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+++ aktualisiert am 20. November 2015 +++ Das Rentenplus im kommenden Jahr ist Augenwischerei, das sollten sich künftige Rentner schon mal vor Augen führen. Das ist nichts weiter als ein Wahlgeschenk im Hinblick auf 2017. Nach 2017, wenn die Union wieder im Sattel sitzt, wird es so nicht weitergehen, das muss allen klar sein. Der Rentenversicherungsbericht lässt daran auch keinen Zweifel. Die 20 Millionen Rentner müsse sich wohl auf magere Jahre einstellen – und die Neurentner erst recht.

Höhere Beiträge und niedrigere Renten

Bis 2029 soll die Rente – nach dem Ausnahmejahr 2016 – dann um rund zwei Prozent pro Jahr steigen, so die Annahme – und die ist überaus optimistisch. Die Jungen müssen umgekehrt mit höheren Beiträgen in die Rentenversicherung rechnen. Ab 2020 wird er dem Bericht zufolge von derzeit 18,7 Prozent auf 20,4 Prozent bis 2025 steigen – bis auf 21,5 Prozent dann in den folgenden vier Jahren.

Damit nicht genug, auch das Rentenniveau fällt – und zwar von derzeit 48,1 Prozent 2014 auf 47,6 Prozent 2020 und dann weiter auf 44,6 Prozent im Jahr 2029. Rentenniveau bedeutet: die Rentenhöhe des Standardrentners im Vergleich zum Durchschnittsverdienst.

Nur die wenigsten setzen auf Riester

Bei der Abfassung des Rentenversicherungsberichts gingen die Autoren davon aus, dass die heute noch Aktiven auch tatsächlich Riester-Sparen – nur, das macht nicht jeder. Genau für die Nicht-Riester-Sparer wird das Geld aus der gesetzlichen Rente in Zukunft nicht reichen. Damit ist Altersarmut programmiert. Wer da gar noch in einer teuren Stadt wie München lebt, für den sieht es ganz mau aus. Wir werden in Deutschland mittelfristig eine Wanderungsbewegung erleben – München wird dann teilweise seniorenfrei.

Rentner – Bittsteller des Staats

Es ist dem Landesseniorenrat Baden-Württemberg zugute zu halten, dass er seit Jahren vor der drohenden Altersarmut warnt, die künftige Rentnergenerationen betreffen wird. 2Es kann und darf nicht sein, dass in zehn bis fünfzehn Jahren für viele kein auskömmliches Rentenniveau trotz lebenslanger Arbeit erreicht wird“, so die Warner. Erschwerend komme hinzu, dass Menschen in Altersarmut über Sozialhilfe und Grundsicherung finanziert werden müssen. LSR-Vorsitzender Roland Sing sieht die Menschen zu Bittstellern des Staates werden, „obwohl sie jahrzehntelang Mitglied der gesetzlichen Rentenversicherung waren“.

Schönfärberei der Rentenpolitiker

„Kritische Sozialwissenschaftler sprechen angesichts der rechnerischen Annahmen von ‚beschönigenden Annahmen’ der Bundesregierung“, schreibt der „Versicherungsbote“ und verweist darauf, dass „diese akademischen Kontrolleure der Rentenpolitik die Drei-Säule-Theorie zur Alterssicherung für gescheitert erklären – die Riester-Rente inklusive“.

Das „Portal Sozialpolitik“ schreibt: Die Neurentner „liegen zudem deutlich unterhalb jenes Niveaus, das bis zur Jahrhundertwende mit der damals noch lebensstandardsichernd ausgerichteten gesetzlichen Rente ganz alleine erreicht wurde. Selbst unter den verzerrenden Modellannahmen des Regierungsberichts kann »Riestern« die Rente also nicht ersetzen – von den realen Verhältnissen ganz zu schweigen. Als Folge der (Teil-) Privatisierung der Alterssicherung zahlen die Versicherten also nicht nur einen höheren Preis für ihre Altersversorgung, sie erhalten dafür im Gegenzug auch noch geringere Leistungen. Es wird Zeit für eine Rückkehr zur lebensstandardsichernden Rente.“

Das Rentenniveau sinkt immer weiter

Grafik: Portal Sozialpolitik        Das Rentenniveau sinkt immer weiter

Weiterführende Links:

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Reaktionen der Medien:

Die aktuelle Diskussionen um Flüchtlinge und Terroristen überdeckt das Problem Rente, das zurzeit weitgehend untergeht. Wir als Gesellschaft müssten auf breiter Front darüber diskutieren – interessiert aber nur die Wenigsten. Einige Zeitungen haben den Rentenversicherungsbericht dennoch aufgenommen. Nachfolgend einige Pressestimmen:

Der Nordbayerische Kurier

Interessant werde es im Kleingedruckten. Denn, „die 50 Prozent (Rentenniveau) werden nur gehalten, wenn ein Rentner erstens überhaupt Riester-Rente bezieht, zweitens immer brav angespart hat, drittens immer alle staatlichen Zulagen ausgeschöpft hat und viertens sein angespartes Kapital jährlich vier Prozent Zinsen abwirft. Das alles entspricht aber ganz und gar nicht der Lebenswirklichkeit. Die Regierung rechnet sich die Zahlen schön und meint, sich ruhig zurücklehnen zu können. In Wahrheit haben die Politik der Micker-Zinsen und eine Riester-Rente mit Mängeln vielen Menschen die Lust am Sparen fürs Alter längst vergällt. Zu verantworten hat das zum großen Teil die Bundesregierung. Die Zeche aber werden andere zahlen: wir Rentner von morgen.“

