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Frauen ist ihr Dekolleté wichtig – es ist Ausdruck ihrer Weiblichkeit. Schlimm, wenn eine Brust oder beide Brüste nach einer Krebstherapie fehlen, weil sie amputiert wurden – werden mussten. Leider trifft es hierzulande weit mehr als 70 000 Frauen – eine von acht – pro Jahr. Brustkrebs ist die häufigste Krebsart. Einfach schicksalhaft hinnehmen? Nein, Betroffenen eröffnen sich Chancen, das Fehlende auszugleichen – mit einem Schalen-BH beispielsweise.

Ein Gastbeitrag („Sich zeigen, wie man ist“) aus dem Magazin „Kontakte“ von Anita

Ich heiße An, bin 37 Jahre alt, verheiratet mit einem fantastischen Mann und Mutter von vier aufgeweckten Jungs. Alles war gut, bis ich im November 2013 die Diagnose Brustkrebs bekam – das schlug ein wie eine Bombe. Für alle um mich herum war es extrem schwierig, das zu verkraften, nicht zuletzt, weil meine Mutter im Vorjahr dieselbe Diagnose bekommen hatte. Bei uns allen waren die Erinnerungen an die schwere Zeit noch sehr frisch. Und jetzt ich … Meine Kinder waren zu diesem Zeitpunkt elf, acht, fünf und drei Jahre alt.

Ich erfuhr, dass beide Brüste von Krebsgeschwüren befallen waren und ich mich einer doppelten Brustamputation unterziehen müsste. Für eine junge Frau nicht gerade einfach zu verkraften.

Ganz spezielle Modeschauen

Neben meinem Mann war auch meine Schwester während dieser Zeit eine große Stütze. Sie begleitete mich ins Krankenhaus, stellte den Ärzten genau die richtigen Fragen, wartete bei allen Untersuchungen geduldig auf mich, verfasste kleine Gedichte, um mir meinen Krankenhausaufenthalt nach der OP etwas erträglicher zu machen. Sie kümmerte sich um meine Kinder, kochte, bügelte und kaufte ein und versorgte „nebenbei“ noch ihre eigene Familie.

Ich erinnere mich noch sehr gut an den Tag im Krankenhaus, als mir die Bandagistin Lieve einen Besuch abstattete. Sie erklärte mir, dass ich in den ersten sechs Wochen einen mit Watte gefüllten Post-OP-BH tragen konnte. Als besonders modisch würde ich diesen BH mit den dazugehörigen Watteprothesen nicht bezeichnen, doch es war zumindest schon einmal ein Anfang. Mit etwas Geduld hatten wir die passende Größe für mich bald gefunden. Die Wölbung meiner nicht mehr vorhandenen Brüste war plötzlich wieder da! Nach diesen ersten sechs Wochen habe ich die Watte nie mehr getragen, doch damals war ich unglaublich froh darüber. Die Bandagistin gab mir auch einige Prospekte mit Prothesen und Damenunterwäsche für brustoperierte Frauen. Beim Durchblättern rutschte mir heraus: „Wieso können die eigentlich keine Frauen ohne Brüste abbilden? Diese Models haben doch nichts mit mir zu tun.“ Daraufhin fragte Lieve mich, ob sie meine Kontaktdaten an die Firma Anita weitergeben dürfe. Anita würde gelegentlich Freiwillige suchen, die bei Modenschauen Dessous vorführen wollten. Ich sagte spontan zu.

Kauf der ersten Prothese und eines BHs

Nach meinem Krankenhausaufenthalt folgte die Reha-Zeit. Nach sechs Wochen kaufte ich in einem Miederwaren-Fachgeschäft meine ersten Prothesen und einen BH. Ich war überrascht: Die Prothesen erinnerten mich wirklich an meine echten Brüste und dank eines perfekt abgestimmt BH-Modells kann wirklich niemand erkennen, dass mir beide Brüste amputiert wurden. Nach all den schwierigen Momenten der letzten Monate war das ein freudiger Augenblick.

Dann ging es weiter mit Bestrahlungen. Das hatte ich absolut unterschätzt. Es war total kräftezehrend, aus Müdigkeit wurde unendliche Erschöpfung. In dieser Zeit kontaktierte mich die Firma Anita. Wir lagen sofort auf einer Wellenlänge. Schon bald kam die Anfrage, ob ich meine erste Modenschau laufen wollte. Oh je, ich war so nervös! Als Dozentin war ich es zwar gewohnt, vor einem Publikum zu stehen, doch das war jetzt noch einmal etwas ganz anderes. Es gab mir aber auch sehr viel Befriedigung. Ich konnte Leidensgenossinnen zeigen, dass man sich für sein neues Äußeres nicht schämen muss. Anita macht so schöne und hochwertige Miederprodukte und Bademode, dass man sich wieder durch und durch weiblich fühlt. Seitdem stelle mich regelmäßig als Freiwillige zur Verfügung, um in ganz unterschiedlicher Umgebung anderen Frauen die Produkte von Anita vorzuführen. Die Kollektion der letzten und der aktuellen Saison habe ich schon mehrmals bei Modenschauen getragen, und finde sie umwerfend. Jede Frau findet hier das Passende.

Keine Brustrekonstruktion

Deswegen kann ich klipp und klar sagen: Eine Brustrekonstruktion kommt für mich nicht in Frage. Ich möchte meinem Körper nicht noch einmal eine Operation zumuten, zumal es bei mir um einen doppelten Brustwiederaufbau gehen würde. Ich fühle mich wohl in meinem Körper, so wie er jetzt ist. Natürlich fehlen mir meine Brüste, aber ich glaube nicht, dass eine Rekonstruktion dieses Gefühl des Verlusts beseitigen kann. Für mich ist Anita die beste Alternative: Mit den Prothesen und der Unterwäsche fühle ich mich feminin und schön – und das ist für mich das, was zählt.

Der Tag der Diagnose liegt mittlerweile fast ein Jahr zurück. Wirklichen Abstand habe ich noch nicht. Das Ganze beschäftigt mich auf die eine oder andere Art noch immer jeden Tag. Die Operationsnarben und die Folgen der Bestrahlung machen mir immer noch zu schaffen. Ich kämpfe auch nach wie vor mit der Müdigkeit. An einen Wiedereinstieg in den Beruf ist zurzeit noch nicht zu denken. Deshalb macht es mir auch viel Spaß, ab und zu an einer Modenschau teilzunehmen. Je länger und öfter ich Modenschauen laufe, desto mehr merke ich auch, wie viel ich anderen Frauen damit geben kann, die ich bei den Shows treffe. Der Kontakt, die Gespräche mit Leidensgenossinnen tun einfach gut. Meine Botschaft an alle betroffenen Frauen und den Rest der Welt: Man darf sich ruhig so zeigen, wie man ist!

Mehr Infos auf der Homepage von:

In eigener Sache: Meine Frau starb 2001 an Brustkrebs – ich begleitete sie in all den Jahren davor und weiß, wie sehr ein solcher Eingriff  das Leben einer Frau verändert

 

Posted by Helmut Achatz

Vorruheständler, Journalist, Börsianer, Vorstand VHS Olching, Wirtschaftsingenieur,

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