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Konto zum Nulltarif ist bei Sparkassen vorbei, anders als bei Direktbanken. Bei Kreditkarten langen Sparkassen sogar richtig zu. Höchste Zeit, über den Wechsel des Finanzinstituts nachzudenken, schließlich haben Rentner und Vorruheständler nichts zu verschenken.

Es lohnt sich, den Preisaushang der Sparkasse genau zu lesen. Kunden werden schnell feststellen, wofür das Finanzinstitut alles Geld verlangt. Das Girokonto kostet beispielsweise bei der Sparkasse Hannover sieben Euro pro Monat. Wenignutzer zahlen zwar „nur“ 3,50 Euro, dafür müssen sie für jede Kontobewegung löhnen: Die Überweisung kostet 35 Cent, selbst für die Barabhebung blechen die Kunden 35 Cent. Nur noch Jugendliche unter 18 Jahre ist das Giro kostenfrei, danach haben sie noch eine Schonfrist bis 25 Jahre. Bei anderen Sparkassen sieht es nicht viel besser aus. Bei der Stadtsparkasse München kostet das Girokonto Online nur dann nichts, wenn mindestens monatlich 1750 Euro eingehen, ansonsten sind es 4,95 Euro. Für die EC-Karte berechnet die Stadtsparkasse München 7,50 Euro. In Hannover kostet die EC-Karte zwar nichts, dafür müssen Kunden für eine Kreditkarte immerhin 42 Euro berappen, selbst Jugendliche zahlen noch 21 Euro. Bei der Sparkasse kostet selbst ein Prepaid-Mastercard noch 30 Euro pro Jahr für Erwachsene und 15 Euro für Jugendliche. Prepaid heißt, dass der Kunde die Karte auffüllt ( Guthabenverfahren). Die vermeintliche Kreditkarte verfügt nicht über einen Kreditrahmen.

Ein Blick in die Preisliste lohnt

Wer sich die Preisliste einmal genüsslich durchliest, muss zwangsläufig zum Schluss kommen, dass gerade bei Kreditkarten Preis und Leistung nicht mehr im richtigen Verhältnis stehen. Denn, die ausgebende Kreditkartenbank verdient ja schließlich an jeder Transaktion, die der Kunde mit seiner Karte abwickelt – das ist ein lukrativer Automatismus für Banken und Sparkassen. „Nicht jeder Kunde wird weitere Preiserhöhungen klaglos hinnehmen“, schreibt die „Welt“. Schon in der Vergangenheit seien die Banken mit dem roten S selten durch niedrige Gebühren aufgefallen. Glücklicherweise stehe „außerhalb der Sparkassenwelt das Ende der Gratiskonten noch nicht unmittelbar bevor“. Die Direktbanken werden ihre kostenlosen Angebote nicht so schnell kippen.

Unterschiede bei Kreditkarten

Die wenigen Beispiele zeigen schon, dass es sich lohnt, genau hinzuschauen. Denn, Direktbanken verlangen nichts für EC- und Kreditkarten. Was eine EC-Karte ist, weiß jeder. Bei Kreditkarten gibt es indes Unterschiede – und es schadet nichts zu differenzieren. Da sind zum einen die Anbieter: Der Kunde hat in der Regel mit den drei Großen zu tun, sprich mit Visa, MasterCard und American Express. Zum anderen ist nach der Funktion zu unterscheiden: Denn es gibt neben Credit-Cards mit Teilzahlungsfunktion und sogenannten reinen Charge-Cards immer mehr Prepaid Karten.

Prepaid als Lösung?

Mehr als ein Drittel der Deutschen besitzt bereits eine Kreditkarte, manche sogar mehrere – auch, weil immer mehr Händler das Plastikgeld akzeptieren. Damit zahlen sie Flüge, Hotels und Restaurantbesuch, Bücher sowie Elektronik für annähernd 95 (2014: 59) Milliarden Euro. Von den 31 Millionen Kreditkarten sind allein 20 Millionen EC- und Mastercards. Dabei sind die Deutschen eher noch Kreditkarten-Muffel, denn nur etwas mehr als fünf Prozent werden im Laden tatsächlich mit Kreditkarten bezahlt.

