen es 3000 Euro sein. Die wenigsten verdienen aber so viel oder bekommen so viel Rente.

Strafzinsen für Geld auf dem Girokonto

Bislang wurde Girokonten querfinanziert, angesichts von Negativzinsen funktioniert das nicht mehr – und deswegen erhöhen die Banken ihre Gebühren. Eigentlich müssten sie ihre Kunden direkt mit Negativzinsen belasten, wenn diese Geld auf ihrem Konto bunkern, aber das traut sich (fast) noch niemand. Die bayerische Raiffeisenbank in Gmund am Tegernsee verlangt von September an von Privatkunden mit großen Summen auf dem Girokonto Strafzinsen. Der Strafzins oder das „Verwahr-Entgelt“ (O-Ton Raiffeisenbank Gmund) 0,4 Prozent.

Zurück zur Postbank: 5,3 Millionen Deutsche haben ein Girokonto bei der Postbank. Das kostet ab November 3,90 Euro pro Monat. Bisher war die Kontoführung kostenlos, wenn darauf jeden Monat mindestens 1000 Euro eingingen. Ab November müssen pro Monat schon 3000 Euro eingehen, damit die Kontoführung weiter kostenlos ist. Wer sein Girokonto nur online nutzt, zahlt ab November 1,90 Euro.

Negativzins schlägt voll durch

Übrigens, schon bislang zahlten Geringverdiener: Bei eine Geldeingang von weniger als 1000 Euro zahlen Postbankkunden 5,90 Euro – sie zahlen dann künftig nur 3,90 Euro. Kunden, die jünger sind als 22 Jahre zahlen nichts.

Die Postbank ist nicht das erste Finanzinstitut, das seine Gebühren erhöht: Viele Sparkassen haben ihr Preismodell bereits zum Nachteil der Kunden verändert.

Über Wechsel der Bank nachdenken

Spätestens jetzt ist es an der Zeit, über die Kosten der eigenen Bank nachzudenken und vielleicht nach Alternativen zu suchen. Die DKB beispielsweise wirbt immer noch mit einem kostenlosen Girokonto. Bei Vergleichsportalen wie check24 bekommen Wechselwillige einen Überblick.

Draghi verändert die Finanzlandschaft – und leider zu Ungunsten der Deutschen. Er ist seit 1. November 2011 Chef der EZB und wird es noch bis 2019 bleiben. Bis dahin fällt ihm sicher noch einiges, was vermutlich nicht gefallen wird.

Gebühren sind das eine, Negativzins das andere – Dutzende Sparkassen haben „FOCUS Online“ zufolge damit begonnen, Geschäftskunden Negativzinsen in Rechnung zu stellen.  FOCUS Online hat nachgefragt, wer wann wo Strafzinsen fürchten muss.

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Wehe, wenn die heile Rentenwelt zerbricht

Die gesetzliche Rentenversicherung steht auf tönernen Füßen und wird ohne Reformen nicht überleben. Eigentlich müsste das jeder begreifen. Politiker wie Andrea Nahles und Sigmar Gabriel gaukeln uns vor, dass das „bekloppt“ ist. Sind nicht eher sie bekloppt, weil sie die Wahrheit verschleiern? Wenn wir länger leben, weniger Kinder in die Welt setzen, werden wir auch mit weniger Rente auskommen und länger arbeiten müssen. An dieser Logik kommt keiner vorbei. Wehe, wenn die vermeintlich heile Rentenwelt zerbricht.

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Rente ist eine Umlageverfahren

Eins und eins ist zwei oder drei minus eins oder vier geteilt durch zwei – das gilt auch für die gesetzliche Rente, die als Umlageverfahren von den Beiträgen der aktiven Erwerbsbevölkerung gespeist wird. Die Verhältnisse zwischen Beitragszahlern und -empfänger ändert sich und damit muss sich auch die gesetzliche Rente anpassen. Einige Politiker, allen voran Bundessozialministerin Andrea Nahles gaukelt uns vor, dass nicht sein kann, was nicht sein darf. „Nur einmal hatte Berlin den Mut und die Kraft aufgebracht, den Menschen die Wahrheit über den Zustand der Alterssicherungssysteme zu offenbaren und Anpassungen am Umlageverfahren vorzunehmen: Die Beiträge wurden gedeckelt, das Rentenniveau nach unten geschleust und das Renteneintrittsalter auf bis zu 67 Jahre erhöht“, erinnert Stephan Lorz von der „Börsenzeitung“. Und, was waren die Folgen? Der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder wurde abgestraft. Die Wähler wollten die Wahrheit nicht hören. Zugegeben, was Schröder einführte, war nicht alles toll, aber der Ansatz stimmte. Nahles dreht die Reformen wieder zurück, ohne Rücksicht auf die nachkommenden Generationen.

