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Ja, wir haben 70 Jahre Frieden. Grund, dankbar zu sein – und sich zu erinnern. Am 21. Februar 1916, also genau vor hundert Jahren begann die Schlacht um die französische Festung Verdun. Für die Franzosen hat sich dieses Massensterben in das kollektive Gedächtnis gebrannt. In Verdun starben mehr als 300 000 Franzosen und Deutsche. Mehr als 400 000 wurden verletzt und fürs ganze Leben gezeichnet – sie kamen als Krüppel zurück in die Heimat.

Verdun war nicht die erste Schlacht im Ersten Weltkrieg, aber die brutalste und die schrecklichste. Zum ersten Mal wurden Giftgasgranaten eingesetzt – eine Erfindung des Chemikers Fritz Haber. Verdun wurde damit das Sinnbild der Hölle. Auch heute noch gleichen Teile von Verdun einer Mondlandschaft.

Verdun – Sinnbild der Sinnlosigkeit

Verdun ist ein Sinnbild für die Sinnlosigkeit und Entsetzlichkeit des Massentodes. Die Gedenkstätte, das Mémorial de Verdun, soll uns an den Irrsinn des Kriegs erinnern.

Der Historiker Gerd Krumeich hat mit einem französischen Kollegen das Buch „Verdun 1916: Die Schlacht und ihr Mythos aus deutsch-französischer Sicht“ geschrieben. Er geht der Frage nach, was es damit auf sich hat. Verdun, so Krumeich, sei die erste industrialisierte Großschlacht gewesen.  Gleichzeitig kämpfte Mann gegen Mann, Deutscher gegen Franzose – grauenvoll und archaisch. Zehn Monate dauerte dieses Schlachten. Dabei gab es keine Erfolge. Im blutig geführten Stellungskrieg machen beide Seiten trotz hoher Verluste keinen Fortschritt, was das Kämpfen umso sinnloser erscheinen lässt. Der Film „Im Westen nichts Neues“ beschreibt eindringlich diese Sinnlosigkeit.

Die Franzosen haben allerdings trotzdem gewonnen, weil sie den deutschen Durchbruch verhinderten. Dieser Mythos des „on ne passe pas“ (man kommt hier nicht vorbei)  hat sich von Generation zu Generation vererbt und an den sich selbst junge Franzose erinnern.

Neugestaltetes Memorial franco-allemand

Verdun sei mittlerweile auch in Frankreich vor allem ein Sinnbild für die Sinnlosigkeit und für die Entsetzlichkeit des Massentodes, so Krumeich. Das Memorial de Verdun wird, nach dem die letzten Zeugen gestorben sind, zu einem deutsch-französischen Memorial – neugestaltet und vergrößert.

Bilder von der Schlacht um Verdun:


„FranceSoir“ schreibt:

Avec la disparition des témoins – Lazare Ponticelli, le dernier poilu, s’est éteint en mars 2008 -, il était „devenu nécessaire de transformer le Mémorial„, explique son directeur Thierry Hubscher, qui salue l’ouverture d’un „lieu de mémoire franco-allemand, pédagogique, empreint d’émotion et accessible à tous„. Transmission et pédagogie seront les maîtres-mots de l’année 2016, comme le souligne M. Todeschini, pour qui il est „primordial de transmettre le souvenir de cet épisode de notre Histoire„.

 

Eingeleitet hat dieses Umdenken wohl das Händehalten von Helmut Kohl und Francois Mitterrand am 22. September 1984, auch ganz symbolhaft für die deutsch-französische Aussöhnung. Vor dem Beinhaus von Douaumont, in dem die Knochenvon mehr als 130 000 unbekannter Soldaten liegen, fassten sich die beiden Politiker an den Händen.

Frédérick Gersal schreibt in Notre Temps:

Tout commence au petit matin du 21 février 1916. Le Kronprinz, le fils aîné de l’empereur Guillaume ‑II, décide d’en finir avec la ville de Verdun et son système de défense. Son idée est simple: lancer un lourd bombardement suivi d’un assaut. Mais cette fois-ci, il s’agit d’un déluge d’artillerie déversé par l’armée allemande en continu à partir de 7 h 15. Avec plus de mille deux cents canons, des millions d’obus broient, déchiquettent et tuent des milliers de soldats français de part et d’autre de la Meuse, pendant près de neuf heures d’un feu ininterrompu …

Alles begann am frühen Morgen des 21. Februar 1916. Der Kronprinz, des ältesten Sohns von Kaiser Wilhelm II, entschied, Verdun und sein Verteidigungssystem auszuradieren. Seine Idee war ganz einfach: ein schweres Bombardement anzufachen, gefolgt von einem Sturmangriff. Dieses Mal handelte es sich um Artilleriefeuer, das die deutsche Arme um 7.15 Uhr entfachte. Aus mehr als 1200 Rohren wurden Granaten gefeuert, die Tausende französischer Soldaten in Stücke rissen auf beiden Seiten der Meuse. Das Trommelfeuer dauerte neun Stunden …

Vielleicht ist diese Datum ja für den einen oder anderen Anlass, in die Alsace-Champagne-Ardenne-Lorraine zu fahren und neben einer Champagner-Probe einmal an der Gedenkstätte vorbei zu schauen.

Übrigens der US-amerikanischer Philosoph und Schriftsteller spanischer Herkunft George Santyana 
eigentlich: Jorge Augustín Nicolás Ruiz de Santayana, hat einmal gesagt

„Wer sich der Geschichte nicht erinnert, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“


Bücher zum Thema

Dieter & Inge Wernet haben aus Belgien haben zwei Bücher geschrieben über

„Die Feste Wagner“ – „La Feste Wagner“ in Metz (je 19 Euro plus 6 Euro Verpackung) und „Toul – Die Geschichte einer französischen Lagerfestung“ (59 Euro plus Porto und 2 Euro für Verpackung), Portokosten für ein 5 kg Paket (Stand November 2015) innerhalb Deutschlands 7 Euro, europaweit 17 Euro.

„Nach 1871 musste Frankreich seine Ostgrenze neu befestigen. Es entstanden vier große, zur deutschen Grenze gerichtete Festungen: Verdun, Toul, Epinal und Belfort. Toul ist also die Schwesterfestung von Verdun, nur dass hier im 1. WK keine Kämpfe stattfanden. Alle Werke und Batterien sind also weitgehend unversehrt. Unser Buch ‚Toul – Die Geschichte einer französischen Lagerfestung‘ ist unter anderem auch eine Bestandsaufnahme der vorhandenen Anlagen und deren Zustand zu Beginn des 21. Jahrhunderts. 

Leseprobe des Helios-Verlags, Aachen unter:
Leseprobe Helios Verlag sowie eine Rezension des verstorbenen Historikers Prof. Werner Lacoste

Militärhistorische Studien von Inge und Dieter Wernet

Militärhistorische Studien von Inge und Dieter Wernet

 

Weiterführende Links:

Einige Tweets rund um Verdun

 

Posted by Helmut Achatz

Vorruheständler, Wirtschaftsingenieur, Journalist, Börsianer

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