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Die Inflation in Deutschland hält sich im Rahmen, dennoch verliert der „Normal“-Rentner seit Jahren an Kaufkraft. Wer hingegen Grundsicherung bezieht, hat heute sogar mehr Kaufkraft als 2005. Ist das gerecht? Nähern wir uns der Einheitsrente?

Neurentner Ditlav Müller hat sich mal die Mühe gemacht, verschiedene Renten miteinander zu vergleichen. Müller kam an Ende seiner Rechnung zum Schluss, dass vor allem Besserverdienende von der gesetzlichen Rentenversicherung gekniffen werden. „Gute“ Rentner haben seit 2002 in punkto Kaufkraft am meisten verloren. Der Bayer aus Königsdorf bezieht in seine Rechnung sowohl die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung ein wie die Steuer und die Inflation. Ein Besserverdienender, der 45 Jahre eingezahlt hat und 1,5 Entgeltspunkte (EP) bekam, das heißt, deutlich mehr in die Rente einzahlte als der Durchschnitt, verlor von 2002 bis 12,4 Prozent. Das sind wie gesagt, die nackten Zahlen.

So, jetzt zum sogenannten Eckrentner, den es eigentlich nicht gibt, der aber als Vergleichsmaßstab gute Dienste leistet: Der Eckrentner zahlt ebenfalls 45 Jahre ein, verdient so viel wie der Durchschnitt der Beschäftigten und bekommt deswegen einen Entgeltspunkt (EP). Der Eckrentner wurde nicht ganz so gerupft wie der „gute“ Rentner – er verlor „nur“ 9,3 Prozent in den Jahren seit 2002. Müller hat ausgerechnet, dass er 2002 noch 1036 Euro Kaufkraft hatte, 2014 schrumpfte die Kaufkraft seiner Rente auf 939,80 Euro.

Damit dass auch visuell deutlich wird:

Kaufkraftverlust eines Eck- und "guten" Rentners

Kaufkraftverlust eines Eck- und “guten” Rentners

Eckrentner ist nicht Durchschnittsrentner. Letzterer verlor zwar nicht ganz so viel an Kaufkraft wie der „gute“ Rentner, allerdings fällt seine Rente absolut gesehen natürlich geringer aus. Auch für ihn hat der Königsdorfer den Kaufkraftverlust ausgerechnet: 2002 durfte er sich noch über eine Kaufkraft von 804 Euro freuen, 2014 waren es nur noch 722 Euro – ein Minus von -10,2 Prozent.

Kaufkraft der Grundsicherung gestiegen

So und jetzt zum „armen“ Rentner, der auf Grundsicherung angewiesen ist: Die, wohlgemerkt, durchschnittliche Grundsicherung stieg zwischen 2005 und 2014 von 605 auf 725 Euro, so hat Müller errechnet. Die Kaufkraft dieser Grundsicherung erhöhte sich – ja, richtig gelesen – von 576 Euro auf 586 Euro. Das entspricht einem Plus von 1,7 Prozent.

Müller ist übrigens nicht der Einzige, dem das aufgefallen ist, auch die „Welt“ schreibt, „die Kluft zwischen Rente und vormaligem Einkommen klafft bei Gutverdienern weiter auseinander als bei Geringverdienern“. So komme eine Verkäuferin mit zwei Kindern im Prognos-Szenario 2040 im Bundesschnitt auf eine Rente von 1095 Euro, wobei sich diese 1095 Euro als Euro in heutiger Kaufkraft, also inflationsbereinigt, verstehen, eine Teamleiterin ohne Kind darf in 25 Jahren auf 2366 gesetzliche Rente hoffen – damit seien ihre Bezüge zwar doppelt so hoch wie die der Verkäuferin.

Euro ist nicht gleich Euro

Dieses Problem ist in der breiten Öffentlichkeit kaum diskutiert worden. Das heißt jedoch, ein Euro Rentenbeitrag eines „guten“ Beitragszahlers ist weniger wert als ein Euro eines „Durchschnittsbeitragszahlers“.

Der Schluss den Müller zieht:

  • Je später man in Rente geht (Besteuerung nimmt zu) und je mehr man geleistet hat, desto mehr verliert man.
  • Im Vergleich mit der Grundsicherung sieht man: Die Kaufkraft der Grundsicherung bleibt in etwa gleich.
  • Der Beitragszahler verliert. Die Tendenz geht zur Einheitsrente.

Die Kaufkraft werde – und auf die kommt es ja letztendlich an – immer geringer je höher die Rente war. Bei der Grundsicherung bleibe die Kaufkraft in etwa erhalten. „Ist das gerecht ?“

… und hier Müllers Rechnung als Excel-Tabelle:

Wie sich die Kaufkraft unterschiedlicher Rentner-Typen verändert hat

Wie sich die Kaufkraft unterschiedlicher Rentner-Typen verändert hat

Weiterführende Links:

https://twitter.com/Loeffelmacher/status/720220048892260352

https://twitter.com/marc_hauck/status/721349064399450112

Posted by Helmut Achatz

Vorruheständler, Journalist, Börsianer, Vorstand VHS Olching, Wirtschaftsingenieur,

One Comment

  1. […] vorunruhestand: „Normal“-Rentner sind die großen Verlierer der Sozialpolitik […]

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