Wie funktioniert das Umlageverfahren – ein Erklär-Video

Anhebung des Renteneintrittsalters

Und noch immer ist es so, dass angeklagt wird, wer die Wahrheit sagt. So geht es zurzeit der Deutschen Bundesbank, die in ihrem Monatsbericht hochrechnete, dass „eine schrittweise Anhebung (des Renteneintrittsalters) auf etwa 69 Jahre bis zum Jahr 2060“ notwendig wäre. Und trotz dieses Schritts „stiege der Beitragssatz aber wohl auf eine Größenordnung von 24 Prozent, und das Versorgungsniveau der gesetzlichen Rentenversicherung ginge auf eine Größenordnung von rund 44 Prozent zurück“. Das heißt, selbst das wird langfristig nicht reichen, um die Rente zu stabilisieren. Die Dänen haben das schon längst begriffen und lassen das Renteneintrittsalter bis 2022 auf 67 Jahre steigen, ab 2030 dann auf 68 Jahre, ab 2035 auf 69 Jahre – und dann ab 2060 alle fünf Jahre um ein weiteres Jahr, sodass unsere nördlichen Nachbarn dann ab 2100 erst mit 77 Jahren in Rente gehen.

Bei der Rente alles in Butter?

Aber das alles liegt ja weit in der Zukunft, deswegen ist es populär und wählerwirksam, den Leuten vorzugaukeln, alles wäre bei der Rente in Butter. „Schließlich könne es doch nicht sein, dass die Menschen immer länger leben, damit auch immer länger Rente beziehen, die Zeit ihres Erwerbslebens aber zementiert und jede Debatte darüber tabuisiert wird“, kritisiert Lorz.

Obwohl Andrea Nahles „erst“ im Juni 1970 geboren ist und damit 46 Jahre alt, macht sie Klientelpolitik für die Alten. Denn ausbaden werden ihre Politik die Jungen müssen. So schön es ist, dass die Lebenserwartung steigt, so zwingend ist es, dass Rentenpolitiker – und die Gesellschaft – sich darauf einstellen. Je länger Ruheständler ihr Altersgeld beziehen, desto mehr müssen sie in den aktiven Jahren vorgesorgt haben oder desto mehr künftige Beitragszahler müssen sie in die Welt gesetzt haben.

Nahles‘ Rechnung geht nicht auf

Wir alle werden erleben, dass Nahles‘ Rechnung nicht aufgeht, weil eins und eins eben nicht drei ist. Wahrscheinlich wird heimlich am System geschraubt, so dass für die Rentner unterm Strich weniger übrig bleibt, gleichzeitig werden die Beiträge steigen und zusätzlich wird der Bundeszuschuss zur Rente steigen. Schon heute überweist der Bund annähern 87 Milliarden Euro an die Rentenkasse, 2017 werden es dann mehr als 91 Milliarden Euro sein und schon in wenigen Jahren ist die 100-Milliarden-Euro-Marke geknackt. Nicht weiter schlimm, oder? Nun, das Geld, das an die Rentenkasse geht, fehlt anderswo – in der Bildung, bei der Infrastruktur oder der Verteidigung. Das ist ein schleichender Prozess, der erst dem auffällt, der Deutschland beispielsweise mal mit Skandinavien vergleicht.

Andrea Nahles weiß um die Brisanz des Themas und hat für Oktober Arbeitgeber, Gewerkschaften und Sozialverbände zu einem Treffen eingeladen – wichtigestes Thema „die gesetzlichen Rente“.

Also, es bleibt spannend. Insofern war das sicher nicht der letzte Beitrag zu dem Thema.

Schon in etwa 25 Jahren wird es mehr Nettoempfänger als Nettozahler geben, weil die Bevölkerung altert. Das hat das Prognos-Institut ermittelt im Auftrag der arbeitgebernahen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM). Das trifft vor allem die Rentenkasse. Prognos zufolge ist derzeit die Gruppe der Nettozahler mit 56 Prozent noch in der Mehrheit. Doch ab 2020 gehen die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer verstärkt in Rente. Gleichzeitig wachsen immer weniger Junge in die mittlere Altersgruppe nach. Im Jahr 2040 gehören laut der Studie folglich nur noch 49 Prozent der Bevölkerung zu den Nettozahlern. Dann stehen laut der Erhebung 38,2 Millionen Nettozahler 41 Millionen Nettoempfängern gegenüber – derzeit sind es noch mehr Zahler. Je nach dem sich die Bevölkerung entwickelt, droht 2040 Bund, Ländern, Kommunen und Sozialkassen ein Finanzdefizit in zwei- bis dreistelliger Milliardenhöhe. Würde es keine höheren Beitragssätze und Steuern geben als heute, ergäbe sich durch die demografische Entwicklung beim Defizit der Haushalte demnach ein Wert von 144 Milliarden Euro im Jahr 2040. Allein zur Finanzierung der gesetzlichen Rente fehlten dann 83 Milliarden Euro. Würden die Sozialbeiträge für Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung aber von derzeit knapp 40 auf knapp 50 Prozent im Jahr 2040 steigen, hätten die öffentlichen Haushalte nur ein Minus von 24 Milliarden Euro. Dies würde aber eine entsprechende Mehrbelastung der privaten Haushalte und Unternehmen bedeuten. Sozialministerin Andrea Nahles (SPD) hatte angekündigt, im November ein Konzept für die Rente vorzulegen, in dem auch eine „Haltelinie“ fürs sinkende Rentenniveau definiert sein soll

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