Der Donaukurier

„Das Sicherungsniveau: Es wird für Rentner trotzdem schwieriger, ihren vorherigen Lebensstandard zu sichern. Das Sicherungsniveau, das Verhältnis der Rentenhöhe eines Standardrentners zum Durchschnittsverdienst, liegt aktuell noch bei 48,1 Prozent, soll 2020 noch 47,6 Prozent betragen und wird bis 2029 auf 44,6 Prozent sinken. Hintergrund ist, dass künftig immer mehr Rentner von weniger Beitragszahlern finanziert werden müssen.
n Die Vorsorge-Lücke: Die Bundesregierung argumentiert, dass bei Berücksichtigung der privaten Vorsorge das Sicherungsniveau auch künftig oberhalb der 50-Prozent-Marke bleiben wird. Die Opposition hält dagegen: Nur wenige könnten die Lücke, die durch das Absenken des Rentenniveaus entstehen, durch private Vorsorge schließen. Vor diesem Hintergrund fordert der CDU-Sozialflügel die Einführung einer obligatorischen Betriebsrente.“

Deutsche HandwerksZeitung 

Das Sicherungsniveau „Es sinkt von 48,1 Prozent 2014 voraussichtlich auf 47,6 Prozent 2020 und sackt dann weiter auf 44,6 Prozent im Jahr 2029 ab. Gemeint ist das Verhältnis der Rentenhöhe eines Standardrentners gegenüber dem Durchschnittsverdienst. Laut politischer Festlegung soll das Rentenniveau bis 2030 nicht unter 43 Prozent fallen. Inklusive Riester-Rente bleibt das Sicherungsniveau laut dem Bericht über 50 Prozent. Grünen-Rentenexperte Markus Kurth hält diese Schätzung für aus der Luft gegriffen. Tatsächlich könnten nur wenige die Rentenlücke mit privater Altersvorsorge schließen.“

 

 

Posted by Helmut Achatz

Vorruheständler, Journalist, Börsianer, Vorstand VHS Olching, Wirtschaftsingenieur,

7 Comments

  1. […] erst mit 67, weil die gesetzliche Rente nicht reicht – und sie wird nicht reichen. „Es ist ein Mythos, dass sich der Lebensstandard durch die gesetzliche Rente halten lässt“, warnt Rentenexperte Bernt Rürup. Wer sich im Alter nicht deutlich einschränken wolle, müsse […]

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  2. […] schließen? Richtig Geld für den Ruhestand anlegen damit es bis ins hohe Alter reicht Lebensstandard trotz höherer Rente in Gefahr Plant für den Ruhestand Haben wir Alten die Jungen wirklich versaut? Fünf Generationen und ihre […]

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  3. Sorry, das ist alles (für mich) nichts wirklich Neues. Ich habe als Freiberufler lange Zeit auch nicht richtig vorgesorgt, war mir aber der Konsequenzen bewusst, da das schon seit Jahren gepredigt wird und somit hinreichend bekannt sein sollte.
    Letztlich sind die meisten von uns – auch ich – verwöhnt.
    BG, Peter

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  4. Guten Morgen in die erlauchte Runde,
    wir „Silver-Ager“ sollten doch so viel Lebensweisheit zwischenzeitlich gesammelt haben, um die einfachsten mathematischen Formeln und logischen Folgen aus der demografischen Entwicklung zu erkennen und anerkennen. Bismarcks Modell von 1890, und nur das kennen wir, funktioniert eben nicht mehr. Das liegt aber nicht an dem „bösen“ Staat, sondern an uns Älteren, die immer länger diesen Trabanten bevölkern. Wenn wir zur zeugungswilligen Zeit auch damals noch zu faul oder bequem waren, genügend Rentenzahler zu produzieren, weil uns damals der Komfort wichtiger war als die Großfamilie, dann ist es doch nur folgerichtig, dass wir jetzt im Alter entweder genügend KOhle auf der Seite haben, oder aber den Gürtel enger schnallen müssen. Für den einen oder anderen mag die letzte Lösung die unerfreuliche sein, aber wir sollten die Kirche im Dorf lassen: den meisten geht es im weltweiten Vergleich extrem gut. Es tut als gut, ein bisschen weniger Bildzeitungsparolen zu schwingen.
    Mit ergrauten Grüßen
    Georg-W. Moeller

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    1. Das ist die Ist-Situation. Wie die Grafik zeigt, wird sich die Lage für die künftige Rentnergeneration deutlich verschlechtern. Ich habe auch noch ein paar Pressestimmen angehängt. Vor allem der „Norbayerische Kurier“ drückt es noch mal drastisch aus.

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  5. […] Startseite » Blogosphäre » Lebensstandard trotz höherer Rente in Gefahr […]

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  6. Von Kurt Lehmann: Die Abwanderung aus der Großstadt merken wir hier im Randgebiet von Hamburg schon länger. Noch vor 4 – 5 Jahren lebten wir in unserer Kleinstadt Pinneberg ( 15 KM von HH – City entfernt ) noch recht günstig. Es gab bezahlbare Wohnungen für Rentner und Normalverdiener. Nachdem in einigen Hamburger Stadtteilen die Mieten explodiert sind, strömen die Menschen geradezu ins “ billige “ Umland. Tja, heute haben wir fast Hamburger Mietniveau und eine freie Wohnung wird zur Mangelware. Ich bin ein “ armer EM Rentner “ mit Wohnberechtigungsschein und suche seid 14 Monaten nach einer 2 Zimmer Sozialwohnung – ohne Erfolg. Das Horrorszenario von obdachlosen Rentnern halte ich gar nicht für so abwegig.

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