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Junge Alte länger fit – warum das so ist? Die jungen Alten sind noch ganz schön fit – werden sie auch bleiben müssen, denn die Herausforderungen, die auf diese Gruppe zukommt ist enorm. Mit 17 Millionen sind es auch ziemlich viele. Was treibt die jungen Alten um, welche Probleme haben sie und wie gehen sie damit um. Dieser Frage ist das Statistische Bundesamt in ihrem Datenreport “Generation 65+” nachgegangen.

Das Interessanteste vorweg – der Anteil der Senioren (65+) ist auf 21 Prozent gestiegen, das heißt, jeder fünfte Deutsche ist älter als 65, fünf Prozent sogar älter als 80. Der Jugendquotient (Zahl der unter 20-Jährigen bezogen auf die Zahl der 20- bis unter 65-Jährigen) fiel der Behörde zufolge auf  31, er rangiert damit unter dem Altenquotient (Zahl der 65-Jährigen und Älteren bezogen auf die Zahl der 20- bis unter 65-Jährigen) mit 34. Anfang 1955 war das noch umgekehrt. So lag der Jugendquotient damals bei 50 und der Altenquotient bei 18, seit 2006 übersteigt der Altenquotient den Jugendquotienten.

Mehr Omas als Opas

Die Zahl der Jungs ist im Baby- und Kindesalter um fünf Prozent größer als die der Mädchen. Das ändert sich jedoch ab dem Alter von 60: Es sterben mehr Männer als Frauen, so dass das weibliche Geschlecht dann überwiegt. Der Altersgruppe der 70- bis 80-Jährigen überwiegen die Frauen mit einem Anteil von 55 Prozent, bei der Altersgruppe 80+ ist der Anteil sogar bei 68 Prozent. Das heißt, Männer sind dann Mangelware – oder anders ausgedrückt, es gibt viel mehr Omas als Opas.

Mangelware sind auch Kinder: 1964 wurden 1,36 Millionen geboren, 2009 mit 665 000 nur noch etwa die Hälfte. Das hat natürlich gravierende Auswirkungen auf das Rentensystem.

Dramatischer Bevölkerungsrückgang

Denn die Mädchen, die heute nicht geboren werden, können später als Frau auch keine Kinder bekommen. Es kommt zum Bevölkerungsrückgang, denn selbst die angenommene Zuwanderung wird nicht ausreichen, diesen Rückgang aufzuhalten.

Der Bevölkerungsrückgang wird den Statistikern zufolge bis 2020 erst moderat ausfallen. 2020 werden etwa zwei Prozent weniger Menschen als 2009 in Deutschland leben, 2030 etwa fünf Prozent und 2060 schließlich 21 Prozent weniger. Absolut wird sich die Einwohnerzahl von derzeit 81,8 Millionen auf 64,7  im Jahr 2060 vermindern. Gerade der Osten Deutschland wird sich regelrecht entleeren, das gilt insbesondere für Mecklenburg-Vorpommern, das jetzt schon zu den am dünnsten besiedelten Bundesländern gehört.

Älter und einsamer

Wir werden nicht nur immer älter, wir werden auch immer einsamer. So nimmt gerade die Zahl der alleinlebenden Frauen ab 60 deutlich zu – bei der Gruppe 75+ leben sogar 60 Prozent allein. Bei den Männern dieses Alters sind es nur 20 Prozent.

Die demographische Entwicklung wirkt sich natürlich auf die gesetzlichen Renten aus. Für männliche Neurentner  in den alten Bundesländern zeigt sich den Statistikern zufolge ein deutlicher Rückgang ihrer Entgeltpunkte (EP), die ja maßgebend sind für die Rente: Die Anwartschaften des Medianrentners sinken im Zeitverlauf von etwa 47 um knapp elf Prozent auf 42 EP im Jahr 2009. Die Folge: Neurentner des Jahres 2009 bekommen im Schnitt vergleichsweise geringere Altersrenten als Neurentner der vorangegangenen Jahre. Am schlimmsten trifft es dabei die Rentner mit niedriger und mittlerer Rente. Nominal sank ihre Rente von 1072 im Jahr 1993 auf 1013 im Jahr 2009 – die Inflation trifft sie damit richtig hart.

Vergleich mit den europäischen Nachbarn

Noch ein Blick über den nationalen Gartenzaun – und ein Vergleich mit unseren europäischen Nachbarn:

Die Deutschen arbeiten im Schnitt länger als die meisten Nachbarn. So weist Deutschland bei den 60- bis 64-Jährigen 2014 eine Erwerbstätigenquote nach international vergleichbarer Abgrenzung der Arbeitskräfteerhebung von 53 Prozent aus, in Estland ist sie genauso hoch, in Schweden liegt sie bei 66 Prozent – der EU-Durchschnitt lag 2014 nur bei 37 Prozent.

In punkto Geburtenrate ist Deutschland so ziemlich das Schlusslicht. Damit sich die Bevölkerung eines Landes auf natürliche Weise jedoch reproduzieren kann, ist in hochentwickelten Ländern eine Zahl von durchschnittlich 2,1 Kindern je Frau erforderlich. Davon ist Deutschland mit 1,4 weit entfernt. Solange die Geburtenziffer unter diesem Wert bleibt, wird jede folgende Müttergeneration dem kleinen Einmaleins der Statistiker zufolge kleiner als die vorherige. Von den 27 EU-Ländern erreichte nur Irland 2009 knapp den Durchschnittswert von 2,1, in Frankreich waren es 2,0 Kinder je Frau. Die geringsten Geburtenziffern der EU verzeichneten Lettland, Portugal und Ungarn mit jeweils 1,3 Kindern je Frau. In Deutschland lag die durchschnittliche Kinderzahl mit 1,4 nur knapp darüber. Aber das sind die Werte von 2009 – 2015 sieht es deutlich schlechter in Deutschland aus, gemessen an der Geburtenrate von 2009 bis 2013, die sich auf die Zahl der Kinder pro tausend Einwohner bezieht. In dieser Beziehung ist Deutschland auf dem letzten  Platz mit einer Rate von 8,28 Geburten auf je tausend Einwohner. Um das auszugleichen, müssten jedes Jahr mehr als eine halbe Millionen Menschen einwandern.

“Berliner Morgenpost”: 65 oder älter – und stolz darauf

 

 

Posted by Helmut Achatz

Vorruheständler, Journalist, Börsianer, Vorstand VHS Olching, Wirtschaftsingenieur,

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