Wo es sich am besten für ältere Leute lebt, weist der Global Age Watch Index aus. Danach geht es Bestagern und Senioren in der Schweiz, in Norwegen, Schweden – und in Deutschland am besten, gefolgt von Kanada, den Niederlanden, Island und Japan. Die USA sind nur auf Platz neun, Großbritannien auf Platz zehn. Am schlechtesten geht es Älteren in Pakistan, Mozambique und Malawi. Absolutes Schlusslicht ist Afghanistan.

Ok, das ist das eine. Gerade die Schweiz und Norwegen sind geprägt von hohen Lebenshaltungskosten – da kann schon mal der eine oder andere auf die Idee kommen, mit seinem Ruhestandseinkommen in günstigere Länder auszuweichen. Das gilt natürlich auch für Deutschland. Klingt ja auch verlockend – gerade im Süden ist es wärmer als in heimischen Gefilden und meist auch billiger.

Was beim Auswandern ins Ausland zu bedenken ist

Wer allerdings seine Rente im Ausland genießen will, sollte einiges bedenken, wie gerade der Fall Thailand aktuell zeigt. Das Land verlangt von Rentnern, die dort leben wollen einen Nachweis, dass 65 000 Bath monatlich eingehen. Das entspricht mittlerweile 1632 Euro. Problem ist der schwächelnde Euro. Falls diese Entwicklung weitergeht, erhöht sich das schnell auf 1700 Euro. Ferner verlangt Thailand für ein Retirement Visa ein Bankguthaben von 800 000 Baht – etwas mehr als 20 000 Euro. „Damit möchte Thailand sicherstellen, dass Rentner den Lebensunterhalt aus eigenen Mitteln bestreiten können und nicht dem thailändischen Staat zur Last fallen“, schreibt Rainer Hellstern in seinem Buch „Rente im Ausland“.

Hellsterns Buch ist fast so eine Art Bibel für auswanderungswillige Rentner. Deswegen lohnt sich mehr als nur ein Blick in das 204-Seiten starke Werk, das übrigens von seinem Blog Auswandern-Handbuch begleitet wird. Er geht auf die Gründe ein, warum manche Rentner auswandern wollen. Er dringt bis zu den Feinheiten des deutschen Sozialversicherungsrechts vor und klärt über den Geldtransfer ins Ausland auf.

Mehr Wunsch als Wirklichkeit

Er warnt auswanderungswilligen Rentnern, sich zu vergegenwärtigen, dass „die Realität nicht immer hält, was die Träume versprachen“. Er rät, sich keinen fremden Menschen anzuvertrauen, weil viele es nur auf das Geld der Rentner abgesehen haben. Vorsicht sei vor allem beim Kauf von Immobilien angebracht.

Was sein Buch besonders lesenswert macht, ist der Länderteil. Hellstern geht auf die USA ein, auf die Schweiz, auf Österreich, Spanien, Frankreich, Thailand, die Türkei, Kambodscha, die Philippinen – und zwar was Lebenshaltungskosten, Klima, Entfernung, Sprache, medizinische Versorgung, Umzug und Visum betrifft

Am Ende des Buch erwähnt er auch die „Pflege im Ausland“: was kostet sie, wer übernimmt die Kosten, wie findet man ein gutes Pflegeheim?

Literaturverzeichnis und Leseempfehlungen

Wie das Beispiel Thailand zeigt, ändern sich die Bestimmungen und Verhältnisse. Deswegen sollten auswanderungswillige Rentner auch in dieses Kapital schauen. Es listet auf sieben Seiten weitere Informationsquellen auf.

Nach der Lektüre des Buchs relativiert sich wahrscheinlich einiges – das ist Hellstern zugute zu halten. Er geht fundiert auf Sonnen- und Schattenseite ein und warnt vor den Tücken. Also unbedingt reinschauen – und dann erst planen.

Vielleicht ist sinnvoll, das Auswandern einfach einmal zu proben und im Süden zu überwintern. Auch dafür hat Hellstein auf seinem Blog einige wertvolle Hinweise und Tipps.

Nützliche Links:

Posted by Helmut Achatz

Vorruheständler, Wirtschaftsingenieur, Journalist, Börsianer

2 Comments

  1. viele gehen, um ihren Lebensabend auf Malle und Co. zu verbringen. Noch mehr kommen „reumütig“ zurück. Sehr präzise ist der o.a. Artikel über die Rentnerflucht. Norwegen: wunderbar, tolles Land, tolle Menschen. Das war´s für einen, der sein Alter dort verbringen will: brauchst du einen Arzt oder gar mehr und wohnst nicht nahe Oslo & Co, hast du ein massives Problem. Taugen deine Augen nicht mehr so , dass du das Auto besser stehen lässt, hast du die „A“-karte. Willst du mal eben abends ins Kino, Theater oder so, dumm gelaufen: gibt´s halt nur in Ballungsgebieten. Diese für uns in Deutschland selbstverständlichen Annehmlichkeiten zu einem passablen Obolus, kannst du auf der ganzen Welt suchen. Bleibe im Lande und nähre dich redlich. Selbst wenn es gerade bei uns hier knirscht und quietscht, dann schepperts aber gewaltig anderswo. Schweiz: kriegst kein Fuß auf den Boden als Deutscher, Kanada, -sehr vergleichbar mit Norwegen-, Österreich, nun ja, Bayern ist mir lieber…. Fazit:
    warum in die Ferne schweifen, liegt das gute Glück so nah!

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