Das heißt, zwei Drittel haben noch keine Kreditkarte. Wer über eine Kreditkarte von diesen zwei Drittel über eine nachdenkt – welche wäre die richtige? Warum nicht eine Prepaid? Natürlich kostenlos! Ok, es geht ans Eingemachte: Da gibt es zum einen die Charge Card, eine Kreditkarte, die eigentlich gar keine ist. Die Bank räumt dem Kunden, der bei ihr meist gleichzeitig ein Girokonto hat, einen Verfügungsrahmen ein – meist zwischen einem und zwei Monatseinkommen. Einmal pro Monat bekommt er eine Abrechnung – per Lastschrift werden seine Kartenzahlungen vom Girokonto eingezogen. Wer so eine Charge Card besitzt, sollte immer darauf achten, dass genug Geld auf dem Girokonto ist. Charge-Cards ohne Jahresgebühr bieten beispielsweise die DKB und die Fidor Bank an – mit der Fidor SmartCard und der DKB VisaCard. Clou der Fidor SmardCard: Sie ist eine Kombination aus drei Bezahlformen – MasterCard-  und Maestro-Funktion (EC-Karte) plus kontaktloser Bezahlfunktion. Das heißt, wer einkaufen geht, kann entweder mit Kredit- oder EC-Karte zahlen mit „einer“ Karte.

Karten mit Guthaben

Interessant für Rentner und Vorruheständler ist die Prepaid-Karte. Dafür braucht’s auch keine Bonitätsprüfung oder Schufa-Abfrage. Prepaid-Kreditkarten sind nichtsdestotrotz vollwertige, unbare Zahlungsmittel. Sie werden vorher aufgeladen mit Guthaben – interessant gerade für Rentner, die ihre Finanz im Blick haben wollen. Interessant sind die Prepaid der Targo Bank und natürlich die Fidor Smart Prepaid sowie die Prepaid von Number 26.

Und dann gibt es ja noch die Prepaid-Kreditkarten zum Mitnehmen. Zu kaufen sind sie an Tankstellen oder in Supermärkten wie Rewe, Penny und Netto. Da ist zum einen die Joker Online Mastercard und zum anderen die Mycard2Go Prepaid von Visa. Sie kosten annähernd zehn Euro pro Jahr. Wer eine besitzt, muss allerdings aufpassen rechtzeitig zu kündigen. Zudem sind die Karten nur bis zu einem bestimmten Betrag aufladbar – 25, 50 oder 100 Euro.

Wer sich einen Überblick verschaffen will, sollte am besten auf bei einem Kreditkartenvergleichsportal wie Cardscout vorbeischauen.

Weiterführende Links:

  • “Welt”: Die Mär vom Ende des kostenlosen Girokontos

Posted by Helmut Achatz

Vorruheständler, Journalist, Börsianer, Vorstand VHS Olching, Wirtschaftsingenieur,

7 Comments

  1. Wirklich kostenlose Konten kann es nicht geben, lediglich für den Kunden gebührenfreie. Inwieweit das tatsächlich sinnvoll ist, mag ein jeder selbst entscheiden:
    https://blog.gls.de/aus-der-finanzwirtschaft/die-maer-von-der-kostenlosigkeit-von-girokonten/

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  2. […] gibt viele Situationen, in denen es auf die Bonität ankommt. Zum Beispiel für den, der darüber nachdenkt, die Bank zu wechseln. Denn, die neue Bank wird sich zuerst über die Kreditwürdigkeit des potenziellen Kunden […]

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  3. Prepaid-Karten werden in der Regel vom Fluggesellschaften und auch von vielen Hotel-Portalen nicht akzeptiert.

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    1. Helmut Achatz 22. Mai 2016 at 18:07

      Vielen Dank für den Hinweis. Das wusste ich auch nicht.

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  4. Den Vorschlag, zu Direktbanken zu wechseln, unterstütze ich. Die sind sogar noch so eifrig, Kunden zu gewinnen, dass man fürs erste Jahr noch einen Bonus von bis zu 100,-Euro einkassieren kann. Es ist eben vorbei die Zeit, dass die Hausbank uns in vierter Generation auf Gedeih und Verderb “gut berät”. Gut..ist ohnehin noch zu prüfen.

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    1. Helmut Achatz 22. Mai 2016 at 18:08

      Ja, die Niedrigzins-Ära kommt einem Paradigmenwechsel gleich. Jetzt stehen ganz viele Geschäftsmodelle zur Disposition

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