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Banken und Sparkassen langen bei Dispozinsen kräftig zu, obwohl der Leitzins mittlerweile bei null ist. Nullzins fürs Geld auf dem Sparbuch, aber mehr als zehn Prozent, wenn ein Kunde sein Konto überzieht – kein Märchen, sondern harte Realität. Das trifft gerade Rentner mit geringem Einkommen, die mit jedem Euro rechnen müssen. Bei Überziehungskrediten sind die Spannen riesig. Die Volksbank Kierspe beispielsweise verlangt sogar 16,75 Prozent – und ist damit sicher nicht allein. Eine Spanne zwischen 14 und 15 Prozent scheint durchaus üblich zu sein. Umgekehrt bekommen Kunden bei Sparkassen und Volks- und Raiffeisenbank mittlerweile weniger als 0,1 Prozent Zinsen aufs Sparbuch. Sparkassen und Volksbanken gehören auch zu den Finanzinstituten, die beim Dispo gern beherzt zugreifen, wie ein Blick auf die Konditionen zeigt.

Ein Drittel überzieht regelmäßig

Wer sich diese Diskrepanz vergegenwärtigt, könnte meinen, Überziehen sei eher die Ausnahme als die Regel. Leider ist dem nicht so – Schätzungen zufolge überzieht ein Viertel bis ein Drittel der Bankkunden in Deutschland ihr Konto mehrmals pro Jahr, ein harter Kern sogar regelmäßig. Dabei geht es nicht um Peanuts, sondern im Schnitt sind die Überzieher mit mehr als 500 Euro im Monat in den Miesen, so eine Umfrage des Marktforschungsinstituts Ipsos.  Wie teuer das ist, lassen Zahlen der Bundesbank erahnen. Der Behörde zufolge machen allein die Überziehungszinsen eine Milliarde Euro aus.

Dispokredite sind sündteuer

Dabei müsste das nicht sein, denn Ratenkredit bekommen Bankkunden schon zu deutlich besseren Konditionen. Das Zauberwort heißt „Umschulden“. Das heißt, der Kunde zahlt den einen Kredit mit einem anderen Kredit zurück. Der Clou dabei: der sündteure Dispokredit wird durch einen deutlich günstigeren Ratenkredit abgelöst. Die Zinsen für entsprechende Ratenkredite sind deutlich niedriger als die für Dispokredite. Mit nur etwas Selbstdisziplin lassen Schuldner auf Dauer ihre Miesen hinter sich, weil sich die Zinslast verringert.

Wie groß der Spielraum ist, verdeutlicht ein Vergleich: Hier die Dispozinsen im zweistelligen Prozentbereich, dort die Ratenkreditzinsen, für die Kunden mittlerweile weniger als drei Prozent zahlen.

Banken zur Beratung gezwungen

Soweit die Theorie. Natürlich hängen die Zinsen auch von der Bonität, sprich Kreditwürdigkeit eines Kunden ab. Ein „guter“ Kunde bekommt natürlich bessere Zinsen als einer mit schlechter Bonität. Das Erfreuliche für Rentner: Ihre Bonität sei gar nicht so schlecht, denn Rentner und Pensionäre haben ein regelmäßiges Einkommen, so das Online-Vergleichsportal Smava.

Übrigens, längst ist die Diskrepanz zwischen Guthaben- und Sollzinsen auch dem Gesetzgeber sauer aufgestoßen. Deswegen trat nun am 21. März im Rahmen der Wohnimmobilienkreditlinie – was für ein Wortungetüm – ein Gesetz in Kraft, das Banken verpflichtet, bei hohem Kontominus zumindest beratend aktiv zu werden. Überzieht ein Kunden über einen längeren Zeitraum sein Girokonto, muss die Bank oder Sparkasse den Schuldner ab sofort über kostengünstige Alternativen hinweisen. Was heißt länger? Nun, wenn der Überzieher länger als ein halbes Jahr in den Miesen ist – und seinen Disporahmen zu 75 Prozent ausnutzt. Und so erklärt es die Bundesregierung:

Oder er überzieht sein Konto bei geduldeter Überziehung über drei Monate hinweg durchschnittlich um mehr als 50 Prozent des monatlichen Geldeingangs.

Die Beratung hat in einem persönlichen Gespräch zu erfolgen – möglich auch per Telefon. Ort und Zeitpunkt des Gesprächs sind zu dokumentieren. Das Angebot ist zu wiederholen, sobald die genannten Voraussetzungen erneut vorliegen. Darüber hinaus müssen die Institute klar und eindeutig über die Höhe der Zinsen für den Dispokredit informieren. Er muss auch auf ihrer Webseite gut sichtbar sein.

 

Weiterführende Links:

  • Datev: Bundesrat billigt Gesetz zur Wohnimmobilienkreditrichtlinie
  • Schulden.de: Umschuldung für Rentner
  • Welt: So verhindern Sie die Banken-Abzocke beim Dispo

 

Posted by Helmut Achatz

Vorruheständler, Journalist, Börsianer, Vorstand VHS Olching, Wirtschaftsingenieur,

4 Comments

  1. Hallo Sylvia,
    da gebe ich dir vollkommen Recht mit dem Urteil” Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier jemand ganz gewaltig über den Tisch gezogen wurde”. Jetzt wäre es natürlich interessant zu erfahren, welche Bank das war – und wann. Die befreundete Rentnerin kann deutlich günstiger umschulden, weil die Zinsen für Ratenkredite deutlich gefallen sind. Vielleicht wäre auch der Gang zur Verbraucherzentrale sinnvoll, um Druck aufzubauen.

    Antworten

    1. Das alles passierte im Dezember 2015. Laut Filialleiter hängt die Kreditzinshöhe vom Ranking des Kreditnehmers ab. Je mehr Abbuchungen oder Überweisungen auf dem Konto, desto größer das Risiko für die Bank, dass der Kredit auf Dauer nicht bedient werden kann. Deshalb die höheren Kreditzinsen. Eine Logik, die ich nicht ganz nachvollziehen kann.
      Ja, der Gang zur Verbraucherzentrale ist hier tatsächlich angeraten.

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  2. Zu… “hier die Dispozinsen im zweistelligen Prozentbereich, dort die Ratenkreditzinsen, für die Kunden mittlerweile weniger als drei Prozent zahlen”.
    Meiner Meinung nach können viele Kreditnehmer von diesen niedrigen Zinsen nur träumen. Ich weiß von dem Fall einer befreundeten Rentnerin, deren überzogenes Konto in Höhe von 4.000 Euro mit einem Zinssatz von fast 10 Prozent auf eine Laufzeit von fünf Jahren umgeschuldet wurde. Davor betrugen die Überziehungszinsen knapp 13 Prozent.
    Die Bank stellte einen niedrigeren Zinssatz nach einer Zeit des “Wohlverhaltens” in Aussicht.
    Nach ca. 4 Monaten senkte man – allerdings erst auf Nachfrage – den Zins um 2 Prozent auf 7,9 Prozent. Dafür wurde die Kreditsumme um 1.000 Euro erhöht, weil die Zinssenkung angeblich nur so vertretbar sei.
    Nun liegt die Kreditschuld dieser Freundin bei 5.000 Euro mit einer Laufzeit von insgesamt 7 Jahren. Die monatlichen Raten liegen nun bis 2023 bei knapp 80 Euro.
    Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier jemand ganz gewaltig über den Tisch gezogen wurde.

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